Home Site Map Sonstige Aufsätze Weblog und Gequassel counter

Web Log Teil 135 : 19.10.2009-22.10.2009

Montag den 19.10.2009: Raumfahrt und Raumforschung

Am Samstag kam die neue SuW und darin ein Artikel von Eugen Reichl, wie er sich die nächsten 20 Jahre der Raumfahrt vorstellt. Der Artikel beginnt mit dem Problem der Finanzierung des Constellation Programmes, geht über in private Raumfahrtunternehmen die nach Ansicht des Autors alles besser machen sollen, und dann weiter zu internationalen Programmen. So prognostiziert der Autor ein nationales Marsprogramm von Russland neue Raketen und Raumschiffe und China soll auch auf dem Mond landen und schließt mit der Lamentiererei warum Europa seiner Ansicht nach zu wenig tut.

Ich kann schon die Einschätzung der Fakten nicht teilen. So ist eine "mündliche Übereinkunft" die ISS bis 2020 zu betreiben absolut nichts wert - es gibt genug Beispiele von Verträgen mit der NASA, die wegen Haushaltskürzungen einseitig von den USA gebrochen wurden. Nicht zuletzt die ISS ist ein gutes Beispiel dafür: 2002 gab es Pläne sie nicht mehr fertigzustellen weil sie zu teuer ist. So tragisch es klingt: Columbia hat dies verhindert. Auch die Einschätzung des russischen Weltraumprogrammes ist sehr befremdlich, da in dem letzten Jahrzehnt praktisch alle neuen Projekte eingestellt, auf unbestimmte Zeit verschoben oder verzögert wurden. Als Beispiel seien nur genannt: die seit Jahren propagierte Raumsonde "Venera D", die zweimalige Startverschiebung von Phobos-Grunt (nur durch chinesische Finanzspritzen überhaupt zustande gekommen), die Einstellung des Weltraumbahnhofs Swobodny und die schleppende Entwicklung der Angara. Dieselbe Basisstufe könnte schon längst zur Verfügung stehen, wenn es genug Geld gäbe, wie die Naro zeigt, bei der Korea für eine kleine Abwandlung des Angara URM zahlte. Klar gibt es laufend neue hochfliegende Pläne für neue Programme und Raketen, aber es wird nichts umgesetzt. Das durfte sich bei geringer werdenden Einnahmen aus Erdölverkäufen auch nicht bessern. Heute stößt schon die Routineversorgung der ISS an die Grenzen der Leistung Russlands. Die ESA will Sitze an Bord von Sojus Kapsel kaufen, doch so wie es aussieht kann Russland keine weiteren Flüge mehr durchführen. Die Raumfahrtindustrie ist soweit heruntergewirtschaftet, dass nun die Versorgungsflüge zur ISS an der Kapazitätsgrenze sind.

Der Optimismus bei China und Indien ist auch stark von Wunschdenken geprägt. China dürfte das gleiche Problem wie Russland haben, durch die globale Rezession brechen auch hier die Einnahmen weg. Bislang ist das chinesische bemannte Raumfahrtprogramm auch überschaubar: Ein bemannter Flug pro Jahr mit Nachbauten von Sojuskapseln auf 30 Jahre alten Trägern ist nicht gerade viel und die neue Generation, ebenso wie neue Trägerraketen, existieren bislang nur auf dem Papier. Zumindest der Erstflug der CZ-2G sollte schon vor einem Jahr stattfinden.

Indien konzentriert sich vornehmlich auf die unbemannte Forschung und hat auch hier mit Rückschlägen zu kämpfen. Die GSLV erreicht bei weitem nicht die Sollnutzlast, Chandrayaan fiel schon nach 10 Monaten aus und die Weiterentwicklung der GSLV Mark III verläuft auch nicht nach Zeitplan.

Auch beim privaten Raumfahrtsektor kann ich die optimistischen Aussagen nicht teilen. Zum einen stimmen angeführte Fakten nicht (die angegebenen Startpreise von SpaceX sind 2 Jahre alt und inzwischen haben sich die Startpreise verdoppelt) und zum zweiten orientiert sich auch gerade diese Firma inzwischen vorwiegend auf den Regierungsmarkt. Damit wird das Henne und Ei Problem (nur billige Flüge machen neue Anwendungen möglich) auch nicht durchbrochen. Immerhin teile ich eine Einschätzung des Autors: In den Raumfahrtfirmen arbeiten inzwischen mehr Juristen als Ingenieure und sie haben es sich bequem gemacht, im Auftrag von Regierungen zu entwickeln. Ich würde das sogar noch weiter führen: Zumindest in Europa ist es so, dass EADS laufend irgendwelche neue Projekte präsentiert, welche die ESA finanzieren soll, selbst aber nicht dafür sorgt, dass schon laufendes Kerngeschäft wie die Ariane 5 Produktion profitabel ist zum Beispiel indem der Konzern selbst die ESC-B Oberstufe entwickelt, wenn die ESA dies nicht tut, alleine um im Geschäft zu bleiben. Stattdessen bettelt man um 960 Millionen Euro Zuschuss zur Produktion.

