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Web Log Teil 113 : 25.5.2009-

Montag 25.5.2009: 60 Jahre Bundesrepublik

Derzeit wird der 60.ste Jahrestag des Grundgesetzes gefeiert. Zeit zurückzublicken und vorauszuschauen. Wenn ich mir die Geschichte der BRD so ansehe, so drängt sich mir der Vergleich mit dem Leben eines Mensch auf. Es gibt da eine Reihe von Parallelen:

Heute sehe ich die Situation der BRD als schlecht. Warum? Nun es gibt einige Gründe dafür. Manche liegen an der Politik und manche aber auch an der Gesellschaft:

Wir haben inzwischen rund 1.5 Billionen Euro Schulden angesammelt. Keine Regierung hat auch nur begonnen diesen Berg abzutragen. Es wurde beginnend mit den siebziger Jahren immer Schulden gemacht. Viele Schulden wenn die Konjunktur schlecht war (um sie vermeintlich anzukurbeln9, aber auch wenn sie gut war. Eigentlich immer. Dabei ist es egal wer an der Regierung war: Ob SPD/FDP oder CDU/FDP oder SPD/Grüne oder CDU/SPD. Das kann nicht gut gehen, genauso wie auch eine Privatperson nicht immer mehr Schulden machen kann.

Ein Grund für die Schilden ist neben dem Unvermögen von Politikern der Sozialstaat. Er ist in der derzeitigen Form schlicht und einfach nicht mehr zu finanzieren. Zu viele Menschen hängen inzwischen am Tropf des Staates. Wenn es nicht klappt den Menschen Arbeit zu geben, so werden die Leistungen des Staates noch weiter reduziert werden müssen.

Arbeit ist bei uns zu teuer. Nicht unbedingt weil die Leute so viel verdienen, sondern weil so viele Abgaben fällig werden. Es wird immer davon gesprochen, das Deutschland mehr Menschen braucht die Dienstleistungen erbringen. Doch können sie diese auch bezahlen? Sie müssen nur mal einen Handwerker sich ins Haus holen und vergleichen wie viele Stunden sie selbst arbeiten müssen um eine Handwerkerstunde bezahlen zu können. Dann wissen sie, was heute los ist.

Ich sehr nicht so viel Grund zum Feiern, weil die Situation ernst ist und keine Hoffnung in Sicht, dass sie sich langfristig bessern wird. Jeder Politiker will wiedergewählt werden und daher schieben alle Parteien die notwendigen einschnitte und Kürzungen, Reformen und Maßnahmen vor sich her - so wie dies seit 30 Jahren gemacht wird.

Mittwoch 27.5.2009: Sand in die Augen streuen

Das Thema für meinen heutigen Blogeintrag liefert mir ein Professor der einen neuen Kollegen mit Arbeit versorgt und dabei ständig über seine Visionen und Ideen philosophiert. Sehr bald nervt das einen, und man denkt sich "Wenn er alles besser weiß soll er sich doch eine eigene Firma gründen und nicht hier als Professor arbeiten". Von dem meisten Zeug das er von sich gibt, verstehe ich nichts, aber wenn er darüber spricht, dass er nicht verstehen kann warum es nicht schon längst Elektroautos in Masse gibt, schließlich wären diese viel Umweltverträglicher, dann kann ich mitreden.

Betrachten wir die Sache mal als Laie. Warum sollten Elektroautos energetisch besser dastehen als Benziner?

Was ich völlig außer acht gelassen habe, obwohl es natürlich bei allen handelsüblichen Elektroautos gegeben ist, ist eine geringere Leistung. Die Maximalgeschwindigkeit ist kleiner und das Auto ist kleiner und leichter. Das ist aber doch kein Vorteil des Elektroautos. Es gab auch Benziner die leicht waren und geringere Leistungen hatten, wie z.B. der Lupo als erstes 3 l Auto oder in en fünfziger Jahren der Messerschmidt-Kabinenroller mit einem 9-13 PPS Motor und 80-100 km/h Spitze. Nicht umsonst verweisen verschiedene Organisationen darauf, dass zahlreiche Automobilfirmen schon Studien und Experimentalfahrzeuge haben, die leicht sind, und wenig Benzin verbrauchen, nur kommen sie nicht auf den Markt, weil man nicht mit einem Erfolg rechnet.

