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Web Log Teil 128 : 3.9.2009-

Freitag, den 3.9.2009: Der Terrorstaat Schweiz muss weg!

Ja, das habe ich heute in den Nachrichten gehört. Gaddafi hat in der UN Vollversammlung den Antrag eingebracht die Schweiz unter den Nachbarländern aufzuteilen, wobei der deutschsprachige Teil zu Deutschland kommen soll. Die Schweiz würde den Terrorismus unterstützen. Hintergrund war eine Verhaftung von Gaddafis Sohn und dessen schwangerer Frau vor einem Jahr. Seitdem tobt eine diplomatische Krise. Ich habe dann zuerst mal auf den Kalender geguckt: Nein wir haben nicht den 1. April. Ausgerechnet Gaddafi wirft der Schweiz vor ein Terrorstaat zu sein! Gaddafi, der bis vor wenigen Jahren selbst Terroristen unterstützte und versuchte (unter anderem mit deutschen Firmen) an Chemiewaffen und Kurzstreckenraketen zu kommen. Feierte man nicht erst vor ein paar Wochen den freigelassenen Lockerby Attentäter dort wie einen Nationalhelden? Hat man inzwischen vergessen, dass der lybische Geheimdienst hinter dem Attentat auf die Disko "La Belle" in Berlin steckte?

Nun ja ich denke sicher, dass eine Menge Al-Quaida Geld auf schweizerischen Bankkonten schlummert. Irgendwie müssen die sich ja finanzieren und Bin-Laden stammt ja aus einer reichen saudi-arabischen Familie, die sicher Wege findet ihn zu unterstützen und da hilft das schweizerische Bankgeheimnis sicher sehr. Bestimmt gäbe es auch noch ein paar andere Verbrechen zu verhindern, wenn man die illegalen Geldflüsse unterbinden konnte (ich rede hier nicht von Steuerhinterziehung sondern Waffenhandel oder Drogenhandel - praktisch alle illegalen Geschäfte werden ja heute anders im Film darstellt, nicht mehr mit Geldköfferchen sondern Überweisungen abgewickelt). Da die Schweiz sicher nicht freiwillig ihr Bankgeheimnis lüften wird, schließlich stammt ein Großteil des Einkommens aus der Vermögenssteuer und nicht aus Wirtschaftsleistungen und diese würden wegfallen, wenn das Bankgeheimnis fällt, ist der Vorschlag zur Aufteilung der Schweiz wohl sicher sinnvoll zur Bekämpfung des Verbrechens. Doch etwas übertrieben ist er schon. Da gäbe es genügend Gründe manch anderen Staat aufzulösen, Libyen mit eingeschlossen. Vielleicht fängt man mal klein an mit Lichtenstein. Ich persönlich hätte ja keine Probleme mit der Aufteilung der Schweiz, schließlich sind die deutschsprachigen Schweizer ja auch mal Schwaben gewesen, ich verstehe sie zumindest noch ganz gut. Es gibt bei uns da auch einen Witz, ich hoffe mal in Restdeutschland bekommt man auch die Pointe mit:

Ein Schwabe, ein Schweizer und ein Berliner sitzen im Zug. Da fängt der Schweizer eine Unterhaltung mit dem Berliner an:

"Send sie au scho in Züri gsi?"

"Wat haben sie jesagt?"

"Send sie au scho in Züri gsi?"

Der Berliner schaut fragend den Schwaben an und der antwortet:

"Er moint gwä"

Für meine Schweizer Blogfreunde, ich weis es gibt eine Reihe davon, hier eine kleine Ode an dieses Nachbarland, von der ersten Allgemeinen Verunsicherung: Meine Lieblingsstelle: "Wir sind gut und sauber. Wir waschen sogar 's Geld"