Der Autor ist übrigens Betriebswirt in einem Raumfahrtkonzern und damit selbst ein Ausdruck dieser Negativentwicklung. Das erklärt vielleicht auch die optimistische Einschätzung, sind heute Hauptprodukte der Raumfahrtfirmen ja keine Satelliten und Trägerraketen mehr sondern PowerPoint Präsentationen.

Diese lange Diskussion über den Artikel führt mich zu meinem eigentlichen Beitrag: Es ist nämlich das was fehlt: Der ganze Artikel ist nur fokussiert auf bemannte Raumfahrt, selbst wenn es um private Raumfahrt geht, so ist dann die Rede vom Passagiertransport und beim Henne und Ei Problem wird deutlich, dass der Autor tatsächlich daran glaubt, dass irgendwann jedermann wird ins Weltall fliegen können. Nirgendwo wird nach dem Sinn dessen gefragt. Das ist - ohne zahlreichen Bloglesern nahetreten zu wollen - eine weitverbreitete Haltung bei Personen die sich für bemannte Raumfahrt interessieren. Ich will diesen Menschenschlag mal so charakterisieren wie ich ihn erlebt habe: Es geht dabei weniger um die Technik, oder um Forschung, die eigentliche Aufgabe der Astronauten. Es geht mehr darum dass jemand da ist. Überspitzt gesagt: Die ISS ist dazu da, dass jede Nation vermelden kann "Wir haben da einen Astronauten" (so wird jede Aktivität von Frank de Winne nun bei der ESA mit einer Nachricht gewürdigt) dazu ist ganz wichtig, dass es viele bunte Bildchen und Videos von freischwebenden Astronauten gibt. Das ganze ist also ein Selbstzweck. Oder es geht bei Mond- und Marsexpeditionen überspitzt darum zu sagen "Wir sind dagewesen".

Charakteristisch sind auch Vergleiche wo woanders Geld ausgegeben wird, wie z.B. dem US-Verteidigungshaushalt oder notleidenden Banken so in dem Tenor: "Wenn man 10 % des US-Verteidigungshaushalts für das Constellationprogramm ausgibt, dann wäre man schon vor 2018 auf dem Mond". Nur läuft das nicht in der Realität so. Wenn den USA es gelingt die Verteidigungskosten zu senken so wird man wohl zuerst das Staatsdefizit abbauen oder andere Baustellen schließen, so wie die nicht vorhandene medizinische Grundversorgung. Es wird sich wohl keine Mehrheit für einen Flug auf den Mond finden, solange Millionen von Amerikanern ohne Krankenversicherung dastehen und das Geld für diese Basisversorgung fehlt. Gerne verdrängt wurde auch, dass das Apollo Programm in einer Zeit florierender Wirtschaft mit fast zweistelligen Wachstumszahlen und niedriger Arbeitslosigkeit durchgeführt wurde, und es eines der ersten Dinge war, die zusammengestrichen wurden, als Vietnamkrieg und wirtschaftliche Rezession die Einnahmen verringerten.

Weiterhin charakteristisch ist dieselbe naive Einstellung, die sich dann bei Diskussionen äußert. Da gehen sehr bald die Sachargumente aus und die Gegenüber werden, dann meist als "Gegner der bemannten Raumfahrt" bezeichnet. So nach dem Motto: "Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns". Vor allem erspart das einem sachliche Argumente für die eigene Position zu finden.

Es gibt aber auch noch eine zweite Gruppe von Personen die sich für "Raumfahrt" interessieren nämlich die an der Forschung interessierten, nennen wir sie mal "Raumforschungsinteressierte". Ich würde mich dazu zählen. Schon das Grundinteresse ist ein anderes. Es geht primär darum, mehr über unsere Welt - die Erde, Planeten und das Universum zu erfahren und Satelliten und Raumsonden sind hier lediglich Werkzeuge. Das Interesse gilt dann sowohl den Ergebnissen, wie auch der Technik mit der diese gewonnen wird. Ich habe z.B. kein Problem von zahlreichen Raumsonden mindestens ein Experiment aus dem Stand heraus zu beschrieben und die Ergebnisse wiederzugeben. Ich kenne aber keinen Befürworter der bemannten Raumfahrt, der dies bei mehr als einem der Experimente an Bord der ISS könnte. Da es um Ergebnisse geht, sind die Missionen auch kein Selbstzweck - wenn eine zu teuer wird, so wird sie eingestellt, wie jetzt gerade Exomars. Es gilt immer abzuwägen zwischen Nutzen und Kosten. Wenn erdgebundene Teleskope leistungsfähig genug sind benötigt man keine Raumsonde. Gerade dies unterscheidet einen "Raumforscher" von einem "Raumfahrer". Die Frage nach dem Nutzen wird dort kaum gestellt, die Kosten dann immer mit Aufwendungen für andere Zwecke verglichen, niemals aber mit unbemannten Projekten. Denn dann ist die Entscheidung recht eindeutig.