Doch man kann die Behauptung, Elektroautos seien günstiger als Benziner auch nachrechnen. Ich habe mal recherchiert und bin je nach Typ auf 2-4 Euro Stromkosten auf 100 km gekommen. Das klingt zuerst günstiger als ein Benzin, aber nur auf den ersten Blick. Nehmen wir mal an, es wären 3 Euro/100 km. Bei den derzeitigen Strompreisen sind das 15 kWh pro 100 km.

1 l Benzin hat einen Energiegehalt von 33.2 MJ (0.75 kg/l, 43 MJ/kg). Das entspricht rund 8.9 kWh. (1 kWh = 3.6 MJ) Somit entsprechen die 15 kWh rund 1.7 l Benzin. Das ist in der Tat ein niedriger Verbrauch als ihn alle Fahrzeuge die heute auf dem Markt sind aufweisen. Doch das ist nur die Halbe Wahrheit. Für die Herstellung von Benzin muss man heute noch wenig Energie aufbereiten. Man fördert das Erdöl mit geringem Energieaufwand, muss es dann in Tanks zur Raffinerie transportieren und dort durch Destillation auftrennen. Dafür wird weitaus weniger Energie benötigt als zur Stromherstellung. Für diese wird in Deutschland vorwiegend Kohle verbrannt. Mal abgesehen von der schlechten Ökobilanz der Kohle (sie besteht nur aus Kohlenstoff und liefert von allen fossilen Brennstoffen am meisten Kohlendioxid pro MJ gewonnene Energie) ist die Verstromung von Kohle sehr ineffektiv. Braunkohle ist in Deutschland der wichtigste fossile Rohstoff für Kraftwerke. Der durchschnittliche Wirkungsgrad beträgt heute 31 %, das modernste erreicht 45.3 %. Um diese 15 kWh Strom zu produzieren muss man heute also 48.3 kWh Primärenergie aufwenden, was dem Energiegehalt von rund 5.4 l Benzin entspricht - und zack ist das Elektroauto heute schon schlechter als der Benziner. Man hat eigentlich nur die Emissionen woanders hin verlagert.

Nun mag einer sagen: "Ja es gibt ja auch noch Kernenergie und wie Du schon schreibst sind auch höhere Wirkungsgrade möglich und irgendwann einmal gibt es auch ökologischen Strom". Ja bestimmt, aber auf der anderen Seite ist natürlich auch denkbar Benzin durch regenerative Quellen zu ersetzen. In beiden Fällen macht man sich keine Gedanken darüber welche Energiemenge umweltfreundlich zu ersetzen ist. Nach dem statistischen Bundesamt wurden 2005 rund 62.4 Milliarden Liter Benzin und Diesel abgesetzt. Das entspricht einer Energiemenge von 9900 kWh für jedes der rund 56 Millionen Autos. Diese Energiemenge liegt deutlich über dem was die privaten Haushalte verbrauchen (pro Person je nach Haushaltsgröße zwischen 1500-2800 kWh). Ich halte es für problematisch die gesamte Stromversorgung heute durch ökologische Alternativen zu ersetzen, aber nochmals die 3-5 fache Menge für den Verkehr zu produzieren? Wie soll das gehen?

EEs gibt aber eine einfache Lösung, die noch dazu nichts kostet und Geld einspart: Einfach das Auto verkaufen und mit dem ÖPNV fahren. Aber das ist ja unbequemer und mit Aufwand verbunden. Deswegen fährt der Professor ja auch einen (Bio)Diesel, der die ökologischen Probleme dann in andere Länder verlagert wo für die Treibstoffgewinnung der Urwald gerodet wird.

