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Web Log Teil 145 : 30.12.2009 - 6.1.2010

Mittwoch den 30.12.2009: Wen interessiert die ISS?

Diese Frage stelle ich mir und ich meine sie nicht nur rhetorisch. Derzeit arbeite ich ein bisschen (aber nicht besonders intensiv) an der zweiten Auflage des ATV Buchs. Eine wesentliche Änderung ist das es nicht nur fehlerkorrigiert ist (Rechtschreib- und Grammatikfehler) sondern wie beim Gemini Buch die zweite Auflage genutzt habe um das Buch zu erweitern. Beim ATV wird es kaum Erweiterungen geben, aber es gibt eine Beschreibung von Cygnus, Dragon und Orion und das Kapitel über die Ariane 5 entfällt. Stattdessen ist nun eines über die ISS drin.

Dafür habe ich nun die NASA Infos zur ISS abgegrast und schon beim Durchstöbern der NASA Website zur ISS drängte sich mir die obige Frage auf. Was mich interessiert und vielleicht auch den einen oder anderen unvoreingenommenen Besucher der Seite ist: Wie ist die ISS aufgebaut? Was sind die einzelnen Module? Welche Funktion haben sie? Was wird dort gemacht?

Um diese Fragen zu beantworten, muss man auf der Seite schon suchen, denn oberflächlich dreht sich alles um die Personen auf der ISS, im NASA Jargon "Expedition XX". Das bezieht sich nicht nur auf die Webseiten. Als Buchautor suche ich meistens nach Presskits, Fact Sheets oder ähnlichem. Aber auch da sieht es sehr mau aus. Das gilt sogar für echte US Kernmodule für die ISS. Die Daten über das US Labormodul Destiny, also das US-amerikanische Herzstück der Station gehen auf zwei Buchseiten. Sieht man sich das Presskit der Space Shuttle Mission die es transportierte an, so stellt man fest, dass die Biographien der Astronauten, ja selbst die Reihenfolge der Mahlzeiten der NASA wichtiger ist als ihr Labormodul, denn darüber steht mehr drin.

Natürlich gibt es Ausnahmen. So hat die ESA eine ausführliche Website über ihre Experimente an Bord von Columbus - allerdings beschränkt sich die Information über dieses Labor auch auf wenige Fakten. Auch hier das gleiche Problem.

Die Frage ist: Was passiert, wenn nun keine Space Shuttle Flüge mehr zur ISS stattfinden, nichts mehr aufgebaut wird. Sicher gibt es noch die Flüge mit der Sojus, doch ich wette in Amerika wird man dann nichts mehr von der ISS wahrnehmen. Schon heute wird sie nur erwähnt wenn ein Shuttle zu ihr fliegt. Dann dürfte auch schon jetzt feststehen, was passiert wenn 2016 die derzeitigen Verträge über die ISS auslaufen und auch die gesicherte NASA Finanzierung. Ich glaube dann wird die ISS versenkt werden, egal ob es dann noch ein Constellation Programm gibt. Es gibt einen Unterschied zwischen unbemannten Programmen die nach der Primärmission fortgeführt werden und der ISS:

Es wäre auch nichts neues: Als Skylab 4 beendet war, hatte die Station noch Vorräte für eine weitere Mission. Ein zweites, baugleiches Exemplar stand am Boden bereit. Es gab auch noch die Saturn Trägerraketen um es zu starten und anzufliegen, genauso wie Apollo Servicemodule. Die NASA entschloss sich gegen beide Optionen um Geld zu sparen.

Donnerstag den 31.12.2009: Neujahrsvorsätze

Zu Neujahr ist es üblich sich einen guten Vorsatz zu nehmen. Vielleicht weil ein neues Jahr anfängt. Genauso gut hätte man sich etwas zu Weihnachten oder zum Geburtstag vornehmen können. Ich habe mich lange Zeit nicht darum gekümmert. Doch seit einigen Jahren habe ich mir jeweils etwas vorgenommen und es auch immer durchgehalten. 2008, dass ich nur noch Treppen laufe - ich hatte zu der Zeit mein Büro im dritten Stock - aber mit doppelt hohen Wänden, so dass unser Gebäude jeweils noch ein Zwischenstockwerk hatte. Real war es also im fünften Stock eines normalhohen Gebäudes.

Letztes Jahr habe ich neben einem privaten Vorsatz mit vorgenommen die Strecke von Esslingen zur Hochschule zu Fuß zu laufen. Das sind etwas mehr als 2 km, wobei ich trotzdem nicht mehr Zeit brauchte als mit dem Bus. Beide habe ich durchgehalten, auch wenn ich das Laufen nur während eines halben Jahrs absolvieren musste.

