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Web Log Teil 138 : 15.11.2009-19.11.2009

Sonntag den 15.11.2009: Railgun Teil 2

Das Thema einer Railgun hat mich nicht losgelassen. Die ideale Railgun sollte ja eine möglichst hohe Beschleunigung aufweisen um die Beschleunigung möglichst klein zu halten. Da der Aufwand auch um so größer ist, je größer die Masse ist, sollte ein erstes Projekt also eine möglichst kleine Masse beschleunigen, die aber so robust ist, dass sie sehr hohe Beschleunigungen aushält.

Irgendwann machte es dann "klick". Es gibt tatsächlich schon heute eine exotische Weltraumanwendung, bei der dies zutrifft und die daher ideal für eine Railgun wäre, wobei diese viel kleiner als das von mir beschriebene Exemplar im ersten Teil sein kann.

Es sind die Weltraumbestattungen: Urnen wiegen wenig und sie halten viel aus. Hier ein Szenario:

Ausgehend von den 30 m Beschleunigungsstrecke für 2520 m/s Endgeschwindigkeit kann man eine Beschleunigungsstrecke von 750 m für 12,5 km/s errechnen. Eine solche Kanone könnte man also leicht auf einem Berghang in Deutschland unterbringen (sie sollte wenn sie die Fluchtgeschwindigkeit erreichen soll, möglichst steil nach oben ragen, ideal wäre ein 750 m hoher Turm, so wird die Erdatmosphäre möglichst schnell passiert).

64 MJ Energie entsprechen rund 17,8 kWh Energie, die reinen Stromkosten für den "Schuss" sind also noch viel geringer als heute ein Versand mit DHL oder Hermes. Ein Problem war bislang der hohe Verschleiß der Beschleunigungsschienen, die oft nur einmal benutzt werden soll. Doch die aus diesem Prototyp entwickelte Waffe soll 10 mal pro Minute feuern können, dann sollten diese Probleme gelöst sein.

Das wäre doch eine Möglichkeit die Technik auszuprobieren. Bei den heutigen Preisen für Weltraumbestattungen sollten einige Schüsse pro Tag ausreichen die ganze Anlage samt Entwicklungskosten zu finanzieren. Es könnten so Erfahrungen mit der Technologie gesammelt werden und wenn es erst mal funktioniert kann man es auch nutzen um anderen Abfall denn man nicht mehr haben will für immer zu entsorgen. Ich denke hier an hochgiftige Industrieabfälle oder wenn es zuverlässig genug ist, kann man auch den Atommüll so auf Nimmerwiedersehen entsorgen. Bei 16 t hochradioaktiver Atommüll produzieren heute Kernkraftwerke in Deutschland pro Jahr Bei rund 50 % Anteil der Metallhülle würden bei 250 Arbeitstagen 160 Starts pro Tag ausreichen den jährlichen Atommüll der heute so produziert wird auf Fluchtgeschwindigkeit zu entsorgen. Wenn's noch etwas sicherer sein soll, dann beschleunigt man auf 16,7 km/s, dann nimmt der Atommüll einen Fluchtkurs aus dem Sonnensystem heraus.

Ansonsten ärgere ich über meinen Computer. Nicht nur weil er zwar wieder läuft, aber wahrscheinlich nicht mehr lange, weil er schon wieder nicht mehr sauber bootet. Nach Ein/Ausstrecken aller Kabel geht es dann wieder. Vor allem aber ist er nun, nachdem 1 GB seiner ehemaligen 2 GB Speicher im PC meines Bruders stecken soooo langsam geworden. Ich habe gerade Band 2 des Raketenlexikons zum ersten Mal Korrektur gelesen und das war lähmend langsam. Dabei habe ich bewusst die Rechtschreibprüfung mit dem Duden Korrektor deaktiviert, von der ich schon weiß wie sie den PC verlangsamt. Trotzdem stand der PC bei jedem Speichern für 10 Minuten. Das gilt auch für andere Anwendungen wie Browser und Mail. Dabei waren 1 GB viel Speicher, als ich ihn 2005 kaufte und als Windows XP 2001 erschien waren eher 256-512 MB normal. Netbooks sollen dauerhaft mit diesem Speicher auskommen. Warum wird einfach alles langsamer? Wo ist der Gewinn an Usability? Ich sehe ihn zumindest nicht bei den Anwendungen die ich seit Jahren benutze und die nicht viel besser werden, nur langsamer.

