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Web Log Teil 130 : 15.9.2009-

Dienstag den 15.9.2009: Politikerverbot im Fernsehen / Piratenpartei

Ich schaue mir ja sehr gerne Fernsehkritik.TV an - das Format bringt einen auf ganz neue kritische Gedanken. In der aktuellen Folge 34 geht es unter andrem auch darüber, dass die kleinen Parteien keine Chance haben ihr Programm im Fernsehen vorzustellen und alles sich auf das Duell Steinmayer / Merkel fokussiert. Und ich muss dem Autor zustimmen. Ich glaube 1998 gab es mal eine Sendung in der nur die kleinen Parteien ihr (teilweise abstruses) Programm vorstellen. Och kann mich noch erinnern, dass der Vorsitzende der Bibeltreuen Christen damals Harry Potter verbieten lassen wollte, weil das Buch so was wie Teufelszeug sei.

Nun ist es unmöglich die vielleicht 20 Parteien adäquat zu repräsentieren und gleiche Sendezeit zuzuweisen - denn eigentlich fordert unser Grundgesetz ja Chancengleichheit für alle Parteien. Meine Lösung dafür wäre: Keine Parteien mehr im Wahlkampf im Fernsehen. Auch nicht in normalen Talkshows. Wie schon vor ein paar Tagen angesprochen - ich verstehe nicht warum Politiker zu allen möglichen Themen eingeladen werden - sie verstehen ja nicht mehr davon als wirkliche Experten, wie man leicht erkennen kann. Wenn die Politik erst die Banken mit Milliarden stützt und sich dann immer noch nichts an deren Verhalten ändert oder in der Diskussion über die Kinderpornographie, bei der es nicht nur um fundamentale Grundrechte, sondern auch um ein Grundverständnis wie das Internet funktioniert und wie diese Sperren leicht umgehen werden können. Experten dazu habe ich nie in den großen Polittalkshows gehen, sondern eher in einer Sendung wie "Neues", die aber wohl kaum Gretchen Müller anschaut.

Daher meine Forderung: Politikerfreies Fernsehen vor den Wahl! Das lenkt mich auf mein zweites Thema: Einer Diskussion mit meinem ehemaligen Kollegen letzten Freitag über die Piratenpartei habe ich mir mal deren Programm angeschaut, zumindest den Punkt der ja so kontrovers diskutiert wird - die Urheberrechte. Schließlich geht mich das als Buchautor unmittelbar an. Um es mal klar zu sagen: Ich finde hier auch was reformbedürftig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass noch 70 Jahre nach meinem Tod sich jemand für meine Bücher interessiert oder sie noch aktuell sein könnten - das wäre bei einer normalen Lebenserwartung rund um das Jahr 2115. Bei Musik ist die Zeit in der etwas veraltet oder wirklich so was wie Allgemeingut wird noch kürzer: So ist z.B. selbst noch die Musik der Commedian Harmonists noch urheberrechtlich geschützt. Also über eine Veränderung der Frist kann man mit mir reden - für Bücher hielte ich so was zwischen 20 und 25 Jahren angemessen. Auch ist es mir lieber wenn es eine Regelung gibt mit der man neue Medien wie das Internet / Filesharing besser einbinden kann. Hier mal mein Kommentar zu dem Programmpunkt:

Kopierschutz: Es ist meiner Ansicht nach nicht Aufgabe der Politik über eine technische Maßnahme zu entscheiden. Gerade bei dem Kopierschutz sieht man dies ja: Er ist bei Musik praktisch am Ausstreben. Die Gesetze sollten nur regeln, dass durch diese technische Maßnahme nicht die Rechte des Verbrauchers eingeschränkt werden, z.B. ein Musikstück nur auf einem Player wiedergegeben werden kann.

