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Web Log Teil 12 : 27.11.2006-29.12.2007

Montag 27.11.2006: Von gesicherten Erkenntnissen

Ich habe kürzlich jemanden einen Rat für sein Studium gegeben und dabei als Beispiel, wie man es nicht machen sollte mal meinen etwas turbulenten und nicht gerade zielgerichteten Lebenslauf reflektiert. Das schöne an solchen Reflektionen ist dass man in der Retroperspektive neue Erkenntnisse gewinnt und manches anders sieht als früher. Bei mir war es mein Berufwunsch Ernährungslehre oder Öktrophologie wie es vornehmer heißt. Ich hätte das nach dem Abitur mühelos studieren können, es aber nicht getan weil ich von meiner Lehrerin die es studierte wusste, dass der Arbeitsmarkt für Absolventen fast nicht vorhanden ist.

Später habe ich immer noch neben dem Lebensmittelchemie Studium mich damit beschäftigt, auch weil man in Gutachten oft auf Aussagen mit gesundheitsbezogener Werbung eingehen muss. Doch schon damals bekam mein Bild der Ernährungslehre einen ersten Knick, als ich lernte, dass der Cholesterinspiegel nach verschiedenen Untersuchungen durch die Ernährung kaum beeinflussbar ist, da 80 % des Cholesterins vom Körper selbst gebildet wird.

Heute weiß ich, dass Ernährungslehre ein zwiegespaltenes Fach ist. Da ist zum einen die naturwissenschaftliche Grundlage. Man lernt viel über die biochemischen Vorgänge in den Zellen, die Stoffwechselkreisläufe. Hier ist die Schnittstelle zur Lebensmittelchemie, wo dies auch mit zur Ausbildung gehört. Dazu kommen medizinische Grundlagen, über hormonelle Regelungen, Funktionen von Organen. Auch das ist alles naturwissenschaftlich gesichert.

Doch was die Menschen interessiert ist doch etwas anderes: Ratschläge für die Ernährung, Ratschläge zur Verhütung von Krankheiten oder wie man alt wird und gesund bleibt. Das erschreckende das ich in den letzten Jahren hier lernen musste: Im naturwissenschaftlichen Sinn ist alle was hier so verbreitet wird nicht gesichert, mit einigen Ausnahmen. Warum? Nun man kann sicher in Zellkulturen und Tierversuchen Experimente anstellen wie einzelne Stoffe wirken. Doch über den Menschen sagt dies nichts aus und im Tierversuch bekommen die Mäuse ein so eintöniges Essen, dass man schon deswegen keine Erkenntnisse übertragen kann.

Wenn man nun einzelne Menschen untersucht oder eine kleine Gruppe, dann ist man mit der individuellen Streuung der Menschen konfrontiert. Als extremes Beispiel: Jeder von uns kennt jemand in seinem Bekanntenkreis, der futtern kann bis zum Abwinken und nicht dick wird. Einer meiner Kollegen gehört dazu. Der verdrückt bei einer Feier ohne Problem 5 Paar Wiener Würstchen und ist spindeldürr. Das gilt für nahezu alles : Ob bestimmte Substanzen gesund sind wie Rotwein, Fischöl oder gelbe Rüben bis hin zu einem ganzen Ernährungsstill.

Man weiß natürlich wie man solche Ergebnisse gewinnen kann: Man braucht ein sehr großes Kollektiv (mehrere Tausend Personen), diese müssen über Jahre dann sich entweder "durchschnittlich" ernähren oder eine bestimmte Ernährung durchhalten deren Einfluss man bestimmen will. Bei Cholesterin hat man sich diese Mühe gemacht und festgestellt, dass das Cholesterin in der Nahrung keinerlei Einfluss auf die Neigung zu Herz- / Kreislauferkrankungen hat. Dabei dauerte diese Studie über ein Jahrzehnt.

Viel schwieriger ist es dann eine Ernährungsform als gut oder schlecht zu beurteilen. Dazu müsste man dann Menschen über ihr Leben lang beobachten. Diese Mühe wird gerne gescheut und dann gerne epidemiologische Untersuchungen gemacht. Das bedeutet man sieht sich die statistischen Zahlen für ganze Länder an. Wer zum Beispiel beweisen will, das Rotwein sehr gesund ist, vergleicht die Erkrankungen in einem bestimmten Land wo viel Rotwein getrunken wird mit einem wo dies nicht der Fall ist. Doch auch das ist keine verlässliche Aussage. Zum einen unterscheiden sich natürlich die Länder nicht nur im Rotweinkonsum. In Italien isst man auch sonst anderes als bei uns. Zum anderen berücksichtigt dies nicht wie die Menschen leben - und auch dies unterscheidet sich von Land zu Land. Dass dies einen gravierenden Einfluss hat, zeigten chinesische Auswanderer in die USA. Die Neigung zu bestimmten "Zivilisationskrankheiten" ist in China geringer als bei uns. Bei Einwanderern aus China in den USA gibt es diesen Unterschied nicht, obwohl diese in der Regel ihrer chinesischen Ernährung treu bleiben.