Es wird Zeit das der nächste geliefert wird und ich dann das Lexikon zu Ende korrigieren kann. Auch weil ich wieder einen Programmierauftrag habe, denn ich erledigen muss. Dann wollte ich noch was Schreiben über Sänger und Life-Aufnahmen. Nachdem mir vor zwei Wochen Kim Wilde wieder aufgefallen ist habe ich Videos von ihr gesucht und einige Life Auftritte gefunden, bei der sie nicht jeden Ton richtig traf.

Doch dann habe ich das Freewareprogramm "Ultrastar" eine Umsetzung von "Singstar" probiert und bin bei einem "Wir sind Helden" Lied doch ziemlich ins straucheln gekommen. Die singen aber auch eicht schnell. Doch selbst bei einem langsameren und nicht so schwierigen Lied wie "Go West" von den Pet Shop Boys wars noch schwierig. Nun ist meiner Meinung nach Karaoke schwieriger als normal zu singen - Man muss dem eingeblendeten Text folgen und achtet auch noch auf die Noten und ist so stark abgelenkt und kommt auch leicht in den Druck wenn man etwas hinterher- oder vorhingt. Beim freien Singen kann man das leicht ausgleichen. Aber es reichte dass ich mir hier einen Kommentar über Kim Wilde spare.

Montag 16.11.2009: Russland ist kein Vorbild

Heute bin ich mal in der Laune, mich wieder bei einigen unbeliebt zu machen. Rühri kann mich schon mal überall als Gegner der russischen Raumfahrt verunglimpfen. Ich bekomme ja immer wieder Mails und auch Kommentare hier im Blog, man möge doch diese oder jene russische Trägerrakete verwenden oder dieses russische Triebwerk und überhaupt hätten es die Russen raus wie man alles preiswert produzieren könnte und die ESA/EADS/Arianespace wären viel zu teuer.

Ich halte das für völligen Blödsinn

Warum? Nun weil verkannt wird, was die Preistreiber bei einer Rakete sind und wie sie produziert wird. Das teure an einer Rakete ist die Arbeit. Es werden so wenige hergestellt, das vieles nicht automatisierbar ist und selbst wenn, dann machen Kontrollen einen großen Kostenfaktor aus. Bei der Saturn V entfielen nur 6 % der Herstellungskosten auf die Materialen, 28 % auf die Fertigung und 66 % auf die Qualitätskontrolle. Eine Rakete ist vereinfacht gesagt so teuer, weil sie noch viele Leute von Hand daran arbeiten und vor allem viel kontrollieren und prüfen. Das machen in der Regel qualifizierte Techniker, die dafür gut bezahlt werden. Die Fertigung ist damit eher mit Einzelanfertigungen vergleichbar. Schon der Vergleich mit Großraumflugzeugen hinkt, weil dort schon mehr automatisiert wird und die Produktionsserien größer sind. Verglichen mit einem Flugzeugbau ist das wie der Vergleich der Fertigung der S-Klasse mit einem Maybach.

Warum sind nun russische und chinesische Träger preiswerter? Ganz einfach, weil bei einem Produkt mit hohem Anteil an menschlicher Arbeit die Lohnkosten die Produktionskosten bestimmen. Das gleiche gilt ja auch für Bekleidung, die vernäht werden muss und daher gibt es in Deutschland gerade noch ein Unternehmen welches Kleider näht. Der Rest konnte mit Billiglohnländern nicht mithalten. Ich wage zu prognostizieren, dass wenn Russland und China westliches Lohnniveau erreicht haben, ihre Raketen teurer sein werden als Ariane 5, die schon auf niedrige Produktionskosten ausgelegt wurde. Wenn ich also das als Basis für Entscheidungen nehme, dann kann ich auch gleich sagen "Sparen wir uns das Geld für CSG und Ariane, wir können eh nicht mithalten".

