Home Site Map Sonstige Aufsätze Weblog und Gequassel counter

Web Log Teil 102 : 22.2.2009-26.2.2009

Sonntag 22.2.2009: Bald ist Fasching vorbei....

... und ich bin froh darüber. Ich gehöre zu den Leuten die absolut nichts damit anfangen können einmal im Jahr die Sau raus zulassen und danach wieder zur Tagesordnung überzugehen. Wobei ich dem Straßenkarneval noch etwas abgewinnen kann (nur spielt meist das Wetter nicht mit). Viel schlimmer finde ich Karneval im fernsehen. Als ich klein war konnte man die Sendungen noch an einer Hand abzählen und es ging meist am Freitag los und am Dienstag danach war alles vorbei. Mit dem fortschreiten des Verfalls des Fernsehens ist nun die Zahl der Sendungen explodiert. Es gibt seit Wochen schon Karneval, vor allem in den dritten, die damit regionales Flair verbreiten wollen, schließlich ist Karneval hier in Baden Württemberg anders als in Köln und in den Sitzungen gibt es noch viel Mundart. Vor allem aber gibt es einen Grund für die vielen Sendungen: Sie sind billig zu produzieren. einfach eine Kamera in eine Prunksitzung gestellt und schon hat man eine Sendung. Kosten für Saal, Kostüme und das Programm? Trägt der Veranstalter. Super billiges Fernsehen und super nervig. Da ist mir ein alter Heinz Erhardt Spielfilm 1000 mal lieber....

So das wars heute ganz kurz. Nächste Woche mal wieder mit ein paar Raumfahrthemen, aber ich habe heute nicht den Nerv und die Zeit einen Blog dazu zu machen (gerade die Raumfahrtthemen brauchen viel Zeit zum Schreiben, weil sie meist mit Recherche verbunden sind). Ich bin irgendwo derzeit an einem roten Punkt vielleicht auch wegen dem trüben Wetter. Auch bei meinem Buch stecke ich fest. Je mehr ich recherchiere, desto mehr finde ich raus und desto mühsamer wird das Ergänzen. Und was mache ich wenn ich genug davon habe? Nein ich lege mich nicht auf die faule Haut, ich fange mit dem nächsten Buch an. Schon länger in Überlegung: Ein Trägerraketenlexikon. Jede Variante die einmal flog auf 3-5 Seiten erklärt. Ich habe erst mal gegrübelt wie ich die technischen Daten platzsparend eindampfe und habe jetzt eine Lösung gefunden. Zu der hätte ich gerne Ihre Meinung. Hier ist mal ein Typenblatt. Wie kommt das an?

Montag 23.2.2009: Aufklärungssatelliten - es kommt nicht nur auf die Optik an....

Ich habe vor ein paar Monaten mich ja schon mal mit dem Thema Aufklärungssatelliten und den Gerüchten (mehr ist es nicht), das diese Auflösungen von einigen Zentimetern haben sollten, beschäftigt. Heute soll es nicht um die Optik gehen, sondern ein anderes Problem: Die Belichtungszeit und Bewegungskompensation.

Zuerst einmal: Was ist die Problematik?

Nehmen wir an, Sie bauen einen Satelliten der in einer kreisförmigen Bahn von 300 km Höhe die Erde umrundet und hochauflösende Bilder machen soll. 300 km ist eine Höhe, bei der sie der Erde nah sind, aber nicht so nah, dass die Atmosphäre den Satelliten rasch abbremst. Ein 300 km Orbit hat eine Lebensdauer von einigen Monaten bis zu einem Jahr, wenn er nicht angehoben wird. In dieser Höhe hat ihr Satellit eine Geschwindigkeit von 7731.4 m/s. Er umkreist also die Erde in 1 h, 30 Minuten und 21 Sekunden. Dividiert man den mittleren Erdumfang (40030 km) durch diese Zeit (5421 Sekunden), so legt der Satellit jede Sekunde auf der Erde 7384 m zurück. Deutschland, mit einer Nord-Süd Ausdehnung von rund 800 km, hätte er also in nicht ganz 2 Minuten überflogen.