Freies Kopieren und freie Nutzung: Das bedeutet praktisch die Legalisierung der Raubkopierei und anders als die Piratenpartei kann ich nicht erkennen dass Personen für etwas was sie über irgendwelche Quellen umsonst bekommen können etwas bezahlen: Ich habe ja einige Programme auf meiner Website. In rund 10 Jahren habe ich dadurch rund 30 Euro eingenommen. Die Zahl der Leute die für etwas zahlen, was sie auch umsonst bekommen können ist vernachlässigbar. Und andere Geschäftskonzepte sehe ich nicht - Zahlen Bittorent Portale für die gehosteten raubkopieren etwa Copyrightabgaben? Hier fängt die Piratenpartei mit dem Wischi-Waschi an, irgendwelche unbewiesenen und nicht mal genauer ausgeführte Behauptungen anzuführen, ohne konkret zu werden.

Ausgleich zwischen Ansprüchen der Urheber und der Öffentlichkeit: Erst wird behauptet man erkennt die Persönlichkeitsrechte an, dann folgt bei der Ausführung das Gegenteil. Das jeder irgendwo auf schon vorhandene Werke zurückgreift kann doch nicht allen ernstes als Begründung dafür gelten dass nun das neue Werk Allgemeingut ist. Um mal zwei Extreme zu bringen: Wer ein Gedicht schreibt bedient sich natürlich der deutschen Sprache, also etwas was absolut öffentlich ist - schwupp hat er nach diesem Gesichtspunkt keine Rechte mehr. Umgekehrt: Selbst ich halte eine Cover Version eines Titels nicht für eine besonders kreative Tätigkeit. Trotzdem ist die Coverversion dann nicht Allgemeingut und der Künstler muss an den Schöpfer des Originals Copyrightabgaben zahlen. Im Prinzip müsste ich alle Bücher die ich geschrieben habe verschenken: Denn die Infos findet man natürlich auch woanders, sie sind nur aufbereitet worden, zusammengefasst, in Zusammenhang gebracht und vielleicht besser erklärt. Aber natürlich findet jemand der viel Zeit im Netz verbringt alles was auch in meinen Büchern steht. Dieser Punkt ist für mich "Kommunismus im Urheberrecht" - einige Idioten arbeiten und der Rest konsumiert und freuen sich daran. Wie beim Kommunismus wird das System zusammenbrechen weil die Kreativen dann eben aus Deutschland auswandern werden.

Das zweite sind die Temperaturen. Sie sind ja nun wieder gesunken und ich hocke in langen Hosen und Pullover vor dem Computer. Ich weiß das Thema ist trivial, aber ich finde es erstaunlich wie man sich an höhere oder tiefe Temperaturen gewöhnen kann. Anfangs des Winters friere ich viel mehr und bin dicker angezogen als zum Ende hin, obwohl es dann eher noch kälter ist. Die ersten warmen Tage nach dem Winter kommen einem viel wärmer vor, als die ersten kühlen im Herbst. Absolut gesehen ist es in meinem Zimmer 17,5 Grad warm - also nicht gerade kalt. Trotzdem kommt es mir so vor. Ich habe mir diesen Winter ein Experiment vorgenommen: Ich will feststellen wie lange man ohne Heizung auskommt. Schlussendlich wird mal der Zeitpunkt kommen wo man an Energie sparen muss. Einige Tage habe ich im Winter ja schon durchgehalten - mit zwei Hosen und doppelten Pullovern geht das ganz gut. doch waren das auch eher milde Tage mit tiefsten Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt.

Freitag 19.9.2009: Raumfahrtkolumnist und Raumfahrtbegeisteter

Es gibt viele Raumfahrtbegeistete. Wie bekannt hat die Firma SpaceX viele Anhänger. Auf der anderen Seite gibt es nur wenige Kolumnisten oder Kommentatoren. Die echten Fachjournalisten gibt es in Deutschland nicht mehr und in den USA sind es auch sehr wenige. Viele Portale sowohl hier wie auch jenseits des Atlantiks beschränken sich darauf Nachrichten wiederzugeben. Manche übernehmen die Presseerklärungen sogar 1:!.

