Home Site Map Sonstige Aufsätze Weblog und Gequassel counter

Web Log Teil 140 : 24.11.2009-28.11.2009

Dienstag den 24.11.2009: SpaceX wird "normal" im Zeitraffer

Gestern las ich mit Verwunderung, dass SpaceX gegen den Start des LDEE Mondsatelliten auf einer Minotaur protestiert hat. Wie immer werden bei SpaceX Tatsachen verdreht. So behauptet die Firma dass bis zum geplanten Start 2012 die Minotaur V noch nie geflogen sei, bis dahin ihre Falcon 1e und 9 aber einige Mal und sie flugerprobt wären.

Das ist so natürlich falsch. Derzeit ist noch keine der Raketen geflogen und die Falcon 9 liegt rund zwei Jahre im Zeitplan zurück und der Erstflug wurde erneut nach hinten nun auf Februar verschoben. Einsätze der Falcon 1e sind noch seltener im Launch manifest zu finden. Die Minotaur ist dagegen eine MX Peacekeeper die um Oberstufen erweitert wurde und setzt daher nur erprobte Komponenten ein. Das Risiko wird daher eher geringer als bei der Falcon 1e und 9 sein. Die Falcon 9 hat zwei noch nie erprobte Stufen, das Vorgängermodell der Falcon 1e hat eine Zuverlässigkeit von 40 %.....

Noch befremdlicher fand ich das ganze aber, weil eine Falcon 1e mit 900 kg LEO Nutzlast nicht mal mit Oberstufe 330 kg zum Mond befördern kann und bei der Falcon 9 wäre es ziemlich ineffizient eine so große Rakete einzusetzen. Auch hier wäre bei zwei Stufen es knapp, schließlich wird nur LOX/Kerosin in beiden Stufen eingesetzt. Die obere Stufe kann nicht geborgen werden - so wird der Start teuer. Nach SpaceX Angaben hat die Falcon 9 ja die fünffache Nutzlast der Minotaur V, das ist also ziemlich ineffizient und selbst wenn sie diese billig anbieten erden sie immer noch teurer sein als OSC. SpaceX kann also entweder nicht rechnen (entweder die Nutzlast oder die Kosten) oder sie protestiert obwohl bei einer Auftragsvergabe sie keine Chance hätte oder den Auftrag nicht ausführen kann.

Was erstaunlich ist: Die Firma die von vielen noch als Messias des Raumfahrtgeschäfts gesehen wird hat innerhalb von wenigen Jahren ihren Kurs total geändert. Ging es zuerst darum preiswerte Trägerraketen anzubieten so konzentriert sie sich nun wie Lockheed Martin und Boeing auf das Regierungsgeschäft. Im kommerziellen Transport zählen mehr Taten als Worte - da bekommt die Falcon 9 erst Aufträge wenn sie ein paar mal in Folge erfolgreich flog und das vielleicht auch mal termingerecht. So bleiben diese Aufträge erst mal aus. Dann konzentriert sie sich auf die Dragon Kapsel, weil die Versorgung der ISS ja viel mehr Geld verspricht als einfache Satellitenflüge, vor allem wegen der garantierten hohen Startfrequenz.

In den letzten Monaten begann die Firma nun Druck zu machen mit der Kapsel auch Astronauten zur ISS zu schicken oder sie als Rettungsboot zu nutzen. Mir sträuben sich dabei die Haare - wenn man bedenkt wie die Firma bei der Falcon 1 elementare Systeme einer Rakete wegließ weil sie meinte die werden nicht benötigt und ich daran denke wie bei der NASA Sicherheit alles ist und alles zig mal redundant sein muss, dann weiß ich dass hier zwei Philosophien aufeinanderprallen die unvereinbar sind. Da kann man noch mehr Geld verdienen. Einige Milliarden anstatt nur bis jetzt dreistellige Millionenbeträge. Auch sonst gibt es von ISS noch einige Ideen wie man die ISS versorgen könnte sei es mit Reboostmodulen oder anderen Plänen. Hauptsache die Cash Cow ISS bleibt im Orbit. Dazu ist Musk sich auch nicht zu schade übers Internet aufzurufen Briefe an die Kongressabgeordneten zu schreiben.