Nehmen wir an sie haben eine CCD Kamera eingebaut, und um optimal belichtete Bilder zu machen, müssen sie 1/1000 Sekunde belichten. Wenn ihre Kamera 20 m/Pixel auflöst, so ist das kein Problem. Es tritt nun das auf, dass sie eventuell kennen wenn sie aus einem fahrenden Auto die Landschaft fotografieren wollen: Durch die Bewegung des Autos erhalten sie eine Unschärfe, die Bewegungsunschärfe. In der Tausendstel Sekunde, während der das Bild belichtet wird, hat sich der Satellit am Boden um rund 7.4 m weiter bewegt. Wenn nun die Kamera viel gröber auflöst, (hier 20 m) so sehen sie dies nicht auf dem Foto. Doch für einen Aufklärungssatelliten sind 20 m Auflösung wenig. Was passiert, wenn ich 1 m oder noch weniger auflösen möchte?

Möglichkeit 1: Kürzer belichten. Die Belichtungszeit hängt von dem Licht ab, welches auf ein Sensorelement fällt. Je größer meine Optik ist, desto mehr Licht fällt auf ein Pixel bei gleicher Größe. Fotographen kennen den Begriff der Blende - Sie ist das Verhältnis zwischen Brennweite und Objektivgröße. Je größer ein Objektiv bei einer gegebenen Brennweite ist, desto lichtstärker ist es, desto kürzer ist die Belichtungszeit. Ein Grund warum Aufklärungssatelliten daher immer größere Spiegel haben, könnte sein, diese Bewegungsunschärfe zu reduzieren und so bei gleicher Brennweite und gleichen Sensoren bessere Aufnahmen zu erhalten. Das zweite ist es jedes Pixel zu vergrößern, um mehr Licht aufzufangen. Das reduziert jedoch dann die Auflösung. Zu einem dritten Trick komme ich noch.

Möglichkeit 2: Ich kompensiere die Bewegung. Wenn, wie hier, die Umlaufbahn kreisförmig ist und der Satellit direkt nach unten sieht, dann bewegt sich die Oberfläche gleichförmig unter der Optik hinweg. Die Optik kann dann in der gleichen Richtung gedreht werden, mit einer Geschwindigkeit von 1 Umdrehung alle 90 Minuten. Dieses Prinzip ist abwandelbar, z.B. indem nur der Sensor bewegt wird und die Optik fest ausgerichtet bleibt. Es gibt nur zwei Einschränkungen: Durch die Bewegung der Optik muss diese, nachdem sie einem Gebiet eine Weile gefolgt hat und ein Bild gewonnen wurde in die Ausgangsstellung zurückgedreht werden. Eine kontinuierliche Abtastung ist so nicht möglich. Die zweite: Die Bewegung ist nur konstant wenn der Satellit sich auf einer kreisförmigen Umlaufbahn befindet und nicht zur Seite sieht. Die Seite sieht man unter einem anderen Blickwinkel, der sich durch die Bewegung noch dazu ändert - Fixieren sie einmal einen Baum beim Fahren mit dem Zug. Wenn er weit entfernt ist sehen sie ihn aus einem flachen Winkel, wenn er direkt vor ihnen steht ist er im Bruchteil einer Sekunde an ihnen vorbei geflogen. Wenn sie den Kameraschwenk auf die frontale Position justieren, dann wird das Bild von der Entfernung (Schräge) verwischt.

Gerade dies ist aber gegeben. Die KH-11/12 Satelliten befinden sich auf einer elliptischen Umlaufbahn von typischerweise etwa 300 km minimaler und 900 km maximaler Entfernung von der Oberfläche. (Um die Abbremsung durch die Restatmosphäre zu reduzieren). Und sie sollen auch Bilder schräg aufnehmen, weil so ein Gebiet nach kürzerer Zeit erneut abgelichtet werden kann. Das erschwert die Ausführung einer Nachführung. Sie muss nun variable Geschwindigkeiten bieten.

Je höher die Auflösung, desto größer werden die Anforderungen. Nehmen wir die 300 x 900 km Bahn. Die Geschwindigkeit beträgt dann in 300 km Entfernung 7890 m/s und in 900 km Entfernung 7240 m/s. Die Bewegung relativ zur Erdoberfläche beträgt 6344 m/s im Apogäum und 7.535 m/s im Perigäum. Nehmen wir an. Die Bewegungskompensation ist auf die Distanz von 300 km Entfernung justiert bei einer Belichtungszeit von 1/1000 Sekunde. Die Bewegungskompensation entspricht im Perigäum einer Drehung von 0.067 Grad pro Sekunde. Im erdfernsten Punkt sind es dagegen 0.57 Grad/Sekunde. Bei 0.67 Grad pro Sekunde bewegt sich die Optik zu schnell und es resultiert eine Bewegungsunschärfe von 1.2 m/s im erdfernsten Punkt.

