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Web Log Teil 119 : 3.7.2009-7.7.2009

Freitag 3.7.2009: "Program Alarm"

1202 AlarmMit diesen Worten begann ein Vorfall bei der Apollo 11 Landung, den ich in meiner kleinen Serie "40 Jahre erste Mondlandung" besser beleuchten will. Fangen wir mal an mit der Sicht, welche die Öffentlichkeit mitbekam. Hier der Mitschnitt der Kommunikation:

102:38:26 Armstrong: (With the slightest touch of urgency) Program Alarm.

102:38:28 Duke: It's looking good to us. Over.

102:38:30 Armstrong: (To Houston) It's a 1202.

102:38:32 Aldrin: 1202. (Pause)

102:38:42 Armstrong (on-board): (To Buzz) What is it? Let's incorporate (the landing radar data). (To Houston) Give us a reading on the 1202 Program Alarm.

Erst rund 10 Sekunden später bekam Armstrong die Antwort mit dem Abstieg weiter zu machen (genauer gesagt: Zu diesem Zeitpunkt steuert der LGC (Lunar Module Guidance Computer) noch voll automatisch, die Crew kontrollierte nur die Ausgaben und verglich sie mit Landepunkten die sie zu einer bestimmten Zeit überfliegen sollte).

102:38:53 Duke: Roger. We got you...(With some urgency in his voice) We're Go on that alarm.

Dieser Alarm taucht nochmal auf:

102:42:19 Aldrin: Program Alarm. (Pause) 1201

102:42:24 Armstrong: 1201. (Pause) (On-board) Okay, 2000 at 50.

102:42:25 Duke: Roger. 1201 alarm. (Pause) We're Go. Same type. We're Go.

Als bei

102:43:15 Armstrong (on-board): I'm going to...

Armstrong die Steuerung mit dem Einrasten von P66 auf semiautomatisch umstellt (nicht, wie immer behauptet wird, auf manuell - keine der Mondlandungen benutzte diesen Modus) verschwinden die Programmalarme. Dafür hat die Besatzung nun das Problem, dass sie ihren Landeplatz um 4 Meilen verpasst hat und einer mit Felsen übersäten Gegend herunter kommt.

Soviel zu dem Vorkommnis selber. Nun die Einschätzung aus dem Kontrollzentrum. Dort hatte Steve Bales die Einschätzung weiter zu machen weiter gegeben. Er hatte vor sich eine Karte, in der stand welche Programm Alarme einen Abbruch bedeuten und welche nicht, soweit die Erklärung. Der 1201 und 1202 Programmalaram bedeuteten eine Überlastung des Bordcomputers, der nun neu startete und nieder priorisierte Tasks verwarf, darunter die Anforderung von Aldrin den DeltaH Wert auszugeben, die letzte Aktion, die diesen Alarm auslöste.

Steve Bales hatte diese Tafel geschrieben, nachdem einen Monat vorher bei einem Training der Flugkontrolleure die Programmalarme durchgespielt worden waren und Gene Kranz bei einem 1201 Fehler den Abbruch der Mission anordnete - zu Unrecht, wie er später von den SimSups erfuhr. Was ihn (wie er in seiner Autobiografie schreibt) besonders ärgerte ist, dass er, der so viel Wert auf Missionsregeln legt, eine der Grundlegenden Regeln gebrochen hatte: Es musste neben dem Alarm auch eine Abweichung geben - also die Kontrolle musste verloren sein oder etwas musste nicht mehr funktionieren, damit die Landung abgebrochen wird. Darauf hin gab es eine Revision der Regeln, die auch in die Bücher wanderte. Steve Bales hatte durch seine zusätzlich angefertigte Karte den schnellsten Zugriff, und konnte so als erstes die Antwort geben. Man wusste also in der Flugkontrolle, dass dieser Alarm nicht kritisch war.