Für dieses Jahr habe ich mir mehrere Dinge vorgenommen. Zum einen will ich dieses Jahr fünf Bücher fertigstellen, also eines mehr als letztes Jahr. Das sollte mir gelingen, weil zwei davon die Neuauflagen des Gemini und ATV Buches sind und für das dritte ich schon die Fakten gesammelt habe (Band 2 über europäische Trägerraketen). Auf den Erststart der Vega muss ich nicht warten, der ist auf November verschoben worden. Die beiden neuen werden dann wieder das Thema bemannte Raumfahrt aufgreifen. Ich dachte an Skylab und/oder Mercury. Aber ein Buch zum Ausmustern des Space Shuttles wäre auch denkbar, doch da schrecke ich wegen des Arbeitsaufwandes zurück.

Privat habe ich mir vorgenommen alle zwei Wochen einen Obst/Gemüsetag einzulegen um mein Gewicht zu halten. Auch für den Blog habe ich mir etwas vorgenommen: Ich habe ja schon öfters versucht mal andere Themen als Raumfahrt aufzugreifen. Die Publikumsbeteiligung war leider immer etwas mau. Doch das soll mich nicht davon abhalten im nächsten Jahr die Hälfte aller Blogeinträge mit Nicht-Raumfahrtthemen zu bestreiten.

Ich fange an mit einem ganzen Monat ohne Raumfahrt. Also liebe Raumfahrtfans: Ihr braucht den Blog nicht bis zum 1.ten Februar besuchen. Soviel von mir: Welche Neujahrsvorsätze hast Du mein geneigter Leser?

Freitag den 1.1.2010: Rückschau auf das letzte Jahrzehnt

Nun hat es also angefangen, das zweite Jahrzehnt des dritten Jahrtausends. Gestern kam im Radio wie man das letzte Jahrzehnt wohl bezeichnen soll. Die befragten Germanisten waren sich nicht einig "die nuller Jahre" und "das erste Jahrzehnt des 21.sten Jahrhunderts" waren die Antworten. Ich habe mich gefragt was in dem letzten Jahrzehnt so aufregend war. Ich bin auf recht wenig gekommen. Es fing an mit dem "Y2K Bug" - kann sich noch jemand an die Hysterie um alte COBOL Programme erinnern, die Zahlen im BCD Format speicherten und dabei zwei Ziffern einsparten? Wer erinnert sich noch daran, dass es schon 8 Jahre her ist dass die D-Mark dem Euro gewichen ist?

Also herausragend war sicher der Anschlag auf das WTC und der daraus entstehende Krieg in Afghanistan und vor allem dem Irak. Er zeigte vor allem wie dümmlich die Politik darauf reagiert. Seitdem gibt es eine Reihe von Gesetzen die Anschläge verhindern sollten: Angefangen von dem Abgeben jeder Flüssigkeit vor dem Flug bis hin zur Totalüberwachung der Internetdaten jedes Bundesbürgers. Mal abgesehen davon, dass dies immer mehr in Richtung Überwachungsstaat geht und vor allem wohl der Schallplatten- und Filmindustrie nützt und nicht der Terrorismusbekämpfung zeigt das wie hilflos die Politik ist, denn so werden sicherlich keine Terroristen aufgespürt werden.

Es gibt zwei Dinge die mich dran stören: Das eine ist das die Ursache nicht bekämpft wird. Man wird sicher nichts gegen die Irren machen können, aber den Zulauf austrocknen. Der Zulauf kommt durch eine Politik die nicht nur in arabischen Ländern als eine neue Art des Imperialismus angesehen wird. Hauptursache ist sicher die Politik der USA gegenüber Israel aber auch wie allgemein mal dieses und jenes Land unterstützt wird wenn die Regierung einem passt und dann mal wieder nicht. Vor allem zeigt es die inzwischen so gang und gäbe gewordene Politik des Aktionismus. Denn die Gesetze die es seitdem gibt sind weder sinnvoll, noch sind sie verhältnismäßig.

Wie ich das meine? Nun es gab im letzten Jahrzehnt weltweit rund 4000 Tote durch Terrorismus, davon zwei Drittel beim WTC. Bedroht sind rund 300 Millionen Amerikaner, 450 Millionen Europäer und dazu noch einige asiatische Länder und Australien. Zusammen vielleicht 1 Milliarde Menschen. Das Risiko jedes einzelnen durch einen Terroranschlag getötet zu werden beträgt also rund 1:2.500.000 pro Jahr. Im Jahre 2008 starben in Deutschland (82 Millionen Einwohner) 4447 Personen im Straßenverkehr, das ist ein Risiko von 1:18.300 also rund 100 mal größer. Trotzdem kommt keiner auf die Idee für den Straßenverkehr Maßnahmen einzuführen die die Freiheit des einzelnen so weit einschränken wie beim Flugverkehr und bei der Totalüberwachung des Internets. Wenn man das überträgt - die Begrenzung der Flüssigkeitsmenge (egal ob Limonade oder Sprengstoff) soll ja Anschläge präventiv verhüten indem die Menge nicht ausreicht das Flugzeug zu gefährden und die Totalüberwachung soll neben Zig Millionen Unschuldiger auch einige wenige Terroristen aufspüren - würde man beim Straßenverkehr wohl folgendes machen:

Überzogen? Genauso wie die Anti-Terrorgesetze. Trotzdem wette ich, dass nach dem vereitelten Anschlag neue Gesetze kommen werden. Ganz einfach deswegen weil sich die Regierung damit profilieren kann anstatt Terrorismus als das zu sehen was er ist: ein neues Altagsrisiko, das es eben vorher nicht gab. Dafür nehmen andere Alltagsrisiken ab. Als ich nachschaute wie hoch die Zahl der Verkehrstoten war, stellte ich fest dass es 1970 noch über 19000 waren - viermal so viele und das bei weniger Einwohner (nur Westdeutschland) und weniger Autos.

Das ganze sieht man auch auf anderen Gebieten, so die Hysterie wegen der Schweinegrippe und die Bevorratung von Impfdosen für ein Viertel der Bevölkerung - und dies obwohl an der weitaus weniger Personen gestorben sind als an der normalen Grippe: Die wirklichen Probleme: Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit, Sicherung des Rentensystems werden nicht angegangen.

Doch was hat sich in Deutschland in den letzten 10 Jahren getan? erstaunlich wenig und das über Regierungen hinweg. Das ist das traurige. Und es sieht auch nicht so aus als würde sich was ändern. Auch die Terrorismusgesetze sind da symptomatisch dafür: Anstatt ein Problem einzugehen wird aktionistisch gehandelt. Zuletzt werden ja Wahlen mit Rekordergebnissen gewonnen, wenn man bei einer Wirtschaftskrise die Automobilindustrie subventioniert und Steuergeschenke verspricht.  Passend dazu ein Lied, das vielleicht synonym zu dem letzten Jahrzehnt steht:

Samstag den 2.1.2010: Klimaerwärmung - offene Fragen

Nun ging ja kürzlich die Kopenhagen Konferenz zu Ende, bei der über Abkommen, Reduktionen und Zahlen gefeilscht wurde - das alles suggeriert als sei alles bekannt, als wüsste man genau was man tun müsste um die Klimaveränderung aufzuhalten. doch ich denke dem ist nicht so. Hier ein paar offene Fragen und eine die nur in den USA als offen gilt:

Erwärmt Kohlendioxid die Erde?

Nun die Frage ist auf den ersten Blick berechtigt, Macht doch Kohlkendioxid nur 0,3 % der Atmosphäre aus. Doch es ist unzweifelhaft. Dazu muss ich nicht mal Klimatologie sein: Alle organischen oder gasförmigen Verbindungen mit mehr als 2 Atomen absorbieren Infrarotstrahlen um Schwingungen der Bindungen anzuregen. Das bekommt man im Chemiestudium vermittelt und es ist Basis der Infrarotspektroskopie, mit der man die Struktur und Zusammensetzung von organischen Substanzen aufklären kann. Die Methode wird seit Jahrzehnten eingesetzt.

Kohlendioxid ist übrigens dabei echt ineffizient. Die C=O Doppelbindung ist recht stark und damit schwingt sie kaum. Viel stärker ist der Effekt bei C-H Einfachbindungen wobei bei Kohlenwasserstoffen noch hinzukommt, das jede Bindung Energie aufnehmen kann. Die Zahl der Freiheitsgrade und damit die Zahl der Stellen am Spektrum wo ein Molekül Energie aufnehmen kann nimmt dabei rapide zu. So gelten deswegen auch Methan und Lachgas (CH4) und N2O) als viel stärkere Faktoren die den Temperaturanstieg forcieren. Von diesen Gasen unterscheidet sich Kohlendioxid allerdings in einem: Der viel längeren Verweilzeit in der Atmosphäre. Während Methan einige Jahre lang in der Atmosphäre verbleibt und dabei oxidiert wird, sind es bei Kohlendioxid viel längere Zeiträume.

Es reicht aber auch ein Blick auf unsere Nachbarplaneten: Mars hat eine Kohlendioxidatmosphäre. Allerdings ist der Partialdruck so gering, dass sie den Planeten kaum erwärmt. Bei der Venus ist die Kohlendioxidatmosphäre viel dicker - und die Erwärmung mit rund 450 Grad viel größer. Dabei erreicht nur 3 % des Lichtes die Oberfläche. Wäre es so viel wie bei der Erde (rund 36 %), so wäre der Effekt viel größer.