Das bedeutet, die Bewegungskompensation muss sehr ausgeklügelt sein, wenn sie verschiedene Geschwindigkeiten und Winkel bedienen muss.

Nun habe ich noch von einer dritten Möglichkeit gesprochen. Sie wird heute bei hochauflösenden "semi-zivilen" Satelliten eingesetzt, z.B. Ikonos oder Worldview. Es sind spezielle Sensoren, die TDI Sensoren. (TDI = Time Delayed Integration). Diese Sensoren werden auch bei Produktionsstraßen eingesetzt, z.B. um farbigen Müll auszusortieren oder vorbeirauschende Flaschen auf Beschädigungen zu überprüfen. Die Anforderungen sind die gleichen wie bei Aufklärungssatelliten: Das zu untersuchende Objekt bewegt sich mit enormer Geschwindigkeit vor der Optik. Die Lösung ist es mehrere Scanzeilen zu verwenden, aber nur die oberste auszulesen. Eine Flasche wird z.B. von der untersten Scanzeile erfasst, nun bewegt sie sich weiter, streicht nacheinander über die Scanzeilen und passiert schließlich die letzte Scanzeile. Der Trick besteht nun darin, die elektrische Ladung, die durch die Belichtung in jedem CCD Element resultiert synchron zu dieser Bewegung zu verschieben und dabei zu der schon vorhandenen zu addieren. Ein Element mit 16 Scanzeilen kann also im Idealfall die 16 fache Belichtungszeit eines einzelnen Elements aufweisen - oder umgekehrt die Belichtungszeit auf ein sechszehntel reduzieren. Dabei reicht die Belichtungszeit eines einzelnen CCD Elemente nicht aus für ein kontrastreiches Bild, aber die von 16 Elementen.

Die derzeit modernsten haben bis zu 128 Zeilen. Ohne Bewegungskompensation erreichen damit heute Satelliten wie Worldview schon unter 50 cm Auflösung. Der begrenzende Faktor ist dabei dann nicht mehr die Belichtungszeit, sondern die Datenrate. Für höhere Auflösungen müssten die Scanzeilen erheblich schneller ausgelesen werden als heute möglich. Das CCD 21241 von Fairchild, eingesetzt bei Worldview 1, ist z.B. limitiert auf max. 18 KHz Ausleserate, also bei etwa 7 km/s Bewegung über den Boden maximal 7000 m /18000 = .0.39 m/Pixel. Die erreichte Auflösung des Satelliten (0.45 m) liegt nahe an der Grenze.

Das zeigt die Problematik die es gibt, wenn sehr hohe Auflösungen erreicht werden sollen. Da die Anforderungen quadratisch mit der Auflösung steigen, stellt sich auch bei Aufklärungssatelliten die Frage nach der Umsetzung. Worldview unterscheidet sich von Ikonos nicht so sehr durch das größere Teleskop - das hätte man schon vor 10 Jahren in Ikonos einbauen können - sondern der Verfügbarkeit von leistungsfähigeren TDI Sensoren. Da das Militär vielleicht eher die neueste Technologie im Einsatz hat, sich aber nicht von der technischen Entwicklung loslösen kann (anders ausgedrückt: Das Militär kann sich heute zwar die schnellsten Supercomputer leisten, aber diese bestehen aus den gleichen Speicherchips und Prozessoren wie andere Computer. auch).

Dienstag 24.2.2009:Quo Vadis Europa?

Das war die Überschrift zu einem SuW Beitrag. Die Frage stellt sich nach Ansicht des Autors auch für die bemannte Raumfahrt in Europa. Nachdem es für die nächsten 3 Jahre nur eine Studie für das ATV gibt und diese von Deutschland exklusiv finanziert wird. Umgekehrt soll Italien zusammen mit den USA an einem eigenen ISS Zubringer arbeiten. Europa sollte sich entscheiden ob es einen eigenen  Zugang zum Weltraum haben will. Nun wo die Shuttles außer Dienst gestellt werden. Der Autor malt das Gespenst an die Wand, dass Europa den Stuhl vor die Tür gestellt bekommt.

