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Web Log Teil 111 : 7.5.2009-15.5.2009

Donnerstag, 7.5.2009: Wie teuer ist die Marsforschung?

Ich habe mal versucht Daten zusammen zu tragen, und zwar über die Kosten von Raumsonden. Tabelle Nummer 1 enthält die Kosten von Marssonden, zusammen mit ihrem Startjahr:

Mission Startjahr Gesamtkosten [Mill $] pro Sonde
Mariner 3+4 1964 120 60
Mariner 6+7 1969 145 73
Mariner 8+9 1971 137 69
Viking 1+2 1975 914.5 228
Mars Observer 1992 980 980
Mars Global Surveyor 1996 289 289
Mars Pathfinder 1996 265 265
Mars Climate Orbiter 1998 160 160
Mars Polar Lander 1998 165 165
Odyssey 2001 297 297
Mars Exploration Rovers 2003 850 425
Mars Reconnaissance Orbiter 2005 720 720
Phoenix Mars Scout 2007 420 420
Mars Science Laboratory 2011 1900 1900
Maven 2013 485 485

Die folgende Tabelle enthält die gleichen Daten, allerdings korrigiert um den Bruttoinlandsprodukt-Index der USA relativ zum Jahr 2000. Dies ist auch die NASA Methode, um Kosten verschiedener Jahre zu vergleichen: (Die Faktoren stammen von einer Tabelle des letzten NASA Administrators Michael Griffin, mit der er vorrechnete wie preiswert das "Constellation Programm" vergleichen mit Apollo ist).

Mission Startjahr Gesamtkosten [Mill $] pro Sonde
Mariner 3+4 1964 544 272
Mariner 6+7 1969 566 293
Mariner 8+9 1971 482 241
Viking 1+2 1975 2490 623
Mars Observer 1992 1134 1134
Mars Global Surveyor 1996 308 308
Mars Pathfinder 1996 282 282
Mars Climate Orbiter 1998 165 165
Mars Polar Lander 1998 170 170
Odyssey 2001 290 290
Mars Exploration Rovers 2003 798 399
Mars Reconnaissance Orbiter 2005 640 640
Phoenix Mars Scout 2007 353 353
Mars Science Laboratory 2011 1462 1462
Maven 2013 366 366

Es überrascht vielleicht einige, das Viking nicht einmal so teuer war - obwohl die Mission deutlich kostspieliger wurde als geplant. Der springende Punkt: Bis zu diesem Zeitpunkt wurden immer Doppelmissionen gestartet. Bei Viking waren es sogar vier Sonden: Je zwei Orbiter und zwei Lander. Bei wissenschaftlichen Satelliten sind die Entwicklungskosten für die Raumsonde und die Hardware viel höher als die späteren Fertigungskosten. Wie viel höher ist abhängig von der Komplexität des Raumfahrzeugs. Üblicherweise bekommt man einen Nachbau für 30-40 % der Kosten des ersten Exemplars. Ist eine Raumsonde sehr komplex, wie der Viking Lander, so können es sogar nur 15 % sein. Aus demselben Grund werden auch Kommunikationssatelliten und Wettersatelliten in kleinen Serien gebaut. Unter diesem Aspekt ist es Sparen an der falschen Stelle, wenn nur ein Exemplar gestartet wird, doch war dies die Regel bis auf die Ausnahme der beiden Rover.

Ich denke aber auch hier an die ESA: Bepi-Colombo und Exomars sind inzwischen zu schwer für die Sojus und erfordern einen Ariane 5 Einzelstart. Die Sojus hätte rund 1450-1700 kg zum Mars befördert (Baikonur/Kourou). Die Ariane 5 schafft 5200 kg. Mit einer 500 kg schweren Sylda-5 sind dies also zwei Einzelstarts von jeweils 2350 kg - das müsste, solange die Gewichtsteigerung nicht dramatisch ist - ausreichend für 2 Exemplare, sowohl von Bepi-Colombo wie auch von Exomars. Aber da die ESA ja derzeit schon Probleme hat Exomars zu finanzieren ist es unwahrscheinlich, dass man sich ein zweites Exemplar leistet. Mein Vorschlag: Exomars endgültig streichen und Bepi-Colombo zweimal bauen.

