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Web Log Teil 121: 16.7.2009-22.7.2009

Donnerstag 16.7.2009: Wer aus Fehlern nicht lernt, muss sie wiederholen

So allmählich erinnert mich das Constellation Programm in bestimmten Dingen an die ISS und dem Space Shuttle..Warum?

Nun das Constellation Programm wurde uns versprochen als die Rückkehr zum Mond, finanziert ohne nennenswerte Erhöhung des NASA Budgets. Es sollte viel billiger als das Apollo Programm in den sechzigern sein (inflationskorrigiert).Das sollte 165 Milliarden Dollar im 2005 Wert entsprechen. Constellation sollte nur 104 Milliarden kosten, 124 mit ISS Versorgung. Inzwischen ist die Rede von 230 Milliarden. Constellation wird teurer als Apollo und es dauert länger. Bei Apollo gab es die erste Mondlandung 8 Jahre nach der Ankündigung. Constellation wird dafür 16 Jahre brauchen.

Versprach nicht der Shuttle auch alles billiger zu machen? Wurde er nicht teurer als jede Einwegrakete?

Wie war es bei der ISS? Auch sie sollte doch preiswert werden und bis 2004 fertiggestellt sein. Nun wird es 2010 werden und sie wird alleine die USA 100 Milliarden kosten. Die ISS ist ein sehr gutes Beispiel wie Projekte in den Kosten ausufern, wenn sie aus verschiedenen Gründen sich verzögern. Gerade bei der bemannten Raumfahrt gibt es einen enormen Apparat am Boden der vorhanden sein muss, solange noch Flüge anstehen - für Support oder um im Falle einer Störung bereit zu stehen. So rechnet die NASA auch vor, dass es Milliarden Kosten würde, die Space Shuttle in Betrieb zu lassen, auch wenn sie nur in Bereitschaft für einen Rettungseinsatz stehen und kein Flug erfolgt - Die Shuttles kosteten 2003-2005 obwohl keine Flüge erfolgten, die NASA auch 3 Milliarden Dollar jedes Jahr.

Was lernen wir daraus? Versucht ein Programm konsequent durchzuziehen. Konsequent heißt - in angemessener Zeit. Ich glaube Apollo war gemessen an dem Entwicklungssprung teurer als nötig, weil man es in 8 Jahren schaffen musste. In 10 Jahren wäre angemessen gewesen. Umgekehrt kostet der langsame Fortschritt bei Constellation auch wieder viel Geld. Dabei gibt es einen Unterschied zu Apollo: Man ist schon mal zum Mond geflogen und weiß wie es geht. Es wurde Hardware dafür entwickelt: Während die Saturn V komplett neu war, wird die Ares die schon vorhandenen Triebwerke J-2S, Shuttle-SRB und RS-68 einsetzen. Hey Leute und da kostet die Entwicklung der Ares I 16.6 Milliarden Dollar? Die Saturn 1B wurde mit 1 Milliarde Dollar entwickelt (entsprechend 6.6 Milliarden in heutiger Währung) und die Ariane 5 rund 5 Milliarden Euro - bei vergleichbarer Kapazität und ohne auf schon entwickelte Triebwerke zurück zu greifen.

Besonders pikant finde ich ja die Verwendung der J-2S Treibwerke - Versionen des J-2 der Saturn 1B und V, die vereinfacht und in der Leistung gesteigert wurden, aber nicht mehr zum Einsatz kamen. Die Rückkehr zum Mond geschieht mit Triebwerken, die man vor 40 Jahren für die letzte Mondmission entwickelt hat. Liebe NASA, schaut mal nach: Ihr müsst noch 33 der F-1 Triebwerke in einer Lagerhalle haben. Bei einem Schub von 6672 kN (mehr als doppelt so viel wie das RS-68) würde das für 11 Mondflüge reichen. (2 F-1 = 6 RS-68) Wernher von Braun würde sich freien, wenn ihr schon selbst nichts auf die Reihe bekommt. Ach ja - zwei komplette Saturn V habt ihr auch noch irgendwo rumstehen.

Bei Apollo wurde erstmals "All up" getestet - alle Stufen aktiv. Inzwischen ist das Usus. Alle Ariane Versionen, alle neuen Trägerraketen wurden so getestet und wie testet ihr die Ares I? Mit einem normalen Shuttle SRB, einer Verlängerung mit Ballast um das zusätzliche fünfte Segment zu simulieren und Ballast als zweiter Stufe - das ist nicht viel mehr als der Test eines seit 20 Jahren eingesetzten Shuttle-SRB. Und das nach immerhin fünfeinhalb Jahren: Fünfeinhalb Jahren nach dem Start von Apollo war übrigens die Saturn 1B voll unbemannt flugerprobt und der erste Start von Apollo 1 vorgesehen....

