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Web Log Teil 144: 24.12.2009-

Donnerstag den 24.12.2009: Happy Birthday Ariane!

Ariane 1 JungfernflugHeute, vor genau 30 Jahren startete die erste Ariane zu ihrem Jungfernflug. Zeit die Geschichte noch mal Revue passieren zu lassen.

Ariane entstand aus dem Entwurf L3S, einer preiswerten Version des Europa III Konzeptes, bei der die Oberstufe durch eine technisch einfacher umsetzbare Version umgesetzt wurde. Ariane 1 setzte nur technisch bewährtes ein. Sie war optimiert für GTO Missionen. Alles was dafür nicht benötigt wurde, entfiel. So war die Oberstufe nicht wiederzündbar. Wozu auch? das wird für GTO Missionen von Kourou aus nicht nötig. Dafür waren die Entwicklungskosten überschaubar und die Rakete recht preiswert in der der Herstellung.

Ariane 2+3 waren Erweiterungen der Ariane bei der Reserven ausgenutzt wurden und zwei Feststoffbooster die Nutzlast steigerten. Dabei zog auch die Sylda ein. Erstmals konnte damit eine Rakete zwei Satelliten transportieren, ohne dass diese spezielle für diese Rakete ausgelegt sein mussten (Mehrfachstarts gab es schon vorher, doch waren dann die Satelliten so speziell an die Rakete angepasst). Die Sylda umgab den unteren Satelliten wie mit einem Kokon und hatte einen Standardadapter auf dem Deckel. Ariane 2+3 transportierten erstmals sehr viele kommerzielle Nutzlasten.

Ariane 4 halte ich bis heute für ein geniales Konzept: Mit nur zwei Triebwerken wurden vier Stufen gebildet. Die Booster erlaubten es flexible die Rakete der Nutzlast anzupassen. Damit wurde die Nutzlast von 4.950 kg gesteigert: Obwohl die Technologie immer noch die gleiche der Ariane 1 war - die nur 1.850 kg Nutzlast transportieren konnte. Zusammen mit einer neuen Startrampe, die nun Startvorbereitung und Start räumlich trennte waren auch erheblich mehr Starts pro Jahr möglich. Damit kam der kommerzielle Durchbruch. Anders als die NASA zog sich auch die ESA komplett aus der Vermarktung der Träger zurück - das begann schon zur Zeit der Ariane 1. Die NASA tat dies erst viel später und die Trennung ist bis heute noch nicht vollständig. So lass ich erst kürzlich, dass die USAF die Vermarktung von Delta und Atlas erleichtern will, indem sie weniger Startfenster über Jahre hinaus vorher fest bucht und damit kommerzielle Starts zu diesem Zeitpunkt unmöglich macht. Die gesamte Entwicklung von Ariane 1-4 kostete die ESA rund 2 Milliarden Euro (in heutigem Wert)

Viermal so teuer sollte die Ariane 5 werden. Damit fängt der Teil der Geschichte an wo ich Kritik üben muss. Ariane 5 wurde entwickelt um zwei unterschiedliche Anforderungen zu bedienen - ein preiswerter Nachfolger für die Ariane 4 und eine sichere Trägerrakete für den Raumgleiter Hermes. Jeder der von Raumfahrt eine Ahnung hat, weiß dass sich diese beiden Forderungen beißen: Sicherheit ist meistens teuer. Weiterhin ist Hermes eine große LEO Nutzlast und der Ersatz für die Ariane 4 sollte in den GTO Orbit gehen. Der Kompromiss fing schon bei der Konzeption an. Eine optionale H10 Oberstufe (aus der die ESC-A entstehen sollte) wurde gestrichen und stattdessen eine kleine Stufe mit lagerfähigen Treibstoffen eingeführt, die optional bei GTO Missionen mitgeführt werden sollte - ziemlicher Blödsinn, wenn die H10 schon damals leistungsfähiger gewesen wäre und noch dazu preiswerter.

Doch Hermes wurde immer schwerer, die EPC musste verlängert werden (von 120 auf 155 t Treibstoff) und auch die Oberstufe wurde doppelt so groß. Damit waren praktisch die Anforderungen für den späteren Ausbau gelegt. Das Vulcain Triebwerk wurde nämlich trotz Vergrößerung der Zentralstufe und der Oberstufe nicht im Schub gesteigert, sodass keine Reserven für größere Oberstufen vorhanden waren. Klar war auch dass die Oberstufe dann durch die H10 ersetzt werden sollte. Vielleicht hätte man damals gleich die EPS streichen und zur ESC-A übergehen sollen.