Das zweite ist dass immer gerne betont wird, dass russische Raketen sich über Jahrzehnte nicht verändert haben und dadurch preisgünstig und zuverlässig sind. Das ist völliger Quatsch und auch nicht generell richtig. So ist die Zuverlässigkeit nicht bei allen Typen hoch. Proton und Molnija haben trotz vier Einsatzjahrzehnten eine schlechtere Zuverlässigkeit als Ariane 5 und Delta. Dabei sind von diesen Trägern schon über 200 gestartet. Wie die meisten wissen, gibt es die Kinderkrankheiten immer bei den ersten Flügen. Von sieben Fehlstarts von Ariane 1-4 fanden vier bei den ersten 18 Starts statt und die letzten 78 gelangen in Folge. So gesehen verwundert es eher, dass die Molnija so unzuverlässig ist und die Sojus ohne vierte Stufe erheblich zuverlässiger.

Vor allem aber ist das Modell nicht übertragbar. Man kann im Westen nicht eine Rakete über Jahrzehnte unverändert produzieren und wenn man es tut wird sie teurer anstatt billiger. Das ist kein Feature, es ist ein Bug des kommunistischen Systems: Es gab keine privaten Initiativen, keine privaten Investitionen und deswegen wurde auch nichts verändert. Doch das ist doch kein Vorteil sondern ein Nachteil. Auch der Trabant wurde 1957 zum ersten mal produziert, auch er wurde über 30 Jahre unverändert produziert - warum will ihn den heute keiner mehr haben?

Die Sache ist die: Es wird ja nicht nur die Rakete selbst zusammengebaut, das kann vielleicht über Jahrzehnte nicht verändert werden, aber sie besteht ja aus zig Teilen die wiederum von zig Subunternehmern geliefert werden. Und deren Produktpalette ändert sich im Laufe der Zeit. Verfahren und Werkstoffe ändern sich. Manchmal werden komplette Technologien obsolet. So waren 1957 elektromechanische Steuerungen "State of the Art" und heute sind es GPS, Laserringkreisel und Bordcomputer. Will man von allen Zulieferern ein Bauteil trotz dieser Änderungen über Jahrzehnte beziehen, so muss man sie teuer bezahlen, nämlich dafür dass sie etwas künstlich am Leben halten was sie sonst längst ausgemustert hätten. Das ist ein Grund warum z.B. das Space Shuttle nicht nochmal kommen wird, obwohl es "die Gap" gibt: Die Verträge mit Zulieferern sind gekündigt und vieles was benötigt wird an Ersatz- und Verschleißteilen ist nun nicht mehr zu bekommen. Die NASA hat dafür auch dreistellige Millionenbeträge jedes Jahr ausgegeben, dass Betriebe Teile noch liefern können, die sie in den siebziger Jahren entwickelt haben.

Es wird also im Westen nicht billiger und dass sich Russland und China schwer tun, nach ein paar Jahrzehnten nur mal Anschubfinanzierungen für neue Trägerraketen zu erbringen sieht man ja an dem langsamen Fortschritt bei Angara und CZ-5.Dieses System ist nicht auf Europa oder Amerika übertragbar.

So das wars. Das Thema drängte sich mir gerade auf, weil ich gerade beim zweiten Korrekturlesen des Bandes 2 des Raketenlexikons bin. Ich bin ganz zufrieden damit. Ich denke es ist ein tolles Buch geworden in dem ich noch oft nachschlagen werde. (Ich schreibe eigentlich die Bücher für mich selbst. Momentan liegt auch Band 1 neben dem Computer, weil ich vieles wieder vergesse). Aber es wird wohl das vorletzte zu dem Thema sein. Es ist viel Arbeit Bücher über unbemannte Raumfahrt zu schreiben. Das Publikum ist kritisch, informiert und dann ist die Nachfrage gering. Für Fans der bemannten Raumfahrt braucht man weitaus weniger Fakten zusammen tragen, kann mehr Geschichten erzählen und sie sind auch dankbar für Seiten die nur mit Bildern gefüllt sind und damit noch weniger Arbeit machen. Kurzum: Weniger Arbeit, höhere Auflage.