Freitag 8.5.2009: Die wesentlichen Fragen stellen

Beim Duschschauen des Gästebuches bin ich auf folgenden Eintrag gestoßen:

"Ein rundum gelungene Seite mit vielen interessanten Informationen.

Was mir jedoch übel aufstößt ist der Artikel über die "Terraformierung" vom Mars.

Laut wissenschaftlicher Studien aus Amerika ist eine Erwärmung des Mars auf ein Lebensfreundliches Klima innerhalb on etwa 100 Jahren möglich. Im Marsboden sind gewaltige Mengen Kohlendioxid gespeichert, die schon bei einem leichten Anstieg der Temperaturen austreten und so die Klimaerwärmung verstärken würden, was wiederum mehr CO2 aus dem Boden löst.

Der Aufwand wäre natürlich riesengroß, besonders im Vergleich mit der mickrigen Raumfahrt, die heute betrieben wird, aber prinzipiell ist ein Terraforming auf dem Mars möglich. Die Atmosphäre wäre für Menschen natürlich noch giftig, aber Pflanzen fänden ideale Bedingungen vor und würden das CO2 innerhalb von Jahrtausenden in Sauerstoff umwandeln."

Man könnte dazu einiges sagen, zum Beispiel, dass selbst wenn genügend Kohlendioxid in der Atmosphäre ist, dann reicht der Sauerstoffgehalt nicht zum Atmen aus, und da Sauerstoff auch durch Pflanzen nur aus Kohlendioxid gewonnen werden kann, muss schon eine Menge Kohlendioxid im Boden gebunden sein. (Für einen Sauerstoffgehalt von 200 hpa, wie bei uns auf der Erde, müssten etwa 30 mal mehr Kohlendioxid als heute in der Atmosphäre sein). Ich habe noch nicht gehört, dass es so viel Kohlendioxid im Marsboden gibt, zumindest nicht in leicht freisetzbarer Form (als Clathrate). Es gäbe noch mehr Einschränkungen, wie die auf dem Mars vorhandene Wassermenge, die elliptische Umlaufbahn, das fehlende Magnetfeld und der größere Sonnenabstand. Alles Faktoren, die dagegen sprechen.

Aber: Darum geht es nicht. Anstatt sich in Details zu verlieren gilt es die essentiellen Fragen zu stellen. Die essentielle Frage ist: Warum sollte man den Mars "terraformen" und was kostet das uns?

Antwort zur ersten Teilfrage: Weil wir den Platz brauchen um dort zu leben, wenn die Nahrung auf der Erde knapp wird. Aha - dann ist natürlich zu überlegen, in welchen Zeitskalen eine solche Umwandlung geht (selbst optimistische Schätzungen reden von Hunderten von Jahren bis nur niedere Organismen dort leben können bis mehrere 10.000 Jahre). immerhin: Der Mensch pustet derzeit Kohlendioxid in die Atmosphäre - und das machen 7 Milliarden Menschen und sie schaffen es in einem Jahrhundert den Anteil von 0.28 auf 0.36 % zu erhöhen - wie soll das dann auf dem Mars so schnell gehen? Auf der anderen Seite verdoppelt sich die Weltbevölkerung etwa alle 30 Jahre. Da die gesamte Fläche des Mars nur etwa so groß wie die Landfläche der Erde ist, würde das nur für etwa 1 Generation reichen - das kann also keine Lösung sein.

Das zweite sind die Kosten: Erst mal wird man eine Basisindustrie zum Mars bringen müssen und hier rechnen wir schon für eine einfache Mission zum Mars mit einigen Astronauten mit einem Betrag von mehreren Milliarden Dollar, eher in der Richtung 100 Milliarden. Wie viel Land könnte man auf der Erde mit denselben Mittel urbar machen oder wie viel Land könnte vor der Versteppung geschützt werden mit diesem Betrag?

Die Antwort auf beide Fragen zeigt deutlich, dass Terraforming keine Lösung für ein Problem ist, sondern die Begrenzung des Bevölkerungswachstums, das im Prinzip die Ursache für praktisch alle Probleme die wir heute mit der Natur und Erde haben ist - Gäbe es weniger Menschen so würde auch die schon verfügbare Landfläche ausreichen und es würden weniger Klimagase emittiert.

