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Web Log Teil 271: 31.3.2012 - 4.4.2012

31.3.2012: Die Ampel und Naivlinge

Am Dienstag habe ich Maischberger angeschaut und es gab eine illustre Runde. Es ging um Ernährung, Kennzeichnung und Recht. Besonders fiel natürlich wieder Thilo Bode auf. Die Forderungen von ihm, bzw. dem von ihm vertretenen Vereins Foodwatch sind ziemlich naiv und die Unterstellungen sind schon ziemlich grenzgängig. Ich hatte ja mal einen von dem Verein an der Strippe. Wenn das umgesetzt wird, was die wollen, dann gibt es nur noch Premium-Lebensmittel für gutbetuchte und nur gesundes. Denn alles andere soll der Gesetzgeber verbieten.

Dann kam natürlich auch die Diskussion über die Ampel. Also die "Ampel", die ja auch von Foodwatch propagiert wird, vergibt Farben für den Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz. Also dem was so gemeinhin schuld an so vielen Krankheiten sein soll. (Auch so ein Effekt: nicht nur die Kennzeichnung wird vereinfacht, auch die Sichtweise: Zucker ist böse, Ballaststoffe sind gut....). Nun was halte ich davon? Nichts. Denn der Wertmaßstab der Ampel ist absolut. Es gibt eben "grün" für bestimmte Mengen und "rot" für andere. Das ist deswegen weitgehend sinnfrei, weil es nicht das "Lebensmittel" an und für sich gibt. Also tierische Lebensmittel sind tendenziell fettreicher, in jedem Falle reich an gesättigten Fettsäuren und sie enthalten auch Salz, selbst wenn keines zugesetzt wurden. Dafür wird selbst die Butter eine grüne Zuckerplakete bekommen, denn Zucker findet man nicht in tierischen Lebensmitteln, dafür in Obst. Nach der Ampelkennzeichnung erhalten dann praktisch alle Obstsorten eine gelbe Plakette und viele auch eine rote. Sind sie deswegen ungesund?

Sinnvoll ist in meinen Augen nur ein Vergleich innerhalb von Warengruppen. Also ist ein Käse besser als andere Käsesorten. Nach dem Ampelsystem würden z.b. fast alle Käsesorten dreimal rot bekommen - für Salz, Fett und gesättigte Fettsäuren und das Käse nicht gerade ungesund ist, sollte doch bekannt sein.

Vor allem kann man es leicht umgehen. Wenn, wie ich vermute, man den Zuckerbegriff so eng wie bei bei der derzeitigen Lebensmittelkennzeichnung auslegt, dann kann man leicht Lebensmittel ohne Zucker, dafür mit Glucosesirup, Glucose-Fructosesirup und Fructosesirup und Zuckeralkoholen herstellen. Da ist wegen der geringeren Süßkraft dann sogar noch mehr Zucker drin ... Der Gesetzgeber orientiert sich nicht nach der Chemie oder der Ernährungsphysiologie, er legt eben einfach fest: Zucker ist Saccharose. Basta. Genauso egt er fest: gesättigte Fettsäuren sind Fettsäuren ohne eine Doppelbindung. Chemisch korrekt, nur sind eben die in Milch vorkommenden kurz- und mittelkettigen Fettsäuren auch gesättigt, haben aber nicht die schlechte Wirkung der langkettigen Fettsäuren, sondern positive Wirkung.

Gesättigte Fettsäuren kann man senken indem man pflanzliche Öle zusetzt. Die sind dann vielleicht gehärtet und enthalten anders als das natürliche Fett trans-Fettsäuren, die das Risiko an koronalen Herzkrankheiten und Fettstoffwechselstörungen steigern. Das ist dann ja auch ein guter Fortschritt.

Was wäre wirklich notwendig? Pollmer, der auch an der Runde beteiligt war, hatte einen Vorschlag der auch mir gefällt. Auf dem Lebensmittel selbst nur eine minimale Kennzeichnung der Nährwerte und allergenen Substanzen, auf einer Behörden-Webseite dann die konkrete ausführliche Rezeptur für die, die es interessiert. Die Sache ist ja die: die heutige Kennzeichnung wird von den wenigsten verstanden und noch von wenigen gelesen. Das liegt auch daran, dass die Produktion immer komplexer wird. Anstatt Bestandteilen, die man noch als Verbraucher kennt, findet man aufbereitete Produkte wie obige Zuckersirupe. Es werden tendenziell mehr Zusatzstoffe zugesetzt und dann gibt es noch die freiwilligen Angaben, wie die GDA Kennzeichnung, die mehr verwirren als aufklären. (Das ist auch deren Hauptfunktion. Schauen sie nur mal den GDA-Angaben auf die Portionsgrößen. Vor allem bei Gerichten die man als ganzes isst ...)