Nun beschwert sich SpaceX gegen einen Auftrag der schon vor einiger Zeit an OSC fiel - ohne dass überhaupt sicher ist dass sie den Auftrag erfüllen können (noch existieren Falcon 1e und 9 nicht und wie oben geschrieben bei der Nutzlast ist es offen ob sie befördert werden kann oder es sinnvoll ist). Die Zielrichtung ist klar: Dafür will SpaceX einen anderen NASA Auftrag als Kompensation bekommen.

Was unterscheidet SpaceX noch von Boeing und Lockheed? Nur eine Kleinigkeit - deren Raketen sind verfügbar und fliegen. Ich bin mal gespannt was passiert wenn es weitere Probleme gibt z.B. eine Falcon 9 bei einer der ersten Flüge ausfällt oder es Probleme mit der Dragon Kapsel gibt. Da die Firma ja schon jetzt einen Großteil der Summe aus dem COTS Programm bekommen hat ohne einen Start durchzuführen tippe ich mal drauf macht man den Laden dicht und streicht das Geld ein.

Mittwoch den 25.11.2009: Buch Nummer 6

So, nun ist es erschienen, zumindest finde ich es auf der BOD Homepage, mein sechstes Buch und der zweite Teil des Raketenlexikons, der nun sehr zeitnah zum ersten Teil erschien. Ich hoffe in 1-2 Wochen taucht es auch in den Katalogen von Amazon & Co auf. Ich erhoffe mir natürlich eine hohe Auflage und habe den Preis bewusst sehr niedrig angesetzt - systembedingt ist ein Buch bei BOD je nach Umfang etwa 3-75 Euro teurer als beim Anfertigen einer größeren Auflage. Ich denke es ist einmalig im deutschen Sprachraum. Es gibt zwar noch das Raketentypenbuch von Eugen Reichl, aber dessen Umfang ist deutlich geringer:

  Raketentypenbuch Raketenlexikon Band 1 Raketenlexikon Band 2 Beide Bände zusammen
Umfang 336 Seiten 392 Seiten 392 Seiten 784 Seiten
Abbildungen 388 97 81 188
Besprochene Raketen ? 99 105 204
Preis: 39,90 Euro 29,99 Euro 29,99 Euro 59,98 Euro

Ich kann über das Raketentypenbuch von Reichl wenig sagen. Ich habe es mir aus zwei Gründen nicht gekauft, zum einen weil ich mir einbilde mehr über das Thema zu wissen als in 336 Seiten steht und zum anderen weil ich auf dieser Website einen Auszug sah, denn ich für viel zu knapp empfand. Mein Text ist immerhin drei Seiten lang und trotzdem hatte ich oftmals das Gefühl, ich könnte noch erheblich mehr schreiben, doch dann wäre es eben kein Lexikon mehr gewesen. In Englisch gibt es noch das Buch "International Reference Guide to Space Launch Systems", das mir aber mit 75 Dollar für 549 Seiten zu teuer war, doch scheint es am ehesten mit meinem Buch vergleichbar zu sein. Es ist übrigens wie das letzte auch in den USA, Kanada und England erhältlich.

So hoffe ich wegen mangelnder Konkurrenz auf eine größere Nachfrage, denn ich meine es ist ein Buch das jeder der sich ernsthaft für Raumfahrt interessiert im Schrank stehen haben sollte. Wie immer an dieser Stelle: Wem die Bücher zu teuer sind, der sollte man in der nächsten Bibliothek nachfragen. Ich werde in den nächsten Tagen mal versuchen die einzigen beiden Publikationen die ich kenne die eine Buchrezension haben anzusprechen und zu einer Rezension zu bewegen. Bislang war ich hier nicht so erfolgreich. Vom ATV Buch und dem Buch über Europäische Raketen wurden zwar Rezensionsexemplare bestellt, aber Rezensionen gab es keine.

