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Web Log Teil 136: 23.10.2009-26.10.2009

Freitag den 23.10.2009: Microsoft und Google

Windows 7 ist nun raus und die Testberichte sind nicht so schlecht, auch wenn die meisten es nur für ein Servicepack für Vista halten. Dass sich was geändert hat, macht schon der Name "Windows 7" klar, denn die letzten Versionen hatten sich ja von dem Nummerierungsschema verabschiedet erst Jahresangaben (95,98, Me und 2000) dann komische Umschreibungen "XP und Vista - warum denke ich dabei immer an die Szene mit Schwarzengeger "Astalvista Baby"?). Mich würde interessieren ob ein "ver" auf der Komamndozeile wirklich "7" raus spuckt, wenn dann wäre es angesichts der bisherigen Nummerierung (Windows 2000 und XP gelten beide als 5 er Versionen) eine ziemliche Übertreibung.

Windows 7 war kritisch für Microsoft, weil 70 % des Umsatzes mit Windows gemacht wird. Klar, es ist das einzige Produkt das im Laufe der Jahre teurer wurde. Windows 3.1 kostete noch 99 Euro, das sind heute 49 Euro. Dabei sind die Computerpreise gefallen und heute macht das Betriebssystem dann schon einen ziemlichen Anteil des Verkaufspreises aus. Office ist dagegen billiger geworden und das Visual Studio wird verschenkt - die Express Versionen (nur für eine Sprache, das ist aber selten ein Hindernis) kann man so runterladen.

Man könnte nun Meinen, Microsoft hat nun seine Lektion gelernt und geht mehr auf Kundenwünsche ein. Aber das ist wohl nur bei Windows 7 so. Im Netz hat die Firma immer noch nichts hinzugelernt. Wenn ich mal wieder bei live.com vorbeischaue (Mein Mailkonto für Registrierungen ist da) ärgert mich jedes Mal die Unmenge an Werbung und der langsame Seitenaufbau. Auch die neue Suchmaschine Bing ist nicht besser als die alte MSN Suche. Die alte war recht anfällig für Linkfarmen. Das war eine Methode Seiten zu pushen indem auf wenigen Servern Tausende von Websites gehostet wurden die im Text Links auf die gewünschte Seite hatten, das habe ich noch nicht überprüft, aber eines fällt mir schon auf: Sie liefert nicht das was ich will. Wenn ich bei Google "Ariane" eintippe sind die ersten beiden Einträge über Ariane und Ariane 5 von der Wikipedia und der vierte von Arianespace. Also das was ich erwarte. Der dritte ist von einer Firma namens Ariane die Vordächer herstellt. Bei Bing ist dies der erste Link und Wikipedia kommt an Nummer 5. Auf der ersten Seite ist bei Bing das der einzige Link zur Rakete, mehr als die Hälfte sind für Firmen. Das ist typisch: Die Bevorzugung von Firmen. Wenn ich nach einer Firma aber suche, dann weiß ich auch deren Namen. Im Normalfall sucht man in einer Suchmaschine nicht nach Firmen sondern Information, wenn ich wirklich etwas über Produkte wissen will gehe ich dann auch in Produktportale. So schnell wird also Bing Google nicht den Rang ablaufen.

Ach ja wenn ich gerade am Meckern bin Expression Web 3 hat auch einige Fehler die recht offensichtlich sind. So klappt nur jeder zweite oder dritte Start wenn man es startet indem man auf eine HTML Datei doppelklickt (es öffnet sich, aber lädt die Datei nicht) und wie ich gerade feststelle scheint es danach auch chronisch zu sein, dass man eine Sanduhr dahernd als Cursor hat (auch wenn man den Text bearbeiten kann ist es lästig). Warum fallen diese offensichtlichen Fehler nicht vor der Auslieferung auf?

