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Web Log Teil 129 : 9.9.2009-14.9.2009

Mittwoch den 9.9.2009: Lebensmittel ohne Zusatzstoffe?

Die Frosta Werbung, die ich kürzlich erklärt habe, bringt mich zu dieser Frage die sich sicher schon der eine oder andere gefragt hat. Ist es möglich auf Zusatzstoffe zu verzichten? Zuerst mal etwas Aufklärung. Folgende Behauptungen sind nicht wahr:

Da es nun Frosta vorgemacht hat: Kann man Lebensmittel generell ohne Zusatzstoffe herstellen? Die Antwort ist für mich klar: Nein, nicht generell. Frosta hat eine Produktpalette wo dies leicht möglich ist. Es gibt auch andere Produkte, die ohne Zusatzstoffe auskommen, aber nicht alle. Meiner Meinung nach kann man die Lebensmittel in drei Gruppen einteilen:

Für die Firmen ist ein anderer Punkt wesentlich:

Produkte ohne Zusatzstoffe werden teurer. Wenn ich anstatt eines Emulators Eigelb einsetzen muss, so wird mein Produkt teurer. Wenn ich keine Geschmacksverstärker einsetze, so muss ich mehr Fleisch verwenden. Besonders die Aromastoffe sind deswegen so beliebt, weil damit teurere Rohstoffe eingespart werden. So sind für Fruchtjogurt ein Früchteanteil von 6 % vorgeschrieben. Das ist nicht viel. Etwa zwei gestrichene Teelöffel pro 150 g Becher. Wenn der Jogurt ohne Aromazusatz nach Früchten schmecken soll, dann muss der Hersteller ein vielfaches dieser Menge einsetzen und das wird teuer.

Wer sucht, wird auch heute schon Lebensmittel finden, die weniger Zusatzstoffe einsetzen oder vielleicht gar keine. Nicht in jedem Bereich, aber sich in vielen. Aber ich wage eines zu prophezeien: Das wird der Verbraucher auch am Geldbeutel merken. Frosta selbst als Vorreiter zählt ja nicht gerade zu den preiswerten Anbietern. Das ist etwas, was ich in vielen Fernsehdiskussionen vermisse: Ohne Zusatzstoffe sind bestimmt viele Produkte teurer. Unser Lebensmittelrecht hat aber nicht die Aufgabe eine bestimmte Ernährung oder hochwertige Produkte zu propagieren. Es hat die Aufgabe dafür zu sorgen, dass Hersteller keine gesundheitsschädlichen Lebensmittel in den Verkehr bringen und den Verbraucher nicht täuschen. Damit ist es möglich den Billigjogurt mit 6 % Früchten in den Handel zu bringen aber auch einen Edelrahmfruchtjogurt mit 12 % Sahne und 15 % Früchten.

Sovil dazu, nun noch ein paar Hinweise. Ich würde gerne mal wieder die Calgon Werbung zum Thema machen. Im Frühjahr hatten die einen Spot ausgestrahlt, bei dem vorgerechnet wird wie viele Waschmaschinen jedes Jahr kaputt gehen. Hat jemand einen Link dazu? Bei meinen eigenen Recherchen bin ich nur darauf gestoßen das die Calgon Spots schlecht synchronisieert auch in Spanien, Russland und den USA laufen. Dann habe ich am Mittwoch und Donnerstag einen ganztägigen Kurs über Datenbanken bei der DHBW zu halten. Normalerweise bin ich danach geistig ziemlich ausgepowert, so dass der nächste Blog wohl erst am Freitag/Samstag kommt.