Die Ariane 5 wurde aber nicht so preiswert wie erhofft, obwohl Hermes bald als Nutzlast entfiel und sie nicht "man rated" sein musste. Der Grund war, dass anders als Ariane 1 nun alles auf dem neuesten Stand der Technik sein sollte. Das Vulcain ist das leistungsfähigste Erststufentriebwerk mit Nebenstromverfahren. Die Feststoffbooster sind sicherer als die des Space Shuttles und trotzdem leichter. Auch das Aestus Triebwerk ist für ein druckbetriebenes Triebwerk extrem leistungsfähig. Doch Hochtechnologie senkt nicht immer den Preis.

So war eine der ersten Maßnahmen die Nutzlast zu steigern. Hier setzte die ESA schon frühzeitig an, aber sie war nicht konsequent genug. Ariane 5 ist nicht wie die Ariane 1 durch stärkere Booster erweiterbar. Die Nutzlast kann praktisch nur gesteigert werden indem die schwache Leistung des Vulcain 1 angehoben wird und die Oberstufe durch ein leistungsfähigeres Modell ersetzt wird. Da sie nur für LEO Nutzlasten ausgelegt war, ergibt sich der Tatbestand dass ein etwas besseres Hauptstufentriebwerk, eine leistungsfähige Oberstufe und leichtere Boostergehäuse die GTO Nutzlast verdoppeln können - obwohl die Rakete nur um rund 5 % schwerer wird. Die ESA hatte vor die Leistung des Vulcain 1 leicht zu steigern in der Hoffnung dies würde preiswert sein. Doch es machte eine weitgehend Neukonstruktion von großen Teilen des Triebwerk notwendig, so dass es sicher besser gewesen wäre gleich in das Segment von 1500-1700 kN zu gehen (das ist nun für ein Vulcain 3 vorgesehen). Die ESC-A Oberstufe war sinnvoll, die ESC-B ist es noch mehr.

Der Fehlstart beim Jungfernflug der ersten "Evolution" Variante machte aber neue Mittel notwendig. Diese kamen aus der ESC-B Entwicklung die eingefroren wurde. Der Fehler war es nun diese bei der nächsten Ministerratstagung 2005 als das Problem gelöst war, wieder aufzunehmen. Auch 2008 wurde diese Chance vertan. Das gefährdet aber die Marktchancen von Ariane und sie macht es teuer, denn die Fixkosten laufen ja weiter. Schlimmer noch: Im gleichen Zeitraum (2005-2009) gab die ESA 960 Millionen Euro für die Subvention der Ariane 5 Produktion aus (die ESC-B Entwicklung sollte 700 Millionen Euro im Wert von 2002 betragen). Gebessert hat es sich nicht. Ich entnehme folgendes einer Nachricht:

"Antonio Fabrizi, ESA’s launcher director, said Dec. 18 that the agency signed a 157-million-euro contract with Astrium Space Transportation of Les Mureaux, France, for what is called the Ariane 5 Midlife Evolution program. The contract covers two years of work by Astrium, motor-builder Snecma and the other Ariane 5 contractors to conduct reviews of the proposed new upper stage. "

Das ist leider ein Symptom, wie es derzeit schief läuft: Nach meiner Meinung sollte für 157 Millionen Euro mehr herauskommen als "conduct Reviews". Für mich unverständlich ist in diesem Zusammenhang auch, dass die ESA 2/3 der Kosten des Sojus Launchpads übernimmt. Da an dieser nur Arianespace und die Russen verdienen, sollten auch diese die Gesamtinvestitionen tragen. In den letzten Jahren gab es mehr dieser die Meldungen, die zeigen, dass der Konsens über die Trägerentwicklung fehlt.

Dazu gehört auch die Vega. Die Vega entsteht ja ohne Deutschland. Man kann nun argumentieren. Eine weitere Rakete wird nicht benötigt und dies ist sicher so. Wenn aber die Vega entwickelt wird, so wäre es sicher für Deutschland besser gewesen mit im Boot zu sein. Die Vega ist eine technisch moderne Trägerrakete. Ob sie preiswert sein wird, wird sich noch zeigen. Nach den derzeitigen Planungen wird sie billiger als jeder US-Träger sein, sie wird allerdings nie die Kosten russischer Träger erreichen - wie denn auch, denn selbst wenn man das unterschiedliche Lohnniveau ignoriert, so basieren Dnepr und Rockot auf ausgedienten ICBMs, mit keinerlei Produktionskosten.