Warum ich, wie viele andere die sich für Forschung interessieren, eine gewisse Antipathie für bemannte Raumfahrt entwickelt habe ist, weil es seit mehreren Jahrzehnten nach demselben Schema läuft: Wenn es ein teureres bemanntes Projekt gibt und es finanziell aus dem Ruder läuft, dann wird es nicht eingestellt, sondern viele unbemannte Projekte werden gekürzt oder gestrichen. Als Ende der siebziger Jahre das Space Shuttle zu teuer wurde und dann noch nach Challenger weitere Mittel nötig wurden, da stand z.B. die planetare Raumfahrt der USA für ein Jahrzehnt still: Zwischen 1978 und 1989 startete keine einzige Raumsonde, weil zeitweise das Space Shuttle 2/3 des Gesamtetats der NASA ausmachte. Als das Constellation Programm angekündigt wurde, flogen im Budget 2006 massenhaft geplante anspruchsvolle unbemannte Missionen aus dem NASA Programm. Und das alles für ein paar Videos von schwebenden Astronauten? Es läuft nun mal nicht so, wie sich die naiven Raumfahrtenthusiasten denken. Es gibt heute nicht mehr einen kalten Krieg der Unsummen freisetzt nur um erster zu sein. China ist da übrigens auch keine Ausnahme: diese wenigen bemannten Flüge mit Shenzou werden nicht von vielen unbemannten Missionen ergänzt: Auch hier ist das unbemannte Programm recht klein und das bemannte dient nur als Beweis "Wir können es". Im Westen braucht man nicht darauf hoffen, dass es einen Gemeinkonsens für ein teures bemanntes Programm gibt. Ein solches ist meiner Ansicht nach nur durchführbar, wenn es eine kurze, verständliche Antwort auf die Frage nach dem "Warum sollen wir dafür so viel Geld ausgeben?" liefert und das können weder ISS, noch das Constellation Programm.

Gibt es eine Lösung für beide Gruppen? Ja es gibt eine, aber sie wird nicht umgesetzt: Trennung der Etats von bemannter und unbemannter Raumfahrt. Die Zielstellung sind recht unterschiedlich. Bei der unbemannten Raumfahrt geht es primär um Forschung, sekundäre Aspekte sind Prestige oder PR-Erfolge oder die Weiterentwicklung von Technologien. Bei der bemannten Raumfahrt geht es primär um Prestige und sekundär um Forschung. Die Weiterentwicklung von Technologien ist inzwischen schon fast nicht mehr als Sekundärziel zu bezeichnen, da die Sicherheitsanforderungen eher zu einem Rückgriff auf schon bewährtes verleiten, wie man bei den Ares Raketen sehr deutlich sehen kann. Dann sollte das erste aus dem Forschungsetat finanziert werden und das zweite aus einem Etat für Werbung oder PR. Dann muss der Staat zuschießen, wenn Columbus 4 Jahre am Boden steht und trotzdem dreistellige Millionenbeträge pro Jahr verschlingt, aber er beschneidet nicht den Etat für die Forschung. So wäre eine faire Koexistenz gewährleistet. Nur wird es nicht so kommen. Die bemannte Raumfahrt wird nicht ausgegliedert werden, weil dann jeder ihre Kosten offensichtlich sieht. Heute geht das noch recht gut, weil sie zusammen mit der unbemannten Forschung in einem Topf ist, dann wird eben auch auf die Satelliten und Raumsonden verweisen oder andere teure Großprojekte wie beim CERN (dabei aber geflissentlich unterschlagen dass dort einige Tausend Wissenschaftler tätig sind, während es bei den Experimenten an Bord der ISS maximal Hundert sind). Das eine schließt natürlich nicht das andere aus: Sollte es tatsächlich ein Experiment geben dass unbedingt von Menschen durchgeführt werden muss dann kann dies natürlich vom Forschungsbudget finanziert werden. Nur lief es bisher immer umgekehrt: Während bei einer unbemannten Mission zuerst die Experimente selektiert werden und dann die Raumsonde für diese Experimente gebaut wird, ist es bei der bemannten Raumfahrt so, dass zuerst ein Raumfahrzeug entwickelt wird, und dann die Entwickler dieses Forschern Mitfluggelegenheiten für Experimente anbieten, die sie dann nichts oder wenig kosten (wahrscheinlich weil sonst der Ansturm recht gering ist).