Die Idee zu meinem heutigen Titel kam ich jedoch auf andere Weise. Es gibt einen Wissenschaftler der von den Silanen (Silizium-Wasserstoffverbindungen) besessen ist. Er propagiert diese in der Wüste mit Solarstrom aus Wasser und Sand herzustellen und dann als Brennstoff nach Europa zu befördern und sie in Otto Motoren zu verbrennen. Gegenüber Wasserstoff sind sie schon bei Normaltemperatur flüssig (wenn die Kettenlänge groß genug ist). So entfällt das Transportproblem. Das kam sogar in die Medien. Keiner hat sich genauer damit beschäftigt. Wenn eine Hobbytheksendung zeigt mit welchem Aufwand nur einige Milliliter Silane erzeugt werden, warum fragt sich dann Jean Pütz nicht, wie wirtschaftlich dies ist? Die Synthese von Silanen ist äußerst aufwendig und teuer. Es wird immer preiswerter sein aus Wasser Wasserstoff zu gewinnen oder aus organischen Stoffen Biotreibstoffe zu synthetisieren, ganz einfach deswegen weil enorm viel Energie notwendig ist zuerst das Silizium aus der Sauerstoff-Silizium Verbindung zu lösen, dann zu Chlorsilanen umzusetzen und daraus erst die Silane zu synthetisieren.

Schlussendlich: Bei der Verbrennung von Silanen entsteht kein Kohlendioxyd sondern Silziumdioxid. Siliziumdioxid das ist der chemische Name für Quarzsand. Der Einfluss auf den Motor dürfte also in etwa der gleiche sein, weil wenn sie einen Sandstrahler in den Motor einbauen - der Motor geht kaputt. Auch so kann man Leuten Sand in die Augen streuen - im wahrsten Sinne des Wortes denn Sand wird dann in Unmengen auf unseren Straßen zu finden sein. Nun ja so spart man sich im Winter wenigstens das Streuen und einen kostenlosen Sandstrand gibt es dann im Sommer neben jeder Autobahn....

Donnerstag 28.5.2009: Wer programmiert den Apollo Computer?

Diese Frage scheint eine sehr triviale zu sein. Doch es gab eine lange Diskussion als sie damals aufkam. Zur Erklärung muss man in die Zeit zurückblicken: Computer waren damals große Monster die in Schränken saßen, weitere Schränke nahmen Magnetplatten oder noch häufiger Magnetbandgeräte auf. Eingaben gab es auch per Lochstreifen, Lochkarte und als modernste Neuerung per Terminal (eine Schreibmaschine, bei ganz modernen Rechnern sogar mit Monitor). Doch diese Technik war für Apollo zu groß. Apollo setzte zwar auch einen miniaturisierten Rechner ein, aber bei den Einschränkungen an Gewicht und Masse, war seine Leistung beschränkt. Technisch gesehen bestand der AGC (Apollo Guidance Computer) aus identischen Schaltungen: Jede Schaltung war ein NOR Gatter aus 3 Transistoren und 4 Widerständen. Etwa 5000 dieser Gatter bildeten dann die Logic des Computers. Der Speicher wurde unterteilt in einen zur Laufzeit beschreibbaren Speicher und einen Festwertspeicher unterteilt. Im letzteren wurde das Programm vor der Mission durch Verdrahtung fest abgelegt. Das wesentliche war, dass der vom MIR entwickelte Computer eine Spezialanfertigung für Apollo war, den es so nicht käuflich zu erwerben gab. Er war ausgelegt auf die Bedürfnisse der Mission: Die Verarbeitung von Prozessdaten und Berechnung von Navigationsinformationen und Steuerung des Antriebs.

Über die Programmierung gab es nun einen Streit. Das MIT wollte ihren Programmierer natürlich selbst programmieren. Auf der anderen Seite argumentierte die Industrie, welche die Raumschiffe baute, dass ihre Ingenieure viel mehr von dem Raumschiff verstehen, als die Programmierer vom MIT. Es wäre viel einfacher wenn die Ingenieure einfach das Programmieren lernen würden, anstatt den Programmieren die gesamte Technik mit ihren zahllosen Details zu vermitteln.

Aus der heutigen Zeit erscheint dies etwas befremdlich. Wir sind es gewohnt, das es Informatik als eigene Ingenieurswissenschaft gibt und Programmierer Hardware programmieren. Aber damals war diese Disziplin noch jung und vor allem war es eine Spezialanfertigung. Das unterscheidet den AGC von einem heute üblichen Microcontroller. Wert heute einen ARM Prozessor, einen Intel 8251 oder einen embedded Power-PC Prozessor einsetzt, der kann einen C-Compiler  einsetzen, ein Realzeit Betriebssystem nutzen und dazu linken. Diesen Komfort hatten die Programmierer des AGC nicht. Sie hatten nicht mal Assembler, also die Möglichkeit die Befehle durch einfach merkbare Abkürzungen zu ersetzen wie z.B. ADD, INC, MOV für Addieren, Erhöhen um 1 oder Laden von Werten aus dem Speicher. Alles wurde in Bits auf dem Papier codiert und dann direkt in den Festwertspeicher übertragen.