Wer mich unterstützen möchte und meine Bücher schon gelesen hat und gut fand möge doch bitte bei Amazon oder wo immer er sein Buch gekauft hat seine Kritik hinterlassen - ich orientiere mich bei Käufen sehr oft nach den Sternen und lese die Kritiken durch und ich denke viele andere auch. Besonders freut mich als Autor natürlich eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Inhalt, so fand ich diese ausführliche Kritik zu meinem Buch über Lebensmittelkennzeichnung und wie man aus ihr schal wird sehr gut. Da sieht man dass man Leuten auch wirklich mit dem Buch geholfen hat - deswegen schreibe ich ja, denn monatelange Recherche, Schreiben, Korrekturen für etwa 100 Exemplare pro Jahr lohnen sich nicht wirklich finanziell. Deswegen gibt es auch eine Neuauflage des ATV Buchs, weil ich eigentlich nur gute Bücher mit 4-5 Sternen bei Amazon haben möchte. So, heute feiert meine Mutter noch 85 Geburtstag und deswegen bleibt der Blog ganz kurz. Morgen dann ein frischer über PR & Raumfahrt. 

Donnerstag 26.11.2009: Nachplappern und Nachschlagen

Ich habe mir heute als Thema vorgenommen welche neue Probleme ein Raumfahrtfan heute hat die er in den Zeiten vor dem Internet nicht hatte. Heute gibt es eine Vielzahl von Nachrichtenportalen, auch welche spezialisiert nur auf Weltraumforschung / Raumfahrt, dazu gibt es die Portale der Raumfahrtagenturen und auch die Seiten der Firmen. Als Sekundärquellen gibt es Blogs und Foren, die auch besucht werden. Das macht es schwierig Informationen zu bewerten und zu sieben. Früher war es in dieser Hinsicht viel einfacher: Die Nachrichten wurden von Agenturen verbreitet und Zeitungen entschieden, was wichtig war und was nicht. Natürlich war auch dieses System nicht optimal denn vieles wurde so gar nicht erst publiziert.

Nun gibt es mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung. Es gilt die Spreu vom Weizen zu trennen. Das muss nun der Leser selbst tun, was in ihm Fachwissen voraussetzt. Das ist nicht leicht, vor allem weil nicht jeder Experte in allen Gebieten sein kann. Schlussendlich hat man es mit Profis zu tun, die bestrebt sind alles gut zu "Verkaufen" um alles möglichst gut darzustellen. Liest man die Verlautbarungen der ESA, so krempelt Mars Express laufend unser Bild vom Mars um (die Mission rundet es ab, aber die wesentlichen Grundzüge wurden von Mariner 9 und Viking gelegt) oder die ESC-B ist eine ganz tolle Stufe, weil sie wiederzündbar ist.

Das ganze wird dann multipliziert durch Blogs, Nachrichtenagenturen und Foren und die Demokratie des Internets nimmt seinen Lauf: Es wird verbreitet und je mehr es schreiben, desto eher sind Leute bereit es zu glauben, einfach weil sie es mehrfach lesen. Ich will mal zeigen zu was für Blüten das führt.

So wird von der ESA immer betont, dass die ESC-B wiederzündbar ist. Das wird dann als riesiger Vorteil verkauft. Doch ist dem so? Seit 1979 fliegt Ariane 5 mit nicht wiederzündbaren Oberstufen (Ausnahme: EPS, aber bei ihr wird dieses Feature meist nicht genutzt). Wann wird eine solche Oberstufe benötigt? Nun dazu benötigt man Grundlagenwissen, das man nicht von den P&R Abteilungen der ESA/NASA/EADS vermittelt bekommt.

Eine Wiederzündbarkeit ist in zwei Fällen von Vorteil:

Es wird klar, dass dieses Feature für die heutigen GTO Nutzlasten also nutzlos ist. Nun gibt es dann in der Community das Argument: Dann könnte die ESC-B ja im Apogäum nochmals zünden und so die Nutzlast vergrößern. Aufgrund ihrer hohen Leermasse dürfte aber eher das Gegenteil der Fall sein, sie dürfte die Nutzlast verringern. Damit sie die Nutzlast steigert müsste die ESC-B mit VEB maximal 5500 kg wiegen. Die ESA Angaben liegen aber bei 6 t ohne VEB (wahrscheinlich mit Stufenadapter, aber auch ohne sind es dann mit VEB bestimmt keine 5,5 t).