Ich glaube für alle Projekte die viel Geld kosten und die von der Öffentlichkeit hinterfragt werden, müssen einfache Antworten auf einfache Fragen liefern. Nehmen wir die bemannte Raumfahrt - sie ist ja zur Forschung und technologischen Weiterentwicklung einer Nation absolut unnötig. Trotzdem gab es Projekte die von der Öffentlichkeit getragen wurden und welche nicht. Stellen wir einfach mal an einige Programme folgende Frage: "Warum geben wir so viel Geld für das Projekt aus?" und betrachten die Antworten:

Die ersten drei Antworten berühren die Menschen emotional und die beiden letzten sind Sachantworten. Die beiden letzten haben ein Problem mit der Akzeptanz. Ich wage auch zu bezweifeln, dass das "Constellation Programm", also die Landung auf dem Mond erfolgreich sein, wird, denn es fallen mir wenige emotionale Antworten dafür ein die gut sind. Die beste ist noch "Weil wir bis zum 50.sten Geburtstag der ersten Mondlandung zeigen wollen, das wir es noch können". Und diese Antwort hat heute schon das Problem, dass die NASA mit der Landung für 2020/21 rechnet, also schon heute den Termin nicht einhalten kann.

Inzwischen ist das dritte Buch bei Amazon gelistet, aber noch ohne Abbildung. (Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen )Ich hoffe mal die folgt noch, dann werde ich auch einen Kauflink auf der Website setzen. Bei ihm bin ich ehrlich auf die Reaktionen gespannt. Ich könnte mir durchaus senken auch wieder was im Bereich Ernährung zu veröffentlichen. Das Recherchieren zu dem Buch hat echt Spaß gemacht. So im Kopf habe ich ein Buch über die Bestandteile der Nahrungsmittel. Also z.B.: Welche Vitamine enthält Brot? Was sind ballaststoffreiche Gemüse? Was ist der Unterschied zwischen Zartbitter und Vollmilchschokolade? So ne Mischung zwischen Einführung in die Ernährungslehre und Warenkunde. Aber erst mal bin ich auf die Reaktionen und vor allem den Verkauf des aktuellen Buchs gespannt.

Samstag 9.5.2009: Ich sehe schwarz...

... für die Natur auf der Erde. und ich greife damit mal die Mini-Diskussion in den Kommentaren zum letzten Beitrag auf. Wenn man wirklich mal die Menschheit und ihre Geschichte global betrachtet so sind zwei Dinge für mich unwiderlegbar:

Zum ersten: Seit es die Menschheit gibt verändert sie die Welt, so dass es nur ihr nutzt. Es gab keine Zeit wo es nicht einen Stopp des Artensterbens gab oder Natur wieder in vorher vom Menschen okkupierte Räume zurückkehrt. Und diese spirale des Verbrauchens - egal ob man nun Landfläche, die mal ein natürliches Ökosystem, oder Ressourcen wie Bodenschätze nimmt - beschleunigt sich in einem enormen Tempo. In Mitteleuropa brauchten wir rund 1-2 Jahrtausende um aus einem von Wäldern durchzogenen Land eine Agrarlandschaft zu machen. In Nordamerika gelang dies schon in 300 Jahren und glaubt man den Prognosen, so schaffen die Entwicklungsländer es in 25-40 Jahren alle Regenwälder abzuholzen. Ähnliche Zahlen kann man beim Verbrauch von fossilen Brennstoffen oder dem Artensterben anführen.

Das zweite ist: Eigentlich weiß jeder, dass es so nicht weiter gehen kann. Trotzdem ändert sich daran nichts. Der Mensch kann zwar mit seinem Verstand agieren, aber er tut es nicht. Man sieht dies vielleicht am deutlichsten in Deutschland. Deutschland ist eigentlich in der glücklichen Lage alle Einwohner versorgen zu können und könnte sich es leisten wieder Teile des Landes zu renaturieren. Also landwirtschaftliche Fläche brach liegen lassen und der Natur ihren Lauf lassen oder gleich als Naturschutzgebiete auszuweisen. Doch steigen mal die Spritpreise so wird sofort gefordert diese Fläche für Rapsanbau zu nutzen und welche Wiederstände gibt es beim Ausweisen von Naturschutzgebieten, diesen wenigen Promillen unserer Gesamtfläche? Wir alle kennen die Haltungsbedingungen von Hühnern, Schweinen und anderen Nutztieren. Gesetze könnten diese verbessern, doch dann wird das Schnitzel teuer.

