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Web Log Teil 116 : 14.6.2009-19.6.2009

Sonntag den 14.6.2009: Der Blog wird drei Jahre alt - Jurassic Fight Club

Neanderthaler (moderne Rekonstruktion)Heute vor genau 3 Jahren habe ich meinen ersten Blog Eintrag verfasst. Damals war ich mir nicht sicher, ob ich das längere Zeit hindurch machen sollte. Ich werde gerade mehr und mehr ans erste Jahr erinnert, weil ich es nun in den Wordpress Blog kopiere. Für alle die erst später zu dem Blog gestoßen sind: Der Blog entstand zuerst als Sammlung von HTML Dateien, die ich laufend ergänzt habe, bis sie eine gewisse Größe hatten. Erst Seit August 2007 nutze ich einen klassischen Blog von Wordpress. Auch heute noch habe ich das System beibehalten: Die Seite erscheint zuerst in HTML und der Inhalt wird dann in Wordpress kopiert. Dies erwies sich beim Erstellen und Editieren als einfacher als dies im Editor zu tun und es ist eine gewisse Rückversicherung, dass der Inhalt auch beim Wechsel der Website noch erhalten bleibt.

Wenn ich mir das erste Jahr so anschaue (Kopiert sind schon Juni 2006-Januar 2007 und Juli/August 2007, so fällt mir auf, dass die Themen damals vielfältiger waren. Ich denke dass hat zwei Gründe. Das eine war, dass mir vor Beginn des Blogs viele Ideen hatte für "kleine" Aufsatze. Dinge die einfach nicht groß genug für ein eigenes Thema waren. Die habe ich natürlich zuerst aufgenommen. Der zweite Grund ist das ich natürlich merke auf welche Themen ich Rückmeldung bekomme und mich so nach den "Wünschen" des Publikums richte. Und wenn die Leute nur Kommentare zu Raumfahrtthemen oder der Energieproblematik hinterlassen, dann gibt es eben vorwiegend Blogs zu diesen Themen.

Dabei treiben mich auch andere Dinge um. So sehe ich mir derzeit "Jurrasic Fight Club" auf ARTE an. Die Serie nimmt sich einen bestimmten Fund vor und erzählt eine Story, wie dieser Fund wohl zustande gekommen sein könnte. Da ist ein Raubsaurier in Paarungsstimmung und tötet das Jungtier um die Mutter wieder brünstig zu machen. Oder ein Nanotyrannus greift jung-Tyrannosaurier an, tötet ein Junges und wird von der Mutter getötet.

Bevor ich mich für Astronomie und später Raumfahrt interessierte galt mein Hauptinteresse der Paläontologie und Antike. Entsprechend schaue ich mir auch immer gerne historische Dokumentationen an. Seit man mittels animierter Tricktechnik auch recht preiswert Dinosaurier in "Natura" zeigen kann gibt es auch mehr "Dokumentationen" über die Vorzeit und die sehe ich auch gerne an. Gerade das Format "Jurassic Fight Club" zeigt aber auch was mich dabei stört. Die Dokumentationen erzählen eine Geschichte, meistens eine spannende und suggerieren das sich so alles ereignet hat. Diese geht sehr weit und macht auch "Aussagen" über das Verhalten und den Instinkt der Saurier. Doch was weiß man wirklich? Wenn man ehrlich ist, so ist eine Menge davon Spekulation. Was gerne vergessen wird: Schon wie die Saurier aussehen und liefen ist nicht genau bekannt. Was man hat sind Knochen die zu einem Skelett zusammen gesetzt werden. Schon bei uns entwicklungsgeschichtlich nahestehenden Menschen führt die Spekulation wie die Weichteile aussehen zu unterschiedlichen Resultaten. Ich zeige das hier mal an dem Neanderthaler - einem Vorzeitmenschen der noch vor 30.000 Jahren lebte und uns entwicklungsgeschichtlich nahe stand. Die obere Abbildung ist eine neuzeitliche Rekonstruktion, die untere eine Zeichnung von 1960 - Man vergleiche Mimik und Haltung. Die alte Zeichnung zeigt einen mehr "affenähnlichen" Menschen mit eingezogenem Hals, gebückter Haltung und hängenden Armen. Einige Rekonstruktionen haben einem Neanderthaler moderne Kleidung angezogen und dann sieht er nicht mehr so viel anders aus als heutige Menschen - zumindest nach deren Rekonstruktion.