Natürlich steckt in jedem Kolumnisten ein Raumfahrtbegeisteter. Ich glaube einen guten Kolumnisten unterscheidet von einem nicht so guten, dass er neutral berichten kann. Das von diesem Blog zu erwarten wäre falsch - denn es ist ein Blog und es ist nicht "SpaceNews.com" oder "Raumfahrtneuigkeiten.de". Ich denke aber der letzte Blog war recht neutral geschrieben. Er ist auch weniger meine Meinung wie Rühri meint, sondern die Quintessenz von Dingen die mir bei meiner Recherche zu Band 2 auffielen. Ich kann (und werde das im Buch auch) mit Litertaurstellen belegen. Die Zahlen und Fakten existieren.

Natürlich halte ich wenig vom chinesischen Raumfahrtprogramm - das habe ich schon mehrfach hier geäußert. Ich kann aber auch nicht ignorieren, dass die CGWIC seit der Streichung von der Liste der Firmen die keine Hochtechnologie bekommen können (und dazu gehören Kommunikationssatelliten) mehrere Aufträge bekam. Zudem ist ein Fehlstart nach 100 Flügen eine Ziffer auf welche die Proton oder Ariane stolz wären. (Wenn man es auf das Modell CZ-3B bezieht sieht es anders aus, aber technisch unterschiedet sich dieses kaum von den anderen der CZ-2 und CZ-4 Serie).

Ein Kolumnist macht auch keine unfaire Vergleiche: Die Vega war 1998 gedacht um in einem Markt mitzumischen der damals sich auftat: Kleine erdnahe Kommunikationssatelliten. Sie war ja nicht der einzige Träger der für dieses Segment ausgerichtet war: Die Taurus XL, Athena wurden auch dafür entwickelt und die Dnepr und Rockot existierten zwar bereits, buhlten aber auch um dieses Marktsegment. Doch bis Italien alle ESA Staaten überzeugt hatte war der Markt schon zusammengebrochen: Iriduum ging Pleite, Globalstar konnte gerade noch überleben. Alle anderen Systeme die geplant waren, wurden eingestellt. Vega wurde entwickelt um europäische Forschungssatelliten der ESA zu starten als autonomer Zugang ins All, genau der gleiche Antrieb wie bei Ariane. Eine Totgeburt wird die Vega schon deswegen nicht sein, weil 11 ESA/ASI Nutzlasten auf sie gebucht sind. So viel unterscheidet in dieser Hinsicht die Vega nicht von US-Trägern wie der Minotaur, Taurus und Falcon - bislang stellen die COTS Flüge praktisch die einzige Nutzlast der Falcon 9 dar. Auch diese ist also ein reiner NASA Träger.

Nun zur ISS: Es geht in meinem Blog ja nicht um die ISS und deren Zukunft und auch nicht um die Alibi-Forschung an Bord der ISS (es gibt welche, doch wie viel Forschung ist es im Vergleich zu den Gesamtkosten von rund 100 Milliarden Dollar?). Es geht darum, dass Europa auch hier nicht an einem Strang zieht: Die ISS und die europäischen Aktivitäten sind Deutschlands Hauptinteressen in Europa und bei den anderen Ländern ist das Interesse nicht so da. Also wenn Deutschland das ATV weiter entwickeln will, keine Unterstützung dafür bekommt, welchen Sinn macht es dann:

21 Millionen für eine Studie auszugeben, wenn die andern nicht mitziehen ist Blödsinn. Selbst wenn 2011 dann sich die anderen Nationen es sich anders überlegen (unwahrscheinlich, weol ja auch über die Zukunft der ESC-B entschieden werden soll und das kostet auch Geld) dann steht das ARV dann zur Verfügung wenn es nicht benötigt wird - selbst wenn die ISS länger betrieben wird, gibt es dann die Orion Kapsel und die Möglichkeit mit dieser Fracht zurückzuführen (und wahrscheinlich noch mindestens ein unbemanntes System). Das ARV ist also nicht nur für einen "Fan" der unbemannten Raumfahrt, sondern auch objektiv überflüssig.