Die nächste Frage ist:

Kann man vorhersagen um wie viel sich die Erde erwärmen wird?

Und hier habe ich meine Zweifel. Das erste ist: Was haben wir an Mechanismen zur Verfügung um das Klima vorherzusagen. Da sieht es eher mau aus. Wir können die Atmosphäre aus Bohrkernen bis zu etwa einer Zeit vor 100.000 Jahren rekonstruieren. Darüber hinaus gibt es zwar irgendwelche Gaseinschlüsse in Bernstein, aber eben keine kompletten Klimadaten. Es ist also relativ schwer von der Vergangenheit auf das heutige Klima zu schließen, zumal es außer der Erdatmosphäre noch andere Einflussfaktoren gibt, die ja auch gerne als Begründung wie die Erderwärmung angeführt werden. So die wechselnde Sonnenaktivität, geologische wie die Neigung der Erdachse, Exzentrizität der Erdbahn. Geologische Aktivität wie Vulkanausbrüche und die Verteilung der Kontinente.

Was mir zu denken gibt ist das der Wechsel zwischen Eiszeit und Warmzeit recht schnell ging. In einem Zeitraum von 1000, manchmal nur 100 Jahren sprang das Klima abrupt um einige Grad. Die Polkappen vereisten oder wurden komplett eisfrei. In Mitteleuropa wechselte das Klima von Tundra wie heute in Sibirien oder Nordeuropa bis zu subtropisch wie heute in Nordafrika.

Auf der einen Seite haben wir also recht wenige Daten über dass frühere Klima und viele Fragen sind offen. Das betrifft auch das heutige Klima. Es kommt zu komplexen Wechselwirkungen. Hier nur ein paar Beispiele:

Auf der anderen Seite ist die Art wie wir die Klimaerwärmung bestimmen verbesserungswürdig. Im wesentlichen basieren die Klimamodelle Wettermodelle. Sie werden über einen längeren Zeitpunkt berechnen und vereinfachen, weil z.B. das tägliche Wetter nicht so entscheidend ist. Dafür muss aber auch die Maschenweite gesenkt werden. Verschiedene Modelle treffen unterschiedliche Vorhersagen und in den letzten Jahrzehnten gab es Verbesserungen weil immer mehr Faktoren in die Modelle einbezogen wurden. Doch sind alle Faktoren einbezogen worden? Wurde nicht zu viel vereinfacht? Wenn man sich vergegenwärtigt um wie viel besser die Langzeitprognosen dadurch geworden sind indem man einfach die Maschenweite kleiner machte, so sollte man daran denken, dass Kliimamodelle noch wegen des viel längeren Zeitraums heute viel gröber durchgerechnet werden und der Prognosefehler größer ist.

Was ist zu tun?

Nun eines dürfte feststehen: Die Erde wird wärmer werden. Wenn das die US-Regierung lange Zeit geleugnet hat weil ihr politisch in den Kram passt (und wie ich in Diskussionen festgestellt habe auch die US Amerikaner das gerne übernommen haben). Es ist meiner Ansicht nach aber nicht sicher um wie viel, oder um wie viel man die Emissionen begrenzen muss, damit der Anstieg gestoppt wird und wie er wohl regional verlaufen wird. Ich hoffe nur es gibt nicht den Umkippeffekt den es bei dem Übergang Eiszeiten-Warmzeiten und umgekehrt gab.

Montag 4.1.2009: So-Called "Comedians"

An Weihnachten kam der Film "7 Zwerge, der Wald ist nicht genug". Da spielen ja einige "Comedians" mit. Ich mag den Begriff nicht, werde ihn aber trotzdem verwenden, denn Komiker ist um einiges besser und vielseitiger. Es gibt meiner Meinung nach zu viele davon im Fernsehen. Bisher tobten sie sich vorwiegend auf den Privaten aus, doch nun wechseln sie auch zu den öffentlich rechtlichen.

Was ist das Problem?

Nun es ist völlig okay, das jemand versucht ein Programm mit einem Charakter zu machen. Das kann von mehr oder weniger intelligenten Wortspielen reichen (Piet Glocke, Rüdiger Hoffmann) bis zu einem komplett anderen Charakter (Atze Schröder). Das Problem: So was ist eine Zeitlang lustig, dann hat man davon genug. So 15 Minuten "kann man, muss man aber nicht" und Schluss ist es mit lustig, alles ist vorhersehbar.