Das hat nicht nur etwas mit dem Zeitgeist und Stand der Forschung zu tun (die sich den Neandertaler früher eben als tumben Affenmenschen dachte) sondern auch mit elementaren Problemen der Rekonstruktion von Weichteilen zu tun. Nehmen sie einfach mal ein Skelett eines heute lebenden Tiers, z.B. einer Katze - können sie sich dann die Katze vorstellen? Ohren, Gesichtsausdruck das alles findet sich nicht im Skelett und selbst wenn man die Muskeln und Fettschicht/Haut rekonstruiert hat - wie sah dann die Katze aus? Ohne haare wie eine Sphinx Katze? Kurzhaarig? Langhaarig? Das alles kann nicht aus Knochen geschlossen werden. Und eine haarlose Sphinx Katze sieht schon verdammt viel anders als mein Stubentiger aus.

Neanderthaler (alte Rekonstruktion)Noch problematischer ist es aus einem Fossilfund eine Gesichte erzählen zu wollen. Ohne dem Autor nahetreten zu wollen - ich sehe das alles als Spekulation. Wenn aus einem Raubtierkadaver der Spuren von Zähnen der gleichen Art hat ein tödlich verlaufendes Balzritual wird, so ist das eine hübsche Idee von George Blasing - der Protagonist dieser Szenarien. Wenn ich in dem Internet nach ihm suche so finde ich zwar eine eigene Biographie, aber er scheint das Fach niemals studiert zu haben - ja sorry, aber Laien sollten meiner Meinung nach keine Fernsehsendung machen.

Wie sollte eine gute Sendung aussehen? Zum einen finde ich Animationen gut. Sie können einem die Landschaft und die Tiere näher bringen. Aber man sollte dies auch auf dem Boden der Wissenschaft tun. Das heißt soviel zeigen wie man sicher weiß oder als gesichert ansieht. Ich denke auch es ist möglich die Dinge zu kennzeichnen die man für Spekulation hält und Alternative Szenarien zu zeigen. So ist z.B. die wissenschaftliche Gemeine durchaus gespalten ob T-Rex nicht vielleicht doch nur Aasfresser war. Nicht alle halten ihn für einen großen Raubsaurier. Dagegen suggerieren die Sendungen dass man sogar sein Jagdverhalten kennen würde - pure Spekulation. es gibt so viele offene Fragen die spannend sind und die man in einer Dokumentation aufwerfen und diskutieren kann. Waren Dinosaurier Kalt- oder Warmblüter - für beide Thesen gibt es Argumente. Wie sind sie gelaufen? Wie war ihr Sozialverhalten. Ich glaube auch dass dies für den Zuschauer genauso spannend sein kann und er dabei mehr lernen kann. Es muss keine spannende Geschichte sein. Auch Forschung und unterschiedliche Denkansätze zu vergleichen und zu argumentieren ist spannend. Das fordert auch den Zuschauer heraus. Er kann die Argumente selbst abwägen.

Stattdessen wird uns eine Illusion geboten. Eine Illusion wie es gewesen sein kann - Zweifel an ihr werden nicht laut. Schade eigentlich. Wieder einmal hat Edutainment über Bildungsfernsehen gesiegt.

Zurück zum Blog. Wer Lust hat kann mal in dem  sich nun langsam füllenden Archiv stöbern. Es gibt inzwischen auch eine bessere Suche, nach Relevanz geordnet und nicht nach Veröffentlichungsdatum. Weiterhin soll der Blog im Dritten Jahr offener werden. Ich suche immer noch Gastautoren für einen oder sogar regelmäßige Blogs. Durchschnittlich 150 Leute lesen den Blog jeden Tag - Tendenz steigend. Wäre das nicht was?