Sinnvoller wäre es eher Schlupflöcher zu beseitigen, wie obiges indem andere Monosaccharide nicht als Zucker angesehen werden, obwohl sie es chemisch sind. Oder das Dauerärgernis "Rezeptvorschlag" neben der Abbildung, was heißt. Die Abbildung gibt nicht das Produkt wieder sondern wenn man noch 30 Euro für andere Lebensmittel ausgibt, könnte es so aussehen.

Also mir würde genügen eine Nährwertkennzeichnung, dafür brauche ich keine Zutatenliste mit Ausnahme des prozentualen Anteils der wertgebenden  Bestandteilen. Das erlaubt es mir leicht zu vergleichen. Und warum nicht, wenn man es genauer wissen will auf einer Seite nachschauen. Im Supermarkt betrachte ich mir die Zusammensetzung selten, obwohl ich vom Fach bin. Ich fange damit her an wenn mir langweilig ist oder mir beim Geschmack was auffiel. Dann kann ich aber auch im Internet nachschauen.

Was mir besonders auffiel war das weltfremde Argumentieren von Thilo Bohde. Ich würde ihn, nachdem ich ihn schon mehrmals sah und dazwischen einige Jahre liegen, als lernresistent bezeichnen. Nach drei von ihm geschriebenen Büchern und einer Beschäftigung mit der Problematik seit 2002 sollte man Kompetenz vermuten können. in 10 Jahren kann man immerhin sowohl ein Studium der Lebensmittelchemie wie auch der Lebensmitteltechnologie erfolgreich abschließen. Doch es gibt immer dasselbe Zeug, immer dieselben Vorwürfe, die mangelnde Fachkenntnis zeigen. (So bei seinem Paradebeispiel, dem "Schwarzwälder Schinken": er glaubt offensichtlich daran, dass es eine Irreführung ist wenn dieser nur im Schwarzwald hergestellt wird, die Schweine aber nicht von dort stammen. Das die Herkunft des Schweines überhaupt nichts mit der Qualität des Produktes zu tun hat, sondern vielmehr mit dem speziellen Herstellungsverfahren, das war selbst meiner über achtzigjährigen Mutter klar, aber ist es bis heute nicht Herrn Bohde. Genauso gut könnte man dann erwarten, dass das Mehl für die Sachertorte in Wien hergestellt wird....

Thilo Bohde bestätigt meine Hypothese, dass man nur begrenzt aus seiner Denke rauskommt. Also er hat ja Soziologie und Volkswirtschaft studiert. Mir fällt da auch Reichl ein, der Betriebswirt ist. Wenn man so was studiert weil es den Interessen entspricht, dann scheint es nahezu unmöglich zu sein. sich in die Denkweise in einem anderen Gebiet einzuarbeiten, wie eben den Naturwissenschaften. Bohde vertrat z.B. die Meinung man müsste Dioxine aus der Nahrungsmittelkette heraushalten. Das ist unmöglich, denn diese Substanzen sind ja nicht nur vom Menschen erzeugt, sondern sie entstehen auch natürlich bei Verbrennungen. Paradoxerweise steigt der Gehalt wieder an, weil wir mehr biologisches Material verbrennen wie Holzpellets. Selbst auf der Website von Footdwatch steht das. Wenn er weltfremd behauptet, dass man das verhindern müsste, dann weis er nicht wovon er redet. Ich denke übrigens auch dass es in der Gegenrichtung schwer ist. Wer mal eine Naturwissenschaft oder Technische Fächer studiert hat, hat mit Fächern wie Wirtschaft oder Juristik seine Probleme, wo es keine echten Gesetze gibt, sondern nur Regeln und Auslegungen. Ich weiß noch wie schwer mir und meinen Kollegen das Lebensmittelrecht fiel. Es reichte ja nicht die Gesetze zu kennen, sondern vielmehr musste man zig verschiedene Kommentare und Gerichtsurteile dazu kennen. Chemie war da so einfach. Da hing nicht ab ob eine Reaktion stattfand, nur weil ein Landgericht das verfügt hat. Da konnte auch nicht jemand fordern, dass kein Acrylamid mehr gebildet wird, nur weil das eine neue Gesetzesvorlage so will. Den Kartoffeln sind leider die Gesetze völlig egal.