Dienstag 20.10.2009: Optikgesetze am Beispiel des neuen Aufklärungssatelliten

In meiner beleibten Rubrik "Bernd erklärt die (technische) Welt", heute angesichts der Meldung (allerdings bisher nur durch SpaceNews, also noch nicht bestätigt), dass es neuen Aufklärungssatelliten für zivile/militärische Nutzung für Deutschland geben soll.

Folgende Eckdaten sind bekannt:

Was kann man nun mit diesen Daten über die Optik sagen? Nun dazu muss zuerst mal neben der Auflösung auch die Entfernung bekannt sein. 1 m Auflösung aus 1 km Entfernung erfordert eine andere Optik als 1m aus 100 km Auflösung. Eine Lebensdauer von mindestens 5 Jahren macht einen mindestens 450 km hohen Orbit nötig. Sonst wird der Satellit vorher zu stark abgebremst und verliert an Höhe. Gehen wir also von dieser Höhe aus, da das kleinste optische System festlegt.

Ich habe hier mal eine selbstgezeichnete Abbildung beigelegt, welche die Zusammenhänge zeigt: Zum einen gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Winkel α und der Höhe des Objektes und der Größe der Abbildung ds. Wenn die Abbildung in der gleichen Entfernung l von der Optik genauso groß sein soll, wie das Original so muss der Winkel α genau 180/π oder 57.3 Grad betragen.

Das ist daher auch die sogenannte Normalbrennweite Sie gibt ein Objekt so groß wieder wie es auch die Menschen wahrnehmen. Unser (durch beide Augen abgedecktes) Gesichtsfeld beträgt etwa 50-60 Grad in der Höhe. Winkel über 57.3 Grad erzeugen Weitwinkelaufnahmen, Winkel darunter Teleaufnahmen. Es gibt einen weiteren einfachen Zusammenhang zwischen Brennweite und Durchmesser des Sensors. Bei Normalbrennweite ist das Verhältnis genau 1, bei Weitwinkelaufnahmen ist die Brennweite kleiner und bei Teleaufnahmen größer. Bei der analogen Fotografie beträgt z.B. die Diagonale des Negativs (36 x 24 mm) 43.3 mm. Hier beträgt die Normalbrennweite also 43.3 mm. Weitwinkelobjektive haben eine geringere Brennweite z.B. 28-35 mm und Teleobjektive eine größere z.B. 80-300 mm.

Wie berechnet man nun die Brennweite eines optischen Systems, wenn die Pixelgröße bekannt ist? Nehmen wir an, wir haben einen Sensor mit 7 µm großen Pixeln, einem üblichen Wert für CCD. Dann gilt:

Entfernung zum Objekt / gewünschte Auflösung = Brennweite / Pixelgröße

Stellen wir um auf die Brennweite:

Brennweite = Entfernung zum Objekt / gewünschte Auflösung * Pixelgröße

Hier

Brennweite = 450.000 m / 0.5 m* 7x10-6 m

oder 6,30 m

Mann benötigt also eine Brennweite von 6,30 m um aus 450 km Entfernung Details von 50 cm Größe abzubilden.

Das zweite ist nun der Durchmesser der Optik. Dafür muss man einen Zusammenhang zwischen Optikdurchmesser und Auflösung kennen. Im sichtbaren Licht unter optimalen Umständen beträgt die Auflösung in Bogensekunden:

Auflösung = 115 / Durchmesser ( in mm)

Eine Optik von 115/2 = 57.5 mm Durchmesser hat also eine Auflösung von 2 Beogensekunden.

Dieser Zusammenhang ist nur so für das sichtbare Licht und ideale Optiken gültig. Bei Spiegelteleskopen mit Fangspiegeln muss der Durchmesser höher sein, weil dieses Fremdobjekt im Strahlengang stört und bei Beobachtungen im IR Bereich auch, weil die Wellenlänge höher ist. Für Linsenteleskope oder Teleskope mit gefaltetem Strahlengang wie sie heute vermehrt eingesetzt werden, ist der Zusammenhang voll gültig.

Die Bogensekunde die in der Astronomie eine gängige Größe ist, ist allerdings bei Erdaufnahmen unüblich. Man kann sie aber umrechnen. Die Normalbrennweite von 57,3 Grad entspricht genau:

180 /π * 60 Bogenminuten * 60 Bogensekunden = 206264 Bogensekunden

da 1 Grad 60 Bogenminuten a 60 Bogensekunden hat.