Nun zu anderen Dingen. Gestern habe ich von dem ersten Korrekturleser Band 1 über das Raketenlexikon zurückbekommen und bin derzeit am Durchlesen. So nach eineinhalb Monaten Abstand fällt einem dann doch das eine oder andere auf. Vor allem habe ich ein Platzproblem: Ich würde gerne viele technische Daten in weitere Tabellen einfügen, doch die brauchen erheblich mehr Platz als der Fließtext. Da jeder Typ ein eigenes Kapitel sein soll, der mit einem Seitenumbruch endet, bedeutet dass bei rund 100 Typen ein echtes Problem. Schon jetzt ist das Buch 392 Seiten lang. Kommt bei nur der Hälfte der Typen dann eine neue Seite dazu, so reduziert sich meine Autorenmarge um rund 50 %. Dabei plane ich trotz 70 Seiten mehr als beim Buch Europäische Trägerraketen den gleichen Preis (29,99 Euro für 392 Seiten - zum Vergleich das bislang einzige Werk zu dieser Thematik von Eugen Reichl kostet bei 336 Seiten 39.90 Euro). Mal sehen ob mir da noch was einfällt. Der Korrekturleser findet es übrigens gut. Ein kleines Detail am Rande: Eine der Bemerkungen von ihm war bei den Falcon Trägerraketen von SpaceX, wo er deren optimistische Leermassen nicht glauben wollte. Dabei habe ich nur die Angaben auf dem Users Guide übernommen. Vielleicht versteht nun zumindest einer meine Abneigung gegen diese Firma, denn selbst mit diesen Angaben erreicht die Rakete nicht die von SpaceX angegeben Nutzlasten - zumindest nicht wenn es SpaceX nicht gelungen ist, die Gravitationsverluste beim Aufstieg durch einen Antigravitationsantrieb gravierend zu reduzieren.

Beim Durchsehen des Bandes habe ich aber auch gemerkt, wie viel man schon in sechs Wochen nachtragen muss: Die Delta 2 hat ihre letzte USAF Nutzlast gestartet und wird ausgemustert. Es stehen noch ein halbes Dutzend Flüge für NASA und ASI an. Allerdings überlegt die NASA noch einige weitere Exemplare zu kaufen, da sie nicht vor 2013/2014 mit der Verfügbarkeit der Falcon 9 und Taurus II rechnet. Die NASA beweist hier mal wieder eine durchaus realistische Einstellung. Jede neue Rakete birgt Entwicklungsrisiken. Auch Ariane 5 absolvierte ihren kommerziellen Einsatz mit mehr als 2 Jahren Verspätung und bei der Falcon 1 dauerte es auch 3 Jahre bis sie erstmals erfolgreich flog.

Das zweite ist, das Aerojet mit Russland verhandelt, die Produktion der NK-33 Triebwerke wieder aufzunehmen. Die verfügbaren würden zwar 10-12 Jahre lang reichen, aber wenn die Taurus II tatsächlich die Delta 2 ablöst, könnte ihr ein längeres Leben beschieden sein - das ist natürlich auch eine Preisfrage. Bislang sind die Träger von OSC recht teuer. Aber das ist anscheinend ein Trend: Weg von der neuesten Technik, zurück zu bewährtem. Bei der Ares der Schwenk vom SSME zum J-2X. Das NK-33 wird ja in zahlreichen Projekten propagiert. Ich habe insgesamt acht Vorschläge gezählt, in denen das NK-33 eingesetzt werden sollte: Die Kistler K-1, Taurus II, J-1A, Yamal, Aurora, Sojus 1, 2-3 und 3. Für ein Triebwerk, das nie geflogen ist eine erstaunliche Bilanz. Dazu kommt noch das RS-68, bei dem man ja auch bewusst auf Leistung verzichtet hat um die Entwicklungskosten und Produktionskosten zu senken. Ich frage mich, wann kommt der Vorschlag einer ESC-B mit zwei HM-7B Triebwerken zu fertigen. Zumindest Europa ist ja noch auf dem "Ich erfinde jedes Mal alles neu" Trip.

Was gibt es noch neues? Auch Marktführer müssen sich offensichtlich an Gesetze halten. Das musste ein Wursthersteller feststellen, der nun in seinem Spot mit "Qualitätsbotschafter" Jörg Pilawa nicht mehr Selbstverständlichkeiten herausstellen kann. Ich hatte auf diese Art von irreführender Werbung mit Verstoß gegen §12 LFGB ja schon hingewiesen - und trotz Rechtsanwaltsschreiben mich nicht davon abbringen lassen. 