Nur kommen eben Naturwissenschaftler nicht auf die Idee sich in solchen Fächern herumzutreiben. Warum auch. Weshalb es aber die ganzen Politologen, Philosophen, Sozialwissenschaftler oder Wirtschaftsexperten dazu drängt, sich zu naturwissenschaftlichen Fragen zu äußern? Weil man damit Geld verdienen kann Bohde macht es ja vor. Und sie können eines: reden und schreiben. Denn Naturwissenschaftler tun sich schwer einfach zu sagen, "Zucker macht dick". Sie wissen, dass das Entstehen von Übergewicht viele Ursachen hat, dass es nach verschiedenen Untersuchungen keine Beziehung findet die man zwischen Zuckeraufnahme und Übergewicht postulieren könnte. Die Natur ist nicht einfach, sie ist nicht schwarz-weiss, es gibt nur wenige absolute Wahrheiten. Für Bohde ist dies kein Problem. Er hat ja auch keine Ahnung und wenn, dann wird es wohl so sein "Was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an".

1.4.2012: Endlich autofreie Städte

Wie erst gestern bekannt wurde, hat unsere Bundesregierung in dem ganzen internen Hick-Hack und dem Aufbau des Euro Rettungsschirms die Umsetzung der europäischen Richtline 2010/41/EG vergessen. Diese 2010 verabschiedete Richtlinie sollte den Einsatz von Elektrofahrzeugen fördern, da die Automobilindustrie diese Technologie erst träge umgesetzt hat. Sie forderte bis zum 1.4.2012 die nationalen Regierungen auf, für einen Anteil von 5% Elektrofahrzeugen bei den Neuzugängen  zu sorgen, indem die kraftstoffangetriebenen Fahrzeuge mit Nachteilen rechnen müssen. Ansonsten werden Maßnahmen der EU, die wie immer als feste Vorgabe vorgesehen sind, wenn der nationale Gesetzgeber die Richtline nicht umgesetzt, verbindliches Gesetz. Der Termin ist nun erreicht und nun erst wurde klar was das heißt. Die Bundesregierung hat ja schon die Umsetzung der Richtlinie 2008/50/EG verschlafen, was zu den Feinstaubplaketten und dem Verbot für alte Fahrzeuge in Städten, die diese nicht erfüllen, führte.

Doch 2010/41/EG geht erheblich weiter. solange bis der Anteil 5% Elektrofahrzeugen (fünf Jahre lang pro Jahr um 2% ansteigend) nicht erfüllt ist bedeutet dies, die Ausweitung der Richtlinie 2008/50/EG auf alle Gemeinden, unabhängig von der Größe. Das bedeutet: jedes Fahrzeug das bisher keine Feinstaubplakette bekam und damit in Großstädten schon mit einem Bußgeld rechnen musste, darf nun überhaupt nicht mehr fahren - außer vielleicht auf Autobahnen, aber in jedem Falle keine Gemeinde, egal wie groß sie ist, mehr durchqueren.

Noch bedeutsamer ist wohl der zweite Passus: Demnach dürfen Autos nicht mehr auf öffentlichem Grund parken, wenn sie einen Verbrennungsmotor haben. Das bedeutet, dass praktisch die übliche Praxis verboten ist, neben dem Bordstein auf der Straße zu parken. Zahlreiche Gemeinden haben auch schon angekündigt, diese Vorschrift restriktiv zu überwachen und hohe Bußgelder von bis zu 100 Euro in Aussicht gestellt. Das soll die so klammen Kassen wieder füllen. Wenn ich mir die Straßen bei uns ansehe, wäre wohl Ostfildern saniert und so sieht es ja überall aus: Große Teile des Straßennetzes in der Ortschaft sind zugeparkt. Einige Gemeinden bieten auch an, einen Stellplatz auf der Straße zu kaufen - zu den handelsüblichen Preisen für Baugrund, der bei uns meist bei 300 bis 500 Euro liegt. Eine 3 x 2,5 m Fläche kostet dann schon mal 2000 bis 3000 Euro. Auch dann ist es kein öffentlicher Grund mehr. Geprüft wird noch ob eine Vermietung nach der Richtlinie erlaubt ist. Ausgenommen sind private Stellplätze, was der Baubranche Auftrieb geben wird, da nun mit der Errichtung zahlreicher Parkhäuser, aber auch privaten Parkplätzen am Stadtrand gerechnet wird.

