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Web Log Teil 101 : 15.2.2009-21.2.2009

Montag 15.12.2009: Ideen für die Venusforschung

Die Venus ist in gewisser Weise der am schlechtesten erforschte erdnahe Planet. Die Atmosphäre hüllt sie ein, und ist auch mit neueren Instrumenten kaum zu durchdringen. Die ESA mag es als Erfolg feiern, wenn eine Thermalkarte von VENESIS in etwa deckungsgleich mit einer topografischen Karte von Magellan ist. Doch was interessiert uns denn eigentlich? Die Venus Oberfläche und zwar nicht als Radarkarte (die immer anders aussehen wird als ein Bild im optischen), sondern als reales Bild. Davon gibt es 4 Bilder, aufgenommen durch Fischaugenlinsen. Ich habe schon mal den Vorschlag gemacht eine Sonde zur Venus zu schicken mit dem Hauptziel Bilder beim Abstieg und von der Oberfläche zu machen. Das macht wegen der hohen Datenrate einen vorbeifliegenden Bus oder besser einen Orbiter notwendig. Aber neben den einmaligen Bildern eines Landeortes könnte die Sonde eine Frage klären: Ab wann sieht man überhaupt die Oberfläche?

So einfach ist diese Frage nicht zu beantworten. Es gibt keine Messung dessen. Alles was es gibt sind Bestimmungen der Aerosolkonzentration und Lichtintensität unterhalb der wolkengrenze. Sie verraten etwas über die Durchsichtigkeit der Atmosphäre. Aber sie ersetzen keine direkte Bestimmung. Über die Höhe ab der die Venusatmosphäre durchsichtig wird, gibt es auch daher nur Vermutungen und verschiedene Autoren setzen die Grenzen unterschiedlich an. Neben Aerosolen, die als Schwebeteilchen wie eine dünne Nebelschicht wirken können (bei einigen Kilometern Dicke reichen auch kleine Aerosolpartikel aus um die Sicht nachhaltig zu beeinflussen). Weiterhin denke ich persönlich, dass eine kilometerdicke Schicht an Gas von 90 Bar Druck vielleicht auch einige Eigenschaften einer Flüssigkeit hat - inklusive der Verzerrung durch Strömungen.

Wenn die Sonde beim Abstieg Bilder macht, dann wäre auch diese Frage geklärt. Was wäre der nächste Schritt? Ich glaube nicht, dass wir in absehbarer Zeit einen Lander konstruieren werden können, der wirklich lange auf der Veens überleben kann.  Zu extrem sind die Bedingungen. Das Problem ist dabei nicht die absolute Temperatur - ich kann mich erinnern, dass für Bepi-Colombo mal ein Lander gedacht war und auf dem Merkur herrschen ähnliche Temperaturen wie auf der Venus und die Raumsonden Helios 1+2 trotzen sogar einer noch höheren Sonneneinstrahlung. Das Problem ist die Wärmeaufnahme: - Bei einer Raumsonde die im Vakuum arbeitet, kann man den Wärmeübergang gut kontrollieren. Wenn beispielsweise alle Oberflächen verspiegelt werden, so kann der Wärmeübergang um 9/10 reduziert werden. Bei besonders guten Spiegeln sogar auf 5 % des Anfangswertes. Wärmeleitung ist bei einem Lander nur durch die Beine möglich und die können isoliert werden. Es ist sogar möglich überschüssige Wärme abzugeben - z.B. auf  der Landerunterseite, die ja völlig im Schatten ist. Das alles macht zwar die Konstruktion eines Merkurlanders nicht gerade einfach, aber technisch möglich. Doch wie soll dies bei der Venus funktionieren? Die dichte Atmosphäre überträgt sehr große Energiemengen durch Wärmeleitung und es gibt praktisch keine Möglichkeit eigene überschüssige Wärme abzugeben.