Mittwoch: 9.9.2009: Danke SpaceX

Wie schon angekündigt heute ein kurzer Blog. Ich habe, um das Raketenlexikon (Band 1 US-Träger) um die neusten Infos zu ergänzen, nach Details zu dem Orbcomm/SpaceX Deal gesucht. Was ich suchte (die Zahl der Starts) habe ich nicht gefunden, aber eine andere interessante Stelle: Demnach kostet eine Falcon 1e nun schon 11 Millionen Dollar, und transportiert nur noch 900 kg (vorher 9,1 Millionen, 1010 kg), was einer Preiserhöhung um 35 % entspricht. Es ist also dasselbe wie bei der Falcon 1, bei der in den letzten Jahren die Startkosten laufend angehoben wurden und die Nutzlast sank (von 670 auf 420 kg, Startkosten von 5,9 auf 7,9). Ich habe ja schon eine Prognose für die Falcon 9 gemacht, aber dass nun die Falcon 1e vorher dran ist, wundert mich nicht. Warum sollte eine Rakete mit derselben Technologie wie die Falcon 1, bei 70 % höherer Startmasse 140 % mehr Nutzlast transportieren? So ist das absenken der Nutzlast nur logisch. Trotzdem ist natürlich die Falcon 1e immer noch preisgünstig verglichen mit einer Taurus oder Minotaur, aber sie nähert sich denen an. Vor allem bei sonnensynchronen Orbits mit höherer Bahnenergie ist der Unterschied nun nicht mehr sehr groß zur Minotaur.

Bei der Vermarktung hat SpaceX Erfolg- schon am 8.9, wurde der nächste Kontrakt angekündigt, ebenfalls für die Falcon 1. Was mich ärgert ist, dass es ein europäischer Satellit von Astrium ist. Gibt es da nicht die Vega oder wenigstens Rocket bei der Astrium ja zu 50 % beteiligt ist?

Auch glaube ich verstehe ich mittlerweile SpaceX Beteiligung an dem COTS Programm. Man führe sich diesen Artikel zu Gemüte. Die für mich wichtige Passage: "To date, SpaceX has completed 14 of its 22 COTS milestones on time, earning $234 million of the $278 million available to it under the program. The company is behind schedule on three milestones, which include the March mission readiness review, the promised May delivery of a communications flight unit and the first demo mission.". Es gibt also 234 von 278 Millionen, obwohl die Demoflüge die eigentlich das wichtigste sind, gar nicht stattgefunden haben. Die erste Falcon 9 soll inzwischen nach SpaceX und NASA Angaben "noch vor Jahresende" starten. Anfang des Jahres war noch Juni im Gespräch.

Auch scheinen Leute, die Ahnung von Raumfahrt haben SpaceX sehr schnell wieder zu verlassen. Schon der zweite Manager der vorher bei Boeing arbeitete, quittierte den Job nach nur 6 Monaten: Ich glaube das sagt mehr über die Firma aus als alle Kurzweilligen Blogs von Musk.

Heute war mein erster Tag als Dozent für Datenbanken. Es lief viel besser als bei den Informatikvorlesungen die ich sonst für die Maschinenbauer halte. Die Studenten sind motiviert und zeigen Eigeninitiative und haben nicht die "Das ist sowieso ein Nebenfach, das ist nicht wichtig" Haltung die ich bisher kannte. Obwohl es 8 Stunden waren und ich sonst schon nach 4 Stunden mich ausgelgelaugt fühlte, war dies diesmal nicht der Fall, weshalb es auch diesen Kurzblog gibt.

Dann bekam ich heute Band 2 des Raketenlexikons vom Korekturlesern zurück, so dass alle beide Bände einmal durchgelesen sind. So denke ich werde ich sicher die Bücher vor Dezember veröffentlichen können (nach dem zweiten Korrekturlesen muss ich ja auch noch mal drüber gehen).

Freitag 11.9.2009: Powerline vs. WLAN

Heute mal ein kleiner Erfahrungsbericht. Vielleicht hilft er dem einen oder anderen weiter. Es geht um die Hausvernetzung. Fast jeder hat ja das Problem, dass man in einer bestehenden Wohnung nicht so einfach Netzwerkkabel ziehen kann. Wer eine größere Renovierung vorhat, dem kann ich nur raten das zu tun und dabei vielleicht Kabelschächte vorzusehen, an die man später auch noch leicht herankommt, weil die Geschwindigkeiten von Netzwerken rapide ansteigt (alternativ: das Beste zu verlegen, was man heute bezahlen kann, auch wenn der Switch und PC noch niedrige Geschwindigkeiten liefern). Spätestens, wenn es aber über mehrere Stockwerke geht, fängt das Grübeln an: Löcher in die Decke bohren und Kabelschächte nicht nur am Boden, wo man sie leicht durch Möbel / Teppich kaschieren kann, sondern in der Ecke der Wand?