Für Fahrradfahrer, die wenigen Elektroauto-Besitzer werden dagegen paradiesische Zeiten anbrechen - endlich freie Straßen, kein Ausweichen mehr bei Gegenverkehr - ich denke es wird auch die Autofahrer freuen, zumindest diese die noch fahren dürfen.

1.4.2012: Die erste private Marsexpedition

Es soll am 30.4. zum Start der ersten COTS Mission zur ISS angekündigt werden, doch es ist schon jetzt durchgesickert: SpaceX plant bei dem Jungfernflug der Falcon Heavy Anfang nächsten Jahrs eine Marsmission. Geplant ist, eine modifizierte Dragon weich auf dem Mars landen zu lassen. Damit soll das Konzept der "Red Dragon" der NASA schmackhaft gemacht werden. SpaceX kündigte ja schon seit Jahren an, dass die Dragon auf jedem Himmelskörper würde landen können, auch auf dem Mond und Mars. Für das Wissenschaftsprogramm der NASA war dafür eine unbemannte Variante der Dragon gedacht.

Die Falcon Heavy soll 13 t zum Mars befördern können - mehr als genug um eine Dragon aufzurüsten, die ohne Treibstoff rund 5,2 t wiegt. Die Änderungen würden in einer Umrüstung des Trunks bestehen, der nun qualifiziert für lange Missionen sein muss und angepasst sein muss für den Flug zum Mars (bessere thermische Isolation, größere Solarpaneele.

Die Kapsel selbst wird die für bemannte Einsätze vorgesehenen Triebwerke erhalten, um weich zu landen, ebenso wie die ausfahrbaren Landebeine. Eine Anpassung des Fallschirms, der auf dem Mars wenig wirksam ist, ist nicht geplant. Dafür wird die Kapsel größere Treibstoffvorräte (Platz ist für 1.290 kg) mitführen um mit den Triebwerken die Endgeschwindigkeit zu reduzieren. Das Material des Hitzeschutzschildes ist schon qualifiziert: dieser stammt vom Ames Research Center und wurde in größerer Form schon für das MSL entwickelt.

Die wirkliche Sensation ist aber, dass Elon Musk ein Versprechen nun schon wahr macht. Er kündigte an, dass bald jeder für eine Halbe Million Dollar mit SpaceX zum Mars wird fliegen können (interview siehe hier). Und dies nicht erst in einer fernen Zukunft, sondern schon 2013! Allerdings gilt das Angebot noch nicht für lebende Personen. Es wird die Red Dragon Urnen zum Mars befördern. Wer gut betucht ist und eine Halbe Million Dollar übrig hat, der kann seinen Verblichenen zum Mars fliegen lassen. "Wir tun alles für die Sicherheit der Mission", so wird auch der von SpaceX entwickelte Fluchtturm ein erstes Mal eingesetzt werden, dass die Kapsel in jedem Falle geborgen wird". führt Musk weiter aus. Rein theoretisch könnte die geräumige Kapsel über 1000 Urnen aufnehmen. Doch selbst Elon Musk rechnet nicht mit einer solchen Nachfrage "Amy Winehouse und Whitney Houston sind prominente Kunden, wir haben darüber hinaus auch Anfragen von rund 100 weiteren Personen, aber wir haben noch viel Platz zu offerieren". Angesprochen, auf die Frage ob nur Urnenbestattungen möglich sind, da es ja religiöse Vorbehalte gegen diese geben kann antwortete er "Leider wegen der engstirnigen Vorschriften für Anzahl der Bakterien die zum Mars gelangen dürfen, derzeit ja. Wir wollen auch testen, ob ein Rover aus der Kapsel heraus rollen kann und werden daher die Türe öffnen und mit einer Kamera dies dokumentieren. Damit ist aber der Innenraum nicht mehr hermetisch versiegelt. Wir sind derzeit in Diskussion mit Astrobiologen und Geistlichen ob auch die Gefriertrocknung der Kunden in Frage kommt. Allerdings wird wegen des größeren Volumens diese Form des Transports auf wenige Personen beschränkt sein".

