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Web Log Teil 122: 24.7.2009-31.8.2009

Freitag 24.7.2009: Sich auf das wichtigste beschränken

Ich will heute mal einen Bogen spannen. Einen Bogen über rund 30 Jahre Raumfahrt und die Möglichkeit sich zu informieren. Als ich damit anfing, so um das Jahr 1980 gab es nur zwei Möglichkeiten: Bücher und aktuelle Berichterstattung. Die aktuelle Berichterstattung konzentrierte sich auf interessante Aspekte: Flog Voyager am Saturn vorbei so waren die Zeitungen und Zeitschriften voll mit Bildern und nicht besonders tiefgehenden Informationen. In Zeitungen fokussierte sich das Interesse auf spektakuläre Dinge. Also die ersten Space Shuttle Flüge und Ariane. Es fiel aber schwer dort Informationen über nicht so spektakuläre Projekte wie einfache Forschungssatelliten zu bekommen.

Meine wichtigste Quelle waren damals Bücher. Dabei lag deren Glanzzeit schon hinter ihnen: Als ich mich anfing für Raumfahrt zu interessieren gab es kaum noch Bücher die sich an ein einen interessierten Laien richteten. Auch bei dem zweiten Interessensgebiet, der Planetenerkundung wurde es schlechter. In den achtziger Jahren gab es hier noch wirklich gute Bücher, die auch Tief sich mit einzelnen Aspekten beschäftigten. Danach gab es eigentlich nur noch die Bücher die sich in einem Band mit dem ganzen Sonnensystem beschäftigten. Das dies nicht geht, dürfte allen klar sein. Ich habe gerade mal bei Amazon geschaut, weil mir vor ein paar Tagen auffällt, dass mein Standardwerk über den Mars noch von Horst Köhler ist (nein nicht unser Bundespräsident) mit dem Stand von 1978, also nach der Viking Mission. Bedenkt man wie viele Missionen es seitdem gab

Aber das ist das Problem: Solange es noch Missionen gibt, solange wird es neue Ergebnisse geben und jedes Buch nur eine Momentaufnahme sein. Das mag so sein, aber weil seit 1997 eigentlich immer mindestens eine Mission auf dem Mars aktiv ist (derzeit sind es sogar 4) hindert das offenbar die Autoren daran zu einem bestimmten Zeitpunkt die vorliegenden neuen Erkenntnisse zusammenzufassen und ein Buch zu schreiben. Was bleibt noch? Nun in den achtziger Jahren war für mich die Hauptquelle für Erkenntnisse von Plantenmissiionen die deutsche Ausgabe von Scientific American. die gibt es auch heute noch und natürlich im Niveau etwas höher angesiedelt Nature und Science und Konsorten. Heute gibt es diese auch auf dem Internet und dort werden die neuesten Ergebnisse der Planetensonden publiziert: Aber es kostet jeder Artikel Geld. In der ct' kamen schon einige Artikel die sich damit beschäftigten, dass die Ergebnisse von Wissenschaft allgemein zugänglich sein sollten. Primär um die Recherche zu vereinfachen und eine gewisse Demokratie bei der Beurteilung von Artikeln zu bekommen. Aber auch die Öffentlichkeit profitiert davon, denn sie kann diese Artikel ohne Kosten ansehen. Nichts gegen die Verlage: Sie publizieren und das kostet Geld. Doch wenn diese Leistung wegfällt und damit die Kosten für Druck und Vertrieb und man für jeden Artikel dann im Internet einige Euro zahlen soll, dann hat das nichts mehr mit dem Grundgedanken zu tun: Wissenschaftliche Ergebnisse zu verbreiten.