Was jedoch unklar war, war die Ursache. Nach der Landung bekam das MIT IL, welches den LGC und seine Software entwickelte, einige Anrufe von der NASA, die sicher gehen wollte, dass der Fehler nicht nach der Landung beim Rückstart auftrat. Es zeigte sich, dass die primäre Ursache war, dass das Rendezvous Radar von Aldrin aktiviert worden war. Aldrin wollte sicher gehen, dass es funktionieren würde, wenn er es im Falle eines Abbruchs brauchte und hatte dies auch vorher mit dem MIT geklärt. Die Vorgehensweise stand auch im Buch für die Abstiegsprozeduren. Doch anders als im Simulator, wo der Switch keine Bedeutung hatte, wurde nun das Radar aktiviert. Das verursachte an und für sich auch nicht das Problem. Das Landeradar war auch zusammen mit dem Computer getestet worden. Er musste eigentlich in dem gewählten Modus die Daten nicht verarbeiten, sondern nur auslesen. Das Problem war, dass anders als beim MIT wo dies getestet wurde, Radar und Computer an einer Stromversorgung hingen und die Phasen dieser nicht abgestimmt worden waren. Das dies ein Problem bedeuten konnte, war schon 1968 bemerkt, aber nicht korrigiert worden. Das führte dazu, dass Zähler im LGC unkontrollierbar inkrementiert und dekrementiert wurden, als er versuchte die einkommenden Daten zu synchronisieren. Das verursachte 15 % zusätzliche Last. Der LGC war ausgelegt für 85 % Maximallast - nun war er bei 100 %. Eine weitere Anforderung konnte nun zu einer Überlastung führen. In diesem Falle war es Aldrins Anweisung den DELTAH Wert auszugeben.

Doch war die Mission gefährdet? Nein. Der LGC war so programmiert worden, dass eine BAILOUT Routine nun aktiv wurde. Sie startet ihn neu und er verwarf dabei alle niedrig priorisierten Tasks - Der LGC war für seine Zeit extrem modern in der Programmierung: Er hat eine Prioritätensystem, das dafür sorgte, dass er niedrige priorisierte Aktivitäten erst nach den wichtigen Berechnungen ausführte. Weiterhin war eine Anforderung der NASA gewesen, dass man ihn im laufenden Betrieb jederzeit neu starten konnte und er an den Stellen weiterarbeitete, an denen er vorher war - das machte beim Softwaredesign einige Probleme - aber hier bewährte es sich. Der LGC (im heutigen Sinne vergleichbar mit einem Microcontroller) startete im Bruchteil einer Sekunde neu. Die Besatzung merkte keinerlei Beeinflussung des Kontrollverhaltens. Nur die Anzeige von (nicht für die Landung relevanten) Daten fror kurz ein. Die wichtigsten Angaben wie Höhe, Winkel, Geschwindigkeit wurden laufend aktualisiert. Nun ja, eine Einschränkung gab es: Die DELTAH Anforderung von Aldrin wurde ignoriert. Die Bodenkontrolle übermittelte ihm nun die Werte. Sobald Armstrong die Handsteuerung übernahm und den semiautomatischen Modus aktivierte, ging die Arbeitslast des Computers zurück und es gab keine Überlastung mehr.

So war die Lösung relativ einfach: Beim Aufstieg musste das Rendezvous Radar nur in den aktiven Modus gestartet werden, bei dem der Bordcomputer die Daten verarbeitete. Bei diesem konnte der Synchronisationsfehler nicht auftreten. Folgende Missionen sollten dann auch eine Synchronisation der Phasen der Stromversorgung bekommen.

Die gesellschaftliche Bedeutung des Vorfalls ist aber das genaue Gegenteil dessen, was tatsächlich passierte: Steve Bales bekam zusammen mit den Astronauten einen Tapferkeitsorden (stellvertretend für die Flugleitung) weil er die Mission vor dem Scheitern bewahrte. In der Folge erscheinen viele Artikel welche das eingreifen von Menschen rühmten der die Mission rettete, während Computerfehlern sie fast zum Scheitern brachten. (Wahlweise Steve Bales oder Armstrong). Dabei ist nichts weiter von der Wirklichkeit entfernt. Bis heute hält sich diese Vorstellung (ich verweise hier auch mal auf einen Kommentar von Michel van zum Blog).

Da ganze hatte gesellschaftlichen Einfluss. Als ich meine ersten Computererfahrungen machte galten "Computerfehler" noch aus beleibte Ausrede. So nach dem Motto: Computer sind fehleranfällig, fallen aus und sind blöd. Meine Erfahrung ist eine andere und seit ich selbst eine Vorlesung in der Programmiersprache Delphi halte bringe ich meinen Studenten bei: "Der Computer macht nicht was Du denkst, sondern was Du programmierst" und "Wer Blödsinn programmiert wird Blödsinn bekommen".