Was gäbe es dazu zu sagen?

Erstens - Wer ist heute überhaupt noch unabhängig?

Die ISS ist dahingehend einzigartig, weil sie wirklich nur als ganzes funktioniert:

Das zweite, warum ich diesen Ansatz zu diesem Zeitpunkt falsch fand, war, dass er so tut als hätte man jetzt ein Problem. Dem ist nicht so. Die Geschichte der ISS könnte man auch beschreiben als eine Geschichte der laufenden Umplanungen. In den ersten Planungen war es eine Raumstation mit zwei nahezu gleichberechtigten Partnern. Schon vor dem Start de ersten Moduls begann aber Russland seinen Anteil rapide zu reduzieren, bis schließlich nur noch 1 Modul übrig blieb. Doch auch die USA wollten schon frühzeitig die ISS nicht mehr. Im Herbst 2002 gab es den offiziellen Plan, die Station nicht fertig zu stellen und die Besatzung auf 3 Personen zu beschränken. Dazu wäre es auch ohne den Verlust der Columbia gekommen, die erstaunlicherweise gerade das Gegenteil bewirkte. Trotzdem: Auch die USA haben ein Wohnmodul und ein zweites Labormodul gestrichen.

Japan und Europa - beide wusste seit 2002 von der Ansicht der USA, die ISS zu verkleinern und seit 2004 von der Einstellung der Space Shuttles. Wenn man sich jetzt darüber aufregt, dass nun kein Beschluss für eine Weiterentwicklung gefallen ist, dann ist das zum falschen Zeitpunkt: Die Entwicklung eines bemannten Raumschiffs dauert naturgemäß recht lange. Orion soll 2014 zum ersten mal fliegen und wird seit 2005 entwickelt. 8 Jahre sind sicher ein realistisch Ansatz. Selbst wenn die ESA also Ende 2008 ein Crew Transfer Vehicle beschlossen hätte (und ein solches stand nicht zur Debatte, sondern nur eine unbemannte Version), dann wäre es nicht vor Ende 2016 zur Verfügung gestanden, Also recht spät und zum Ende der Lebensdauer der ISS. Insbesondere hilft dies nichts, wenn ab 2010 ein solches benötigt wird, da ab 2014/5 ja wieder die Orion Kapsel einsatzbereit ist.

Der letzte Punkt: Will Europa eigentlich die bemannte Raumfahrt - zumindest eine die eigenständig ist, ohne auf andere Partner angewiesen zu sein? Meiner Meinung nach nicht. Bei allen Projekten die etwas mit "bemannt" zu tun haben war Deutschland bislang der Hauptsponsor. Bei über 50 % beim Spacelab, etwa 40-50 bei Columbus und dem ATV. Die anderen Nationen sind da nicht sooo begeistert. Deutschland war auch die einzige Nation die jemals eigene Spacelab Flüge buchte. Deutschland würde aber alleine niemals die Mittel aufbringen und selbst mit Deutschland reicht es nicht für eine eigene Raumstation und einen eigenen, bemannten Transporter.

So gesehen finde ich den Ansatz falsch. Warum sollte Europa anfangen für ihr kleines Labor einen Zubringer zu entwickeln, der dann erst in vielen Jahren verfügbar ist. Würde ein solcher nicht nur erforderlich sein, wenn man eine eigene Raumstation hat? Doch das ist ein anderer Punkt, den ich noch beleuchten will.

Mittwoch 25.2.2008: Quo Vadis Europa - Teil 2

Gestern habe ich meinen Senf zu den Forderungen gegeben, heute anzufangen "unabhängig" bei der bemannten Raumfahrt zu sein (meiner Meinung nach ist das heute außer den Chinesen wohl keiner mehr so richtig). Doch angenommen, Europa wäre aus der ISS ausgestiegen - wann und wie wäre es wohl am besten gewesen?