Auf der einen Seite ist es heute also recht schwer an didaktisch aufbereitetes Material zu kommen. Auf der anderen Seite ist es gar kein Problem an einen Haufen von Material zu kommen. Zum einen gibt es enorm viele Nachrichtenquellen: Die großen Raumfahrtagenturen veröffentlichen jeden Tag Nachrichten, über alle möglichen wichtigen und unwichtigen Ereignisse. Es gibt dann noch Internetportale die dies bündeln und andere Quellen hinzunehmen wie Zeitungen oder Nachrichten von Firmen. Zuletzt bietet das Internet aber auch die Möglichkeiten dinge zu veröffentlichen die früher irgendwo verstaubten. Studien, Projekte, persönliche Memoranden. Dazu gibt es dann noch Foren in denen man sich mit anderen über diese Dinge unterhalten kann. Vor allem kommt so viel Material nach außen, das vielleicht noch von unabhängiger Stelle nachgeprüft werden muss. Geprägt von Persönlichen Ansichten, oder Vorstellungen. Solche Papers schwirren dann durch die Foren und Diskussionen und heizen Diskussionen an.

Nachdem ich weiß, wie viele wirklich schon angegangene Projekte schon früher im Papierkorb landeten ist mein persönliches Credo: Ich beschäftige mich nur noch mit Dingen die zumindest angegangen werden. Ich habe einfach zu wenig Zeit mich mit jeder Idee und jedem Projekt zu beschäftigen. Das ist der Grund warum ich mich weitgehend aus der Diskussion über Ares und Mondprojekte heraus gehalten habe. Ich habe keine Ahnung von DIRECT oder Jupiter entwürfen. Warum auch? Es steht ja noch nicht mal die endgültige Konfiguration der Ares I und V fest. Noch unsicherer halte ich das Constellation Programm selbst. Ich glaube Orion und Ares I werden wohl gebaut werden, aber ob man den zweiten Schritt - die Ares V und den Altair Mondlander angeht oder gar eine Langzeitbasis auf dem Mond halte ich für nicht so sicher. Zum einen dürfte es das erste Projekt sein, das gestrichen werden kann - es erfordert am meisten Finanzmittel und so richtig will es keiner.- Selbst die Astronauten sprechen sich dafür aus nicht wieder zum Mond zurückzudrehen, sondern zum Mars. Warum auch? Der Mond ist ein kraterbedeckter Himmelskörper ohne eigene geologische Vergangenheit. Die hat der Mars. Es gibt dort Wetter, Erosion. Vulkane und vielleicht gab es auch mal Leben (manche vermuten es ja heute noch dort). Nicht das ich glaube das es anstatt Constellation dann ein Marspogramm gibt. Aber damit fehlt eben eine echte Triebkraft für das Programm. Daher - das mag den einen oder anderen Leser verwundern - beschäftige ich mich auch nicht mit Konstellation. Warum auch? In frühestens 5 Jahren gibt e den bemannten Flug.

Auch so gibt es genug zu tun. Damit entlasse ich meine Blog Gemeinde in das Wochenende Montag folgt dann der angekündigte Gastblog von Michael Jahn über erneuerbare Energien. Ich hoffe mal das Thema findet genauso viel Anklang wie der Blog von Thomas.

Montag 28.7.2009: Schwerlastraketen

Eigentlich sollte nun ja der Artikel über erneuerbare Energien kommen. Dummerweise habe ich jedoch die Mail ausversehen gelöscht. Für jeden Kommentar im Blog bekomme ich eine Mail und als ich da einen ganzen Block (durch die vielen Antworten auf Thomas Artikel) davon löschen wollte, war leider die Mail mit dem Artikel mit drin. Ich habe ihn aber noch mal abgefordert und hoffe er kommt bald. Gelegenheit über etwas zu schreiben was ja auch in der Diskussion über ein "vernünftiges" Mondprogramm aufkam: Die Diskussion über eine Scherlastrakete. Wie bei der bemannten Raumfahrt ist so eine Diskussion ziemlich emotional belastet: Große Raketen sehen einfach gut aus. Sie sind majestätisch beim Abheben. Doch sehen wir es einfach mal praktisch:

Was sind die Argumente für eine Schwerlastrakete?

  1. Eine Schwerlastrakete vereinfacht die Mission enorm: Ein Start und alles ist auf dem Weg zum Mond. Bei kleineren Raketen muss man mehr Starts durchführen. Das wird organisatorisch aufwendiger (Kopplung im Weltraum) und das Risiko des Scheiterns der Mission steigt, weil mehr Starts für eine Mission durchgeführt werden müssen.
  2. Pro Kilogramm Nutzlast ist eine Rakete um so preiswerter, je größer ist ist.