Samstag 4.6.2009: UFO Alarm

Nach 3 Tagen im All sah Aldrin aus dem Fenster und er sah etwas komisches. Es war heller als jeder Stern und es war nicht ganz punktförmig wie es Sterne sind. Es sah aus wie ein Zylinder. Als er es durch das Teleskop betrachtete (Gedacht für die Navigation hattte die Columbia zwei Teleskope mit zweifacher und 28 facher Vergrößerung an Bord) sah es aus wie ein "L". Aldrin schätzte es auf 100 Meilen entfernt. Er machte Collins und Armstrong aufmerksam und sie sahen es auch. Nun entbrannte eine Diskussion was es ist und wie man die Bodenkontrolle fragen könnte. Schließlich hörten Millionen von Menschen den Sprechfunkt mit. Die wahrscheinlichste These war, dass es die ausgebrannte S-IVB Oberstufe war, die auch einen Mondkurs einschlug. Nach dem TLI (Translunar Injection) entfernte sich aber zuerst Apollo 11 von der S-IVB, führte später auch noch einige kleinere Kurskorrekturen durch und die S-IVB selbst entlies den Treibstoff durch das Haupttriebwerk, wo er zwar nicht verbrannte, aber durch die heiße Brennkammer verdampfte und so auch noch einen kleinen zusätzlichen Schub erzeugt - die S-IVB würde somit einen anderen Kurs als Apollo 11 einschlagen und in eine Sonnenumlaufbahn gelangen. So nach 2 Tagen, 12h, 45 min und 46 s kam folgende Anfrage von Neil Armstrong:

060:45:38 Armstrong: Houston, Apollo 11.

060:45:41 Duke: Go ahead, 11. Over.

060:45:46 Armstrong: Do you have any idea where the S-IVB is with respect to us?

Das schien unverfänglich genug zu sein und in der Tat hat in Houston niemand kapiert was hinter dieser Anfrage steckte. So wurde dies auch so kommentiert:

060:45:50 Duke: Stand by.

"PAO: This is Apollo Control at 60 hours, 47 minutes. We just got a call from the spacecraft requesting that we give them the position of the S-IVB in respect to the spacecraft and we're currently coming up with that bit of information, so we'll stand by."

Nach 3 Minuten kam die Antwort:

060:49:02 Duke: Apollo 11, Houston. The S-IVB's about 6,000 nautical miles from you now. Over.

060:49:14 Armstrong: Okay. Thank you.

Doe S-IV B war also über 11000 km von Apollo 11 entfernt sie konnte es nicht sein. Doch was war es dann?

Die Apollo Besatzung vermutete nach dem Flug es wäre ein SLA - Die Abkürzung steht für "Saturn Lunar Adapter". Zwischen S-IV und dem CSM befanden sich 4 SLA, welche die Mondfähre umgaben. Als sich das CSM sich abtrennte wurden die 4 SLA abgetrennt und die Mondfähre lag frei und konnte angekoppelt werden. Jedes der vier Teilstücke war ein gebogenes Trapez in Form eines Viertelkreises. Es hatte einen Durchmesser von 3.91 am Service Module und 6.60 m an der Basis und eine Höhe von 8.5 m.

Nun kann es ein SLA sein, dass die Astronauten gesehen haben? Zuerst einmal die Entfernungsschätzung von 100 Meilen ist bedeutungslos - wie will man im Weltraum eine Entfernung schätzen? Es gibt keine Vergleichsmöglichkeit. Aber nehmen wie mal an, es wären tatsächlich 100 Meilen (161 km) gewesen. Dann würde ein Element von 8.5 x 5.2 m (Mittel aus 3.9 und 6.6 m Breite) Größe bei 80 % Reflexionsgrad müsste eine Helligkeit von -3,2 Mag bei 161 km Entfernung besitzen (abgeleitet aus den Werten des Vollmondes mit -12.6 mag und 12 % Reflexionsfähigkeit).