Immerhin: einmal hat Elon Musk recht behalten: er wird Menschen zum Mars befördern und es wird enorm billig sein, und er schafft es ohne die NASA - nur hat er nie gesagt in welchem Aggregatzustand und ob diese auch lebendig den Mars erreichen (von der Rückreise ganz zu schweigen).

2.4.2012: Zurückblättern erwünscht

Nachdem es gestern gleich drei Aprilscherze gab, und ich das Gefühl habe, ihr habt die noch nicht so richtig gewürdigt, heute nur ein kleiner Blog, mit der Bitte nochmals die drei gestern anzusehen. (über das ausgefallene Jahr 2013), über die neuen SpaceX Pläne und über die autofreie Zone Deutschland.

Ich will an der Stelle auch ankündigen dass es noch viel mehr Scherze geben wird. Nur einmal 1.April pro Jahr, ist für jemanden der so kreativ ist, wie ich einfach zu wenig. Ich werde sie aber alle unter der Kategorie Satire einsortieren, sodass aufmerksame Leser eine Chance haben sie zu finden.

Also was gibt es neues? Nun ich habe das Manuskript zum MSL und Phobos Grunt nun zweimal durchgelesen, mich gestern aber ans dritte Mal gemacht. Ich bin noch nicht so zufrieden. Was mir vorschwebte, war ein Buch das anders als die bisherigen auch für "Raumfahrteinsteiger" geeignet ist. Gleichzeitig sollte auch mein bisheriges Publikum damit was anfangen können. So richtig gelungen ist mir das nicht. Ich habe zwar viel erklärt, unter anderem wie die Instrumente funktionieren, was es mit den Startfenstern auf sich hat etc., aber ich schaffe es nicht Bücher zu schreiben wie z.B. Dirk Lorentzen. Dass sie allgemeinverständlich sind, dafür muss man viel opfern. Vor allem viele Details und das tut mir im Herzen weh. Herausgekommen ist ein Manuskript das so ist wie meine bisherigen Büchern, nur mit etwas mehr Erklärungen und noch mehr Daten in Tabellen.

Der dritte Durchgang ist nötig, weil mir auch beim zweiten noch viele Sachen zum umformulieren aufgefallen sind und ich einiges umgestellt und gestrichen habe. Aber wie ich schon mal angekündigt habe, will ich die angefangenen Bücherprojekte endlich mal weg haben und Anfang Mai geht das neue Semester los, da muss ich dann auch noch ein Skript erstellen, weil sich der Vorlesungsplan geändert hat.

Relativ fest steht auch, dass ich so vom 18/19.4 zehn Tage wieder weg bin. Ich hatte ja schon abgekündigt, dass ich gerne zu diesem Zeitpunkt ein paar Gastblogs publizieren würde. Nur bekommen habe ich keine. Wenn nichts kommt werde ich sicher ein paar Aufsatze aus der Konserve publizieren, aber besser wäre es ihr würdet die Chance nutzen. Aber wahrscheinlich benutzen inzwischen alle Tablett PCs und können daher gar nicht mehr schreiben, sondern nur noch passiv konsumieren.

Morgen gibt es dann einen neuen Blog zum Thema unmündigen Verbraucher. Ihr könnt sicher raten wer mich auf den Blog gebracht hat.

2.4.2012: Der unmündige Verbraucher

Peter Lange hat mich auf die Idee meines heutigen Blogs gebracht. Das Lebensmittelrecht geht ja von dem "mündigen" Verbraucher aus, also von einem informierten Verbraucher. Wir haben ja heute die Tendenz, dass jeder für unmündig erklärt wird, aber egal ob es einigen gefällt oder nicht: so sind alle unsere Gesetze gestrickt. Niemand kann sich bei anderen Dingen damit herausreden, dass er etwas nicht kenne oder dass er nicht nachgedacht hat, wenn er dagegen verstößt. Also mal ein paar Beispiele aus anderen Gebieten: Wenn jemand ein Fahrrad am Wegrand sieht und das steht da längere Zeit rum, kann er es auch nicht mitnehmen, nur weil er meint das ist herrenlos. Genauso gibt einem die Vorfahrt auch nicht das Recht bei einer Kreuzung ohne auf die kreuzende Straße zu achten einfach durchzubrettern.