Montag 15.6.2009: Echt peinlich!

Ich hoffe mal die meisten Blogleser haben schon mal Switch-Reloaded gesehen. Am meisten Spaß macht es ja die Verarsche von Personen anzuschauen, die man aus dem Fernsehen kennt. Gestern lernte ich da jemanden neues kennen: Horst Lichter, einer dieser Fernsehköche. Aber was für einer! Er ist wohl einer der wenigen Personen, die in Wirklichkeit noch schlimmer als ihre Switch Verarsche sind. Wie er ich da aufgeführt hat war echt peinlich. Vor allem sein Verhalten gegenüber Frauen würde woanders wohl als sexuelle Belästigung durchgehen. Diese plumpe Anmache und die Bemerkungen zu den Frauen gekrönt von einer Abknutscherei der 25 Schönheitsköniginnen war unerträglich. Und das alles vor laufender Kamera.

So, nun zu etwa komplett anderem, eine Verarsche anderer Art. Wie schon erwähnt habe ich ja Mail vom Marketing eines Wurstwarenherstellers bekommen. ich möchte mich mal dem Thema zuwenden warum die Firma ein externes Labor (hier Fresenius) beauftragt, ihre Produktion zu kontrollieren. Nun warum? Wenn ich mal davon ausgehe, das ihr eigenes Labor (da sie ja auch noch haben) ordentliche Arbeit leistet, dann gibt es nicht viele Gründe. Es kann sein, dass Fresenius bestimmte Analysen preiswerter durchführen kann. So wird z.B. eine Rückstandsanalyse auf Dioxin nicht oft durchgeführt. Sie ist aufwendig und erfordert teure Geräte. Es kann sich lohnen, die "Brot und Butter" Analytik, also das was jeden tTg anfällt, selbst zu machen und komplexere Untersuchungen extern abzugeben in ein Labor, das nichts anderes macht als diese.

Bringt aber bei den normalen Kontrollen, insbesondere denen mit denen geworben wird (ohne Farbstoffe, Gluten, Laktose und zugesetzte Geschmacksverstärker) dieses externe Labor etwas? Nein! Diese Zusatzstoffe zerfallen in zwei Gruppen. Die eine wird bewusst zugesetzt: Farbstoffe, Laktose und Geschmacksverstärker. Wenn ich diese nicht zusetze und meine Rohwaren sie nicht enthalten können (solange man noch nicht die Schweine einfärbt) solange muss ich keine Analyse betreiben um deren Abwesenheit festzustellen und da hilft mir auch ein externes Labor nicht mehr weiter.

Das zweite ist das Gluten. Es kann Bestandteil einer Würzmischung sein, z.B. wenn diese Weizenmehl enthält. Abgesehen davon, dass sofern diese nicht aus dubiosen Quellen stammt, auch die Zusammensetzung der Würzmischung meistens korrekt deklariert ist und es die Möglichkeit gibt Gewürze selbst zusammen zu mischen (was die Firma übrigens nach eigenen Aussagen tut) bringt hier ein externes Labor nichts. Das ist ein typischer Fall einer Eingangskontrolle, die das hauseigene Labor erledigen muss. Bis ein Ergebnis von Fresenius zurückkommt, ist sonst die Gefahr groß, dass die Charge schon verwurstet wurde.

Wo kann ein externes Labor dann etwas bringen? Es kann natürlich helfen Schwachstellen aufzuzeigen, indem externe Mitarbeiter Proben da ziehen, wo man es selbst nicht vermutet. Doch das betrifft dann eben nicht die ausgelobte Abwesenheit, die als Gütesiegel angepriesen wird, sondern das hat etwas mit Qualitätskontrolle und Hygiene zu tun. So bleibt der dumpfe Verdacht, dass die Kontrollen nur gemacht werden, um ein Siegel zu bekommen. Das Risiko ist in etwa genauso groß, wie wenn sie sich als überzeugter Anti-Alkoholiker bereit erklären, jeden Tag eine Alkoholkontrolle durch die Polizei machen zu lassen - sie werden immer bestehen.