-3,2 Mag ist in der Tat heller als jeder Stern, nur die Venus kann mit -4,4 mag noch heller werden. Ein SLA könnte es also gewesen sein, wenn diese Entfernung von 100 Meilen stimmen würde. Anders als die Saturn IVB Stufe ändert es seinen Kurs nicht nach der Abtrennung. Trotzdem sollte Apollo 11 durch die Midkurs-Korrekturen sich von den SLA nicht nur in der Horizontalen entfernt haben, sondern auch in der Bahnrichtung. so fand am ersten Tag eine Kursveränderung um 5.2 m/s statt - Über 40 weitere Stunden müsste Apollo 11 rund 75 km in der Bahnrichtung von jedem SLA entfernt haben - diese müssten nun hinter dem Fahrzeug sein.

Trotzdem spricht viel dafür, dass es ein SLA war, denn sie S-IVB ist zwar größer, aber in 6000 Meilen Entfernung sicher nicht mehr so hell. Über das Objekt selbst ist sich die Besatzung nicht ganz einig. Im Teleskop sah es aus wie ein Zylinder (Aldrin) oder zwei verbundene Ringe (Armstrong). Aldrin ist sich sicher bei der Rotation einen Hohlzylinder gesehen zu haben, was für eine S-IVB spricht. Die S-IVB hat eine Länge von 17,8 m bei einem Durchmesser von 6.6 m. Aus rund 11100 km Entfernung wäre sie nur noch 0,12 x 0,32 Bogensekunden groß, was deutlich unter der Auflösung des menschlichen Auges liegt. Selbst mit 28 facher Vergrößerung (durch das Teleskop) hat das Auge nur eine Auflösung von rund 2 Bogensekunden. Die Besatzung hätte es mit Sicherheit nicht als ausgedehntes Objekt wahrnehmen können. Ein SLA in 100 Meilen Entfernung wäre dagegen mindestens 6. Bogensekunden groß gewesen - Deutlich über der Auflösung des Auges bei 28 facher Vergrößerung. So spricht vieles für ein SLA in naher Entfernung. Die 100 Meilen (es können auch 50 gewesen sein, aber bestimmt nicht 200) sind dann sogar eine gute Schätzung.

Wer es genau nachlesen will. Der tue es hier. Man suche nach "Do you have any idea where the S-IVB is with respect to us?"

So bleibt nur die Lösung SLA (diese sind aber nicht zylinderförmig) oder, ich wage es kaum auszusprechen - wollten tatsächlich die Außerirdischen, von denen Buttlar und Däniken seit Jahrzehnten sprechen, nun endlich auch die Mondlandung life beobachten. Könnten wie sie nicht mal kontaktieren? Es gibt noch jede Menge Leute auf der Erde, die behaupten wir waren niemals auf dem Mond....

Nun zu etwas anderem. Als ich Chemie studierte war eine der wichtigsten Aufgaben mich Murphys Gesetz vertraut zu machen. Es gibt da auch einige sehr lustig zu lesende Sammlungen. An einen Murphy Spruch musste ich mich gestern erinnern: "Wenn Du ein Buch schreibst und es zum ersten Mal aufschlägst wird die Seite die Du siehst die sein, die den größten Fehler enthält". Ja genau so kam es. Nicht beim vierten Buch, aber beim Manuskript des Buchs: Ich habe gestern Thilo Kranz von der DLR einen Auszug geschickt über die H-8 Stufe und das HM-7, da ich noch Daten zur ESC-A und B suche, um ihm zu zeigen welches Niveau ich einschlage und was wichtig wäre. Und siehe da - eine Schnittzeichnung das HM-7 ist um 1.5 cm verrutscht. Verrutschende Bilder sind ein Dauerärgernis bei OpenOffice. Selbst beim erneuten Öffnen kommt es vor, dass ein Dokument durch verrutschte Bilder und daraus entstehende Leerseiten schnell mal 12 Seiten länger ist. Allerdings hat sich bislang noch keines in der horizontalen verschoben.

Ich hoffe beim fünften Buch werde ich davon verschont bleiben. Das fünfte unterscheidet sich von dem vierten: Es ist nicht Band 2 über Europäische Trägerraketen - der erscheint auch noch dieses Jahr. Es ist Band 1 des Raketenlexikons, der alle Trägerraketen kurz behandelt. So eine Art Kurzzusammenfassung der Website, nur besser (auf das wesentliche reduziert, besser geschrieben, übersichtliches Typenblatt, tolle ganzseitige Bilder). Weil ich das Rakete für Rakete machen kann komme ich enorm schnell vorwärts. Es sind schon 166 Seiten im Groben geschrieben und ich habe Titan und Delta hinter mir. Nun noch Scout, Atlas und die neuen US Raketen und es ist stoffmäßig fertig und ich kann es redigieren. Ich bin daher sehr optimistisch, dass es in 2-3 Monaten erscheinen wird. Wie der Titel andeutet wird es noch Band 2 (Russische Trägerraketen) und Band 3 (Asiatische und Europäische Trägerraketen) erscheinen.

