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Web Log Teil 125 : 17.8.2009-

Montag 17.8.2009: Das bemannte Raumfahrtprogramm vor dem Aus

Die Augustine Kommission hat ihre Ergebnisse veröffentlicht und die sind dramatisch. Das gesamte Constellation Programm ist unterfinanziert: Es soll nun nur noch 80 Milliarden Dollar kosten, 28, weniger als noch 2005 veranschlagt und das reicht nicht aus. Mindestens 3 Milliarden pro Jahr werden zusätzlich benötigt. Was hat die NASA für Optionen mit dem derzeitigen Programm? Eigentlich kaum welche, die zufriedenstellend sind. Entweder sie versenkt die ISS schon im Jahre 2016 und hat dann eine Chance bis 2021 ein minimales Mondprogramm hin zu bekommen, oder es verzögert sich noch alles weiter.

Zuerst einmal: Kann die NASA die ISS 2016 aufgeben? Ja, weil die entsprechenden Verträge von einer Fertigstellung bis 2005/6 ausgingen und danach 10 Jahren Betriebszeit - die ist 2015 erreicht. Das bis dahin gerade mal 5 Jahre nach der Fertigstellung rum sind, geht die NASA ja nichts an.

Nur: Macht das einen Sinn? Sicher wenn die ISS dann nicht mehr arbeiten kann, Systeme ausfallen oder die Sicherheit gefährdet ist. Aber eine Station nur abzuschreiben weil man Geld einsparen kann macht das keinen Sinn. Vor allem kann man dann die Entwicklung der Ares I vollständig einsparen und somit überhaupt erst das 2021 Ziel erreichen.

Wenn nun die Station bis 2020 betrieben wird, was auch die Augustine Kommission für wünschenswert hält, dann fehlen die Mittel und die Ares wird nicht vor 2028 verfügbar und es gibt keine Gelder für die Bodenkomponenten der Mondlandung - wodurch die Ares V auch sinnlos ist.

Wenn es keine Mittel für die Aufstockung des Budgets gibt (was anzunehmen ist), so gibt es nur noch die Möglichkeit die Ares I einzustellen. 3 Milliarden wurden für diese schon ausgegeben. Mindestens 5,18 Milliarden umfassen die bisher verteilten Aufrage. Wie immer kommt alles viel zu spät. Also nur mal zur Erinnerung: Das Programm wurde 2004 von Bush aus der Taufe gehoben und im Jahr 2005 konkretisiert. Gleichzeitig wurde beschlossen die Space Shuttles auszumustern und die ISS bis 2016 aufzugeben. Okay, unter diesen Randbedingungen hätte ich erst mal bis 2010 einen Ersatz für die Space Shuttles entworfen und wenn das (wie eigentlich schon nach den ersten Planungen vorgesehen) sich länger hinzieht also so bis 2014/15, dann lasse ich die Entwicklung eines Trägers für Erdorbitmissionen. Gerade das hat die NASA aber angefangen. Jetzt nach 5 Jahren auf Atlas V und Delta IV umzuschwenken wird auch nicht viel bringen - 5 Jahre hat man schon verloren und viel Geld wurde auch schon investiert. Ich bezweifele dass es jetzt noch schneller und billiger geht.

Punkt 2: Das Constellation Programm war von Anfang an knapp kalkuliert. Es sollte nicht wie Apollo durch höhere Haushaltsmittel finanziert werden, sondern durch Einsparungen - wie üblich gab es die ersten 2007/8 bei unbemannten Programmen. Aber mit diesem "Kleinvieh" bekommt man nicht die 100 Milliarden zusammen. Also muss im bemannten Bereich, der derzeit 10 Milliarden Dollar pro Jahr umfasst, eingespart werden. Während so ziemlich alle beim Space Shuttle konform gehen, verstehen die wenigsten, warum die ISS dran glauben muss - 12 Jahre für den Aufbau und nach 6 Jahren beerdigt man sie dann?

Immerhin gibt es für die ESA eine Möglichkeit hier Geld zu verdienen. Die NASA rechnet damit, dass alleine das "Entsorgen" der ISS rund 1,5 Milliarden Dollar kostet. Um die ISS von einem 350 km Orbit in einen 0 x 350 km Orbit zu bringen braucht man rund 103 m/s. Bei etwa 350 t Masse entspricht dies rund 9 t Treibstoff wenn man LH2/LOX nimmt. Also was spricht dafür mit einer Ariane 5 ES eine ESC-A Stufe, etwas besser isoliert und mit einem Docking Adapter des ATV versehen. Von den rund 20,6 t die eine Ariane 5 ES in den Orbit bringt müssten nur 9 t Treibstoff sein, 3,3 t wiegt die Stufe leer - das lässt also rund 8,3 t übrig - Ein ATV wiegt trocken nur rund 10 t und wir brauchen nur den vorderen Teil. Mit einer Zündung des leistungsfähigen HM-7B Triebwerks wäre die ISS Geschichte. Da ein Ariane 5 Start für unter 200 Millionen Dollar zu haben ist, bliebe ein Plus von 1,3 Milliarden Dollar, vielleicht etwas weniger wegen der Umbauarbeiten der ESC-A Stufe. Auf jeden Fall eine kleine Rückzahlung für die ausgaben für Columbus.