Echt peinlich ist es dann, wenn Marketing Experten dieser Firma versuchen kritische Beiträge wie den meinen abzuwürgen. Interessanterweise hat diese Firma, die ja schon früher für ihre Produkte geworben hat (unter anderem mit einem Reiter der die ganze Metzgerei leerkaufte) niemals in ihrer Werbung die Qualität ihrer Produkte angepriesen. Das wäre für mich eigentlich wichtiger gewesen. Ein hoher Magerfleischanteil, nicht zu viel Salz und geringe Mengen an Nitrit / Nitrosaminen wären für mich Qualitätskriterien. Doch das scheint nicht so wichtig zu ein, weil es vielleicht auch schwerer zu vermitteln ist.

Was bleibt? Eine Firma die weiß, das sie keine Farbstoffe, Laktose, Gluten und Geschmacksverstärker in der Produktion einsetzt, lässt sich das von einem externen Dienstleister bestätigen und wirbt damit. Echt peinlich! Das wahrscheinlich die meisten Würste die sie beim Metzger nebenan kaufen genauso frei sind, einfach weil dieser traditionelle Rezepturen einsetzt und in diesen diese "neumodischen" Trick nicht vorkommen, verschweigt die Firma.

Inzwischen bin ich beim vierten Buch mit dem Korrekturlesen durch und habe auch noch ein paar Dinge ergänzt. Heute ging das Manuskript einige Male zum Probecheck an BOD und nachdem ich auch hier die Fehler raus bekommen habe, fehlen nur noch drei Grafiken von Michel Van und der Klappentext. Beim letzten hoffe ich auf ihre Mitarbeit. Ich brauche zwei Texte: Den einen recht kurz für die Rückseite und einen längeren für die Buchkataloge. Das ist z.B. der, den sie auch bei Amazon lesen können. Wie das Buch so aussehen wird, sehen sie am Probekapitel. In dem Stil ist das Buch geschrieben, also eines für Raumfahrt-Fortgeschrittene oder welche die es werden wollen.

Zum Inhalt: Es gibt eine Einführung in die Technologien und verwendeten Treibstoffe, dann kommen abgeschlossene Kapitel über die Diamant, Black Arrow, Europa, Ariane 1, Ariane 2+3 und Ariane 4. Den Abschluss bildet die Beschreibung der Installationen in Kourou. Jedes Kapitel ist so strukturiert wie das Probekapitel, also mit einer Entwicklungsgeschichte, der Einsatzhistorie, einer technischen Beschreibung der Rakete und sofern zutreffend: Projektstudien. Den Abschluss bildet ein Typenblatt und eine Startliste. Hat da jemand einen Tipp für die Beschreibung (kurz/Langtext)?

Dienstag 16.6.2009: Sind Testpiloten die besseren Astronauten?

Wer einmal die Biographien von den Apollo Astronauten liest, der findet eines Gemeinsamkeit: Eine gewisse Abneigung gegenüber der 4.ten Gruppe aus Wissenschaftlern, die 1965 rekrutiert wurden. Sie vertraten die Meinung, Raumschiffe sollten durch Piloten, besser Testpiloten geflogen werden. Doch stimmt dies? Nun ein Argument ist dass Testpiloten einen kühlen Kopf auch in kritischen Situationen bewahren. Das mag so sein. Doch zum einen waren nicht alle Astronauten Testpiloten, sondern viele auch reguläre Piloten mit großer Erfahrung und zum anderen gab es während jedes ganzen Programmes kaum Situationen die ein sofortiges, reflexartiges Handeln erforderten: Im Gegenteil. Das Bestreben der Missionskontrolle war es solche Situationen zu vermeiden und Zeit zu gewinnen, auch um die Situation vom Boden aus zusammen mit der Mannschaft lösen zu können.