Damit kann man den Durchmesser der Optik berechnen die benötigt wird für unseren Aufklärungssatelliten:

Durchmesser Optik = Entfernung zum Objekt / gewünschte Auflösung / 206264 * 0,115 m

Wir erhalten:

Durchmesser Optik = 450.000 / 0,5 / 202264 * 0,115

Durchmesser = 0,51 m

Wir benötigen also ein Teleskop mit einem Optikdurchmesser von 0,51 m und einer Brennweite von 6,3 m. Der Durchmesser ist konstant für einen bestimmten Abstand und eine bestimmte Auflösung, die Brennweite variiert dagegen, abhängig von der Pixelgröße - Eine billige Digitalkamera hat z.B. nur 2 µm große Pixels - dann benötigt man eine kleinere Brennweite von 1,8 m, wodurch das optische System kompakter gebaut werden kann. Dafür sammelt dieses Pixel weniger Licht ein - es ist also abzuwägen welche Brennweite für eine bestimmte Aufgabe sinnvoll ist.

51 cm sind kein großes Instrument. Das Instrument HiRise an Bord des MRO hat z.B. 70 cm Durchmesser und eine Brennweite von 12 m. Es wiegt nur 65 kg. Bei einer Startmasse von 820 kg ist ein solches Instrument kein großes Problem. Von der Auflösung her gibt es also kein Problem ide 50 cm Auflösung zu erreichen. Etwas problematischer ist die Breite des Aufnahmestreifens. In Erdbeobachtungssatelliten werden üblicherweise Scanzeilen eingesetzt. Bei 7 µm Breite pro Pixel ist der Scanstreifen für 36 km (= 36000/0.5 = 72.000 Pixels) rund 504 mm breit. Das bedeutet der Scanstreifen ist in etwa so breit wie der Durchmesser der Optik. Wer selbst Amateurastronom ist, kennt das Problem der Obstruktion: Da die Linsen das Licht brechen ist das Bild nicht plan, sondern gewölbt. Ein kleiner Ausschnitt in der Mitte kann als plan angesehen werden, zum Rand hin wird das Bild immer unschärfer und verzerrter. Die Größe, ab der dies der Fall ist, hängt vom Konstruktionsprinzip ab. Bei den meisten Teleskopen, die ich kenne, sind so nur ein Bruchteil des Durchmessers der Optik, vielleicht ein Achtel bis ein Viertel nutzbar. Eine Ausnahme sind Schmidt Teleskope, die allerdings kurzbrennweitig sind und daher für Aufklärungssatelliten nur selten in Frage kommen. Bei HiRISE beträgt z.B. der Durchmesser des Sensors 243 mm bei 70 cm Optikdurchmesser, also nur ein Drittel des Durchmessers. Ein einzelner Sensor ist heute in dieser Breite nicht verfügbar, doch kann man eine lange Scanzeile durch mehrere kleine Scanzeilen erreichen. Das technische Problem bei den Scanzeilen sind die Bewegungen des Satelliten: Er bewegt sich zwar nur wenig, aber es gibt eben durch bewegliche Teile wie z.B. die Drallräder kleine Vibrationen. Diese äußern sich in einem "Wackeln" des Bilds. Das DLR hat jedoch Algorithmen entwickelt wie solche Bilder rechnerisch wieder geradegebogen werden und bei Flugaufnahmen erprobt (bei denen durch Wind die Störungen noch größer sind). Die Breite der Scanzeile ist natürlich reduzierbar wenn die Pixels kleiner sind. Bei 4 µm/Pixel ist die Scanzeile z.B. nur noch 288 mm breit.

Ich vermute daher, dass die Breite von 36 km für die Auflösung von 2 m für Farbaufnahmen gilt. Auch aus einem anderen Grund: Die Datenmenge. Wenn der Satellit kontinuierlich ein Gebiet abtasten soll (und dies ist bei den Zeilensensoren unausweichlich) so muss er die Information natürlich zwischenspeichern. In einer niedrigen Erdumlaufbahn bewegt sich der Satellit relativ zur Erdoberfläche mit 7,5 km/s. In Jeder Sekunde muss er bei 2 m Auflösung und 36 km Breite eine Fläche von 36000 x 7500 m abbilden, geteilt durch die Auflösung (2x2 m) resultiert eine Datenmenge von:

Daten = 36000 * 7500 / 2 / 2 m

Daten = 67.5 Millionen Pixel/s. Bei 12 Bits pro Pixels entspricht dies einer Datenmenge von 810 MBit/s. Das ist schon eine beträchtliche Datenmenge. Das TDRS System der NASA kann z.B. maximal 800 MBit/s im Ka Band empfangen und dies mit einer 4,5 m Antenne. Da sicherlich die Bundeswehr ihr Satcom BW System nutzen wird (kleinere Satelliten) dürfte Realzeit selbst im Ka Band ausscheiden. Dabei habe ich nur mit 2 m Auflösung gerechnet. Würde die Breite für 0,5 m Auflösung gelten, so wäre die Datenmenge 16 mal höher.