Es gibt immer wieder Ideen für solche Länder, doch ich denke von einer technischen Realisierung sind sie noch weit entfernt. Wenn ja so wäre ein ausgiebiger Test in einer beheizten Druckkammer oder bei fahrbaren Geräten nahe eines Lavastroms nötig. Was ich für eher realisierbar halte ist ein Ballon in der Atmosphäre, der pendelt - Zwischen einer Höhe in der er die Oberfläche aufnehmen kann und einer in der es kalt genug ist, zu senden. Er wird dann beim Abstieg jeweils Gas ablassen und beim Aufstieg Gas in den Ballon pumpen. Der Ballon sollte dann schnell in eine Höhe abtauchen in der die Oberfläche zu sehen ist - dort einige Fotos machen und dann schnell wieder aufsteigen. In der gemäßigten Zone hat er dann genügend Zeit die Daten zu übertragen - bei genügend langer Lebensdauer des Ballons auch direkt zur Erde (Wegen der großen Sendedistanz dann mit niedriger Datenrate).

Während die gemäßigte Zone recht gut definierbar ist:- Es ist die Höhe von 55 km bei Temperaturen um 27 Grad Celsius und 0.5 Bar Druck - ist die Zone, ab der der Boden zu sehen ist, nicht genau definierbar. Die Meinungen gehen von 35 km (Abnahme der Aerosoldichte nach Messungen) bis zu 20 km (Überschreiten einer Temperatur von 300 °C - dem Siedepunkt von Schwefelsäure, aus der auch die Aerosole bestehen). Nimmt man diesen jüngeren Artikel so sieht es sogar noch schlechter aus. Die optische Dichte ist definier über die logarithmische Abschwächung. Eine optische Dichte von 1 reduziert also das Licht auf ein Zehntel, bei 2 ist es schon ein Hundertstel. Nach diesem Artikel müsste man im sichtbaren Bereich bis auf einige Kilometer an die Oberfläche herangehen. Im IR Bereich immerhin bis auf 15 km Höhe (348°C Temperatur, 33 Bar Druck). Auf der Nachtseite wären dagegen IR Aufnahmen der Oberfläche schon wenige Kilometer unterhalb der Wolkenuntergrenze bei 48 km möglich (ich bin da wegen der auch auf der Nachtseite vorliegenden Aerosole skeptisch, doch schon 27-35 km, die als Grenzen von anderen Autoren für die Abnahme der Aerosole angegeben werden, wären gut).

Das Problem ist dann das Material - Die Kühlung der Messinstrumente ist für einige Stunden realisierbar, der Ballon muss eben dann schnell sinken und schnell steigen. Doch der dünne Ballon dürfte sich stark erhitzen. Heute sind alle Ballone aus Kunststoffen. Das hitzebeständigste Material, das ich kenne, ist Polytetrafluoräthylen (PTFE, den meisten als Teflon bekannt). Da für die Temperaturstabilität die Anzahl der Fluoratome wichtig ist und dieser Kunststoff maximal Fluor gesättigt ist, denke ich gibt es auch keinen besseren. PTFE schmilzt bei 304 Grad Celsius, doch es verliert schon bei 260 Grad an Festigkeit. Soll diese Grenze nicht überschritten werden, so muss der Ballon oberhalb von 26 km Höhe bleiben. Es kämen dann also nur Nachtaufnahmen in Betracht. Immerhin: Die Dichte von 15 Bar in 25 km Höhe macht es einfach einen Ballon zu konstruieren: Helium z.B. liefert bei diesem Druck einen Auftrieb von 2670 kg/m³. Ein recht kleiner Ballon würde ausreichen und eine 50 l Heliumflasche mit 300 Bar Anfangsdruck wäre ausreichend für rund 4 Ausflüge bis auf 25 km Höhe (oder besser gesagt Tiefe, da es ja nach unten geht). (bei 200 kg Gesamtgewicht von Kapsel und Ballon). Je weniger "tief" man taucht, desto weniger Helium braucht man pro Trip.

Es wäre an der Zeit nach einer Eintauchsonde dann wohl einen Ballon auszuprobieren.

Soviel zu diesem Thema. Nun noch einige Nachlesen. Also zuerst mal zu den Korrekturlesern. Ich habe vielleicht vergessen zu erwähnen (oder stillschweigend vorausgesetzt), das gute Deutschkenntnisse wichtig wären. Das ist ja gerade mein persönliches Manko. Zum Zeitplan: Ich frage rechtzeitig vorher an, deswegen weil ich genügend Leser habe um die Arbeit aufzuteilen oder vielleicht sogar 2 Leser pro Kapitel anzusetzen - das Problem habe ich jetzt beim LM Buch wo ein Leser krank ist und die andere erst 4 Seiten durchgelesen hat.

