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Web Log Teil 143: 14.12.2009-23.12.2009

Montag den 12.11.2009: Mit der Babylon Kanone ins All?

Ich knüpfe mal an Projekt Uranus von Kevin an (wäre "Projekt Van-Allen" nicht passender gewesen). Leider hat er es versäumt das ganze durchzurechnen. Eine Orbiter Simulation ist eben nicht dasselbe. Mich interessiert der Aspekt ob es auch für Satellitentransport nutzbar ist.

Zuerst einmal muss man die Daten einer existierenden Kanone besitzen. Gerald Bull hat die Babylon Baby Gun fast fertig gestellt. Je nach Quelle soll diese eine Reichweite von 643-750 km gehabt haben. Nun müssen wir noch die Anfangsgeschwindigkeit berechnen. Die Grundlagen für den schrägen Wurf findet man hier. Es dürfte aus der Logik klar sein, dass die höchste Reichweite bei einem Winkel von 45 Grad erreicht wird: Bei 90 Grad fliegt die Kugel senkrecht nach oben - maximale Höhe, Reichweite 0. Bei 0 Grad hat sie maximale horizontale Geschwindigkeit, schlägt aber direkt nach dem Abschluss im Boden auf, weil sie nicht an Höhe gewinnt. Bei 45 Grad sind beide Komponenten gleich groß.

Um auf die Geschwindigkeit zu kommen müssen wir die Formel für die Reichweite ansehen:

SX-Richtung = v0 · cos(α) · t

Nun gilt der Zusammenhang SY-Richtungmax = 0.5·t²·g · sin(α)

Daraus ist t zu errechnen. Bei der maximalen Reichweite ist die maximale Höhe gleich der Hälfte der Reichweite. Bei den oft angegebenen 750 km also 375 km. Daraus errechnet sich bei einem Winkel von 45 Grad eine Flugzeit von 328.8 s. Daraus kann man die Anfangsgeschwindigkeit v0 berechnen die einfach g·t ist: hier sind es 3225 m/s.

Die Formeln liefern nun aber nur eine Annäherung. Es gibt drei Effekte die man berücksichtigen muss.

Am bestimmendsten ist der erste Faktor. Wir können die einzelnen Teile nicht in Zahlen fassen, sollten uns vergegenwärtigen, dass die Rechnung nicht exakt ist.

Für eine Satellitenmission sollte man die Neigung so wählen, dass die Gipfelhöhe in der minimalen Höhe der Satellitenbahn liegen, wenn der Satellit einen eigenen Antrieb hat, möglichst erdnah um die horizontale Geschwindigkeit zu maximieren, denn so muss eine Rakete weniger Arbeit leisten. Wählen wir 200 km Gipfelhöhe so kann man nach s = 1/2 g · t² und v0= g·t eine v0 von 1981 m/s.

Nach vy = sin(α)·v0 kommt man dann auf einen Winkel a von 37,9 Grad. vy ist dann cos(a)·v0 = 2545 m/s. Das ist schon ein Drittel der Geschwindigkeit für einen Orbit. Platziert man die Kanone am Äquator do nimmt man noch 463 m/s Erdrotation mit. Für einen 200 km Orbit braucht man 7790 m/s. Beide Faktoren abgezogen muss nun die Rakete noch 4782 m/s aufwenden. Setzen wir 5000 m/s an um etwas Luft für eine elliptische Umlaufbahn zu haben, die nach einem halben Umlauf zirkularisiert wird. Nimmt man eine Feststoffstufe mit einem spezifischen Impuls von v0=2850 m/s und einem Voll/Leermasse Verhältnis von 7 (etwa doppelt so hoch wie heute bei kleinen Stufen möglich - muss auch beim Start einiges aushalten), so resultiert noch eine Nutzlast von 4,1 %. Bei zwei Stufen sind es 13,6 %. Das ist ein recht guter Wert. Mit zwei Stufen wären auch höhere Orbits, sonnensynchrone Bahnen oder sogar ein Fluchtkurs denkbar.