Eine Abhilfe wäre eine optische Datenübertragung zu einem Satelliten und von dort aus zum Boden (eventuell nachts auch optisch?). Erprobt wird ein solches System von der DLR ja schon mit TerraSAR-X.

Kommen wir zum letzten Punkt: Dem eigentlich wichtigen: Brauchen wir ein solches System? Die klare Antwort Nein! Frankreich hat das Helios System mit optischen Sensoren im Einsatz, das Nachfolgesystem Plejades wird zusammen mit Italien betrieben, die mit Cosmo/Skymed Radarbeobachtungssatelliten starten. So ergänzen sich beide Systeme. Dazu hat die Bundeswehr jetzt schon fünf SarLupe Satelliten im Einsatz. Am sinnvollsten wäre daher diese europäischen Ressourcen zu bündeln. Wenn Deutschland etwas sinnvolles beitragen will, dann wäre der Start von Relaysatelliten mit großen Antennen die hohe Datenraten erlauben sinnvoller, besser noch gekoppelt mit der optischen Datenübertragung. Damit könnten die schon vorhandenen Systeme viel effektiver arbeiten.

Donnerstag 22.10.2009: A new Website is born

Nachdem heute das fünfte Buch von mir erschienen ist und noch mindestens zwei weitere folgen werden, denke ich ist es an der Zeit mal eine eigene Website für die Bücher zu machen anstatt Links und Seiten in die eigene Website zu integrieren. Dort findet man mehr über die Bücher, auch die Pläne was als nächstes kommt und ich will es auch erweitern mit wirklich handverlesenen weiterführenden Links für Bücher nicht von mir, die aber mindestens genauso empfehlenswert sind. Dafür habe ich mir heute mal Zeit genommen und die Seite auf Basis von Yaml, mit dem schon drei weitere Webseiten entstanden sind gebastelt. Derzeit ist die Website zwar online, aber die DNS Server haben die IP-Adresse noch nicht. Ich hoffe aber wenn dieser Blog fertig ist, könnt ihr alle auf Raumfahrtbuecher.de surfen. Nach und nach werde ich die meisten Links dann von meiner eigenen Website wieder entfernen. Vielleicht mit Ausnahme der in dem Blog, weil da sowieso rechts noch viel Platz ist.

Das ist übrigens nicht die einzige Website an der ich arbeite. Seit einigen Woche ist auch die Website http://www.jagged-alliance2.de/  (noch ohne Verlinkung weil noch ganze Seiten fehlen) in Arbeit. Dann schon mal rechtzeitig vorbeugend ein Aufruf: Ich gehe vom 1-8.11 nach gut einem Jahr mal wieder für eine Woche in den Urlaub. Ich suche noch ein paar Gastbeiträge für die Zeit. Ich glaube man kann Blogs auch vordatieren und so könnten ich die Woche füllen. Vorschläge (mit möglichst kontroversen Themen) an bl at bernd-leitenberger.de.

So, dann bin ich gestern noch beim Nachschauen einer Meldung über Whitney Houston beim Hamburger Abendblatt über folgendes Bild von Michaela Schaffrath (aka Gina Wild) gestolpert:

Und mir fiel dazu zuerst eine Bemerkung ein, doch beim Nachdenken noch mehr, dass ich (zur Auflockerung) meinen Lesern nicht vorenthalten will.

Also fangen wir mal an. Das erste was mir einfiel ist die psychologische Erklärung. Auch wenn es die Damen nicht gerne hören: es ist natürlich, zuerst auf den Busen zu schauen und nicht in die Augen. Ich denke das ist etwas ziemlich normales und die meisten Freuen betonen deswegen auch ihr Dekolleté. Das ist übrigens auch die wesentliche Funktion des Busens, der bei unseren Verwandten, den Primaten nicht so ausgeprägt ist: Nach der gängigen Evolutionshypothese kompensiert er die Tatsache, dass man wegen des aufrechten Gangs nun nicht mehr auf den Hintern schaut. Ich würde es aber auch als einen niedrigen Instinkt bezeichnen, denn zumindest ich hebe sofort den Blick, wenn es mir selbst auffällt, aber das es einem auffällt ist schon eine aktive geistige Haltung.

