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Web Log Teil 106 : 18.3.2009-27.3.2009

Mittwoch 18.3.2009: Sabotage!

Wie schon in den letzten Wochen ergibt sich mein heutiges Thema als Abfallprodukt der Recherche für das neue Buch (oder besser gesagt: Bücher). Ich habe mich mit den Ursachen der Fehlstarts der Ariane 5 beschäftigt. Wie vielleicht dem einen oder anderen bekannt gab es bei Ariane 1-4 insgesamt 7 Fehlstarts aufgrund folgender Ursachen (Kurzform, mehr im Buch):

Es gibt da eine Auffälligkeit: Das erste ist das Fehlerursachen mehrfach vorkommen. Die Zündung der dritten Stufe misslang zweimal und dreimal hatte die LOX Turbopumpe zu geringe Leistung. Allesamt wegen erhöhter Reibung. Das zweite ist, dass diese Fehlschläge immer in einem engen zeitlichen Fenster stattfanden. Zwischen V15 und V18 lag kein Jahr und V63 und V70 fanden ebenfalls im gleichen Jahr statt.

Doch am auffälligsten war V36. Die Rakete wurde nach 104 Sekunden durch Selbstzerstörung zerstört und 380 Teile, darunter das Triebwerk, das versagte konnten geborgen werden. Was fand man dort? In einer Leitung fand sich ein 30 cm langes zweifach verknotetes Tuch. Es verstopfte Die Leitung und das Triebwerk D fiel dadurch aus. Ein "P.M. Magazin" brachte 1990 einen Beitrag über Sabotage und an den erinnerte ich mich. Nun ist das "P.M. Magazin" nicht unbedingt die zuverlässigste Quelle, aber P.M. zitierte Le Monde und das ist schon eine etwas andere Quelle. Le Monde führte folgende Indizien für Sabotage an:

Ich würde es noch um etwas weiteres ergänzen: Zur gleichen Zeit gab es auch ein Leck und ein Feuer im PAL Booster 3. Dieser wurde von MBB/ERNO und nicht von Aerospatiale gefertigt. Ein Versagen von zwei Triebwerken bei unterschiedlichen Systemintegrationen zur gleichen Zeit? Etwas Statistik. Es gab 814 Einsätze der Viking V Triebwerke. Davon hatten 3 Defekte. Zwei dieser 3 kamen bei einem Einsatz vor. Das ist bei den 8 Triebwerken der Ariane 44L statistisch unwahrscheinlich: Die Chance dafür besteht bei 1:9200. Also bei 9200 Flügen hätte es statistisch einmal vorkommen sollen, das zwei Triebwerke bei einer Rakete defekt sind. Wenn jemand aber auf Nummer sicher gehen will, dann würde er wohl genau dies machen.

Offiziell war es keine Sabotage. Aber ist das verwunderlich? Für Raumfahrtbegeisterte zählt vielleicht, dass die Rakete selbst "unschuldig" ist. Für Arianespace und einen Kunden sieht es anders aus: Fehler kann man aufspüren und beheben. Gegen Sabotage kann man sich nur unzureichend schützen. Wer garantiert, dass nicht noch einmal ein Sabotageakt durchgeführt wird, wenn man den Attentäter nicht gefunden hat?

Auf jeden Fall hat man danach einiges geändert: Die Sicherheit in Kourou wurde drastisch gehört. Seitdem ist das CSG mit Stacheldraht eingezäunt und die Fremdenlegion bewacht das Gelände. Alle Leitungen wurden eine Zeitlang sogar mit Video untersucht, bis zu Produktionsende wurde getestet ob nicht Fremdkörper darin sind (später allerdings meist mit Golf / Tischtennis und Tennisbällen).

Frage: War Sabotage auch Ursache der anderen Fehlstarts? Nun L02 war ein klassischer Fehlstart. Danach wurde der Einspritzkopf geändert und seitdem vor Einbau geprüft. L05 führte zu einer Änderung der Konstruktion der Turbopumpe, aber eventuell nicht ausreichend, denn ein ähnliches Problem ergab sich ja bei V63 und V70. L05 war auch noch so früh nach dem Erststart, dass der kommerzielle Erfolg noch nicht sicher war, vor dem ersten kommerziellen Flug überhaupt.