Wie groß wäre die Nutzlast? Das 1000 mm Rohr sollte 2000 kg befördern können, doch die Kanone von der wir reden hat nur 350 mm Durchmesser. Da das Gewicht in der dritten Wurzel abnimmt wären das dann noch 0,35³*2000 = 85 kg. Bei 13,6 % Nutzlast könnte so immerhin 11 kg in einen Orbit befördert werden. Die große 1000 mm Kanone sollte nach Wades Angaben 200 kg in den Orbit befördern - das entspräche 8,5 kg wenn man es auf 350 mm runter rechnet. So kommt man auf eine Nutzlast von 8,5-11 kg. Das ist nicht viel. Es würde aber für kleine technologische Experimente und Cubesats reichen.

Das wird nicht die Lösung für alle Probleme sein. Ich denke auch es macht keinen Sinn eine riesige Kanone zu bauen, das ist unwirtschaftlich, aber vielleicht eine in der Größe von Schiffgeschützen im zweiten Weltkrieg, also so 38-40 cm Durchmesser. Das wäre nochmals etwas größer und so käme man vielleicht auf rund 20 kg Nutzlast. Damit hätte man ein Instrument wie man technologische Experimente schnell, ohne auf einen Raketenstart in eine Erdumlaufbahn befördern kann. Elektronik hält die Beschleunigung aus, wie Michel van Van schon anmerkte. Das Problem ist die meist bei Experimenten benötigte Mechanik. Ein Teleskop wir wohl kaputtgehen. Doch es gibt auch genügend Elektroniken Teile die man so im Weltraumeinsatz erproben kann. Es wäre möglich z.B. Mikroprozessoren im All zu testen oder Relaissatelliten für Antarktistationen oder sendeschwache Wetterbojen damit ins All zu senden.

Dienstag 15.12.2009: Gemini war preiswert!

Gestern habe ich den Rechercheteil für die Auflage 2 des Gemini Buches abgeschlossen. Das ging recht schnell, da es zum einen es leichter ist an Infos heranzukommen und zum Zweiten das Buch sich mehr an die Allgemeinheit richtet, also das Anspruchsniveau nicht so hoch ist. Dabei bin ich auch über einige Zahlen für die Kosten gestolpert. Vielleicht zuerst einmal eine Gesamtbilanz:

Zuerst mal: 7,2 Milliarden sind in der bemannten Raumfahrt keine so große Zahl. Das Programm lief über 5 Haushaltsjahre, das heißt es kostete rund 1,4 Milliarden pro Haushaltsjahr, also weniger als der Unterhalt der ISS oder die Hälfte des jährlichen Shuttle Budgets.

Allerdings entfallen wie bei allen Raumfahrtprojekten der größte Teil auf die Entwicklungskosten: Die Produktionskosten waren in den sechzigern noch deutlich niedriger als heute, aber die entwicklungskosten recht hoch. Pro Flug fielen nur folgende Kosten an:

Für Kopplungsflüge kamen noch hinzu:

Für eine Mission mit Andocken würden so Kosten von 34,15 Millionen an, für einen reinen Gemini Flug 27,3 Millionen Dollar an. Mit dem Faktor 5,32 (übernommen von Augustine) kommt man auf Kosten im Wert von 2009 rund 145 Millionen Dollar für einen reinen Gemini Flug und 182 Millionen für einen Kopplungsflug.

Ich denke die NASA wäre froh heute ein Versorgungssystem zu haben, das zwei Astronauten zur ISS bringt. Also: Orion ade, Gemini johe? Nun ja es dürfte etwas problematisch werden einige Komponenten aufzutreiben. Ringkernspeicher für den Bordcomputer wird man wohl nur noch im Museum finden. Die Titanproduktion wieder aufzunehmen dürfte auch problematisch werden, aber es gibt ja noch die Taurus II oder zum Test des Rettungssystems auch die Falcon 9.

Es müssen auch nicht nur zwei Astronauten sein. McDonnells "Big G" Studie von 1969 sah eine verlängerte und auf 4 m Durchmesser vergrößerte Gemini Kapsel für 9 (später 12) Astronauten. Träger dafür wäre eine Titan 3M gewesen, also eine Atlas V oder Delta IV würde dafür ausreichen - und ein Flug würde ausreichen alle Astronauten der ISS auszutauschen. Schade das es dafür keine Kostenabschätzung gab.