Nun gibt es dann die Aussage, dass die Ariane 5 dann doch einfach noch einen Forschungssatelliten mitführen kann und diesen zuerst aussetzen und danach beschleunigen und die Nutzlast in den GTO Orbit aussetzen könnte. Ich merke dann immer dass die Leute zwar eine Meinung haben, aber kein Basiswissen. Der GTO Orbit hat eine Bahnneigung von 7 Grad. Forschungssatelliten gelangen aber in sonnensynchrone Bahnen mit Bahnneigungen über 90 Grad. Es müsste also die Bahn um 90 Grad gedreht werden, wofür bei rund 8 km/s viel Triebstoff notwendig ist. (Berechnung v = sin(Inklinationsdifferenz/2)*2 - rund 11,3 km/s. Das ist Technisch nicht möglich. Dazu braucht man auch kein Spezialwiossen, es reicht die Alltagserfahrung die einem z.b. sagt, dass ein 200 km/h schnelles Auto ziemlich viel Energie braucht um seinen Kurs um 90 Grad zu ändern, und dies auf 28.800 km/h zu übertragen.

Das einzige was denkbar wäre, aber eine sehr gute Isolation erfordert, wäre zuerst das Aussetzen einer GTO Nutzlast, und nach einem Umlauf die einer planetaren Nutzlast, da diese auf einen Fluchtkurs gelangt und die Anfangsinklination der Bahn nur wenig an der Endgeschwindigkeit ändert. Direkt nach dem GTO Satelliten wäre es auch möglich, aber das würde erheblich mehr Triebstoff kosten, da die Oberstufe nach der ersten Zündung rasch an Höhe gewinnt und dabei immer langsamer wird.

Die Wiederzündung ist also für die Ariane 5 Missionen nicht notwendig. Warum wird es von der ESA immer wieder betont? Weil es etwas neues ist. Wird die Oberstufe extra deswegen entwickelt? Nein, es wird nur wegen der größeren Treibstoffzuladung ein leistungsfähigeres Triebwerk benötigt. Die Technologie des Expander Cycle wird vom Hersteller als kostengünstiger als das Nebenstromverfahren eingestuft und daher der Wechsel auf diese Technologie. Ein Nebeneffekt, der dem Funktionsprinzip zugrunde liegt ist, dass diese Technologie keinen Gasgenerator und Vorbrenner erfordert um die Turbopumpe zu starten. Diesen zu starten ist recht aufwendig, das einzige Triebwerk dass dies bei Wasserstoff/Sauerstoff jemals mehrmals konnte, das J-2 hatte dazu eigens einen Starttank mit gasförmigem Wasserstoff und zusätzliche Triebwerke eingebaut. Bei dem Expander Cycle treibt das durch die Kühlung der Brennkammer und Düse entstehende Wasserstoffgas die Turbine an. Daher reicht es zum Wiederzünden die Ventile des Wasserstofftanks zu öffnen, der Flüssige Wasserstoff fließt mit niedrigem Druck die Brennkammerwand, verdampft bildet dabei Gas und  das Gas treibt dann die Pumpe an, die den Förderdruck und die Fördermenge dann schnell erhöht. Deswegen wird dieses Verfahren auch "Bootstrap Cycle" bezeichnet.

Doch es ist nur ein Nebeneffekt der gewählten Technologie, es ist nicht ein Designfeature das notwendig für die Missionen wäre, die Ariane 5 durchführt. Ich glaube nicht mal dass die PR Abteilungen das wissen. Als ich bei der ESA nachfragte zu weiterem Material über die Ariane 5 hieß es, die Webseiten wären alles was sie hätten - das ist schon deswegen falsch, weil in früheren Ausgaben des ESA Bulletins mehr drin steht als auf den Webseiten. Hier gibt es einen echten Bruch in der Kommunikation.