Bei V16 und V18 galt dies schon nicht mehr. Aber die Zündung wurde danach überarbeitet und das Triebwerk, welches die Gase zündete, verstärkt und die Zündflammengeometrie geändert. Das lässt auf einen Designfehler schließen.

V63 und V70 haben dieselbe Ursache ein "unbekannter Fremdkörper eine erhöhte Reibung bei der LOX Sauerstoffpumpe" verursachte. Als wichtigste Maßnahme wurden auch hier Filter eingebaut. Die Frage ist nun: Sabotage oder Nachlässigkeit in der Produktion? Schwer zu beantworten. Bei der dritten Stufe ist eine Bergung nicht möglich. Es gibt nur die Telemetriedaten. Aber Fremdkörper - wie sollen die in die dritte Stufe kommen? Und warum scheitern 2 Starts in einem Jahr an derselben Ursache?

Freitag 20.3.2009:Killerspiele?

Der Amokläufer von Winnenden hat wieder mal bei einigen Politikern das Thema "Killerspiele" auf die Tagesordnung gebracht. Das ist wieder eine Gelegenheit sich zu profilieren und das Verbot dieser Spiele zu fordern. Wenn im Fernsehen dann Ausschnitte laufen, dann sieht es auch so aus als ginge es nur darum Leute umzubringen. Um es vorweg zu sagen: Ich spiele so was nicht. Es ist nicht die Art von Spielen die ich bevorzuge Ich liebe vielmehr Strategiespiele und Simulationen, am liebsten rundebasiert, so dass man Zeit zum Überlegen hat. Dinge in denen ich in Sekundenbruchteilen entscheiden muss sind nicht meine Sache. Selbst da bin ich recht konservativ und bleibe sehr lange bei einem Spiel. So spiele ich seit gut 8 Jahren an Jagged Alliance 2, einem Spiel, dass bald seinen 10 Geburtstag feiert und immer noch von einer Fangemeinde weiterentwickelt wird. Gerade aufgrund der Besonderheiten des Spiels weiß ich aber auch wie der Eindruck täuschen kann. Bei Jagged Alliance 2 ist man Chef einer Söldnertruppe, die einen Staat in Südamerika von einer Diktatorin befreien muss. Vordergründig müssen auch hier Leute gekillt werden. Doch es geht dabei vor allem um Taktik und die Leute werden nicht so realistisch dargestellt wie in Ego Shooter. Dazu kommen Elemente von Adventures und Rollenspielen, da Aufgaben gelöst werden müssen und jeder Söldner einen eigenen Charakter hat. Eine Besonderheit ist aber dass man laufend versucht seine Ausrüstung zu verbessern und schon im Organal im Laufe des Spiels mit immer mehr Waffen konfrontiert wird und diese auch kennen lernt. In verschiedenen Mods ist die Auswahl noch größer. Das hat Auswirkungen auf die Allgemeinbildung. Ich falle dann immer bei Action Filmen auf: "Mit einer MP-5K trifft man bestimmt nicht auf die Entfernung treffsicher" oder "Nein, bei einer Walter PPK gehen 15 Schuss ins Magazin, er hat also noch 3 übrig". Im allgemeinen assoziieren Leute mit genauen Kenntnissen von Waffen auch eine Affinität zu diesen. Und nichts dürfte wohl ferner meiner Natur sein. Ich halte überhaupt nichts von Schusswaffen und dem privaten Besitz dieser. Das gilt auch für Sportschützen. Diese Fehleinschätzung kann man auch auf die Angeblichen Killerspiele übertragen. Das Problem sind doch nicht die Spiele und es ist auch nicht so, dass solche Spiele Menschen zu Amokläufern machen. Genauso wenig wie die antiautoritäre Erziehung Anfang der siebziger Jahre "freie" Persönlichkeiten kreiert hat, sondern nur Kinder, die keine Grenzen kannten. Das Problem liegt doch in der Erziehung und da vorwiegend bei den Eltern. Natürlich könnte man über eine Menge von Gesetzen nachdenken, z.B. die Abgabe von allen Sport- und Privatwaffen (was dann aber immer noch die Waffen bei Polizei und Fördern übrig lässt), aber ändert das wirklich was?