Dienstag 17.11.2009: Frauenzimmer

Da ich, solange mein PC gerade mal wieder funktioniert, den zweiten Band des Raketenlexikons fertigstellen will (das wird hoffentlich morgen der Fall sein), heute nur ein kleiner Blog mit einem seichten Thema, zur Unterhaltung. Ich habe nun ja auch Zeit nachmittags Fernsehen zu gucken und bin während meines Urlaubs da bei Frauenzimmer um 16:30 bei Vox hängen geblieben. Das ist so ne Art öffentlicher Kaffeeklatsch von einigen mehr oder weniger prominenten Frauen. Ich fand die Äußerungen ganz interessant, weil ich den Großteil nicht in der Öffentlichkeit wiedergeben würde. Eine der Damen ist z.B. Yasmina Fiali, die mit einem deutschen Ex-Profifußballer verheiratet ist. In den fünf Folgen die ich bislang gesehen hatte enthüllte sie, dass er nichts von Computertechnik versteht ("Wo stecke ich das Kabel in den WLAN Drucker rein?"), zimperlich ist und bei kleinsten Beschwerden auf todkrank macht und dass sie nur so tut, als würde es sie interessieren wenn er über Fußball redet (und das bei einem Ex-Nationalspieler :-() Klingt für mich als würde die Ehe nicht mehr lange halten. Zumindest würde ich mich hüten so viel privates preiszugeben. Ansonsten wird auch viel gelästert aber man sieht auch die Unterschiede zwischen Männer und Frauen.

So war gestern ein Thema ein Run auf irgendeinen Schuh denn es bei H&M in limitierter Menge gab. Schon alleine das ein Schuh Thema sein kann halte ich für sehr komisch. Das ist eines der ewigen Rätsel die es zwischen Mann und Frau gibt: Warum stehen Frauen so auf Schuhe und Handtaschen? Promis sollen ja ganze Räume damit füllen. Meine Nichte versuchte es mir dahingehend zu erklären "Schuhe und Handtaschen passen immer", aber verstanden habe ich es nicht. Denn die meisten Frauen wechseln ja nicht laufend ihre Kleidergröße. Das kann höchstens ein Problem sein, wenn man immer eine Größe kleiner kauft damit es eng sitzt.

Für mich sind nun Schuhe die Dinge eines der Dinge die ich am wenigsten bei einer Frau beachte, eigentlich nur noch unterboten von der Handtasche. Für Schuhe bringe ich noch ein gewisses Verständnis auf, weil ich auch etwa 20 Paar habe, je nach Witterung mal leichtere oder Stiefelletten, ein paar Farben zur Auswahl sollten auch noch da sein. Aber Handtaschen? Kommt da der Sammlertrieb durch? Das muss was damit zu tun haben, denn Frauen verstehen "Shopping" ja auch als Vergnügen, Hobby oder gar Selbstzweck. Bei mir heißt das bewusst nicht "Shopping" sondern Einkaufen und Genuss ist es auch nicht, sondern absolute Notwendigkeit. Ich hasse es Sachen im Laden anzuprobieren, verschiedene Läden abzuklappern und inzwischen hängt in meinem Kleiderschrank eine ganze Menge von ALDI & LIDL, weil ich es dort einfach mitnehmen kann, daheim in Ruhe anziehen und wenn's nicht passt ohne Kommentar zurückgeben.

Ich könnte mir auch nicht vorstellen, dass die Idee von "Frauenzimmer" mit einer Männerrunde funktioniert. Es würde rasch langweilig werden und garantiert würde nicht so viel gelästert werden. Auch das Lästern und Tratschen scheint ja eine gewisse Frauendomäne zu sein, auch wenn's da Ausnahmen gibt.

Was meint ihr? Warum gibt es diese grundlegenden Unterschiede in den Interessenlagen von Männern und Frauen?