Unter dem mündigen Verbraucher versteht bei uns das Gesetz einen informierten Verbraucher. Auf den ist die gesamte Gesetzgebung ausgelegt und auch die Kontrollen. Das dies in der Praxis mit der Kennzeichnung kollidiert, braucht man mir nicht zu erzählen. In der Realität kann niemand bei allen Produkten die er kauft die Kennzeichnung lesen. Das tue auch ich nur selten, wenn ich was sehe, wo mir die Bezeichnung nichts sagt, viel häufiger passiert das nach dem Kauf, wenn ich beim Essen mal die Packung ansehe oder mir das Gericht komisch vorkam. Doch das war schon früher so. Sinn der Kennzeichnung ist es auch, den der sich dafür interessiert, zu unterrichten. Es ist aufgrund dessen, dass die meisten verarbeiteten Lebensmittel aus zig Zutaten bestehen, einfach zeitlich nicht möglich sich bei jedem Produkt vor einem Kauf die Kennzeichnung durchzulesen.

Peter Langer regt sich über Produkte auf die fettreich oder zuckerreich sind, und meint die gehören verboten oder gebrandmarkt. Nun die Kennzeichnung verbietet erst mal nichts und unser Lebensmittelrecht schützt den Verbraucher nur vor Täuschung und vor gesundheitlichen Schäden. Es gibt keinen Passus, dass jemand verpflichtet ist besonders "hochwertige" oder auch nur "gesunde" Lebensmittel herzustellen. (Die Hochkommas sollen schon zeigen, das es recht schwierig werden würde, diese Begriffe mit konkreten Fakten zu füllen).

Warum geht es eigentlich? Also wenn mir die Qualität von Lebensmitteln wichtig ist, Qualität im Sinne von Nährstoffen, dann wäre viel sinnvoller, die Nährwertkennzeichnung verpflichtend einzuführen. Wenn man die zusätzliche, meist irreführende, GDA Kennzeichnung und die Ampel weglässt, dann hat man auch genügend Platz dafür. Das grundsätzliche Problem einer Ampel ist, dass ich nicht mehr differenzieren kann. Also haben Kekse einen Energiegehalt von 1.600 oder 2.200 kJ? Sie werden bei Zucker und Fett beide rote Ampeln bekommen, aber es gibt trotzdem einen Unterschied im Nährstoffgehalt. Die Ampel unterscheidet nur niedrige, moderate und hohe Gehalte (wobei man über die Grenzen auch debattieren kann). Diese Absolutwerte sind aber sinnlos, weil wir unterschiedlichste Lebensmittel haben. Das sieht man schon im Brennwert der zwischen unter 100 kJ für Gemüse und 3800 kJ für reines Fett liegt. Wenn ich das alles in drei Kategorien einteile, kann ich kaum noch differenzieren. Das ist was für DREV (dümmste, real existierende Verbraucher).

Was ist wirklich das Problem? Das wirkliche Problem ist ein anderes. Es ist nicht der Absolutwert an Zucker oder Fett, denn man leicht bei den Nährwertangaben raus finden kann, auch wenn substituiert wird, wie Monosaccharide oder Zuckeralkohole anstatt Zucker einzusetzen. Es ist, dass die Industrie versucht, wertgebende Bestandteile zu verringern und durch preiswerte zu ersetzen. Und es ist das Umgehen der Vorschriften für Kennzeichnung und Zusatzstoffeinsatz, indem Lebensmittel mit Zusatzstoffeigenschaften zugesetzt werden anstatt Zusatzstoffen, also rot färbenden Pflanzenextrakte zu Wurst gegeben werden, oder schwarz färbende Sirupe zu Brot, damit es dunkel aussieht.

