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Web Log Teil 147 : 13.1.2010-17.1.2010

Mittwoch den 13.1.2010: Schnapsideen für den Klimaschutz

Vor ein paar Wochen kam zur Klimakonferenz in Kopenhagen ein "Auslandsjournal Extra" wo der Reporter aufdeckte dass man mit einfachsten Mitteln die Klimarelevanaten Ausstöße um rund 20 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr senken kann, was angeblich das Kopenhagen Ziel wäre. Eine Reihe von Ideen sind gut aber ich bezweifele, dass sie in der summe das 20 Gt Ziel erreichen.

Die Hauptmaßnahme, dass muss man sich auf der Zunge zergehen lassen ist es die Dächer weiß zu streichen. Beispiel - und deswegen kam man wohl auf die Schnapsidee - war Los Angeles. Da kommen tatsächlich große Reduktionen raus. Das liegt schlicht und einfach an der "Air Condition". Ich habe einen E-Mail Kontakt in den USA, er lebt alleine und hat einen Stromverbrauch von 11.100 kWh - den größten Teil davon im Sommer dank Air Condition. Wir haben in zwei Etagen zusammen einen von 3.500 kWh, also ein Drittel. Klar ist, dass wenn die Häuer sich weniger aufheizen braucht man weniger Air Condition. Klar ist auch dass reflektierte Strahlung eine geringere Erwärmung bringt - schlussendlich ist eines der ungelösten Rätsel bei der Klimaerwärmung, wie dies die Wolkenbildung beeinflusst - mehr helle Wolken bedeuten höhere Abkühlung durch Reflexion des Lichts, weniger Wolken oder dunkle Wolken absorbieren dagegen Strahlung.

Nur: ob es so viele Häuser gibt, dass dieser Effekt (ohne Air Condition die es ja praktisch nur in den USA in größerem Maße gibt) uns vor einem Großteil der Klimaemissionen bringt. Ich wage das zu bezweifeln. Vor allem wäre es ja dann eine preiswerte Möglichkeit für Staaten - sie müssten nur alle Straßen weiß streichen, die durch den Asphalt ja eine ziemlich niedrige Albedo haben - um ihre Klimaziele zu erfüllen.

Das zweite war der vegetarische Tag. Die Logik dahinter: Rinder produzieren als Wiederkäuer viel Methan und Methan ist ein viel stärkeres klimawirksames Gas als Kohlendioxid. Das klingt auch auf den ersten Tag logisch. Nur: wenn ich von meinem persönlichen Konsumverhalten ausgehe, dann kommt recht wenig Rindfleisch auf den Tisch. Die Wurst wird aus Schweinefleisch hergestellt und es gibt mehr Schweinehals und Schnitzel als Rindersteaks. Andere Verbraucher bevorzugen Geflügel. Ich nehme aber viele Milchprodukte zu mir: Milch, Quark, Käse, Jogurt, Butter, Sahne. Man findet diese auch verarbeiteten Lebensmitteln als Milchtrockenpulver oder ähnliches. Wie ein Besuch beim statistischen Bundesamt zeigt, habe ich mich da aber geirrt: Tatsächlich sind von den 12,6 Millionen Rindern die es 2006 in Deutschland gab nur 4,1 Millionen Kühe. Eine erschreckende Zahl. 82 Millionen Bundesbürger verspeisen also rund 8 Millionen Rinder - jeder ein Zehntel Rind pro Jahr und das ist bei rund 500 kg Lebendgewicht nicht wenig.

Trotzdem, wenn man Methan reduzieren will, dann wäre es sinnvoller nicht generell einen vegetarischen Tag einzuführen sondern gezielt Rindfleisch aber auch Milchprodukte und vor allem Reis zu meiden. Reis wird in Asien vorwiegend in überfluteten Feldern angebaut. Das Verfahren verspricht höhere Ernten als die zweite Methode mit normalem Anbau ohne Überflutung. Würde man eine größere Menge der Anbaufläche umstellen, dann würden die Methanemission auch sinken, denn das sind praktisch sümpfe, bei denen durch anaerobe Gärungsprozesse Methan entstehen.