Ich kann an dem Constellation Programm nichts tolles finden. Details zu Ares V, dem Mondlander und der Orion Kapsel gibt es noch nicht. Alles dauert zu lange und Innovation sehe ich nicht. Es wird auch nicht billiger oder ist etwas neues. Es fehlt vor allem der Geist von Apollo, ein anspruchsvolles Ziel, eine charismatische Person und eine Vision. (Nicht dass die bei Apollo so ausgeprägt war: "bring a man to the moon and do the other things" - echt präzise formuliert, aber das ist wohl so bei Politikern).

Es stellt sich die Frage: Wann kommt die Wende? Mercury - Gemini - Apollo - Programme die anspruchsvoller wurde, Risiken bedeuteten, aber gemeistert wurden - in den vorgegebenen Zeitplänen, wenn auch nicht (bei Mercury und Gemini) nicht im Kostenrahmen. Was kam seitdem: Das Space Shuttle - weder im Kostenrahmen geblieben, noch im Zeitplan. Viel versprochen, nichts gehalten und mit der Explosion der Challenger ein Synonym für den Niedergang der Kultur in der NASA, bei der Sicherheit früher alles bedeutete und nun nur noch Kommerz zählte. Danach kam die ISS: Alleine 10 Jahre hat man ihr rumgeplant. Dann sollte sie mit den Russen viel billiger werden - und wurde dadurch erst viel teurer. Dazu noch die Verzögerungen weil man es an die Space Shuttles band - damit diese nun einen Verwendungszweck hatten.

Ich wage es ja kaum zu sagen... Aber fehlen in der NASA nun die Deutschen? Die wurden nach Apollo ja aus den Führungspositionen raus geschmissen. Die Center sollten "amerikanisiert" werden. Nur die Nachfolger haben wohl nicht die gleiche Qualifikation gehabt....

Inzwischen haben wir die Kultur der Profiteure - Jeder versucht sein Schäfchen ins Trockene zu bringen. 5 Jahre nach Entwicklungsbeginn von Constellation und Vergabe von milliardenschweren Aufträgen, machen Boeing und Lockheed-Martin immer noch Politik gegen die Ares I und preisen ihre Raketen an. SpaceX will mit einer Raumkapsel, über die man auf ihrer Webseite gerade mal ein paar Sätze lesen kann, Astronauten befördern. Echt vertrauenserregend. Wie wäre es SpaceX, wenn eure Kapsel ja so billig ist (133 Millionen pro Flug, nach den COTS Bedingungen) wenn ihr damit Touristen befördert? Bei 7 Astronauten pro Kapsel und 20 Millionen Dollar pro Flug macht ihr immer noch Profit. Und wenn ein Milliardär abstürzt: Erster Versuchskandidat sollte Elon Musk sein, dann regt sich auch nicht die Öffentlichkeit auf.

Inzwischen habe ich die Daten für mein nächstes Buch zusammen getragen. Es wird auf 384 Seiten die geballte Datenmenge von 84 US-Trägern enthalten. Von der Vanguard bis zur Ares V. Ich bin gerade beim durchlesen und hoffe es noch diesen Monat an die Korrekturleser weitergeben zu können.

Freitag, 17.6.2009: Die Crux der bemannten Raumfahrt

Ich greife mal die Frage von Thomas auf: "Wie würde denn ein “vernünftiges”, bemanntes Mond-/Marsprogramm aussehen ?". Das bringt es auf den Punkt. Die Crux eines bemannten Programmes ist: Will man mehr erreichen, dann steigt der Aufwand gleich enorm an. Schlicht und einfach deswegen, weil Menschen immer Platz, Nahrung, Sauerstoff, Wasser bnenötigen Und je ausgedehnter die Aktivitäten sind, desto höher wird das Gewicht das transportiert wird.

Das Gegenteil ist bei unbemannten Missionen der Fall. Man muss sich vielleicht einfach einmal mal ansehen, was sich hier in 40 Jahren getan hat: Man möge mal die instrumentelle Ausstattung des Lunar Orbiters und des Lunar Reconnaissance Orbiters vergleichen. Oder was die MRO heute leistet und Mariner 6+7 vor 40 Jahren. Durch zunehmende Miniaturisierung werden unbemannte Sonden laufend leistungsfähiger. Wenn ein Mensch auf dem Mond aber mehr leisten will, so muss viel mehr Aufwand getrieben werden - Anstelle eines einfachen Landers muss dann eine Mondstation gebaut werden, es muss Energie bereit gestellt werden, Nahrung, Gase, wasser, und das für jeden Tag.