Google selbst hat sich aber auch geändert. Mir gefällt vieles nicht mehr an dem Unternehmen. Das Chrome mit einer eindeutigen Kennung kommt, macht den Browser nicht gerade sympathischer. Vor allem denke ich braucht die Welt nicht noch einen Browser. Die Firma würde gut tun mehr bei Firefox oder Opera mitzuarbeiten. Beide benutze ich und beide sind nicht perfekt. Opera war früher mein Lieblingsbrowser, aber der Werbeblocker ist heutzutage unzureichend und das war für mich der Grund auf Firefox umzusteigen. Dazu kommen einige Adddons die ich inzwischen schätze wie Noscript, Google Preview um die Webseiten neben Google anzusehen oder Xmarks. Aber Firefox ist so lahmelig beim Start. Ich erwarte einen Browser der schnell gestartet ist und von mir aus dann, wenn ich anfange zu surfe seine Addons nachlädt, da ist Opera immer noch besser.

Vor allem ärgert mich das Google anfängt, andauernd neue Dienste einzuführen, aber zwei der vier die ich benutze einstellt. Das erste ist Google Video. Ich fand es besser als Youtube, nicht so optisch überfrachtet und lange Zeit gab es auch die bessere Bildqualität und man konnte die Videos im DivX Format runterladen. Inzwischen: Eingestellt, man kann nichts mehr hochladen. Das gleiche für das Notizbuch: Das es nicht mehr weiterentwickelt wird und dann wohl auch bald eingestellt wird, fiel mir erst auf, als eine Erweiterung von Google nicht mehr an Firefox 3.5 angepasst wurde. Ich erwarte eigentlich von einer Firma dass sie ihre Produkte weiter unterstützt und nicht einfach beendet, nur weil sie einige Milliarden für Youtube ausgegeben hat oder nun mit Google Wave noch mehr anbieten will - für meine Zwecke irgendwelche kleinen Schnipsel beim Surfen sammeln und ordnen ist Google Notebook ausreichend gewesen. Dazu brauche ich keine Datenbank und keine Textverarbeitung und ich will das auch nicht sharen. Gerade das hat doch den Reiz ausgemacht. Gerade deswegen gibt es auch heute noch den Texteditor, obwohl man sicherlich mit Office mehr machen kann.

Ich möchte auch noch mal daran erinnern, dass ich noch für meine Urlaubswoche ein paar Gastbeiträge für den Blog suche, die bis zum 21.10.2009 bei mir eingegangen sein sollten. Das ist die Gelegenheit der Freunde der bemannten Raumfahrt ihre Meinung kundzutun (Das Imperium schlägt zurück ;-) Heute mal wieder ein Video. Beim Zusammenstellen meines wöchentlichen MP3 Kontingents hat es auch Kim Wilde wieder drauf geschafft und aus unerfindlichen Gründen geht mir die 2006 Version von "You came" nicht mehr aus dem Kopf. Hey Yeah!

Sonntag 25.10.2009: Warum wohl die Raumfahrt nicht schnell billiger werden wird

Eines was immer in Diskussionen wieder auftaucht ist den Transport in den Weltraum entscheidend zu verbilligen - nicht nur um 20 oder 30 % sondern die Kosten zu halbieren oder auf ein Zehntel zu senken. Initiativen dazu gab es genügend. Das Space Shuttle, die deutsche OTRAG Rakete. Heute liegen die Hoffnungen auf SpaceX oder andere Newcomer.

Bislang hat es nie geklappt. Ob es nun mit SpaceX klappen wird? Ziemlich oft ist dann wird auch Raumfahrtfirmen unterstellt, die Preise so hoch zu halten um gut zu verdienen oder sie seien einfach unfähig billige Raketen zu produzieren. Mal Zeit dem ganzen auf den Grund zu gehen.

Wie immer gibt es bei allem ein Körnchen Wahrheit und viel Phantasie. Zum einen ist es richtig, dass heute Raumfahrtkonzerne einen ziemlichen bürokratischen Overhead haben der mitfinanziert werden muss. Das macht die Träger teurer als nötig. Auf der anderen Seite gibt es bei allen Trägern im Westen das Bestreben die Fertigung zu optimieren, also diese preiswerter zu machen oder die Nutzlast bei gleichen Produktionspreisen zu steigern. In der Tat ist heute ein Raketenstart viel preiswerter als früher, selbst verglichen mit den frühen sechziger Jahren als selbst bei den USA zeitweise 50 Starts einer Thor pro Jahr stattfanden, es also eine viel höhere Stückzahl und damit niedrigere Kosten pro Exemplar gab.