Mittwoch 18.11.2009: Warum Raumsonden aktiv gesteuert werden müssen

So während der Upload des Buchblocks für Buch Nummer Sechs - und damit das letzte in diesem Jahr lauft ein neuer Blog. Etwas Reklame dafür gibt es dann wenn es in 1-2 Wochen lieferbar ist an dieser Stelle. Nachdem meine Kurzweilligen Blogs wohl keinen interessieren oder meine Blogleser Angst vor ihren Frauen haben und keinen Kommentar hinterlassen wollen, heute wieder einen tiefschürfenden Blogeintrag aus der Rubrik "Bernd erklärt die Raumfahrt". Satelliten kommen ja im Extremfall ohne Steuertriebwerke aus. Für viele reicht es die räumliche Lage zu ändern. Das geht auch mit anderen Maßnahmen wie Drallrädern oder der Ausrichtung nach dem Magnetfeld mit metallenen und unter Spannung gesetzten Auslegern.

Kann man auch Raumsonden ohne Steuerungsmöglichkeiten bauen? Nun die ersten hatte keine, doch dazu später mehr. Fangen wir an mit einem ersten Beispiel. Wir schicken eine Raumsonde zum Mond. Nun gibt es erst mal Fehler beim Einschuss. Eine Stufe berechnet zwar die Bahn laufend neu, aber zwischen zwei Berechnungen beschleunigt sie weiter. Bei 10-20 Bestimmungen pro Sekunde und 0,5 - 2 g Beschleunigung resultiert ein Fehler von rund 1 m/s. Je langsamer die Stufe beschleunigt desto kleiner ist der Fehler. Bei der letzten Ariane 5 Mission waren es z.B. nur 0,3 m/s.

Ziel soll der Mond sein, der nach 3 Tagen erreicht wird. Ein Raumschiff wird bestrebt sein, sich dem Mond recht nahe zu nähern ohne ihn zu rammen, da dann der Geschwindigkeitsbedarf minimal wird. Steht die Brenndauer fest, so kann eine falsche Distanz nicht nur dazu führen dass eine unplanmäßige Bahn erreicht wird, sondern dass die Treibstoffvorräte gar nicht ausreichen.

Machen wir erst mal eine Lieschen-Müller Rechnung: Es soll keine Orbitalgesetzte geben und eine Abweichung von 1 m/s zur Seite soll vorhanden sein. Dann würde die Raumsonde in jeder Stunde sich um 3,6 km (3600 s * 1 m/s) von der idealen Position entfernen. Nach 3 Tagen wird so eine Abweichung von 259,2 km erreicht. Apollo näherte sich bis auf 110 km dem Mond - Im Extremfall wäre ohne Kurskorrektur wäre sie also auf dem Mond aufgeschlagen.

Nun gelten aber die Orbitalgesetze und eine andere Geschwindigkeit bedeutet dann auch einen anderen Orbit. Wäre der ideale Orbit z.B. einer von 200 x 385.000 km Bahn, so bedeuten z.B. 1 m/s in der Geschwindigkeit einen neuen Orbit von 389.500 km Erdferne, also fast 5000 km mehr. Die Raumsonde braucht  4 d 11 h 59 m 46 s um an die Position zu kommen und erreicht sie mit einer Geschwindigkeit von 236,8 m/s. Beim ursprünglichen Orbit wären es 5 d 2 h 42 m 4 s gewesen und 184 m/s. Die Sonde kommt also rund 14 Stunden zu früh an mit rund 50 m/s zu hoher Geschwindigkeit. Auch räumlich wäre durch die andere Form der Ellipse eine andere Position erreicht worden.

Was hat dies zur Folge? Nun der Mond steht nicht still. Er umrundet die Erde in dieser Entfernung mit 1010 m/s, das bedeutet in 14 Stunden legt er rund 51.000 km zurück. Er würde sich also wenn die Raumsonde früher an der Mondumlaufbahn befindet an einer ganz anderen Position befinden. Daraus wird klar: Will man den Mond erreichen und hat keine Kurskorrekturmöglichkeit, so muss man die Bahn mit sehr hoher Genauigkeit erreichen.