Samsatg 5.9.2009: Das Regieren wird schwieriger

Ich glaube dieses Resümee kann man nicht nur aus den letzten drei Wahlen ziehen. Wenn man das ganze aus einer etwas übergeordneten Perspektive ansieht, dann gibt es doch ein paar Tendenzen in unserem Wahlsystem:

Es gibt immer mehr Parteien

Nach Gründung der Bundesrepublik ging die Zahl der Partien zuerst zurück. 1949 waren noch neun Parteien im Bundestag, 1963 nur noch sechs, 1957 nur noch vier und seit 1963 gab es immer die Konstellation CDU-SPD-FDP. Bis 1983. Damals zogen erstmals die Grünen ein. Auch steigen die Wahlerfolge der kleinen Parteien, vor allem die Linke hat in den letzten Jahren kräftig zugelegt. Heute ist es schwer vorstellbar, dass eine Partei wie die CDU zwischen 1969 und 1980 nach der absoluten Mehrheit strebt (und ganz knapp auch zweimal verfehlt hat). Mehr noch: Vor allem die Volksparteien verlieren massiv an stimmen, während FDP, Grüne und Linke das Potential haben zweistellige Ergebnisse zu erzielen. Damit kann man sich aber leicht ausrechnen reicht es auch nicht mehr für die klassische Konstellation "Große Partei" + "Kleine Partei". Wobei hier die SPD besonders stark leidet. Sie hat links von sich die Grünen und die Linken, mit jeweils etwas anderer Ausrichtung (ökologisch / fundamentalsozialistisch). Die CDU verliert an die FDP, die aber auch von der SPD zugewinnt. Sie profitiert aber davon, dass es keine Partei im Bundestag mit einem bürgerlichen Programm rechts der CDU gibt. Da gibt es erst nichts und dann kommen gleich die rechtsradikalen Parteien. Wenn irgendwann mal sich ein Ableger von der CDU abspalten würde, dann könnte sich dies ändern.

Die Politik verliert an Macht

Selbst innerhalb einer Partei ist es schwer Reformen durchzusetzen. Zum einen scheinen Reformen viel unmittelbarer mit Verlust von Wahlen (Kommunalwahlen, Landtagswahlen etc.) bestraft zu werden. Zum anderen ist das Lobbytum in den letzten Jahrzehnten so viel stärker geworden, dass selbst richtige Führungspersönlichkeiten kaum noch was bewegen können. Ich muss nur mal daran denken welchen Hickhack es gibt wenn Subventionen die absolut überflüssig sind wie für den Steinkohlenbergbau gestrichen werden sollen, oder das Gezeter bei den vielen Gesundheitsreförmchen, wo dauernd geklagt wird, egal ob von der Pharmaindustrie, den Ärzten, den Apotheken oder den Krankenkassen.

Am meisten könnte man ja bei den Beamten sparen. Nachdem ich zweimal in einer staatlichen Stelle gearbeitet habe, bei der sich eine Menge davon rumtreiben, weiß ich wovon ich rede. Da liegen Milliarden brach. Nur ein Beispiel: Ich bin auch Dozent bei der DHBW Stuttgart und werde dort stundenweise bezahlt. Nur für geleistete Unterrichtsstunden, nicht für Vorbereitung und Nachbereitung. Für Klausuren gibt es ebenso pauschalen. Ich habe das mal auf die 12 Wochenstunden (à 45 Minuten) übertragen die bei uns ein Professor leisten muss (und zahlreichen eine 2 Tageswoche ermöglicht): Das sind mit Pauschalen für Klausuren und Fahrtkosten rund 16.300 Euro pro Jahr. Ein C2 Professor verdient aber derzeit 57.700 Euro und selbst nach der neuen Besoldung nach W2 sind es noch 46.700 Euro - Das sind Einsparungen in der Höhe von 65 und 72 %! Alleine in unserer Fakultät gibt es 29 Professoren, das sind also Einsparungen in der Größenordnung von rund 900.000 Euro pro Jahr - etwa das vierfache der Mittel die für Sachmittel die zur Verfügung stehen.

Doch er bestimmt über diese Gesetze, wer arbeitet die Entwürfe aus? Sie raten es, es sind die Beamten. Und wer sägt schon am eigenen Stuhl?