Vor allem: Seit rund 100 Jahren ist die Bevölkerung in Deutschland konstant, doch trotzdem steigt laufend ihr Ressourcenverbrauch - egal ob man das als Primärenergie, erzeugte landwirtschaftliche Güter oder bebaute Fläche nimmt. Man sollte annehmen, dass zumindest das letzte konstant bleiben sollte - mehr als eine Wohnung geht doch nicht, doch es wird immer mehr Fläche als Neubaugebiet ausgewiesen.

Vor allem aber wenn ich sehe auf welche Gedanken Menschen kommen, wenn es um ihren Vorteil geht, sei es die Käfighaltung von Hühnern, die Tiertransporte quer durch Europa nur um einige Euro zu sparen oder auch die Grausamkeiten die Menschen anderen Menschen antun - Man muss hier nur mal denken was hier in Kriegen alles passiert bis hin zu Erfindungen wie die Neutronenbombe (tötet alles Leben ab, lässt aber die Infrastruktur unzerstört zurück) oder Splitterbomben die Menschen nur verletzen (weil ein Verwunderter 6 Soldaten und Sanitäter bindet und ein Toter nicht) dann sehe ich schwarz.

Gibt es eine Rettung für die Natur? Nein. Ich kann mir kein Szenario vorstellen bei dem die Menschheit komplett ausgerottet wird. Nur so würde es aber gehen. Man muss sich immerhin vergegenwärtigen, dass der Mensch erst vor rund 11000 Jahren mit dem Ackerbau begonnen hat und in dieser kurzen Zeit die Welt so massiv verändert hat. Wenn man es global nimmt, so waren vor wenigen Hundert Jahren noch die meisten Gebiete weitgehend "Natur". Doch selbst wenn 99 % der Menschheit sterben würde hätte die Natur keine 11000 Jahre zeit - obwohl diese Zeit nicht ausreichen würde, dass die meisten Arten die ausgestorben sind durch neue ersetzt werden - denn die überlebenden haben ja das Wissen wie es geht. Sie brauchen nicht Jahrhunderte um den Pflug zu erfinden und Pferde als Haustiere zu zähmen. Das wissen sie schon wie es geht und einige Pferde werden wohl auch überleben. Ich glaube dass selbst dann die Menschheit nach einigen Jahrhunderten wieder am selben Abgrund stehen würde.

Ist es so schlimm? Nein. Es gibt rund 100 Milliarden Sonnen in unserer Galaxis, rund 100 Milliarden Galaxien im Universum. Sicher gibt es auf dem einen oder anderen Stern Planeten und einige werden wohl auch Leben haben. Dann gibt es eben auf einem mal kein Leben mehr. In spätestens 3 Milliarden Jahren wäre es durch das Altern der Sonne (verbunden mit dem Aufblähen und steigender Energieabgabe) sowieso hier zu heiß für Leben. Man könnte nun philosophieren ob es vielleicht mehr intelligentes Leben gibt und wenn ob jedes intelligente Leben ein solches Stadium durchlebt (genug Verstand um die Misere zu erkennen, zu wenig um sie zu ändern) und dann die meisten Planeten mit intelligentem Leben vor die Hunde gehen oder wir eine Ausnahme sind. Aber zumindest für diesen Planeten sehe ich schwarz. Die Frage ist eher wie lange es noch so weitergeht. Da mache ich mir mehr Sorgen, dass ich den Kollaps oder den Abstieg noch miterleben werde und ich denke damit liege ich nicht arg falsch.

Montag 11.5.2009: Gehts auch kleiner?

Neben den klassischen Raumsonden, die einige Hundert Kilo wiegen oder gar einige Tonnen, gibt es immer wieder die Idee auch viel kleinere Raumsonden zu bauen. Es stellt sich dann immer das Kosten/Nutzen Verhältnis. Instrumente sind nicht belieb verkleinerbar, kleinere Sendeantennen und eine geringere Sendeleistung (durch niedrigere Leistung der Solarzellen) bewirken kleine Datenraten. Auf der anderen Seite hat man Entwicklungskosten und startkosten die nicht im gleichen Maße verringerbar sind. So ist eine kleinere Rakete meistens pro Kilogramm Nutzlast teurer als eine große. Trotzdem habe ich mir mal selbst eine Aufgabe gestellt und zwar eine anspruchsvolle.

