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Web Log Teil 118 : 28.6.2009-2.7.2009

Sonntag 28.6.2009: Da waren es einer weniger

Am Donnerstag ging es durch die Nachrichten: Sealaunch ist bankrott, kann aber seine Geschäfte unter dem Gläubigerschutz (Chapter 11) weiter führen. Ursache war aber diesmal nicht die Wirtschaftskrise, sondern ein Fehlstart im Januar 2007, der nicht nur die Rakete für Monate an den Boden fesselte, sondern auch dazu führte, dass viele Kunden zu Arianespace und ILS wechselten.

Das hat mich etwas verwundert, weil ich Sealaunch für den stärkeren Konkurrenten von Arianespace ansah. Aus mehreren Gründen: Die Startplattform erlaubt Starts mit einer Bahnneigung von 0 Grad - anders als bei der Proton - durch den Start von Baikonur aus beträgt die Inklination 52 Grad. Entweder kostet es Nutzlast die Inklination abzubauen oder man lebt damit und der Kunde benötigt mehr Treibstoff um die geostationäre Bahn zu erreichen. Weiterhin ist die Zenit moderner und transportiert bei 480 t Startmasse dieselbe Nutzlast wie die Proton mit rund 700 t. Zuletzt hatte Sealaunch vor dem Fehlstart mehr Starts aufzuweisen, war also geschäftlich erfolgreicher.

Die Tatsache, dass ein Fehlstart zu einem solch gravierenden Einbruch geführt hat, ist symptomatisch für den Markt: Er ist geprägt von einem Übergangbot an Trägern.  Weltweit werden etwa 15-25 Satelliten pro Jahr gestartet: Vor 10 Jahren waren es noch 30-40. Um diese rund 20 Starts bewerben sich derzeit vier Unternehmen: Arianespace, ILS, Sealaunch und die China Great Wall Industrie Corporation ("CGWIC"). Dazu kommen noch Lockheed mit der Atlas, Boeing mit der Delta, die ISRO mit der GSLV, Mitsubishi mit der H2A und SpaceX mit der Falcon. Anders als Arianespace CEO LeGall zähle ich diese nicht zu den derzeit aktiven Unternehmen, da es ihnen in den letzten 5 Jahren nicht gelungen ist einen Start durchzuführen. Dies sind zu viele Anbieter. Alleine Arianespace könnte mit 8 Starts 16 Satelliten transportieren. Rechnet man noch 4-6 Einzelstarts bei jedem der anderen Mitbewerber pro Jahr hinzu so würden die vier führenden Unternehmen rund 30 Starts pro Jahr durchführen können. Rechnet man alle Anbieter zusammen, so sind es rund 60 Starts pro Jahr - 3 mal so viele wie angeboten werden.

Gerade die beiden amerikanischen Firmen Boeing und Lockheed zeigen, dass heute der Markt extrem umkämpft ist: Sie bieten Träger an die zuverlässig sind. Sie haben einige Jahrzehnte Erfahrung auf dem Buckel und sie sind trotzdem nicht erfolgreich: Weil sie zu teuer sind. Heute muss alles stimmen, es darf keine Schwäche bei einem der wichtigen Punkte: Preis, Zuverlässigkeit und Service geben. Stimmt auch nur ein Punkt nicht ist man weg vom Fenster. Nun bei Zuverlässigkeit und Service kann Arianespace mithalten - aber beim Preis? Offiziell wird die Ariane 5 von Los zu Los preiswerter, doch addiert man die Preisnachlässe so müsste Ariane 5 für weniger als die Hälfte des ursprünglichen Preises starten. Und das ist nicht der Fall.