Ich gebe zu, ich habe bislang noch wenig Informationen, wie das Constellation Programm aussehen wird. Aber zuerst einmal wird es eben nur eine Wiederholung von Apollo sein, nur eben mit einer längeren Aufenthaltsdauer. Vielleicht folgt mal eine Mondbasis, aber ich bin mir da bei der NASA Politik recht sicher, dass dem nicht so sein wird. Es ist eben dann wie Griffin sagte "Apollo on Steroids".- böse Zungen sprechen eher von "Apollo 1.5" (Microsoft Anhänger würden es wohl als "Apollo 2020" bezeichnen). Die Frage ist: Wie sieht die Öffentlichkeit dies? Ich bin mir recht sicher, dass die meisten Kommentare in der Art sein werden: "So jetzt sind sie also erneut auf dem Mond gelandet - was ist da das besondere?". Wir erwarten immer eine spektakuläre Erstleistung oder zumindest was neues. In den ersten 10 Jahren der bemannten Raumfahrt gab es dies auch - Erster Mann im All, erster 24 Stunden Flug - Zwei Mann im All, Drei Mann, Weltraumspaziergänge, Kopplungsmanöver, immer längere Flüge, Mondumkreisung, Fast-Mondlandung und schließlich die Mondlandung. Doch: Was dann? Was wenn dann die zweite Mondlandung folgt, die dritte, die vierte - Wir wissen es - die Bevölkerung verliert das Interesse und die NASA musste das Programm einstellen. Ich prophezeie, dass es der ISS genauso gehen wird. Nun ist es noch spannend - mit jedem Flug wird sie weiter ausgebaut, dazu die Ungewissheit - wird es nicht wieder einen Verlust eines Space Shuttles geben, wird der Zeitplan eingehalten werden? Doch dann - ist sie fertig und es wird dort geforscht. Die Forschung auf der ISS dient Grundlagenforschung und vorwiegend der Erforschung des Menschen in der Schwerelosigkeit (die wiederum überflüssig wäre, gäbe es keine bemannte Raumfahrt). Es wird aber nichts spektakuläres geben was für die Öffentlichkeit wichtig wäre.

Gerade der Mond zeigt wie leistungsfähig heute unbemannte Sonden sind. Ich habe mal ja eine unbemannte Mondprobengewinnung skizziert. Der Grundgedanke: Ein umgebauter Mars-Rover (nukleare Energieversorgung, Probennehmer, Bohrgestänge) entnimmt eine Reihe von Bodenproben und wenn er eine gewisse Menge zusammen hat, wird ein zweiter Lander gestartet mit einer Rückkehrstufe. In diese werden die Bodenproben verladen und zur Erde zurückgebracht. Nun ist selbst bei den optimistischen Prognosen ein solcher Rover nicht so effektiv wie ein Mensch. Er wird vielleicht eine Probe pro Tag gewinnen, anstatt in ein paar Minuten. Aber er hat andere Vorzüge: Er kann über Monate auf dem Mond operieren und jede Probe vor der Gewinnung untersuchen - das geht auch berührungslos mit Infrarotspektrometern und Röntgenfluoreszenz und Alphastrahlen Spektrometern. Damit kann er sich auf die Gewinnung der Proben gewinnen, die wissenschaftlich wichtig sind. Bei Apollo fand die Untersuchung erst auf der Erde statt.

Vor allem aber wird es billiger: Constellation ist mit 124-230 Milliarden Dollar angesetzt. Ich glaube das ein unbemanntes Programm im niedrigen Bereich von wenigen Prozent dieser Summe liegen würde, sicherlich unter 10 %. Eine ähnliche Tendenz können wir heute schon beim Mars sehen: Die aktuellen Rover sind nun über Jahre hinweg in Betrieb und haben jeder rund 10 km zurückgelegt - man stelle sich mal vor, sie hätten während dieser Zeit Bodenproben gesammelt und wir würden diese nun nur noch abholen. Wäre das nicht schon fast mit den Ergebnissen einer ersten bemannten Landung vergleichbar? Vor 30 Jahren wäre das unvorstellbar gewesen. Viking war viel teurer, aber nicht mobil und nicht autonom. Der Unterschied zwischen dem was eine bemannte Mission 1980 leisten konnte (für den Termin hatte Wernher von Braun die erste Marslandung geplant) und dem was man unbemannt erreichen konnte, war viel größer. Vor 2030 wird es keine bemannte Landung geben - ich wage zu prophezeien, dass bis dahin Roboter effektiver sein werden. Schon der nächste wird pro Tag eine 100 mal längere Strecke als die derzeitigen Rover zurücklegen können, instrumentell besser ausgestattet sein.