Auf dieser Ebene ist dann die Programmierung dann schon mehr eine Konstruktionstätigkeit und daher waren die Einwände auch berechtigt. Die Entscheidung war nicht einfach, doch zwei Argumente waren schließlich ausschlagegebend. Zum einen der exzellente Ruf des MIT auch in ingenieurstechnischen Belangen und zum zweiten das man die Hardware und Software als einen Gesamtkomplex ansah - Wenn das MIT auch die Software entwickelte, so war eine Fehlermöglichkeit ausgeschaltet, die entstehen konnte wenn die Software getrennt von der Hardware entwickelt wurde.

FreitagMehr zum Apollo Guidance Computer finden Sie in meinem Aufsatz "Computer in der Raumfahrt Teil 1". Das Video passt zum heutigen Thema: "Fly me to the moon".



Freitag 29.5.2009: Ein Aufklärungssystem für die Bundeswehr und Deutschland.

Die Bundeswehr hat ja inzwischen ein komplettes System von fünf SAR-Lupe Satelliten. Diese nehmen von ausgewählten Zielen Aufnahmen mit einer Auflösung von 1 m auf. Die Anzahl der übertragenen Streifen ist allerdings begrenzt und damit auch die Abdeckung durch das System. Gerade die Piratenüberfälle vor der Küste Somalias zeigen, dass sich heute die Anforderungen wandeln - es wird auch wichtiger größere Gebiete der Erde häufig zu überwachen, als vielmehr in Krisenregionen bestimmte punktförmige Ziele mit hoher Auflösung auszukundschaften.

Ich denke die Bundeswehr wird wie in der Vergangenheit auf zivile Erderkundungssatelliten zurückgreifen, um niedrig auflösende Aufnahmen zu erhalten. Da es sicher auch einen Bedarf seitens anderer Regierungsorganisationen (Landwirtschaft/Forst, Städtebau) an solchen Aufnahmen gibt, wäre ein rein deutsches Fernerkundungssystem sicher wünschenswert.

Die Frage: Muss es dazu ein teurer, tonnenschwerer Satellit sein?

Nein. Es gibt zwei Beispiele wie dies auch im kleinen Maßstab geht. Das eine ist die europäische Probe-1 Mission. Bei einer Masse von nur 94 kg beinhaltet dieser Satellit 25 kg Instrumente (acht Stück), darunter eine Kamera mit 5 m Bodenauflösung. Das zweite ist das deutsche System Rapideye. Die fünf Satelliten haben jeweils 156 kg Masse und liefern Aufnahmen in mehreren Spektralbändern mit 5 m Auflösung. Beide Projekte zeigen, dass es heute möglich ist einen kleinen Satelliten zu bauen, der eine Bodenauflösung von einigen Metern besitzt. Daher hier mal ein Vorschlag für ein analoges System

Zuerst einmal sollten die Anforderungen definiert werden. Eine Auflösung von einigen Metern zu erreichen ist technisch kein Problem - aus einer 700-800 km hohen Umlaufbahn liefert ein 20 cm Teleskop, das etwa 10 kg wiegt eine Auflösung von 2-3 m. Das Problem liegt in der Datenübertragung. Man kann sich leicht ausrechnen, dass um die ganze Erde in dieser Auflösung kartieren zu können, man sehr hohe Datenraten benötigt. Sofern man nicht einen geostationären Relaissatelliten verwendet, der das Projekt enorm verteuert ist es also essentiell möglichst viele Daten zu übertragen und vor allem sehr häufig Kontakt zum Satelliten zu haben.