Das hat Folgen. Wer mal die Wikipedia liest, der stellt fest dass vieles ergänzt wurde aufgrund irgendwelcher Pressemitteilungen und im wesentlichen eine Kurzzusammenfassung dessen wiedergegeben wird. Ich sehe hier ein echtes Problem. Meiner Meinung nach ist die Wikipedia die "Bildzeitung" des Wissens. Wenn Laien an einer Enzyklopädie schreiben, dann fallen oft komplizierte Sachverhalte unter den Tisch, manche Artikel lesen sich wie zusammengeschriebene Pressemitteilungen, andere wie Zusammenfassung von Interviews (vor allem bei Stars) oder wie eine Werbung für etwas. Daher reagiere ich auch ziemlich allergisch wenn Leute als Quelle für irgendwelche Behauptungen Wikipedia Links nehmen. Ich besuche sie oft, aber meist scrolle ich nach unten: Wo die Verweise auf die Originalquellen sind und gehe dann direkt zu diesen. Ich rate diese Vorgehensweise auch allen anderen an.

Freitag 27.11.2009: Ein Planetenerforschungsprogramm - Teil 1

Ich habe mich mal von Thomas inspirieren lassen und will hier mal meine Gedanken zu einem Planetenerforschungsprogramm unterbreiten. Wie man sich bei mir denken kann, natürlich ein unbemanntes Programm. In diesem Teil geht es um die Technik für die nähere Zukunft, in einem zweiten Teil dann um die Technologie die entwickelt werden sollte für zukünftige Missionen und in einem letzten um die Zeile die besucht werden.

Mein Stichwort heißt: Kostenersparnis durch sinnvolle Nutzung der Ressourcen und Synergieeffekte. Dies ist eigentlich nichts neues und so werden sicher meine Vorschläge auch einigen bekannt vorkommen:

Kostensenkung durch Serienbau

Innerhalb des inneren Sonnensystems sind die Anforderungen an eine Raumsonde recht ähnlich und im äußeren auch. So schlage ich vor einen standardisierten Sondenkörper für rund 100 kg Nutzlast zu entwickeln. Dieser könnte mit unterschiedlich großen Solarpanels ausgerüstet werden um die Stromversorgung zwischen Venus und dem Asteroidengürtel zu gewährleisten. Andere Anpassungen müssen an der Thermalkontrolle erfolgen (inneres Sonnensystem: Schutz vor der Sonne, weiter außen, wärmeabsorbierende schwarze Hüllen und aktive Heizung und der Kommunikation (Sendestärke, Größe der Parabolantenne). Insgesamt kann aber ein Grundkörper für viele Missionen eingesetzt werden.

Der Effekt: Reduzierung der Kosten durch Serienbauweise. Dazu trägt auch bei, dass ich Vorschläge wie früher Sonden zumindest zu den Planeten und Mond im Doppelpack zu starten, wenn es genügend Experimente gibt die man auf zwei Sonden verteilen kann auch für Missionen zu Planetoiden und Kometen.

Ein analoger Sondenkörper, nur wesentlich leichter sollte dann für die äußeren Planeten (ab Jupiter) und Missionen zu Kuiper Objekten entwickelt werden. Auch hier sind die Anforderungen gleich, ja die Thermalkontrolle und Stromversorgung ist hier sogar für alle Missionen identisch. Nur die Größe der Hochgewinnantenne wird variieren. Aufgrund der geringen Nutzlast von Trägerraketen sollte er auf rund 50 kg Instrumente ausgelegt werden. Die Stromversorgung sollte durch RTG erfolgen.

Ich denke auch Rover können standardisiert werden. Wenn die Stromversorgung durch RTG erfolgt (was schon beim Mars bei anspruchsvollen Experimenten notwendig ist) kann ein Rover mit einer (variablen) Landestufe praktisch auf mehreren Himmelskörpern eingesetzt werden - Mond, Mars, Titan oder einem Jupitermond.

Kostensenkung durch internationale Zusammenarbeit

Auch wenn es am Image kratzt: Muss jedes Land seine eigene Raumsonde entwickeln? Raumsonden sind schließlich nur Vehikel die Experimente zu ihrem Ziel befördern, die Daten speichern und zur Erde senden. Insbesondere die Nationen die ein kleineres Budget haben, dass sind heute eigentlich alle außer den USA sollten auf eine eigene Raumsonde verzichten und die Experimente mit einer US Sonde starten. Als Ausgleich sollten sie ihre Ressourcen einbringen: Bodenstationen oder ihre Trägerraketen. So ist die Sojus weitaus billiger als die Delta 2, die Proton billiger als die Atlas V. Auch chinesische Trägerraketen könnten eingesetzt werden, auch wenn sie bisher noch keine planetare Mission durchführten. Russland könnte das Plutonium für die RTG liefern.