Wie genau navigieren Computer?

Eine der Entwicklungen zwischen Mercury und Apollo, ist die zunehmende Bedeutung von Computern. Bei Mercury spielten Sie eine gewisse Rolle am Boden. Doch die Missionen waren so kurz, dass sie vorwiegend zur Datenaufbereitung dienten, wobei auch hier das meiste noch analog geschah. In der Kapsel selbst gab es analoge Schaltkreise. Der Pilot selbst konnte jedoch nicht viel machen. Im wesentlichen konnte er die Steuerdüsen direkt steuern, wobei es aber auch noch ein automatisches System gab, dass im Zweifelsfall von der Bodenkontrolle ausgelöst werden konnte. Trotzdem gab es einige Konfusion, als Carpenter sehr viel Treibstoff bei Manövern verbrauchte, welche die Bodenkontrolle als "überflüssig" ansah.

Bei Mercury hatten die Astronauten noch wenig Einfluss auf das Design der Kapsel. Da die Rekrutierung der Astronauten erst nach dem Programmbeginn erfolgte. Sie konnten immerhin einiges durchsetzen, denn ursprünglich sollte die Kapsel keine Fenster haben und die Astronauten sollten nicht selbst steuern können. Trotzdem sprachen die Mercury Astronauten von sich als "Passagiere".

Bei Gemini hatten die Piloten eine viel wichtigere Rolle. Sie waren wirklich "Herr ihres Raumschiffs" und steuerten alle Manöver selbst nach Abtrennung von der Titan. Doch es zeigte sich auch, dass Pilotenfähigkeiten hier nichts nützten - Die Bewegung im Orbit gehorcht anderen Gesetzmäßigkeiten als der Flug auf der Erde. Bei den frühen Missionen war der Treibstoffverbrauch zu hoch und es mussten Kopplungsmanöver oder Orbitänderungen gestrichen werden, weil die Vorräte knapp wurden. Doch Gemini hatte auch den ersten Bordcomputer an Bord. Seine Kapazität und Rechenleistung war noch begrenzt, doch er entpuppte sich als wertvolle Ergänzung. Sieben Programme standen zur Verfügung und eines davon lieferte die Vektordaten für die Kopplungsmanöver und überwachte die Steuerung durch die Astronauten, die nun nur noch die Anzeige auf dem Display "Nullen" mussten. Später kam zu dem Bordcomputer mit seinem begrenzten Speicher noch ein Bandlaufwerk hinzu, das weitere Programme aufnehmen konnte. Der erste Einsatz dessen war bei Gemini 8. Dort bewährte es sich gleich bei der Notlandung.

Der Einsatz von Computern war ein wichtiger Punkt bei Gemini. Im Laufe der Mission sollte er immer mehr Aufgaben durchführen. Die letzten Missionen setzten den Computer z.B. zur Steuerung der Landung ein und er steuerte die Kapseln genauso präzise wie die Astronauten ins Zielgebiet. Eine Lehre von Gemini war, dass der Computer die Besatzung bei Routinetätigkeiten entlasten konnte und die Steuerung durch den Computern nicht denen von Menschen unterlegen ist.

Apollo versuchte einen Ausweg aus einem Dualismus zu finden: Zum einen war der Computer integraler Bestandteil der Mission. Ohne den Computer (in identischer Ausführung, aber unterschiedlichen Programmen in der Kommandokapsel und dem Mondlander) wäre die Mission nicht möglich gewesen. Auf der einen Seite gab es die Möglichkeit die Mission voll durch den Computer fliegen zu lassen, die auch anfangs vorgeschlagen wurde. Auf der anderen Seite sollten die Astronauten so viel Verantwortlichkeit wie möglich haben. Das hätte aber eine enorme Arbeitslast bedeutet. Es gab einen Kompromiss: Die Astronauten konnten in jeder Phase selbst steuern. Deiser manuellen Modi wurden allerdings nie genutzt, stattdessen beim Abstieg oft die semiautomatischen Modi, bei denen die Astronauten z.B. die Vorwärtsbewegung des Mondlanders übernahmen, die Sinkgeschwindigkeit aber vom Computer gesteuert wurde, oder sie beides kontrollierten, die räumliche Lage aber durch den Computer beibehalten wurde und er die Lageregelungsdüsen steuerte.