Doch wie sieht es mit den Nachteilen aus?

  1. Zuerst einmal: Große Rakete = Hohe Entwicklungskosten. Die Saturn V kostete rund 9 Milliarden Dollar. Teilt man diese Summe auf die 13 Fluge auf, so ist ein Start dann viermal so teuer. Die Folge: Aus dem billigen Träger wird ein teurer.
  2. Eine Schwerlastrakete hat nur einen Verwendungszweck. Fällt dieser weg, so ist sie überflüssig. Auch dies kann bei allen bisher gebauten Exemplaren  (Saturn,N-1 und Energija) zu sehen.
  3. Wenn dagegen eine kleinere Rakete mehrfach gestartet wird, dann wird die Produktion billiger, d.h. auch andere Transporte profitieren davon. Schon unter diesem Aspekt ist die Entscheidung der NASA für die Ares nicht gerade gut für die amerikanische Raketenindustrie.

Die Frage aber ist: Gibt es eine Alternative zu einer Schwerlastrakete?

Ja die gibt es und man kann ein Mondlandunternehmen sogar durchführen mit heute verfügbaren Trägern. Der Kernpunkt dessen ist, dass sowohl bei einem Marsunternehmen wie auch bei einer Mondlandung zwei Dinge gegeben sind: Der größte Anteil des Startgewichts das einen Erdorbit erreicht, sind Treibstoff um die Erde zu verlassen und jedes "monolitische" Raumfahrzeug, also nicht an ein anderes gekoppeltes macht nur einen Bruchteil der Masse aus.

Um es mal konkret zu machen: Bei Apollo haben wir drei Teile: Den Mondlander LM (15 t), das Service Modul (SM) mit 24,5 t und die Kommandokapsel (CS) mit .5,8 t Masse. Von den 24.5 t des Servicemoduls entfallen auch 18.6 t auf den Treibstoff. Sie könnten durch eine Raketenstufe ersetzt werden. In der Summe ist also der schwerste Einzelbestandteil einer Apollo Mission der Mondlander mit 15 t Startmasse: Es gibt derzeit  mindestens vier Trägersysteme, die 15 t in einen Erdorbit befördern können. Bei einer Marsmission braucht man neue Trägerraketen. Hier liegt die minimale Startmasse bei rund 50 t, mit etwas Sicherheitsspielraum bei 70 t. Doch auch dies wäre durch Clusterung von bestehenden Typen wie Ariane, Zenit oder Atlas erreichbar.

Zuerst einmal: Wie läuft die Mondlandung bei Einsatz von Standfard Trägerraketen ab? Ich nehme mal als Beispiel die Beförderung des 20 t schweren Mondlanders in eine Mondumlaufbahn mit einer Ariane 5-ECA (Nutzlast 21 t) . Der erste Start führt in einen 300 km Orbit. Damit ist der Lander in einem Erdorbit. Nun startet eine zweite Ariane 5-ECA mit einer zusätzlichen auf 21 t Startmasse vergrößerten ESC-A Oberstufe in diesen Orbit.(Leermasse 4,0 t mit Kopplungssystemen). Nun koppelt sie an den Mondlander an und befördert ihn in eine exzentrische Erdumlaufbahn von 300 x 22.000 km.

Ein dritter Start bringt eine neue ESC-A Oberstufe in diesen Orbit. Sie koppelt an und befördert den Mondlander auf einen Fluchtkurs. Der 20 t schwere Mondlander zündet am Mond angekommen seine eigenen Triebwerke und erreicht eine Mondumlaufbahn. Danach wiegt er noch 15.5 t - genauso viel wie der Apollo Mondlander. Es gibt auch noch Spielraum für Optimierungen. So liefern die beiden ESC-A stufen z.B. 400 m/s mehr Geschwindigkeit als benötigt. Ideal wäre ein optimiertes System bei dem der Mondlander auch mit kryogenen Treibstoffen arbeitet und man die Treibstoffe umpumpen könnte. Zusammen mit dem höheren spezifischen Impuls könnten dann drei Starts rund 18 t in eine Mondumlaufbahn abliefern.