Donnerstag 16.12.2009: "Serviervorschlag"

Heute mal wieder zur Abwechslung ein Thema aus dem Gebiet des Bereichs der Verbraucherberatung: Es geht um die Abbildungen von Lebensmitteln auf der Verpackung. Früher war die Welt noch ganz in Ordnung. Da stand auf der Verpackung dick der Name des Produktes oder des Herstellers. In Zeiten in denen der Verbraucher zwischen Zig gleichartigen Produkten wählen kann und auch immer mehr Fertigprodukte verkauft werden, die nur noch aufgewärmt oder gebacken werden, wurden dann Abbildungen des Produktes auf die Verpackung gedruckt.

Nun gilt aber auch für Verpackungen das gleiche wir für andere Angaben auf der Verpackung oder in der Werbung: Sie müssen wahr sein. Nur ist das nicht ganz so einfach wie bei schriftlichen Angaben. Schriftliche Angaben können einfach auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Sehr viel schwieriger ist das bei Bildern. Wenn sie einen Kuchen aus einer Backmischung nicht so feinporig und appetitlich hinbekommen wie auf der Verpackung - ist das ihre Schuld oder die des Produktes? Wenn ihre Pizza nicht so gleichmäßig goldbraun ist: Ist ihr Herd dran schuld oder die Pizza?

Nun man muss dem Hersteller zubilligen, dass Sie ein Optimalbild wiedergeben, also eine Zubereitung unter optimalen Umständen oder durch einen Profikoch. Was relativ leicht nachzuprüfen ist, sind Mengenangaben die auf der Abbildung zu sehen sind, vor allem von Wertgebenden Zutaten. Wenn also eine Fertigbackmischung viele Rosinen auf der Verpackung zeigt und in ihrem Kuchen fast keine zu finden sind, dann ist das eine gravierende Abweichung. Wenn eine Pizza selben Salamischeiben zeigt, auf ihrer aber nur drei sind, dann ist das ebenfalls eine gravierende Abweichung. Das kann dann bemängelt werden.

Es gibt aber auch Produkte, die alleine nach nichts aussehen und nur Bestandteil eines Gerichtes sind. Fleischsalat wird üblicherweise auf Brot gegessen, Rotkohl zu Knödeln etc. Damit auch hier ein Hersteller eine Abbildung machen kann, wurde eingeführt, dass er die Abbildung eines Gerichts bei dem diese Zutat verwendet wurde um das Wort "Serviervorschlag" ergänzt. Das war mal eine sinnvolle Regelung für diesen Einsatzzweck.

Doch das ist in den letzten Jahren schlimmer geworden. Der "Serviervorschlag" bedeutet nun nicht dass so das Gericht aussieht, sondern dass es so aussehen könnte, wenn der Verbraucher ein Gericht macht und vielleicht dieses und jenes noch dazukauft. Das wird ausgenutzt. Da gibt es Eintöpfe in denen schwimmt ein dickes Paar Würste - der Eintopf soll auch mit Wurst sein, nur findet sich in der ganzen Dose (die für mehrere Teller gut ist) viel weniger Wurst (meist 2-3 Miniwürstchen). Da man aber erwartet, dass man einen Eintopf einfach nur aufwärmen muss ist das ein Täuschung. Ganz klein steht dann in der Ecke noch "Serviervorschlag".

Warum geht das durch? Unser Lebensmittelrecht hat als Vorgabe den mündigen Verbraucher, die Vorgabe ist nichts besonderes, denn auch sonst setzt ja das Gesetz den mündigen Bürger voraus. Man kann es auch so sagen: "Mündig" ist jemand der nicht alles glaubt sondern sich informiert. In dem Falle muss er nur die Dose umdrehen und kann lesen wie viel Wurst enthalten ist und zwar aufs Gramm genau. Doch diese Regelung hat Grenzen. Die Grenzen werden durch immer weitergehende Kennzeichnungen gesetzt. Die Zahl der Dinge die als Warnhinweise, zur Information oder als gesetzliche Vorschrift angebracht werden muss hat rapide zugenommen. Ich denke, dass die Hersteller auch erkannt haben, dass man Käufer mit Informationen zuschütten kann. Neben dem Zutatenverzeichnis, das zur Information dient, findet sich immer mehr auf den Verpackungen - die umstrittenen GDA Angaben über Nährstoffe, Rezepte, Wissenswertes über das Produkt "xxx wird aus reiner Alpenmilch gewonnen..." oder den Hersteller usw. Die Taktik ist relativ einfach: Wenn man beim Einkauf daran gehen würde, bei jedem Artikel das Zutatenverzeichnis zu lesen und ihn mit anderen Artikeln die ähnlich oder gleich sind, vergleichen würde, dann bräuchte man Stunden um seinen Einkauf zu erledigen. Die Zeit hat niemand und deswegen wird ins Regal gegriffen und das genommen was gut auf der Verpackung aussieht und kompatibel mit dem persönlichen Vorstellungen vom Preis ist.