Ich finde die Argumentation "Menschen können alles besser, weil sie Verstand haben" immer sehr belustigend, weil diese Leute die Nachteile von Menschen schlichtweg ignorieren. Dazu muss man nur mal seinen Blick über den Tellerrand schweifen lassen. Es gibt so viele Bereich wo Menschen durch Roboter ersetzt wurden. Nicht nur bei immer gleichen Tätigkeiten wie in Fabriken. Denken wir an die Tiefseeforschung: Früher gab es da ausschließlich bemannte Kapseln. inzwischen wird sie von ferngesteuerten Robotern durchgeführt. Der Durchbruch kam, als ein Pilot einer Fähre bemerkte, dass der Forscher nicht mehr aus dem Bullauge schaute sondern auf den Monitor, der mit der Fernsehkamera gekoppelt war - und das konnte er bequem auch vom Schiff aus. Roboter haben Tiefseetaucher verdrängt und verlegen heute Pipelines und verschweißen Bohrinseln an der Basis im Meeresboden. Roboter machen heuten automatisch Analysen mit einem GC/MS.- man stellt nur noch eine Probenpalette unter den Arm und eine Probe wird nach der anderen geöffnet und in den GC injiziert. Am GC/MS prüft eine Software die Signale gegen eine Datenbank und gibt zurück um welche Substanzen es sich handelt und in welcher Konzentration. Das sind heute übliche vollautomatische Analysen in Labors. Wahrscheinlich könnte man auch die Schreiben an die Staatsanwaltschaft automatisch erstellen, wenn die Konzentration vorgeschriebene Grenzwerte überschreitet. Bei Blutuntersuchungen auf Alkohol geschieht des ja schon.

Das erinnert mich an das Buch, das ich gerade gelesen habe. Das Buch Digital Apollo: Human and Machine in Spaceflight (Inside Technology) beschreibt recht genau wie die NASA extrem viel Wert darauf legte für eine aktive Rolle der Besatzung, auch wenn es nicht notwendig war. Im letzten Kapitel ist das noch deutlicher, als beim Apollo Computer: Bedingt durch den Fortschritt der Computertechnik hätte das Space Shuttle vollständig vom Computer geflogen werden können. Auch hier bestand die NASA auf eine manuelle Landung. Das ganze wurde dann mechanisch gelöst: Zwar kann der Computer das Space Shuttle landen, aber bis zum Verlust der Columbia musste das Landefahrwerk mechanisch durch einen Schalter ausgelöst werden. Erst nach dem Verlust der Columbia gab es eine Möglichkeit dies zu umgehen. Nicht gedacht für eine bemannte Landung, sondern den Fall, dass wieder eine Fähre beschädigt ist. Die Besatzung wäre dann auf der ISS geblieben und das Shuttle sollte so unbemannt zurückkehren. Das es auch anders geht bewiesen die Sowjets mit der Buran, obwohl deren Computertechnik der der USA hinterherhinkte. Der Bordrechner von Buran war auch langsamer als der des Space Shuttles (0.37 MOps verglichen mit 0.48 MOps - ein aktueller Quadcore Prozessor liegt übrigens so in der Größenordnung von rund 5-10.000 MOps....Denken sie mal drüber nach was man damit alles machen könnte....)

Das zeigt ein Kernproblem der NASA: Damit man das Programm verkaufen kann wird viel Wert auf eine aktive Rolle der Besatzung gelegt. Das führt aber dazu, dass wenn offensichtlich ist, dass diese nicht benötigt wird und durch Roboter ersetzt werden könnte das ganze Programm in Frage gestellt wird. In dieser Hinsicht sind die meisten Science Fiction Filme viel fortschrittlicher: Dort hat die Besatzung meist sehr wichtige Forschungsaufgaben. Die Routinetätigkeit machen die Computer. Sie steuern die System und das Raumfahrzeug. Wenn dort Personen steuern, dann wie beim Auto mit einem Lenkrad oder sie geben Befehl "Computer - beschleunigen". Aber sie legen nicht hunderte von Kippschaltern in der richtigen Reihenfolge um oder - Anachronismus bei Apollo: Der Computer steuert, aber die Besatzung gibt von Hand die Daten ein, die von der Bodenkontrolle mündlich übermittelt werden ein. (Als "fortschrittliches" System war ein Fernschreiber vorgesehen, aber schon das war zu wenig Verantwortung für die Besatzung und wurde von den Astronauten abgelehnt). Auf so fortschrittliche Dinge wie das Übermitteln derselben Werte per Telemetrie (mit Paritätsinformationen und Gegenkontrolle über Senden des Empfangenen vor Eingabe) kam man im Apollo Programm nicht.

Ich kann obiges Buch jedem wärmstes empfehlen. Es ist ein Buch nicht nur über Apollo, sondern die Rolle von Menschen und Maschinen in den sechziger Jahren, beginnend schon bei der X-15, über Mercury und Gemini. Man lernt viel über den AGC, aber noch viel mehr über seine Philosophie, seine Entwicklung, seine Programme und die Auseinandersetzung welche Rolle er in dem Programm hatte.