Letztes Jahr vergab die DLR eine Studie an EADS - Suche nach einer alternativen, deutschen Oberstufe für die Vega. Nachdem die DLR vorher nicht beteiligt war, entdeckte die DLR nun dass plötzlich die ESA ihre Satelliten mit der Vega starten möchte und nicht mit der Rockot (an der Astrium LV zu 51 % beteiligt ist) und plötzlich wurde die Vega interessant. Doch heraus kam, dass weder Aestus basierende noch Vinci basierende Oberstufe die Nutzlast steigern werden. Das ist nicht verwunderlich, wenn man die Leistungsdaten der EPS und das hohe Leergewicht der ESC-B kennt. Beides schlägt dann viel mehr auf die Nutzlast durch als die etwas geringeren Leistungsdaten der Feststoffoberstufen.

Ich persönlich hätte gerne einen Jungfernflug der Vega am 24.12.2009 zum dreißigsten gesehen. Denn anders als andere sehe ich eine technisch moderne Feststoffrakete, mit leichten Gehäusen, hohen spezifischen Impulsen und einer angepassten Oberstufe mit flüssigen Treibstoffen, um bei höheren Umlaufbahnen die Nutzlast nicht stark absinken zu lassen - das ist ein gutes Konzept und wenn damit nur europäische Satelliten gestartet werden sollten - auch gut. Was ähnliches tun doch die kleineren US-Träger auch nur. In den letzten Jahren gab es da doch einige: Cryosat 1+2, GOCE, SMOS... Nun werden die Sentinel Serie folgen da hat Vega über einige Jahre gut zu tun. Um die wenigen Satelliten zu konkurrieren die es in diesem Segment kommerziell zu starten gibt lohnt sich nicht.

Was ich mir wünsche sowohl von der ESA, wie der deutschen Regierung zum dreißigsten Geburtstag:

Wie wäre es denn liebe Kanzlerin mit einem "Arianeentwicklungsbeschleunigungsgesetz" - so viel wie Hoteliers sollte uns die 8 Milliarden Euro Rakete doch wert sein oder?

Allen Bloglesern wünsche ich ein Frohes Fest. Damit dies nicht unterbrochen wird von unnötigem Surfen im Internet an dieser Stelle der Hinweis, dass es in diesem Blog erst am 27.12.2.009 weitergeht. Dann erfahrt ihr, dass der Transport mit dem COTS Programm teuer ist als mit dem ATV und HTV.

Sonntag 27.12.2009: ISS Versorgung: Es ginge zuverlässig und preiswert: Die ISS Versorgung

Eines der Ergebnisse der Griffin Administration war nicht nur die Außerdienststellung der Space Shuttles, sondern auch, dass die NASA "vergaß" sich zeitnah um Ersatz zu kümmern. Während der Beschluss für die Ausmusterung schon im Jahre 2004 fiel, wurden erste Aufträge für Experimentalvehikel erst 2006 vergeben und Transportaufträge erst 2008. Dabei war eigentlich klar, dass nach dem Ausmustern der Space Shuttles eine Lücke klafft: ESA, Russland und JAXA müssen nur soviel zur Versorgung der Station leisten wie vertraglich vereinbart. Die Hauptmenge müssen die USA transportieren.

Nun gibt es zwar die Versorgungsflüge zur ISS von OSC und SpaceX. Aber sie kommen recht spät und reichen nicht aus. Es gibt zwischen 2011 und 2014 eine Transportlücke in jedem Jahr. Sie beträgt zwischen 3 und 12 t nach Arianespace Angaben.

Nun gab es auch andere COTS Bewerber. Nicht nur neue Raumfahrtfirmen, sondern auch die etablierten Boeing und Lockheed-Martin. Boeing wollte das ATV mit der Delta IV starten und Lockheed Martin das HTV und ATV.