Beim Kommandomodul erfolgten alle Kurskorrekturen nach den Gesetzen der Orbitalmechanik und wurden vollständig durch den Computer gesteuert. Die Rolle der Astronauten hatte aber noch einen weiteren Aspekt: Obwohl technisch möglich, übermittelte die Bodenkontrolle keinerlei Daten direkt in den Computerspeicher. Alle Navigationsdaten wurden den Astronauten mündlich übermittelt, diese schreiben sie auf, lasen sie laut vor und tippten sie dann ein. Das führte dazu, dass bei Apollo 13, als Notfall Prozeduren fällig waren, sehr schnell das Papier im Raumfahrzeug zu Ende ging.

Eine Kontroverse war, ob die Mondmission nicht völlig automatisch geflogen werden konnte. Die Astronauten hatten zwar interne Navigation auf Basis von Gyroskopen und konnten zusätzlich mittels eines Sextanten, gekoppelt an ein Teleskop Fixpunkte anvisieren und anhand derer navigieren (und die Gyroskope, die einen Drift hatten, neu eichen), aber während das Apollo Programm fortschritt, führte man am Boden die Methode der Dopplersignalvermessung ein und Ende der sechziger Jahre war es schon möglich die Position eines Raumschiffs damit von der Erde aus wenige 10 m genau zu bestimmen und die Geschwindigkeit auf unter 1 m/s. So gab es auch Vorschläge, die Mondlandung unbemannt durchzuführen - ohne Astronauten, so wie auch die Apollo Kapsel unbemannt getestet wurde. Es hätte Sicherheit gegeben und Fehler aufzeigen können. (Die unbemannte Landung hätte natürlich nicht die bemannte ersetzt, sondern wäre dieser als Erprobung vorrausgegangen). Das Hauptargument dagegen, dass seit Apollo 1 in der Luft schwebte, war dass ein Scheitern einer solchen unbemannten Landung zu einem Einbruch bei der Unterstützung des Programms im Kongress und damit zum Streichen von Flügen führen könnte oder es weitere teure Verzögerungen für Nachbesserungen geben könnte.

Apollo 12 FoodprintApollo 11 schien zu beweisen, dass der Mensch die Landung durchführen muss. Apollo 11 kam um mehr als 6 km vom Kurs ab, wobei sich dies schon in der ersten Phase des Abstiegs zeigte, als Armstrong bemerkte, das charakteristische Landmarken zu früh passiert wurden. Dadurch kam Armstring auch erst in die Bredouille, dass er in einem Gebiet niederkam, dass mit Steinen übersät war - es war nicht der primäre Landeplatz.

Die Ursache war unklar, doch es wurde ausgeschlossen, dass der Bordcomputer falsch gesteuert hatte, weil dei Landmarken schon beim Beginn falsch kamen. Vielmehr musste schon die Ausgangsposition falsch sein. Es gab zwei Möglichkeiten: Zum einen konnte Luft im Tunnel, die beim Abtrennen des LM entwich diesem einen "Schubs" gegeben haben, zum anderen konnte die Drehung des LM zur Inspektion eine zusätzliche Geschwindigkeitskomponente verursacht haben. Dazu kamen die Massekonzentrationen unter der Mondoberfläche von denen man damals nur sehr wenig wusste.

Bei Apollo 12 veränderte man daher zum einen die Abtrennungsprozedur (Das CSM zündete nach der Trennung seine Steuerdüsen um sich zu entfernen und nicht das LM und es gab keine Drehung des LM mehr). Zum anderen gab es zwei Softwareänderungen: Die Crew konnte mit dem Wort 69 die Vektorkoordinaten nach dem Abtrennen aktualisieren und während des Abstiegs die Position durch Kalbration mit einem Stern neu justieren.