Was bleibt? Gesichert sind wenige Erkenntnisse: Obst und Gemüse ist gesund. Wenig Essen ist gesünder als mehr Essen. Das war's auch schon. Das ist frustrierend für jemanden wie mich, der gerne gesicherte Erkenntnisse hat, der unter Wissenschaft ein Gerüst aus Behauptungen und Theorien versteht, die man jederzeit experimentell nachprüfen kann. Ich mag Sicherheit, ich mag Reproduzierbarkeit, ich mag es gar nicht, wenn etwas was man Jahrzehnte lang als gesicherte Erkenntnis mir verkauft, in Wirklichkeit nichts anderes ist als eine schlecht durchgeführte Untersuchung eines Arztes vom Anfang des letzten Jahrhunderts, die einfach für viele logisch klang und die niemand hinterfragt hat.

Kurzum: Ich wäre mit Ernährungslehre als Fach nicht glücklich geworden. So gesehen war das Ausweichfach Lebensmittelchemie doch die bessere Wahl. Zumal man auch immer damit mit anderen ins Gespräch kommt. So gesehen hat sich das Studium gelohnt, auch wenn ich nun seit 10 Jahren was anderes mache.

Freitag 1.12.2006: Weltraumkolonien

Immer wieder taucht die Idee der Kolonisierung des Weltraums aus, oder des "Terraformings", also des Umformens eines anderen Planeten, dass er bewohnbar wird. Ich halte as für ausgemachten Blödsinn und habe es in einem größeren Artikel auch mal für den Mars erläutert. Das komische ist, dass diese Ideen nicht abreisen, obwohl die Hindernisse riesig sind. Nehmen wir den Mars.

Er ist kleiner als die Erde und weiter von der Sonne entfernt. Selbst wenn wir noch andere widrige Umstände außer acht lassen (die exzentrische Umlaufbahn und deren Änderung sowie der Rotationsachse des Planeten in verhältnismäßig kurzen geologischen Zeiträumen), dann gibt es noch etliche Probleme:

Erstens: Es fehlt wahrscheinlich an Wasser. Wir wissen nicht wie viel Wasser es auf dem Mars genau gibt. Die Schätzungen liegen zwischen einer Menge die ausreicht um den Planet einige Dezimeter zu bedecken und einigen Metern. Heute liegt alles Wasser in Permafrost unter der Oberfläche. Doch selbst wenn man es auftauen könnte ist es zu wenig für eine globale Besiedlung des Mars. Es würde sich in einigen Einschlagsbecken wie Hellas sammeln und rund um diese könnte man leben, woanders wäre der Mars immer noch eine Wüste. Es gäbe ein Klima wie bei uns in der Trias als alle Kontinente zu einem Riesenkontinent sich zusammenschlossen und es im Innern dieser eine Wüste gab, nur würde es beim Mars extremer sein.

Das Haupthindernis ist aber die fehlende Atmosphäre. Will man dort atmen, so braucht man mindestens eine Sauerstoffatmosphäre von 0.25 Bar Druck. Dazu wahrscheinlich noch größere Mengen an Kohlendioxid in der Atmosphäre um durch einen Treibhauseffekt die Temperaturen anzuheben. Derzeit liegen die globalen Mitteltemperaturen bei -56 ° Celsius.

Woher soll sie kommen? Derzeit hat der Mars eine Kohlendioxidatmosphäre von 0.006 Bar Druck. Er war nie vulkanisch so aktiv wie die Erde. Letzten Endes stammte die gesamte Atmosphäre der Erde aus vulkanischen Gasen, der größte Teil als die Erde sich bildete und die Gase halten konnte, weil sie 8 mal mehr Masse als der Mars hat. De fakto ist heute auf dem Mars der Sauerstoff in Oxiden gebunden und Kohlendioxid in Karbonaten. Es gibt keine Organismen die ihn daraus freisetzen könnten. im Prinzip müsste man ihn freisetzen indem man wie bei Aluminium eine Schmelzflusselektrolyse durchführt, nur interessiert dann nicht das Metall, sondern das Gas. Man kann sich denken - das ist nicht praktikabel.