Ein Beispiel. Ein Ariane 1 Start kostete 1983 etwa 60 Millionen Dollar, bei einem höheren Wechselkurs also heute (rund 2 DM/$), das entsprächen heute also rund 61 Millionen Euro. Eine Ariane 5 kostet, nachdem die Startpreise in den letzten Jahren angsteigen, sind rund 160 Millionen Euro. Allerdings transportiert sie die fünffache Nutzlast einer Ariane 1. Die Startkosten sind also auf 55 % gesunken. Berücksichtigt man die Inflationsrate, so kostet heute ein Start eines 1,8 t Satelliten weniger als 30 % dessen was 1982 zu zahlen war. Der Grund ist dass eine größere Trägerrakete immer günstiger ist und bei der Weiterentwicklung der Ariane 1 wie auch Neuentwicklung der Ariane 5 auf niedrige Produktionskosten geachtet wurde.

Das ganze geht aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Etwas was in der frühen Raumfahrt gelernt wurde war, dass Qualitätskontrolle der Schlüssel zur Zuverlässigkeit ist. Raketen sind nicht deswegen so teuer, weil sie teure Materialen einsetzen. Sie sind so teuer, weil zwei gegensätzliche Forderungen aufeinanderprallen: Absolute Zuverlässigkeit und höchste Leistung (Schub, Gewicht etc). Es ist natürlich möglich einen Treibstofftank absolut sicher zu fertigen: Einfach 5 cm dicken Stahl nehmen und er hält jede Belastung beim Flug aus. Nur kommt man so nicht in den Orbit. Das macht immer wieder beim Raketenbau Spezialverfahren notwendig oder man versucht bestehende Verfahren an die Grenze auszureizen um Gewicht zu sparen. Dann ist eine besondere Kontrolle notwendig, die anfängt bei der Schaube und bei der Rakete aufhört. Sie gewährleistet dass zum einen es keine Risse, Schäden oder Schwachstellen gibt und trotzdem das Ziel einer niedrigen Leermasse oder eines hohen Schubs erreicht wird. In einem Beitrag über Ariane 4 habe ich mal gesehen wie nur die Stufen verschraubt wurden: Ein Techniker schraubte mit einem Gerät mit Drehommentanzeige, ein zweiter notierte für jede Schraube das Drehomoment. Nach der Arbeit wurde der Schlüssel in einen Koffer an eine vorher markierte Stelle abgelegt und ein Benutzungsbuch ausgefüllt. Das klingt enorm bürokratisch, es ist aber die Folge von nicht erfolgten Stufentrennungen weil Schrauben zu fest angezogen waren und Ausfällen von Raketen weil Werkzeuge irgendwo vergessen wurden.

Ich glaube das Newcomer sicher eine Möglichkeit haben, Kosten zu optimieren: Sie können heute schon auf den früheren Erfahrungen aufbauen und Wege beschreiten die sich als kostengünstig erweisen haben. Wenn sie etwas völlig neues versuchen kann es dagegen in die Hose gehen. So hat SpaceX ihr Konzept für das Merlin Triebwerk still und heimlich begraben - Die Abationskühlung verschlechterte nur die Triebwerksleistung ohne dass es einen Kostenvorteil brachte. Gerade diese Firma musste ja bitter lernen, dass fehlende Qualitätskontrolle oder aus Kostengründen eingesparte Systeme doch nötig sind und die anderen etablierten Konkurrenten nicht umsonst beides einsetzen, auch wenn sie dann eben viel teurer sind.