Wichtig wäre es also Ariane 5 Konkurrenzfähig zu erhalten - insbesondere unter dem Aspekt, dass mit der Sojus sie einen Konkurrenten für die kleineren Nutzlasten hat - Bis 3 t Gewicht dürfte die Sojus die Satelliten starten. bleiben also nur noch die mittelschweren und schweren Satelliten von 4-6.5 t Gewicht. Und da wird es ohne die leichten Gegenstücke schwierig einen Doppelstart durchzuführen. Derzeit können zwei Satelliten von 4.5 t Gewicht gleichzeitig transportiert werden. Doch was ist wenn einer 5.5 oder 6 t wiegt? Dann findet sich meist kein leichter zweiter Satellit. Mehr denn je ist es also nötig die Ariane 5 auszubauen. Was tut aber unsere liebe ESA? Sie verschiebt es um weitere 3 Jahre, hat aber 30 Millionen übrig um ein Triebwerk für die fernere Zukunft zu entwickeln. Stattdessen sollte man das verfügbare Geld für einen Zweck bündeln: Die ESC-B Oberstufe und wenn diese zur Verfügung steht kann man an die nächste Hochzeit gehen.

Wie sind nun die verbleibenden Konkurrenten einzuschätzen? Also ich beschränke mich auf die, die auch mal einen Satelliten gestartet haben und keine Papiertiger wie SpaceX. Die Proton ist etabliert, aber Russland macht keine Anstrengungen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Der neue Weltraumbahnhof wurde wieder aufgegeben, genauso die Einführung einer kryogene Oberstufe für die Proton und die Angara Entwicklung verläuft schon seit Jahren auf sehr niedrigem Niveau. Pläne für einen äquatornahen Startplatz wurden auch schon bald aufgegeben. Kurzum: Proton versucht so viel wie möglich zu verdienen ohne zu investieren.

China ist daher ein wesentlich gefährlicher Konkurrent: Sie bauen einen neuen äquatornahen Startplatz auf, sie entwickeln die Langer Marsch 5 mit einer Nutzlast welche mit der Ariane 5 konkurrieren kann - die alte Serie war auf maximal 5100 kg Nutzlast begrenzt. So hat China auch in den knapp 10 Monaten seit die CGWIC von der US-Liste für Unternehmen die keine US-Technologie starten dürfte wegfiel schon einige Aufträge ergattert, darunter der Start eines europäischen Eutelsates, was Arianespace sehr aufbrachte.

Soviel für heute. Ich habe mal eine Frage an meine Blog Leser: Hat jemand das Das Raketentypenbuch von Eugen Reichl? Ich habe nun schon die dritte Besprechung dieses Buches gesehen mit einer Bemerkung über die zahlreichen Rechtschreibfehler - das sieht irgendwie danach aus, als hätte jemand Inhalte meiner Website kopiert, denn mit der Rechtschreibung stehe ich ja auf Kriegsfuß. Könnte das mal jemand überprüfen?

Montag 29.6.2009: EADS und die ESA

Heute mal ein Thema das mir klar wurde als ich für mein letztes Buch recherchiere. Inspiriert wurde ich aber auch von einem Bericht in Frontal über EAD und die Eurofighter gesehen habe. Es geht darin im Kern darum, dass die Bundeswehr einen Übungsflug der Eurofighter nach Indien angesetzt hat - sehr komisch für ein Jagdflugzeug, dass diese Strecke nicht ohne mehrmaliges Auftanken und absolvieren kann und auch nicht für Langstreckenflüge ausgelegt ist. Dort sollen die Flugzeuge dann von EADS Testpiloten auf einer Flugschau vorgeführt worden sein um einen Auftrag zu ergattern. Gezahlt wurde von EADS nur die Flugstunden in Indien. Der viel längere Flug von Deutschland nach Indien, inklusive Tankflugzeugen und Begleitmannschaft nicht. Auf den Koten von 5.5 Millionen Euro blieb die Bundeswehr sitzen.

In einem anderen Falle war EADS bei der Lieferung von Eurofightern nach Österreich in Verzug, was Österreich zum Ausstieg aus dem Vertrag berechtigte. Nun bekam EAD von der Bundeswehr schon ausgelieferte Eurofighter zurück und lieferte diese an Österreich - die Bundeswehr wartet immer noch auf Ersatz für diese Flugzeuge.

