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Immer wieder gab es Anfragen für neue Aufsätze in dieser Rubrik. Ich verzichte, weil mein Studium nun schon etwas länger zurückliegt auf eine rechtliche Beurteilung, denn die ändert sich. Bleibend ist dagegen die Chemie und Technologie, die wird auch in 100 Jahren noch gelten. Auf diese werde ich mich bei diesem Produkt weitgehend beschränken.
Bei dem Produkt handelt es sich um einen Diät Joghurt mit Erdbeergeschmack und Vollkornanteilen. Auf der Packung steht: Diät Joghurt aus entrahmter Milch mit 0.1 % Fett. Angaben auf der Verpackung sind wie immer in dunkelblauer Schrift.
Diätjoghurt aus entrahmter Milch mit 3 % Vollkorn und 6.5 % Erdbeeren: Der Verbraucher soll erkennen können was er vor sich hat. Daher hier noch eine Produktbeschreibung. Die wertgebenden Substanzen Erdbeeren und Vollkorn (erkennbar an der Abbildung auf dem Deckel) werden genannt und ihr Prozentualer Anteil ausgewiesen, damit der Verbraucher beurteilen kann ob der Joghurt viel oder wenig davon enthält.
Mit einer Zuckerart und Süßungsmitteln, enthält eine Phenylalaninquelle, zur besonderen Ernährung bei Diabetes mellitus im Rahmen eines Diätplanes. In 100 g sind 10 g Zucker durch Süßstoffe ersetzt: Das ist eine fast vorbildliche Anbringung der gesetzlich vorgeschriebenen Warnhinweise und der Angaben die für Diabetiker notwendig sind. Man erfährt, dass dieser Joghurt für Diabetiker geeignet ist, dass 10 g Zucker (sprich Saccharose) durch andere Substanzen und Süssungmitteln ersetzt wurden und es gibt den Warnhinweis wegen der Aminosäure Phenlyalanin, welche bei einer speziellen Erbkrankheit, der Phenylketonurie gemieden werden sollte und die im Süßstoff Aspartam enthalten ist. Der einzige Kritikpunkt: Anstatt "Zuckerart" hätte der Hersteller gleich "Fructose" schreiben sollen, denn Diabetiker sollten eigentlich wissen, welche Zuckerarten sie nehmen dürfen und welche nicht.
Zutaten: Nun das eigentliche Zutatenverzeichnis.
Joghurt aus entrahmter Milch: Nun dies ist natürlich der Hauptbestandteil des Produktes. Auf die entrahmte Milch gehe ich noch unten in der Zusammenfassung ein.
Erdbeeren: Anders als bei normalen Joghurts, wo hier an zweiter Stelle der Zucker (mit etwa 10 % Anteil steht) kommt durch das Süßungsmittel die Erdbeeren an zweiter Stelle. 6.5 % sind es, das wissen wir aus der ersten Angabe.
Wasser : Offensichtlich ist der Joghurt sonst zu dick
Fructosesirup: Dies ist die Zuckerart mit welcher die Saccharose ersetzt wurde. Fructose beeinflusst den Insulinspiegel kaum. (Stand 2006, als dieser Aufsatz entstand, inzwischen ist Fructose von der Diätverordnung gestrichen worden, da er zu einer Fettleber bei hoher Aufnahme führt und auch andere Indizien auf negative Wirkungen hinwiesen)
Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Leinsamen : Das sind nun die Vollkornanteile. Zusammen sind es nur 3 %, d.h. wir sind nun schon bei den Minorbestandteilen des Produktes.
Modifizierte Stärke E1422 und E1442 : E1422 ist Acetyliertes Distärkeadipat und E 1442 ist Hydroxypropyl-Distärkephosphat. Dies sind beides chemisch modifizierte Stärken, die bei der Verdauung in Substanzen zerlegt werden die auch in der Nahrung vorkommen (Phosphat, Adipinsäure, Propionsäure, Glucose). E 1422 ist eine vernetzte Stärke, welche die Scherstabilität deutlich verbessert. E 1442 ist Stärkeether, der eine sehr gute Kaltstabilisierung aufweist und auch nach Tiefgefrieren und starkem Erhitzen noch stabile Lösungen ergibt.