Wie viel einfacher ist es auf der Erde! Wir nutzen nur einen Teil der Erdoberfläche. Einen großen Teil belegen Wüsten oder sie sind zu weit nördlich oder südlich gelegen. Es wäre viel leichter überall an den Küsten die an Wüsten angrenzen Meerwasserentsalzungsanlagen zu bauen und das Wasser in die Wüsten zu leiten um diese urbar zu machen. Selbst die Antarktis und Grönland könnte man bewohnen wenn man die landwirtschaftliche Fläche dort unter Glas setzen würde und beheizen würde, z.B. mit Erdwärme. Man könnte auch das Eis aus der Antarktis und Arktis in Form von Eisbergen zu den Wüstengebieten bringen um diese zu bewässern. Natürlich wäre der Aufwand enorm, heute ist dies nicht zu leisten, aber im Vergleich zu einer Umformung des Mars wäre er klein.

Was man heute schon tun kann ist es zu verhindern, dass man solche Ideen überhaupt andenken muss. Viel einfacher ist es nämlich zu verhindern dass die Weltbevölkerung steigt. Ein Schnellschuss wäre sicher ein Programm zur Geburtenkontrolle. Die kostenlose Abgabe von Verhütungsmitteln, die Zahlung von Prämien für die Sterilisation. Im Vergleich zu den Folgekosten die man heute als Entwicklungshilfe leistet wäre das wenig. Langfristig wäre es sicher besser den Lebensstandard in diesen Ländern zu steigern, denn jeder weis: Ist dieser hoch genug wie in den Industrieländern bleibt die Bevölkerung konstant oder sinkt sogar. Doch das ist wohl vielen nicht visionär genug ....

Montag 4.12.2006: Choko-Crossies

Es ist Weihnachtszeit. Seit Jahren gibt es bei uns selbstgemachte Choko-Crossies zu Weihnachten, obwohl sie eigentlich nichts mit der Jahreszeit zu tun haben. Aber sie erfreuen sich großer Beliebtheit, vielleicht gerade deswegen, weil sie etwas anders sind. Dabei sind sie einfach zu machen. Das einzige Problem das man haben könnte, ist das man genügend Backbleche oder ähnliches auftreibt.

Hier die Zutaten:

Wenn man Puffmais nimmt reichen auch 4 Tafeln, man kann auch mehr nehmen. (4-8) Bei diesem Rezept sind die Cornflakes erheblich knuspriger als die gekauften, die vorwiegend aus Schokolade bestehen. Bei zu viel Schokolade hat man meistens Reste in der Schüssel. Ich mache meistens 2-3 Sorten (weiße Schokolade, Vollmilch, Zartbitter). Man kann auch mehr Schokolade nehmen. Weitere Variationen bekommt man durch Hinzunahme von Nüssen oder Mandeln, Müsli oder verschiedenen Cornflake Sorten. Normale Nüsse und Mandeln schmecken aber nicht so knackig wie in der gekauften Schokolade, außer man röstet sie vorher an. Wenn man das macht, kann man sie auch gleich mit Zucker karamellisieren. Ich finde aber es lohnt den Aufwand nicht. Alternativ kann man, wenn man es mag, gesalzene Erdnüsse nehmen. Die sind schon knusprig und ergeben dann auch eine neue Geschmacksrichtung. Es gibt aber auch fertigen Krokant oder geröstete Mandeln / Nüsse zu kaufen.

Die Herstellung ist ganz einfach:

2 Tafeln Schokolade in Stückchen zerbrechen und in einer Schüssel im Wasserbad oder in der Mikrowelle verflüssigen. Ich bevorzuge letzteres. Man muss dann aber dabei bleiben und 1-2 mal die Schüssel raus nehmen und umrühren. Es darf dann auf keinen Fall ein Aluminiumfolienfitzelchen in der Schokolade sein. Sonst verbrennt sie an der Stelle lokal und man kann sie wegwerfen.

Dann einfach 1/3 der Cornflakes unterrühren. Die Schüssel sollte groß genug sein, sonst hat man spätestens jetzt eine Schweinerei. Das ganze macht man so lange bis die Cornflakes von Schokolade überzogen sind. Die Masse dann in kleinen Häufchen auf ein Backblech mit Backfolie verteilen. Ich stelle das dann nach Draußen zum Abkühlen. Schon Fertig ! Wie schon gesagt, ist es für zügiges Arbeiten sinnvoll mehrere Backbleche, Platten oder ähnliches zu haben. notfalls geht auch eine glatte Fläche in einem ungeheizten Raum, die man nicht braucht und die man mit Backpapier belegt.