Ich schreibe nichts mehr über ISS und Constallation, weil derzeit nicht abzusehen ist wie es weiter geht: Die Augustine Kommission hat das Dilemma erkannt und drauf hingewiesen und wird dafür nun von allen kritisiert, was das Problem der Unterfinanzierung nicht löst. Ares I ist in Finanzproblemen und hinter dem Zeitplan und in Zeiten der Wirtschaftskrise ist ein höherer Haushalt auch unwahrscheinlich. Dazu gibt es noch Bestrebungen wie Direct und Initiativen von Boeing / Lockheed die Delta/Atlas ins Spiel zu bringen. Derzeit ist hier gar nichts klar und alles wären nur Spekulation. Ich liebe Spekulationen - aber nur bei der Raumfahrt die einen Nutzen bringt, die Forschung weiter bringt, neue Welten erforscht. Das andere sind sehr wichtige Public Relation Projekte der USA ESA und DLR. Für diese ist es wichtig ein paar Leute schweben oder über den Mond laufen zu sehen.

Samstag 20.9.2009: Parteien, Werbung und Zahlen

DFRPHeute mal wieder ein Eintrag aus der Rubrik "Was mir so an nennenswerten Dingen aufgefallen ist". Also erst mal, wie gehe ich mit Zahlen um, um den Eindruck zu erwecken der mir wichtig ist? Da gab es vor knapp zwei Wochen eine Sendung von Quarks & Co über Solarenergie. Da gab es zwei Fakten dazu, die mich stutzig machten. Zum einen die Angabe das "Alleine 2008 so viele Solarzellen installiert wurden, die soviel Strom wie zwei Kernkraftwerke liefern" und zum anderen die Angabe, dass "Solarstrom 1 % des Strombedarfs deckt". Nun gibt es noch 16 Kernkraftwerke – decken die also nur 8 % des Strombedarfs wie ich aus den beiden Angaben berechnen kann (es muss sogar noch weniger sein, denn es war ja die Rede von den 2008 installierten Solarzellen, während es bei der Prozentangabe um die Gesamtleistung ging, die ja auch aus den vor 2008 installierten Zellen mit besteht.

Nun man hat wohl zwei Zahlen genommen, ohne sie zu erläutern - die Spitzenleistung der Solarzellen, die z.B. im Sommer entsteht, wenn in Deutschland kein Wölkchen am Himmel zu sehen ist und die zweite wird die Durchschnittsleistung an Gesamtstromverbrauch über das ganze Jahr (auch im Winter, bei bewölktem Himmel und bei Nacht) darstellen. Ich hoffe wenigstens eine weitere Angabe aus der Sendung stimmt, nämlich dass eine Solarzelle die Energie zur Herstellung nach 37 Monaten wieder reingeholt hat (von der Sandgewinnung über die Herstellung bis zur Monate und Entsorgung. Es gibt ja noch das Gerücht, dass eine Solarzelle mehr Energie zur Produktion braucht als sie später liefert.

Solche Zahlenspiele gibt es ja im "Launch Business" zu Hauf, da werden nur die erfolgreichen Starts seit dem letzten Fehlstart gezählt oder ein SpaceX Anhänger erklärt einfach mal die ersten beiden Flüge der Falcon 1 mit dem Merlin 1A und 1B Triebwerk zu anderen Versionen und zählt nur die letzten drei. Die nächste Folge von Quarks & Co zeigt weitere Beispiele: Wie man Karten benutzen kann um Tatsachen zu suggerieren so z.B. Kontextmappen aus den dreißiger Jahren welche das deutsche Militär und das der Nachbarstaaten zeigten (das natürlich eine Bedrohung suggerierte) und eine Mercatorprojektion der Weltkarte, welche die USA und UdSSR zeigt: Bei der Mercatorprojektion sind die Ländergrößen nicht flächentreu, so das nördlich gelegene Länder viel größer erscheinen als sie sind. So wirkt die UdSSR natürlich riesig und die USA klein.