In beiden Fällen (es wurden noch mehr genannt) wird also die Bundeswehr genutzt, um Kosten bei EADS zu senken. Das ist nicht das einzige Mal, dass mir diese Firma sehr negativ auffiel. Bei der Recherche zum Buch fiel mir auch auf, dass Meldungen in der Presse über Vorstöße für neue Trägerentwicklungen immer dann aufpoppen, wenn ESA Ministerratskonferenzen anstehen.

Beides macht in keinem Zusammenhang. Es macht keinen Sinn überhaupt über ein Projekt nachzudenken, bevor man nicht mal die laufende Entwicklung finanzieren kann. Selbst wenn es die ESC-B gibt, so gibt es noch weitere Maßnahmen bei der Ariane 5 um deren Nutzlast und die kosten zu steigern. Die Rakete ist nach ESA Angaben für 14-15 t in den GTO gut, und das in der derzeitigen Konfiguration (dass man einfach mit vier oder 6 Booster Lösungen, allerding anderem Schubverlauf als heute, ohne Problem die Nutzlast noch weiter steigern kann, brauche ich nicht auch noch erwähnen).

EADS ist übrigens die gleiche Firma, die es heute nicht fertig bringt die Rakete zu Preisen zu produzieren, die konkurrenzfähig sind. Ja ich sage EADS, obwohl die Firma natürlich zwar den Großteil der Ariane produziert aber nicht alles (Es gibt ja noch SNECMA, MT Aerospace und CASA uw.). Aber sie ist inzwischen auch Systemintegrator und damit für die Produktion im Ganzen verantwortlich. Von 2004 bis 2009 zahlte die ESA jedes Jahr 192 Millionen Euro als Subvention an die europäische Aerospace Industrie.

Wie Thomas in seinem Kommentar zum vorletzten Blog bemerkte: In Europa wartet die Aerospace Industrie darauf, dass der Staat alles vorfinanziert. Wenn es dann profitabel ist, dann investiert sie vielleicht selbst. Sobald es nicht mehr geht, ruft sie wieder nach dem Staat. Woanders ging es besser: In den USA wurden schon wenige Jahre nach Beginn der Raumfahrt die ersten privat finanzierten Kommunikationssatelliten gestartet. Anfang der achtziger Jahre wurden die ersten Unternehmen gegründet die private Raketenstarts anbieten wollten (bislang ohne Erfolg) und in den 90ern folgten die Unternehmen die Erdbeobachtungssatelliten bauten. Zeitweise war sogar mal von Raumsonden die Rede, bei denen dann nur noch die Instrumente von Wissenschaftlern stammen. Das diese Unternehmen durchaus auch einen staatlichen Markt anvisieren (wie er z.B. bei der Erdbeobachtung weitgehend gegeben ist) ist legitim: Aber sie verlangen nicht dass der Staat ihre Unternehmen auch noch vorfinanziert.

Bei uns ist es wirklich schlimm geworden. Inzwischen ist es soweit, dass Weltraumagenturen sogar die Handlanger der Industrie sind. Bei der Recherche zu Daten der Vega fand ich einen Vortrag vom damaligen DLR Referenten Dr. Volker Liebig in der er behauptete: dass die Vega die innereuropäische Solidarität zur Ariane gefährde: der Hintergrund: EADS Astrium ist beteiligt an der Vermarktung der Rockot. Eine nationale Raumfahrtagentur verteidigt also die Geschäfte eines Unternehmens damit diese keine Einbußen hinnehmen muss, wenn ganz Europa (ganz Europa? Nein ein kleines Dorf namens Deutschland beteiligt sich nicht an der Vega) eine Trägerrakete entwickelt. Ich könnte das noch verstehen, wenn es sich um eine deutsche Rakete handelt, aber es handelt sich um eine russische Rakete die auch in Russland gestartet wird. Das sichert keine deutschen Arbeitsplätze, sondern nur die Gehälter einiger Manager.