Die 3 Bleche für eine Packung Cornflakes habe ich normalerweise in einer Dreiviertel Stunde gemacht. Das ganze geht also recht schnell und ist auch recht preiswert. Man erhält Variationen durch die Wahl der Cornflakes und der Schokoladensorten.

Mittwoch 6.12.2006: Mal ne Produktempfehlung

Ich habe den neuesten ct' Test über MP3 Spieler von 100 Euro aufwärts gelesen und frage mich: Warum testet eigentlich niemand Geräte die preiswert sind? Ich will mal eine Lanze brechen für ein unkompliziertes, einfaches Gerät das ich bevorzuge. Es ist der MSI 538 Megaplayer

Das Ding kostete unter 15 Euro, als ich es vor 2 Monaten kaufte. Warum so billig? Nun es ist ein MP3 Player ohne eigenen Speicher. Er spielt MP3 von 16-320 KBit/sec ab und Windows WMA ohne DRM. Die Musik kommt von einer SD Karte. Es gab ihn auch mit 128 MByte internem Speicher als Megaplayer 533.

Leider ist er schon nicht mehr im Handel. Das ist schade, denn für mich ist es viel einfacher einfach eine SD Karte auszuwechseln als einen viel größeren Player zu benutzen und laufend zu Verzeichnissen zu navigieren die man noch nicht gehört hat. SD Karten kann man auch anders nutzen z.B. in der Digitalkamera und es gibt ja auch Videorecorder die sie einsetzen. Sie wiegen wenig und man kann so sich ein paar mitnehmen in den Urlaub.

Leider hat er keine Funktion um über Verzeichnisse zu springen. Das bedeutet, dass man wenn man nach einem Batteriewechsel Musik hören will man 100 mal auf "Vorwärts" drücken muss. Da ich das umständlich finde, bin ich inzwischen von 1 GB SD Karten abgekommen und setzte nun nur noch 512 MB Karten ein, die bieten Musik für 6 Stunden, das ist in etwa die Laufzeit eines Akkus (Batterien gehen etwas länger bis 8 Stunden). Der zweite Kritikpunkt sind die billigen Kopfhörer, aber ehrlich gesagt, was erwartet man für 15 Euro?

Ach ja, natürlich kommt das 15 Euro Ding mit einer normalen AAA Batterie aus. Für die 100 Euro die einer der getesteten Player kostet könnte ich mir 5 SD Karten mit je 1 GB kaufen und wäre immer noch besser dran als mit einem 2 GB Modell des Tests. Daneben kann man ihn auch als Massenspeicher wie einen USB Stick nutzen, auch wenn das wahrscheinlich keiner macht.

Donnerstag 7.12.2006: Chemie im Schwimmbad

Als ich letzte Woche mal wieder im Schwimmbad war, nahm die Bademeisterin eine Probe und machte einen Schnelltest. Ich fragte nach was untersucht wurde und bekam neben einigen wichtigen Werten wie freies und gebundenes Chlor auch die Angabe "pH Wert". Das entlockte mir als Chemiker die Erwiderung: "Bei den Wassermassen hier würde sich der auch nicht groß ändern, wenn ich eine Flasche Salzsäure da rein kippe".

Daheim, habe ich natürlich mal angefangen nachzurechnen, nachdem ich das Ergebnis schon beim Schwimmen auf p.H. 6-7 abgeschätzt habe. Also zuerst einmal. Der pH Wert entspricht der Konzentration von freien H+ Atomen (für meine Chemikerkollegen : H3O+) im Wasser. Es ist eine logarithmische Angabe. Neutrales Wasser hat pH 7. Ein p.H von 6 steht für 10 mal mehr H+ Ionen. Die Haut hat etwa pH 5.0, Essig p.H 3 und Magensäure pH 2.

Berechnet wird er nach :

p.H = - lg (H+/mol*l)

Also unser Schwimmbecken ist 12 m breit, 25 m lang und im Mittel 2.2 m tief. Das sind 660 m³ oder 660000 l Wasser. Eine Flasche Salzsäure enthält etwa 10 Mol HCL, die 10 Mol H+ abgeben. Gebe ich diese ins Wasser so erhalte ich einen pH von:

pH = - lg (10/660.000) = -4.8

Das Wasser hätte nun also den pH Wert der Haut, wäre also viel hautfreundlicher (Tee hat in etwa den gleichen pH Wert). Doch das gilt nur für destilliertes Wasser. Realistischerweise wird im Hallenbad natürlich normales Wasser aus der Leitung eingesetzt werden und das enthält natürlich gelöste Mineralstoffe.