Ich meine ist ist wieder an der Zeit die Lebensmittelkennzeichnung zu überarbeiten. Sie sollte mehr standardisiert werden, zusammengefasst werden und an einer zentralen Stelle, gut sichtbar erscheinen. Tricks sollten weitgehend verboten werden. Die Sache mit dem Serviervorschlag z.B. nur auf Lebensmittel begrenzt, werden, bei denen die allgemeine Erwartung die ist, dass man weiß, das es nur eine Zutat eines ganzen Gerichtes ist, nicht aber auf Lebensmittel die mit wenig Aufwand (aufkochen, Wasser hinzugeben, backen) in ein fertiges Gericht zu verwandeln sind.

Dazu gehört auch, dass solche verwirrenden Industriekennzeichnungen wie GDA verschwinden und durch die normale Nährwertkennzeichnung (auf 100 g) ersetzt werden und vor allem, dass die Untersuchungsämter viel intensiver als bisher solche Verstöße ahnden. Bislang beschäftigen sie sich vor allem mit dem Inhalt - verständlich, schließlich hat man nicht 6 Jahre Chemie studiert um nachher Verpackungsangaben zu beurteilen. Doch das wäre machbar, wenn dort mehr Juristen wären und diese mit den Chemikern zusammenarbeiten. Die Chemiker haben den Sachverstand und können meistens recht schnell das Problem festnageln. Doch dann braucht man eben auch einen Juristen der sich besser mit dem Gesetz und vor allem schon ergangenen Urteilen in anderen Fällen auskennt als der Chemiker. Leider wird das aber wohl ein Wunschtraum bleiben....

Sonntag 20.12.2009: Raumfahrt à la Microsoft

Ich habe am Donnerstag meinen Geldbeutel verloren und mich besonders drüber aufgeregt, weil ich wegen einer neuen Karte für das Hallenbad für meine Verhältnisse viel Geld dabei hatte. Wie immer wenn ich mich über was ärgere habe ich mich daran gemacht zu beschäftigen und fand es ist doch eine gute Gelegenheit für das ATV Buch nach Infos zur Cygnus und Dragon zu suchen. Zur Cygnus fand ich einiges und das Konzept sieht gut aus: OSC verwendet Bauteile die sich auch woanders bewährt haben. So stammen einige Triebwerke und die Annäherungssteuerung aus Japan vom HTV. Das Frachtmodul fertigt Thales Alenia - wie auch das des ATV und MPLM. Solarzellen von Dutch Aerospace. Klar, schließlich hat OSC nur wenige Jahre Zeit ein Raumschiff zu entwickeln, dass an die ISS ankoppeln soll.

Über die Dragon gibt es obwohl seit ein paar Jahren länger entwickelt wird viel wenige Infos. Aber sie sind wie immer erquickend. Nur ein paar Zahlen aus der SpaceX Dragon Seite:

Nun was ist daran so toll? Nun fangen wir mal an das ganze auseinander zu nehmen. Die Kapsel ist nach den SpaceX Spezifikationen ein Kegel von 2,9 m Höhe bei einem Basidurchmesser von 3,1 m. Daraus kann man ein Volumen von 9,5 m³ berechnen. Die Volumenangabe ist also die des Innenvolumens nicht des Nettovolumens. In etwa das gleiche Volumen hat auch die Sojuskapsel in der die Kosmonauten starten und landen. Von den rund 9 m³ Innenvolumen der Sojus sind aber nur 4 m³ freies Wohnvolumen. Der Rest wird von der Ausrüstung eingenommen. Das ist die Regel bei bei Kapseln. Das bedeutet dass von den 9,5 m³ weniger übrig bleibt. Doch selbst bei 9,5 m³ gäbe es pro Besatzungsmitglied nur rund 1,3 m³ Volumen - weitaus beengter als in Apollo, der Sojus, ja sogar als in Gemini und Mercury, bei denen die Astronauten davon sprachen, sie würden die Kapsel "anziehen". Dort gab es immerhin 1,4 m³ freies Wohnvolumen (nicht Innenvolumen)