Ich gebe zu, dass ich von EADS nicht viel halte, das liegt vor allem auch an der Kommunikation mit Ihnen. Auf fast jeder EADS Website findet sich eine Kontaktadresse. Die habe ich in den letzten Jahren bei verschiedensten Projekten genutzt: Beim ATV, Ariane, bei diversen Satellitenprojekten. genutzt. Ich habe noch nie in al den Jahren Antwort bekommen. Beim ATV habe ich die Pressestelle kontaktiert wegen der Rechte an Bildern - Die Antwort kam nach sieben Wochen, als ich schon mit keiner mehr rechnete und das Buch in den Druck gegangen ist. Diesmal dasselbe bei Fragen zur Ariane 5. Als ich keine Antwort bekam, habe ich mich auch diesmal an die Pressestelle gewandt mit der Bitte um Vermittlung: Zwar kam eine Antwort von der Pressesprecherin, sie würde die Anfrage weiterleiten - aber das wars schon. Dabei habe ich diesmal betont, dass ich an einem Buch arbeite. Wenn also EADS die Öffentlichkeit so scheiss-egal ist, dann macht keine Kontakte auf dei Seiten. Schreibt vielleicht stattdessen hin "Vielen Dank lieber Steuerzahler für deine Milliarden"

Es muss sich einiges ändern: Nicht nur bei EADS, sondern auch bei der DLR und der ESA. 

Dienstag: 30.6.2009: Die ewige Diskussion über "man rated"

Wie ich einem Artikel über das Constellation Programm entnehme gibt es derzeit massive Vorschläge von Boeing und Lockheed ihre eigene Vorschläge für die Alternative zu Ares präsentierten. Sei sollen erheblich preiswerter als die Ares I werden - zwischen 3 und 6 Milliarden für die Delta IV Heavy. Die Ares I selbst ist mit einem Preisschild von 14.1-16.6 Milliarden Dollar versehen. Dabei entfallen die Hauptkosten bei diesen Alternativen auch auf das "man rated" machen der Träger.

Die Frage ist: Ist dieser aufwand nötig? Machen wir einen Abstecher in die Geschichte: Die Atlas und Titan waren weitgehend unveränderte Serienexemplare. Sie waren niemals für bemannte Einsätze ausgelegt. Die Saturn dagegen schon eher. Dei Sicherheit bekam die Rakete aber durch zwei Aspekte: Rigorose Qualitätssicherung und Redundanz. Die Saturn 1B war nicht so "verlässlich" eingestuft: Bei Skylab betrug sie nur 0.88 über die ganze Mission. Wichtig war es einen Fehler rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Dafür gab es das Designziel von 0.9973.

Die Auslegung findet man auch bei vielen anderen "alten" Trägerraketen: Wenn ein Fehler rechtzeitig bekannt ist kann die Besatzung mit dem Rettungsturm (frühe Phase) oder durch Zünden des eigenen Antriebs (spätere Phase) sich von der Rakete trennen bevor die Anomalie zur Katastrophe wird. Dies war die Designphilosophie bei allen Missionen auf Trägerraketen und bei den Russen musste auch mindestens zweimal der Fluchtturm bzw. die Abtrennung der Sojus durchgeführt werden.

Heute habe ich das Gefühl ist bei der NASA eine andere Philosophie am Werke: Nur überhaupt keine Risiken eingehen, koste es was es wolle. Daher wird die Ares so teuer und daher dauert es so lange. Dabei sind die Atlas und Delta an sich nicht unzuverlässig. Beide träger haben keinen gravierenden Fehlstart gehabt (Abweichungen in der Performance, aber nichts was die Besatzung hätte gefährden können) - und was ich der NASA besonders vorwerfe: Wenn mir die Sicherheit so am Herzen liegt, dann sollte ich keine Astronauten mit einer Sojus starten lasen, die eine Sicherheit von rund 97.5 % hat und ich für meine Missionen eine von 0.995 anstrebe.

Es ist aber auch symptomatisch, dass die Umrüstung der Delta und Atlas dann plötzlich auch so teuer ist - zwar immer noch billiger als die Ares aber immer noch Milliarden von Dollar kostend. Die Frage: Muss man für das letzte Quäntchen Sicherheit so viel Geld ausgeben?