Die Karbonationen puffern aber H+ ab, denn sie reagieren damit:

H+ + HCO3- -> H2O + CO2

Das Kohlendioxid verflüchtigt sich als Gas. Die Karbonationen sind die Gegenionen zum Calcium und Magnesium. Es gibt auch noch andere Gegenionen, wie Sulfat, doch Karbonatgestein wird am leichtesten durch Wasser aufgelöst. Bodenseewasser enthält 50.6 mg Calcium und 7.76 mg Magnesium pro Liter. Das entspricht, wenn 80 % als Karbonathärte vorliegt etwa 0.00254 Mol Hydrogencarbonat/l.

660.000 l Wasser enthalten 1676,4 Mol Hydrogencarbonat - mehr als genug um die 10 Mol H+ vollständig abzupuffern. Anders ausgedrückt: Erst wenn ich 167.4 l Salzsäure in das Hallenbad kippen würde, würde sich der pH Wert ändern. (10 Mol/l * 167.4 l = 1674 Mol). Man erkennt, dass man so auch nicht durch das Pinkeln in das Wasser den pH Wert wirksam ändern kann.

Erinnern sie sich noch an früher - Wenn man nach dem Schwimmbadbesuch immer so müde und fertig war und die Augen brannten ? Beides hat miteinander zu tun und nichts mit der Aktivität im Hallenbad zu tun. Früher wurde der Chlorgehalt nicht laufend an den Bedarf angepasst sondern so viel, das man auf Nummer Sicher ging. Das freie Chlor reizte die Schleimhäute der Augen und führte zum Brennen. Die Müdigkeit kam aber nicht von der körperlichen Aktivität, sondern von Reaktionen des Chlors mit organischen Bestandteilen wie sie durch Hautschuppen oder Haaren freigesetzt werden. Das wird bei Chlorüberschüss zu Chloroform oxidiert. Chloroform ist aber nicht im Wasser löslich und steigt als Gas an die Oberfläche aus. Dort bleibt es in der obersten Luftschicht, weil es schwerer als Luft ist - gerade die Schicht die man durchschwimmt. Also ist es doch nicht verwunderlich, wenn man danach müde ist - Man wurde schließlich chloroformiert ! (Das ist der Stoff der in den Taschentüchern ist, die Gangster in schlechten Filmen bei einer Entführung ihren Opfern auf den Mund drücken).

Nein, im Ernst. 1997 ergab eine Untersuchung von Ökotest maximal 1.2 Mikrogramm Chloroform pro Liter Blut nach zweistündigem Baden. Das ist eine Dosis bei der man nie und nimmer müde ist. Die Mengen an Chloroform reichen dazu lange nicht aus.

Freitag 8.12.2006: Kahlschlag

Derzeit hat die NASA sehr viele Raumsonden in Betrieb, mehr als selbst zu Glanzzeiten der Planetenforschung, als man sich mehr auf gro0e Projekte konzentriert hat. doch dies wird sich ändern: Aufgrund der Zeitspanne von 4-6 Jahren die zwischen der Bewilligung einer Sonde und dem Start liegen wirken sich die Änderungen in der "Politik" eines Präsidenten nicht sofort aus. George W. Bush brauchte sein Geld für den Irakkrieg, dazu kam die Columbia Katastrophe bei der auch die NASA nicht mehr Geld bekam. So sieht die Bilanz von George W. Bush bei  den Planetensonden mehr nach Kahlschlag aus. Hier eine Auflistung der in seiner Amtszeit (1.tes von ihm genehmigtes Haushaltsjahr war 2002) im Vergleich zu seinem Vorgänger aus:

Bill Clinton (Haushaltsjahr 1994-2001)

Das sind (ohne die militärische Sonde Clementine, aber mit 2 Rovern) 16 Sonden in 8 Jahren, also 2 pro Jahr. Unter Bush wurden schon 6 Haushaltsjahre verabschiedet. Wie viele Sonden wurden seitdem genehmigt?

Wow: 2 Sonden in 6 Jahren - anstatt 12 wie unter Clinton. Muss ich mehr sagen?

Was es heute gibt sind hochtrabende Pläne, für diese noch nicht mal ansatzweise eine Finanzierung gibt. Bekanntlicherweise soll das NASA Budget konstant bleiben (bei 0.6 % des Gesamthaushaltes, zu Apollo Zeiten war es in Spitzenzeiten 5.9 %) und das Geld für ein viel anspruchsvolleres Programm also Apollo nur durch Einsparungen an anderer Stelle finanziert werden. Bis 2020 sollen 4 Astronauten landen, gefolgt von Expeditionen bis zu 180 Tagen Dauer und einer permanent bemannten Mondstation!