Ansonsten: Wenig neues: Von Ariane 1-3 habe ich nun genug Material zusammen, vielleicht werde ich auch bis zum Wochenende mit der Ariane 4 fertig und dann kann ich ans Korrekturlesen gehen. Ich habe erfahren, dass das NDR den Macher von Fernsehrkitik.tv Holger Kreymeyer gefeuert hat, weil er sich gegen das immer schlechter werdende öffentlich rechtliche Programm mit der Kampagne "Dafür zahl ich nicht" gewehrt hat. Umgekehrt bringt das Satire Magazin "Extra 3" vom NDR genau auch so einen "Anti-GEZ" Spot. Vielleicht sollte er dieses Magazin moderieren. Denn da ist wohl Kritik erlaubt.

Das bringt mich zu meinem Video für heute. Die Oliver Kalkofe Verarsche des Internet Rammelplatzes "Leidenschaft18.de".

Dienstag 24.3.2009: Political Correctness

Ich habe mich etwas rar im Blog in den letzten Tage gemacht. Das hat mehrere Gründe. Zum einen geht es mir nicht so gut. Ich bin permanent müde und mein Heuschnupfen fängt mich auch wieder an zu plagen. Zum zweiten habe ich endlich die Datensammelphase für Ariane 1-4 abgeschlossen. Das wurde auch Zeit, denn so langsam bin ich an einem Tiefpunkt weil ich in den letzten 3 Monaten mich fast nur damit in der Freizeit beschäftigt habe. So allmählich finde ich nichts mehr und so allmählich meine ich auch ist es Zeit für was anderes. Aber immerhin: Nun kann ich es ins Reine schreiben, zusammenfassen und dann vielleicht mal zwischendurch was anderes machen, bevor ich mich weiter mit dem zweiten Teil (Ariane 5 und Vega) eingehender beschäftige.

Dann fehlen mir auch so ein bisschen die Themen. Doch dann bekam ich heute morgen eine Inspiration: Gegen zwei NPD Bosse gibt es ein verfahren der Volksverhetzung weil sie sich gegen dunkelhäutige Menschen geäußert haben. Das erinnerte mich an den Begriff der Political Correctness. Auf deutsch, man darf nicht mehr das sagen was man denkt, weil es irgend jemand verärgern könnte, sondern muss es in Floskeln passen deren Übersetzung man kennen muss wie die Sätze die bei einem Arbeitszeugnis gängig sind, weil auch dort nichts negatives gesagt werden darf.

So finden sie im Supermarkt keine Mohrenköpfe mehr (oder im Norddeutschen Raum: Negerkuss) mehr. Stattdessen heißt es "Schokokuss". Das ganze ist für mich völlig unverständlich, weil für mich die Worte schlicht und einfach eine Hautfarbe bezeichnen. Ob das dann "dunkelhäutig" heißt oder "Mohren" ist dann zweitrangig. Das ist etwas anderes wie das Wort "Kanake", das auch ein Volk in Indonesien bezeichnet aber bei uns nur als Schimpfwort benutzt wird.

Das zeigt wie weit es schon gekommen ist. Angefangen hat es in der Politik wo man wegen der Politicall Correctness nicht mehr seine Meinung deutlich gesagt hat, sondern alles in Floskeln umgesetzt haben, die heute auch Journalisten benutzen. Einige Beispiele:

Wir werden noch mehr davon hören im kommenden Wahlkampf, der ja nun schon begonnen hat. Es ist manchmal eine Wohltat eine alte Tagesschau zu hören wo Politiker noch vor 20 Jahren Klartext geredet haben. Die Frage ist doch wem das nützt? Auch ohne "Führungsschwäche" anzusprechen weiß jeder, dass die derzeitige Bundeskanzlerin nichts anderes ist als "Kohl 2" : Probleme aussitzen, sich in den ersten 3 Jahren auf den Reformen von Schröder ausruhen und eine boomenden Weltwirtschaft mit sinkenden Arbeitslosenzahlen als Resultat der eigenen Politik ausgeben und wenn es mal nicht klappt einfach nur mit Geld rumwerfen. Echt tolle Politik.

Was wird als nächstes kommen? Man wird immer mehr Bezeichnungen als Diskriminierend empfinden. einen "Sozialhilfe Empfänger" gibt es ja schon nicht mehr sondern nur noch einen "ALG2 Bezieher", das suggeriert ja, dass er nur arbeitslos ist und jederzeit wieder arbeiten könnte. Als nächstes wird wohl eine Prostituierte nur noch "Assistentin im persönlichen Orgasmus-Management" bezeichnet werden. Untalentierte Komiker werden ja schon als "Comedians" bezeichnet und Schauspieler ohne Schauspielvermögen als "Seriendarsteller". Gibts Vorschläge für weitere neue Wörter bei der Politicall Correctness?