Ist es möglich eine Raumsonde zu Jupiter zu starten die nicht teuer ist und trotzdem noch nützlich? Dazu muss man natürlich definieren was "nicht teuer" ist. Ich habe dies dahingehend definiert:

Ich habe mich mal für eine Sekundärnutzlast einer Ariane 5 in den GTO Orbit entschieden (maximal 600 kg). Kann man da überhaupt noch nennenswert Nutzlast zum Jupiter bringen? Ja, aber nicht auf direktem Weg. Mein Konzept sieht folgendes vor:

Sie finden hier ein EXCEL Sheet mit den Daten. Die wesentlichen Parameter die man variieren kann sind in grün unterlegten Feldern vorhanden. Wichtig ist die Ausströmgeschwindigkeit des Ionenantriebs (je höher, desto weniger Treibstoff wird verbraucht, aber auch je länger dauert die Reise) und das Gewicht der Solarzellen (je mehr, desto schneller geht es, aber desto kleiner ist die Netto Sondenmasse). Alles andere sind typische Performanceparameter, so wiegt bei großen Solarzellen ein m² rund 4 kg, arbeiten die Solarzellen vorwiegend fern der Erde, so sind mit Solarkonzentrationen auch niedrigere werte von rund 2 kg/m² möglich.

Sie werden bei der Simulation sehen, dass man einen Tod sterben muss: Hohe Ausströmgeschwindigkeiten z.B. senken den Treibstoffverbrauch (höhere Sondenmasse), aber die Reise dauert länger. Dafür kann man dann größere Solarpanels verwenden. Unter der Nebenbedingung, dass auch bei Jupiter auch noch mindestens 200 Watt Strom vorhanden sein soll ergibt sich dann ein Optimum bei rund 60 km/s.

Das Excel Sheet klärt uns auf, dass dann noch eine Sonde möglich ist, die bei Jupiter noch rund 225.9 kg wiegt. Ohne Antriebsystem und Solarzellen sind es noch 99.5 kg. (Galileo würde ohne Stromversorgung und Antriebssystem rund 830 kg). Das ist nicht viel, aber es würde ausreichen für ein größeres oder zwei kleinere Experimente. Will man die Versäumnisse bei der Galileo Mission nachholen, so wäre ein Plasmawelleninstrument oder eine Kamera/kombiniertes Spektrometer sinnvoll. Zwar könnte die Sonde keine sehr große Sendeantenne mitführen, aber der Strom würde ausreichen für einen mittelstraken Sender. Eine 1.5 m Antenne und ein 20 Watt Sender müssten drin sein. So sind immerhin 20 KBit/s vom Jupiter aus möglich - rund die 100 fache Datenrate von Galileo. Rund 400 Bilder mit 1 MPixel Größe bei JPEG Komprimierung wären dies bei 6 Stunden Funkkontakt pro Tag.

Natürlich geht dies nur, wenn die Sonde nicht nur beim Bau und der Entwicklung preiswert ist, sondern auch im Betrieb, z.B. ein kleines Betreuungsteam erfordert, weil sie selbst weitgehend autonom arbeiten kann. Trotzdem sehe ich hier ein Chance. Eine Sekundärnutzlast für die Ariane wird pro Kilogramm preiswerter sein als die Hauptnutzlast, so sollte der Start rund 10 Millionen Euro kosten. Eine Rockot und eine Dnepr liegen in derselben Größenordnung (da die eine Nutzlast in einem niedrigen Erdorbit aussetzen wäre das chemische Antriebsmodul größer und würde erst mit einigen Zünden einen elliptischen Erdorbit anstreben, bevor die Erde endgültig verlasen wird). Die Nutzlast ist dann eher kleiner als bei einer Ariane 5 Sekundärnutzlast.  Nimmt man dann rund die 4 fache Summe für die Sonde an, so kommt man auf 50 Millionen Euro, dazu vielleicht weitere 10 Millionen Euro für die Missionsdurchführung. Dann kostet die Mission rund 60 Millionen Euro - nicht billig, aber preisgünstig, zumindest für eine Mission ins äußere Sonnensystem. Mehr noch: Gibt es die Sonde einmal, so könnte man eine Nachfolgesonde mit weiteren Experimenten starten.