Das nächste Argument ist das Raumschiffe besser durch Piloten gesteuert werden, die sich mit solchen Systemen ja auch besser auskennen. Doch gerade hier zeigte die Wirklichkeit, dass dem nicht so wahr. Zum einen hatten die Raumkapseln recht wenig mit einem Flugzeug zu tun. Zu den Kontrollen die ein Pilot kannte, kamen mehr und mehr Schalter, Regler und Knöpfe. Im Apollo CSM sollen es über 300 in der Konsole gewesen sein. So viele, dass die Apollo 12 Besetzung einige Zeit brauchte als sie nach dem Blitzeinschlag einen Schalter umlegen musste und der wohl bislang nie in den Simulationen zum Einsatz kam.

Der zweite gravierende Einwand ist aber dass sich ein Raumschiff komplett anders fliegt als ein Flugzeug. Die ersten Erfahrungen gab es schon recht für im Gemini Programm, als McDivitt an die ausgebrannte Core 2 Stufe der Titan andocken sollte. Er machte es wie beim Flugzeug: Beschleunigen um den Abstand aufzuholen. Doch was passierte? Er entfernte sich von der Stufe und sie tauchte nach unten weg. Wer im Orbit beschleunigt erhält mehr Fliehkraft, weitet den Orbit zu einer Ellipse auf (Effekt 1: Core Stufe taucht nach unten weg, weil man einen höheren Orbit erreicht). Weiterhin bedeutet ein ausgeweiteter Orbit eine höhere Umlaufzeit - die Stufe hat auf dem niedrigeren Orbit eine höhere Umlaufgeschwindigkeit und umrundet die Erde schneller. Als Folge konnte die Stufe so nicht eingeholt werden. Der richtige Weg war abzubremsen, einen niedrigeren Orbit einzuschlagen wo man schneller war, bis man an der Stufe ankam und dann schnell den Orbit wählte. Das genaue Gegenteil wie beim Fliegen. Zu geringe Treibstoffvorräte und dadurch abgebrochene Manöver waren ein Dauerproblem bei Gemini, obwohl die Gemini Kapseln mehr Treibstoff als ein Space Shuttle hatten, der einen Teil dessen braucht um überhaupt den Orbit zu erreichen. Später gab es Computerunterstützung: Der Computer gab eine Vorgabe (Winkel und Betrag) und die Besatzung verfolgte Anzeige und hörte auf wenn sie auf Null sprang.

Bei Apollo hatte man nicht den Luxus, dass die Besatzung wertvollen Treibstoff mit ihren Flugkünsten verpulverte: IM CSM konnten die Astronauten noch die Programmnummer einrasten und dürften dann auf "Proceed" drücken - Das gesamte Manöver führte der Computer aus der die Geschwindigkeit, Vektor und die Zeit überwachte. Beim LM steuerte der Computer das LM über 8.5 Minuten bis es in 600 Fuß Höhe angekommen war. Dann  dürften die Astronauten übernehmen wenn sie wollten und den Endanflug durchführen - schon in geringer Höhe und geringer Geschwindigkeit angekommen. Beim Rückstart lief alles gesteuert durch den Computer. Mit fliegerischem Können hatte es gar nichts mehr zu tun.

Dabei wären bei den Apollo Missionen auf dem Mond durchaus Wissenschaftler von Nutzen gewesen um die besten Bodenproben zu finden. Für die Experimente benötigte man Ingenieure, aber diese Fachkenntnis konnten sich sowohl Piloten wie auch Wissenschaftler aneignen. Trotzdem schaffte es nur ein Wissenschaftler auf den Mond: Harrison Schmidt, bei der letzten Mondmission. Und dies auch nur durch massiven Druck seitens höherer NASA Ebenen, die den Eindruck verwischen wollten, Apollo wäre ein Selbstzweck. Drei weitere Wissenschaftler flogen auf Skylab mit und einer dieser dreien auch auf dem Space Shuttle.