Hinsichtlich des Standes des Buchs: Derzeit sind es 260 Seiten (noch ohne Grafiken, also in der finalen Version kann man ein Drittel mehr Umfang hinzurechnen). Ich gehe so vor, dass ich Kapitel für Kapitel Daten sammele und ins Grobe schreibe. Das habe ich für die Black Arrow, Diamant und Europa erledigt. Bei Ariane bin ich ins schwimmen gekommen, da ich meist über Infos zu mehreren Typen stieß. Ich hoffe diese Woche die Vega abzuschließen und dann weiter an der Ariane 1-3 zu arbeiten, dann noch Ariane 4 und 5. Danach ist aber auch das Buch noch nicht fertig, sondern ich muss alles ins Reine schreiben, Zahlen gegenchecken, doppelt und dreifaches ausstreichen, Rechtschreibfehler und Formulieren überprüfen. Das dauert dann auch noch einige Zeit. Kurzum: Es dauert noch mindestens eine Monat, eher zwei bis die Korrekturleser dran sind.

Immerhin habe ich jetzt Rückmeldung vom Raumfahrthistorischen Archiv bekommen und vielleicht komme ich so an einige Bilder. Das Problem ist dass es praktisch alles, was vor etwa 1995 erschien, nur analog vorliegt und dann meist in gedruckter Form, also mit Musterrung und das ist ein Riesenproblem für die Reproduktion. EADS wird wohl nicht antworten. Ich habe inzwischen erfahren wie dort Emails behandelt werden: Ausdrücken, Abheften, Archivieren. Da kann man sich die Kontaktadresse auf jeder Website auch sparen. Und das DLR hat ja schon durchblicken lassen, dass ihr die Arbeit zu viel ist Fragen zu beantworten oder Informationen herauszugeben.

Wer das nächste Buch nicht erwarten kann, der könnte - wenn er nur an der Ariane 5 interessiert ist - auch das ATV Buch kaufen oder wie der Rezensent der DLR schreibt "Spezielles zum Teil "Ariane": Zur Struktur des Buches wäre zu bemerken, dass die Leser sicherlich überrascht sind ob der umfassenden und detailverliebten Abhandlung über die Ariane Rakete. Der Träger-Teil könnte sich auf die wesentlichen Punkte beschränken, die für den Start der Mission relevant sind. Ob in diesem Zusammenhang die Einzelheiten zu den Fertigungsprozessen der Raketenkomponenten interessieren ist fraglich, wenngleich der umfassend interessierte Leser diesen Informationen auch nicht abgeneigt gegenüber stehen wird."

Raten sie mal, warum dieser Teil so "Detailverliebt" ist ..... ;-)

Bei der Umfrage stelle ich fest dass nun plötzlich die dritte Rubrik erheblich mehr Zuspruch bekommt. Ich hoffe doch wer einmal seine Stimme abgegeben hat tut dies nicht mehrmals. Es soll ja repräsentativ sein. Ansonsten läuft die Umfrage noch bis zur Veröffentlichung. Vielleicht teile ich auch schon alleine wegen des Umfangs in zwei Bücher. OTRAG und V-2 (A-4) kommen später in ein separates Buch. Es wäre sonst zu viel und sie passen auch nicht ganz rein.

Dienstag 17.2.2009: Deutschland sucht den Super-???

Am Freitag bin ich beim Zappen mal kurz bei einer dieser Chartshow hängen geblieben. Diesmal ging es um Musik aus Deutschland - gewertet wurden nicht nur Sänger, sondern auch Produzenten und auch der Titel musste nicht auf Deutsch sein. Dabei war auch Collien Fernandes, die ja bei Viva selbst eine Musikshow moderiert (oder moderiert hat?) Also eigentlich jemand der vielleicht nicht die große geistige Leuchte sein muss (wie sie ja schon bei "Collien und Gülcan ziehen aufs Land" bewies) Aber ich erwarte doch dass jemand der eine Musikshow moderiert zumindest Ahnung davon hat. Nun die Antworten von Frau Fernandes: "Jack White? Das soll ein Deutscher sein?" "Enigma? Kenn ich nicht". Ich verstehe nicht viel von Musik, aber ich kenne beides.