Sieben Astronauten in einer Kapsel die in allen Dimensionen rund 10 % kleiner als Apollo ist? Wohl kaum. Drei Stück wären wohl sinnvoll unterzubringen.

Weiterhin: Niemand bemerkt dass hier von Wohnvolumen gesprochen wird, aber Innenvolumen gemeint wird?

Doch nun kommen wir zum besten. Der wie bei SpaceX üblichen Vergrößerung der Nutzlast: Es sind nun 6.000 kg. Nach Wikipedia und dem dort angegebenen Datum vom 11.12.2007 waren es vor zwei Jahren noch 2.500 kg. Ist das nicht ein Wunderraumschiff? Bei 8.750 kg Gewicht transportiert es 6.000 kg Fracht. Andere Transporter können rund 30 % der Startmasse als Fracht transportieren. Die Dragon aber 70 % und das noch dazu in einer Wiedereintrittsfähigen Kapsel!

Wie können wir das erklären? Nun zum einen natürlich durch den Einsatz von fortschrittlichen Technologien wie Wurmlöchern, die die Kapsel vom Orbit an den Landepunkt befördern, damit kann die Struktur viel leichter sein oder den Einsatz von Antigravitation. Eine Antigravitation von 2.000 kg würde aus 2.000 kg Gewicht -2000 kg machen und so das Gewicht um 4.000 kg erniedrigen.

Es könnte aber auch andere Erklärungen geben. So könnte SpaceX z.B. einen Mitarbeiter einstellen, der nicht den Unterschied zwischen amerikanischen Pfund und metrischen Kilogramm kennt und einfach die Pfund Angaben in Kilogramm niederschreibt. Das würde auch die irrealen Angaben zur Falcon 9 teilweise erklären. Ich habe aber nachdem ich durch einen Kommentar auf die Idee gebracht wurde eine andere Theorie: Es ist die Anwendung von Marketingtechniken bei der Softwareentwicklung bei der Raumfahrt. Dazu gehört:

Nur das letzte klappt nicht. Während PC's alle 2 Jahre ihre Leistung verdoppeln, gab es bei Raketentriebwerken in den letzten 40 Jahren vielleicht eine Leistungssteigerung um 10 %. Daher wird SpaceX wohl auch in Zukunft einiges revidieren müssen.

Doch "Space-Evangelist" Elon Musk hat ja eine Schar kritikloser Jünger, die das SpaceX Konzept mit Wunschvorstellungen als technischen Angaben schon voll verinnerlicht haben: Das habe ich bei meinem Blog gesehen, wo dann die SpaceX-Gläubigen zur Beweisentkräftung schnell mal den (fürs Vakuum prognostizierten) spezifischen Impuls der zweiten Stufe genommen haben und die Brenndauer der ersten Stufe. Echt logisch. Macht auch wirklich Sinn... Ach ja und ein spezifischer Impuls von 340 für ein LOX/Kerosintriebwerk nach dem Nebenstromverfahren macht auch niemanden stutzig.... Klar, dafür müsste man ja wissen, das man für einen solchen Wert einen sehr hohen Brennkammerdruck braucht, bei einem Nebenstromtriebwerk die Menge des nicht nutzbaren Treibstoffs für die Erzeugung dieses Drucks aber exponentiell ansteigt, wodurch der spezifische Impuls wieder sinkt. Echt dumm, dass man um die Angaben von SpaceX zu überprüfen Grundkenntnisse in Raumfahrttechnik braucht. Wissen ist ja so echt hinderlich und mühsam zu erwerben.