Zuerst einmal: Es gab schon lange vor der ISS bei der ESA Pläne für eigene Raumstationen. Als 1988 der Bau von Ariane 5 beschlossen wurde, sah dies auch als Nutzlast Hermes und Columbus (noch als unabhängiges Labor) vor. Aus Kostengründen ist nichts daraus geworden. Und die Kosten sind auch heute der Knackpunkt. Also heute der Ansatz: Wie kann Europa eine eigene bemannte Raumfahrt möglichst kostengünstig aufbauen?

Nun in der jüngsten Vergangenheit wäre der ideale Zeitpunkt zum Ausstieg wohl 2003 gewesen - Schon 2002 wollten die USA den ISS Ausbau einstellen. Als die Columbia 2003 verloren ging war klar, dass sich der Ausbau um Jahre verzögern würde. Ein Jahr später wurde der Ausstieg aus dem Space Shuttle Programm beschlossen. Also ziehen wir Bilanz: Was entwickelte zu diesem Zeitpunkt die ESA für die ISS:

Wie kann man damit eine eigene Raumstation aufbauen? Einen der Kopplungsknoten (mit 6 Anschlüssen, 4 über dem Umfang im 90 Grad Winkel verteilt, 2 an den Enden) kann man unverändert übernehmen. Der andere ist als Kopplungsknoten überflüssig. Da aber diese Kopplungsknoten aus derselben Struktur bestehen wie das Raumlabor Columbus, müsste man beim zweiten (Node 3, der derzeit bei der NASA zum Start vorbereitet wird) nur die Kopplungsadapter entfernen und es innen einrichten. Aus Node 3 würde so ein Wohnquartier werden. Der Innenraum von Node 2 könnte als Lagerraum genutzt werden (wie dies auch heute der Fall ist).

Damit hatte man ein Wohnquartier, ein Labor und einen Verbindungsknoten mit Lagerräumen. Die Cupola findet ihren Platz an einem der 6 Kopplungspunkte,  zwei weitere belegen das Wohnquartier und Columbus.

Wichtig ist aber für eine Raumstation ein Lebenserhaltungssystem und der bemannte Zugang. Anstatt hier nun alles neu zu entwickeln, würde ich bei beiden Dingen auf Russland zurückgreifen - Warum auch nicht - die USA tun es auch. Das Lebenserhaltungssystem der ISS ist bis Node 3 im Orbit ist, in Swesda. Dort sind auch die sanitären Einrichtungen und Tanks für Treibstoff. Swesda wurde 1998 für 320 Millionen Dollar gebaut - billiger kann es die ESA auch nicht bauen. Warum sollte also die ESA nicht ein zweites FGB bei Russland bestellen?

Swesda hat noch zwei andere Vorteile: Damit verfügt die Station auch über Kopplungsadapter für das ATV und die Sojus, die je beide vom russischen Typ sind. Umgerüstet müsste der vordere Adapter werden, damit es an den Kopplungsknoten ankoppeln kann. Damit ist der vierte Ankopplungspunkt dessen belegt.

Damit hat die Station alle grundlegenden Elemente die eine bemannte Raumstation braucht. Was fehlt ist noch eine ausreichende Stromversorgung. Diese kann man gewährleisten, wenn alle zylindrischen Module mit Solarzellen ausgerüstet werden. Das dürfte keine große Änderung sein. Es muss noch möglich sein, die Station zu verlassen. Das durfte durch den Kopplungsknoten möglich sein, doch erfordert das dann praktisch die einzelnen Sektionen abzuschotten. Einfacher ist es einen Nachbau des Pirs Moduls zu verwenden. Damit hat man alles was man braucht:

Abhängigkeit von Russland?

Es ist immer interessant, wie vor allem in den USA davon gesprochen wird von Russland abhängig zu sein. Fakt ist: Wenn Russland für Dienstleistungen bezahlt wird, dann erbringt sie diese. Das ist bei der NASA nicht immer der Fall. In jedem Fall gibt es die Möglichkeit erst den Swesda Nachbau und den Pirs Nachbau zu starten und dann die europäischen Module (da diese keinen eigenen Antrieb haben, muss sowieso das Swesda Modul das erste im Orbit sein, um aktiv an diese anzukoppeln). Sojus Raumschiffe und Sojus Trägerraketen kann man im 4 er Pack kaufen und einlagern und danach starten - bei zwei Besatzungswechseln pro Jahr reicht das für 42 Jahre - genug auch bei politischen Krisen diese zu klären. Die Startmöglichkeit für die Sojus gibt es ja ab 2009 in Kourou - so gesehen sind wir sogar unabhängiger als die USA, die nicht die Sojus selbst starten können.