Das ist ein recht gutes Beispiel dafür, wie die Anforderungen die heute an das Personal im Fernsehen gestellt werden sinken. Es reicht niedlich auszusehen und in die Kamera zu lächeln. Noch schlimmer: Mit Shows wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Germanys next Top Modell" wird auch anderen jungen Leuten die Idee in den Kopf verpflanzt, man müsste nur eine Reihe von casting Shows überstehen und schon wäre einem die Karriere sicher. Selbst wenn die Leute bescheiden bleiben und nicht gleich ein "super-Star" oder ein "Top-Modell" werden wollen (Wie viele davon gibt es in Deutschland?) so ist doch die Überzeugung gegeben, dass man auf diesem Weg einfach Karriere machen könnte. Dabei kann ich mich an keinen interessieren, der wirklich Karriere gemacht hat. Warum auch? wer gut singen kann wird auch ohne Casting Show keine Probleme haben einen vertrag zu ergattern. Etwas schwieriger wird's bei den Modells, die ja eigentlich nix können müssen - nur gut aussehen. Das Kriterium kann man aber leider auf viele anwenden.

Das schlimme ist, dass diese  Mentalität Leute in Castings zu beurteilen sich durchgesetzt hat. So warb Lidl noch im letzten Jahr "Deutschland sucht den Super-Azubi", als wäre ein Ausbildungsplatz beim Discounter der große Preis. Und sind nicht Assesment-Center nichts anderes als Casting Shows in anderer Verpackung? Was ist geworden aus der Probezeit? Während im "wahren" Leben immer größere Anforderungen auf die meisten zu kommen - wie dauernde Fortbildung, höhere soziale Kompetenz, Offenheit gegenüber Neuerungen - suggerieren diese Casting Shows man könnte nur sein Ding durchziehen und würde automatisch zum Star. Und leider gibt es genügend die das auch glauben....

Ach ja um Collien mal auf die Sprünge zu helfen: Das ist eines der Lieder von Enigma alias Sandra und Cretu
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Donnerstag 19.2.2009: Das Europa der nationalen Eigenmächtigkeiten

Einer der Vorteile der Recherche für das neue Buch ist, dass man über verschiedene Dinge stolpert, In diesem Falle über die Pläne für die Weiterentwicklung von Ariane und Vega und wie diese irgendwie nicht richtig vorwärts kommen. Dazu kam ein Bericht über die ESA Beschlüsse in der aktuellen Sterne und Weltraum. Erstaunlicherweise fand ich keinen Bericht bei den ESA Pressemitteilungen. Derzeit läuft einiges schief. Frankreich versucht mehr und mehr ESA Projekte zu EU Projekten zu machen. Der Grund: Bei ESA Projekten gibt es die Garantie des Mittelrückflusses. Das bedeutet, dass entsprechend der finanziellen Beteiligung auch die heimische Industrie Aufträge erhält. Zum einen fördert das natürlich die Bildung einer Raumfahrtindustrie auch in den Ländern die weniger zum ESA Budget beitragen. Zum anderen ist so natürlich der gewählte Auftragnehmer vielleicht nicht der kostengünstigste, sondern er musste gewählt werden weil ein sich Land an dem Projekt beteiligt. Bei EU Projekten gibt es dagegen nur einen Auftragnehmer, alle anderen Konkurrenten gehen leer aus. Frankreich, mit seiner leistungsfähigen Raumfahrtindustrie rechnet damit mit mehr Aufträgen.

Auf der anderen Seite versucht Italien seit einigen Jahren weniger sich bei der ESA zu beteiligen und mehr nationale Raumfahrtprojekte zu fördern. Der Gipfelpunkt wurde auf der Konferenz in Den Haag erreicht, als bekannt wurde, dass Italien zusammen mit den USA eine eigene Versorgungskapsel entwickelt.

So ist es nicht verwunderlich, dass der Ausbau der Ariane still steht. Hier noch mal der Link zu einem Dokument von Fredrik Engström, ehemaliger Direktor der Trägerraketenentwicklung der ESA. Er beschreibt, dass Frankreich inzwischen zum Hemmschuh geworden ist, weil es gerne alles selbst machen wollen: "

The French side jealously defends and maintains a management organization that was appropriate 30 years ago and should have been changed a long time ago. Ariane is today a fully European program that obviously should be technically and financially managed by one unified organization, the European Space Agency, that takes all decisions regarding the program. By blocking necessary development work on a new third stage based on the new Vinci engine, the French side strangle the French industry who consequently suffocates the launcher industry in ESA member states and thus puts the whole Ariane system in jeopardy.".