So ginge das auch bei den anderen Starts für das CSM. Da hier der größte Teil auf Treibstoff entfällt, würde man wahrscheinlich eine Raketenstufe und ein Modul mit der Lebenserhaltung separat starten. Die eigentliche Kapsel wäre dann schwerer, weil sie erst im Mondorbit mit dem CSM koppeln würde und so für 4 Tage Lebenserhaltung bieten muss und auch eine kleine Antriebseinheit braucht, um in den Mondorbit zu gelangen. Zwei Starts reichen aber auch hier aus um eine 10 t Kapsel zum Mond zu bringen.

In der Summe ist so ein Saturn V Start durch rund 7 Starts einer Ariane 5 zu ersetzen. Eine Ares I+V Kombination durch etwa 10-11 Starts.

Die Frage ist: Ist dies logistisch Möglich? Einfache Antwort: Natürlich! Heute liegen zwar rund einen Monat zwischen zwei Starts einer Ariane (gleiches gilt auch für andere Träger). Doch das liegt daran, dass es nur eine Startrampe gibt. Bei Schwerlastraketen braucht man noch mehr Zeit für einen Start: Für die Saturn V gab es für maximal 5 Starts pro Jahr zwei Startrampen. Wer aber bitte sagt, dass man nur eine Startrampe benutzen muss? Als die USA ihre Aufklärungssatelliten im wöchentlichen Abstand starteten, gab es fünf Startrampen für die Thor in Vandenberg. Auf einer saß immer ein CORONA Satellit startbereit um in 24 Stunden im Orbit zu sein. Analog kann man mit einigen Startrampen mehr ohne Problem die Starts für einen Mondflug in einem Monat durchführen. Die Alternative dazu ist internationale Kooperation: Mit der Nutzung von je einer Atlas V, Delta IV, H-, Ariane, Proton und Zenit kann man z.B. alle Module innerhalb von wenigen Tagen starten. Das ganze ist allerdings organisatorisch aufwendiger, da dann die höchste Erdinklination das Bahnregime diktiert.

Ich glaube allerdings nicht so recht an internationale Kooperation. Die Durchführung der Starts wäre aber ein guter Weg wie jeder Partner Leistungen in das Unternehmen einbringen könnte. Realistischer weise würde es bei internationale Kooperation wohl auf die USA-Europa-Japan hinauslaufen. Russland hat derzeit nicht mal die Mittel ihre eigenen Module für die ISS zu starten und China will einen eigenen Weg gehen.

Natürlich ist dieses Konzept nicht "sexy", aber sie hat enorme Vorteile. Was ist an Investitionen nötig? Es muss ein Kopplungsadapter und eine automatische Ankopplung entwickelt werden - anders als zu Apollo Zeiten ist das aber inzwischen Stand der Technik. Das ATV und die Progress koppeln automatisch an, ohne menschliche Eingriffe. Es sind vielleicht ein paar Startplattformen nötig und Integrationsgebäude. Doch das sind Peanuts verglichen mit den Entwicklungskosten der Ares V. Die Ares I Entwicklung alleine kostet schon 16.6 Milliarden Dollar. Es ist unwahrscheinlich, dass die Ares V weniger kostet. Nehmen wir mal 30 Milliarden Dollar an und auch, dass die optimistischen Startkosten von 500 Millionen zutreffen: Dann würden 11 Ariane 5 Starts rund 1500 Millionen pro Start mehr kosten - erst mal. Nach 20 Mondlandungen wäre man also bei 0 angekommen. Glaubt aber jemand ernsthaft, wir sehen 20 Mondlandungen? Also ich nicht.

Gemäß der normalen Erfahrungskurve sind aber mehr durchgeführte Starts billiger. Bei einem Wert von 0,8 für die Potenz bei der Erfahrungskurve, ein in der Betriebswirtschaft üblicher Wert, kosten die derzeit rund 6 Starts pro Jahr rund 30 % weniger als nur ein durchgeführter Start pro Jahr. Zwei Mondlandungen pro Jahr würden die Zahl auf rund 26-28 steigern. Dann kostet ein Start etwa 27 % weniger als heute, Oder eine Mondlandung kostet rund 1100 Millionen mehr als mit einer Schwerlastrakete, Dabei beruht dieses Konzept auf den optimistischen Angaben der NASA von 500 Millionen pro Start Da eine Delta IV Heavy mit nur drei RS-68 und einem RL-10 schon 250 Millionen kostet, kann ich dem eigentlich nicht so echt glauben.