Da gibt es heute die Alternative Powerline / WLAN. Bei mir war die Situation so, dass ich August 2007 DSL über Kabel bekam, vorher habe ich bei meinem Bruder im Nachbarhaus über WLAN mitgesurft. Daher bot es sich an WLAN weiter zu benutzen und so nur eine Antennendose umzurüsten auf DSL, sonst wären Mehrkosten angefallen. Zudem ist auch der Fernsehanschluss in meinem recht großen Arbeits/ Wohnzimmer rund 8 m vom Computer entfernt, so dass es in jedem Falle auf Strippen ziehen/WLAN rausgelaufen wäre, warum also nicht die WLAN Hardware weiter zu verwenden? Trotz Stahlbeton Decke hatte ich dank zweier externen 3 dbi Antennen immer guten Empfang mit Bruttodatenraten von 81 bis 160 MBit/s - mehr als genug für den nur 10 MBit schnellen DSL Anschluss. Die Empfangsleistung schwankte je nach Wetter oder weiß ich noch was, zwischen 35 und 70 %.

Im Juli fing das WLAN an Probleme zu machen. Es häuften sich Verbindungsabbrüche und niedrige Empfangsraten bis in den einstelligen KBit/s Bereich hinein. Mehrmals startete ich WLAN Router neu feilte an den Konfigurationen herum, veränderte die Position des USB-WLAN Sticks, was kurzzeitig half, aber auch nicht dauerhaft. Was sich verändert hatte, war dass ich inzwischen bis zu sechs WLANs sehe, früher war es nur eines oder maximal zwei und eines hat in etwa die halbe Sendestärke meines WLANs.

Daher habe ich mich entschlossen Powerline auszuprobieren. Ausprobieren, weil der Händler meines Vertrauens, die im südwestdeutschen Raum ansässige Handelskette Arlt einem ein Rückgaberecht auch auf im Laden gekaufte Waren innerhalb einiger Werktage einräumt. Gekauft habe ich MSI MEGA ePower 200AV Kit Version II, das sind zwei Adapter als Mindestausrüstung. Einer wird mit dem Kabelmodem verbunden und unten in die Steckdose gesteckt, der zweite oben in eine Steckdose und mit dem Computer verbunden. Konfigurieren muss man nichts, zumindest nicht mehr als wie wenn man den DSL Adapter direkt angeschlossen hat (DSL über Kabel kommt anders als über die Telefonleitung ohne Konfiguration von Benutzername und Kennwort aus, einfach Netzwerkkabel an das Kabelmodem stecken und man ist im Netz).

Nach zwei Tagen muss ich sagen: Es hat sich gelohnt. Mit einem Utility kann ich abfragen, wie schnell die Adapter sich verbunden haben und das liegt bei meiner Hausverkabelung bei 3000-5000 KByte/s also rund 24-40 MBit/s. Brutto sind das 78-139 MBit/s, Von den 200 MBit/s bleiben Netto maximal 65 MBit (TCP) bzw. 85 MBit (UDP) nach Handbuch übrig. Die Verbindung ist stabil, sie reist nicht ab und sie ist schnell. Zumindest ist der subjektive Eindruck so, bei Websites die Seiten schnell ausliefern können und größeren Downloads. (Das Problem ist es eher, Websites zu finden, die Downloads mit 20 MBit/s (so schnell ist der Zugang nach Vertragsverlängerung und mehr Speed für denselben Preis inzwischen) ausliefern - in dem Zusammenhang würde mich interessieren, wer die 100 MBit/s die Kabel-BW auch anbietet, wirklich nutzen kann - ich kann di2 20 MBit/s nur, wenn ich Videos von mehreren Servern gleichzeitig abhole).