Mein Vorschlag ist daher dass die DLR zuerst einmal in das Bodensegment investiert. Derzeit setzt Deutschland zwar leistungsfähige Empfangsanlagen ein, die bei TerraSAR z.B. 300 MBit/s empfangen, aber diese haben bei der geographischen Breite von Deutschland nicht bei jedem Orbit Funkkontakt. Sinnvoll wäre daher eine polnahe Empfangsantenne z.B. beim ESA Empfangskomplex in Kiruna. Bei einer 700 km hohen sonnensynchronen Umlaufbahn beträgt der Empfangsbereich rund 3000 km Radius um die Station, das ist angesichts der Polnähe ein Kontakt pro Umlauf. Eine 12 m Antenne kann dann bei einem 20 W Sender im Rundstrahlbetreib noch 110 MBit/s empfangen. Bei einer 16 m Antenne wären es 190 MBit/s. Etwa 840 Sekunden ist ein Satellit maximal pro Orbit im Empfangsbereich. Bei rund 5900 Sekunden Umlaufsdauer kann eine Antenne so die Daten von 7 Satelliten empfangen, wenn diese im Orbit versetzt sind.

Es bietet sich daher an 6-7 Satelliten auf einmal zu starten. Ich habe einmal sechs angenommen, die mit einer Vega in einen 700 km hohen Orbit ausgesetzt werden. Die Nutzlast der Vega für diesen Orbit beträgt 1500 kg. Wenn jeder Satellit rund 200 kg wiegt, so lässt dies noch Spielraum für einen Smart-Dispenser und Gewichtsüberschreitungen.

Folgende Szenarien habe ich mir überlegt:

Das ist mit einem Instrument erreichbar, bei dem ein Zeilenscanner zum Einsatz kommt. Dabei sind verschiedene Zeilen mit verschiedenen Filtern belegt. Die Modi unterscheiden sich nur darin welche Zeilen ausgelesen werden und wie oft.

Das Verhältnis der Datenmengen beträgt:

Bei sechs Satelliten gibt es rund 20 Stunden Funkkontakt pro Tag. Bei 110 MBit/s sind das 7920 GBit pro Tag bei sechs Satelliten. Bei einer JPEG Komprimierung von 8:1, 12 Bits pro Pixel sind das bei streifenförmiger Abdeckung (auch wenn sich diese dann in höheren Breiten stark überlappen) dann rund 20 m. Berücksichtigt man, dass mit zunehmender geographischer Breite immer geringere Gebiete abgedeckt werden müssen, kann man die Auflösung auf rund 16 m erhöhen. Das ist nicht gerade hochauflösend. Doch ohne Problem machbar. Für die Abdeckung BRD wäre auch ein alternatives Szenario 4 denkbar:

Abdeckung von 500.000 km² alle 7 Tage mit 4 m Auflösung in 16 Bändern. Das erfordert nur 2 % mehr Daten. Dies wäre ausreichend für viele Zwecke. Eine höhere Auflösung von etwa 2-3 m wäre angesichts der Satellitenmasse von rund 200 kg und einem Instrumentenanteil von rund 30-40 kg denkbar. Bei 2 m Auflösung fallen rund 6 % mehr Daten an. Ab dieser Grenze wäre der Satellit dann auch als Ergänzung zum SAR-Lupe/Terrasar System zu verstehen. Wobei natürlich die Fläche in diesem Modus begrenzt sein muss, oder multispektrale Aufnahmen wegfallen müssten.

Idealerweise ist der hochauflösende Modus einer mit einem ganzzahligen Verhältnis zum Normalmodus, hier 2 m zu 16 m. Das erlaubt es einen Pixel-Summationsmodus (8 Pixel auf 1 Pixel) für den Normalmodus einzusetzen.