Ich halte das Konzept für vernünftig und zeitgemäß: Die Saturn V war es zu ihrer Zeit, als die Kopplung im All als riskant galt und überhaupt eine Mondlandung an der Grenze des technisch machbaren. Heute ist das anders. Wenn die NASA eine neue Trägerakte dafür entwickelt zeigt sie nicht Innovation oder das Bestreben einen Auftrag optimal, d.h. mit möglichst kleinen Kosten durchzuführen. Nein sie beweist nur wieder einmal die Freischeck Mentalität, die es schon immer im bemannten Raumfahrtprogramm gab: Ihr wollt eine bemannte Mondlandung? Klar wir haben da schon Pläne für neue Raketen, neue Kapseln, neue Lander, auch eine Mondbasis wäre möglich - kostet nur 170-230 Milliarden, aber der Steuerzahler zahlt es ja. Und dann kommen die Beschwerden, wenn man auf dem Mond gelandet ist und nachgefragt wird, wofür man so viel Geld ausgibt. Das gleiche wurde so beim Space Shuttle und der ISS durchgezogen. Nur wage ich zu prognostizieren, dass es diesmal nicht so klappt.

Was gibt es sonst noch? Ich arbeite eigentlich von morgens bis abends am sechsten Buch "Raketenlexikon Teil 2 Nicht-US Raketen". Derzeit bin ich mit den russischen Trägern ganz durch und habe schon für 130 Seiten Material gesammelt. Der eine oder andere mag sich fragen, warum ich so viele Bücher schreibe: Es hat mehrere Gründe. Das eine ist, dass es anders als die Website ein abgeschlossenes Projekt ist. Es wird geschrieben, redigiert, korrekturgelesen und publiziert. Die Website ist dagegen ein Endlosprojekt. das fällt mir gerade jetzt auf, wenn ich für das Buch recherchiere und zuerst mal auf die Website zugreife. Überall komme ich an Stellen wo sie nicht mehr aktuell ist, oder ergänzt werden muss. Das Buch kommt meinem früheren Konzept, einen Aufsatz zu recherchieren, schreiben und ins Netz zu stellen. Der zweite Grund ist, dass es mit jedem Buch lukrativer wird. Also ich bin mit diesem Monat recht zufrieden. Insbesondere das "Was ist drin" Buch zieht nun an, aber auch die Raumfahrtbücher gehen gut. Letztere wahrscheinlich ein Seiteneffekt von 40 Jahre Mondlandung. Da ich ab Ende August arbeitslos bin, könnte das zumindest ein Zusatzeinkommen werden. Bei genügend verkauften Büchern sogar ein echtes Einkommen. Und als letztes habe ich nun das Haupthindernis beseitigt, weil ich zwei kompetente und gründliche Korrekturleser gefunden habe. So macht dann auch das Schreiben wieder viel Spaß, weil ich den Teil, denn ich anstrengend und eintönig finde so ein bisschen externalisieren kann.

So, nun muss ich mich aber noch an Start, Shtil und Volna machen....

Freitag 30.7.2009: Nachlese / Blog

Eigentlich wollte ich ja heute scheiben unter dem Titel "Werde berühmt mit Bernd-Leitenberger.de". Denn kurz nach Veröffentlichung des letzten Blogs von Michael Jahn bekam ich eine Mail, wo ich gefragt wurde, ob ich den Artikel nicht auf www.urquellwasser.eu veröffentlichen würde. So würde er 50.000-75.0000 Besucher bekommen. Ich habe die Mail natürlich an den Autor weiter geleitet. Tja so schnell geht das mit dem Bekannt-werden. Der Artikel wurde vorher von Fachzeitschriften abgelehnt und ich hatte auch erst mal angemerkt, das von der Sprache her mehr ein Fachartikel als ein Blog ist. Mal sehen ob jetzt von Michael Jahn noch mehr Gastbeiträge kommen. Er meinte vorher, er hätte noch einiges schon fertig vorliegen.