Wer wirklich lange Erfolg hat, weiß das und geht mit einem Programm auf Tournee, dass dann 1-2 Jahre lang gespielt wird und eben in der Zeit nur einmal im Fernsehen kommt. Man möge sich ein Beispiel an Otto oder Michael Mittermaier nehmen- die sieht man höchstens alle zwei Jahre mit einem neuen Programm. Die "So called" Comedians tauchen dafür wöchentlich auf - und dafür reicht ihr Vermögen nicht. Es ist schon eine echte Arbeit ein Programm über eine bis eineinhalb Stunden zu machen. Ich habe das bei der vorgestrigen Wiederholung von Otto gesehen. Natürlich ist Otto schwer mit den Leichtgewichten zu vergleichen: Er ist vielseitig: Kann Singen, macht Sketsche, Wortspiele, bindet das Publikum ein. doch auch er hat Dinge gebracht die ich schon vor 20 Jahren gesehen habe, wie das Lied mit Politikern oder "Hänsel und Gretel". Aber selbst er kommt nicht jedes Jahr mit einem neuen Programm heraus. Man möge sich nun überlegen wie weit das Vermögen von jemanden geht, dessen einzige Komik in Grimassen und einem undeutlichen hessischen Gebrabbel besteht.

Wenn es dafür nicht reicht dann gibt es Sketche. SAT-1 füllt damit den ganzen Freitag Abend. Klar, Sketche sind gespielte Witze, aber auch davon gibt es nicht unendlich viele. So sind diese ganzen Sendungen "Zack - Comedy nach Maß", "Die Comedy WG" oder "Sechserpack" auch nicht wirklich lustig.

Am schlimmsten, wirklich allerschlimmsten sind aber Leute bei denen das komplette Programm darin besteht sich über andere Lustig zu machen. Schadenfreude ist ein wichtiges Element von Comedy und jeder guter Film lebt zu einem bestimmten Teil davon. Aber wenn alle Witze nur auf das Element hinauslaufen dann ist das nicht lustig sondern zeigt nur einen miesen Charakter. Ich denke hier im besonderen an Mario Barth, der sich offensichtlich nur über Frauen lustig machen kann und Oliver Pocher der sich meint über jeden lustig machen zu können. Was den Mediamarkt geritten hat Maro Barth als Werbefigur zu nehmen verstehe ich nicht. Offensichtlich will diese Kette keine Frauen als Kunden gewinnen. Saturn macht es da mit Alice Cooper um einiges besser. Media Markt hätte Humor bewiesen, wenn sie Rüdiger Hoffmann engagiert hätten "Einen neuen LCD Fernseher kann man kaufen .... muss man aber nicht".

Warum gibt es so viel von diesen Comedians? Es ist so einfach und simpel. Es ist das gleiche Grundprinzip das überall das Fernsehprogramm immer flacher macht: Gewinnmaximierung. Wenn man Sendungen billig produzieren kann und die Leute schauen sie trotzdem an, dann ist der Gewinn größer als bei einem anspruchsvolleren Programm. Und was braucht man bei einem Comedian? Den Comedian selbst, ein paar Kameras, dann hat es sich. Es ist der gleiche Grund warum Bild eine so größere Auflage als die FAZ hat. Es gibt nur einen Unterschied: Für Bild und FAZ muss man was zahlen. Für fernsehen nur pauschal (GEZ) oder gar nicht (Private).Daher wird sich an dem Phänomen nichts ändern.

Nun soll man nicht immer meckern und ich habe auch eine Reihe die ich gerne anschaue: "Pastewka". Bastian Pastewka spielt sich dabei selbst (oder zumindest einen jemanden gleichen Namens der von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt). Es ist nicht nur lustig. Es ist auch eine Reihe von Folgen die aufeinander aufbauen und es kommt nicht dauernd: 12 Folgen jedes Jahr. Am Freitag kommt die nächste auf SAT-1.

Es gibt auch genügend Material ein gutes Programm zu gestalten. Zum einen kann man sich über das miese Programm selbst lustig machen. Das tun Switch Reloaded und Kalkofe seit Jahren. Dann kann man sich auch noch über den täglichen Wahnsinn der Politik lustig zu machen: Das tut Extra 3 ebenfalls seit Jahrzehnten. Es kommt jeden Freitag um 22:46 auf NDR3.

Dienstag 5.1.2009: Unwörter

Es wird ja immer das "Unwort des Jahres". Das letzte Jahr waren es die "notleidenden Banken". Ich will mich mal nicht an der suche dessen beteiligen, aber besonders viele gibt es in der Politik. Immer dann wenn etwas komisch klingt, dann ist es meistens auch etwas faules.