So verwundert es nicht, dass dies bei den ersten Raumsonden ohne eigene Triebwerke misslang:

Damit ist klar, dass eine Raumsonde ihren Kurs korrigieren können muss. Wann und wie geschieht dies am besten? Nun es ist so wie bei einer Bowling Kugel die geworfen wird. Anfangs reichen kleine Abweichungen um die Bahn gravierend zu ändern. Würde man ihr erst kurz vor dem Ziel einen Schubs geben, so würde er sie nur wenig ablenken. Das bedeutet dass die Kurskorrekturen um so kleiner sein können je früher sie stattfinden. Auf der anderen Seite ist die Position und Geschwindigkeit nur fehlerbehaftet bekannt und so können dadurch neue Fehler entstehen. Weiterhin gibt es auch Störeinflüsse. Bei einem Flug zum Mond ist dies der Mond selbst, aber es gibt auch interne Einflüsse wie z.B. Drallräder die ihre Position/Drehzahl ändern, austretendes Restgas. Bei Sonnenumlaufbahnen spielen die anderen Planeten eine Rolle und der Strahlungsdruck des Lichtes (eine fehlerhafte Kompensation des einseitig wirkenden Strahlungsdrucks führte z.B. zum Verlust des MCO). In der Praxis gibt es daher meist mehrere Manöver. Das erste kurz nach dem Start um die gröbsten Fehler zu beheben. Bei Apollo machte man dies gerne mit dem Haupttriebwerk, auch wenn es nur für wenige Sekunden brennen musste und man überkompensierte, um es kurz zu testen. Es folgt dann eines auf der Hälfte der Distanz und manchmal noch eines kurz vor dem Ziel für das Feintuning.

Bei Raumsonden gilt das Gleiche. Aufgrund der größeren Störeinflüsse sind hier aber 3-4 Manöver die Regel. Ansonsten sind die Abweichungen beim Planeten gewaltig. Bei New Horizons trennen bei Jupiter die Star-48B Oberstufe mit der sie gestartet wurde und die Sonde über 400.000 km. Bedingt durch die unterschiedliche Ablenkung beim Vorbeiflug werden es dann bei Pluto über 200 Millionen km sein. Selbst kleine Störeinflüsse wirken sich bei planetaren Umlaufbahnen aus: So verschob alleine der Strahlungsdruck des Lichtes Mariner 2 um 1.200 km, worauf man bei Mariner 3+4 Experiment kleine Sonnensegel montierte um diesen Effekt auszunutzen.

Wie wird aber nun genau bestimmt ob die Bahn korrekt ist? Nun dazu braucht man nur einige Meßpunkte für die man Geschwindigkeit und Position kennt. Verbindet man diese kann man die Bahn zurückberechnen. Es gibt heute sehr ausgeklügelte Verfahren, aber ich will die einfachsten beiden erklären. Zuerst einmal die Geschwindigkeit. Dazu muss man nur die Verschiebung der Funkfrequenz berechnen die durch den Dopplereffekt entsteht. Heute gibt es Bausteine die eine sehr genaue Frequenz abgeben mit sehr kleinen Schwankungen, diese USO's (ultrastable Oszillators) werden heute eingesetzt. Vor einigen Jahrzehnten waren die nötigen Geräte jedoch noch zu schwer für eine Raumsonde und man wandte einen Trick an: Die Erde sandte ein Signal zur Raumsonde, eine Elektronik multiplizierte das Eingangssignal mit einem festen Teiler und sandte es zurück und auf der Erde wurde das Signal und die Ankunftsfrequenz gemessen.