Daher halte ich die Idee eines zentralen Registers der Rezepturen, die man einsehen kann, für besser. Dort gibt es die Möglichkeit der Ausführlichkeit, die man bei den Packungen nicht hat und es setzt die Hersteller unter Zugzwang. Zugzwang zu erklären, warum bitte in ein Brot Runkelrübenextrakt reingehört? Dass würde diesen Machenschaften dann auch ein Ende setzen. Die Lebensmittelkontrolle scheint ja damit überfordert zu sein.

Was jede Kennzeichnung nicht bekämpfen kann ist die Werbung. Und darum geht es ja bei Peter Langer. Zum einen sind die Fachexperten also Lebensmittelchemiker für die Produkte zuständig und die Werbung in TV, Print und Internet müsste von den Staatsanwälten verfolgt werden, die da nicht besonders eifrig sind. Zum anderen soll nun ja die EU Angaben die in Richtung "Gesundheit" oder "Verhinderung von Krankheiten" sorgen und da sind nun als prominentes Beispiel schon mal die probiotischen Jogurts gefloppt. Seit zwei Jahren müssen alle Werbeaussagen über gesundheitliche Wirkungen von der EU genehmigt werden - oder eben nicht.

Wird es was helfen? Natürlich nicht. Zum einen gibt es immer noch Formulierungen die zu unspezifisch sind um von der EU einkassiert zu werden wie "hilft sich wohl zu fühlen" - das kann man auch zu einer Flasche Schnaps oder einer Tafel Schokolade sagen. Dann gibt es noch die zahlreichen Werbungen die nichts mit Gesundheit zu tun haben. Also Milchschnitte und Nutella oder die "Nimm 2" Bonbons die ja Peter Langer so nerven haben nie mit gesundheitlichen Wirkungen geworben sondern nur mit "leichter Zwischenmahlzeit" - korrekt- die Schnitte wiegt nur 28 g oder "Vitamine und Naschen" - auch korrekt Bonbons sind zum Naschen da und sie sind vitaminisiert. Das sie dadurch nicht besser als andere Bonbons sind, das ist eigentlich logisch, denn als Naschwerk sollte man in jedem Falle wenig davon essen. Das gilt genauso auch für andere Dinge wie Nutella oder die Milchschnitte.

Woran jede Nährwertkennzeichnung, egal ob Ampel oder jedes andere System, nichts ändern wird, sind unsere Vorlieben. Fett schmeckt gut, es gibt ein cremiges Mundgefühl.Zucker vermittelt Süßgeschmack und den lieben wir. So sind wir evolutionsmäßig gepolt und daher muss man das Gehirn einschalten und selbst auf den Konsum achten. Nun von Herstellern zu verlangen, dass sie Produkte entwickeln die nicht fetthaltig oder süß sind, halte ich für äußerst weltfremd, zumal es ja viele traditionelle Produkte gibt die fetthaltig und/oder süß sind wie Speiseeis, Pizza, Käse, Wurst, Butter, Margarine, Wiener Schnitzel, Ketschup, Fruchtsaft, Obst, Bonbons ....

Unsere Sinne sind übrigens zuverlässig genug. Sie kann man nur schwer täuschen. Das kann jeder mal probieren indem er eine Light-Butter nimmt. Nur scheinen die DREV auch schon diese nicht mehr zu beachten....

Die Fettsteuer

Ein anderer Vorschlag des "so called" Verbraucherschützers Thilo Bohde bei der Diskussion von Maischberger ist die Fettsteuer gewesen. Ich denke da sind bestimmt viele dafür. Das ist doch so einfach: wir haben zu viele fette Leute, also besteuern wir das Fett und die Gesundheitsprobleme hören auf.

In der beschränkten Sichtweise derer, die direkte Zusammenhänge sehen wie "fettreiche Nahrungsmittel essen = dick werden" oder "zuckerreiche Nahrungsmittel essen = Diabetes bekommen"  ist das ja auch logisch und so macht eine Steuer Sinn. Doch sie ahnen es schon: wer sich wirklich auskennt und nicht nur seine Zeit in Fernsehsendungen verbringt, der sieht das anders.