Was gibt es sonst noch neues? Den zweiten Band des Raketenlexikons habe ich heute fertig Korrektur gelesen und zum ersten externen Korrekturleser geschickt. Jetzt kann ich mich auf meine Datenbankvorlesungen konzentrieren. Noch immer läuft die Quizfrage: Wie viele Subtypen wird es wohl in zwei Bänden auf 780 Seiten umfassen? (Subtypen sind z.B. Delta 2900, Delta 3900 ....). Zählen sie mal nach auf wie viele Sie kommen....

Dienstag 18.8.2009:

Kürzlich bekam ich eine Mail von Martin Rosenkranz mit einem ganz interessanten Ansatz:

 Da die Entwicklung ganz neuer Konzepte ja offenbar an der technischen Umsetzbarkeit scheitert scheint es auch in absehbarer Zukunft recht „konventionell“ weiter zu gehen - > siehe Ares-Konzept mit bewährten Komponenten und Konzepten.

Auf Grundlage vorhandener Technologien habe ich eigene Überlegungen angestellt und ich würde gerne mal eine zweite Meinung hören – von jemandem der offenbar genügend Überblick hat und siehe „Technische Spinnereien“ auch gern mal ein bisschen spekuliert.

Folgende Voraussetzungen bildeten meine Vorgaben:

Treibstoff: LHX/LO2: Trotz der niedrigen Dichte des flüssigen Wasserstoffs und der damit verbundenen großen Tanks glaube ich, dass eine hohe Startfrequenz nur mit umweltfreundlichen und unbegrenzt vorhandenen Treibstoffen realisierbar sein wird. Das DLR ist im Versuchsstadium bereits in der Lage Wasserstoffe Solar zu erzeugen. Auch wenn das streng Ökonomisch betrachtet noch lange kein „Gratistreibstoff“ ist reizt die Kombination, dass am Äquator nicht nur der beste Startplatz sondern auch der Ort der stärksten Sonneneinstrahlung ist doch sehr....

Wiederverwendbarkeit: Auch wenn die Shuttlestarts in Realität weit nicht so billig waren wie ursprünglich geplant denke ich doch dass man der Lernkurve eine Chance geben sollte – vor allem was den Bereich SSME sowie dem Gleiterkonzept an sich betrifft.

Eine möglichst „kompakte“ Entwicklung. Keine verschiedenen Antriebe und Treibstoffe – bodengestartete, im Flug gestartete und daher wenn möglich keine Flugkörper verschiedener Größe – somit Serienfertigung und wenn möglich kombinierbar - mal mehr mal weniger, mal schwerer, mal leichter. Das Stufenkonzept fällt also flach.

Einen richtigen spinn-off haben meine Gedankengänge genommen, nachdem ich gelesen habe, dass für die Ariane V an wiederverwendbare Feststoffbooster gedacht wird die zum Startplatz zurückfliegen.

Also hab ich angefangen zu überlegen und her umzurechnen und rausgekommen ist bisher folgendes:

Der gesamte Antrieb meines Launchers besteht aus möglichst kleinen Gleitflugköpern welche die Triebwerke, Pumpen, Steuerelektronik, Telemetrie beinhalten – faktisch all die teure Technik die man gerne zurück haben möchte.

Diese sind angeordnet um einen gemeinsamen Treibstofftank auf dem auch die Nutzlast sitzt und werden im Zuge des Starts nach und nach abgekoppelt - sobald sie nicht mehr benötigt werden – und fliegen antriebslos zum Startplatz zurück. All das ist kein Neuland – genau so wenig wie die SSME Motoren und Leitungsdaten die ich unverändert in das Konzept eingearbeitet habe.