Noch ist SpaceX deutlich billiger als die Konkurrenz, auch wenn die Startpreise deutlich in den letzten Jahren angestiegen sind. Wird dies so bleiben und damit der Durchbruch kommen? Ich glaube nicht. Denn es gibt ja schon eine Konkurrenz die viel preiswerter ist: Russland und China. Aufgrund des viel niedrigeren Lohnniveaus (vieles beim Raketenbau ist Handarbeit) sind diese Träger in der Produktion. Russland zahlt für eine Proton umgerechnet 25 Millionen Dollar an den Hersteller. Da kommen natürlich noch die Startkosten dazu, die bei Baikonur wegen der Pacht die man an Kasachstan zahlen muss, recht hoch sind, aber selbst dann ist das kein Vergleich zu den 100-120 Millionen Dollar die ein westlicher Kunde zahlen muss. Russland und China bleiben immer einen bestimmten Prozentsatz unter dem Startpreis des Marktführers Ariane. Anfangs wurden die Träger wirklich zu einem Burchteil des Preises angeboten - mehr Aufträge gibt es deswegen auch nicht. Obwohl Arianespace seit die US-Träger aus dem Markt ausgeschieden sind, der teuerste Anbieter ist, kann die Firma ihren Marktanteil halten: Ihr Träger ist ausgreift und sicher, auch der Service stimmt, es ist so ein bisschen wie beim Transport von Päckchen. Es nützt nix wenn ein Anbieter billiger ist, aber man das Päckchen genau am Geburtstag und nicht 5 Tage später zugestellt haben will.

Aber mal eine kleine Beispielsrechnung. In den letzten Jahren transportierte Ariane um die 40-50 %, Zenit und Proton je 25-30 % der Nutzlasten. Nehmen wir an die Proton hat einen Anteil von 30 % bei Kosten für den Kunden von 110 Millionen Dollar pro Start und eigenen Startkosten von 40 Millionen Dollar. Das macht bei 6 Flügen pro Jahr einen Gewinn von 420 Millionen Dollar. Wenn nun die Proton für 60 Millionen Dollar angeboten werden würde, und man 100 % des Marktes gewonnen hätte, dann wären es 20 Flüge pro Jahr, der Gewinn würde aber auf 400 Millionen Dollar sinken.

Ich glaube daher, dass wenn ein neuer Konkurrent auf dem Markt kommt, wie z.B. SpaceX oder OSC (Taurus II) so wird nach einer Einführungsphase bis der Träger etabliert ist und auch Kinderkrankheiten beseitigt sind, der Startpreis ansteigen, auf ein Niveau dicht unter dem was heute das niedrigste Angebot ist. Einfach um den Gewinn zu maximieren.

Das mag denen nicht schmecken, da es so niemals revolutionäre Änderungen geben wird. Aber es hat einen Effekt, den man seit Anbeginn der Raumfahrt beobachten kann: Die Starts werden nicht schlagartig billiger, aber dadurch dass neue Anbieter etwas billiger als die alten sind, wird auf diese der Preisdruck höher und so sinken auf lange Sicht die Startpreise. Ich glaube auch das selbst wenn das Space Shuttle tatsächlich die Startkosten auf ein Zehntel gesenkt hätte, die Kunden nur etwas geringere Preise bezahlt hätten - schließlich rechnete die NASA vor, das kommerzielle Starts nicht nur die laufenden Fixkosten bestreiten sollten, sondern sogar die Entwicklungskosten zurückzahlen sollten.

Zumindest im Bereich der Kommunikationssatelliten scheinen auch Kosten nicht alles zu sein. Nach dem Bankrott von Sealaunch haben einige führende Satellitenhersteller Aufträge zugesagt wenn die Firma wieder aus dem Chapter 11 herauskommt und für den Fall, dass dies nicht der Fall ist, Boeing und Lockheed-Martin aufgefordert, in den freien Markt zurückzukehren, damit es mindestens drei Anbieter gibt. Einer ließ sich sogar zu der Aussage hinreisen, man möchte nicht von chinesischen Starts oder SpaceX abhängig sein. Ginge es nur um die Transportkapazität, so ist dies unnötig, wie Arianespace Chef LeGall vorrechnete: Selbst die verbliebenden Konkurrenten haben genug Kapazität um 27 Satelliten pro Jahr zu starten, es gibt aber nur rund 20 neue Aufträge pro Jahr. Aber die Intention ist natürlich klar: Konkurrenz belebt das Geschäft und hält die Startkosten niedrig.