Donnerstag 26.3.2009: Ein Satellit für die Moon-Hoaxer

Eine Mail über eine Diskussion über die Belichtungsbedingungen auf dem Mond hat mich mal wieder zum allzeit beliebten Thema Moon-Hoaxer oder in Deutsch: Verfechter der Idee, dass die Amis die Mondlandung im Filmstudio gedreht haben, gebracht. Daher heute mal ein Vorschlag für einen einfachen Satelliten welche die Profiteure dieses Themas (damit wird ordentlich Kohle gemacht durch den Verkauf von Büchern) bezahlen können. Entsprechend dem geistigen Niveau habe ich meinen Schreibstill etwas angepasst.

Also Leute: Ihr wollt beweisen, dass die Amis nicht auf dem Mond gelandet sind! Das geht am besten wenn man die angeblichen Landegebiete fotografiert. Alles andere ist nur Spekulation und meistens ist die nicht mal intelligent gemacht. Wie genau muss das sein? Da die Amis bestimmt schlau waren, haben die extra einen Mondlander dort abgesetzt (gestartet ist er ja von der Erde aus) wo man ihn erwartet. Aber die ganze Landung im Filmstudio gedreht! Es reicht also nicht nur den Mondlander aufzunehmen. Dass würde der NAS ja in die Hände spielen und deswegen starten die ja selbst bald eine Sonde die den Lander als Pixel zeigen kann. Damit man beweisen kann, dass die Amis nicht gelandet sind, muss die Auflösung so hoch sein, dass man die Ausrüstung erkennen kann: Die ALSEP Messstationen, Das Mondauto, am besten die angeblichen Fußspuren. Wenn man letztere als Kriterium nimmt, da sie das feinste Detail darstellen. Wie hoch muss da die Auflösung sein? Die Moon-Boots verändern die Oberfläche des Mondes. Das ändert die Helligkeit und so könnte man die Fußspuren schon erkennen bei einer Auflösung die unterhalb derer liegt, bei der ein Stiefelabdruck sichtbar ist. Doch um zweifelsfrei sicher zu sein, müsste die Auflösung in etwa so groß sein, dass ein bis zwei Pixel der Breite eines Fußabdrucks entsprechen. Das wären dann etwa 7.5-15 cm. Dann ist ein einzelner Abdruck erkennbar.

LRO BahnSo, wie groß muss nun die Optik dafür sein? Nun das hängt vom Aufnahmeabstand ab. Es gilt: Aus 100 km Höhe braucht man eine Optik von etwa 60 mm Durchmesser um 1 m aufzulösen. Benötigt man eine andere Auflösung, so muss man den Durchmesser um Auflösung/1m*60 mm erhöhen und schlägt man eine andere Bahn ein, so ist er um Distanz/100 km* 60 mm anzupassen. Bei sinkendem Abstand steigt natürlich die Auflösung. Da der Mond keine Atmosphäre hat, ist es möglich sehr nahe an die Oberfläche heranzugehen, bis auf 10 km. Leider sind alle Mondbahnen instabil. Massekonzentrationen unter der Oberfläche, Störungen von Erde und Mond machen eine kreisförmige Bahn sehr schnell elliptisch. Die Abbildung links zeigt eine Simulation der Bahn eines Mondsatelliten mit Korrektur und ohne. Deutlich ist, dass schon mit Korrektur diese um 10 km um das Mittel von 50 km schwankt. Korrigiert man nicht, so wird sie innerhalb von 40 Tagen auf der Mondoberfläche aufschlagen.  Die sinnvollste niedrigste Höhe bei der diese Bahnkorrekturen nicht zu häufig werden sind etwa 50 km. Um 10 cm aus dieser Höhe aufzulösen bräuchte man ein Teleskop von 300 mm Durchmesser - mehr schadet auch nichts.

Ein Teleskop in dieser Größe wiegt ungefähr 30 kg. Der Satellit aus Erfahrungswerten dann "trocken" etwa das fünffache, so um die 150 kg. Das liegt daran, dass dazu noch Sender/Empfänger, Strukturen und Stromversorgung kommen, Tanks für Treibstoff und Triebwerke. Ein Nutzlastanteil von einem Fünftel ist bei Raumsonden üblich. Ein 30 cm Instrument ist aber nicht zu groß und durfte vom Platz her kein Problem darstellen.