Meiner Meinung nach nicht. Wenn ich die letzten Jahre passieren lasse dann kann ich mich an keinen Vorfall erinnern, bei dem man nicht die Gelegenheit hatte die Besatzung in Sicherheit zu bringen. Selbst bei der Explosion der Ariane 5 beim Jungfernflug 1996 war dies so. Die Rakete wurde gesprengt, als Brüche in der Struktur nach einer radikalen Kurskorrektur auftraten. Da gibt es zwei Ansatzpunkte. Zum einen kann man anstatt dem Selbstzerstörungssystem auszulösen auch die Kapsel abtrennen. (die auch robuster ist und nicht sofort Brüche bei starken aerodynamischen Kräften bekommt). Das zweite ist, dass die plötzlich durch einen Softwarefehler auftretende Veränderung der Position ein Fehler ist, denn ein Überwachungssystem entdecken kann - Positionen verändern sich stetig, aber nicht sprunghaft und schon an dieser stelle - vor der Kursänderung welcher zur Sprengung führte - könnte man die Kapsel absprengen.

Es gibt heute Möglichkeiten Triebwerke zu überwachen und rechtzeitig zu reagieren. Das ist auf jeden Fall bei Flüssigkeitstriebwerken wie bei der Delta IV Heavy möglich. Mit Einschränkungen auch bei Feststofftriebwrken. Wenn ich diese Möglichkeit habe, dann benötige ich aber keine absolute Sicherheit, die extrem teuer ist.

Das Problem bei der NASA ist die Öffentlichkeit: Passiert wirklich etwas so ist das öffentliche Echo so groß, dass es massive folgen für die NASA hat. So war es 1986, so war es 2003. Doch beide Unfälle passierten mit einem System bei dem es nicht die Möglichkeit gab die Astronauten schnell in Sicherheit zu bringen und das nicht inhärent sicher war - eine kegelförmige Kapsel z.B. dreht sich beim Wiedereintritt so, dass der Hitzeschutzschild nach unten zeigt, eine kugelförmige Kapsel wie bei der Sojus kann einfach an der ganzen Oberfläche mit einem Hitzeschutzschild versehen werden und ist sicher. So klappten auch einige unplanmäßige russische Landungen wie bei einem Woschod, als sich der Bus nicht richtig trennte und erst beim Erhitzen der Kabelverbindungen beim Wiedereintritt diese endgültig rissen.

Orion wird solche inhärente Sicherheit haben. Das sollte genug sein, vor allem wenn man wegen dem Ausmustern der Shuttle im Zeitdruck ist.

Mittwoch 1.7.2009: Vorbilder

Immer wieder stoße ich beim Lesen von Raumfahrtbüchern auf ein Vorwort oder eine Einleitung, die in etwa so geht "Meine Liebe zur Raumfahrt begann als ich die erste Mondlandung" sah. Von mir kann ich das nicht behaupten. Als Armstrong und Aldrin auf dem Mond landeten war ich vier und ich erinnere mich an kein Fernsehereignis aus dieser Zeit. Das früheste Erlebnis im Zusammenhang mit Fernsehen, an das ich mich erinnere ist die Eröffnung der olympischen Spiegel in München, drei Jahre später. Aber es leitet mich zu meinem heutigen Thema über: Vorbilder die einen in der Berufswahl oder bei Interesen beeinflussen. Anders als sie vielleicht vermuten, wollte ich nie Astronaut werden. Vielleicht weil ich schon als Kind wusste, dass ich schlecht sehe und so keine Chance hatte Astronaut zu werden (heute vielleicht schon, wo man sich einen Flug in all kaufen kann). Aber selbst wenn ich Bill Gates wäre - ich würde wohl dann eher einen eigenen Satelliten oder viel eher eine Raumsonde konstruieren lassen.