Meine Meinung nach wäre das eine sinnvolle Alternative gewesen:

Es ist auch preiswerter. Das zeigt folgende Tabelle mit den Kosten pro Flug und Kilogramm Fracht. Bei den Flügen von OSC und SpaceX habe ich zwei Einträge. Der eine basiert auf den vertraglichen Anforderungen (20 t Nutzlast für 8 bzw. 12 Flüge) und der zweite mit der Maximalnutzlast. Genauso beim ATV: Einmal mit der Normnutzlast für die Ariane und einmal mit der Maximalnutzlast für die Delta IV Heavy (berechnet aus der Nutzlast der Delta IV Heavy und der Angegebenen Maximalnutzlasten für Treibstoff und Fracht. Bei SpaceX wurden Kosten von Kapsel und Trägerrakete durch Differenzberechnung aus den veröffentlichten Falcon 9 Startkosten berechnet.

Nutzlast Kosten Vehikel Kosten Start Kosten Gesamt Kosten pro Kilogramm Fracht
Space Shuttle 9.100 kg - 600 Mill $ 600 Mill $ 65.900 $
Delta IV Heavy + ATV 7.667 kg 317 Mill $ 254 Mill $ 571 Mill $ 74.500 $
Delta IV Heavy + ATV (max) 9.500 kg 317 Mill. $ 254 Mill. $ 571 Mill $ 60.200 $
Atlas V 531 + HTV 6.000 kg 200 Mill $ 189 389 Mill $ 64.800 $
Atlas V 551 + ATV 7.400 kg 317 Mill $ 190 Mill $ 507 Mill $ 55.000 $
Falcon 9 + Dragon (Normnutzlast) 1.700 kg 44 Mill $ 89 Mill $ 133 Mill $ 78.300 $
Falcon 9 + Dragon (Maximalnutzlast) 2.500 kg 50 Mill $ 89 Mill $ 139 Mill $ 55.600 $
Taurus II + Cygnus (Normnutzlast) .2500 kg     238 Mill $ 95.000 $
Taurus II + Cygnus (Maximalnutzlast) 2.700 kg     238 Mill $ 88.200 $
Ariane 5 + ATV 7.667 kg 317 Mill. $ 189 Mill $ 506 Mill $ 66.000 $
H-IB + HTV 6.000 kg 200 Mill $ 150 Mill $ 350 Mill $ 58.300 $

Die Tabelle weist einiges interessante aus. Zum einen sind sowohl ATV wie HTV in allen Kombinationen preiswerter als die Cygnus Kapsel von OSC und die Dragon ist auch nur preiswerter, wenn sie mit Maximalnutzlast fliegt - was zumindest in dem abgeschlossenen Kontrakt nicht vorgesehen ist.

Es gäbe wahrscheinlich noch weitere Möglichkeiten der Kostensenkung. Die Fertigungskosten von ATV und HTV sind die von den Exemplaren die fliegen, also einem Flug pro Jahr bzw. beim ATV alle 1-2 Jahre. Es wären aber dann etwa drei Starts pro Jahr nötig. Das würde die Fertigung verbilligen. Darüber hinaus haben Lockheed und Boeing die Möglichkeit Teile wie Solarzellen und Triebwerke durch amerikanische Hersteller zu ersetzen und so ebenfalls die Kosten zu senken während JAXA und ESA natürlich darauf achten die Aufträge innerhalb des Landes / Kontinents zu vergeben.

Vor allem: Beide Transporter sind Flugerprobt. Bis sie 2010 benötigt werden, werden ATV und HTV jeweils zwei Missionen absolviert haben. Das sollte bei einem so kritischen Punkt wie die Versorgung der ISs wohl Vorrang haben.

Natürlich gibt es noch den Punkt, dass es keine US Gefährte sind. Aber das stört beim Transport der Astronauten mit der Sojus ja auch nicht und auch die Cygnus ist weitgehend aus Bauteilen aus aller Welt zusammengestellt: Annäherungssystem vom HTV/Mitsubishi, Frachtkontainer vom MPLM/Thales-Alenia, Solarzellen von Dutch Aerospace, Triebwerke vom HTV/Mitsubishi. Übrig bleibt noch die Elektronik des Busses. Die stammt tatsächlich von OSC. Wichtig scheint nur zu sein, dass der Auftragnehmer US Unternehmer ist - daher hatte der Vorschlag von Arianespace mit ATV Flügen die Versorgungsflüge zu schließen (siehe Link) auch keine Chance. Ariane 5/ATV liegt übrigens bei 66.000 $/kg. (Vor allem wegen dem hohen Eurokurs).