Nehmen wir mal die "Abwrackprämie", pardon, es soll ja "Umweltprämie" heißen. Beides trifft es nicht. Warum soll ich eine Prämie bekommen wenn ich etwas für die Umwelt tue? Oder wenn ich etwas abwracke? Da sollte man ja schon mal hellwach werden. Ich hätte eigentlich mal vor, das wirklich wörtlichen nehmen sollen: Umweltprämie. Ich bilde mir ein, etwas ökologischer als der Rest der Bevölkerung zu leben. Ich habe kein Auto, lege alle kurzen Strecken zu Fuß oder per Rad zurück, längere per Bahn. Mein letzter Flug war mit 10. Das ist in Deutschland schon außergewöhnlich. Also sollte ich eigentlich doch auch eine Umweltprämie bekommen. Warum prämiert werden soll, wenn man eine Umweltbelastung durch eine neue ersetzt - darauf können nur Politiker kommen.

Noch besser ist "Wachstumsbeschleunigungsgesetz". Ist das nicht eine tolle Welt in der die Politiker leben? Die Wirtschaft kriselt. Die Arbeitslosenzahlen sinken und was machen die Politiker. Sie beschließen ein Gesetz, wie viele andere. Nur anstatt irgend eine Gebührenordnung oder eine Satzung, verdonnern sie einfach die Wirtschaft schneller zu wachsen! Ja so geht das. Also, das kann doch nur der Anfang sein. Wie wäre es als nächstes mit dem "Arbeitslosigkeitsabschaffungsgesetz", dem "Schuldenrückganggesetz", dem "Geburtenzuwachsgesetz". einfach mal festlegen dass jede Frau 3 Kinder bekommen muss und schon läuft es!

Dann gibt es ja noch so viele nette Altlasten, wie "Mehrwertsteuer". Da wird also der Mehrwert besteuert. Welchen Mehrwert? Muss ich nur Steuer bei hochwertigen Sachen zahlen oder Designerstücken? Oder nur bei 10 er Packungen, bei denen man umsonst eine Flasche dazu bekommt (den Mehrwert)?

Besonders lustig fand ich immer die Wortverrenkungen in kommunistischen Systemen. Weil dort nicht alles so heißen dürfte, wie es war oder für Dinge die im Westen normal sind, neue Tatbestände als Strafe eingeführt werden mussten gab es da einige Wortungetüme.

So lernte ich 1987 das Wort "Rowdytum" als Tatbestand kennen. Wer nun an Demonstranten denkt, die sich mit der Polizei kloppen liegt falsch. Das war die Landung von Matthias Rust auf dem Kreml. So was wird als "Rowdytum" bezeichnet.

In der DDR gab es dann noch den Tatbestand der "Republikflucht". Also wenn man diesem Land den Rücken kehren will, ist das strafbar. In der BRD ist es nicht mal strafbar wenn man aus einem Gefängnis ausbricht! In der DDR gab es auch noch Paragraphen gegen "Menschenhandel" (damit wurde Fluchthilfe bestraft) und gegen "ungesetzliche Verbindungsaufnahme" (Kontakt zu Personen aus dem Westen).

Wichtig in der DDR war auch, dass es für alles ein Wort gab das mit "ismus" endete und dass man der BRD unterstellen konnte: Faschismus, Kapitalismus, Monopolismus, Revisionismus, Revanchismus....

Vor allem aber die Umbenennung von Dingen, wie "antifaschistischer Schutzwall" (hat seine Funktion voll erfüllt: Noch heute gibt es in den Bundesländern im Osten mehr Nazis als im Westen, er hat uns also wirksam vor den Nazis beschützt) oder Weihnachtsendfigur (mit Flügel: Engel, ohne Flügel: Nikolaus).

Meine Blogleser dürfen sich nun überlegen, was die DDR unter "konterrevolutionären Unruhen" und "konterrevolutionärer Aufruhr" verstand. Ein Tipp: Das Zitat stammt von 1989.

Ein eigenes Kapitel ist das Militär, das erstaunliche Bezeichnungen zur Verharmlosung einführen kann. Wie die vom Golfkrieg bekannte "chirurgische Kriegsführung" - das eigentlich etwas positives - Chirurgen heilen schließlich Kranke - mit Krieg verbindet oder die Benennung von Waffen, damit sich niemand darunter vorstellen kann was es ist, wie die "Neutronenbombe" - Eine Kernwaffe die alle Lebewesen tötet, aber die gesamte Infrastruktur intakt lässt. Man denke in diesem Zusammenhang auch an die Probleme der letzten beide Bundesregierungen den Krieg in Afghanistan auch als Krieg zu bezeichnen.

Was ist für Dich, Lieber Leser ein Unwort? Und was ist ein Kandidat für das Unwort des Jahrs 2009?