Dann fielen mir die Wahlplakate der Partien auf, als ich heute vom Schwimmbad in der Nachbarstadt heimradelte. Mir fällt auf, dass ziemlich viel von Deutschland die Rede ist und weniger von den Partien "Deutschland kann es besser" titelt z.B.. die FDP. Ja soll ich denn Deutschland wählen? Ich gebe der FDP sogar recht. Deutschland könnte besser da stein und die meisten Deutschen machen bei ihrer Arbeit einen besseren Job als die Politiker. Aber ich soll ja die FDP wählen und nicht Deutschland. Was soll also diese Aussage?

Dann hat das ZDF mal auf "Modern" gemacht und eine Politikrunde gemacht in der Zuschauer auf YouTube Fragen einreichen konnten, die dann life von Politikern beantwortet wurden. Das ging so richtig nach hinten los, denn wie gewohnt haben die Politiker sich die Frage so zurechtgebogen wie sie sie haben wollten und dann ihren Senf dazugegeben. Über Videobotschaft kann man nicht nachhaken oder darauf hinweisen das der Politiker etwas beantwortet was gar nicht gefragt ist. Die Moderatoren hätten das tun können, doch diese beschränkten sich auf das Moderieren. Ganz deutlich wurde das bei dem Thema Kinderpornographiegesetz, zu dem natürlich Ursula van der Leyen wieder so beantwortet wurde wie sie es wollte. Es ginge um die Vergewaltigung von Kindern (geht es nicht, sondern um das Material das publiziert wird - anders als vergewaltigte Kinder ist dieses leicht kopierbar) und das Gesätz wäre nur nötig, weil man in anderen Ländern nicht die Server lahmlegen kann (wie der Kinderschutzbund beweisen konnte, reichte bisher bei jedem entdeckten Server, selbst im letzten Winkel der Welt, eine Mail an den Administrator oder Provider um in innerhalb von Stunden bis einem Tag lahm zu lagen - die Staaten die van der Leyen anführt, die Kinderpornographie unterstützen, gibt es in Wirklichkeit nicht). Das das Gesetz einer Polizeibehörde, also einem Organ der Exekutive, das Recht zuspricht Seiten zu sperren, ein Vorgang der sonst von einem Gericht angeordnet werden musste, würde natürlich geflissentlich übergangen und inzwischen hat sogar van der Leyen gehört dass man die Sperre durch Eintragung eines anderen DNS Servers aushebeln kann und vertritt diese nun "Das wäre ein Stoppschild, dass die Betroffenen darauf hinweist, dass was illegales tun". Saumäßig intelligent, als wüssten die das nicht. Die Wahrscheinlichkeit dass ein normaler Surver auf diese Seiten stößt, stufe ich als zu Null Prozent ein. Denn schließlich weiß jeder der solches Material verbreiten will (übrigens nur kommerzielle und nicht einfach so als Tauschbörse) dass diese Seiten illegal sind und wird sich hüten sie durch Google oder ähnliches indizieren zu lassen.

In der Summe konnten die Politiker ihre Statements unwidersprochen loswerden, schlimmer noch als in Diskussionen bei Anne Will (Frau "Unkritisch") oder anderen. Meiner Mutter, die schwer auf Harmonie aus ist, gefällt übrigens der Wahlkampf: Weil CDU/FDP immer mehr Punkte verlieren und es vielleicht sein kann, dass am Sonntag nicht für die absolute Mehrheit reicht und es wieder eine große Koalition gibt. Daher fahren Steinmayer und Merkel derzeit einen Kuschelkurs. Keiner greift den anderen an.