Apollo 12 sollte eine Punktlandung nahe Surveyor  durchführen. Vor dem Abstieg bekam die Besatzung einen neuen Satz von Vektordaten die sie mit dem neuen Wort 69 eingab und beim Abstieg passierte sie so auch die Markierungspunkte zur richtigen Zeit und im richtigen Winkel. Alles verlief gut bis in 700 Fuß Höhe Conrad die Kontrolle übernahm, weil er einen Krater in dem Surveyor 3 gelandet war, nicht überfliegen wollte. Er kam dann zu steil herab und wurde von Staub irritiert. Dadurch war die Landung am Schluss zu steil und mit zu hohem Schub. Bei der Analyse nach dem Flug gab es daher trotz der "Punktlandung" auch ein wenig Kritik. Zum einen daran, dass Conrad sich am Schluss nicht auf die Anzeige der Instrumente verließ, als er beim Sehen nach draußen nichts mehr erkennen konnte und zum anderen, weil er Treibstoff hätte sparen können, wenn er zwar den Kurs verändert, das Sinken aber dem Computer überlassen hätte.

Das wichtigste ist aber die Auswertung der Bahn. Sie zeigte, dass wenn Conrad gar nichts gemacht hätte, dann wäre Apollo 12 etwa 600 Fuß nordwestlich von Surveyor 3 gelandet. Dei aktuelle Landeposition von Conrad war südwestlich,  535 Fuß von Surveyor 3 entfernt - Die Übernahme der manuellen Steuerung hatte also keinen Einfluss auf die Genauigkeit der Landung.

Was bleibt ist natürlich die Unsicherheit über die Oberfläche. Die besten Aufnahmen der Landegebiete hatten damals eine Auflösung von etwa 3 m. Das ist nicht besonders hoch auflösend ein 3 m großer Krater ist so groß wie das LM und kann dieses in eine gefährliche Schräglage bringen. Heute wäre es ein leichtes höher aufgelöste Aufnahmen zu erhalten bis in einen Bereich von wenigen Zentimetern. Das Risiko für die Landungen lag in der Tat nicht darin, dass eine Landung völlig automatisch und genau möglich gewesen wäre, als vielmehr in der Unkenntnis der Feinstruktur des Landeortes. Durchgeführt wurde dies alles mit einem Computer, der zwar nur mit 1 MHz Taktrate arbeitete und nur 74 KByte Arbeitsspeicher hatte, aber extrem zuverlässig war und für seine Aufgabe speziell entwickelt und gebaut.

Dienstag 7.7.2009: Nett sein lohnt sich nicht

Letzte Woche wurde "Mission Hollywood", eine Casting Show im Sinne von "Germanys next Topmodell" von RTL vom Platz zur Hauptsendezeit am Montag um 20:15 auf den Samstag Nachmittag um 15:45. Damit hat RTL die "Reisleine" gezogen, nachdem die Quoten offensichtlich zu schlecht waren. Ich fand die Sendung sehr amüsant. Aus zwei gründen. Zum einen weil die "Schauspielanwärterinnen" sich auch was trauen. Wörtliches Zitat "Annika: !Ich will ja mal ein ernsthafter Schauspieler werden und nicht wie Till mich nur selbst spielen" und zum anderen weil der Ton so anders ist. Das ist auf der einen Ebne ehrlicher - Till Schweiger sagt den Kandidaten, die er für nicht begabt genug hält dies. Und zum anderen ist es nicht wie bei Heidi Klum dieses Domina Gehabe sondern es bleibt auf einer Menschlichen Ebene und Till macht hier nicht wie die Klum auf großen Macker. Ich würde in der summe sagen, es ist ein fairer Umgang mit den Kandidatinnen (warum eigentlich nur Frauen?) und es entfallen diese Psycho-Spielchen von Sado Queen Heidi Klum.

Was bringt es wenn man im Fernsehen nett ist? Das sieht man an diesem Format - man wird abgesetzt. Es muss immer extremer, immer spektakulärer sein. Es müssen Tränen fließen oder die Kandidaten ausrasten. Echt schlimm, dass es so weit gekommen ist. Meine Überzeugung ist eine andere: Nett sein lohnt sich, nicht nur im Fernsehen. Am Samstag habe ich bei LIDL trotz Riesen-Gedränges zwei Leute vorgelassen die jeweils nur ein paar Sachen hatten. Genauso wie ich mal vorgelassen werde, wenn ich nur ein paar Sachen habe. Nett sein lohnt sich: Es macht das Leben stressfreier und angenehmer. Man muss sich nicht so viel ärgern und hat das gute Gefühl etwas gutes getan zu haben.