Umgekehrt ist Deutschland nicht an der Vega beteiligt und DLR Referenten schreiben öffentlich "Die Vega gefährdet die innereuropäische Solidarität zur Ariane". Inzwischen scheint man doch mitspielen zu wollen und hat eine Studie für eine Oberstufe in Auftrag gegeben. Das gleiche hat die ASI gemacht: Die ASI plant eine Oberstufe mit der Bezeichnung Lyra und einem Mira genannten Triebwerk mit 10 t Schub und LOX/LCH4 als Treibstoff. Die deutsche Studie untersucht den Einsatz des Aestus und Aestus 2 Triebwerks (identisch zum RS-72, das sich auf SNECMA Seiten findet?) und den Einsatz des Vinci Triebwerks.

Die ESA dagegen überlegt die ersten beiden Stufen zu verlängern (100 und 40 t Treibstoff). Eventuell noch Booster um die erste Stufe (zusätzliche Z23 Stufen) und eine kryogene H10 Oberstufe. Alle Vorschläge bringen mindestens 2 t (anstatt 1,.5 t ) Nutzlast, manche bis zu 4 t.

Da die Vega noch nicht erfolgreich flog wurde jede Entscheidung darüber vertagt. Doch wenn - welches ist das beste Konzept? Meiner Ansicht nach verteuern die Lyra und Stufen mit dem Aestus Triebwerk nur die Vega, ohne mehr Nutzlast zu bringen: Die spezifischen Impulse sind nicht viel höher als beim Zefiro 9A Antrieb, und dieser ist schon sehr leichtgewichtig. Wenn also diese Stufe ersetzt werden soll, dann durch eine kryogene Oberstufe. Eine kleine Rechnung: Packt man die H10-III Oberstufe der Ariane 4 mit der VEB der Ariane 4 auf die Vega, so steigt deren Nutzlast von 2300 auf 4800 kg (für den 5 Grad/200 km Orbit) oder 3600 kg für den 700 km SSO Referenzorbit (Vega: 1500 kg).

Das Vinci Triebwerk würde eine größere Stufe ermöglichen, welche zweite bis vierte Stufe ersetzen könnte. Eine 18 t Stufe (Leermasse mit VEB 2.3 t) würde in zweistufiger Bauweise 4.2 und in dreistufiger Bauweise 5.7 t maximal transportieren. Sofern also das Vinci für die Ariane 5 kommt wäre das eine Option, ansonsten würde ich (da sicher ist, dass vor 2011 keine Entwicklung für die Ariane 5 kommen wird)  wäre eine Anpassung der alten H10 Stufe sicher die beste Lösung, da auch das HM-7B derzeit noch in der Produktion ist.

Wo steht in diesen nationalen Alleingängen Deutschland? Zum einen gibt es keine solchen nationalen Alleingänge. Zum anderen fehlt der DLR der Mut auch vorzupreschen und wenn es wirklich alleine zu tun. Nehmen wir Ariane 5. Die ESC-B steht praktisch seit 2003. Zuerst weil man das Geld für die Requalifikation nach dem gescheiterten Jungfernflug brauchte. Das war noch verständlich. Doch danach hätte es weiter gehen sollen. Deutschland möchte gerne weiterhin die Oberstufe bauen. Warum finanziert man diesen Teil dann nicht komplett und stockt so die Beteiligung auf? Das gleiche bei der Vega - erst madig machen und dann selbst nach einer neuen Oberstufe suchen lassen.

Das genaue Gegenteil findet man bei ATV: Hier wollen die anderen Nationen keinen wiederverwendbaren ATV. Deutschland drückt dafür aber alleine 20 Millionen Euro an EADS ab. Wofür? Glaubt man im ernst in 3 Jahren sind alle anderen Nationen anderer Meinung? Der Nutzen eines wieder verwendbaren ATV sinkt um so mehr, je später er kommt. Jetzt lässt die NASA schon Transporter entwickeln. Die eventuell zur Verfügung stehen, wenn der nächste Beschluss für ein ATV Ende 2011 ansteht. Und die ISS wird auch nicht jünger...

Das ist rausgeschmissenes Geld. Aber derzeit wird ja gerne Geld verpulvert.....