WahlomatWas kommt raus? Solche Maßnahmen wie das Aufkaufen von Banken, die Abwrackprämie. Was wäre notwendig? Investitionen in Industrien die Zukunft Bedeutung haben - wie Alternativen Energien, Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Es wäre eine Steuerreform und überhaupt eine Reform der vielen Gesetze und Verordnungen notwendig. Stattdessen werden neue beschlossen und die Politik macht sich zum Handlanger der Industrie, wie z.B. der Medienindustrie, welche die Vorratsdatenspeicherung durchgesetzt hat, angeblich zur Terrorismusbekämpfung. Doch gibt es die Daten erst mal wird sicher auch ein Gesetz folgen welches es erlaubt dann unzählige Raubkopierer zu verfolgen.

Ich sehe keine Lösung. wer trotzdem wählen geht, kann sich bei dem Wahl-o-mat der Zentrale für politische Bildung mal ansehen mit welcher Partei er konform geht. Das Ergebnis von mir habe ich hier mal wiedergegeben. Die Partei die ich wähle ist auch die die oben steht. Letztes mal war ich mehr konform mit dem SPD Programm als mit dem Grünen Programm - zumindest nach Wahlomat.

Was mich wundert ist die Reihenfolge: Das ich den Piraten und der Linken näher stehen sollte als der SPD hat mich erstaunt. Noch mehr das die CDU so weit hinten ist - hinter FDP und REP. Also ich hätte subjektiv auf die Reihenfolge Grüne-SPD-CDU-FDP-Linke-Büso-Rep getippt.

Damit entlasse ich euch in das Wochenende. Am Montag kommt als letzter Teil der Alternative für das deutsche Mondprogramm noch eine Mission zu den Marsmonden. Wie sieht es denn mit den Gastautoren aus? Gibt es da kein Interesse mehr? Wenn ich mir die Kommentare durchlese, so tauchen immer wieder dieselben Namen auf. Wer so fleißig liest hat doch bestimmt auch ne Idee für einen eigenen Blogeintrag oder?

Was gibt es neues? Von den Chinesen gibt es neues: Die können nämlich nur eigene Satelliten erfolgreich starten. Sobald sie einen kommerziellen Kunden haben, dann versagen wieder ihre Raketen. So passiert bei dem jüngsten Start der CZ-3B, der den Palapa C in einem unbrauchbaren Orbit hinterließ. Details gibt es wie üblich bei China nicht. Da ist es ja schon ein Fortschritt wenn nach mehreren Stunden erst der Fehlstart eingeräumt wird.

Samstag: 5.9.2009: Zusatzstofffachsimpelei bei Frosta

Ein Werbespot von Frosta behandelt ein Gespräch zwischen einem indischen und Frostakoch, wobei sie sich über Zusatzstoffe austauschen, doch wie aussagekräftig ist dies? Damit sie verstehen wovon die Leute hier reden, hier die Zusatzstoffe in Reihenfolge des Auftretens:

  1. Schwefeldioxid: Ist als Konservierungsstoff eingestuft, hat jedoch auch andere technologische Funktionen. Es wirkt antimikrobiell, verhindert aber auch enzymatische Bräunungen und wird so zum Verhindern von Verfärbungen bei getrockneten Früchten, Meerrettich aber auch Gemüsefertiggerichten eingesetzt. Das könnte also in Konkurrenzprodukten anderer Hersteller durchaus vorkommen.

  2. Calciumsorbat: Ein Konservierungsstoff auf Basis der Sorbinsäure. Sorbinsäure konserviert z.b. Vogelbeeren auf natürliche Weise. Sie ist für viele Lebensmittel zugelassen und findest sich vor allem in abgepacktem Brot. Tiefgefrorene Lebensmittel, wie sie Frosta vertreibt, sind aber durch das Tiefkühlen haltbar gemacht und dürften bei Unterbrechung der Kühlkette nicht verkauft werden. Es ist also garantiert kein Stoff den Konkurrenten nötig hätten.