Mittwoch 6.1.2009: "It's good enought"

Statistik 12/2009Dieser Spruch findet sich häufig bei Besprechungen von Netbooks. Diese arbeiten mit einem Atom Prozessor, niedrig getaktet, mit nur einem Kern, ohne viele Optimierungsmöglichkeiten die sonst ein x86 Prozessor hat. Er ist damit nur so schnell wie ein PC vor 5 Jahren. Trotzdem reicht er den Anwendern - zum Surven reicht es aus. Dann gab es ein Editional in der ct' wo über die Hardware Entwicklung der letzten 20 Jahre resümiert wurde und mal ausrechnete wie viele 20 MByte Festplatten man braucht um den Inhalt einer DVD abzuspeichern.

Dazu kann ich nun auf einen Monat Erfahrung mit Windows 7 zurückblicken - bei mir kam es nach XP. Das alles bestätigt mich in meiner Theorie, das jede Computerentwicklung irgendwann ein Stadium der Vollendung erreicht ab der es nur noch graduelle Verbesserungen gibt. Wie ich das meine? Nun nehmen wir einfach einmal die Art wie Computer in den letzten 30 Jahren benutzt wurden.

Schon vor 30 Jahren gab es die ersten Textverarbeitungsprogramme. Damit konnte man schon viel machen, aber es dauerte etwa 10 Jahre bis aus einem Programm, das nicht einmal in den Hauptspeicher passte, von Diskette lief und mit kryptischen Kürzeln bedient wurde, eines wurde das man mit der Maus bedienen konnte, mit Rechteschreibprüfung und Darstellung des Textes ähnlich wie gedruckt (im Grafikmodus der damaligen Bildschirme). Danach haben sich diese Textmodus basierten Programme kaum noch weiter entwickelt. Etwas ähnliches kann man bei den Programmentwicklung feststellen. Auf Editor/Compiler/Debugger kam die erste IDE mit Turbo Pascal. Sie wurde immer benutzerfreundlicher. Doch seit TP 6.0 von 1991 hat sich nicht mehr viel getan. Wer die Free Pascal IDE sich anschaut, wird nicht mehr viel Neues entdecken verglichen mit der letzten Turbo Pascal Version von 1992.

Auch bei Windows 7 kann ich nicht viel neues sehen. Der eine oder andere mag den Look schöner finden und ein paar Sachen sind wirklich gut gemacht, aber es ist eine evolutionäre Weiterentwicklung verglichen mit Windows XP, das vor 9 Jahren erschient. Vergleicht man dagegen den Sprung von Windows 3.0 auf Windows XP, das wiederum weitere 9 Jahre in der Vergangenheit liegt, dann wird dies deutlich.

Ich kann auch nicht den großen Usability Sprung von WinWord 2.0 und OpenOffice 3.0 sehen, obwohl hier 17 Jahre dazwischen liegen. Jeder Anwendungszweck erreicht irgendwann einmal eine Ebene der Vervollkommnung. Warum benötigen wir dann immer bessere Computer? Weil sich die Anwendungsprofile ändern. Heute werden Videos angeschaut, das hat vor 10 Jahren niemand gemacht. Auch im Internet hat sich einiges geändert statische Seiten aus HTML und Bildern wurden abgelöst von Webanwendungen auf Basis von Ajax und PHP.

Das bedeutet, dass es immer noch mehr Rechenleistung benötigt wird - neue Bedienkonzepte wie Touchscreens, Handschriftenerkennung und vielleicht die irgendwann einmal wirklich einsatzfähige Spracherkennung werden mehr Rechenleistung fordern. Videospiele sind auch noch ein Stückchen von der Realität entfernt und dürften sicher noch eine Weil brauchen bis sie diese erreicht haben. Aber: Es gibt für jede Anwendung eine Grenze. Blickt man über den PC Tellerrand so gibt es durchaus noch Einsatzgebiete für heute längst ausgemusterte Technologie. 8 Bit Mikrocontroller wie die 68HCXX Serie oder Intels 8251 Serie werden in Milliardenstückzahlen produziert und wandern in Waschmaschinen, Mikrowellenherde oder andere Anwendungen mit geringen Anforderungen. Selbst für Echtzeitsteuerung in Autos reichen oft Mikrocontroller der 16 Bit Generation von ARM und Infineon. Überhaupt: Überall da wo keine grafische Benutzeroberfläche notwendig ist, ist die benötigte Rechenleistung oft gering. Kleines Rechenbeispiel: Ein typischer 16 Mikrocontroller schafft bei 20-32 MHZ Takt rund 2-3 Millionen Befehle pro Sekunde. Wenn er mit der Überwachung eines Otto-Motors betraut ist und rund 200 mal pro Sekunde eine Zündung überwacht (entspricht 12000 U/min) kann er bei jedem dieser Programmteile rund 10.0000 Befehle ausführen - das ist eine ganze Menge und da kann man auch wirklich viel berechnen.