Heute wieder ein Video, bei dem ich lange nach dem Titel gesucht habe: Er fiel mir zuerst als Titelmusik des Space Night Films "Space Cowboys - das Apollo Programm" auf. Ich habe dann auch bald gemerkt, dass es ein Stück von Mike Oldfield sein musste, aber weil es um das Apollo Projekt ging, habe ich im falschen Jahrzehnt gesucht: Es ist "Wonderful Land" von der 1980er LP "QE2"...

Montag 26.10.2009: Unbemannte Raumfahrt - für jeden erschwinglich

Während sich nur wenige die Reise in den Orbit erfüllen können, was bei einem Preisschild von 20 Millionen Euro für eine Woche auch nicht verwunderlich ist, könnten sich viele einen Satellitenstart leisten - zumindest alle jene die das Geld für ein Auto der Kategorie Porsche oder gehobene S-Klasse übrig haben und das sind alleine in Deutschland sicher rund 1 Million. Ich bin drauf gekommen, weil ich eigentlich was schreiben wollte über die Vorstellung, wenn ein kleiner 15 Minuten Hüpfer auf 100 km Höhe inzwischen finanzierbar ist, es wäre nur mit wenig mehr Aufwand dann auch eine Reise in den Orbit finanzierbar ist (ist es weil eine sechsmal höhere Geschwindigkeit benötigt wird und damit die Nutzlast exponentiell abnimmt nämlich nicht).

Dagegen können Sie, wenn sie ihren Porsche vor der Haustüre verkaufen, ihren eigenen Satelliten starten! Möglich ist dies durch standardisierte Komponenten. Es gibt standardisierte Minisatelliiten die Cubesats. Es wiegt jeder nur maximal 1 kg und ist so groß wie ein 10 cm Würfel, aber es ist ein Satellit. Der Start kostet rund 65000-80.000 $,also 43.000-53.000 Euro - der Preis eines Oberklasse Wagens. Davon entfallen rund 20.000 Euro auf den Start. Letzterer ist relativ teuer, weil meistens neben dem Cubesats noch eine im Verhältnis dazu schwere Befestigung oder ein Adapter mitgeführt werden muss, und der Aufwand im Verhältnis zur Nutzlast natürlich noch relativ groß ist. Bedie Zahlen dürften aber sinken, wenn diese Satelliten ein Volksphänomen werden und und Kleinserien gebaut werden. Nach der Erfahrungskurve von 80 % pro Verdopplung der Produktionsmenge müsste bei einer Steigerung von 10 (derzeitige Startrate) auf 100 Satelliten pro Jahr auf 63 % sinken und bei 1000 auf rund 40 %. Dann müsste ein Start für 11.000-14.000 Euro möglich sein - dem Preis eines Mittelklassewagens.

Das ist doch eine Möglichkeit für jeden, der sich für Raumfahrt interessiert, mal sich selbst zu verewigen. Wer kann schon sagen, er hätte einen eigenen Satelliten? Nicht mal Neil Armstrong und George W. Bush können das! (und auch die Weltraumtouristen nicht)  Natürlich bedingt die kleine Größe einige Einschränkungen. Sofern es z.B. keine Solarzellenausleger gibt (das Problem der Mechanik diese zu entfalten) liefern 10 x 10 cm Fläche maximal 4 Watt an Leistung. Doch zahlreiche Cubesats zeigen, dass durchaus Experimente mitgeführt werden können. Wenn sie ihre Digitalkamera auseinander nehmen und nur Optik und Elektronik wiegen, dann kommen sie auch leicht auf ein Gewicht von 100-200 g, genug um in einem Cubesat Platz zu finden. Dann noch ein standardisiertes Cuebsat Betriebssystem mit Normanschlüssen für das Experiment (USB z.B) und jedermann könnte sich an so ein Projekt wagen. Ein eigener Erdbeobachtungssatellit könnte z.B. in regelmäßigen Abstanden ein Bild der Erde machen und in einem Flash-RAM speichern. Vom Boden aus werden die Daten dann auf Kommando abgerufen.