Deswegen nützt die Beschriftung des T-Shirts nichts, zumindest nicht bei denen bei den Blicken die nicht absichtlich erfolgten, aber vielleicht gibt es ja bei Frau Schaffrath nur diese Kategorie? Vielleicht ist das nicht ganz von der Hand zu weisen. Das ist wohl der Preis den ein ehemaliger Pornostar mit Ballonbrüsten bezahlen muss.

Vor allem aber ist es verlogen. Bekanntlicherweise hat sich Frau Schaffrath ja den Busen am Anfang ihrer Pornokarriere vergrößern lassen, um so mehr zu verdienen oder mehr Filme zu drehen. Hmmm, warum den wohl? Und nun nachdem die "Pornokarriere" zu Ende ist, beschwert man sich darüber das Männer auf den Busen schauen, mit dem man vorher Geld verdient hat?

Es ist vor allem deswegen verlogen, weil Frau Schaffrath ja nach eigenen Angaben nun Schauspielerin sein will. Mit dem Busen wird sie aber immer auf ein bestimmtes Milieu festgelegt sein. Wenn sie wirklich als ernsthafte Schauspielerin gelten will, dann hätte ich mit meinem Schauspielertalent Karriere gemacht und mir die Silikonkissen wieder entfernen lassen. Aber das will sie ja gar nicht. Ich kenne zumindest keinen ernsthaften Film von ihr. Vor ein paar Wochen lief "Crazy Race II - Warum die Mauer wirklich fiel". Da spielte sie mit. Ihr Schauspieltalent ist nicht so besonders ausgeprägt und die meisten Kalauer bezogen sich auch auf ihren Busen "Alles aus Plaste" oder die Motivation von "Maddin" mit öffnen des Mantels, dass man einen kleinen Einblick hat.

De fakto scheint also ihr einziges Kapital, dass ihr heute Rollen verschafft ihr Busen zu sein und dass sie bei vielen als ehemalige Pornoqueen bekannt ist. So gesehen wäre ein dicker Pfeil auf dem T-Shirt viel sinnvoller gewesen....Da allerdings eher wahrscheinlich keiner mehr nachschaut wenn sie noch ein paar Jährchen älter ist, würde ich mir mehr Sorgen machen was danach kommt, und jetzt schon darauf hinarbeiten mich von dem alten Image zu verabschieden und vielleicht auch von ein paar Implantaten.

Donnerstag 22.10.2009: Sicherheit und warum Sie die NASA kaputtmacht

VergleichBald wird der Augustine Report vorliegen, von dem ja schon einige Einzelheiten durchgesickert sind. Es wird wieder die Diskussion Ares / Direct / Delta+Atlas ankurbeln. Das Hauptproblem zeigt sich schon jetzt beim gesamten Constellation Programm (nicht nur bei der Ares) und es ist der Grund warum es so teuer kommt: Die Sicherheitsanforderungen der NASA. Der Hauptgrund warum die NASA damals die Ares I wählte. Eine interne Studie kam zu dem Schluss, dass das LOC Risiko (Loss of Crew - Tod der Besatzung) bei der Ares I zweimal kleiner sei als bei der Atlas und Delta. (Siehe Grafik)

Ich will das nicht diskutieren, zumal es auch von anderer Seite Kritik an diesem Konzept und der Berechnung gab. Das Problem der NASA ist dieses Konzept "Maximale Sicherheit" durchgängig im Constellation Programm durchgezogen wurde. Das verbietet den Einsatz neuer Technologien, selbst wenn sie erhebliche Performancevorteile versprechen. So gab es in der frühen Projektphase noch die Idee LNG/LOX für die Ascent Stage einzusetzen, davon ist man nun zugunsten von MMH/MTO abgekommen, immerhin soll der Altair Lander noch mit LOX/LH2 landen, doch ob dies noch gekippt wird denke ich ist eine Frage die auch im Raum steht.

Nun werden alle der NASA bestimmen, das Raumschiffe sicher sein sollen. Aber sollen sie um jeden Preis sicher sein? Nehmen wir das Beispiel des LOC Risikos beim Start. Es soll bei Delta und Atlas zwischen 1:600 und 1:1000 liegen und bei der Ares I bei 1:2000. Nun ist sicher diese Zahl höher, aber mir stellen sich da zwei Fragen: Lohnt es sich dafür eine neue Rakete zu entwickeln, während die anderen Modelle schon existieren? Und: Was sagen diese Zahlen denn wirklich über die Sicherheit der Trägerrakete aus? Heute haben selbst Träger die über Jahrzehnte unverändert eingesetzt werden, nur eine Zuverlässigkeit von 98 %, also 20 bis 40 mal weniger als die obigen Zahlen. Ich bezweifele, dass die Sicherheit durch die Trägerrakete kommt, sondern sie resultiert aus dem Rettungssystem, das ist aber unabhängig von der Trägerrakete.