Soviel für heute, nur mal ganz kurz, auch weil dei letzten Blogs doch sehr lang waren. Ich schaue derzeit jeden Tag gespannt bei Amazon vorbei wie sich denn nun das aktuelle Buch verkauft und wann endlich auch eine Abbildung erscheint (beim letzten Buch hat das über einen Monat gedauert) - Das ist wichtig, weil Leute sonst denken es wäre nicht lieferbar. Amazon scheint sowieso sehr komisch zu funktionieren: Nachdem das ATV Buch mal kurz ausverkauft war steht da "Lieferbar in 1-2 Monaten" - definitiv falsch, denn als Book on Demand ist es innerhalb von 2 Wochen lieferbar.

Was mich sehr erstaunt ist, das sich mein kleiner Band zu Gemini so gut verkauft. Das letzte Quartal war das beste bisher und normalerweise ist es stark jahreszeitenabhängig - im Sommer lesen die Leute einfach weniger als im Winter. Ich vermute mal es ist der "40 Jahre Apollo" Effekt, aber vielleicht interessiert einfach auch bemannte Raumfahrt mehr Leute. Derzeit habe ich einiges in der Queue was für mich persönlich wichtig ist, auch als Nachschlagewerk (ich schaue sehr oft in meine Website oder meine eigenen Bücher, denn man vergisst eine Menge wenn man es nicht dauernd braucht) aber dann kommen vielleicht mehr Bücher über bemannte Raumfahrt (So als Ideen im Kopf: Skylab, Mondlandung - Mythos oder Wirklichkeit (das Anti-Moonhoaxer Buch), Mission to Mars (Wie läuft eine Marslandung ab?). Aber derzeit stehen noch 3 Bücher über Raketen in der Schlange, wobei ich dank meiner nun anbrechenden Freizeit (heute ist mein letzter Arbeitstag, nachdem mein Zeitvertrag ausläuft denke, dass es sehr schnell sehr viele Bücher sein werden - am aktuellen über US Trägern sind schon 200 Seiten Rohzusammenfassung zusammengekommen und ich bin mit den meisten Typen durch. Das Buch über Ariane und Vega ist auch zu 75 % in der Datensammelphase fertig - ich will noch was zu Vega, ESC-A/B ergänzen und hoffe zu weiteren Infos über CFK Booster-Ideen zur Ariane 5), so dass ich zwei Bücher in der Mache haben, die relativ bald fertig werden könnten. Vielleicht zu viele Bücher, aber mir macht es Spaß und zumindest von en Kosten ist es zu verschmerzen: Publizieren kostet rund 40 Euro und dann kommen noch 2 Euro/Buch und Monat dazu - Die Exemplare an die Korrekturleser sind da schon teurer.

Ich bin auch gespannt auf die ersten Kritiken zum aktuellen Buch - ich denke es ist mein bisher bestes. Wem übrigens meine bisherigen Bücher gut gefallen haben der möge doch bitte auch eine Kritik bei Amazon hinterlassen - da ich selbst mich an solchen beim Kauf orientiere, denke ich machen das auch andere. Auch sonst gibt es gute Neuigkeiten: Es gab zwei neue anfragen nach Rezensionsexemplaren, endlich konnte ich mal die SuW überzeugen eines anzufordern und dann noch eines von einer Gesellschaft die ich nicht kenne. Bislang wurde nur eines angefordert und dann doch keine Rezension geschrieben. Ich denke das ist sehr wichtig, weil meine Bücher ja nicht wie andere von renommierten Exemplaren an Rezensenten verschickt werden oder automatisch in die Buchhandlungen wandern, wie dies z.B. bei Werken aus dem Kosmos Verlag der Fall ist. Falls sie also auch jemanden kennen der die Bücher rezensieren könnte, dann schicken sie ihm den Link:

http://www.bod.de/index.php?id=272

So, nun aber weiter an die Arbeit, heute möchte ich noch die Atlas Trägerfamilie im Buch abschließen....


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