Derzeit schaut mein Launcher so aus (gerundete Werte):

5 idente Gleitflugkörper mit je 3xSSME – das Gerät zu je 42,9t 2 Treibstofftanks á 654,7t LOX und 109,1t LH2 sowie einer Leermasse von je 31,7t (einer davon ist fast ident zu den Werten des Space Shuttle ET’s – nur würden sie wohl jeweils etwas kürzer und breiter ausfallen). Die Tanks werden gestackt - dazwischen kommen 103t Nutzlast – die Gleitflugkörper werden rundum angeordnet. Die gesamte Startmasse beträgt 1.908.746kg – im Vergleich dazu Startschub: ca. 2.556t Der erste Gleitflugkörper brennt 50 Sek. bis zum Abkoppeln, der zweite 100, der dritte 150 Sek. Der vierte brennt 240 Sekunden und nimmt beim abkoppeln einen - jetzt leeren - Tank mit. Der fünfte Gleitflugkörper brennt ab Start 540 Sekunden und erreicht mit der Nutzlast, einem Tank und sich selbst (= 177,6t bei Brennschluss) nach diesen 9 Minuten eine rechnerische Endgeschwindigkeit von 9.700,25 m/s – das sollte glaub ich reichen für ein LEO.

Sämtliche Antriebskomponenten kommen von allein zurück – und ich erreiche fast 5,4% Nutzlastanteil – ein halbes % besser als die Ares V - von der man grad mal zwei ausgebrannte Feststoffbooster aus dem Meer fischen darf....

Was mich jetzt interessieren würde ist ob ich hier Schwachsinn errechnet habe oder ob die Kalkulation in etwa passt? (Ich hab z.B. bis 240Sek. mit dem spezifischen Impuls SL und ab da mit Vakuum gerechnet).

Das tolle an diesen Gleitflugkörpern wäre, dass man sie nach Bedarf früher abkoppeln bzw. auch länger laufen lassen könnte – je nach Problemlage beim Start – bzw. man während des Starts selektieren kann welchen man weiter laufen lässt und welcher abgekoppelt wird – und man hat fünf komplette Sets an Flugsteuerrechnern. Und man kann diese Antriebseinheiten natürlich auch anders kombinieren – mit einer geringeren Nutzlast und entsprechend kleineren Tanks eben nur drei oder vier ohne gleich ein vollständig neue Entwicklung in Angriff nehmen zu müssen.

Spaß macht natürlich auch die Sache mit Zukunftsprojekten durchzurechnen – z.B. der
Cobra Engine. Unter der Annahme eines identen spezifischen Impulses und Treibstoffverbrauches (verglichen mit SSME) käme ein Gleitflugkörper mit 2 Cobras auf 32,4t – die Startmasse auf 2.614t, Startschub 3.674t, die Nutzlast auf 158t bei 9.720m/s.

Was halten sie davon ?

Ja was halte ich davon?

Es ist eben doch eine Stufung, auch wenn sie etwas versteckt ist. Das Konzept ist das einer praktischen Paralellstufenrakete. Ein zugegebenermaßen optimiertes Konzept mit einer Mischung aus der Atlas (Abwurf der Triebwerke) und R-7 (Abwurf der Triebwerke mit Tanks). In Wirklichkeit hat Martin Rosenkranz eine fünfstufige Rakete modelliert.

Die Problematik besteht in einem anderen Ecke. Nehmen wir mal die Wiederverwendung ganzer Stufen. Ich kenne hier zwei konkrete Projektstudien. Zum einen die von Ariane 5 EPC als Booster der Ariane 5 anstatt den EAP. Das zweite ist der Baikal Booster, eine geflügelte Version der Angara 1.2. Bei letzteren ist der Effekt deutlich zu sehen. Verglichen mit dem Angara URM wiegt Baikal mehr als das doppelte bei der Abtrennung von der Oberstufe. Und genauso stark sinkt die Nutzlast ab: Von 3800 auf 1900 kg.

Das zweite Beispiel sind die LFBB Booster der Ariane 5. Auf den DLR Seiten haben sie die dreifache Trockenmasse einer EPC. Auch hier sinkt die Nutzlast ab - durch zwei Oberstufen und den höheren Geschwindigkeitsbedarf für den Orbit aber nicht so sehr. Hier wird immerhin ein Drittel verschenkt, (16.5 anstatt 12.5 t).