Es ist vor allem ein berechneter Wert. Er hat nichts damit zu tun wie zuverlässig die Rakete ist. Da kann es durchaus Veränderungen geben, wie ja die Geschichte zeigte. So erwies sich das Space Shuttle als nicht so sicher wie vermutet und auch Ariane 5 ist noch ein bisschen von der 98,5 % Zuverlässigkeit die vor dem Jungfernflug angegeben wurden, entfernt. In meinen Augen spricht viel für die Argumentation von Befürwortern der Atlas V und Delta IV - es handelt sich um bewährte Träger die bis 2014 beide 12 Jahre im Einsatz gewesen wären, anstatt einige Jahre wie bei der Ares I. Vor allem aber: Sind dann noch bemannte Unternehmen möglic,h die von dem abweichen was man jetzt schon getan hat? Constellation mag noch nicht in diese Kategorie fallen, schließlich ist es eine Wiederholung von Apollo. Aber wie sieht es mit einer Marslandung aus? Praktisch alles was das Unternehmen entscheidend verbilligen würde, indem es das Startgewicht reduziert, wurde noch nie erprobt wie z.B. die Treibstoffgewinnung vor Ort. Soll man um maximalen Strahlenschutz zu bieten die Besatzung durch 1 m Wasser abschirmen und einige Zig Tonnen zum Mars und zurück bringen?

Vor allem betreibt die NASA jetzt noch die Space Shuttles - mit einem LOC Risiko, dass sie selbst als 1:80 einstuft, also 25 mal geringer las bei der Ares I und 12 mal geringer als bei einer Atlas und Delta - wie bitte soll dies dann gerechtfertigt werden. Auch die Sojus sind auch nicht viel zuverlässiger. Bei 126 Missionen bisher starben bei zweien die Besatzungen. Das ist ein Verlust auf 61 Missionen. Wenn ich die Sicherheit wirklich so ernst meine, dann warte ich nicht erst bis ich 2015 ein sicheres Transportmittel habe sondern forciere dessen Entwicklung und stelle die unsicheren Flüge ein.

Ich glaube dass sich bei dieser Situation - bei der die NASA ja nur darauf reagiert, dass die Öffentlichkeit nicht den Verlust von Astronauten toleriert - es am besten wäre die bemannte Raumfahrt komplett einzustellen. Den Raumfahrt ist unsicherer als die meisten irdischen technischen Systeme. Niemand würde in der Luftfahrt auch nur ein LOC Risiko von 1:2000 akzeptieren (das entspricht z.B. bei rund 12.500 Lufthansa Flügen pro Jahr sechs Abstürzen mit Tod aller Passagiere). Es wäre aber in der Raumfahrt ein extrem geringes Risiko. Selbst wenn man von dem Start als Hauptausfallursache weggeht: Es gehen immer wieder auch Satelliten aus unterschiedlichsten Gründen verloren, das gleiche gilt für Raumsonden. Ich denke selbst nach dem Start kann man froh sein, wenn 98-99 % der Missionen glücken. Mit dem Verlust wird gerechnet. Versicherungen für Kopmmunikationssatelliten liegen bei 11-14 % des Versicherungswerts. Das bedeutet dass man wahrscheinlich (da die Versicherung ja auch Gewinn machen will) mit einem Verlustrisiko im oberen einstelligen Prozentbereich rechnet. Kommunikationssatellitenprovider und Eumetsat haben z.B. Reservesatelliten im Orbit um einen Ausfall abzufangen. Die Vorgehensweise findet man auch bei irdischen technischen Systemen. Redundanz zum Ausfälle abzufangen. Redundanz gibt es auch in den Systemen von Raumfahrzeugen, aber nicht alles kann redundant sein, weil sonst das Raumschiff zu schwer wird.

Mein Vorschlag an die NASA: Stellt die bemannte Raumfahrt ein, oder macht der Bevölkerung klar, dass jeder Flug riskant ist - und überlegt dann auch ob wirklich jeder Flug notwendig ist, und nicht so mancher Flug auch durch einen unbemannten Träger ersetzt werden kann. Sofern es hier keinen öffentlichen Konsens gibt, wie er noch zur Zeit von Gemini und Apollo herrschte kostet es nur eine Menge Geld und bringt im Endeffekt nur wenig.


Sitemap Kontakt Neues Impressum / Datenschutz Hier werben / Your advertisment here Buchshop Bücher vom Autor Top 99