So haben doch im Endeffekt alle was davon. Vor allem für Indien und China hätte dies auch den Vorteil eines geringeren Risikos und einer größeren Datenmenge. Ich würde nach den bisherigen Erfolgen russischer Sonden dazu fast auch Russland dazu zählen. Allerdings liegt hier die letzte Mission die wenigstens das Ziel erreichte rund 20 Jahre zurück, so dass ein vergleich mit früher nicht sehr sinnvoll ist.

Das Ziel

Das Ziel sollte es sein, alle Planeten und wichtige andere Ziele zu erforschen. Es sollte bei internationaler Zusammenarbeit der Start von 4-6 Raumsonden pro Jahr möglich sein. Deutlich mehr als heute, nachdem das Constallationprogramm ja deutliche Auswirkungen auf das US Planetenprogramm hat. Davon die Hälfte aus den USA und der Rest von Europa, Japan, Indien, China und Russland.

Ansonsten? Mein Raketenlexikon: Band 2: Internationale Trägerraketen ist nun auch bei Amazon lieferbar und wie ich bei dem Nachschauen der Umsätze gesehen habe, wurden auch schon 5 Exemplare bestellt. Es werden noch ein paar dazu kommen, denn ich habe dann auch gleich die Exemplare für meine Korrekturleser und für mich bestellt. Ich bin mal gespannt wie es sich verkauft. Ich halte es für ein sehr wichtiges, ja fast schon essentielles Buch. Ob sich das auch in den Umsätzen widerspiegelt.

Samstag 28.11.2009: Nachtrag SpaceX vs OSC

Ich habe mich nochmals mit der Auseinandersetzung Air Force / OSC / SpaceX beschäftigt und es scheint so zu sein, als läge es wohl von der Auslegung der entsprechenden Paragraphen ab. Zuerst einmal: Es gibt seit 1988 eine gesetzliche Bestimmung, dass die NASA auf kommerzielle Services zurückgreifen soll, wann immer es geht. Neu für mich war, dass dies auch für die Air Force gilt, da die Air Force auch nach 1988 sowohl die Entwicklung von Trägern mitfinanzierte wie auch Sonderrechte beanspruchte, die z.B. die kommerzielle Vermarktung beeinträchtigten. Dafür wurden Satelliten mit Trägern gestartet die eigentlich nicht dafür notwendig waren, z.b. auf der Titan wenn auch eine Atlas ausreichte. Daher nahm ich an dass die Vereinbarung nur die NASA betrifft und nicht die Air Force.

Der entscheidende Punkt:

"SpaceX claims Orbital’s contract award violates the Commercial Space Act of 1998, which among other things requires the U.S. government to buy launch services from U.S. commercial providers whenever possible. Exceptions can be made on a case-by-case basis provided the secretary of defense certifies to Congress that the requirements of the mission in question preclude the use of commercial services"

Also, eine Ausschreibung muss erfolgen, außer:

Das perfide ist nun die Argumentation von SpaceX:

"SpaceX argues that Orbital cannot be considered a commercial provider in the case of LADEE because it is using government-issued hardware."

OSC soll als keine kommerziell arbeitende Firma sein, zumindest nicht in dem Fall des LADEE, weil die Minotaur aus einer alten MX Rakete und wahlweise einem Star 37 oder Star 48 Oberstufenmotor besteht. Das ist starker Tobak. Es würde im Prinzip natürlich die gesamte Minotaur Serie betreffen, da diese in den ersten 3 Stufen immer ausgediente ICBM's einsetzt. Diese Argumentation würde praktisch der NASA und USAF verbieten, die ausgemusterten ICBM's nutzbringend als Trägerraketen einzusetzen.

SpaceX hat sich meiner Ansicht nach auf diese Argumentation zurückgezogen, weil wenn es eine Ausschreibung gegeben hätte sie verloren hätten: OSC hat mit der Minotaur V die einzige Trägerrakete die derzeit zu einem akzeptablen Preis die nur 330 kg schwere Sonde befördern kann. Danach gibt es eine große Lücke, bis dann schon die Delta 2 folgt.