Auch meine Mutter ist glücklich, denn nun ist ein Router mit zwei externen Antennen weg - sieht besser aus und weniger Kabel sind da. Von der Geschwindigkeit und Stabilität gibt es so nur Vorteile. Was sind die Nachteile? Nun es ist teurer. Während WLAN schon auf einigen Motherboards mit drauf ist und jedes Notebook WLAN hat und man so nur einen Router für 30-40 Euro und vielleicht einen USB-Stick für 20 Euro für zwei PCs braucht, kostet ein Kit 77 Euro. Hat man mehr Geräte zu vernetzen so braucht man pro Gerät einen weiteren Adapter für 40 Euro (bis zu 64 sind möglich). Wer ein Notebook hat, mag vielleicht kein Kabel zur nächsten Steckdose ziehen, mal so einfach das Notebook in das Schlafzimmer tragen scheidet dann auch aus.

Es gibt daher keine pauschale Lösung: Mein Vorschlag: Wenn Sie die gleichen Probleme wie ich haben, oder die Empfangsleistung durch einige Wände / Decken mit Stahlarmierung stark zurückgeht, dann nutzen sie Powerline um die Stockwerke zu verbinden und WLAN um innerhalb eines Stockwerks die Verbindung herzustellen. Wer wie ich nur einen PC und einen DSL Zugang hat, dem würde ich bei fast gleichen Kosten zu Powerline raten. Kleiner Einkaufstipp:

Western Digital WDE1UBK10000E Elements externe Festplatte 1 TB HDD USB2.0 schwarz

Sonntag 13.9.2009: Was nervt

Heute schaue ich in die Fernsehzeitung. Was kommt? Auf vier Kanälen das Duell der Kanzlerkandidaten, wahrscheinlich weil je ein Journalist von jedem Kanal dabei ist. Für mich wohl aber eher um sicher zu gehen, dass auf dem anderen Kanal nicht ein guter Spielfilm läuft und die Quoten in den Keller gehen. Das nervt! Ich habe meine Wahlentscheidung schon längst getroffen und will nicht von der Rumstreiterei belästigt werden, zumal das so formal läuft das es sich nicht besonders spannend anhört. Das war schon letztes mal so.

Es ist schon schlimm dass wir zwar jede Menge Talkshows haben, aber alle nur von Politikern bevölkert werden. Ich würde Politiker primär einmal keine Kompetenz in Sachen Wirtschaft, Naturwissenschaft und Technik zuweisen, das haben sie mehrfach unter Beweis gestellt. Trotzdem tauchen sie in Diskussionen über die Wirtschaftskrise, Pro/Contra Gentechnik und wie weit greifen Sperren und Vorratsdatenhaltung überhaupt zu Wort. Das liegt wohl daran, dass es irgendeine Vorschrift gibt, die es verbietet zu solchen  Diskussionen nur einen Politiker einzuladen. Es müssen dann wahrscheinlich immer gleich je einer von den beiden großen und einer der kleinen Parteien eingeladen werden. Da Politiker in jahrelanger Fernsehpräsenz jeden Rest von guten Benehmen und Rücksichtnahme verlernt haben fangen sie dann auch an den andern Teilnehmern ins Wort zu fallen, ewig lang zu reden und nicht auf Fragen zu antworten, sondern ihr Wahlprogramm zu verkündigen. Warum also jetzt nochmal eine riesige Show?

Das ist nicht das einzige nervige. Wer einmal zappt wird feststellen, dass die Sender unterschiedlich laut sind warum? Ich rede hier nicht von Maximallautstärke - es ist klar, dass wenn in einem Spielfilm Granaten explodieren oder Rockgitarren aufheulen, aber das sind Extreme. Ein Gespräch sollte in jedem Kanal gleich laut sein und das ist technisch auch kein Problem. Mich wundert, dass noch kein Fernsehhersteller eine Taste "Normsound" hat, in der die Sender automatisch mit der gleichen mittleren Lautstärke abgespielt werden. Der Fernseher braucht ja nur das Eingangssignal vermessen.