Etwas günstiger sieht es bei Missionen zur Venus oder Mars (Mond liegt etwas günstiger), hier sind rund 196 kg noch übrig, wenn ein Orbit erreicht wird.

Freitag 15.5.2009:Gehts auch etwas kleiner - Teil 2

Anknüpfend an den letzten Beitrag möchte ich heute mal auf die Instrumentierung eingehen. Maximal 20 kg für Instrumente ist nicht viel. Doch es gibt Kombiinstrumente die zeigen, dass es geht: MICAS von Deep Space 1 kombinierte ein IR Spektrometer mit einem UV Spektrometer und einer Kamera. Optik war ein 10 cm Teleskop - bei nur 12 kg Gewicht. RALPH an Bord von New Horizons wiegt 10.1 kg und kombiniert ein Vis/IR Spektrometer und eine Kamera mit einem 7.5 cm Teleskop.

Damit wäre ein IR Spektrometer und ein Teleskop als Kombiinstrument möglich. Gekoppelt an ein 15 cm Teleskop ergibt dies ein leistungsfähiges Instrument. Sinnvoll ist ein Vis/IR Spektrometer und eine Kamera. Ein UV Spektrometer ist sinnvoll bei Jupiter, nicht jedoch bei den Monden und als Option zu betrachten. Ein gängiger HgCdTe IR Sensor wie der PACE-1 hat 256 x 256 Pixel von 40 µm Wellenlänge bei einer Cut-off Wellenlänge von 4.9 µm. Ein CCD Array für das sichtbare Licht muss bei geringeren Wellenlängen arbeiten, meist nur bis 0.9 µm Wellenlänge. Er kann daher rund 5 mal kleinere Pixels aufweisen (8 µm/Pixel). So wären zwei mögliche Sensoren denkbar:

Für das IR Spektrometer: 256 x 256 Pixel HgCdTe Array - erzeugt Datencuben von 256³ = 16 Millionen Punkten pro 256 x 256 Pixel Messung

Für die Kamera: 2048 x 2048 Pixel CCD mit mehreren Filtern - erzeugt Bilder von 2048² = 4 Millionen Punkten pro Bild.

Die Auflösung des Teleskops würde bei einer Brennweite von 1600 mm (f/D=10.7) bei 5 Mikrorad (optisch) oder 25 Mikrorad (IR) liegen. Das entspricht einem Kilometer Auflösung aus 200.000 bzw. 40.000 km Entfernung.

Zur Stromversorgung: Es stehen bei Jupiter noch rund 234 Watt zur Verfügung - Das ist deutlich mehr als bei New Horizons die 202 Watt bei Pluto hat und rund 175 Watt benötigt. Da erlaubt es einen stärkeren Sender mitzuführen. Bei New Horizons beträgt die Sendeleistung 12 Watt (30 Watt Gesamtstromverbrauch). Nimmt man einen 24 Watt Sender (60 Watt Gesamtstromverbrauch), so würde New Horizons bei einem Stromverbrauch von 205 Watt liegen. Unsere Sonde wäre eher günstiger, da nicht so viele Experimente an Bord sind. Auf der anderen Seite nimmt der Strom von Solarzellen auch ab  Eventuell wäre ein Sender mit verschiedenen Leistungen interessant um sich dem verfügbaren Strom anzupassen. Auf der anderen Seite ist die Sonde leichter als New Horizons, die ohne Antriebssystem und Stromversorgung rund 300 kg wiegt. Eine 2.1 m große Antenne sollte so nicht möglich sein, aber vielleicht eine von 1.0 m Durchmesser (kleine Änderung zur ersten Überlegung im letzten Beitrag, weil die Sonde doch ziemlich viel leichter ist). Immerhin, basierend auf den New Horizons Daten sollte eine 1.0 m Antenne mit 24 Watt Sendeleistung noch 17.6 KBit/s senden.