  3. Natriumhydrogensulfit: Ist nichts anderes als gebundenes Schwefeldioxid, daher gilt hier das gleiche wie für 1.

  4. Monostärkephosphat: Dies ist eine chemisch modifizierte Stärke. Sie bildet einen zäheren Kleister als die normale Stärke und ein weiches Mundgefühl und wird daher oft für fettreduzierte Lebensmittel eingesetzt. Bei Fertigprodukten werden oft chemisch modifizierte Stärken eingesetzt, da natürliche Stärke beim Auftauen an Wasserbindungsfähigkeit verliert. Dazu eignet sich diese Stärke recht gut.

  5. Stärkenatrumoctinylsuccinat: Dies ist eine weitere modifizierte Stärke, sie ist kalt löslich und bildet mit kaltem Wasser stabile Gele. Daher wird sie für kalt lösliche Cremespeisen eingesetzt. Für Fertigprodukte wird sie wohl aber eher selten genutzt werden.

  6. Glutaminsäure: Ein sehr alter Geschmacksverstärker den "Unami" Geschmack vermittelt (Der Eigengeschmack von Fleischwurst kommt u.a. auch von der zugesetzten Glutaminsäure). Dieser Stoff wird in der Tat in vielen Fertiggereichten verwendet.

  7. Hefeextrakt angereichert mit Dinatriumrubonukleotid-5-phosphat: Fleischig schmecken auch Ribonukleotide, das sind Abbauprodukte der DNA und RNA. Dazu gehört auch das Dinatrium-5′-ribonucleotid, wie es korrekt heißen sollte (E635). Da Hefe sehr viel DNA und RNA enthält (um so mehr je stoffwechselaktiver ein Organismus ist), kann man auch Hefeextrakt als Geschmacksverstärker nutzen, nur klingt das viel besser auf der Verpackung.

  8. E160f: Das ist  β-apo-8’-Carotinalester. Ein gelber Farbstoff der natürlicherweise in Grass und Zitrusfrüchten vorkommen. Eingesetzt werden allerdings die chemischen Reinsubstanzen. Während E160a (β-Carotin) sehr weit verbreitet ist, findet man kaum den Einsatz von E160f. Da alle Carotinoide fettlöslich sind, ist ihr Einsatz bei Fertiggereichten eher selten. Man färbt damit eher Margarine oder fetthaltige Süßspeisen.

  9. E129: oder Allurot C ist nicht in Deutschland als Farbstoff zugelassen, sondern nur in England und dort auch nicht für Fertiggerichte.

  10. E155: Braun HT ist ein allgemein zugelassener Farbstoff, der jedoch vor allem in Süßspeisen eingesetzt wird. Ich wüsste ehrliche gesagt auch nicht, welches Sinn es machen sollte Fertiggerichte braun zu färben.

  11. E110: Gelbeorange-S ist ein gelbroter Farbstoff, der jedoch nicht für Fertiggerichte zugelassen ist.

  12. Hexamethylentetramin: Ein Konservierungsstoff, der ausschließlich für Provolone zugelassen ist. Würde mich wundern, wenn dieser Bestandteil der indischen Küche ist....

  13. PHB: Parahydroxibenzoesäure Ester sind Konservierungsstoffe die einen sehr starken Eigengeschmack haben (in etwa wie Aspirin) der sehr auffällig ist. Sie werden daher selten eingesetzt. Für Fertiggerichte sind sie nicht zugelassen, außer man zählt Soßen und Feinkostsalate auch dazu. Sie finden sich viel häufiger zum Konservieren von Hautcremes als in Lebensmitteln.

  14. Natriumethyl-p-hydroxybenzoat:  Ist nichts anderes als einer der phb-Ester, also "doppelt gemoppelt" wie oben bei Schwefeldioxid/Natriumhydrogensulfid. Oder Hefeextrakt / E635.

  15. Natriumtetraborat:: Oder Borax ist lediglich zur Konservierung von echtem Kaviar zugelassen und wird sich daher wohl kaum in einem Fertiggericht finden. Oder kennen sie ein Fertiggericht mit echtem Kaviar?

  16. 4-Hexylrecorcin:Ist ebenfalls nur für ein Lebensmittel zugelassen: Zur Konservierung von frisch gefangenen Krebstieren, die sonst auch bei Kühlung braun werden würden. Er wirkt wie Schwefeldioxid und verhindert eine enzymatische Bräunung. Da dieser Stoff schon beim Fangen der Tiere eingesetzt wird, könnte er durchaus auch in Frostaprodukten vorhanden sein - wenn dort Garnelen o.ä. verwendet werden.