Das liegt darin, dass mich die Erkenntnisse der Weltraumforschung mehr interessieren als Leute die Weltraum her umschweben. Und dies liegt vielleicht auch daran dass ich von anderen Vorbildern geprägt wurde. Mir fallen hier zwei Personen ein: Hoimar von Ditfurth, der in den siebziger und 80-er Jahren die Sendung Querschnitte moderierte und einem Wissenschaft nahe brachte. Er schrieb auch Bücher, die allgemeinverständlich und spannend geschrieben waren, aber auch eine persönliche Note und seine Meinung enthielten.

Das zweite war Werner Büdeler. Werner Büdeler ist Raumfahrtjournalist gewesen und ich habe seine Fernsehsendung "Faszinierendes Weltall" geschaut und auch das Buch dazu verschlungen. Das war 1980, als ich über die Planeten zur Raumfahrt gekommen bin. Büdeler schreibt nicht nur spannend. Er versteht es auch Technik und Wissenschaft zu verweben und - die Fähigkeit fehlt mir - spannend zu schreiben und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.

Beide haben mich geprägt: Zum einen das Interesse für Wissenschaft und Technik. Zum andern vielleicht auch das Interesse am Schreiben, dass sich ja erst in der Website und nun auch in Büchern wiederfindet. Derzeit lasse ich zwar den Band 2 über Trägerraketen ruhen, um einfach mal etwas Abstand zum Thema zu gewinnen, aber schreiben tue ich immer noch: Ich habe mal angefangen jede Trägerrakete (genauer gesagt jede Subversion) in einem kleinen Artikel von 1-2 Seiten Text einem Typenblatt mit den wichtigsten Daten und einem Foto zusammenzufassen und das wird auch ein Buch (Projekttitel: "Raketenlexikon"). Das ganze hat für mich den Vorteil, dass ich daran recht kontinuierlich arbeiten kann wenn ich Zeit habe, ohne wie bei den anderen Büchern erst mich nach einer Unterbrechung einzulesen: Jedes Modell ist ein eigener Abschnitt von 3-4 Seiten Länge und das ist nebenher zu machen. So habe ich in den letzten Tagen die Thor und die Delta bis zur N Version ein gepflegt und ich denke das buch wird als nächstes erscheinen. Auch wegen des Umfangs (Bis jetzt mit Juno/Vanguard/Titan/Thor, Thor-Delta schon rund 100 Seiten) in mehreren Bänden, wobei Band 1 die amerikanischen Träger umfasst. Wenn ich in knapp einer Woche Urlaub habe und im Anschluss daran arbeitslos bin, kann es auch gut sein, dass die Publikationsfrequenz von jetzt einem Buch alle 5-6 Monate ansteigt.

Vielleicht wird einmal jemand schreiben: "Als ich die Bücher von Bernd Leitenberger gelesen habe, da habe ich die Raumfahrt für mich entdeckt". Aber ich glaube so gut wie Hoimar von Ditfurth oder Werner Büdeler werde ich nie werden.

Nun zu was anderem. Wie sicher einer gemerkt habe ärgert mich der Rummel um die Moon Hoaxer sehr. Zum einen dass die Medien auf so was eingehen, obwohl es schon genügend Dokumentationen gibt, die zeigen das die "Argumente" aus der Luft gegriffen sind. Zum anderen die Hoaxer selber. Ich reagiere sehr allergisch auf Dummheit. Nicht Dummheit im Sinne von fehlender Intelligenz, sondern Dummheit im Sinne von sich dumm stellen (vor allem bei Frauen verbreitet, dort heißt es dann "naiv") oder  wenn man fixiert auf eine Meinung ist und sich gar nicht die Mühe macht sich zu informieren. Und gerade das werfe ich den Moon Hoaxern vor: Ein paar ihrer Argumente sind so primitiv, dass man sie mit Alltagswissen erklären kann, so z.B. die fehlenden Sterne auf den Bildern. Diese Tatsache hat ja gar nichts mit dem Mondprogramm zu tun sondern kann auf der Erde auch beobachtet werden: Wenn sie bei Nacht den Sternenhimmel fotografieren und dabei eine Belichtungszeit wie beim Tag verwenden, also irgend etwas im Bereich von 1/30 bis 1/200 Sekunde, dann sehen sie auch keine Sterne. Die astronomischen Aufnahmen sind einige Minuten bis Stunden belichtet. Der hellste Stern ist viel zu lichtschwach für eine Belichtungszeit bei der man die Mondoberfläche sehen kann.