Sonntag 19.1.2008: Dann klappt's auch mit der Ares...

Ares ist derzeit in der Diskussion: Einige Jahre nach Beschluss für die heutige Konfiguration propagieren noch immer Lockheed und Boeing ihre Raketen als Alternative: Es käme billiger und ginge schneller. Auch DIRECT propagiert eine Alternative unter der Verwendung schon bewährter Technologie - diesmal rekrutieren sich die Befürworter aus den eigenen NASA Reihen. Gleichzeitig gibt es Probleme mit den Vibrationen der Booster bei der Ares I+V. Zeit für einen Eintrag in der Rubrik "Gut das wir es besser wissen". Also wie hätte ich Ares durchgeführt? Fangen wir mit der Ares I an. Diese soll sind 25 t zur ISS befördern. Brauche ich dazu eine neue Rakete? Nein, dazu hätte man die Heavy Versionen der Delta und Atlas nehmen können. Die NASA hat diese Konfigurationen auch untersucht, meinte aber sie wären zu teuer in der Entwicklung und Betrieb und vor allem nicht sicher genug. Das LOC Risiko (Loss of Crew) wurde mit 1:1000 beziffert. Ares I soll bei 1:2000 liegen. Beginnen wir mit dem letzten: Wie gut ist die NASA im Berechnen des LOC Risikos? Vor dem Verlust der Columbia lag es nach NASA Angaben bei 1:424. Danach revidierte man es zu 1:80. Nach Challenger lag es bei 1:26. Wie hoch es vorher war, wissen wir nicht, aber ich wette die NASA bezifferte es nicht zu 1:26, sonst hätte sie sicher keine Astronauten fliegen lassen. Also stellen wir fest: Im Berechnen dieses Risikos hat sich die NASA also zweimal gravierend geirrt und dies bei Raumfahrzeugen, die über Jahre oder gar Jahrzehnte im Einsatz waren.

Ist vor allem eine neu konstruierte Trägerrakete per se sicherer als eine schon vorhandene und flugerprobte? Wenn ich mir die bisher verfügbaren Typen ansehe, so würde ich dies verneinen. Vor allem aber sehe ich Sicherheit bei einem bemannten Raumfahrzeug nur bedingt als Funktion einer Trägerrakete. Das man sich 100 % auf diese verlassen hat, war der Fehler beim Space Shuttle. Natürlich sollte eine Trägerrakete eine gewisse Zuverlässigkeit aufweisen. Das wesentliche ist es aber ein Versagen rechtzeitig zu erkennen. Die Zeiten wo Triebwerke von einem Augenblick zum anderen explodierten, sind doch längst vorbei. Ein Triebwerk verliert Leistung oder es kommt auch zum Brand, aber dann ist dies diagnostizierbar und die Kapsel kann abgesprengt werden. Ich halte daher eine Rakete wie die Delta IV Heavy ohne jegliche Feststoffbooster für sicherer als eine mit einem wie die Ares I.

Das die Ares nicht billiger wird, wissen wir ja schon. Wie sollte sie denn auch? Um es mal extrem zu formulieren: Bei der Delta IV Heavy hätte es gereicht, erheblich mehr Sensoren einzubauen und ein Computersystem um Anomalien zu erkennen, dazu müsste man den Startturm für bemannte Einsätze umbauen - aber das war schon. Bei der Ares I muss der SRB komplette neu qualifiziert werden (Feststofftriebwerke kann man nicht einfach wie Tanks bei Raketen mit flüssigen Treibstoffen verlängern - die verändern ihr komplettes Verhalten, liefern mehr Schub und eventuell andere Brennkammerdrücke). und die zweite Stufe musste erst noch erfunden werden. Wie sollte das billiger sein, als eine Modifikation einer vorhandenen Trägerrakete? Nur mal um eine Zahl in den Raum zu werfen: Die Ares I Entwicklung wird mittlerweile auf 16.6 Milliarden Dollar geschätzt. Das ist erheblich mehr als die gesamte Entwicklung der Ariane 5, inklusive der Weiterentwicklung zur ESC-B und Zuschüssen zur Produktion bzw. nach den beiden Fehlstarts der Ariane 5 und Ariane 5 ECA. Und das war eine komplett neue Trägerrakete mit insgesamt drei verschiedenen Oberstufen.