  17. Silikonöle: Also natürlich sollten Silikonöle nicht in Lebensmittel eingesetzt werden. Ein einziges ist jedoch in kleiner Konzentration tatsächlich zugelassen, das ist : Dimethylpolysiloxan (DMPO). Es ist ein Schaumverhüter und findet sich so z.B. in Konfitüre, Frittierfetten (temperaturbeständig) und Kaugummi. Über das Frittierfett könnte es auch in Fertiggerichte kommen, ist jedoch nicht als Zusatzstoff für Fertiggerichte selbst zugelassen. Daher auch die Bemerkung über die fehlende Deklaration.

  18. Packgas: Zugelassen sind eine Reihe von Gasen zum Abpacken von Produkten. Die meisten dienen zum Verhindern von Oxidationen, bei Fleischprodukten kann aber auch Sauerstoff zugesetzt werden damit das Fleisch länger rot bleibt. Packgase sind gang und gäbe und eingesetzt wird normalerweise Stickstoff, aus dem auch die Luft zu 80 % besteht.

Fazit

Von 18 aufgezählten Zusatzstoffen würde ich sechs in einem Fertigprodukt erwarten. Der Rest ist nicht für Fertiggerichte zugelassen oder nur für spezielle Lebensmittel oder macht im Einsatz keinen Sinn. Ich finde das schade, denn ich halte den Spot für witzig. Offensichtlich hat man die Zusatzstoffe nach Namen und nicht nach Häufigkeit ausgesucht. Das ganze Gespräch ist damit abgehoben und fern jeder Wirklichkeit.

Wenn sie sich selbst informieren wollen: Alles über Zusatzstoffe finden sie in meinem Buch über Zusatzstoffe, ihre Verwendung und wie man Kennzeichnungen lies und durchschaut: Alle Infos die sie hier kompakt finden, sind auch im Buch drin - und noch viel mehr wie z.B. die Gruppen von Lebensmitteln für die ein Zusatzstoff zugelassen ist, seine Beurteilung in technologischer und toxikologischer Sicht und und und....

Probekapitel: Ein "Waldfrucht-Obstriegel (6 Seiten, 5 MB)

Sonntag 6.9.2009: Die Werbung mit Fresenius

Die Reaktionen auf den neuen Werbespot mit Jörg Pilawa haben mich mal dazu gebracht, was allgemeines über die Werbung mit "Fresenius geprüft" zu schreiben. Diese prangt auf immer mehr Webseiten, selbst nicht Lebensmittel-Produkten wie z.B. Calgon. Zuerst einmal was ist Fresenius? Fresenius ist ein recht großer, börsennotierter Konzern, der auch Analytiklabors betreibt. Anfang der neunziger Jahre hat der Konzern einen Sterben unter den unabhängigen Labors ausgelöst, weil er schnell wuchs und die Analysen billiger anboten konnte, so dass er heute marktbeherrschend ist.

Warum sollte ein Hersteller nun seine Produkte durch Fresenius prüfen lassen? Es gibt für mich hier mehrere Möglichkeiten:

Doch was sagt es aus?

Fresenius ist kein staatliches Untersuchungsamt, dass willkürlich Proben zieht und bei Verstößen eine Klage erhebt. Es mag bei Abweichungen ein Siegel entziehen, aber das wars dann auch. Es ist also recht risikolos. Es ist vollkommen risikofrei, wenn ich auf vier Stoffe untersuchen lasse, die ich in der Produktion gar nicht einsetze, wie dies der besagte Wursthersteller tut. Dasselbe System denke ich wird man auch bei anderen Herstellern finden.

Der kritische Verbraucher sollte sich was anderes fragen: Welches Siegel findet sich nicht bei der Werbung? Für Wurst gibt es z.B. das DLG Siegel, damit wurde die Wurst dieses Herstellers aber nie prämiert. Warum? Hat er nicht teilgenommen? Ist die Qualität nicht ausreichend für eine Prämierung? Wird mehr Geld in Werbung als in hochwertige Produkte gestreckt?