Bei einem Funkkontakt pro Orbit benötigt ein Satellit die Möglichkeit rund 11-19 GByte zu speichern, was mit handelsüblichen SSD für PC's kein Problem darstellt. Auch entsprechende Zeilenscanner mit der geforderten Datenrate existieren. Bei dem Modell Fairchild 212341 (24000 Pixel/Zeile, 64 Zeilen, 8.75 µm pro Pixel) existiert z.B. eine solche Summierungsmöglichkeit (Binning Capability) und die Datenrate erreicht 300 MPixel/s. (maximal würden 82 MPixel beim 2 m Modus in monochrom benötigt, in diesem Modus wäre also ein Betrieb mit 3 Spektralkanälen noch denkbar). Bei Einsatz dieses Chips mit 8.75 µm Pixelgröße benötigt man eine Optik von 3000 mm Brennweite und 210 mm Öffnung als Schiefspiegler (ohne Fangspiegel im Strahlungsgang) bzw. 260 mm Öffnung als Cassegrain-Konstruktion (mit Fangspiegel im Strahlungsgang, der eine Obstruktion, ein Absinken des Kontrastes und der Auflösung verursacht). Ein derartiges Instrument wäre wegen der gefalteten Strahlengänge durchaus in einem rund 1.5 m hohen Satelliten unterzubringen.

Technisch wäre es kein Problem, und angesichts der Kosten von Rapideye in Höhe von rund 150 Millionen Euro für fünf Satelliten in der gleichen Größenordnung sollte dies auch finanzierbar sein.

Sonntag 31.7.2009: Augen auf bei Light Produkten

Ich habe gerade die Rezension eines Apple Cookies mit homöopathischen Apfelanteilen fertiggestellt und hoffe heute noch einen Vergleichstest zwischen einem Light-Riegel und einem herkömmlichen Müsli Riegel abschließen zu können. Das Fazit kann ich schon hier vorweg nehmen: Der Light Riegel enthält nicht weniger Kalorien. Warum er sich dann "Light" nennt? Weil Zucker durch Maltitsirup ersetzt wurde. Das hat aber keinerlei Auswirkungen auf den Energiegehalt, da beides Kohlenhydrate mit demselben Energiegehalt sind: Im Gegenteil: Maltitsirup süßt nicht so intensiv, so dass man davon mehr braucht.

Warum nennt er sich "light" - weil dies erlaubt ist wenn ein Nahrungsbestandteil um mindestens 30 % gegenüber normalen Produkten reduziert ist. Hier der Zucker. Nur bindet der Zuckersirup bei einem Müsli Riegel (um das handelt es sich) auch die ganzen Getreideflocken. So kann er nicht durch Süßstoff ersetzt werden und weiterhin sind alle geschmacksgebenden Komponenten in solchen Riegeln (Cornflakes, Nüsse, Mandeln, Schokolade) so energiereich oder energiereicher als Zucker, so dass man so auch den Brennwert nicht erniedrigen kann. Das ginge nur durch Ersatz von Cornflakes durch ballaststoffreiche Produkte wie Trockenobst oder Kleie - aber wegen der geschmacklichen Veränderungen sind dem enge Grenzen gesetzt,

Das ist nur ein Beispiel: Bei Fruchtjogurt wird z.B. damit geworben, das sie light sind weil sie kaum Fett enthalten - Reduziert man den Fettanteil von 3.5 auf 1.8 % so reduziert sich aber der Energiegehalt von etwa 500 kJ auf etwa 440 KJ, also etwas mehr als 10 %. Selbst bei einer Reduktion auf 0.2 % sind es nur rund ein Viertel der Energie, die dann wegfällt. Warum? Weil ein Fruchtjogurt typischerweise etwa 15 g Zucker auf 100 g enthält. Der Zuckeranteil ist dabei die Hauptenergiequelle, die fast 50 % der Gesamtenergie ausmacht. Dabei kann man diese recht einfach reduzieren, indem man die Menge auf die beschränkt, die notwendig ist um die Früchte zuzusetzen (die meist in einer Zucker/Früchtepaste zugesetzt werden) und anstatt dessen Süßstoff einsetzt.

Mein persönlicher Eindruck beim Probieren zahlreicher Light Produkte ist, dass es sehr problematisch ist dieselbe Qualität mit der Reduktion von Fett, Zucker oder Energie zu erreichen. Am besten geht dies noch bei Zucker: Light-Marmelade kann recht gut sein, wenn der Früchteanteil gleich hoch ist. Ich bevorzuge aber auch hier teurere Qualitäten mit hohem Fruchtanteil und normalem Energiegehalt, die ich dann aber wegen des intensiveren Geschmacks nicht so dick auftragen muss. Zuckerfreie Bonbons und andere Süßigkeiten zeigen aber auch, dass es ohne Zucker geht. Die Reduktion von Fett ist sehr viel schwieriger möglich. Fett ist ein Energieträger., aber auch wichtig für das Mundgefühl und viele Aromen. Meine Erfahrungen mit Light-Frischkäse, Light-Brie und Halbfettbutter zeigten dass: Die Produkte mochten energiearm sein, aber auch geschmacklos.