Mittwoch 17.6.2009: Wundertreibstoffe

Gestern bekam ich eine Mail von Michel Van, der auch Grafiken für das Buch erstellt (wenn die letzten noch eintrudeln kann es in den Druck gehen Michel!). Die Frage:

letze Wochenende hatte ich ne Diskussion
Über neusten stand der Forschung, Besonders Super Chemie

wie Extrem dichtes Deuterium bis 130 kg /Kubikzentimeter
http://nextbigfuture.com/2009/05/university-of-gothenberg-making.html

im laufe der Diskussion kam diese Frage:
"warum verwendet man keine Flüssig Deuterium anstatt Wasserstoff ?"
Ich konnten Die nicht beantworten,

Ein Vorteil die Dichte liegt bei 162,4 kg/ Kubikmeter gegen 71 kg/
Kubikmeter
Aber bringt die Verbrennung, die gleiche Leistung wie bei Sauerstoff/
Wasserstoff ?



andere Super Chemie
Polymere Stickstoff (aka Stickstoff Diamant)
http://de.wikipedia.org/wiki/Stickstoff#Polymerer_Stickstoff
http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2004/pressemitteilung200408022/index.html

bei Übergang von Metastabil in normal zustand wird
5 mal mehr Energie frei als bei Explosion von TNT oder PETN

Was ist davon zu halten? Nun das erste ist leicht zu beantworten. Deuterium reagiert wie normaler Wasserstoff. Er liefert dieselbe Energie und erzeugt auch wasser, nur eben "schweres" Wasser, da ein Deuterium Atom doppelt so schwer ist wie ein normales Wasserstoff Atom. (Für Leute die es gerade nicht aktuell greifbar haben: Deuterium ist der Name eines Wasserstoff-Isotops mit der Atommasse 2, anstatt 1 beim normalen Wasserstoff). Der spezifische Impuls ist etwas geringer, weil die Atommasse größer ist. Damit kann man aufgrund der kinetischen Gastheorie errechnen, dass Deuterium einen um rund 5.4 % geringern spezifischen Impuls als Wasserstoff/Sauerstoff hat. Beim Vinci Triebwerk würde dieser z.B. von 4560 m/s auf 4326 sinken - auf Mittelmaß für H2/O2. Das dürfte das eingesparte Gewicht beim Tank (die heute längst nicht mehr so massiv sind wie noch vor 20 Jahren) leicht kompensieren. Darüberhinaus gibt es einen sehr guten Grund Deuterium nicht einsetzen: Die Gewinnung die nur durch physikalische Methoden möglich ist verteuert diesen Treibstoff enorm gegenüber dem Wasserstoff.

Zum Stickstoff: Diese neue Konfiguration ist nach den MP I Daten bislang nur bei 1.1 Millionen Atmosphären und 2000 Grad K erzeugt worden. Bei hohen Temperaturen und Drücken kann man Bindungen erzeugen die bei normalen Temperaturen instabil sind. Das ist nichts neues. So weiß man, dass Wasserstoff bei hohen Drücken metallisch ist. Alleine die hohe Energie die in der Bindung schlummert (nach MPI Veröffentlichungen 952 kJ/mol anstatt 160 kJ/mol beim normalen Stickstoff bewirkt, dass der Stoff instabil ist, denn jeder Stoff will ja in seinen energieärmsten Zustand übergehen. Es gibt auch einen vergleich: Ozon. Ozon ist eine Sauerstoffverbindung aus 3 Molekülen und hat mehr Energie gespeichert als der normale Sauerstoff. Daher ist es aber auch instabil. Schon in den sechziger Jahren wurde Ozon als "Supertreibstoff" propagiert. Aufgrund der Neigung zum Selbstzerfall geschah dies nie.

Ich glaube dass dieser Stickstoff schon weit unterhalb von Normaltemperaturen nicht mehr stabil ist. Selbst wenn er es wäre: Kann man dann die Reaktion kontrollieren? Würde nicht die Reaktion einiger Moleküle die anderen zum eigenzerfall anregen und es so eine Explosion geben?