Noch lustiger sind die Spots der kleinen "Ein Programmpunkt" Parteien. Mal abgesehen von den teilweise abstrusen Behauptungen (Ein Opa einer der Rentnerpartien (es gibt davon mehrere!) meint tatsächlich, dass die Rentner keine Lobby haben! Hallo? Wie geht es im Land der unbegrenzten Dummheit? Die Rentnern haben die größte Lobby die es gibt! Keine Partei wagt es die Rente zu kürzen und die Arbeitenden müssen immer mehr zahlen, aber selbst privat vorsorgen für ihre eigene Rente, weil sie später mal kaum was von der gesetzlichen Rente bekommen. Was aber am auffälligsten ist: Wie schlecht die Spots gemacht sind! Da kommt meist der Parteivorsitzende und zählt stock und steif das Programm auf. Schließlich ist es die einzige Möglichkeit kostenlos ins Fernsehen zu kommen. Wer aber Stimmen bekommen will muss die Leute animieren zu wählen. Also ich würde da ein paar gut aussehende Jungschauspieler engagieren um das Programm zu präsentieren. Vielleicht mache ich mal selbst eine Partei auf mit nur einem Programmpunkt wie z.B. die "Forschungs- und Raumfahrtpartei Deutschlands (Hauptprogrammpunkt: Mehr Geld für Bildung, Forschung und Raumfahrt)". Ein Wahlplakat hätte ich schon, wie links zu sehen. Also ich halte es besser als die grinsenden Gesichter von Westerwelle und das Schielen von Merkel nach rechts (auf die Wähler der DVU?). Was meint der geneigte Blogleser dazu?

Montag 21.9.2009: Sonnensegel und Ionenantriebe

Es ist still geworden um Sonnensegel, während Ionenantriebe inzwischen schon Einzug zur Lageregelung von geostationären Satelliten eingezogen haben. Zeit dem mal auf den Grund zu gehen. Zuerst einmal sehen Sonnensegel oberflächlich viel attraktiver als Ionenantriebe aus - Es wird weder ein kompliziertes Triebwerk benötigt, noch eine Hochspannungsquelle mit beschränkter Lebensdauer (bei Langzeitmissionen setzt man mehrere dieser ein). Zudem werden keine teuren Solarzellen oder gar ein Kernreaktor als Energiequelle benötigt. Stattdessen nur eine leichtgewichtige Folie und ein paar Stangen - schon hat man das Sonnensegel.

Warum setzt man es also nicht ein? Weil der Teufel im Detail liegt. Der Strahlungsdruck durch das Licht ist gering und beträgt maximal 9 N/km² (100 % Reflektion). Die Solarzellen, die den Strom für ein Ionentriebwerk mit 9 N Leistung liefern , belegen dagegen - je nach Triebwerk und Solarzellen - nur 100-200 m², das bedeutet, ein Solarsegel muss die rund 10.000 fache Fläche eines Solargenerators einnehmen. Damit also überhaupt nennenswerter Schub entsteht, muss das Material äußerst leicht sein. Derzeit gibt es zwar Ideen wie dies zu bewerkstelligen ist, verfügbare Segel sind jedoch noch zu schwer. Nicht zu letzt ist das Problem ungelöst, wie man ein richtig großes Segel im Weltraum aufspannt und mit (ebenso leichtgewichtigen) Streben stabilisiert.

Das nächste Problem ist dann das Steuern. Zwar unterscheidet das Segeln im Strahlungsdruck des Lichts (nicht im Sonnenwind!) sich nicht so viel von dem auf dem Meer, es ist möglich quer oder sogar gegen die "Windrichtung" zu segeln. Doch dazu muss das ganze Segel im Weltraum geschwenkt werden. Dazu benötigt man dann doch Triebwerke. Bei einem älteren Entwurf für eine Kometensonde aus den Achtzigern habe ich da an den Ecken Solarzellen entdeckt, die wohl dort einige Ionentriebwerke zum Schwenken antreiben.