Die nächste Frage, die auftaucht, ist wie die Landeplätze abgelichtet werden. Es gibt hier ein Problem: Der Mondsatellit bewegt sich mit 1600 m/s relativ zur Mondoberfläche. Die Bewegung erzeugt dann eine Bewegungsunschärfe, so wie wenn man aus einem fahrenden Auto aus ein fest stehendes nahes Objekt fotografiert. Belichtet man z.B. mit 1/1000s so bewegt sich in dieser Zeit der Satellit um 1.6 m weiter. Ohne Kompensation würden also alle Details die in im Bereich von 1.6 m und kleiner sind, verschmiert werden. Das ist dumm. Die Lösung wäre es die Kamera der Bewegung nachzuführen. Das ist problematisch. Zum einen ist dies ein mechanisches System, und ein solches vermeidet man gerne, denn es kann verschleißen und ausfallen. Je weniger bewegliche Teile eine Raumsonde hat, desto besser. Das zweite: Die Nachführung muss sehr genau sein. Wenn die Auflösung z.B. 10 cm beträgt, so sollte der Restfehler kleiner als 10 cm sein z.B. 5 cm. 5 cm Nachführungsgenauigkeit bei 160 cm Bewegung in einer Tausendstel Sekunde entspricht einem Fehler von 5/160*100 % = 3.1 %. Wer das Bild des Orbits ansieht, wird aber feststellen, dass der Abstand schwankt und damit auch die Bahngeschwindigkeit und die Bewegung relativ zur Mondoberfläche. In der Praxis bräuchte man ein System mit variabler Geschwindigkeit, das sehr aufwändig ist. Als letztes braucht man Zeit, um das System neu auszurichten um verschiedene Objekte zu verfolgen. In dieser Totzeit steht es nicht zur Verfügung.

Heute arbeiten Beobachtungssatelliten daher mit einer anderen Technik. Das Teleskop wird nicht bewegt (oder nur quer zur Bahn). Es wird eine feste Scanzeile benutzt. Das Verschmieren wird kompensiert indem pro Zeile sehr kurz belichtet wird. Das dabei erzeugte sehr hohe Rauschen (wenig Licht fällt auf die Sensoren) wird kompensiert durch bis zu 128 Zeilen untereinander. Elektronisch wird dann parallel zur Bewegung über den Boden das Signal dieser 128 Zeilen addiert. Man erhält so die 128 fache Belichtungszeit. Die leistungsfähigsten Sensoren sind bei Erdbeobachtungssatelliten bis 40 cm Auflösung gut. Da ein Erdsatellit sich aber 5 mal schneller als ein Mondsatellit über die Oberfläche bewegt, entspricht dies auf dem Mond rund 8 cm Auflösung - also perfekt für unsere Zwecke.

Das leitet über zum nächsten Punkt: Der Datenspeicherung und Übertragung. Bedingt durch die Fortschritte in der Mikroelektronik ist es heute möglich, einen Borcomputer auf einer Mini-ITX Platine (17 x 17 cm) unterzubringen. Ein Massespeicher als Solid-State Disk hat auch nur die Abmessungen einer 2.5 Zoll Platte und fast bis zu 256 GByte. Die einfachste Lösung ist es herkömmliche Embedded Computer zu nehmen und diese in einem massiven Aluminiumgehäuse (1 cm Wandstärke)  unterzubringen. Die Abschirmung wiegt dann bei den Abmessungen etwa 2 kg, doch die höheren Transportkosten für 2 kg mehr Masse sind niedriger als die Mehrkosten einer Spezialanfertigung der Elektronik für Raumfahrtzwecke.