Das zeigt, dass die Wiederverwendung von Stufen deutlich Nutzlast kostet und das nicht zu knapp. Dabei wird hier nur die erste Stufe geborgen. bei der die Anforderungen noch klein sind. Das Hauptproblem ist folgendes: Eine Rakete startet vereinfacht gesagt in einem ballistischen Profil, wie bei einer Wurfparabel. Die Stufen landen dann auf der Aufstiegsbahn wenn nichts passiert einige Hundert Kilometer vom Startplatz entfernt. Da alle Weltraumbahnhöfe nah am Ozean sind (mit wenigen Ausnahmen) gibt es da keinen Landeplatz. Also muss eine Raketenstufe, wenn sie zurück zum Startplatz fliegen will, erst mal die gesamte Geschwindigkeit aerodynamisch abgebaut werden und dann fliegt das Vehikel mit einem Düsentriebwerk zurück zum Startplatz. Der Baikalbooster braucht dazu 3,2 t Treibstoff, die Ariane 5 Stufe 4 t. Das Düsentriebwerk und den Treibstoff - das alles bringen wir erst mal mit in die Höhe, und brauchen es nur zur Landung, weil der Landeplatz nicht da ist wo wir ihn haben wollen.

Bei einer ersten Stufe geht das noch, die Nutzlasteinbuße ist noch verschmerzbar, auch weil die Struktur nur begrenzt verstärkt werden muss. Doch bei oberen Stufen nimmt sowohl die Distanz die zurückgelegt wird, wie auch die Kräfte die beim Abbremsen wirken, rapide zu und sie wird deutlich schwerer. Dann müssen die Tanks strukturell verstärkt werden oder brauchen einen Hitzeschutzschild. Weil die obere Stufe aber größeren Einfluss auf die Nutzlast hat sinkt so die Nutzlast rapide ab.

Eine Lösung ist es, wie von Martin Rosenkranz vorgeschlagen, das Problem zu umgehen, indem man das teuerste birgt: Die Triebwerk und den Tank als Verlustgerät einstuft. Auf den ersten Blick gewinnt man viel, weil man rund die Hälfte bis zwei Drittel der Startmasse nicht bergen muss und auch die Tanks nicht schwerer werden. Man verliert aber auch ohne die Tanks mächtig Auftrieb und muss dies durch einen größeren Flügel kompensieren. Auch hier braucht man ein Triebwerk um zurück zum Startplatz zu kommen, aber ich halte das für die erste Stufe für machbar,. Eine solche Rakete sähe dann aus wie ein Shuttle-ET an dem unten ein Gleiter sitzt - er nimmt die Triebwerke auf.

Die Frage ist ob jemand den logistischen Aufwand betrieben wird jedes einzelne Triebwerk zu bergen, wie Martin Rosenkranz es vorschlägt. Meine Vorstellung: Eher nein. Der Gewinn dieses Übergangs auf fünf Stufen ist auch bei LOX/LH2 minimal. Schon eine dreistufige Lösung bringt nur 25 % mehr Nutzlast und mit jeder weiteren Stufe wird der Gewinn kleiner.

Optimal würde ich folgendes halten: Wir legen die Booster/Gleiter so aus, dass die Abtrennung dann erfolgt, wenn sie nur durch einen aerodynamischen Gleitflug einen Flughafen oder eine andere Landemöglichkeit erreichen können. Das dies möglich ist, ohne aktives Triebwerk, zeigen ja die Space Shuttles. Bei einem Start von Cape Canaveral wäre das ein Landeplatz in Spanien oder Portugal, bei Ariane auf Ascension Island oder an der Spitze Brasiliens. Natürlich muss dann die Abtrennung bei höheren Geschwindigkeiten erfolgen, ich schätze rund 4000-5000 m/s anstatt wie bisher rund 2000 m/s. Damit bergen wir aber auch die meisten Triebwerke und verlieren in der Oberstufe nur eines. Dafür wäre dann eine reine Gleitlandung nötig. Das spart Treibstoff und Düsentriebwerke ein.

Eine mögliche Konfiguration auf Basis der Shuttles wäre dann diese:

Zwei Tanks übereinander, am oberen, kleineren die Nutzlast befestigt. Am oberen ein einzelnes SSME (Tank: 200 t voll, 7,3 t leer, SSME mit Schubgerüst 4,7 t) und am unteren Tank 8 SSME (mit Schubgerüst 72 t - 36 t Triebwerke, 36 t Gleiter) und ein Tank mit 828 t Startmasse und 31,3 t Leermasse).

Beim Start werden alle SSME aus dem unteren Tank gespeist, sie starten mit 1,25 g. Nach 190 Sekunden ist er leer und unterer Tank und SSME werden abgetrennt, nur die SSME werden geborgen. Danach fliegt das einzelne SSME mit dem oberen Tank weiter, bis es einen Orbit erreicht. (weitere 413 Sekunden). Die Nutzlast des beim Start rund 1200 t schweren Gefährts beträgt rund 91,2 t, Das sind 7,6 % Nutzlastanteil und damit gute 50 % mehr (trotz nur zwei Stufen). Allerdings hat Herr Rosenkranz auch den Fehler gemacht mit dem Bodenimpuls zu rechnen - bei 9700 m/s kann er ruhig den Vakuumimpuls nehmen, ich tu das bei meinen Simulationen und Vergleichen mit existierenden Raketen auch.