Für mich liegt der Hauptnachteil der Sonnensegel in der Tatsache, dass sie nur in einer Sonnenumlaufbahn betrieben werden können: Man kann sie zwar in einer Erdumlaufbahn aufspannen. Doch so ausgedehnte und leichte Strukturen würden durch die Schwankungen des Erdgravitationsfeldes rasch anfangen sich zu drehen um den energetisch günstigsten Zustand einzunehmen. Dazu kommt noch der Weltraummüll, der das Segel beschädigen kann und das Navigieren mit durchlöcherten Segeln ist enorm schwer. Vor allem muss aber in einer Erdumlaufbahn die Schubrichtung dauernd gewechselt werden, um nicht nach einem halben Umlauf wieder die Bahn abzusenken. Anders als ein Ionentriebwerk kann man den Schub aber nicht einfach abschalten.

Damit kann ich mit einem Solarsegel nur noch innerhalb des Sonnensystems navigieren. Doch wie viele Ziele gibt es da, die dann attraktiv zu erreichen sind? Vor allem ist die Startmasse schon klein, denn es muss mindestens Fluchtgeschwindigkeit erreicht werden (Ionentriebwerke können auch in einer Erdumlaufbahn arbeiten, wie SMART-1 eindrucksvoll zeigte). Ein weiterer Punkt: Im Prinzip kann ich bei einem Ionenantrieb recht leicht die Größe verändern. Die Basiselemente bleiben bleich, ja ich könnte sogar einfach Triebwerke bündeln, anstatt ein größeres zu entwickeln. Damit kann die Technologie im Kleinen bei Satelliten erproben. Bei einem Solarsegel muss selbst für eine kleine instrumentelle Nutzlast nur zum Erproben des Konzepts schon ein recht großes Segel gebaut werden und während man dies noch in einer Lagerhalle auf der Erde zum Test entfalten kann, scheitert das bei einem größeren Exemplar - die Ideen für ganz leicht gewichtige Segel sind auf der Erde gar nicht erprobbar, sie wären zu instabil (Bedampfen von Mylarfolie mit Aluminium, Auflösen der Folie durch Säuren/Lösungsmittel, so dass nur noch die hauchdünne bedampfte Schicht übrig bleibt).

So sehe ich auch für die Zukunft für Sonnensegel schwarz.

Dienstag 22.9.2009: Ausmisten bei der Lebensmittelkennzeichnung und Überwachung

Am Samstag sah ich eine Diskussionsrunde bei Sandra Maischberger bei dem es auch um das Thema Lebensmittel. Die Runde war recht bunt gemischt mit Udo Pollmer, einer Tante des Bunds der Lebensmittelindustrie, die schlecht vorbereitet war, einer Frau vom Verbraucherschutzverein mit idealistischen Vorstellungen und der Schauspielerin Marion Kracht und den Köchen Tim Mälzer und Christian Rach. Es drehte sich unter anderem auch um den Kennzeichnung von Lebensmitteln und den widersprechenden Meinungen wie "Pro und Contra  Ampel". Das bringt mich auf zwei zentrale Probleme unserer Lebensmittelüberwachung:

Fangen wir mal mit dem ersten an. Die Lebensmittelkennzeichnung wurde laufend erweitert und ergänzt. Damit ist aber auch die Informationsmenge angestiegen. Dazu gibt es noch die Freiweilligen Angaben wie die GDA Kennzeichnung die nun ja noch durch die Ampel ergänzt werden soll. Das ganze informiert dann nicht mehr, es verwirrt. Daher meine Forderung:

Das wichtigste gut lesbar und an prominenter Stelle lesbar präsentieren

Es muss eine professionelle Überwachung geben

Stattdessen wird es eher schlimmer: Die seit Juli geltende Health-Claims-Verordnung der EU ersetzt die nationalen Möglichkeiten. Die waren aber in Deutschland vorher strenger und so wird wieder einmal der Verbraucherschutz unterwandert.


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