Verdickungsmittel E412 und E440 : E412 ist Guarkernmehl, ein Verdickungsmittel aus einer Leguminose, einem Hülsenfrüchtler wie unsere Bohnen oder Erbsen. Es verdickt sehr gut und stabilisiert auch Lösungen. E 440 steht für Pektin oder Amidiertes Pektin. Das ist ein Dickungsmittel welches aus dem Trester bei der Fruchtsaftproduktion gewonnen wird. Die Zellwände von Äpfeln und Birnen bestehen größtenteils daraus. Die Verwendung in diesem Produkt ist eher ungewöhnlich. Normalerweise geliert es nur wenn es erhitzt wird und wird daher für Marmelade eingesetzt. Es geliert jedoch auch in Anwesenheit von Calcium, wie er in der Milch reichlich vorkommt.
Aromen: Mit den 6.5 % Erdbeeren im Produkt bekommen sie keinen Erdbeergeschmack hin. Also wird künstliches Erdbeerearoma zugesetzt.
Säuerungsmittel E330: Dies ist Zitronensäure. Sie gibt dem Joghurt nicht nur etwas Säure, sondern auch einen frischen, fruchtigeren Geschmack.
Süßstoffe Aspartam und Acesulfam-K: Aspartam ist ein Süßstoff aus einem kurzen Peptid, bei der auch die Aminosäure Phenlyalanin enthalten ist (daher der Warnhinweis oben). Er süßt wesentlich stärker als Zucker, je nach Konzentration etwa 100-180 fach stärker. Acesulfam-K ist ebenfalls ein synthetischer Süßstoff, er süßt etwa 160 mal stärker als Zucker. Beide werden heute oft eingesetzt, weil ihre Süße näher bei der von Zucker ist und es einen geringeren Beigeschmack als bei Saccharin und Cyclamat gibt.
Rote Beetesaftkonzentrat : Damit wurde der Joghurt rot eingefärbt, Es wurde anstatt einem Farbstoff eingesetzt.
Kommen wir noch zur Nährwertkennzeichnung diese ist bei diesem Produkt vorgeschrieben weil es sich auch an Diabetiker wendet.
| Nährwerte | pro 100 g |
|---|---|
| Brennwert | 189 kJ45 kcal |
| Eiweiß | 4.6 g |
| Kohlenhydrate | 6.3 g |
| davon Zucker | 0.1 g |
| 1 BE = 190 g | |
| 1 Becher = 1.3 BE |
Fangen wir mal mit der Sensorik an. Diese ist in Ordnung Der Joghurt schmeckt gut, er schmeckt eigentlich wie andere Erdbeerjoghurts, was bei Diabetikerprodukten nicht unbedingt selbstverständlich ist. Man merkt, aber das es ein Magerjoghurt ist, es fehlt einfach das Fett im Aroma.
Warum ein Magermilchjoghurt. Sicher, viele Diabetiker sollen ihr Gewicht konstant halten oder wenn sie vorher übergewichtig sind abnehmen, aber auf den Blutglucosespiegel hat das Fett keinen Einfluss. Ich glaube her der Hersteller wollte neben den Diabetikern noch andere Kunden gewinnen, nämlich die welche auf jedes Gramm Fett achten, also die Liebhaber von Light Produkten. Davon gibt es viele und so ist der Markt größer.
Die Vollkornprodukte sind mehr ein Alibi, der reine Ballaststoffanteil ist sehr niedrig und der Zusatz dient mehr dazu das Produkt als ernährungsphysiologisch besser dastehen zu lassen. Der Autor bemerkte die Getreidekörner erst als er das Zutatenverzeichnis durchsah. Dann war klar, dass die vereinzelt herum schwimmenden weichen Fitzelchen keine Erdbeeren sondern diese Getreidekörner sind. Geschmacklich hervortreten tun sie auf jeden Fall nicht.