Das Senden der Daten ist schwieriger. Am einfachsten wäre eine Rundstrahlantenne. Eine solche Antenne sendet das Signal in alle Richtungen aus. Man muss sie nicht ausrichten. Nur ist dann die Sendeleistung pro Flächeneinheit sehr gering und die Datenrate auch. gering. Eine Rundstrahlantenne mit 20 W Leistung kann eine Datenrate von 50 KBit/s zu einer 3 m Empfangsantenne senden. Natürlich werden es mehr, wenn die Empfangsantenne größer wird, doch dann werden diese auch teurer. 3 m Durchmesser ist so die Grenzgröße für Serienfertigung von Empfangsantennen. Eine Einzelanfertigung wird dann deutlich teurer. 50 KBit/s bedeuten z.B. für ein 24000 x 24000 Pixel Bild (bei 8 cm/Pixel rund 1920 x 1920 m abdecken) z.B. fast 26 Stunden Sendezeit. Damit kann man leben, wenn es nur um die wenigen Landeplätze geht. Besser wäre eine bewegliche Antenne mit einem Erdsensor, die der Erde nachgeführt wird. (Ein Erdsensor ist ein Sensor der auf die Helligkeit der Erde anspricht und bei Bewegung die Antenne nachführt). Eine 0.5 m große Sendeantenne hat einen Öffnungswinkel von 40 Grad, was große Fehler zulässt (Die Erde ist nur 2 Grad vom Mond aus groß) und erlaubt das Senden mit 3.5 MBit/s, also 70 mal schneller. Es wird abzuwägen sein was einfacher ist. Die Runstrahllösung erlaubt es auch keine beweglichen teile am Satelliten zu haben und auch der Satellit als ganzes muss nicht gedreht werden. Das verinfacht die Konstruktion beträchtlich, so dass das eingesparte Geld in eine größere Empfangsantenne gesteckt werden kann. Ein Kompromiss wäre eine fast Rundstrahlantenne mit 120 Grad Öffnungswinkel. So hat man zwar nicht dauernd Funkkontakt sondern nur wenn die Erde etwa 30 Grad über dem Mondhorizont ist. Eine solche Antenne sendet im X-Band immerhin noch mit 300 KBit/s.

Die Stromversorgung sollte so ausgelegt sein, dass ein Maximum an Sicherheit gewährleistet ist. Der Satellit wird in einer Mondumlaufbahn wechselndem Sonnenstrand ausgesetzt sein und fast die Hälfte der Zeit ist er im Schatten. Wenn er quaderförmig mit 1 m Seitenlänge ist, so kann man die Oberfläche mit Solarzellen belegen. Bei 20 % Wirkungsgrad liefern diese bei 20 % Wirkungsgrad 270 Watt an Strom. Das ist ausreichend für die Mission. Ausfaltbare Solarpanels liefern mehr, erfordern aber auch eine aktive Ausrichtung. Die Begrenzung auf 270 Watt macht keine spezielle Ausrichtung zur Sonne notwendig. Nachts müssen Akkus den Strom liefern und die Systeme heruntergefahren werden um Strom zu sparen.

Zuletzt: Unser Satellit muss noch in einen Mondorbit. Um von einem Fluchtkurs der Erde in eine Mondumlaufbahn einzuschwenken, braucht man etwa 800 m/s. Weitere 100-200 m/s benötigt man um die Umlaufbahn stabil über 1 Jahr zu halten. Dafür muss Treibstoff mitgeführt werden. Es kommt noch dicker: Eine Rakete wird unseren kleinen Satelliten in der Regel nicht auf eine Fluchtbahn befördern, außer wir ordern einen eigenen Raketenstart und das wird teuer. Es gibt zwei Möglichkeiten:

Mit einem 500 N Satellitentreibwerk von Astrium und den Tanks würde dann ein Satellit, der leer 150 kg wiegt, auf 310 kg beim Start in den GTO Orbit kommen und rund 1000 kg für einen Start in den LEO Orbit. Zumindest das letztere, lässt praktisch keine andere Möglichkeit mehr übrig als einen dezidierten Start zu buchen, weil 1000 kg definitiv keine Sekundärnutzlast mehr ist, und damit ein preiswerter Start ausscheidet. Kosten: Mindestens 13-14 Millionen Euro für eine Rockot (1900 kg Nutzlast) Die 300 kg der GTO Lösung sind jedoch noch kompatibel mit einem Start mit einer Ariane 5 als Sekundärnutzlast.

Wie geht es nun weiter? Nachdem wir die geschätzten 3-4 Millionen Euro für einen Start auf der Ariane zusammengekratzt haben, können wir den Satelliten bauen. Er wird wahrscheinlich auch noch mal 4 Millionen Euro kosten. Eine Ariane 5 wird ihn in einem Standard GTO Orbit absetzen. Dort zündet er sein Triebwerk nach einem Umlauf und erreicht nach 438 Sekunden die nötige Geschwindigkeit, um den Mond zu erreichen. Einige Korrekturen der Bahn sollten ihn dann auf 50 km an den Mond heranführen. Ist er dort angekommen, zündet er nochmals den Antrieb für 341 Sekunden. Nun hat er eine stabile Umlaufbahn in 50 km Höhe erreicht, und kann rund 4 Tage nach dem Start den Betrieb aufnehmen. Etwa einmal alle 7-14 Tage müssen wir die Bahn leicht anpassen. Der Treibstoff sollte für mindestens 1 Jahr, wahrscheinlicher für 1.5 Jahre reichen.