Eine Alternative wäre es auf eine weiche Landung zu verzichten und die Stufe oder Triebwerke durch Fallschirme/Airbags abzubremsen und dann zu bergen. Das ganze scheint aber nicht ganz ausgereift zu sein. Bei meiner Recherche zum Ariane 5+Vega Buch scheinen die Hälfte aller Booster untergegangen zu sein und bei der Falcon 1 hat man bei fünf Flügen es auch noch nicht geschafft auch nur einmal die erste Stufe zu bergen. So wundert es mich nicht, dass man an diese einfache Möglichkeit bei der DLR wohl nicht denkt.

Mittwoch 19.8.2009: Ziolkowski Gleichung für Dummies

In meiner kleinen Reihe "Raumfahrtgrundlagen ganz einfach (für Wirtschaftswissenschaftler und Geisteswissenschaftler)" möchte ich mal erklären wie man zur Raketengrundgleichung oder Ziolkowskigleichung kommt. Damit alles einfacher wird, nehmen wir mal an wir betreiben die Rakete in der Schwerelosigkeit, also im freien Weltraum, so dass wir ohne Luftwiderstand und Gravitationskraft operieren können.

Wer Physik mal in der Oberstufe hatte, der wird sich vielleicht dunkel erinnern, dass die Geschwindigkeit das Integral der Beschleunigung über die Zeit ist und der Weg das Integral der Geschwindigkeit über die Zeit.

Wir brauchen noch die Ausströmungsgeschwindigkeit der Gase. Das ist eine gegebene Materialgröße, aber sie hängt mit dem Schub zusammen. Es gilt vspez = Schub / Treibstoffverbrauch.

Beispiel: Die Rakete verbraucht 5 kg Treibstoff pro Sekunde um den Schub von 20 kN zu erzeugen, dann ist vspez = 20.000 N / 5 kg/s = 4000 m/s.

Wnne wir nun ein Auto hätten, bei dem sich die Masse kaum ändert, könnten wir für jeden beliebigen Zeitpunkt die Geschwindigkeit ausrechnen. (v = a * t).  Bei einer Rakete besteht diese aber zum größten Teil aus Treibstoff und so verringert sich die Masse laufend. Dadurch steigt die Beschleunigung laufend an und so auch die Geschwindigkeit und der zurückgelegte Weg ist nicht nach obiger Formel berechnbar. Im Übrigen: Aus dem gleichen Grund tanken Autos, die viel Treibstoff verbrauchen (Rennwagen) trotz Zeitverlustes während eines Rennens öfters, um das beförderte Gewicht zu minimieren. Das gleiche gilt auch für Flugzeuge, die bei längeren Flügen gerne Zwischenstopps einlegen.

So, nun nehmen wir das Lieblingsspielzeug aller derer, die von Physik nichts verstehen und selbst nicht rechnen können: Excel hervor und geben mal folgende Daten für eine Rakete ein:

Das folgende Sheet.

Man erhält zu Brennschluss eine Geschwindigkeit von 6969 m/s und eine zurückgelegte Strecke von 452 km. Mancher Laie macht es sich recht einfach und sagt sich "Im Mittel hat die Rakete ja das gleiche Gewicht, wie wenn der Treibstoff halb verbraucht wurde. Also kann ich doch auch linear rechnen, mit einer Masse von 55.000 kg". Nach dieser Rechnung würde die mittlere Beschleunigung 24,5 m/s betragen. Die Endgeschwindigkeit läge dann bei 4909 m/s und der Weg 491 km. Beide Werte weichen beträchtlich von der Simulation ab. Der Weg ein wenig. Die Geschwindigkeit sehr stark.

Unsere Simulation ist übrigens auch noch nicht ganz exakt. Da wir die Beschleunigung erst nach Ende jeder Sekunde bestimmen erhalten wir einen zu hohen Wert, bei Bestimmung zu Beginn jeder Sekunde würde man einen zu niedrigen Wert bekommen. Abhilfe: Man bildet den Mittelwert beider Werte oder für Excel Spezialisten: Man verkleinert die Schrittweite. Bei weiterer Verfeinerung wird man irgendwann einmal auf den exakten Wert von 6907,55 m/s kommen. (Sie merken: Ich halte nicht viel von Excel).,