Auch Thomas hat jede Menge Kommentare für seinen Blog bekommen. Auch wenn es immer wieder die gleichen sind die kommentieren - das ist nun mal so im Internet. Der größte Teil der Leser ist stumm. Rein statistisch besuchen etwa 500.000 Leute jedes Jahr die Website, also so rund 1300 pro Tag. Ich bekomme aber im Durchschnitt vielleicht eine Mail, meistens weniger. Bei so schnellen Reaktionen merkt man aber das der Blog gelesen wird.

Ich muss ehrlich sagen, ich wünsche mir das für meine Beiträge auch. Konkretes Beispiel: Ich entdecke über die Referer, dass mein letzter Blog über Schwelastraketen im Raumfahrer.net Forum diskutiert wird. Warum nicht hier? Um mal gleich einen Irrtum auszuräumen: Mehrere Startrampen machen eine bemannte Mission einfacher, aber sind nicht notwendig und so entfällt auch die dort vermutete Diskussion über enormer Organisationsaufwand von vielen Starts in kürzester Zeit: Wenn etwas im Orbit ist kann es dort ruhig ein paar Monate bleiben. Konkretes Beispiel: Die ESA alleine würde das mit einer Ariane 5 Startrampe und 8 Starts pro Jahr (so viel sind nach Arianespace ohne Problem möglich machen), dann sähe das z.b. so aus:

Irgendwann später.... Rückkehr der Besatzung vom Mond. Umsteigen in das Kommandomodul. Ankopplung an die Stufe mit lagerfähigen Treibstoffen und Abkoppeln des Mondlanders. Rückkehr zur Erde

Zugegeben es ist aufwendiger. Ohne kryogene Treibstoffe sind mehr Missionen nötig (hier 8 anstatt 7), aber es gibt zu keinem Zeitpunkt einen Termindruck. Die beförderte Masse in eine Fluchtbahn ist übrigens bei dem Szenario rund 55,8t. Je 21 t für die Stufe zum Rückstart und 13,8 t für die Mannschaftskabine. Im Mondorbit kommen noch 2 x 15 t und einmal 9.6 t an. Es ist nicht besonders elegant, weil man z.b. keine 15 t Stufe zur Rückkehr braucht (bei 9.6 t für das CSM würden dazu rund 4 t reichen. Das könnte man nutzen um den Mondlander mit nur teilweise gefüllten Tanks zu starten und unterwegs umfüllen. So könnte man z.B. rund 60 % mehr auf dem Mond landen als zur Apollo Ära.

Vielleicht ist das der Fehler meiner Blogs: Sie sind nicht hypothetisch. Sie sind technisch und ich rechne alles durch, und halte die Klappe bei Themen wo ich das nicht kann. Über Zahlen kann man nicht diskutieren, man kann nur Rechenfehler nachweisen. Ich muss aber auch sagen: Anders will ich es nicht. Ich sehe wenig Sinn darin mir en Kopf über Dinge zu zerbrechen die ich nicht beurteilen oder nachvollziehen kann. Es ist ja nun nicht immer so das etwas rauskommt: Ich habe lange an einem Titan Orbiter mit Radarerfassung herum gerechnet. Aber ich kam selbst bei optimistischer Auslegung und einigen noch nicht erprobten Techniken (Aerobraking mit großen ausfahrbaren Schilden) nicht auf eine Sondenmasse die es erlauben würde hochauflösende Aufnahmen zu machen die mehr als rund 100-200 m/Pixel erlauben würden. Dann wanderte der Artikel nach 2 Tagen Rechnens in den Papierkorb.