Freitag 20.2.2009: Richtig viel Geld

Ich weiß nicht ob es auch bei anderen so ist, aber ich werde immer wieder inspiriert von Ereignissen, über die ich mir Gedanken mache. Vielleicht so wie bei anderen die Tagträume, nur neige ich dazu Dinge durchzurechnen oder abzuschätzen. Zwei Dinge brachten mich dazu mal über viel Geld nachzudenken. Das eine war ein Spielfilm, der letzte Woche auf der ARD lief. Das Thema: Safeknacker finden den Safe leer, aber in der Lagerhalle ausgemusterte Geldscheine in Säcken verpackt - davon 80 t. Anstatt nur 4 oder 5 der Säcke mitgehen zu lassen (soviel wie eben in einen PKW rein geht) klauen sie einen Mülllaster und klauen die ganzen 80 t. Natürlich verlieren sie das ganze Geld. Aber ich bin da auf die Idee gekommen: Wie viel ist das und hätten nicht 4 Säcke mit je 30 kg Gewicht gereicht?

Also meine erste Idee war eine Worst Case Abschätzung. Geld das bei Entführungen übergeben wird passt ja immer in einen kleinen Koffer. Die Säcke waren ziemlich groß, jeder sicher so 40 cm Durchmesser und über 1 m Höhe. Schlimmster Fall: Es wären nur 5 Euro Scheine gewesen. Was enthält dann so ein 30 kg Sack? Ich habe mal in Gedanken 5 Euro Scheine auf ein DIN-A4 Blatt gelegt und kam so auf 10-12 Stück um die Oberfläche zu bedecken. Ein DIN-A4 Blatt wiegt 5 g, dass weiß ich weil ich maximal 4 Blätter in einen 20 g Brief verwenden kann. Natürlich ist das Papier ein anderes und die 10 Scheine sind auch nur eine Schätzung, aber es soll auch nur mal geschätzt werden. Demnach wiegt ein 5 Euro Schein 0.5 g und ein 30 Kg Sack entspricht einem Wert von 300.000 Euro -nicht gerade viel, aber 4 Säcke hätten bei den 3 Räubern dann doch immerhin 400.000 Euro pro Person bedeutet. Inzwischen habe ich nachgeschaut und ein 5 Euro Schein wiegt 0.63 g. Da war meine Schätzung also gar nicht so schlecht. Das reduziert die Beute bei 120 kg auf 317460 Euro pro Bankräuber. Wenn sie die ganzen 80 t rauben so wären es insgesamt fast 635 Millionen Euro.

Was lernen wir daraus? Lösegeld in 5 Euro Noten einzufordern ist nicht so eine gute Idee.

Doch es geht ja weiter im Film. Beim öffnen eines Sacks sind auch grüne und braune Banknoten zu sehen, also 100 Euro und 10/50 Euro Scheine. Realistischerweise dürfte also eine Mischung aller Scheine sein. Wenn also dieses "ausgemusterte" Geld die gleiche Stückelung wie das Geld im Umlauf hat (nach Wikipedia), dann sollte im Durchschnitt das Geld einen Wert von 65,33 Euro/g aufweisen, also 80 t haben einen Wert von 5226 Millionen Euro besitzen (oder wenn nur 120 Kilo gestohlen werden: etwas über 7.8 Millionen Euro).

So gesehen ist das natürlich klar filmische Freiheit: Reale Räuber würden sicher nicht das Risiko eingehen bei 4 Touren mit dem Müllaster erwischt zu werden anstatt so viel Geld mitzunehmen wie mehr als ausreichend für jeden ist. Es stellt sich die Frage: Wie gibt man Milliarden in Form von Bargeld aus? Man kann ja schlecht mit dem Geld zu einer Bank gehen und es tonnenweise einzahlen. Bei 80 t wird selbst das Einzahlen in kleinen Mengen zu einer echten Aufgabe.

Das leitet mich zu meinem zweiten Punkt über: Was würden sie machen mit richtig viel Geld, also mal angenommen sie hätten den Lotto Jackpot gewonnen und wären um 17.9 Millionen Euro reicher. Es gibt ja genug Berichte von Lotto-Millionären, die das aus der Bahn geworfen hat, oder sie waren nach ein paar Jahren völlig verarmt. Das gleiche hört man von Promis die durch einen Hit zu Geld gekommen sind und danach das Geld in den Sand setzen - neuer Hit oder neue Rollen lassen dann auch auf sich warten.