Die Arbeit kann man sich sparen, wenn man wie Herr Ziolkowski zwar kein Excel hat, aber eine Ahnung von Mathematik. Die Beschleunigung ist eine Funktion der Gewichtsabnahme der Rakete, die der Form 1/x gehorcht. Und was ist das Integral über 1/x? Wer jetzt in einem Mathebuch nachschlägt kommt auf den Term ln(x). Weiterhin ist die Beschleunigung abhängig vom Schub, der wiederum mit dem Treibstoffverbrauch und damit der Gewichtsabnahme über die Ausströmungsgeschwindigkeit vspez abhängt:

Und voila: Schon haben wir die Ziolkowski Gleichung in ihrer vollen Schönheit:

v = v spez * ln (Vollmasse/Leermasse)

Nun kommen wir zu dem was mir wichtig ist und was offensichtlich viele Leute nicht kapieren: In dieser Formel sind zwei Dinge relevant: Das Verhältnis Voll/Leermasse also den Treibstoffanteil der Rakete oder Stufe. Das ist ein Maß für den Leichtbau. Eine A-4 hatte ein Verhältnis von rund 4:1, große Stufen erreichen heute bis zu 15:1. Das zweite ist die Ausströmungsgeschwindigkeit der Gase, im Wesentlichen ein Maß für den Energiegehalt des Treibstoffs, Wegen der mathematischen Funktion des Logarithmus (der Anstieg wird immer kleiner je größer x ist) bringt ein höheres Voll/Leermasseverhältnis weniger als eine Steigerung der Ausströmungsgeschwindigkeit. Nehmen wir an, der Zusammenhang wäre linear:

v = v spez * (Vollmasse/Leermasse)

Dann müsste Vollmasse/Leermasse = 15 und vspez= 3000 m/s das gleiche ergeben wie Voll/Leermasse = 10 und vspez= 4500 m/s.

In der Realität resultiert im ersten Fall eine Geschwindigkeit von 8124 m/s und im zweiten Fall eine von 10361 m/s, Also deutlich mehr. Das ist der Grund warum man so gerne Wasserstoff einsetzt - zumindest bei den oberen Stufen die einen Orbit erreichen

Alles klar oder?

Donnerstag: 20.8.2009: Geschichte(n)

Heute mal ein "Nicht-Raumfahrt" Blog. Dieses Jahr jähren sich drei Dinge von Bedeutung für Deutschland:

Derzeit laufen gerade zu den letzten beiden Punkten wieder Dokumentationen, auch weil die Ereignisse in etwa zum gleichen Zeitpunkt stattfanden. So begann mit der Massenflucht bei einem "Picknick" vor 20 Jahren die Welle der Botschaftsflüchtlinge und Fluchten über Ungarn. Und natürlich der Polenfeldzug am 1.9.1939. Ich schaue mir das seit Jahren immer kritisch an, denn ich stelle fest, dass deutsche Geschichte im Fernsehen - vor allem im ZDF dank Guido Knopp - auf den zweiten Weltkrieg reduziert wird. Auch jetzt wieder. Weil der zweite Weltkrieg sechs Jahre dauerte hat man alle paar Jahre eine Gelegenheit irgendetwas aufzuarbeiten weil es sich jährt. Meine persönliche Meinung ist, dass es dabei nicht um die Vermittlung von Geschichte geht, sondern um eine Erziehungsmaßnahme, mit dem Ziel zu vermitteln, was seitens Deutschland im zweiten Weltkrieg an Unrecht verübt wurde und dass dies sich nicht wiederholen darf. Das letzte denke ich ist nach 60 Jahren Demokratie gegeben.

Das andere ist ein ideologisches Ziel, denn es geht ja nicht darum den Zuschauer allgemein zu informieren. Es wird immer der Fokus auf Verbrechen oder Opfer gelegt. Auch in der einen Dokumentation zum Polenfeldzug die ich gesehen habe. Wie der Polenfeldzug militärisch verlief? Keine Ahnung, das kam nicht dran. Auch nicht das die Russen durch einen Vertrag am 17.9 ebenfalls einmarschierten und auf ihrem besetzten Gebiet genauso Gräueltaten verübten. Denn es geht ja nicht um Geschichte, sondern um ideologische Erziehung.

Der zweite Punkt der mich darauf bringt, ist, dass der Versailler Vertag, die Ursache dafür dass die Nazis erst an die Macht kommen konnten weitgehend vom Fernsehen ignoriert wurde. Arte zeigte eine "Spielfilm-Dokumentation", und zwar eine gute, obwohl ich von dem Format nicht so viel halte, im Frühling und das wars auch schon. Das gleiche gilt für das Grundgesetz, Auch das wurde weitgehend von den Medien ignoriert. Mal sehen wie es beim Datum 20 Jahre Mauerfall sein wird.