Noch schlimmer sind Traktate wie das, dass ich am Montag veröffentlicht habe. Es ist schließlich rund 40 KByte lang und mit Literaturhinweisen garniert. Aber es ist kein Beweis. Es steht viel drin über militärische Satellitenprogramme die geheim sind (oh welche Verwunderung! Erwarten Moon Hoaxer allen ernstes dass die USAF die Sowjets über ihre Spionagesatelliten informiert?) und dann kommt der große Sprung zu einem zivilen Programm (die NASA hat nie Spionagesatelliten gestartet) und es wird postuliert, dass die Saturn V militärtische Raumstationen gestartet haben. Beweise dafür werden nicht geliefert. Es wird nicht mal nachgeprüft ob diese wegen der Startmasse nicht so groß sind, das man sie mit bloßen Auge sehen kann, oder ob die (ebenfalls beim Start beobachtbare) Aufstiegsbahn überhaupt eine militärisch nutzbare Umlaufsbahn ergibt (die Saturn V starteten mit einem Azimut von 30 Grad, was zu einer Bahn zwischen -30 und +30 Grad Breite führt - Das ist schlecht zum Beobachten der UdSSR, Vietnams und des Warschauer Paktes.

Das ist Manipulation und Borniertheit und darüber rege ich mich auf, vor allem aber, dass die Medien diesem Phänomenen so viel Aufmerksamkeit zollen. Aber vielleicht ist das auch eine Chance. Damit kann man offensichtlich viel Geld verdienen, vielleicht eine Idee für das nächste Buch....Ach ja Buch, das vierte ist nun lieferbar. Ich hoffe es taucht auch in den nächsten Tagen bei Amazon auf. Dann bekommen auch die Korrekturleser ihr Gratisexemplar.

Donnerstag 2.7.2009: Die ersten Worte auf dem Mond

In wenigen Wochen jährt sich der Flug von Apollo 11 zum vierzigsten Male. Es wird wieder einige Dokumentationen und Spielfilme geben. Einer lief ja schon: Moonshot. Natürlich wird auch erneut ein Thema diskutiert werden: Die ersten Worte von Neil Armstrong auf dem Mond "A small step for men, but giant leap for mankind". Über diese Worte und den Ursprung. Es gibt die unterschiedlichsten Theorien dazu: Die Extreme sind: Der Spruch fiel Neil Armstrong spontan ein und die Worte wurden vom NASA Management gewählt und Neil dürfte keine anderen sagen.

Beides ist nach meinen Recherchen unwahr. Die übereinstimmendste Version, die ich von verschiedenen Büchern gelesen habe, (wobei man natürlich auch nicht weiß wer von wem abgeschrieben hat) ist diese: Die NASA wusste natürlich, dass die erste Mondlandung ein Ereignis sein würde, dass in die Geschichtsbücher eingeht. Sicher gab es dort Vorstellung, was Neil Armstrong sagen könnte. Es gab aber keine Anweisung oder gar eine vorgefertigte Verlautbarung. Neil Armstrong wurde aber auf die Bedeutung des Momentes von Deke Slayton hingewiesen und dass er die Worte gut wählen sollte. Verschiedene Versuche, die Worte vorher aus ihm herauszulocken, scheiterten. Noch heute ist Armstrong einer der Astronauten die kaum über ihre Mission reden.