Das nächste ist die Werbung. Während sie bei den öffentlich rechtlichen immer weniger wird (hier könnte es durchaus mehr sein, wenn das Programm besser werden würde), wird es bei den privaten immer mehr. Die Werbeblöcke werden immer länger und unverschämter: Man meint es geht nach einem "Es geht gleich weiter" Werbespot gleich weiter aber es kommen weitere 2 Minuten Werbung und anschließend noch Trailer für Sendungen die man auch ansehen kann. Die Werbung sollte auch für Computer leicht erkennbar sein - es fehlt das Sendung und die Lautstärke nimmt sofort zu. Das sind zwei Zeichen an denen man das Signal erkennen kann und eine Möglichkeit zu schneiden. Warum baut man nicht also so was in Fernseher ein, die bei Druck auf eine Taste das Fernsehprogramm zwischenspeichern und beim Druck auf eine andere Taste es wiedergeben - ohne Werbung. Es gibt Fernseher mit integriertem Festplattenrekorder, die können das bereits (zumindest das zeitversetzte wiedergeben). Doch das sind teure Geräte der gehobenen Leistungsklasse. Was ich wünsche ist eine Funktion die gerade ausreicht die Werbung auszublenden, so dass man weg gehen kann und später wiederkommen und alles ohne Werbung anzusehen. Dazu braucht man nicht viel Speicher. 1 MByte/s reichen für gutes PAL-Video bei MPEG4 Komprimierung. 4 GByte FLASH Speicher reichen so für mehr als eine Stunde und kosten heute nur ein paar Euro.

Es kommt übrigens noch besser: Wenn über Astra ab nächsten Jahr die Privatsender digital in höherer Auflösung ausstrahlt sind diese grundverschlüsselt. Zum Empfang braucht man nicht nur einen Receiver und das ganze kostet Geld. Vor allem: Der Receiver den man dazu bekommt erlaubt es nicht die Werbung zu überspringen!

Bei der Werbung frage ich mich: Wann kommt der Kollaps? Seit ich Privatfernsehen kenne gibt es zwei Trends:

Das führt dazu dass die Werbung immer weniger wahrgenommen wird. Die Leute umschalten oder ganz vom Fernseher weggehen, auch wenn sie vielleicht einige Minuten vom Programm verpassen. Es ist also auch für die Werbetreibenden kontraproduktiv. Ich schaue inzwischen Filme auf den Privaten nicht mehr direkt an, sondern lade sie vom OnlineTVRekorder herunter. Das kostet mich nichts und ich kann Werbung bequem überspringen. Ich prophezeie, dass sehr bald Geräte weit verbreitet sein werden, die es erlauben die Werbung zu überspringen - die Technik für das Aufzeichnen und Speichern von Fernsehen ist billig und man benötigt wie erläutert dazu nicht unbedingt eine Festplatte (selbst wenn würde ein kleines Modell reichen) und so wird sie bald von Festplattenrekorder in Fernseher, Satellitenreceiver und Set-Top Boxen wandern. Wenn das aber jeder hat, dann wird kaum noch einer Werbung anschauen und dieses ganze System wird kollabieren.

Samstag: Anstatt einem deutschen Mond- und Marsprogramm: Teil 3: Zu Deimos und Phobos

Etwas verspätet nun der Teil 3 des Alternativmodells zum 1.5 Milliarden Euro Vorschlag der derzeit vorliegt. Wie beim Mond und Venus soll Hauptzweck sein, bestehende Hardware zu nutzen und die Forschung sinnvoll zu ergänzen.