So stellt sich für mich die Frage, warum bei der Vergabe der Transportkontrakte Lockheed Martin und Boeing leer ausgehen. Sicher gibt es die politische Vorgabe Konkurrenz zu fördern. Aber auch die Versorgung der ISS muss sichergestellt sein. So wäre meiner Meinung nach ein weiterer Kontrakt an eine der beiden großen Firmen wichtig gewesen um diese zu gewährleisten - um die fehlende Fracht aufzubringen und vor allem in den ersten beiden Jahren, wenn OSC und SpaceX noch ihre Vehikel erproben die Versorgung zu sichern.

Es gibt übrigens noch für alle Vehikel die autonom navigieren können (ATV, Progress) noch eine weitere Möglichkeit: Sie wurde von der US-Firma CSI ausgearbeitet. Sie hat es für die Progress vorgesehen: Eine Progress dockt von der ISS ab, an einen Behälter mit zwei Kopplungsadaptern an und befördert diesen dann aktiv zur ISS. Dies hat mehrere Vorteile: Der Behälter enthält keine Antriebssysteme, keine Elektronik und keine Druckbehälter. Er kann so viel preiswerter und billiger produziert werden als ein vollwertiger Raumtransporter. Weiterhin ist der Nutzlastanteil dadurch erheblich höher. Er liegt bei diesem bei rund 53 %, verglichen mit rund 30 % bei den meisten anderen Transportern.

Dieses Konzept löst das "Problem der letzten Meile". Es ist kein Problem Nutzlast in einen Orbit mit den gleichen Bahnparametern wie die ISS zu befördern. Doch ein Raumtransporter der dann sicher an die ISS andockt ist recht teuer. Hier ein kleines Rechenbeispiel:

Die Gesamtfrachtmenge beträgt dann:

Bei einem Ariane 5 Start in Höhe von 189 Millionen Dollar pro Flug sind dies:

zusammen 1673 Mill. $, das sind dann 49.000 $/kg. Ein umgebauter ATV mit mehr Treibstofftanks und ohne Fracht im Druckmodul würde fünf Transfers ermöglichen. Dann würden die Frachtkosten auf 47.000 $ senken. Wenn weniger Treibstoff benötigt wird, sinken auch die Transportkosten, da mehr Transfers möglich sind.

Montag 28.12.2009: Sternstunden der Deutschen

An Weihnachten habe ich die letzte Folge der gleichnamigen Reihe auf Phoenix gesehen. Ich weiß das ist etwas spät, aber das Original ging an mir vorbei weil es immer Dienstags abends kam, wenn ich beim Schwimmen bin. Gewonnen hat die Erfindung des Buchdrucks. Platz 2+3 mit fast gleichen Punktzahlen war die Wiedervereinigung und der Mauerfall und ziemlich abgeschlagen war der Besuch von Kennedy.

Das drei der vier Ereignisse in den letzten 50 Jahren stattfanden ist kein Zufall: Der "Zeitzeugen Effekt" ist dabei wesentlich: Dinge die man selbst miterlebt hat, werden höher bewertet, so nach Goethes Motto "Ihr könnt sagen ihr seid dabei gewesen". Trotzdem gefällt mir der Gewinner nicht. Es ist nicht eine Sternstunde der Deutschen, es ist eine weltbewegende Erfindung. Keine unwichtige, das kann ich als Buchautor sagen, aber eben die eines Einzelnen und nicht das Ergebnis eines Kollektivs. Natürlich kann ein Einzelner etwas auslösen, aber es muss sich eine Volksbewegung entwickeln, damit es meiner Meinung nach eine Sternstunde der Deutschen sein kann. Meiner Meinung nach können es auch nur Ereignisse sein, bei denen das Volk in irgendeiner Form aktiv beteiligt ist. Nicht irgendein Ereignis das ein Herrscher auslöst oder das man passiv erlebt wie z.B. die WM  1954,1974 und 1990. (Sorry Fußballfans, aber ich stehe auf aktive Sportarten, nicht aufs Zugucken).

Ich habe mal nachgedacht, was für mich Sternstunden der Deutschen sind - die Reihenfolge ist keine Wertung:

Es wurde aber auch ein Freiheitsgedanken geimpft, der Trotz Wiederherstellung der Monarchie nicht vollständig ausgerottet werden wurde. Es kam in der Folge zum ersten Mal zu Protesten (Vormärz: Wartburgfest und Hambacher Fest) und schließlich zur

Doch es folgten noch 70 Jahre Monarchie auch wenn in diesen die Gründung des zweiten deutschen Reiches liegt, folgt für mich die dritte Sternstunde erst

Das sind meine Favoriten für die "Sternstunden der Deutschen". Was sind eure Favoriten? Und weshalb?