Ich bin mir relativ sicher, dass sich bei meinem Lebensstil nichts ändern wird. Ganz einfach deswegen, weil ich schon zeit meines Lebens bedeutend bescheidener lebe als ich es könnte. Daran würde auch viel Geld nichts ändern. Ich würde mir bestimmt nicht einen Suborbitalflug oder ein Ticket zur ISS kaufen. Ich denke ich würde so 2 Millionen Euro für mich abzweigen und den größten Rest in eine Stiftung einbringen. Den einzigen Luxus, denn ich mir gerne gönnen würde wäre für mich als Winterdepression und Heuschnupfen-Geplagten ein Zweitwohnsitz im Süden, Ideal wäre Australien, da dort Sommer ist wenn bei uns Winter ist und man dort englisch spricht. Das würde sich aber mit der langen Flugreise und den Strapazen für meine Katzen während dieser langen Reise beißen. So dass es wohl auf Mittelmeerraum oder Karibik hinauslaufen würde.

Für den Rest des Geldes hätte ich schon eine gute Idee: Ein Teleskop der 2-3 m Klasse und etwas Geld um den laufenden Betrieb über einige Jahrzehnte zu finanzieren. Das ist heute kein großes Instrument mehr, aber eines das immer noch so groß ist, dass damit sinnvolle Forschung betrieben werden kann. Weiterhin ist Deutschland bei den optischen Teleskopen inzwischen deutlich im Rückstand gegenüber anderen Nationen. Über 2 m Durchmesser hat es nur 3 Teleskope: 2 mit 2.2 m Durchmesser (Platz 58+59 auf der Liste der größten Teleskope) und eines mit 3.5 m (Platz 31). Um unter die ersten 10 zu kommen müsste Deutschland ein 8.2 m Teleskop bauen.

So gesehen würde ein 2-3 m Teleskop die Anzahl der Großteleskope von Deutschland auf einen schlag um ein Viertel erhöhen. Das wäre doch eine sinnvolle Investition. Mal eine Frage an den geneigten Blogleser: Was würden Sie mit 17.9 Millionen Euro machen?

Das Video heute ist etwas schwer zu finden gewesen. Eigentlich wollte ich ja "Geld" von Rio Reiser, aber das habe ich nicht als Video gefunden. Als Alternative müssen dann die Prinzen herhalten

Samstag 21.2.2009: Kriminelle aufgepasst!

Beim Suchen nach Infos für das Trägerraketenbuch habe ich mal die Webseiten von Oerlikon Contraves (Hersteller der Ariane Nutzlastverkleidung) aufgesucht und festgestellt, dass dieser nur Bestandteil von Rheinmetall ist. Nun fertigt Rheinmetall weniger Trägerraketen (wohl aber andere Raketen), so habe ich mich mal durch die Produktpalette geklickt und stieß auf folgendes:

"Die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Neue Bedrohungen wie etwa Terrorismus, Organisierte Kriminalität, die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und Trägermitteln sowie die Folgen auch weit entfernter regionaler Krisen und Konflikte bestimmen in zunehmendem Maße die nationale und internationale Sicherheitslage. Die Akteure sind in wachsendem Maße nichtstaatlicher Natur und bedienen sich asymmetrischer Methoden der Gewaltanwendung.

Diese neuartigen Einsatzszenarien und die damit verbundenen gestiegenen Anforderungen, insbesondere an die Fähigkeitskategorien Überlebensfähigkeit und Schutz, Führungsfähigkeit, Nachrichtengewinnung und Aufklärung, Mobilität und Wirksamkeit im Einsatz, erfordern ungeschränkt teilstreitkraftübergreifende sowie multinationale Fähigkeiten im gesamten Intensitätsspektrum militärischer Operationen."

Nun wofür wird geworben? Für einen 120 mm Mörser auf dem Schützenpanzer Wiesel 2. Aha echt klar. Damit bekämpft man also die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und Trägermitteln (Raketen? Flugzeuge? Autos?) und vor allem auch organisierte Kriminalität. Also aufgepasst, Russen-Mafia, es könnte mal sein, dass die Bundeswehr mit ihren Mörsern ausrückt und so eine 120 mm Granate ist nicht von schlechten Eltern....

Trainieren tut die Bundeswehr die Bekämpfung von organisierter Kriminalität schon länger. Ich sag nur MOTHERFUCKER!


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