Beim Mars fällt mir da sehr wenig ein. Sieht man sich die instrumentelle Ausrüstung von MRO und dem MSL an, dann ist es schwer diese zu ergänzen. Vor allem wenn man sieht, welche Möglichkeiten der Datenübertragung der MRO hat. Aber es gibt beim Mars auch noch "weiße Flecken" auf der Landkarte: Die beiden Marsmonde Phobos und Deimos. Sie sind recht klein, Phobos als der Größere hat einen maximalen Durchmesser von gerade mal 27 km. Aber sie haben andere Vorteile: Es sind eingefangene Asteroiden und viel leichter erreichbar als die des Hauptgürtels. Um zu diesen zu gelangen braucht Dawn mehrere Jahre. Am Mars ist man in wenigen Monaten und durch das Gravitationsfeld des Planeten muss auch weniger Energie aufgewendet werden um zu den Monden zu kommen.

Es ist ja seit langem die Phobos-Grunt Mission im Gespräch, die zu Phobos fliegen soll und Bodenproben zurück zur Erde bringen. Ich bin für eine ausführlichere In-Sito Untersuchung - ich sehe keinen Grund von zwei Asteroiden Bodenproben zu nehmen - schließlich fallen jedes Jahr Meteorite mit demselben Ursprung auf die Erde und können untersucht werden. Warum sollten sich Phobos und Deimos von so vielen Steinasteroiden in ihrer chemischen Zusammensetzung unterscheiden?

Stattdessen sollte man einen Lander absetzen, der den Boden direkt untersucht. Einen solchen hat Europa schon entwickelt: Es ist der Philae Lander, der zur Zeit an Bord von Rosetta zum Kometen Churymasov-Geramisenkow unterwegs ist. Er muss natürlich modifiziert werden, schließlich landet er auf Felsen und nicht auf Eis und auch die Instrumente angepasst werden.

Mein prinzipieller Vorschlag:

Dafür werden rund 3700 m/s Geschwindigkeitsänderung fällig. Das ist mit Ionentriebwerken durchaus machbar und wenn man sich dafür 2 Jahre Zeit lässt, sind dies nur rund 5 m/s pro Tag..Während der ganzen Zeit umkreist die Sonde den Mars in unterschiedlicher Entfernung (schwankend zwischen 250 und 70.000 km und kann so hier Forschung durchführen. Interessant sind hier weniger hochauflösende Oberflächenaufnahmen, als vielmehr die Möglichkeit die Umgebung des Mars genauer zu untersuchen (alle amerikanischen Sonden befinden sich in marsnahen Umlaufbahnen) und globale Messungen zu machen wie z.B. Aufnahmen von Staubstürmen, globale Druck- und Temperaturmessungen.

Die Sonde würde beim Start in einen GTO Orbit rund 3.280 kg bei einer Sojus STK 2b wiegen, und am Mars angekommen noch 1.690 kg, davon entfielen rund 230 kg auf das Antriebssystem. Die reine Sonde wöge also noch 1.460 kg. 200 kg macht der Treibstoff für das Ionentriebwerk aus (Xenon). 12 kg auf den Tank, 88 kg auf den Solargenerator und 20 kg auf das Triebwerk und Stromkonverter. Das macht dann noch 1.140 kg für das Raumfahrzeug und zwei Lander (jeweils 100 kg). So verbleiben rund 900 kg für den Orbiter - das erlaubt durchaus einiges an Experimenten mitzuführen.

Eine minimale instrumentelle Ausrüstung, die ich vorschlagen würde wäre:

Das wären mindestens sechs Experimente auf dem Orbiter, weitere wären möglich bei 900 kg Gewicht würden sicherlich rund 150 kg Experimente mitgeführt werden können (Antriebssystem und Solargenerator die ja bei anderen Sonden noch in der Trockenmasse enthalten sind, sind ja schon abgezogen).

Dazu sollte eine Hochgewinnantenne zur Kommunikation mit der Erde und eine Mittelgewinnantenne für den Empfang der Daten der Lander und später von Sonden vom Mars kommen.