Aber kann man darüber nicht auch diskutieren? Ich dachte es käme beim letzten Thema auch eine Diskussion auf und habe deswegen extra nicht meine Meinung in Bezug Schwerlastraketen geschrieben. Sie liegt in der Mitte. Man kann meiner Meinung nach den Vorteil von beiden Welten verbinden: Wenn man bestehende Raketen soweit erweitert, dass sie eine höhere Nutzlast aufweisen, aber noch keine Schwerlastraketen sind. Bei Ariane 5 wäre z.B. Version mit 6 Boostern denkbar: 4 Booster starten beim Start, zwei nach deren Ausbrennen. Ohne veränderte Zentralstufe und Oberstufe hätte dieser Typ eine Nutzlast von rund 48 t LEO. Nutzt man den Schub um ESC-A und EPC moderat zu verlängern (um die Menge Treibstoff, die die EPC in den 125 Sekunden Brennzeit der Booster verbraucht) wären es rund 52 t. (oder 16,7 t auf eine Mondtransferbahn). Drei dieser Starts würden reichen und man bräuchte keine neue Rakete entwickeln und könnte den Effekt von preiswerter Serienproduktion schon bestehender Elemente mitnehmen. Das wollte ich eigentlich in die Diskussion einwerfen, aber wenn keiner diskutieren will....

Ansonsten es geht mir gut! Ich schaue inzwischen jeden Tag mir gerne meine Verkäufe bei BOD an. Der Juli war dank 40 Jahre Mondlandung sehr umsatzstark, besser als das vergangene Halbjahr zusammen. Wenn es dauernd so laufen würde, und ich noch mehr Bücher hätte, dann könnte ich vielleicht sogar davon leben (vielleicht auch eine Erklärung warum ich derzeit so fleißig an Büchern arbeite). Was mich besonders freut, ist das auch mein "Was ist drin Buch" nun endlich anzieht. Schließlich verstehe ich was von Lebensmittelchemie und ich weiß, dass sich viele Leute für Zusatzstoffe und ob sie vermeidbar sind, bzw., wie man sie erkennt interessieren. Daher hoffte ich hier auf einen größeren Markt, auch wenn da vielleicht mein Name nicht so bekannt ist wie in der Raumfahrtszene. Dann habe ich noch die Anfrage bekommen ob ich einen weiteren Dozentenauftrag übernehmen könnte, so dass mir auch nicht langweilig wird, wenn nun Ende August mein Arbeitsvertrag ausläuft. Wenn ich mich auf diese beiden Säulen verlassen könnte, dann wäre das vielleicht sogar vorstellen dauerhaft davon zu leben also selbstständig zu sein. Was mich dabei ja immer abgeschreckt hat war die Unsicherheit von Aufträgen die mal kommen oder mal nicht. Und Aufträge kommen ja nicht so einfach und ich bin kein Profi in Marketing nicht mal in eigener Sache. Aber derzeit ist es so, dass die anfragen an mich kommen und ich nur noch zusagen muss.

Samstag, 31.8.2009: The Spirit of Apollo

Immer wieder versuchen viele Weltraumprogramme irgendwie zu rechtfertigen, meistens mit irgendwelchen Spin-offs. So manchmal auch das Apollo Programm. Wenn ich so die Einleitungen von vielen Raumfahrtbüchern lese, dann finde ich immer wieder den Passus, dass der Autor durch Apollo sich für Raumfahrt, Ingenieurwesen oder ähnliches interessiert hat. Zuletzt habe ich das von Prof. Harald Lesch im TDF gehört, der Astronom wurde weil es wegen der Brille nicht zum Astronauten reichte. Da habe ich mich interessiert: Das ich heute als Softwaretechniker arbeite verdanke ich wohl Voyager. Ich hatte mich schon früher für Planeten interessiert und über die bin ich zu den Raumsonden gekommen. Voyager war damals gerade als Projekt am Laufen. Und Voyager wurde von Computer gesteuert. Überhaupt machten Computer alles möglich: Die Übertragung der Bilder, das Kommandieren der Sonde (hätte ich gewusst, das man Raketen auch ohne Computer steuern kann und bis Viking alle Raumsonden direkt von der Erde aus gesteuert wurden, wäre es wohl anders gelaufen). Aber so waren Computer was geheimnisvolles und sicher ganz nützlich um die Rechenarbeit für meine eigenen Raumsonden und Raketen die ich schon mit 15 mit dem Taschenrechner konstruierte zu berechnen. So habe ich mir 1982 als die ersten Rechner unter die 1000 Mark Grenze fielen einen Ti 99/4a gekauft.