Das Hauptproblem ist natürlich dass man noch auf der Erde eine Empfangsstation braucht. Die meisten Cubesats landen im sonnensynchronen Orbit gemeinsam mit Erdbeobachtungssatelliten in 600-800 km Höhe sind sie pro Umlauf nur etwa 6-15 Minuten im Empfangsbereich einer Bodenstation. Diese passieren sie dann zweimal pro Tag, so dass es im Mittel etwa 20 Minuten pro Tag Funkkontakt gibt. Nimmt man eine etwas größere Satellitenschüssel wie für Satellitenfernsehen vorgesehen, von 0,7 m Größe als Empfangsantenne und führt sie der Bahn nach, so sind in 1000 km Entfernung maximal 175.000 Bit/s übertragbar. Während 10 Minuten also rund 105 MBit. Rechnet man 80 MBit netto (ohne CRC Informationen) so sind das rund 10 MByte oder etwa 4 komprimierte JPEG Bilder pro Vorbeiflug. Nicht schlecht. Doch auch hier ist mehr möglich.

Was wäre wenn alle ihre Bodenstationen zu einem Netzwerk zusammenschließen würden? Absprachen der Funkfrequenzen und Überflugszeiten müssten natürlich erfolgen. Dann sollten andere Bodenstationen auch die Daten empfangen können und zu einem Abrufserver übers Internet weiterleiten. Zum Datenschutz können diese ja AES verschlüsselt sein. Umgekehrt würde man auch die eigene Bodenstation für andere zur Verfügung stellen. Weniger als 100 Bodenstationen würden reichen um ein globales Netz zu bilden das einen Großteil der Bahn abdeckt. (Es wird immer Lücken geben bedingt durch die Meere. Bei gemeinsamen Investitionen z.B. in 2-3 m Parabolantennen (gering im Vergleich zum Satellitenpreis) kommt man dann auch leicht in einen Bereich wo eine Datenrate von 1 MBit/s möglich ist. Nötig wäre nur eine Synchronisation der Steuerung und des Datentransfers.

Jedem sein eigener Satellit im Orbit - eine Vision die anders als der persönliche Flug ins All schon heute, bestimmt aber in nächster Zukunft möglich ist - und für jeden erschwinglich!

Was gibt es sonst noch neues? Ich habe zum zweiten Mal nach 2 Wochen einen seltsamen Windows XP Bluescreen mit einer "Machine_Check_Exception" gesehen. Da der Rechner dann jedesmal erst nach einigen Minuten ohne Stromversorgung bootet scheint das doch was ernsteres zu sein. Eigentlich wollte ich ihn 5 Jahre lang benutzen (dazu fehlen noch 10 Monate). Mal sehen wie sich das entwickelt,. Wenns mal täglich vorkommt wird wohl ein neuer fällig. Ich will damit aber noch ein bisschen warten, bis es ausgereifte Treiber für Windows 7 gibt.

Dann habe ich nun rausgefunden warum Google meine Bücher schon kennt: Das Raketenlexikon ist nämlich auch schon gescannt, obwohl es noch nicht lieferbar ist. Es liegt wohl an der Suchfunktion "Search inside", die ich nach den Amazon Vorschaumöglichkeiten, immer als auf ein paar Seiten beschränkt sah. Nun ja aber wirklich komfortabel zu lesen ist es bei der Google Buchsuche nicht. Aber vielleicht kommt jemand mal auf Appetit und schaut in meinen Raumfahrtbüchershop vorbei. Den habe ich nochmals etwas aktualisiert. Dabei viel mir auf, dass ich zwar einige Regalmeter Raumfahrtbücher habe, aber nur wenige die ich wirklich empfehlen kann (auch eines meiner Bücher nicht, aber dieses Manko wird bei der nächsten Auflage behoben) - ich bin wohl zu kritisch....

Passend zum heutigen Blog das Video: Thomas Dolby "She blinded me with Science"

Montag 26.11.2009: Schimmel auf dem Essen

Gestern bekam ich eine Frage zu Schimmel auf dem Essen und ob man dieses dann noch essen sollte. Eine gute Gelegenheit dieses im Blog aufzugreifen.