Damit hat man die Geschwindigkeit der Sonde. Doch diese ändert sich ständig. Man muss auch wissen wo sie sich gerade befindet. Im Idealfall hat die Raumsonde eine sehr genaue Uhr an Bord, dann ist das kein Problem, doch auch hier gibt es eine einfachere Lösung: In das Signal das die Sonde von der Erde bekommt wird ein Zeitcode eingebettet, der die Zeit beim Absenden beinhaltet. Wenn es nun wieder auf der Erde ankommt muss nur der Zeitcode mit der aktuellen Zeit vergleichen werden und durch die doppelte Lichtgeschwindigkeit geteilt werden und man hat die Entfernung der Sonde von der Bodenstation. In der Praxis muss natürlich noch einiges berücksichtigt werden, so bewegt sich ja auch die Bodenstation mit der Erdrotation und die Erde bewegt sich ebenfalls im Sonnensystem. Trotzdem war es schon 1969 so möglich den Ort von Apollo auf 30 m genau zu bestimmen. Mit neueren Techniken kann heute die ESA die Position von Mars Express genauer bestimmen als die Marsbahn selbst bekannt ist, d.h. der Hauptfehler verlagert sich nun auf die nicht zu 100 % genau bekannte Position der Planeten.

Ist durch Vermessung der Bahn (je länger. desto genauer) diese bekannt, so kann natürlich berechnet werden wo die Sonde sein würde, wenn sie in Zielnähe ist und um wie viel sie noch korrigieren muss um den Punkt mit hoher Genauigkeit zu erreichen, der gewünscht wird.

19.11.2009: BOD

Gestern Abend habe ich das Manuskript für den zweiten Band des Raketenlexikons auf den Weg gebracht und so wird es wohl in 1-2 Wochen erscheinen und in 3-4 Wochen bei Amazon erhältlich sein. Ich habe das dann für mich gefeiert mit ein paar Gläschen Wein. Normalerweise trinke ich fast keinen Alkohol, zumindest nicht seit ich meine Diät vor zwei Jahren abgeschlossen habe (wegen der leeren Energie). Aber das zweibändige Trägerraketenlexikon war etwas was für mich persönlich sehr wichtig war, das bis jetzt wichtigste Buchprojekt. Ich gehe sogar soweit zu sagen: Wenn es ein solches Buch schon vor 10 Jahren gegeben hätte, so würde die Website in ihrer heutigen Form sicher nicht bestehen. Denn es steht meiner Meinung nach alles drin, was echte Raumfahrtfans über die Träger wissen wollen. An diese Gruppe wendet sich auch das Buch. Ich habe anders als bei den ersten Büchern darauf verzichtet ein Einleitungskapitel über Technologien zu schreiben oder einen Index mit der Erklärung aller Abkürzungen. Dadurch ist mir auch klar, dass der potentielle Käuferkreis begrenzt ist. Das leitet mich über zu meinem heutigen Thema:

BOD oder Books on Demand

So heißt der Verlag bei dem ich publiziere und der Name ist auch Programm. Für jeden, der wie ich gerne schreibt, aber der nicht weiß ob er damit einen Publikumsrenner produziert ist dies ein Segen. Ein klassischer Verlag produziert eine kleine Auflage und das kostet erst mal. Dann fallen Lagerhaltungskosten an und wenn sich das Buch nur schleppend verkauft oder der Verlag annimmt das dem so ist wird er die Publikation ablehnen. Dann kann man mit dem Manuskript hausieren gehen von Verlag zu Verlag. Oder man produziert als Herausgeber selbst und streckt die Kosten für die Auflage vor und bekommt sie dann vielleicht irgendwann mal wieder. Wenn man Pech hat weil zu wenig verkauft wird auch nicht.

Bei BOS ist es viel einfacher: Anmelden - Buchprojekt anlegen. Daten über Titel, Autor, Sachgebiet eintragen, dann das Manuskript hochladen (entweder über einen Druckertreiber in der Anwendung ausdrucken oder über ein PDF das hochgeladen wird) und zuletzt das Cover gestalten. Wer da faul ist, kann auch eine der Vorlagen nehmen. So wird es Kenner meiner Bücher sicher nicht überraschen, dass das Coverlayout genauso aussieht wie bei den bisherigen 5 Büchern....