Die Umlaufbahn müsste um etwa 30 Grad zum Mondäquator geneigt sein, das würde es erlauben auch die beiden weit nördlich liegenden angeblichen Landeplätze von Apollo 15 und 17 zu untersuchen. Dann heißt es nur zu warten, bis man den Landeplatz verzerrungsfrei unter sich hat und die Aufnahme zu machen. Bei jedem Orbit verschiebt sich die Mondoberfläche um rund 33 km. Innerhalb eines Monates zieht die ganze Mondoberfläche einmal unter uns vorbei. Nach einem Monat im Orbit können wir also alle angeblichen Landeplätze ablichten und den Schwindel der NASA entlarfen!

 Die Aufnahmen übertragen wir natürlich verschlüsselt, schon um zu vermeiden, dass jemand sie mitschneidet oder verfälscht - Bestimmt schickt das DoD oder die NASA einen Satelliten hinterher der uns mit getürkten Aufnahmen und stärkerer Sendeleistung um die Signale unseres Satelliten zu überdecken) täuschen will... Und wenn doch, das drauf ist, was die Amis behaupten? Dann zünden wir das Triebwerk, lassen den Satelliten zerschellen und behaupten es wäre die NASA gewesen die mit starken Sendern unsere Steuersignale überdeckt hat - Das ist eine Story um weitere Millionen von Büchern zu verkaufen :-) Kurzum: Wir können nur gewinnen!

Das Video passend dazu;: Der hoffentlich echte Apollo Start. (Angeblich sollen den ja Hundertausend Leute vor Ort gesehen haben).


Freitag 27.3.1009: Der Mond ist auf der Erde

Zumindest wenn es um Lösung einiger Behauptungen der "Moon Hoaxer " geht. Ich bin auf dieses Thema wieder mal gekommen durch eine Diskussion per E-Mail in der ich gefragt wurde ob die Kameras auf dem Mond nicht sofort sich soweit erhitzten, dass die Filme unbrauchbar wurden und wie die Fotos ohne Belichtungsmesser zustanden gekommen sind. In der Tat muss man dabei gar nicht so viel vom Mond wissen, sondern es reicht Alltagswissen von der Erde. Das gilt nicht nur für diese Tatsache sondern auch andere Dinge wie die unterschiedlichen Schattenverläufe bei welligem Untergrund oder der Sichtbarkeit des Astronauten im Schatten des Mondlanders. Das sind alles Phänomene die man auch auf der Erde beobachten kann. Von den vielen "Rätseln" welche die Moon Hoaxer sehen bleiben eigentlich nur wenige übrig, die nicht mit einfacher Beobachtungsgabe von irdischen Phänomen erklärbar sind und die auf der niedrigeren Gravitation und dem Vakuum beruhen.

Ein Beispiel: Die Diskussion die ich hatte. Die Behauptung der Moon Hoaxer ist: Auf dem Mond erhitzt sich eine Kamera in Windeseile auf 100°C und die Filme werden unbrauchbar, das Objektiv springt und alles ist kaputt. Nun dagegen sprechen eine Reihe von Argumenten. Das erste: Die Sonneneinstrahlung auf dem Mond ist die gleiche wie im Weltall in einem Erdorbit. Der Mondboden absorbiert den größten Teil der Strahlung, er wirft also kaum etwas zurück. Es kommt also nicht mehr Strahlung hinzu. Wie im Weltall kann sich die Kamera nur durch Strahlung erwärmen, da es keine Luft gibt. Wenn ich diesem Argument folge, dann sind natürlich auch die zahlreichen Aufnahmen von Astronauten aus dem Erdorbit gefälscht, denn diese wurden ja auch mit Kameras gemacht unter denselben Bedingungen. (Oder die unbemannten Mondsonden die ja auch Bilder machten).