Missionsablauf am Mars:

Nach Einschwenken in den Orbit sind die Ionentriebwerke rund um den marsnächsten Punkt aktiv um diesen abzusenken. Das macht rund 50 % der Zeit aus. Die anderen 50 % sind die Experimente aktiv, um vor allem die fernere Umgebung des Mars zu bestimmen (die Ionentriebwerke würden alle Experimente stören welche geladene Teilchen bestimmen). Sobald der marsnächste Punkt bei 6.000 km Höhe angelangt ist, wird die Reihenfolge umgekehrt, nun arbeiten die Ionentriebwerke um diesen anzuheben und rund um den marsnächsten Punkt sind die Experimente aktiv. Schon in dieser Zeit dürfte es einige Vorbeiflüge an Phobos geben, die vor allem für die Fernerkundung genutzt werden. Dann schwenkt die Raumsonde in eine Umlaufbahn ein die ein wenig unterhalb von Phobos ist. Bei 100 km Distanz wird sie z.B. alle 21 Tage den Mond passieren mit einer Geschwindigkeit von 11 m/s. Eine Strecke von 100 km (50 km vor und nach dem nächsten Punkt wird so während zweieinhalb Stunden zurückgelegt, etwa eine halbe Stunde ist die Sonde in der Nähe der Oberfläche während dieser Zeit wird der Mond genauestens untersucht. Danach wird die Distanz verkürzt, was zwar zu einer längeren Passagedauer und höherer Auflösung führt, aber auch die Zeit zwischen zwei Besuchen verlängert. Hier können die Ionentriebwerke helfen: Zwischen einer Bahn die 20 km innerhalb von Phobos und 20 km außerhalb liegt, liegen nur 4,6 m/s Geschwindigkeit, was der Ionenantrieb bei dauerndem Betrieb nach einem halben Tag erbracht hat. So könnte ein Besuch nach einem Tag erneut statt finden. Das Ionentriebwerk erlaubt es genügen Treibstoff mitzuführen um dieses Spiel dutzende Male zu wiederholen. Weiterhin ist dann die Distanz zu Phobos nicht so groß und es ist viel einfacher die Daten des Landers zu empfangen.

Nach einigen Monaten und Dutzender dieser Vorbeiflüge macht sich dann die Sonde zu Deimos auf. Dort wiederholt sich das Spiel. Auch hier finden über Monate hinweg zahlreiche Vorbeiflüge statt und es wird ein Lander abgesetzt der in situ Untersuchungen macht.

Zuletzt hat die Sonde eine Mission als Mars Wettersatellit und Kommunikationsrelais. Aus einem geostationären Orbit heraus kann sie Veränderungen auf einer Hemisphäre recht gut feststellen. Mit dem Mittelgewinnantenne bietet sie für jeden Lander auf einer Hemisphäre einen dauerhaften Funkkontakt, anstatt wie bisher maximal 10 Minuten pro Orbit und nicht bei jedem Orbit (hängt davon ab wie polnah die Landestelle liegt). Benötigt ein Lander dauernden Kontakt wie z.B. das MSL, so kann die Position auch verschoben werden auf die andere Hemisphäre des Mars. Von Vorteil ist auch dass wegen dem Ionentriebwerk ein sehr großer Solargenerator nötig ist (Leistung von rund 5.5 kW). Damit kann ein sehr leistungsfähiger Sender eingebaut werden, der eine hohe Datenrate erlaubt. Damit wäre diese Raumsonde prinzipiell sogar in der Lage Video vom Mars zur Erde zu senden.

Ich sehe in diesem Konzept eine Möglichkeit sinnvolle Forschung zu betrieben ohne exorbitante Kosten: Es ist auch ein Projekt das in europäischer Zusammenarbeit gestaltet werden könnte. Hier einige Anregungen:

Zusammen mit dem schon vorgeschlagenen Mond- und Venusprogramm denke ich sind alle drei Sonden zusammen für unter 1 Milliarden Euro finanzierbar. Über die inzwischen in Europa gang und gäbe gewordene Mentalität von nationalen Alleingängen die sich ja auch in dem deutschen Vorstoß zeigt wird noch zu reden sein.


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