Das finanzielle Risiko ist begrenzt: Im Extremfall ist es umsonst: Im Tarif BOD Fun kostet die Publikation nichts, nur fallen Datenhaltungskosten nach 1 Monat an. Wer nur 30 Pflichtexemplare für die Doktorarbeit braucht wird dies wählen, gleich nach dem Hochladen die 30 Exemplare ordern und danach das Projekt löschen und muss dann gar nichts mehr zahlen.

Meine Bücher laufen unter BOD Classic, das sind einmalige Kosten von 39 Euro pro Buch und 1,99 Euro pro Monat über 5 Jahre Vertragslaufzeit, also 158,4 Euro in 5 Jahren. Das ist ein überschaubarer Betrag und das Buch hat dann anders als bei BOD Fun auch eine ISBN Nummer und kann so im Buchhandel bestellt werden (bei BOD Fun nur direkt über BOD).

Wie man an nun sechs publizierten Büchern (davon vier alleine in diesem Jahr) sieht, macht es mir Spaß und es ist eine andere Dimension. Man kann das eigene Buch in die Hand nehmen und es fühlt sich dauerhafter, oder wichtiger als eine Website an. Es ist auch beständiger. Wenn mal die Website wegen Servercrash nicht mehr existent ist, gibt es immer noch das Buch. Außerdem ist es was anderes als wenn man sagt "Ich betreibe eine Website zum Thema Raumfahrt" oder man sagt "Ich bin Autor mehrerer Raumfahrtbücher". Für mich persönlich wichtig: Ich stecke viel mehr Arbeit in die Bücher nicht nur in die Formulierungen, sondern auch in die Aufbereitung, was schreibe ich, was lasse ich weg. Es mag ungerecht für den Website Leser sein, aber in dem Moment wo ich weiß, dass jemand mal 30 Euro für ein Buch ausgibt, denke ich kann er erwarten das es leicht zu lesen ist, und ihm Informationen bietet die er sonst wohl in dieser Form/Aufbereitung nicht findet. Wenn jemand das für Lau auf der Website haben kann, soll eer sich freeuen, braucht aber nicht noch weitergehende Ansprüche stellen. So schreibe ich die Bücher auch für mich selbst und inzwischen schlage ich schon in den Büchern selbst nach, weil ich die Sachen mit der Zeit auch wieder vergesse. Ich bin ein klassischer Buch Typ, den obwohl ich natürlich auch den Text als PDF auf dem Rechner habe, bin ich meistens viel schneller wenn ich das Buch aufschlage und die richtige Seite raussuche.

Daher mein Tipp: Wer immer etwas zu sagen hat schon immer etwas zu Papier bringen wollte sollte auch ein Buch oder eine Broschüre schreiben. Vielleicht über alle Briefmarken der BRD mit Bundespräsidenten? Oder Thomas überrascht uns mit einer Buchform seines "Unmanned Moon Exploration Programs". Es kann ja zuerst als BOD Fun erscheinen, dann sind seine Kosten gleich 0. Ein Tipp für alle die nicht so ungeduldig sind wie ich: Erst das Projekt als BOD Fun anlegen. Ein Exemplar ordern und dann dieses als Vorlage nehmen um Fehler zu korrigieren oder das Layout zu verändern und danach das gleiche Projekt in einer zweiten Auflage als BOD Classic publizieren. Ich bin dafür zu ungeduldig (da können meine Korrekturleser sicher einige Klagen vorbringen), aber die meisten andern Leute publizieren auch nicht mit Zeithorizonten die ich im Bereich von wenigen Monaten erstrecken.

Aber Vorsicht: Bücher Schreiben kann süchtig machen!

Vom aktuellen Buch habe ich nun auch ein Probekapitel in meiner Website speziell für meine Bücher und Buchempfehlungen online gestellt. Es ist übrigens (da ich inzwischen weiß, dass ich auch außereuropäische Blogleser habe) in den USA, Kanada und England erhältlich. Auch in Amazon Japan habe ich meine Bücher schon gefunden. (Aus unerfindlichen Gründen sind die Bücher in den USA immer billiger und haben mehr Seiten als die deutsche Auflage)


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