Es bleibt nur zu hoffen, das der nächste Präsident, wer immer das auch sein wird. Diesen Unsinn stoppt und wieder kleine Weltraum-Brötchen backt.

Sonntag, 17.12.2006 : Killerspiele

Wir wissen es alle - Wer Doom3, Counterstrike oder andere Ego Shooter spielt ist ein potentieller Amokläufer - Also alles verbieten oder entschärfen. Wie üblich ist das einer der Schnellschüsse in der Politik. Derartiges gibt es öfters. Wenn  Gammelfleisch entdeckt wird, kommt gleich der Ruf nach strengeren Gesetzen. Wir brauchen im letzteren keine strengeren Gesetze, die welche wir haben reichen völlig aus, aber vielleicht mehr Personal in der staatlichen Lebensmittelüberwachung, auch wenn das Geld kostet.

Genauso muss man nicht Spiele verbieten weil jemand diese gespielt hat und Amok gelaufen ist. Bislang haben das viele Amokläufer getan, doch der Schluss den man getan hat ist falsch. Was man uns einreden will, ist dass diese Spiele aggressiv machen oder Aggressivität fördern. Falsch, ganz falsch. Wer aggressiv ist der ist das aus anderen Gründen, seiner Natur, falscher Erziehung, oder dem sozialen Umfeld. Das ist meistens ein Prozess der sich über Jahre hinzieht und in der ein Jugendlicher auffällig wird. Da hätte man eingreifen müssen, aber nicht indem man Spiele verbietet.

Den Schluss den man macht ist deswegen ein falscher, weil man die falsche Frage stellt. Natürlich bevorzugen Amokläufer wenn sie Computerspiele spielen sicher eher Counterstrike anstatt Sim-City oder Anno 1701. Klar, wer gerne im wirklichen Leben Leute umballert tut das auch gerne im Computer. Aber ist damit bewiesen, dass diese Spiele das Verhalten fördern? Was ist mit den vielen Leuten die diese Spiele spielen und nicht Amok laufen?

Es ist ein Schluss der nach dem Ereignis geschah, ein Schluss von einem Individuum auf die Gesamtheit, und das geht bei einer kleinen Menge schief. Deutlich wird dies bei ein paar anderen Beispielen. Ich wette z.B., dass alle Amokläufer irgend welche Markensachen hatten - Schuhe von Nike, Kleidung von Adidas oder Lacoste oder was auch immer. Soweit ich weis kamen alle aus nicht gerade armen Familien, da liegt dies auf der Hand. Machen nun Markensachen die Leute zum Killer? Alle hatten einen Computer - sonst hätten sie ja nicht Counterstrike spielen können - Machen Computer oder die Computerbenutzung aggressiv?

Vor allem, was kommt als nächstes? Es gibt doch so viel Gewalt im Umfeld von Kindern. Nehmen wir mal die Märchen. Da passieren doch wirklich schreckliche Dinge. Wie wirkt sich das auf eine kindliche Seele aus? Dann dieses grausame Kasperltheater, wo immer das Krokodil verprügelt wird. Das ist doch Tierquälerei! Und zuletzt: Hat nicht jeder von uns Cowboy und Indianer oder Räuber und Gendarm gespielt, und dabei in echt andere erschossen? War das nicht das Training für den Amoklauf? Wir haben noch viel zu verbieten - Packen wir es an!

Dienstag 19.12.2006: HDTV

PAL war gestern. Heute will jeder HDTV, HDTV LCD und Plasmafernseher sind der Verkaufsschlager während der WM und nun auch vor Weihnachten. Ich will mich mal nicht über Sinn oder Unsinn von Panels auslassen die 1366 x 768 Punkte haben und anstatt einen kleinen Rand lassen 1280 x 720 Punkte skalieren oder über die Vorteile von Röhren bei der Hauttonwiedergabe und schnellen Bewegungen.

Ich will mich einfach mal auf die Auflösung konzentrieren. Unser Auge kann unter optimalen Umständen (100 % Sehschärfe, Tageslicht, gute Kontraste) Details von 1 Bogenminute noch wahrnehmen. Das entspricht wenn man das Winkelmaß umrechnet 1/2838 der Entfernung, z.B. 1 mm aus 283.8 cm Entfernung.