Auch andere Angaben werden nicht überprüft. So, dass SpaceX gar nicht so preiswert ist wie angegeben. Die Falcon 1e kostet 11 Millionen $ und transportiert maximal 430 kg in einen SSO Orbit. (Das sind noch die alten Angaben, bevor SpaceX die Nutzlast senkte, leider habe ich da keine neuen Angaben für SSO). Eine Vega soll 14,6 Millionen Euro kosten (Angabe 2005) bei 1.500 kg in SSO. Sie wird also 1,9 mal billiger als die Falcon 1e sein. Selbst wenn der Startpreis wahrscheinlich erst mal teurer sein wird, ist sie noch billiger, sofern die Rakete nicht gleich 1,9 mal teurer wird als noch 2005 geplant.

Das gleiche gilt bei der Versorgung der ISS mit Fracht. Die SpaceXler rechnen ja immer pro Start. Es kommt aber auf die beförderte Nutzlast an und der Kontrakt hat für OSC und SpaceX hier die gleiche Frachtmenge: 20 t. OSC bekommt sie mit 8 Flügen zur ISS, SpaceX braucht eben 12. (Nutzlast dann übrigens nur noch 1.700 kg....) So richtig billig ist es auch nicht. Ein ATV Flug kostet 350 Millionen Euro, das sind 500 Millionen Dollar. Auf den ersten Blick teuer. Aber er transportiert auch 7.667 kg Fracht. Mit 3 ATV Flügen wären  21,5 t zur ISS gebracht und das zu Kosten von 1,5 Millionen Dollar - SpaceX und OSC sind da teurer. Und das ATV ist kein Transporter der auf "billig" getrimmt ist. Er kann autonom navigieren und ankoppeln, hat mehrfach redundante Annäherungs und Steuersysteme und kann ein Halbes Jahr im Orbit bleiben. Das HTV kann das alles nicht und erledigt den Job noch billiger (200 Millionen Dollar + Trägerrakete, zusammen wahrscheinlich so 350 Millionen Dollar für 5,5 t Fracht). Ich vergleiche bewusst nicht mit den Progress weil die unter anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen produziert werden.

Mein Lieblingsspruch der SpaceX Anhänger ist übrigens: "Wenn das was die bisher geleistet haben keinen Respekt verlangt....". Dann kommen irgendwelche Angaben über zukünftige Projekte. Auch hier: Gut auf die P&R reingefallen. Tatsächlich haben sie bislang 100 Millionen Dollar ausgegeben (Zahl leider auch ein paar Jahre alt) und 234 Millionen von der US-Regierung bekommen. Damit haben sie eine kleine Trägerrakete für eine Nutzlast von 400 kg entwickelt und diese fünf mal gestartet, davon zweimal mit Erfolg. Ich finde dafür braucht kann man nicht viel Respekt verlangen. Aber ich orientiere mich auch nicht an Versprechen, sondern dem was geleistet wurde,

Ich freue mich schon auf den Jungfernflug der Falcon 9 mit der Prototyp Dragon Kapsel - und die langen Gesichter manches Anhängers, wenn die Angaben wieder mal nach unten korrigiert werden....

Dienstag 22.12.2009: Warum Kopenhagen scheitern musste

Nun ist das Wehklagen groß, obwohl es eigentlich abzusehen war. Es gab keine Einigung in Kopenhagen. Warum auch. Es wäre doch eine echte Neuerung gewesen. Bei den letzten Klimakonferenzen gab es doch auch keine Einigung. Wenn Abkommen verabschiedet wurden, dann haben sie nicht alle ratifiziert oder die Ratifizierung scheiterte in den Parlamenten (USA). Vor allem - was ist mit den Zielen geworden. Wer einmal die Ergebnisse des Kyotoprotokolls (ganz nach unten scrollen) anschaut, wird feststellen, dass nur die Staaten ihre Emissionen vermindert haben, die vorher zum Ostblock gehörten und deren Wirtschaft nach 1990 einbrach bzw. jetzt neu aufgebaut ist nach dem Stand der Technik und nicht dem von vor 40 Jahren. Dazu gehört auch Deutschland: Denn der wert von 1990 schließt noch die DDR ein.