Selbst wenn die Datenmenge sehr hoch ist gibt es Lösungen: Wenn sie auf ihrem PC mal eine Blue Ray oder ein HD-Video Anschauen, achten sie auf die Prozessorauslastung. seit der OTR HD Videos (in 1280 x 720) anbietet, kann ich das Prüfen. Bei mir geht die Prozessorauslastung beim Abspielen bei einem Kern von 4 auf 30-40 % und beim zweiten von 2 auf 10-20 %. Also zusammen rund 50 % eines Kerns mit 2.6 GHz Takt (Athlon 5050). Übrigens klappte s nur mit dem Windows Mediaplayer, der VLC verschluckt sich schon an dem Format :-(.

Sie können aber auch für 100-200 Euro einen HD fähigen Festplattenspieler kaufen und der packt sogar 1920 x 1080. Wie das ? Ein kompletter PC für 100-200 Euro? Natürlich nicht. Die Spezialaufgabe Dekodieren von Videos kann parallelisiert und in Hardware gegossen werden. Das sind spezielle Chips mit Hardwaredecodern. Es ist sogar möglich für ein exotisches Problem die Hardware zu designen. Sogenannte Field Programmable Arrays erlauben es die Logik durch ein Programm festzulegen und zu ändern. Es gibt Leute die emulieren damit z.B. längst ausgestorbene Heimcomputer - komplett samt Custom IC's, RAM und ROM. Wenn man es häufiger braucht lohnt es sich ein Custom IC herzustellen. Auch das ist in Kleinserien heute möglich, auch wenn dabei nicht die neueste Technologie zum Einsatz kommt.

In der Summe ist zwar die PC Leistung in den letzten Jahrzehnten absolut vielleicht um einen Faktor 100.000 gestiegen - Zumindest bei RAM und Festplattengrößen ist dies so, bei Prozessoren ist der Vergleich schwerer. Aber nicht alles davon fließt in die Usability. Man muss nur den Test machen ein modernes Betriebssystem auf einem alten Rechner zu installieren....

Warum werden PC's trotzdem immer langsamer? Weil man in vielen Bereichen nicht um die Neuinstallation von Erweiterungen rumkommt - sei es mit dem Steuerprogramm das eine neue Java Virtual Maschine 8mit hohem Speicherplatzverbrauch) und einem Datenbankserver installiert oder das Betriebssysteme und Anwendungen eingestellt sind nicht nur sicherheitskritische Updates sondern auch "Erweiterungen" oder neue Versionen installiert. Ich denke nur an Krausen an den Frühsommer als Windows XP eine "Indexfunktion" über das uatomatische Update installierte und ichd en PC praktisch nicht mehr flüssig bedienen konnte bis ich das deinstalliert hatte.

Was gibt es neues? Nun der Dezember war der bislang meistbesuchteste im Blog. Erstmals habe ich die 10.000 Besucher/Monate Grenze geknackt (siehe Grafik). Ich stelle auch mit Freuden fest, dass es auch an Nichtraumfahrtthemen Interesse gibt. Mir fallen da zwar alleine durch die Recherche zur Neuauflage des ATV Buches und dem Beschäftigen mit der ISS einige Themen ein. Aber vielleicht ist es ganz gut so mal einen Monat ohne Raumfahrt zu haben. Das letzte Quartal lief auch ganz gut im Buchverkauf. Spannend wird allerdings dieses sein, weil es eher "normal" ist: Die beiden letzten Quartale waren geprägt von dem Raumfahrtboom zum Vierzigsten Jubiläum von Apollo 11 und dann das Weihnachtsquartal. Offensichtlich werden Bücher gerne zu Weihnachten verschenkt, weil es da immer anzieht. Zudem sind in dem Quartal und im letzten einige Bücher neu erschienen. Das wird bei diesem nicht der Fall sein, eventuell wird die Neuauflage vom Gemini Buch bis März fertig, aber das ersetzt dann ein altes Buch. Was ich jetzt auf jeden Fall weis, ist dass ich kein ISS Buch schreiben werde - es gibt zu wenig Fakten über die ISS. Na ja es gibt eine Menge Fakten über die Arbeit der Astronauten, ihre Biographien und die Missionen, aber wenige über die Module und wer wissen will was die STS-117 Crew vor ihrem Flug gemacht hat kann ja das Presskit der NASA lesen. So gesehen ist es ganz gut dass es nun ein kombiniertes ATV/ISS Buch wird.


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