Die Computerzeitschrift ct hat in ihrer Ausgabe 26/2005 LCD Fernseher mit Full HD und der "HD ready" Auflösung verglichen (1920x1080 mit 1280x720). Aus 2 m Entfernung konnten bei einem 94 cm Display (37") keiner der Tester einen Unterschied feststellen - logisch, selbst die niedrigere Auflösung ist aus dieser Entfernung feiner aufgelöst als das Auge Details erkennen kann. Dabei sind 2 m Entfernung bei einem 94 cm Monster recht nahe.

Lohnen tut sich dies also erst, wenn man weg geht von einem LCD Display zu einem projektierten Bild. Aus 3 m Entfernung wäre z.B. ein Bild von 2 x 1.1 m Größe so gut aufgelöst wie das Auge dies schafft. Doch Projektoren mit dieser Auflösung sind heute unbezahlbar.

Bleibt eine andere Frage? Wo bekommt man das hochauflösende Material her? Alle Fernsehsender übertragen noch in PAL und die Sendungen nur in HD-Ready Qualität sind selten. Wofür also jetzt Unsummen für einen neuen Fernseher ausgeben, dessen Leistung man gar nicht nutzen kann.

Samstag 23.12.2006: Apollo 8

Vor 38 Jahren, am 21.12.1968 starteten mit Apollo 8 die ersten Menschen zum Mond. Die Mission war damals nicht unumstritten. Das Apollo Raumschiff war nur einmal vorher , im Oktober 1968 mit Apollo 7 bemannt erprobt worden und für die Saturn V war es der dritte Flug überhaupt, wobei es beim zweiten Flug gravierende Probleme gab, die bei einem bemannten Flug zum Abbruch geführt hätten.

Man tat dies weil man nach einigen unbemannten Zond Flügen der Sowjets mit Sojus Kapseln bald einen bemannten Mondflug (wenn auch keine Landung) erwartete und man auf Spionagesatellitenfotos die N-1 Trägerakete auf ihrer Startrampe ausgemacht hatte. Vor allem aber hatte man so viel Vertrauen in die Technik dass man dieses Abenteuer wagte - Anders als bei Flügen im Erdorbit gab es bei einem Versagen eines Subsystems nicht die Möglichkeit innerhalb von Minuten bis maximal eineinhalb Stunden zur Erde zurückkehren. Bei eine Versagen konnte die Rückkehr bis zu 3 Tagen dauern. Es war sogar möglich die Besatzung bei einer falschen Zündung in den Weiten des Alls zu verlieren.

Viele empfanden dann die Mondumkreisung von Apollo 8, welche über die Weihnachtsfeiertage 1968 stattfand als den eigentlichen Flug zum Mond und die Landung von Apollo 11 ein halbes Jahr später nur noch als die "Kür". Ich möchte an diese Mission aber heute aus zwei Dingen erinnern: Wir haben von ihr erstmals ein Farbbild der Erde vom Mond aus bekommen und eine Beschreibung der Erde von Menschen die über einem grauen, zerkraterten, unwirtlichen Platz ihre Runden drehten:

Borman: "Hier ist Apollo 8 mit einer Live Übertragung vom Mond. Der Mond bedeutet für jeden von uns etwas anderes. Jeder wird von dem was er heute gesehen hat seinen eigenen Eindruck mitnehmen. Ich weis, mein Eindruck ist der einer gewaltigen, einsamen, abschreckenden Ausdehnung von Nichts. Er sieht aus wie Wolken über Wolken aus Bimsstein. Und auf jeden Fall erscheint es als Platz zum Arbeiten oder Leben nicht sehr einladend"

Lovell: "Meine Gedanken sind ähnlich. Die riesenhafte Einsamkeit des Mondes hier oben ist furchteinflößend und sie lässt einen erst richtig gewahr werden was ihr zuhause auf der Erde wirklich habt. Von hier aus gesehen ist die Erde eine grandiose Oase in der weiten Wüste des Weltalls. "

Anders: "Ich glaube was mich wirklich beeindruckt hat waren die lunaren Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge. Sie insbesonders bringen die nackte, rohe Natur der Landschaft hervor. Dieser Planet ist seit Äonen von unzähligen Meteoriten bombardiert worden. Jeder Quadratzentimeter ist pockennarbig. Nur die neuesten, jüngst hinzugekommenen Züge heben sich in allen Einzelheiten ab. Auch der Himmel selbst ist hier oben eine abschreckende, drohende, endlose, Unermesslichkeit von Schwärze, dunkel und unappetitlich."