Wohin?

Die ISS Bahn ist ein Kompromiss. Die Bahnneigung ist vorgegeben durch Russland - kleinere Bahnneigungen als 52 Grad sind von Baikonur aus nicht möglich. Die Höhe ist durch den Space Shuttle vorgegeben - je höher desto geringer ist dessen Nutzlast. Für eine europäische Station muss darauf nicht Rücksicht genommen werden. Die maximale Nutzlast hat man vom Start von Kourou aus bei 5-7 Grad Inklination. Um allerdings den Treibstoffverbrauch für die Bahn der Station zu minimieren sollte die Station einen höheren Orbit von 450-500 km Höhe aufweisen. Von Kourou aus ist wegen der Erdrotation die Nutzlast trotzdem höher als zur ISS: Ein Hin- und Rückflug in 450 km Höhe braucht etwa 60 m/s mehr Geschwindigkeit als einer zu 350 km. Der Gewinn durch die Erdrotation macht aber 175 m/s aus. Bei einer Ariane 5 ES steigt so die Nutzlast von 20.75 auf 21.8 t an.  Dies ist ausreichend um die Labors voll ausgestattet zu starten - Das schafft der Space Shuttle nicht, weshalb z.B. ein Teil der Racks von Columbus not einem zweiten Transport zur ISS kommen müssen.

Eine Alternative wäre Japan mit ins Boot zu holen - Das Kibo Labor könnte an einen der beiden US-Kopplungsadaptern andocken, das HTV an den anderen. Das würde dann auch die Kosten senken. Dann wäre eine Bahn mit 37 Grad Bahnneigung notwendig, damit die H-2B die Station erreichen kann. Neben einer größeren Station und geringeren Kosten für Europa hätte dies den Vorteil, dass ein HTV auch Racks transportieren kann - so hat man die Möglichkeit diese nach einigen Jahren dem neuesten technischen Stand anzupassen.

Kosten

Da sind wir bei dem Casus Knackses. Was kostet der Spaß? Nehmen wir an die Umrüstung der Knoten wäre kostenneutral. (Schließlich wurde Columbus vor allem deswegen so teuer, weil es eigentlich schon 2003 im Orbit sein sollte und Raumlabore kosten auch wenn sie nur auf der Erde rumstehen - die Spezialisten die es bauen kann man schlecht entlassen bis es im Orbit ist). Dann fallen für den Aufbau der Station noch folgende Kosten an:

Das wären zusätzliche Investitionskosten von rund 1 Milliarden Euro und Kosten pro Jahr in der Höhe von rund 420 Millionen Euro. Dem Gegenüber stehen die bisherigen ESA Ausgaben für Columbus und die ISS mit 8 Milliarden Euro und alleine der deutsche Betrag für die nächsten Jahre von 562 Millionen Euro für den Betrieb der ISS und 146 Millionen Euro für das Forschungsprogramm. Es käme vielleicht noch etwas teurer, wenn man noch 2-3 Satelliten braucht um die Daten zur Erde zu übertragen. Einen haben wir ja schon im Orbit - Artemis. Doch es würden sicher auch zwei 2 Nachrichtensatelliten ausreichen, die etwa 200-250 Millionen Euro pro Stück kosten und dann für 10-15 Jahre zur Verfügung stehen - ein Betrag der nichts ins Gewicht fällt.

Doch anstatt 8 % der Astronautenzeit der ISS (oder rund einem halben Astronauten) hätte man 3 im Orbit. Dazu eine eigene Station mit rund 90 t Gewicht und rund 300 m³ Volumen. Wenn Japan mit ins Boot käme wären es 125-130 t und 420 m³ und die Betriebskosten würden sich halbieren - bei trotzdem 6 mal mehr europäischer Präsenz im Weltraum.

Das wäre vielleicht ein gangbarer Weg für Europa gewesen. Nur würde das voraussetzen, dass der Hauptfinanzier der bemannten Raumfahrt - Deutschland - auch auf Eigenständigkeit Wert legt. Doch daran ist nicht zu denken. Was dies angeht hängt die deutsche Raumfahrtpolitik immer noch am Rockschoß der NASA. Der DLR Projektleiter für das ATV glaubt trotz veröffentlichter Langzeitplanung und gekündigten Zulieferverträgen der NASA nicht einmal daran, dass die Space Shuttles 2010 ausgemustert werden. So viel Blauäugigkeit kostet dann schon mal die eine oder andere Milliarde....