Zuallererst: Es gibt nicht den Schimmel auf dem Essen und es müssen auch nicht immer Schimmel sein, sondern können andere Pilzarten wie Hefen sein. Schimmelpilze sind allerdings auf Eiweiß und kohlenhydratreichen Lebensmitteln wie Brot und Käse die häufigsten Pilze. Trotzdem sind alleine von der Gattung Asperigillus, einer häufigen Pilzart auf Lebensmitteln über 150 Arten bekannt.

Pilze sind ein weitaus größeres Problem für die Lebensmittelkonservierung, da sie viel toleranter bei den Umgebungsbedingungen als Bakterien sind. Bakterien vermehren sich zwar unter optimalen Bedingungen schneller und viele verändern das Aussehen des Lebensmittels kaum (außer sie führen zu Ausfällungen oder Farbveränderungen durch ausgeschiedene Säuren) aber sie sind auch anspruchsvoll: Bakterien wachsen nicht bei niedrigem p.H (zu saure Säfte, Essig). Sie brauchen wasserreiche Lebensmittel und befallen kaum Lebensmittel mit geringem Wassergehalt und sie vermehren sich kaum noch bei Kühlschranktemperaturen.

Das Ales trifft auf Pilze nicht zu. Pilze sind in dieser Hinsicht echte Überlebenskünstler. Pilze wachsen noch in reinem Essig (sehr sauer), auf Lebensmitteln mit fast keinem freien Wasser (Käse, Marmelade) und sie gedeihen auch bei Kühlschranktemperaturen prächtig. (Erst ab 0 Grad hört das Wachstum auf). Daher sind sie bei der Konservierung ein größeres Problem als Bakterien. Die meisten Pilze benötigen aber Sauerstoff zum wachsen, doch nicht alle. Hefen z.B. nicht.

Die Gefahr von Pilzen geht davon aus, dass viele Arten Gifte produzieren und einige davon sind krebserregend. Bakterielle Vergiftungen sind dagegen heute selten geworden, weil zum einen die Hygiene viel besser ist und auch viele Lebensmittel die befallen sind dann ihren Geschmack oder Aussehen verändern. Dagegen kann ein Pilz in Bereiche des Lebensmittels vorgedrungen sein und dort sein Gift abgegeben haben, ohne dass es sich schon geschmacklich verändert hat.

Wie kommt Schimmel auf ein Lebensmittel? Nun einfach durch die Luft. Alle Pilze bilden Sporen - vermehrungsfähige Zellen in einer dicken, sehr widerstandsfähigen Hülle, praktisch eine schlafende Dauerform des Pilzes die sehr widrigen Umweltbedingungen trotzen kann und auch sehr lange noch vermehrungsfähig bleibt. So wurden eine Reihe von Todesfällen nach Graböffnungen mit Schimmelpilzen in Verbindung gebracht: Die Sporen bildeten sich reichlich als die Leichname / Grabbbeigaben verwesten und überdauerten Jahrhunderte um dann von den Ausgräbern eingeatmet werden. Zumindest der Tod mehrerer Archäologen, die eine polnische Gruft Anfang der siebziger Jahre öffneten, konnte einwandfrei auf eine Infektion durch Aspergillus Flavius, einen der giftigsten Schimmelpilze zurückgeführt werden. Seitdem tragen die meisten Ausgräber einen Mundschutz, wenn sie es mit noch ungeöffneten Gräbern oder Mumien zu tun haben - nicht zum Schutz der Mumien, sondern als Selbstschutz.

Die zweite Gefahr die von Pilzen ausgeht ist dass viele Pilzgifte nicht nur giftig sind, sondern auch krebserregend. Als Paradebeispiel gilt auch hier das Aflatoxin, das von Aspergillus Flavius gebildet wird. Während das Gift nur gefährlich ist, wenn die Menge ausreicht, um im Bereich der letalen Dosis zu kommen, reicht es bei der krebserregenden Wirkung, dass man geringe Mengen immer wieder aufnimmt um Leber- oder Magenkrebs zu bekommen. Das Aflatoxin gilt als eines der potentesten krebserregenden Stoffe. Im Tierversuch reichte eine Tagesdosis von 10-15 µg/kg Körpergewicht um Tumore zu verursachen. Von dem sehr bekannten Dimethylnitrosamin einem sehr potenten krebserregenden Stoff, der die DNA alkyliert) benötigt man dagegen 730 µg/kg Körpergewicht.