Ich glaube das ist eine deutsche Spezialität: Wenn es was zu erinnern gibt, dann sind es die schlechten Dinge und das Fernsehen ist da nicht anders. Mir gefällt dieser einseitige Blick nicht. Auch weil die deutsche Geschichte rund 1000 Jahre umfasst von der ersten Reichsgründung von Otto beginnend. Was erfahren wir von der Weimarer Republik? Was vom Kaiserreich? Was von der Revolution 1848? Oder von den anderen neun Jahrhunderten? Geschichte, das ist im Fernsehen nur noch Drittes Reich.

Dann kam unsere Stadt in die Fernsehnachrichten. In den letzten Jahren gibt es von unserer Stadt ja nur noch schlechte Nachrichten. Luxussanierungen auf der einen Seite, Schließung öffentlicher Einrichtungen auf der anderen Seite. Nun haben 130 Bürger nach einem Aufruf ihre Waffen abgegeben, als dieser nach dem Massaker von Winnenden erging. Nun kam raus, dass 44 dieser Waffen weiterverkauft wurden an einen Waffenhändler, anstatt vernichtet zu werden. Übrigens für enorm hohe Summe von 500 Euro, als knapp 12 Euro pro Schusswaffe! Echt super! Würde mich nicht wundern wenn die Waffe, die der Rentner eingesetzt hat von uns stammt. Hat übrigens schon jemand nachgeguckt ob der nicht zuhause "Counterstrike" auf seinem Computer hat? Bekanntlicherweise machen solche Videospiele ja aggressiv.

Soviel für heute. Für alle die bis hierhin gelesen haben nun doch noch eine Raumfahrtnachricht. Nachdem ich in den letzten Monaten wegen des Bücherschreibens wenig an der Webseite gemacht habe, habe ich nun einige Dinge aktualisiert und nachgezogen. So gibt es als Nebenprodukt des Buches einige neue Webseiten über Trägerraketen und andere wurden aktualisiert. Mehr davon in der Neues Seite.

Freitag 21.8.2009: Hitzewelle / Der Blog wird 2 / Windows 7

Weil es so heiß ist fühle ich mich derzeit nicht in der Lage einen tiefschlürfenden Blog zu verfassen und wenn ich derzeit am Computer bin, dann um zu entspannen und eine Runde Jagged Alliance Mod "Vegeance" zu spielen. Also heute nur mal ein par einfache Gedanken. Zuerst einmal habe ich glatt verschlafen, dass der Blog (im echten Sinne als Wordpress Blog, nicht als statische HTML Seiten) zwei wird. Der erste Eintrag war vom 15.8.2007. (Inzwischen habe ich, weil ich ein gewisses Faible für Ordnung habe, auch die anderen Teile die es vorher gab eingepflegt). Seitdem sind es 653 Artikel, also in etwa einer alle 2 Tage.

Waren es im ersten Jahr noch so rund 2500 Besucher pro Monat, so waren es im zweiten rund 4000 pro Monat und dieses Jahr sieht nach deutlich mehr als 5000 im Schnitt aus, vor allem wegen dem Juli, der sich auch in doppelt so hohen Abrufzahlen bei der Website und guten Umsätzen bei meinen Büchern bemerkbar gemacht hat.

Es fällt mir allerdings zunehmend schwer neue Themen zu finden, weil ich sehr viel schon mal angesprochen habe, manches zum Beispiel sehr oft wie z.B. die Versorgungsmisere der ISS, die fehlende Langzeitperspektive bei der NASA oder ähnliches. Daher auch (und an dieser Stelle wieder) mein Aufruf: Gastautoren meldet euch! Es muss auch nicht immer Raumfahrt sein.

Dann erscheint jetzt Windows 7, besser gesagt ich habe schon eine englische Version, hoffe aber noch eine deutsche zu bekommen. Möglich ist das durch die MSDAA Mitgliedschaft meines (Noch)Arbeitgebers, bei dem es bestimmte MS Software für Studenten und Angestellte umsonst gibt. Da wurde es vor ein paar Tagen veröffentlicht. Ansonsten würde ich es mir wohl auch bei einem Computerneukauf nicht kaufen. Es ist mir schlichtweg zu teuer.

Ich habe mal einen Blick zurück gemacht: Mein erster Kontakt mit einer (legalen) Windowsversion war Windows 3.1. Damals kostete mein PC rund 3.500 DM, also heute rund 1.750 Euro und Windows 3.1 machte davon 99 DM, also rund 49 Euro aus. Absolut gesehen also etwas mehr als 3 % des PC Preises. Der nächste PC, der fällig ist (weil meiner nun auch schon 4 Jahre alt ist und manchmal sich doch "träge" anfühlt) würde 449 Euro kosten, dazu kämen dann (um den Preis vergleichen zu können) noch 249 Euro für einen Monitor. Zusammen sind das dann 700 Euro. Windows Vista Home Premium kostet bei dem Händler einen Aufschlag von 90 Euro, dass sind also 13 % des PC Preises Windows ist nicht nur absolut teurer geworden, sondern weil die PC-Preise gesunken sind, auch im Vergleich zur Hardware enorm teuer.