Nun zur Ares V. Das Gesamtkonzept halte ich für gut. Aber die Details nicht. Die erste Stufe mit den RS-68 ist eine gute Wahl, vor allem weil es zu den schubstarken Triebwerken kaum Alternativen gibt.  Über den Einsatz von SRB kann man geteilter Meinung sein. Wahrscheinlich ist es günstiger, als eine sonst nötige dreistufige Lösung um zum Mond zu kommen. Aber: Auch hier das gleiche: Warum zweimal 5,5 Segment Booster anstatt dreimal die normalen 4 Segment Booster? Dann wäre auch hier keine Neuqualifikation nötig.

Zu der Oberstufe: Hier gab es die Diskussion um den Einsatz des SSME oder des J-2S. Das SSME ist fast doppelt so schubstark und hat einen höheren spezifischen Impuls. Es wurde über Jahrzehnte verbessert und es gibt davon noch etliche: Es wurden 49 Flugexemplare gebaut. Sechs gingen mit zwei Orbitern verloren: So hätte die NASA ohne Probleme 43 Flüge mit je einem Triebwerk pro Oberstufe durchführen können. Die Bedenken gegen das SSME war, dass sie nicht für den erneuten Start im Flug ausgelegt sind, wie es bei der dritten Stufe notwendig ist. Für die erste Stufe sollten sie zu teuer sein. Umgekehrt wird das J-2S auch weitgehend modifiziert werden. Vergleichen mit dem Originalen bekommt es eine neue Turbopumpe und eine verlängerte Düse. So gesehen scheint es ein Patt zu sein. Ich persönlich würde wohl eher das SSME bevorzugen, weil es schon über 375 mal geflogen ist und leistungsfähiger ist. Inzwischen erwägt man wieder den Wechsel zum SSME, weil die höheren Produktionskosten wohl geringer sind als die entwicklungskosten der 5 Segment Booster.  (Warum übrigens die Produktionskosten angeführt werden verwundert mich - wie schon gesagt 43 Triebwerke müssten davon noch existieren)

In jedem Falle hätte ich bei der heutigen Konfiguration darauf geachtet, die Entwicklungskosten zu minimieren. Es wird von Ares I und V wahrscheinlich nur wenige Flüge geben. Die Saturn V flogen schließlich auch nur 13 mal. Selbst wenn jeder Start ein bisschen teurer wird, spart man das locker bei den Entwicklungskosten ein. Also wenn ich die jetzige Konzeption nehme warum dann nicht so:

Die Oberstufe ist durch zwei Triebwerke groß genug um auch auf der Ares V eingesetzt zu werden und durch ihre erhöhte Performance erlaubt sie es bei der Ares I nur einen 4-Segment SRB einzusetzen. Das hat folgende Vorteile:

In der Summe muss man also nur zwei Stufen anstatt fünf Stufen neu entwickeln.

Klingt für mich logisch, aber ich bin ja auch nur einfacher Ingenieur und Naturwissenschaftler und beherrsche nicht die höhere NASA Mathematik, die für Normalsterbliche so schwer zu durchschauen ist.

Dienstag 21.7.2009: Apollo 11 - was der TV Zuschauer mitbekam

Ab und an bereue ich es, dass ich zu jung war um die Mondlandung 1969 bewusst zu erleben. besonders, wenn wie jetzt so viele Dokumentationen, teilweise auch mit für mich neuen Bildern und Interviews im Fernsehen kommen. Der TVOnlineRecorder ist da recht geschickt, ich lade derzeit alles runter und brenne es dann mal auf CD. Es kommt ja wirklich viel derzeit über die Mondlandung. Allerdings:die Dramatik der Mondlandung ist dem deutschen Fernsehzuschauer weitgehend entgangen, weitgehend verursacht durch die Kommentare von Werner Büdeler. Beim ersten Programmalarm musste er eine Frage von Jürgen Siefahrt beantworten und hat ihn verschlafen und beim zweiten Alarm meinte er das OK  der Bodenkontrolle wäre ein normales "Go" wie es in verschiedenen Phasen der Landung immer wieder eines gibt. Den "Bingo-Countdown", mit dem es ja wirklich dramatisch wurde, weil der Treibstoff zu Ende ging wurde als "Noch 60 Sekunden bis zu Landung" den deutschen Zuschauern verkauft´, als wüsste die NASA bis auf die Sekunde genau wann die Eagle landen würde. Und nach der Landung hieß es "Eine sehr glatte Landung war es". Später schlossen Kuon & Siefahrt aus dem Aufsetzen, 1 Minute vor dem geplanten Zeitpunkt der Landezeit, dass die Fähre ohne waagerechtes Schweben senkrecht gelandet ist - das genau Gegenteil ist der Fall gewesen.