Dann schwenkte die Besatzung die Kamera zu dem Fenster und die Fernsehzuschauer sahen erstmals die Erde über dem Mond ausgehen, eine blaue Murmel über einer Einöde. auf dieser Murmel leben wir, machen uns das Leben schwer, führen Kriege, zerstören die Natur und verbrauchen Ressourcen in Jahren die in Millionen von Jahren entstanden. Manchmal wünschte ich mir man könnte alle einflussreichen Politiker zum Mond schicken - nicht auf den Mond sondern in einer Bahn um ihn, damit sie diesen Eindruck einmal selbst erleben und sich zusammensetzen die Probleme zu lösen.

Zuletzt - Damals gab es den Ausdruck "politicall Correctness" noch nicht und Christbäume wurden nicht demontiert um andere Religionen zu beleidigen wie dies dieses Jahr auf dem Flughafen von Seattle passierte - verlassen die Astronauten von Apollo 8 den Beginn der Schöpfungsbotschaft der Bibel:

Anders: "Wir nähern uns nun dem lunaren Sonnenaufgang. Und für alle Menschen auf der Erde hat die Besatzung von Apollo 8 eine Botschaft die wir euch senden wollen:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer und es war finster auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht."

Lovell: "Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den wassern und die da scheide zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so. Und Gott nannte die Feste Himmel."

Bormann: "Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockne sehe. Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockne Erde und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah dass es gut war."

Nach einer Pause der Besinnung schloss Apollo 8 die Übertragung mit den Worten: "Wir schließen mit einem Gute Nacht, Viel Glück und Fröhliche Weihnachten und Gottes Segen für euch alle, euch alle auf der guten alten Erde."

Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Ich wünsche allen Lesern meiner Webseite und allen Menschen auf der Welt ein gesegnetes Fest. Denken sie im neuen Jahr einmal daran, wie klein Sie und die Erde schon aus Mondentfernung sind. Vielleicht probieren sie mal fünfe grade zu lassen, etwas mehr für andere zu tun oder einfach sich mal nicht über jede Kleinigkeit zu ärgern. In diesem Sinne

Ihr Bernd Leitenberger.

Freitag, 29.12.2006: Gedanken über das vergangene Jahr

Seit einigen Wochen denke ich viel über das letzte Jahr nach. Für mich war es sicher eines der ereignisreichsten der vergangen Jahre, und das wird vielleicht dem einen oder anderen Website Besucher nicht entgangen sein. Das erste was man sehen kann ist diese Artikelserie, die ich gerne Weblog nenne - Nicht Blog, weil ich weder einen Blog wie Wordpress oder Serendpity nutze, noch denke, dass irgend jemand Interesse an meinem täglichen Leben haben könnte (das wie bei viele Berufstätigen recht eintönig ist). Ich habe in diesem Jahr nach Jahren meine emotionale Seite wieder entdeckt. Dazu gehört dieser Blog, der neben vielen kleinen Themen eben auch persönliche Gedanken enthält. Darunter litt zwangsläufig der Rest der Seiten. Aber ehrlich gesagt, ich weis auch nicht was ich noch neues im Bereich Raumfahrt schreiben soll, außer diese Sektion zu pflegen. Gerne schreib ich wieder mal eine kleine Kritik über Lebensmittel in der "Was ist drin" Rubrik. Aber tagelang recherchieren für einen Aufsatz im Bereich Raumfahrt - nööööööööö dazu hat meine emotionale Seite derzeit keine Lust.

Das zweite, was man zum einen in zahlreichen Einträgen hier im Weblog (direkt und wer die Hintergrundstory kennt wird auch einige indirekte Bezüge finden) spiegelt ist mein Engagement in L&T. Das brachte mir im Oktober/November viel Ärger ein und vielleicht kommt da noch was nach. aber es hatte auch was gutes: Zum einen war dies sicher das ideale für meine emotionale Seite sich zu engagieren. Als Profit habe ich viel über mich nachgedacht, mir über vieles klar geworden, auch wie ich mich in den 20 Jahren verändert habe die mich von L&T trennen.  

Ich bin heute zufriedener mit mir und meinem Leben als vor einem Jahr. Ich habe begonnen abzunehmen, mein Verhältnis zu vielen Personen in meinem Umfeld ist besser geworden und ich habe heute Mailkontakte in die ganze Welt und festgestellt wie wenig doch ein Lipsync Video über zwei Personen sagen kann. Die eine hat mich negativ überrascht, die andere positiv. Und ich habe viel über andere Menschen gelernt, mehr als mir lieb war.

Ich schaue sehr positiv in das neue Jahr und ich wünsche allen meinen Lesern nicht nur einen guten Rutsch, sondern auch dass ihr neues Jahr ein so positives wird, wie das letzte für mich.

Ihr Bernd Leitenberger.


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