Der zweite Punkt der einen stutzig machen sollte: Unsere Atmosphäre absorbiert Strahlung, aber nicht so viel, der größte Teil kommt zur Oberfläche durch. Von 1350 Watt sind es bei Sonnenschein und senkrechtem Einfall rund 1000 Watt. Auf der erde funktionieren aber die Kameras. Warum sollen sie also bei 35 % mehr Strahlung nicht im All funktionieren /(zumal diese natürlich vorher verspiegelt wurden, damit sie sich weniger strak aufheizen). Betrachtet man die Strahlung genauer so muss man auf der Erde auch noch die Übertragung durch Konvektion dazu rechnen, die im All wegfällt. In der Summe ist es nicht so viel weniger.

Zuletzt zeigt die Vorgehensweise auch die Tricks wie die Moon Hoaxer bewusst falsche Informationen verbreiten. So geben sie die Oberflächentemperatur des Mondes an (maximal 130 °C) und sagen, dass Kameras auch so heiß werden. Nur:

Bleibt noch die Qualität der Aufnahmen. Soweit ich weiß konnten die Astronauten recht wenig an den Kameras verändern. Das lag an den globigen Handschuhen. Ich bin mir nicht sicher ob die Kameras fest justiert waren oder Blende, Belichtung nachkorrigiert werden konnten. In jedem Fall gab man sich Mühe das maximale aus den Aufnahmen herauszuholen. So gab es bei jedem Magazin einige Kalibrationsaufnahmen am Anfang. Diese wurden separat entwickelt und nach der dort festgestellten Belichtung dann die anderen Aufnahmen entwickelt. Diafilm ist zwar nicht sehr feinkörnig, hat aber einen sehr hohen Kontrastumfang von 10 Blendenstufen. (1:1024, eine Größe, die weit über dem liegt was Consumer Geräte mit Chips heute schaffen und viele Profi Geräte auch nicht) Wenn die Entwicklung optimal ist, dann kann dieses Potential auch herausgeholt werden. Zwischen der Oberfläche mit einem Reflexionsvermögen von 12 % und dem der Anzüge von vielleicht 80 % liegen aber gerade mal 3 Blendenstufen. Es ist daher gar kein Trick nötig um gute Aufnahmen zu bekommen, nur eine gute professionelle Entwicklung.

Natürlich kann man noch viel mehr Aufwand treiben. Es gibt die Serie der Moon-Myth Busters, die alles genau untersuchen und ganze Fernsehsendungen wo man dann Astronauten fragt. Aber es reicht doch eigentlich nur gesunder Menschenverstand. Das Muster bei den meisten Anhängern ist doch immer gleich: Es wird eine Behauptung aufgestellt und mit Fakten belegt. Folgt man diesen Fakten, so sind angeblich die Mondlandungen getürkt. Das einfachste ist es erst einmal diese "Fakten" zu überprüfen. Wie z.B. die Behauptung, dass die Kameras sich auf 100°C aufheizen. Wie kommt man darauf? Hat das jemand nachgemessen? Wenn das mit der Temperatur des Mondbodens begründet wird, dann sollte man erst mal nachdenken ob die Kamera mit Mondboden vergleichbar ist. ob sie dieselben physikalischen Eigenschaften aufweist und warum der Mondboden so heiß wird. Und dann sollte man eben nach Vergleichen auf der Erde suchen, wie eben den heißen Asphalt im Sommer - Da brutzelt ihre Digitalkamera ja auch nicht, obwohl die gleiche Sonne auf Asphalt und Kamera scheint.

Das nächste was in unserem Internet Zeitalter ja gerne wegfällt ist es Quellen zu bewerten. Anders als vor 20 Jahren kann heute jeder etwas publizieren. Früher war die Hemmschwelle Unsinn zu publizieren größer und nur wenige Besteller Autoren fanden Verlage und die kannte man dann in der Öffentlichkeit auch als Spinner wie Däniken oder von Butlar. Die Frage die ich mir stelle ist: Was geht in jemanden vor, der irgend einem Truck Fahrer glaubt anstatt einem Wissenschaftler oder den Astronauten?

Soviel für heute und auch fürs Wochenende. Ich trete mit dem Blog etwas kürzer, weil ich endlich mal Band 1 der Trägerraketen (Diamant-> Ariane 4) abschließen will. Derzeit bin ich beim Durchlesen des Kapitels über die Europa. Das Video heute zeigt eines dieser Moonmhyth Busted Videos:

 


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