Gut bis ich vom hobbymäßigen Programmieren zum Softwareentwickler wurde das war noch ein langer Weg, vor allem deswegen weil ich erst mal einen 10 Jahre Umweg als Lebensmittelchemiker beschritt. Aber immerhin. Ich habe mich gefragt: Wie viele Leute hat wohl Apollo in dieser Weise beeinflusst? Ich glaube viele. Muss das nicht Folgen haben? Wenn man überlegt dass vielleicht Berufswünsche so zwischen 10 und 20 reifen, dann müsste das 10-20 Jahre später einen Schub von Ingenieuren, Technikern, Programmieren verursacht haben. Und gab es nicht 10-20 Jahre später die PC Revolution? Wurden damals nicht viele neuartige Waffen entwickelt - vom Stealth Fighter bis hin zum Cruise Missle (viele sind natürlich auch beim Militär untergekommen). Vielleicht ist das eine Sache die man untersuchen sollte - Gab es nach Apollo mehr Absolventen in technischen oder Ingenieurs Fächern? Wenn ja hat das einen Einfluss auf die Wirtschaft und Produktivität gehabt? Ich glaube es wird einen Effekt haben.

Ist das der "Spirit of Apollo", der eigentliche Nutzen des Apollo Programmes? Wenn ja dann sind die 25 Milliarden sicher gut angelegt. Wenn ein Ingenieur nur etwa 500 Dollar im Monat mehr verdient als ein Arbeiter und 25 % davon wieder als Steuer beim Staat ankommen, dann ist ein Ingenieur über 30 Berufsjahre rund 45.000 Dollar wert. Eine Million Techniker und Ingenieure davon und Apollo hätte sich selbst finanziert.

Umgekehrt: Wie einflussreich ist eigentlich dann etwas was man jeden Tag sieht. Ja ich spreche vom Verblödungsfernsehen. Was passiert mit Menschen die jeden Tag die Illusion vermittelt bekommen, man müsste nur durch einige Casting Shows hindurch und würde so berühmt werden? Was passiert mit Leuten, die sehen, dass man nur ein bisschen auf die Tränendrüse drücken muss und eine gesammelte Handwerkermannschaft renoviert einem das ganze Eigenheim? Welchen Einfluss hat es wenn Teenager sehen, dass gleichaltrige Schönheitsoperationen für Lau bekommen wenn das Fernsehen dabei ist? Mal abgesehen von den Gästen von vielen Talkshows die bekennende Sozialschmarozer sind und das noch öffentlich machen.

Muss man sich da nicht wundern wenn der Staat immer mehr für Sozialhilfe oder Harz-IV wie das heute heist ausgeben muss? Kann nicht da ein Zusammenhang mit den schlechten Pisa Werten liegen? Eh Mann Anstrengen ist voll uncool, der Staat zahlt ja eh alles... Da muss man sich ja nicht wundern wenn alles den Bach runter geht.

So damit entlasse ich euch in das Wochenende. Am Montag kommt der neue Blog von Thomas über das vernünftige Mondprogramm Teil 3. Im Blog über Vorschläge für den Text zum nächsten Buch habe ich mir eure Anregungen zu Herzen genommen und nachgebessert. Vielleicht schaut sich mal einer den neuen Text an.

Ach ja ich habe ja angedroht mal einen Blog über Möpse und Muschis zu schreiben. Nun ja ein ganzer Blog wird es nicht. Aber ein Bekenntnis. Ich lege keinen Großen Wert auf Möpse, erst recht nicht dicke Möpse wie z.B. die hier. Dagegen mag ich Muschis, nur dürfen sie nicht rasiert sein, wie z.B. diese hier. Und das ist hier meine Lieblings-Pussi. So ich hoffe ich habe mit diesem freizügigen Blog nicht allzu viele Leser verloren ;-)

Was mich noch interessiert: Gab es auch bei anderen ein Raumfahrt-Erlebnis, dass sie irgendwie auf dieses Hobby gebracht hat? Und wenn ja, hat das Einfluss auf den Berufswunsch gehabt?


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