Was bleibt ist für einen Joghurt eine sehr reichhaltige Menge an Dickungsmitteln. Es sind hier vier Stück enthalten, die sich technologisch ergänzen. Offensichtlich wollte der Hersteller (es handelt sich um die Eigenmarke eines großen Lebensmittel Discounters) sichergehen, dass der Joghurt seine Konsistenz auch bei extremen Schütteln (Scherbeanspruchung: E1422), beim Tiefgefrieren und Erhitzen (E1442) über längere Zeit (E412 und E440) behält. Es hätte wahrscheinlich E412 gereicht, doch man ist wohl auf Nummer Sicher gegangen. Wahrscheinlich könnte man auf einen Teil verzichten können, müsste man nicht die Getreideflocken in Suspension halten. Diese sind eher störend beim Essen und bei 3 % Anteil im Produkt kann man mit 0.2-0.3 % Ballaststoffanteil rechnen - also vernachlässigbar gering. Der Hersteller wäre besser beraten gewesen sie weg zu lassen.
Was erhält man in der Summe ? Einen gut schmeckenden Fruchtjoghurt mit einem kleinen Defizit an Fett (es fehlt das cremige), dafür aber mit nur einem Drittel der Energie eines herkömmlichen Fruchtjoghurts. Für jemanden der auf jede Kalorie achtet oder auf seinen Blutzuckerspiegel achten muss, sicher nicht die schlechteste Wahl.
Zum Thema Lebensmittelchemie/recht sind bisher drei Bücher von mir erschienen:
Das Buch Was ist drin?: Die Tricks
der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen
wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung
in die Grundlagen der Ernährung. Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält
es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).
Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.
Wie sich zeigte haben die meisten Leser das Buch wegen des zentralen Teils, der die Zusatzstoffe beinhaltet, gekauft. Ich bekam auch die Rückmeldung, dass hier eine Referenztabelle sehr nützlich wäre.
Ich habe daher 2012 diesen Teil und den Bereich über Lebensmittelrecht nochmals durchgesehen, um die neu zugelassenen Zusatzstoffe ergänzt und auch um neue Regelungen wie bei der Werbung mit nährwertbezogenen
Angaben. Ergänzt um eine Referenztabelle gibt es nun die zwei mittleren Teile unter dem Titel "Zusatzstoffe
und E-Nummern"
zu kaufen.
Nachdem ich selbst über 30 kg abgenommen habe, aber auch feststellen musste wie wenig viele Leute von Ernährung oder der Nahrung wissen, habe ich mich daran gemacht einen Diätratgeber "der anderen
Art" zu schreiben. Er enthält nicht ein Patentrezept (wenn auch viele nützliche Tipps), sondern verfolgt den Ansatz, dass jemand mit einer Diät erfolgreicher ist, der genauer über die Grundlagen
der Ernährung, was beim Abnehmen passiert und wo Gefahren lauern, Bescheid weiss. Daher habe ich auch das Buch bewusst "Das
ist kein Diätratgeber: ... aber eine Hilfe fürs Abnehmen"
genannt. Es ist mehr ein Buch über die Grundlagen der Ernährung, wie eine gesunde Ernährung aussieht und wie man dieses Wissen konkret bei einer Diät umsetzt. Es ist daher auch Personen interessant die
sich nur über gesunde Ernährung informieren wollen und nach Tipps suchen ihr Gewicht zu halten.
Alle Bücher wurden von mir auch selbst für den Kindle publiziert. Die "Was
ist drin "
Auflage wurde stark erweitert und hat so 319 anstatt 208 Seiten bei der Printauflage. Die anderen beiden sind identisch zur Printauflage. Sie sind bei Eigenverlag deutlich preiswerter als die ebenfalls
verfügbare Version von meinem Verlag, die aber dafür für alle Reader verfügbar ist.
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