Also auch wenn es vielen gegen den Strich geht: nach allem was wir wissen ist Ernährung eine komplexe Sache. Alle Versuche bisher irgendwelche einzelne Stoffe für bestimmte Phänomene verantwortlich zu machen waren bisher nicht so erfolgreich. Alles was direkte Wirkungsmechanismen postulierte, sowohl im positiven (Vitamin C → Krebsprävention) wie auch im negativen (Salz → Bluthochdruck) wurde in den letzten Jahrzehnten einkassiert. Was blieb sind im besten Fall "Risikofaktoren" die dann ziemlich von individueller Veranlagung abhängig. So gibt es Menschen die tatsächlich auf salzreiche Kost mit einer moderaten Steigerung des Blutdrucks reagieren. Doch dies sind komischerweise Leute die schon einen zu hohen Bluthochdruck haben. Es ist nicht so, dass dies für die Allgemeinheit gilt. In anderen Fällen konnte gar keine positive Wirkung beweisen werden (bei hohen Vitamin in C Dosen) oder sogar eine negative (bei hohen Vitam A und E Dosen)

Noch schwieriger ist die Wirkung von Ernährungsweisen zu beweisen. Da es nicht möglich ist, das in der Praxis wissenschaftlich zu machen, also z.B. ein Kollektiv vom Geburt bis zum Tod fettreich zu ernähren, das andere aber normal nach den Empfehlungen (wohlgemerkt: fettreich, nicht kalorienreich). Was man machen kann, ist Kollektive zu vergleichen. Bekannterweise ist ja die Ernährung in verschiedenen Ländern unterschiedlich. Nur waren die "Erfolge" des Vergleichs von Bevölkerungsgruppen hier durchaus durchwachsen. So die Versuche die Mittelmeer-Kost zumindest bei den Herz-Kreislauferkankungen an bestimmten Faktoren festzumachen. Vor allem hat es ja Folgen auf anderen Gebieten. So widerspricht diese Kost z.B. anderen Grundsätzen wie dem reichen Einsatz von Vollkornprodukten, die dort völlig unbekannt sind.

Tatsache ist, dass man in den USA durch die Politik weniger Fett und mehr Kohlenhydrate propagiert hat und die Zahl der Übergewichtigen ist gestiegen. Manche führen dies auf den höheren Sättigungswert von Fett zurück. Doch meine Meinung: Es ist völlig egal was man isst, man sollte eben nicht mehr essen als der tägliche Energiebedarf beträgt. Ob dies nun mit Kohlenhydraten erfolgt oder mit Fett oder mit Fleisch ist relativ wurst. Nach den Theorien einiger müssten z.B. die Eskimos die sich seit Jahrtausenden ja fast nur von fettreichem Fleisch und etwas Fisch ernährt haben, längst ausgestorben sein.

Es wäre ja auch schlimm  wenn es anders wäre. Unser Körper muss mit jeder Nahrung zurecht kommen, wäre der Mensch nur auf eine bestimmte Form festgelegt, so wären wir evolutionär bestimmt nicht so erfolgreich gewesen und hätten uns so schnell verbreitet. Man kann dies auch an genetischen Studien nachweisen. So weiß man heute, dass die Fähigkeit Laktose abzubauen sich nach der Domestizierung von Rindern innerhalb von 70 Generationen von 5 auf 90% der Bevölkerung durchsetzte. Wenn dies bei allem so ist, dann dürften wir so ziemlich alles verdauen.

Zurück zur Fettsteuer: Da gibt es natürlich eine Menge fragen. Zum einen Mal zur Höhe. Nahrungsmittel sind heute billig. Wir geben nur noch einen Bruchteil unseres Einkommens für Essen aus, damit es also wirklich weh tut und man weniger fettreiche Nahrungsmittel kauft muss man sehr hohe Steuer einführen, wahrscheinlich eine, die den Preis der Lebensmittel verdoppelt.

Das nächste ist die Besteuerung: pro prozentualem Fettanteil oder Absolut? Das ist ein Unterschied. Milch enthält z.b. 3,5 % Fett absolut, aber 25% prozentual. Und wie geht es weiter? Ich vermute bei Zucker. Dann müsste man festlegen, was Zucker ist. Gehören da auch Monosaccharide, Oligiosaccharide und Zuckeralkohole dazu, also andere Kohlehydrate die auch süß schmecken oder nur der Haushaltszucker?

Und wenn man das erst mal eingeführt hat ist Tür und Tor geöffnet für die Salzsteuer, Cholesterinsteuer, gesättigte-Fettsäuren-Steuer ...


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