Das Grundübel ist jedoch ein anders: Menschen sind egoistisch und denken nicht an die Zukunft, zumindest nicht über Zeithorizonte von einigen Jahren hinaus. Das kann man überall sehen. Ob es bei der Wirtschaft so ist egal ob Bankenkrise oder Globalisierung oder bei Bauern in Südamerika , die den Wald abroden um mehr Land zu haben, auch wenn es in einigen Jahren unfruchtbar ist. Vor allem nimmt die Wertschätzung rasch ab, wenn man in der Kette von Menschen - Tieren - Pflanzen zur Umwelt allgemein hingeht. Die Umwelt ist etwas immaterielles etwas ubiquitäres. Man kann vielleicht die Leute noch aufrütteln wenn es um einige Tierarten geht wie den Eisbären und Tiger (auch noch wenn es um Dorsche, Marienkäfer und Schlangen geht?) aber sicher nicht mehr für die Umwelt alleine. Da können nur rationale Gründe angeführt werden, wie die wirtschaftlichen Kosten der Umweltveränderung. Doch rationale Gründe sollten auch verhindert, dass Regierungen Schulden machen, trotzdem tut dies seit den sechziger Jahren jede Bundesregierung und es werden immer mehr. Schon da klappt das System mit rationalem Nachdenken nicht (bei anderen Maßnahmen in letzter Zeit wie Abwrackprämie oder Wachstumsbeschleunigungsgesetz kann man noch größere Zweifel haben).

Das Hauptproblem ist aber die Weltbevölkerung. Die Kohlendioxidmenge müsste man nicht reduzieren, wenn die Weltbevölkerung sinken würde. Gemessen daran dass wir nur eine Art sind, haben wir uns enorm breit gemacht. Keine andere Säugetierart bewohnt sonst so viele Ökosysteme, hat eine so große Biomasse und hat ganze Kontinente in Lebensräume nur für sie umgewandelt. Davon profitieren etwa 100 Nutztiere und Pflanzen und der Rest der Arten muss sich auf immer kleiner werden Bezirken zurückziehen. Und das Problem ist humanitär nicht zu lösen. Am ehesten ginge es wohl noch mit Sterilisationen in den Ländern mit dem größten Bevölkerungszuwachs, verbunden mit finanziellen Prämien. Aber ich glaube nicht daran. Seit Menschen gibt wächst die Bevölkerung, und zwar immer schneller. Das diese exponentielle Wachstumsrate enorme Sprengkraft hat wird gerne vergessen, da der Mensch nur linear denken kann. Ein Beispiel eines exponentiellen Wachstums: Bakterien wachsen genauso. Nehmen wir an, wir haben ein Bakterium in eine Kulturschale gegeben und es Verdoppelt sich jede stunde. Nach 50 Stunden bedeckt der Bakterienrasen die halbe Schale. Wann ist es soweit dass die ganze Schale bedeckt ist? Nein nicht nach weiteren 50 Teilungen. Dazu reicht eine. Übertragen auf die Menschheit: In der fünften klasse, das war so vor 33 Jahren hatten wir mal das Thema im Unterricht. Damals betrug die Erdbevölkerung 3,5 Milliarden. Heute sind es 7. Das bedeutet dass in den letzten 33 Jahren die Erdbevölkerung um die gleiche Menge gewachsen ist wie seit Beginn des Homo Sapiens. Wie viele verträgt dieser Planet noch? Wäre es nicht besser wenn 2 oder 3 Milliarden komfortabel leben könnten als 7 Milliarden größtenteils in Armut?

Nur so ein Gedanke.

Ich möchte mich noch Bedanken zu den Rückmeldungen zu dem Blog wo ich nach der Herkunft meiner Blogleser gefragt habe. Ich befürchte nur, dass die Antworten aus der Ferne die in der Nähe verschreckt haben. Dabei hätte ich angeboten, dass der mir nächste Blogleser mal zu Kaffee und Kuchen vorbeikommen kann und ich ihm alle Raumfahrtfragen beantworte und wenn er ein Buch von mir hat es signiere. Vielleicht wird es mal was wert (zumindest gibt es bis jetzt nur zwei signierte Exemplare).