Die Frage ist natürlich: Ist dies gerechtfertigt? Meine klare Antwort: Nein! Und zwar nicht weil ich überzeugter Linuxer bin oder Verschwörungstheorien anhänge, sondern weil ich sehe wie Softwareentwicklung in den letzten 20 Jahren leistungsfähiger geworden ist, wie nicht nur Anwendungen schneller entstehen können, weil vieles was früher kodieren war, heute eine Designarbeit (z.B. das Entwerfen der Oberfläche) sondern auch Befehle viel leistungsfähiger. Natürlich kann Windows 7 mehr als Windows 3, aber ich glaube nicht dass Microsoft nun entsprechend dem Umsatz mehr Mitarbeiter an dem Produkt hat.

Nicht zuletzt beweist Microsoft selbst, dass Weiterentwicklung und niedrigere Preise kein Ausschlusskriterium sein müssen: Viele andere Microsoftprodukte, zu denen es gute Alternativen gibt sind billiger geworden. Das Paradebeispiel ist Office. Addierte man früher die Einzelpreise von Word, Excel, Powerpoint und Access so kam man auf einen Preis nahe des Kaufpreises eines PC. Heute gibt es das für 65 Euro. Warum? Es gibt zahllose kostenlose Alternativen - Openoffice als erstes zu nennen, aber auch andere Pakete, die bei den Grundfunktionen (und mehr nutzen die meisten eh nicht) alles leisten was auch Office leistet.

Windows ist deswegen so teuer, weil es die Cash-Cow von Microsoft ist. Es ist das Produkt was enormen Umsatz liefert, weil es bei den meisten PC's mit verkauft wird. Anders als bei Hardware betragen die Herstellungskosten aber nur einige Cent. Ist es einmal entwickelt, so verursacht es praktisch keine weiteren Kosten.

Sicher man könnte nun wieder die Diskussion Linux/Windows vom Stange brechen. Für mich stellt sich die Frage nicht, weil zu meinen Hobbys auch das Programmieren in Delphi gehört und das geht eben nur unter Windows. Daher kommt es für mich nicht in Frage. Was ich aber nicht haben muss ist eine neue Windows Version, nur weil sie neu ist. Ich bin mit XP zufrieden und betreibe es im Windows 2000 Look, weil mich schon die Teletubbie Farbgebung bei der Default Oberfläche stört. Würde ich nicht Windows umsonst bekommen, so würde ich wohl weiterhin XP einsetzen. Das Problem dürfte wahrscheinlich sein, wenn Windows 7 einige Zeit draußen ist noch XP Treiber zu bekommen. Derzeit geht das ganz gut, auch weil viele größere Firmen (und auch unser Rechenzentrum) Vista gemieden haben und die Down grade Lizenz genutzt haben. Das dürfte auch der Grund sein, warum Microsoft bei Windows 7 sowohl so auf die Tube gedrückt hat (weniger als 3 Jahre nach der letzten Version) wie auch vieles verbessert hat, was in Vista so bemängelt wurde - unisono gab es bei Geschäftskunden welche die Wahl hatten die Einstellung "Vista wird bei uns nicht installiert" und damit brach ein ziemlicher Teil des potentiellen Umsatzes weg.

So nun noch die Auflösung des Rätsels, auf das ich keine einzige Antwort bekommen habe. Ich hatte die Leser zum Raten ermuntert, wie viele Raketentypen die beiden Bände "Raketenlexikon 1+2" wohl enthalten. Es sind 98 im ersten und 105 im zweiten Band. Zusammen also 203 Datenblätter. Abgebildet sind 91 im ersten Band und 81 im zweiten (leider gab es von vielen russischen typen nicht genügend Material in Printqualität und dann habe ich im Zweifelsfall drauf verzichtet). Mir gefällt das Buch, ich fange schon jetzt an das Buch als Nachschlagewerk zu nutzen, weil es einheitlicher und aufgeräumter als die Website ist. Da beide Bände derzeit beim jeweils ersten Korrekturleser sind wird es aber noch etwa 2-3 Monate dauern bis sie im Handel erhältlich sind. So und nun mache ich mich noch an die Beantwortung der letzten Kommentare.


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