Zum spezifischen Impuls ist zu sagen, dass so nette rund 792 kJ/Mol frei werden (952-160). Bei einer Atommasse von 28 sind dies 28.2 kJ/g. Das ist deutlich mehr als bei der Verbrennung von Wasserstoff und Sauerstoff (268.8 kJ/mol, Molmasse 18, -> 14.9 kJ/g). Doch das Stickstoffmolekül ist auch mit der Atommasse 28 schwerer als Wasser (Atommasse 18). Da davon auch der spezifische Impuls abhängt dürfte der nutzbare spezifische Impuls nicht doppelt so hoch sein. Analoge thermodynamische Bedingungen vorausgesetzt über dem Daumen gespielt etwa 50 % höher. Aber wie schon gesagt, ich glaube nicht daran dass polymerer Stickstoff in sp3 Konfiguration stabil ist.

Donnerstag 18.6.2009: Braucht eine Rakete einen Computer?

Eine der Phänomene heute, wo in jeder Waschmaschine ein Microkontroller drin ist, jedes Handy Gigabytes speichern kann, ist das viele sich gar nicht vorstellen können, das es vor einigen Jahrzehnten völlig ohne Computer ging. So auch bei den ersten Raketen welche Satelliten in einen Orbit beförderten. Wobei ich dies wirklich wörtlich ,einen will, denn es gibt natürlich noch die Möglichkeit den Computer aus der Rakete heraus zu nehmen und durch einen am Boden zu ersetzen, welcher aus Daten von Radar Verfolgungsstationen den Kurs berechnet.

Wie geht das? Nun vom Prinzip her ist es ganz einfach: Eine Rakete muss die Bahnhöhe für einen Orbit erreichen und sie muss die Geschwindigkeit für einen Orbit erreichen. Es gilt nun die Gesamtgeschwindigkeit zu optimieren. Zuerst muss die Rakete vertikal beschleunigen um eine so hohe vertikale Geschwindigkeit aufzubauen dass die Rakete mindestens die Gipfelhöhe erreicht in der später die Umlaufbahn verläuft. Diese Geschwindigkeit ist berechenbar nach den Gesetzen des senkrechten Wurfs. Theoretisch könnte man dann in dieser Höhe die Rakete um 90 Grad drehen und die Bahngeschwindigkeit aufbauen, die ja für den Orbit bekannt ist.

Nur ist das eine energetisch ungünstige Lösung. Energetisch günstiger ist es senkrecht zu starten und dann langsam in die Horizontale umzuschwenken, bis man sie erreicht hat und dann weiter zu beschleunigen. Die Aufgabe ist nun die, dass dies so erfolgen muss, die richtige Bahnhöhe erreicht wird, wenn die horizontale Beschleunigung erfolgen muss und gelichzeitig die untere, dichte Atmosphäre recht schnell durchflogen werden soll.

Doch es ist ein Problem das lösbar ist und aus einem recht einfachen Programm besteht:

Das ist mit sehr einfachen Schaltkreisen möglich. Die Zeitvorgabe können Uhren liefern, oder im Fachchinesisch "Timer". Das Umlenken kann man erreichen, indem man die Triebwerke um eine konstante Auslenkung schwenkt. Natürlich ist das keine flexible Steuerung - sie geht nicht auf Störungen ein und sie arbeitet bis der Treibstoff verbraucht ist und hat daher wegen der Reserven zwangsläufig elliptische Bahnen (wie auch die ersten Satelliten).

Doch das kann man korrigieren. Eine Kreiselplattform kann als Inertialsystem fungieren. Es liefert bei Bewegungen einen Strom, proportional zur Beschleunigung. Einfache elektronische Elemente können diese Werte integrieren und so Geschwindigkeiten und weg messen. Das Abschalten kann man machen indem man z.B. einen Kondensator mit der X-Komponente lädt und diesen Kondensator in einer Schaltung mit einem vorher gefüllten (mit der Sollgeschwindigkeit) abgleicht und bei gleich hoher Stromstärke einfach die Triebwerke abschaltet. Die Abweichungen in anderen Raumrichtungen kann man einfach invertieren und verstärken und als Stellglieder für die Triebwerkssteuerung nehmen - das sind einfach Feedback-Systeme wie sie schon im zweiten Weltkrieg für Autopiloten eingesetzt wurden. In der Tat ist diese ganze Steuerung analog zu verwirklichen und mit der Technologie der 40 er Jahre möglich. Schon eine A-4 wurde so gesteuert und die Gruppe um von Braun arbeitete auch an einer mehrstufigen Version, die einen Orbit erreicht hätte - mit derselben Steuerung.