Folgerichtig erfuhren die deutschen Fernsehzuschauer auch nur den ersten Halbsatz von Armstrongs berühmten Zitat "Ein kleiner Schritt - jetzt können sie den Tornister mit dem Lebenserhaltungssystem genau erkennen", ja man kann nicht gleichzeitig kommentieren und zuhören. Immerhin: Eines ist erstaunlich: Die vielen Fragen die damals von Zuschauern gestellt wurden und beantwortet werden konnten. Das zeigt auch wie präsent das Ereignis damals war. Auch die NASA verteilte recht großzügig Informationen. Alleine die Presskits waren einige Hundert Seiten stark. Schade ist nur dass vieles verschütt gegangen ist. So scheinen die Originalbänder der Videosignale verloren gegangen zu sein. Zur Erklärung: Die Signale wurden in Australien empfangen, dann über Intelsat nach Goldstone übertragen und erneut über Intelsat dann in alle Welt. Ein Großteil der schlechten Qualität beruht auf diesen Weg über die Satelliten. Die originalen Signale die man bei Honeysuckle Creek aufzeichnete sind irgendwie verschollen. Das scheint für andere Dinge auch zu gelten: Ich habe noch nicht die kompletten Startaufnahmen einer Saturn V inklusive der berühmten Slow-Motion und Staging Aufnahmen auf einer NASA Website gesehen. Sie tauchen zwar immer wieder in Dokumentationen oder auf Youtube auf, aber die NASA scheint sie nicht mehr zu haben.

Immerhin: Vom LRO gibt es Neuigkeiten. Pünktlich zum 40.sten Jahrestag der Mondlandung gibt es hochauflösende Aufnahmen einige Apollo Landeplätze. Aus dem endgültigen Orbit sollen die Aufnahmen noch dreimal höher aufgelöst sein. Ob das die Moon Hoaxer zufrieden stellt? Ich glaube nicht.

So das war schon für heute. Die Diskussion um Thomas Blogeintrag will ich nicht groß unterbrechen. Ich denke da kann man noch eine Menge dazu sagen (ich werde es vielleicht in einem eigenen Blog tun). und er hat nach zwei guten Blogs wirklich etwas mehr Zuspruch verdient. Ich warte übrigens noch auf Gastblogs von Ralph Kanig und Michel Van, die fühlten sich doch auch mal aufgerufen. Wie man an Thomas sieht: Frischer Wind und neue Perspektiven bringen neues Leben und eine heftige Diskussion.

Mittwoch: 22.7.2009: Apollo, Constellation und Verschwörungstheorien

Ich greife mal einen der Kommentare auf: Ich hätte das Constellation Programm falsch mit Apollo verglichen - Offensichtlich handelt es sich um den Kommentator um jemanden der meint, jetzt würde schon feststehen was Constellation leistet - das weis noch nicht mal die NASA. Der Altair Lander ist noch in der Designphase und was nach den ersten Landungen geschieht, ist noch nicht ausgemacht. Es gibt zwar eine Menge an Spekulationen aus "nahestehenden" Websites, aber eben noch nichts greifbares auf der NASA Seite. Wenn wundert es denn auch, wenn die Ares V gerade wieder mal in ihrer Konfiguration hinterfragt wird.

Das leitet mich zum Thema: Was unterscheidet Apollo und Constellation? Es ist die Zielsetzung: Apollo hatte ein Ziel, einfach formuliert: "Landing a Man on the moon". Wer die originale Fernsehberichterstattung von Apollo 11 anschaut, der stolpert laufend darüber: Die Erfüllung von Kennedys Vision. Später sagten viele, am Programm beteiligte, inklusive einiger Astronauten: Wenn Kennedy nicht erschossen worden wäre, hätte man wahrscheinlich Apollo noch früher eingestellt. Aber gerade durch den Tod geriet das Apollo Programm zu einem Vermächtnis. Die USA hatten 1969 durchaus andere Probleme: Einen ausufernden Vietnamkrieg. Wiederstände in breiten Teilen der Bevölkerung gegen diesen Krieg. Soziale Unruhen, die wieder aufgetauchte Rassenfrage mit der Benachteiligung von Afroamerikanern. In der Tat hatte das Apollo Programm 1969 auch schon seinen Höhepunkt überschritten: Zumindest was die Ausgaben betrifft. Die höchsten Kosten warf die Entwicklung auf und die wurde 1967 abgeschlossen. Danach sank der Finanzbedarf ab, weil nun nur noch Hardware gebaut wurde - Bei Gesamtkosten von 25.5 Milliarden Dollar entfielen 23,9 Milliarden auf das Programm bis Apollo 11. Die restlichen 6 Flüge machten die restlichen 1,6 Milliarden aus (die Kosten für die Hardware sind in den 23.9 schon enthalten, da sie vorher bestellt war. Ein Flug kostete 350-450 Millionen Dollar, wie das Space Shuttle verursachte Apollo aber auch Fixkosten ohne jeden Start).