Wie kommen nun Pilze auf das Lebensmittel?

In erster Linie durch die Luft. Die Sporen sind nur 1-3 µm groß, viel kleiner als ein menschliches Haar (100-120 mm). Sie werden von der Oberfläche durch einen Lufthauch weggenommen und sind dann in der Luft, wovon sie dann auf Lebensmittel gelangen. Die Archäologen starben, weil sie die Sporen in großen Mengen einatmeten und einige in der Lunge auskeimten. Daher ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie beim ersten Öffnen der Tüte schon Sporen auf ihr Brot bringen. Wahrscheinlich sind schon welche dort - denn auch in der Bäckerei werden die Brote ja nicht unter Vakuum verpackt. So findet man nicht selten verschimmeltes, ungeöffnetes, Schnittbrot. Im Kühlschrank wird gerne Käse und Wurst befallen. Auch hier gilt: Der beste Schutz ist eine luftdichte Verpackung. (verschlossene Plastikdose z.B.) Die nützt wie bei Brot aber nur solange etwas, solange keine Infektion erfolgte. Ist diese einmal erfolgt, so ist das feuchte Klima in einer Dose eher kontrapoduktiv, daher sollte man das Brot auch aus einer Plastiktüte herausnehmen. Die von kleinen Bäckereien genutzten Papiertüten sind hier wesentlich besser, da sie luftdurchlässig sind.

Was tun wenn man Schimmel sieht?

Man kann es auf einen Punkt bringen: Das Lebensmittel komplett entsorgen. Auch wenn es andere Ratschläge gibt, die teilweise Verwendung noch vorsehen, rate ich zu diesem aus folgendem Grund:

Es gibt nur eine Ausnahme: Das ist Marmelade oder Gelee oder andere stark zuckerreiche Lebensmittel. Auf diesen können sich nur bestimmte Hefen vermehren, die keine Giftstoffe bilden. Bei diesen reicht es dann wirklich die oberste Schicht zu entfernen. Allerdings schmeckt meiner Erfahrung nach die Konfitüre dann alkoholisch und ist auch so nicht mehr genießbar.

Der Aspergillus Flavius, als der am gefährlichsten eingestufte Pilz, kommt sehr häufig auf kohlenhydratreichen Lebensmitteln vor, mag allerdings auch Eiweiß- und fettreichen Lebensmitteln. Besonders häufig findet man ihn auf Brot und Nüssen.

Vorbeugung?

Am häufigsten ist das Problem heute sicher bei Brot und Käse gegeben obwohl natürlich auch andere Lebensmittel befallen werden können. Ungeschnittenes Brot ist relativ sicher, weil der Pilz nur durch die Schnittfläche einwachsen kann und die dauernd erneuert wird. Kritisch ist Schnittbrot. Wenn man es luftig lagert, so kann der Pilz zwar langsamer wachsen, aber man will es bald nicht mehr essen, weil es zu ausgetrocknet ist. Ich persönlich friere daher Schnittbrot ein, so dass eine Portion in 1-2 Tagen aufgebraucht ist. Das ist der wirksamste Schutz: Es gar nicht erst alt werden zu lassen.

Käse sollte man, wenn die Verpackung geöffnet ist, aus der Plastikverpackung entnehmen und in einem abgeschlossenen Gefäß aufbewahren. Dieses natürlich auch nach Entnahme wieder verschließen und nicht lange offen rumstehen lassen und wenn der Käse verbraucht ist auch reinigen.

Sofern ein Lebensmittel geschmacklich verändert ist, oder "muffig" riecht, würde ich es sofort entsorgen.

Es gibt auf meiner Webseite einen Aufsatz über mikrobielle Gifte, dort finden sie unter "Pilze und Pilzgifte" auch die wichtigsten Gift die durch Pilze auf Nahrungsmittel gelangen.


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