Freitag 19.6.2009: Ich kann Kanzler!

So heißt eine Sendung im Zweiten. Ich habe sie nicht angeschaut aber in "Extra 3" wurde das Format ein bisschen aufs Korn genommen: Reden von Steinmeier wurden mit Fragen der Jury zusammengeschnitten. Das bringt mich auf das heutige Thema. Natürlich wird bei uns nie ein Kanzlerkandidat per Voting gesucht. Es wäre ja schon ein Wunder wenn die Partien nicht den jeweiligen Partievorsitzen zum Kandidaten wählen, sondern ein anderes Partiemitglied das zwar fachkundig wäre, aber nicht so bekannt. Von einem Quereinsteiger ohne Partiebuch, aber mit Sachverstand ganz zu schweigen.

Darin liegt die Crux: Jeder dieser Politiker will wiedergewählt werden. Schlimmer noch: Während der vier Jahren finden laufend weitere Wahlen statt. Landtagswahlen, Kommunalwahlen, Europawahlen.... Und was ist das natürlichste der Welt: Die Leute schauen auf ihre momentane Situation und nicht die Zukunft. Jeder Kanzler der anfängt die Probleme bei uns anzupacken - im Sozialsystem, Bildungssystem, bei der Staatsverschuldung, der Bürokratie und anderen Hemmnissen die sowohl die Bürger wie auch die Wirtschaft belasten, wird erst einmal auf Widerstand stoßen. Wird erst einmal für viele die Situation verschlechtern - die Folge: Seine Partei verliert Wahlen und er verliert Rückhalt. So ging es Schröder nach der Einführung von Harz-IV. Was ist die Folge: wer an der Macht bleiben will, macht am besten gar nichts oder verschenkt Geld. Wiederwahl auf Kosten der folgenden Generationen. So machte es Kohl, so macht es Merkel. Da wäre es vielleicht gar nicht so schlecht wenn mal jemand käme, der nicht wiedergewählt werden will, sondern nur mal den Stall in Ordnung bringen.

Also ich kann auch Kanzlern, zumindest habe ich Ideen, wie man bestimmte Probleme anpackt, wenn auch sicherlich nicht Lösungen für alles, doch das haben Merkel und Steinmeyer auch nicht. Also meine Vorschläge für zwei der dringendsten Probleme:

Wirtschaftkrise: Meine persönliche Meinung isst, dass der Staat in einer Krise sich genauso verhalten muss wie eine Privatperson. Wenn ihr Einkommen sinkt weil sie kurz arbeiten müssen: Geben sie dann das Geld mit vollen Händen aus um durch den Kauf von Konsumgütern die Wirtschaft zu stützen. Doch dies wird nicht möglich sein. Doch wenn der Staat Geld ausgibt, dann nur für Investitionen in die Zukunft: Anstatt die Automobilindustrie zu stützen, deren Produkte auf immer teurer werdendem Erdöl, einem endlichen Stoff basieren und die nicht fähig sind ihrer Produktpalette diesem Umstand anzupassen würde ich die Milliarden bereitstellen für Zuschüsse für Energieeinsparungen oder alternativen Energien: Zuschüsse bei dem Kauf von Photovoltaik anlagen, Solarkollektoren, Wärmepumpen. Zuschüsse für Dämmungsmaßnahmen und andere Maßnahmen zur nachhaltigen Energieeinsparung.

Bildungssystem: Das System von Bachelor und Master ist nicht per se schlecht. Es würde es erlauben sowohl die vielen Abschlüsse die es heute gibt zu vereinheitlichen wie auch den Wechsel zwischen den Hochschulen zu vereinfachen, z.B. indem ein FH Absolvent an einer Uni den Master anschließt, was heute nur bei wenigen Unis möglich ist. Dazu müssen aber ein paar Dinge geändert werden:


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