Verschiedene Astronauten berichten, das es keine Vorschrift gab. Das passt auch nicht zur NASA, die sonst den Astronauten viele Freiheiten ließ und bei der Missionsplanung auf maximale Entscheidungsfreiheit der Besatzung achte (ich lese gerade das Buch Digital Apollo: Human and Machine in Spaceflight (Inside Technology) und da wird klar wie komplex die Entscheidungswege waren und wie sich das Design des Computers und der Software sich wandelte, aufgrund der Anforderungen der Missionsplanung änderte (Es war zuerst an eine weitaus passivere Rolle gedacht und bis zuletzt gab es den Vorschlag doch eine Mondlandung unbemannt durchzuführen um das Abstiegsprogramm zu testen - wegen der Folgen auf das Programm wenn diese misslang wurde das nicht ernsthaft erwogen).Pete Conrad wettete mit einer Journalistin sogar, dass er genau einen Satz sagen würde - bekam diese aber nie wieder zu sehen.

Was aber auch gesichert ist, ist das Neil Armstrong die Sache anders sah: Für ihn waren die ersten Worte nach der Mondlandung die bedeutungsvolleren. Schließlich war diese der riskanteste Teil des Unternehmens. (Auf einer Skala von 1-10 für das Risiko taxierte Armstrong den "Moon Walk" als 1 und die Landung als 13!). Daher hatte er sich Gedanken über die Worte nach der Landung gemacht und hier auch jemanden eingeweiht: Charles Duke, der vorgesehen war als Capcom für die Mondlandung. Schließlich musste Charlie Duke mit dem "Tranquality Base: The Eagle has landet" etwas anfangen und es korrekt wiedergeben, auch wenn die Verbindung verrauscht und vielleicht unverständlich war.

Doch wie sieht es mit den Sätzen auf dem Mond aus? Nach eigenem Bekunden hat sich Neil erst nach der Landung, vor dem Ausstieg wieder darüber Gedanken gemacht, als die Spannung abfiel und das Ereignis anstand. Ist das glaubhaft? Ich denke ja. Dazu passt auch, dass er einen Fehler machte: Es fehlt ein "a" (A small step for a man, but a giant leap for mankind" - unwahrscheinlich wenn sich jemand diesen Satz sehr lange überlegt hat und vielleicht sogar geprobt, damit er auch gut klingt. Ehrlich gesagt für mich klingt es eher so wie schnell raus gesprochen, damit es vorbei ist.

Soviel für heute. Morgen geht es um die UFO Sichtungen der Apollo 11. Ach ja: Die ersten Worte auf dem Mond waren andere: Wenn man den Kontakt der Landebeine als Landung interpretiert so ist alles nach Aldrins "Contact Light" technisch gesprochen schon von der Mondoberfläche:

102:45:40 Aldrin: Contact Light.

102:45:43 Armstrong (on-board): Shutdown

102:45:44 Aldrin: Okay. Engine Stop.

102:45:45 Aldrin: ACA out of Detent.
102:45:46 Armstrong: Out of Detent. Auto.

Das Attitude Control Assembly war einer der "Joysticks" mit denen die Astronauten über den LGC das Triebwerk steuerten. Er musste deaktiviert werden, damit nicht die Lageregelungsdüsen ansprangen um eine vermeintliche Fehlausrichtung zu korrigieren.

102:45:47 Aldrin: Mode Control, both Auto. Descent Engine Command Override, Off. Engine Arm, Off. 413 is in.

In Adresse 413 des AGS (Apollo Guidance System) stand die Höhe. Mit dieser Anweisung überschrieb Aldrin eventuell falsche Daten des eigenen Navigationssystems auf Basis von Gyroskopen. So wusste nun der Bordcomputer, falls es einen Not stärt geben sollte, dass sich die Eagle auf Höhe 0 befindet, selbst wenn vielleicht die Gyros etwas andere Werte liefern (diese mussten in regelmäßigen Abständen neu kalibriert werden).

102:45:57 Duke: We copy you down, Eagle.

102:45:58 Armstrong (on-board): Engine arm is off. (Pause) Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed.

So, das war aber genug Klugscheisserei für heute. Wer es noch genauer wissen will: Das ganze Transscript findet sich auf der für Moon Hoaxer verbotenen Website Apollo Surface Journal.

Freitag 3.7.2008:


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