Bei gleicher Aufteilung zwischen den Instrumenten und 6 Stunden Sendezeit pro Tag sowie JPEG Komprimierung (Faktor 8) sind bei 12 Bits/Meßpunkt pro Tag rund 30 Bilder und 7.5 IR Cuben möglich. Über 600 Tage Primärmission sind dies rund 18000 Bilder und 4500 Kuben. Das ist immerhin 3 mal mehr Bildmaterial als Galileo sandte (auf die 800x800 Pixel von Galileo normiert entspricht es sogar rund 54000 Bildern - in etwa diese Erwartung hatte man auch von der Galileo Sonde). Teilt man die Bilder zwischen Jupiter und den Monden auf, so sollten an jedem der 10 Mondvorbeiflügen rund 900 Bilder gemacht werden, die als Mosaik z.B. ein 30x30 Mosaik ergeben würden, mit einer Auflösung von rund 100-200 m je nach Mondgröße und Überlappung der Bilder. Das ist ausreichend für eine globale Karte. Bei Farbaufnahmen und Detailaufnahmen sinkt natürlich die globale Abdeckung.

Die IR Kartering kann aufgrund der riesigen Datenmenge nicht so gut sein. Die 225 IR Cuben würden ein 11x11 Mosaik pro Vorbeiflug zulassen, dass wäre eine Auflösung von rund 2 km - Doch verglichen mit den wenigen Sensorzellen von Galileos NIMS wäre der Entwicklungsfortschritt enorm. Alleine dafür würde sich wahrscheinlich eine Mission lohnen. Die Messungen des Magnetfeldes und der Radioumgebung von Jupiter soll ja Juno nachholen, so dass dafür keine Sonde nötig wäre. Mir ist allerdings schleierhaft, warum Juno eine Atlas 551 zu Jupiter braucht - Die Sonde macht ja einen Erdvorbeiflug der auch Schwung liefert, so dass im Idealfall eine Startgeschwindigkeit von rund 12.6 km/s nötig wäre. Eine Atlas 551 sollte 3700 kg auf diese Geschwindigkeit bringen (verglichen mit 1700 kg direkt zu Jupiter) - und so schwer und groß sieht Juno auf den Abbildungen nicht aus (wie üblich bei neueren Missionen sind die Infos im Netz spärlich gesät, so habe ich das Startgewicht noch nicht gefunden).

In jedem Falle denke ich sollte die von mir vorgeschlagene Lösung deutlich günstiger al Juno sein - 70 zu rund 700 Millionen Dollar. Selbst wenn man nun mehrere dieser Sonden startet wird es noch billiger. Ansonsten: Ich habe gestern (seit langem mal wieder) einen Ariane 5 Start life gesehen und war erstaunt, dass nun zwei Einblendungen zu sehen waren in denen man die Abtrennung der Booster und der Fairing sah - offensichtlich wie die Animationen eingespielt. Aber immerhin: Es gibt offensichtlich eine "Rocketcam" die man von US-Missionen ja kennt. Ich finde es allerding unverständlich, warum man sie nicht immer einsetzt und das Signal life mit überträgt anstatt eine Grafik und einen Blick ins Kontrollzentrum zu zeigen oder Filme einzuspielen. Hinsichtlich Öffentlichkeitsarbeit muss Arianespace (aber nicht nur sie, wie ich bei der Recherche zu meinen Büchern feststellte) noch einiges lernen. Auf der einen die die Trailer für die Filme und dann deren schlechte Bearbeitung: Leute die französisch sprechen werden English synchronisiert, aber zum einen mit einem miserablen Ergebnis (verrauscht) und zum andern wird das französische nicht ausgeblendet, so dass beide Sprachen vermischt werden. Da gleiche bei Reden die in französisch erfolgen und dann synchronisiert werden (immer noch besser als das grauenvolle englisch von französischen Bürgern). Nachfragen haben sie ja auch nicht so gern -Für die Kontaktaufnahme muss ein Formular mit Presseausweisnummer ausgefüllt werden. Fehlt diese, dann gibt es eine Fehlermeldung. Ach wie lästig sind doch die europäischen Steuerzahler. Solange sie aber 240 Millionen Euro pro Jahr zahlen und man so jeden Kontakt mit ihnen meiden kann geht es aber noch....


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