Schon für das Nachfolge Programm: Apollo Application Programm, bei dem man einfach nach Verwendungsmöglichkeiten für die Apollo Hardware suchte, gab es kaum noch Geld. Es reichte für Skylab und drei Flüge zu der Raumstation. Ein zweites Exemplar von Skylab, ein Flugexemplar steht heute im Museum. Die Saturn V und Saturn 1B und Apollo Raumschiffe für die Flüge ebenfalls. Hardware war vorhanden, aber die Fixkosten waren dem Kongress schon zu hoch. Die Geschichte ist bekannt: Die NASA und vor allem die Menschen, die Apollo vorgetrieben haben, wurden auf den Boden der Wirklichkeit zurückgeholt: Es wurde nichts aus der Marslandung bis 1981. Auch die große Raumstation sollte es nicht mehr geben. Das Space Shuttle war noch möglich, weil die Air Force es auch benötigte und die NASA es als sich selbst finanzierend verkaufte.

Natürlich gab es bei Apollo Versäumnisse. Diese waren aber auch dem Zeitdruck geschuldet. In acht Jahren wurde es schließlich durchgezogen. Man hätte sich gewünscht wenn mehr Wissenschaft getrieben würde. Diese wurde immer wichtiger bei den folgenden Flügen, aber sie war nicht von Anfang an Bestandteil des Programms und durch die Gewichtssteigerungen bei den Geräten war Apollo 11 auch die erste Mission, bei der das LM leicht genug war um zu landen.

Nun gibt es Constellation und ich wage zu prognostizieren das wir keine Mondlandung sehen werden. Wie 1969 haben wir auch heute eine Menge Probleme, die gelöst werden müssen, ja sogar dringendere, eine echte Weltwirtschaftkrise, steigende Staatsverschuldung bei den USA wie auch den meisten Industriestaaten. Unter dieser Prämisse hat ein 230 Milliarden Dollar Programm keine Chance. Es fehlt auch die politische Vision, die es bei Kennedy gab. Bush ist sicher kein Präsident dessen Vision die Amis vom Hocker reist. Ich glaube die meisten möchten ihn so schnell wie möglich vergessen. So hat das Programm schon daher nicht den gleichen Rückhalt wie Apollo. Das zweite ist: Was ist an Constellation das besondere? Für die Öffentlichkeit ist es doch einfach nur eine Wiederholung von Apollo. Es ist kein neuer Schritt wie eine Marsmission. Warum etwas weiderholen, was man schon getan hat?

Diese naheliegende Frage führte ja auch zum Streichen von Apollo 18-20. Und sie ist der Grund warum man 40 Jahre lang nicht zum Mond geflogen ist. Es geht nicht um ein wissenschaftliches Programm, um Forschung. Dafür macht man nicht diese Milliardenbeträge locker. Deswegen folgte auf Apollo nichts mehr - bzw. eben nur noch unbemannte Missionen. (Wobei auch hier lange andere Körper des Sonnensystems interessanter erschienen). Das ist auch einer der Wurzeln der Moon Hoaxer Theorien. Unser Verstand denkt linear: Auf einen Beginn kommt eine Fortsetzung. So läuft es ja auch in anderen Bereichen der Raumfahrt: Einem Mann im All folgten zwei, dann wurden die Missionen länger und es gab Raumstationen die dann immer mehr Astronauten für immer längere Zeit aufnahmen. Marsvorbeiflüge wurden von Orbitern abgelöst und dem folgten Lander. Innerhalb des Sonnensystems ging es immer weiter nach außen- 2015 soll auch Pluto besuch bekommen.

Nur beim Mond läuft es anders: Es gibt Apollo und dann 50 Jahre lang nichts. Das ist nicht logisch. Aber es ist auch kein von Logik getriebenes Projekt. Es ist Politik. Politik ist nicht logisch. Genauso wenig wie Verschwörungstheorien.

Ansonsten hat sich Apollo 11 auch auf meiner Website niedergeschlagen: Noch nie gab es so viele Besuche. Thomas Blogbeitrag bekam Rekordabrufzahlen und auch meine Bücher verkaufen sich derzeit wie warme Semmeln - In den letzten 20 Tagen habe ich annähernd genauso viele Exemplare vom Das Gemini Programm. verkauft wie vorher in 3 Monaten. Auch das zweite Buch Das ATV Jules Verne:  geht wieder ganz gut. Die beiden anderen Bücher sind noch relativ kurz auf dem Markt, so dass hier die Nachfrage noch verhalten ist. Immerhin mein Buch über die Tricks der Lebensmittelindustrie (Was ist drin?) zieht langsam an. Es dauert eben einfach erst einige Monate bis ein buch bekannt ist. So könnte es weitergehen. Ich hoffe mal es gibt einen ähnlichen Schub nächsten April: Zu 40 Jahre Apollo 13....


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