Dienstag 29.12.2009: Vorschau aufs Raumfahrtjahr 2010

Zum Jahreswechsel ist es Mode zurück zu blicken und nach vorne. Das Zurückblicken überlasse ich andere. Ich konzentriere mich auf das nach Vorne-Blicken. Was wird uns das Raumfahrtjahr 2010 bringen? Hier eine Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Planetare Erforschung

Das seit Anfang des neuen Jahrtausends zunehmend weniger Raumfahrtmissionen bei den USA genehmigt werden wirkt sich nach und nach aus. Das nächste Jahr wird eines ohne einen Start von den USA sein. Auch Europa plant keine Missionen für 2010. Die einzige Mission die ich für 2010 kenne ist "Planet C", nun "Akastuki" benannt von Japan. Es ist ein Orbiter mit Kameras empfindlich im nahen Infrarot und sichtbaren Licht. Das verspricht eindrucksvolle Bilder, besser als die wenigen die die EA von Venus Express veröffentlicht.

2011 wird dann einige Starts mehr sehen: Phobos Grunt, das MSL alias "Curiosity", Juno und LADEE stehen 2011 auf der Startliste.

Trägerraketen

Hier gibt es 2011 definitiv mehr zu berichten. Eine Reihe von Trägern wird 2010 ihren Jungfernflug absolvieren. Die Vega und Sojus von Kourou aus (die Sojus ist natürlich schon eingeführt, aber der Start von Kourou aus ist eine Premiere). In den USA steht der Jungfernflug der Minotaur IV, Falcon 1e und Falcon 9 an. Der zweite Start der Naro 1 ist ebenfalls angesetzt für das nächste Jahr. Die Angara wird wohl nicht vor 2011 starten. Verspätungen könnte es auch bei den anderen Typen geben. Schließlich waren der Erststart der Falcon 9 schon für letzten Juli und die der Minotaur IV für September vorgesehen.

Bemannte Raumfahrt

Hier sind sicherlich die größten Ereignisse zu erwarten. Zwei Ereignisse sind vorhersehbar: Die Fertigstellung der ISS und zeitgleich die Außerdienststellung der Space Shuttles. Viel interessanter wird die im Frühjahr erwartete Entscheidung von Obama über das "Constellation" Programm. Das es zu einer Entscheidung kommen würde überrascht mich nicht, und das anders als bei den meisten anderen Beobachtern nicht erst seit es die Augustine Kommission gibt. Warum? Weil der Ansatz als die ersten Planungen 2005 liefen, dass dieses Programm nur durch Einsparungen finanziert werden sollte: Einsparungen beim Wissenschaftsprogramm, Einsparungen durch das Ausmustern der Space Shuttles und Einsparungen durch Versenken der ISS 2016 (besonders sinnvoll: 12 Jahre Bauzeit und nach 6 Jahren Betrieb wird sie aufgegeben).

Wer mal das NASA Budget zu Apollozeiten angesehen hat weiß, dass ein Mondforschungsprogramm so nicht zu finanzieren ist, auch wenn Apollo teurer war weil es in kurzer Zeit von Null begann und vieles erst entwickelt werden muss, während Constellation auf schon existierendem aufbauen kann.

Wie es mit Constellation weitergeht ist eigentlich egal, Hauptsache es leidet nicht noch mehr das Forschungsprogramm der NASA. Vor allem sollte aber das laufende ISS Programm - und deren sichere Versorgung Vorrang vor einem neuen Programm haben.

Forschungssatelliten

Aus Europas Sicht war 2009 ein sehr ereignisreiches Jahr: GOCE, SMOS, Herschel und Planck wurden gestartet. Nächstes Jahr steht nur der Start vor Cryosat 2 an. Das einzige ESA Projekt das 2010 für den Start vorgesehen ist, ist der zweite ATV, doch das ist keine Forschungssonde. Die NASA wird nächstes Jahr die Sonnensonde Solar Dynamics Observatory, den Wettersatelliten GEOS-P, die Satelliten zur Umweltbeobachtung Aquarious und Glory starten.


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