Mittwoch: 23.12.2009: Das Benennen von Raumfahrzeugen

Das ist ein Kapitel für sich. Vorbei sind ja die Zeiten wo selbst Raketenstufen eigene Namen erhielten wie "Atlas", "Centaur" oder auf europäischer Seite "Amethyste, "Coralie" oder "Astris". Heute gibt es entweder keinen Namen und es heißt dann eben "Stufe 1" oder eine technische Bezeichnung wie "Common Core Booster", wobei mir dann Akronyme wie H155 lieber sind weil sie einen Informationsgehalt haben. sie geben die Treibstoffart und Menge an.

Komplizierter wird es bei der Benennung von Raumfahrzeugen. Auch hier dominierten zuerst Seriennamen: Eine Satellitenserie mit einer gemeinsamen Aufgabe bekam einen Namen und wurde dann durchnummeriert: So haben die einzelnen Explorer Satelliten nur das Gemein, dass sie die Erde und ihre Umgebung erforschen und auch die Gemeinsamkeiten der Pioneers beschränken sich auf den Namen. Mehr Sinn machte es bei Kleinserien von Raumsonden wie den Surveyors, Lunar Orbitern und Rangern.

Dann folgte eine Zeitlang die Benennung nach der Mission wie "Mars Global Surveyor" oder "Extreme Ultraviolett Explorer". Das wurde dann gerne zu MGS und EUVE abgekürzt. Nach einem Zwischenspeil in den 70/achtziger setzt nun die NASA nun wieder mehr auf die Benennung nach Wissenschaftlern - Chandra, Compton, Spitzer, Fermi und Kepler heißen die letzten Observatorien. Oder es dürfen Schulklassen abstimmen so bei der Benennung der Node 3 (Tranquality) und des Marslabors (Curiosity).

Ich finde das gut, weil die Abkürzungen und Beschreibungen der Öffentlichkeit erst erklärt werden müssen und es macht sich auch besser in den Nachrichten. Nur denke ich sollte es weiter gehen. Die Raumfahrt hat bisher Namen vor allem aus dem Bereich der Astronomie und Physik genommen. Die allgemein bekannten sind nun verbraucht,. an die weniger bekannten wagt man sich nicht heran. Vielleicht wäre es mal an die Zeit auch andere Wissenschaften zu würdigen.

Vor allem denke ich sollten Pioniere der Raumfahrt selbst zum Zug kommen, vorzugsweise wenn es um Raumfahrt selbst geht wie z.B. die ISS und die Versorgung. Das zweite ATV wird "Kepler" heißen. Die Begründung ist wegen des Jahrs der Astronomie 2009 (obwohl er erst Ende 2010 startet) und des Jubiläums seines wichtigsten Buchs. Andererseits: Kepler heißt auch schon eine Sonde zur Suche nach extraterrestrischen Planeten und so hieß das Projekt eines Marssatelliten der ESA aus den achtziger Jahren. Bei den Vorschlägen war aber auch "Wernher von braun" - meiner Meinung nach ein viel besserer Name für einen Raumtransporter zur ISS, zumal von Braun immer eine Raumstation anstrebte und den Mond nur als Zwischenstation ansah. Es gäbe natürlich noch andere Raumfahrtpioniere - Oberth, Valier, Koroljow, Goddard. Die NASA ist ja mit dem James Webb Teleskope vorgeprescht. Es wäre an der Zeit die Pioniere zu ehren. Vielleicht überlegt es sich ja Russland noch und benennt die Angara in "Korlojow" um - setzt sie doch das Bündelraketenprinzip seiner R-7 um. Auch beim ATV gäbe es 2012 eine neue Gelegenheit, dann würde von Braun 100 Jahre alt werden. Schade nur, dass der übernächste ATV wahrscheinlich wieder einen französischen Namen bekommt - das ist eine stillschweigende Übereinkunft der beiden Hauptfinanziers des Raumfahrzeugs. Aber vielleicht machen die Franzosen ja mal eine Ausnahme....

Noch bis zum 31.12.2009 läuft die Suche nach den Orten wo meine Blogleser herkommen. Auch wer keinen Entfernungsrekord aufstellt sollte sich beteiligen, dann habe ich wenigstens mal einen Überblick wer den Blog regelmäßig liest. Wer am nächsten wohnt den lade ich auch gerne mal auf Kaffee und Kuchen ein.


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