So das waren zwei Artikel in Folge über Ernährung / Lebensmittelchemie. Einem Thema in dem ich von meiner Berufsausbildung noch mehr zu Hause bin als in der Raumfahrt. Ich würde zu dem Thema mehr schreiben, doch ich richte mich nach den Reaktionen die ich bekomme: Wenn die Leute sich nur für Raumfahrt interessieren und die Blogs über Ernährung nicht kommentiert werden oder mein aktuelles Buch über Zusatzstoffe und die Tricks der Lebensmittelindustrie in den Verkaufszahlen hinter meinen Raumfahrtbüchern zurück bleibt, dann schreibe ich eben über das. Also: Mehr über Ernährung gibt es durch mehr Kommentare zu diesem und anderen Blogs.

Montag 7.9.2009: Ein Space Shuttle Start kostet rund 790 Millionen Dollar

Kosten des Space shuttles

Ich habe mich gestern mal daran gemacht, die Kosten eines Space Shuttle Starts zu berechnen. Das ganze ist nicht so einfach. Aus mehreren Gründen. Zum einen gibt die NASA seit 20 Jahren keine Startkosten mehr an. Was man nehmen kann sind so nur die Kosten des Space Shuttle Programmes. Auch hier verschießt die NASA Rauchkerzen indem sie dieses aufspaltet in Subresorts und diese teilweise anderen Posten zuordnet, wie z.B. die durch Flüge verursachten Kosten der ISS, da alle Flüge ja zur ISS gehen.

Auch ist leider das Material nicht vollständig. Es fehlen mir die Jahre 1989-1995. (Wer die Daten für diese Jahre hat bitte melden!). Unter Ausschluss dieser komme ich von 1981 bis 2012, wenn die letzten 87,8 Millionen für das STS Programm fließen auf eine Gesamtsumme von 81.287 Millionen Dollar für das STS Programm und Startkosten von 923 Millionen Dollar pro Flug für die 88 Flüge in diesen Jahren. Wenn ich die sieben Jahren von 1989-1995 mit im Mittel 3500 Millionen Dollar dazurechne (liegt ungefähr in der Mitte des Budgets von 1988 von 4290 Millionen und 1995 von 3157 Millionen) und die 50 Flüge in diesen Jahren dazu addiere, dann komme ich auf Flugkosten von 790 Millionen Dollar im Mittel.

Preiswert war ein Start nie.

Was natürlich die kosten nach oben treibt - und das sieht man an der Grafik ganz gut - sind Jahre in denen die Flotte nach Challenger und Columbia am Boden stand, kein Start stattfand, aber durch die Maßnahmen erhebliche Kosten entstehen.

Nun will ich aber nicht zu viel lästern, denn es kommt ja immer auf den Blickwinkel an, denn betrachtet man es aus einer anderen Perspektive, so ist der Shuttle preiswert. Er hat in rund 30 Jahren etwa 106 Milliarden Dollar gekostet. Aber dafür gab es ja wenigstens 134 Flüge! Das Constellation Programm wird je nach Schätzung rund 116-170 Milliarden Dollar kosten und dafür gibt es allenfalls ein Dutzend Flüge....

Ansonsten? Ich habe so langsam das Gefühl, ich brauche eigentlich gar keine Blog Einträge zu schrieben, denn es warten alle nur auf einen Kommentar, bei dem sie sich reinklinken können. So geschehen dieses Wochenende, als jemand den ersten Kommentar bei einem eineinhalb! Jahre alten Eintrag gemacht hat. Wer die Suchfunktion in der Leiste rechts unten nutzt wird bestimmt noch mehr alte Beiträge finden die man kommentieren könnte, dann kann ich mir das Schreiben von neuen doch eigentlich ganz sparen....

Appendix (26.10.2009): Nach dem Augustine Report kostete das Space Shuttle Programm von 1971-2009 112,8 Milliarden Dollar was 172,8 Milliarden Dollar im Wert von 2009 entspricht. Das sind bei 128 Missionen 881 Millionen Dollar oder 1350 Millionen Dollar im Werte von 2009 pro Start (inklusive der Entwicklungskosten)


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