Am ehesten klappt es noch bei Wurst: Hier greife ich inzwischen gerne zu Light Produkten. Der Grund: Unser Metzger hat letzten November dicht gemacht. Seitdem gibt es keinen Metzger mehr vor Ort, sondern nur noch abgepackte Ware aus dem Supermarkt. Die normale "Supermarkt-Wurst", insbesondere Brühwürste wie Mortadella, Lyoner, Bierschinken, sind aber weitgehend geschmacksneutral und mit hohem Anteil an Fett hergestellt, wie man leicht beim Anfassen der Scheiben feststellt. Die sogenannten "Light-Produkte" erinnern mich noch eher an die Qualität, die ich vom Metzger kenne, weil hier der Fettanteil nicht so hoch ist. Ketzerisch würde ich fast sagen: Die Light Produkte von Lidl kommen gerade mal so an das Niveau von normaler Ware aus einer Fleischerei heran - dass sie echt energiereduziert sind, glaube ich nicht, denn bei einer gravierenden Reduktion des Fettanteils bemerkt man das sensorisch: Ohne Fett schmecken die Würste dann nicht mehr weich, sondern rau, leicht sandig. Eher so wie Salami anstatt wie Brühwürste. Und das ist nicht der Fall. Da bei Würsten der Fleischanteil bei Light-Produkten zwangsweise höher sein muss, als bei normalen Würsten, ist hier für den Verbraucher ein echter Vorteil gegeben: Es handelt sich hier um eine bessere Qualität. Meiste enthalten die auch mehr Wasser und sind so auch energiereduziert. Das gilt allerdings in dieser Form nur bei Brühwürsten, also Wurstaufschnitt. Ein Test mit einer Light-Salami für mein Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen, zeigte, dass es bei Rohwürsten schon ganz anders aussieht. Der niedrigere Fettanteil bedingt einen höheren Anteil an Fleisch, wodurch sich Geschmack schon stark verändern und nur wenig Energie eingespart werden kann.

Eine dritte Möglichkeit ist das Ersetzen eines Stoffes durch einen inerten Stoff ohne Energie wie Wasser oder Nahrungsmittel mit wenig Energie wie Kleie oder Trockenfrüchte. Das Problem ist, dass dies in den meisten Nahrungsmitteln nicht funktioniert. Halbfettbutter enthält immer noch über 40 % Fett, aber schon das zugesetzte Wasser verändert stark den Geschmack und die Eigenschaften. Die Butter kann z.B. nicht mehr zum Kochen benutzt werden, weil sie spritzt. Sehr oft ist auch mit Bindemitteln da nichts zu machen. Der Geschmack ist dann dünner. So kenne ich zwei Sorten von "Light-Konfitüre". Beim einen wurde Zucker durch Süßstoff, Bindemittel und Wasser ersetzt und beim zweiten ein Teil der Marmelade durch Waser/Bindemittel/Süßstoff. Während die erste noch genauso schmeckt wie normale Marmelade, nur etwas flüssiger ist, schmeckt die zweite einfach nicht intensiv genug. Klar, hier fehlen ja auch Fruchtbestandteile.

Der Zusatz von Kleine oder Fürchten um Ballaststoffe einzubringen ist ebenfalls beliebt, aber technologisch sehr schwierig, zum einen wegen der Stabilität des Produktes zum anderen wegen des Geschmacks. An und für sich schmecken ballaststoffreiche Stoffe nach nichts und das stört. So ist die Menge begrenzt. Trotzdem findet man diesen Trick immer weder: So gibt es Fruchtjogurt mit Ballaststoffen, Brot mit kandierten Bananen und Müsliriegel mit Kleiezusatz. Gerade bei letzterem wäre die Verwendung von Vollkornmehl für den Getreideanteil (der dort die Hauptzutat ist) viel sinnvoller.

Soviel von mir: Was sind ihre Erfahrungen mit Light Produkten?


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