Die Falcon 1e schafft es nicht. Mit den von SpaceX veröffentlichen Werten erreicht sie ohne jede Nutzlast nur 10569 m/s - rund 400 m/s zu wenig für eine LTO Bahn und 330 kg Nutzlast fehlen also. Daher will SpaceX sie mit einer kommerziellen Oberstufe ausstatten, doch billiger wird sie nicht werden. Das gleiche erfolgte ja bei der Minotaur V - eine MX Rakete mit einer kommerziellen Oberstufe. Natürlich wird egal, wie billig SpaceX produziert immer eine schon existierende MX billiger als eine zu fertigende Falcon 1e sein. Ich wage übrigens zu bezweifeln, dass dies geht, schließlich hat die Falcon 1e eine Maximalnutzlast von 900 kg in den LEO Orbit. In den LTO transportiert eine Rakete mit einer Feststoffoberstufe etwa 1/4 dieses Wertes. Ich komme mit den Star 37FM und 48 Antrieben auf jeden Fall nur auf eine Nutzlast die nicht ausreicht für LADEE.

Die Falcon 9 kann die Nutzlast zum Mond transportieren, kostet nach SpaceX Angaben aber 49,5 Millionen Dollar. Das ist ganz schön teuer für 330 kg zum Mond. Daher auch der Vorschlag sie als Sekundärnutzlast zu transportieren. Doch ob dies in dem gewünschten Startfenster geht und überhaupt möglich ist, bleibt ebenso offen. Bislang sind alle Nutzlasten der Falcon 9 die Dragon Kapsel, die ihre Nutzlast voll ausnutzen. Da gibt es also viele "Wenns".

Die Minotaur I, basierend auf der Minuteman kostet rund 11 Millionen Dollar, genauso viel wie die Falcon 1e. Da OSC nur zwei der vier Stufen fertigt ist dies möglich. Die Minotaur V, bei der nur eine Stufe zusätzlich gefertigt wird sollte daher in derselben Preisklasse liegen. SpaceX hätte also bei einer ordentlichen Ausschreibung wahrscheinlich verloren. Daher auch die Argumentation, OSC wäre in diesem Falle kein kommerzieller Anbieter, weil dann praktisch SpaceX der nächste Anbieter wäre - nur wahrscheinlich 2-4 mal so teuer wie OSC. 

Das ist schon eine perfide Vorgehensweise. Meiner Meinung nach lief es wohl anders: Die Minotaur erschien als einzige Rakete die eine solche Nutzlast zum Mond befördern kann. Daher wurde der Auftrag an OSC vergeben und gar keine Ausschreibung gemacht. Das mag aus Sicht von SpaceX falsch sein, aus meiner Sicht naheliegend und eine Ausschreibung bei der eigentlich unter objektiven Gesichtspunkten es nicht wirklich eine Konkurrenz zur OSC gibt wäre die Verschwendung von Steuergeldern gewesen. Bei einer Ausschreibung wäre eines natürlich interessant: Wer kann die Nutzlast transportieren? Muss die Regierung einen Auftrag auch vergeben, wenn der Träger noch nicht erprobt ist? Wenn ja welche Kriterien werden dann angewandt? Nur die Startkosten? Oder auch die Erfahrung der Firma oder die Zuverlässigkeit von Vorgängermodellen? )Minotaur I: 100 % Zuverlässig bei 8 Flügen, Falcon 1: 40 % Zuverlässig bei 5 Flügen). Hätte dann nicht Boeing mit der Delta 2 als verfügbarer Trägerrakete den Zuschlag bekommen müssen? Der Space.com Artikel dazu nennt auch andere Gründe: Es gibt nicht viele ausgemusterte MX Raketen. Sie stehen nur bis Mitte nächster Dekade zur Verfügung. Um die Kosten für das Bodensegment gering zu halten sollten sie also zeitnah gestartet werden.


Sitemap Kontakt Neues Impressum / Datenschutz Hier werben / Your advertisment here Buchshop Bücher vom Autor Top 99