Donnerstag 26.2.2008: Synthetisches Erdöl

Wie schon des Öfteren beschäftige ich mich an dieser Stelle auf die Zeit nach dem Erdöl. Wie schon in einigen Blogs erörtert gibt es in vielen Bereichen eine Alternative. Stromerzeugung geht weitgehend durch regenerative Energieformen, die Heizung könnte durch Abwärme von dezentralen Blockheizkraftwerken erfolgen, die auch Strom erzeugen (zur Steigerung des Wirkungsgrades). Dafür könnte auch Kohle zum Einsatz kommen, die zwar von ihrer CO2-Bilanz her so ziemlich die übelste Form der Energiegewinnung ist, aber noch für mindesten 400 Jahre zur Verfügung steht.

Autos kann man durch ÖPNV ersetzen (Ja liebe Autofahrer : Sie sind überflüssige Luxusgüter, das ist der wesentliche Grund, warum die Automobilindustrie als erstes unter einer Wirtschaftskrise leidet: Die Leute verzichten zuerst darauf überflüssige Dinge zu kaufen!). Doch etwa 10 % der Erdölmenge ist heute noch unersetzlich. Wir brauchen es um Kunststoffe, Lösungsmittel und Arzneimittel herzustellen. Wie kann man dieses produzieren?

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten. Das erste ist zuerst einmal: Man muss nicht das Erdöl mit seinen Tausenden von Einzelsubstenzen synthetisieren. Es reicht einen Kohlenwasserstoff zu bilden. Die restlichen sind mit den Mitteln die heute schon zur Verfügung stehen durch Cracken, Dehydrierung und Kondensation synthetisierbar. Also was gibt es an Alternative`?

Auch wenn amerikanischen Forschern in einer Pilotanlage ein kontinuierlicher Prozess gelungen ist (bislang ging das nur im Batch verfahren) gibt es noch offene Punkte. Der wichtigste ist: Damit dies geht muss das Kohlendioxid weitgehend rein, ohne Verunreinigungen durch Sauerstoff vorliegen. Wo bekommt man heute Kohlendioxid in dieser Reinheit her und wie viel Energie kostet die Konzentration z.B. aus Abgasen?

In den nächsten Tagen dazu mehr. Doch mal etwas mehr von mir. Für das Buch über europäische Trägerraketen gibt es gute und schlechte Neuigkeiten: Die gute: Ich habe nun Zugang zur ESA Fotobibliothek für "Professional". Damit ist die Versorgung mit hochauflösenden Aufnahmen bis zur Ariane 1 gesichert. Auch hat sich als erste Firma die ich angemailt habe (und noch dazu recht schnell) MT Aerospace (die frühere Raumfahrtsparte von MAN) gemeldet und sehr wertvolle Informationen über die Booster mir gemailt. Die schlechte: Ich brauch jetzt mal etwas Abstand nach 2 Monaten Recherche und noch vielen offenen Kapiteln. Tja und was macht Bernd Leitenberger, wenn er die Lust verloren hat an einem Buch zu schreiben ........ (Halt denken sie nach bevor sie weiterlesen!!!)

Also wenn sie nun auf die Idee gekommen sind "... dann schreibt Bernd Leitenberger an was anderem...." - dann liegen sie richtig. Wie schon erwähnt habe ich begonnen ein neues (fünftes) buch angefangen. Es wird ein Typenbuch aller Trägerraketen sein. Das ist zwar recht langweilig, weil es darin besteht viele Daten in Tabellen aufzunehmen und Infos der Website zusammenzufassen (pro Träger 1-2 Seiten Beschreibung, sonst wird es zu lang). Aber es hat den Vorteil, dass ich eine Rakete in absehbarer Zeit fertigstellen kann und Rakete für Rakete weiter komme. Heute habe ich die Titan Trägerraketen abgeschlossen. Einen Probeauszug finden sie hier.


Sitemap Kontakt Neues Impressum / Datenschutz Hier werben / Your advertisment here Buchshop Bücher vom Autor Top 99