Der Rest der Vorschläge war auch skurril, aber brachte nun auch nicht die große Menge an Einsparungen ein, so isolierte Säcke für Afrika in denen das Essen weiter kocht wenn man es vom Feuer nimmt - weniger Feuerholz wird verwendet. Das Prinzip ist bei uns auch aus der Nachkriegszeit als "Kochkiste" bekannt. Dann gab es noch die Möglichkeit für jeden hier etwas zu tun: Aufforsten. Der Reporter hat natürlich durch die Reportagen rund um die Welt einige Kilometer im Flugzeug zurückgelegt. Konkret gesagt: 40.000 km. Dafür muss er zum Ausgleich 75 Bäume pflanzen. Dabei haben die Bäume erst in 60 Jahren so viel Kohlendioxid aufgenommen wie er in wenigen Tagen emittiert hat. Vielleicht wurde es helfen wenn jeder Bäume pflanzen müsste um seine Kohlendioxidemissionen zu neutralisieren. Ich habe mal ein paar Zahlen aus dem Bericht vom Auslandsjournal und den DLR Nachrichten kombiniert. Demnach müsste jeder Bundesbürger um seine 11 t Kohlendioxid die er pro Jahr produziert rund 70 Bäume pflanzen - jedes Jahr eine Fläche von 240 m². Also pro Jahr würde die BRD rund 20.000 km² mehr Wald erhalten oder in rund 17 Jahren wie zur Zeit Christi Geburt vollständig bewaldet sein. Alternativ kann man natürlich auch in der dritten Welt aufforsten (lassen). Nur wer kontrolliert das? Und woher weiß man ob dafür nicht anderer Wald gerodet wird, oder noch perverser: Wald gerodet wird, denn man so im Auftrag wieder aufforsten kann. Damit habe ich wohl auch die Frage in einem der letzten Kommentare beantworte: Ich glaube nicht dass das Kaufen vom Amazonaswald etwas bringt - denn dort ist ja niemand der den Wald überwacht ob ihn nicht doch irgendjemand abholzt und wenn, dann bleibt eine Insel übrig die auch nichts bringt.

Donnerstag 14.1.2009: "Die Suppe lügt"

Das ist der Titel eines Buches von Hans-Ulrich Grimm. Er taucht immer wieder in Talkshows oder anderen Verbrauchersendungen als "Verbraucheranwalt" auf. Meines Erachtens zeigt er aber nur, dass man als Politikwissenschaftler (das hat er gelernt) nicht über Ernährung und Gesetze schreiben soll, obwohl seine Bücher sich wohl gut verkaufen, denn er prangert immer irgendwelche Methoden der Industrie an. Als ich ihn zuletzt im Fernsehen sah, hat er sich mit dem Chef des Verbandes für Fleischerzeugnisse gestritten. Seiner Ansicht nach dürfte ein Schinken der im Schwarzwald geräuchert, aber von Schweinen aus Norddeutschland stammt nicht "Schwarzwälder Schinken" heißen. Das zeigt nicht nur eine Unkenntnis der Herstellung und Besonderheit des Produktes, sondern auch der Gesetze. Schlussendlich scheint er ein Feindbild zu haben, denn das die Unternehmen ja nur das ausnützen, was gesetzlich erlaubt ist ist normal. Anprangern sollte man (wie ich es tue), dass bei uns die Gesetzeslage immer lascher und verwirrender wird.

Doch in einem hat er recht: Die Suppe lügt tatsächlich. Ich will an dieser Stelle einmal ein Produkt eines Markenherstellers, der mit "M" beginnt besprechen (sie können auch eines Hersteller, der mit "K" beginnt nehmen oder ein Noname-Produkt, die Zusammensetzung wird fast die gleiche sein, doch dazu später mehr). Schauen wir uns erst mal das Zutatenverzeichnis an:

"Klare Rinds-Bouillon": Der Name des Produktes

Jodsalz: Also der Hauptbestandteil ist nicht Fleisch oder Fleischextrakt, es ist Salz. Schon das sollte uns zu denken geben.

Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat, Dinatriumguanylat: Es gibt noch keinen Geschmack in der Zutatenliste, aber er wird schon verstärkt durch zwei Geschmacksverstärker für fleischartige Aromen. (bzw. nach neueren Erkenntnissen stellen sie selbst einen Geschmack dar, der "unami" japanisch für "herzhaft" bezeichnet wird.

pflanzliches Öl gehärtet: Kein tierisches Fett, kein Speck, dafür das billigere pflanzliche Öl, damit das Pulver pulverförmig und fest bleibt, ist es gehärtet.

Aroma (mit Weizen, Sellerie): Nun kommt die erste Aromakomponente, doch nicht Sellerieextrakt, sondern künstliches Aroma und "Weizen" meint wohl angeröstetes Weizenmehl das extrahiert wurde.

Milchzucker: Füllstoff und leichte Geschmackabrundung

Fleischextrakt*: Nun, an sechster Stelle im Zutatenverzeichnis kommt der Fleischextrakt. Davon kann es nicht viel geben. Wie viel darüber informiert uns die Anmerkung zum Stern(*).

Hefeextrakt: Ist vom Wirkprinzip hier kein Lebensmittel sondern ein weiterer Geschmacksverstärker. Er besteht aus Aminosäuren und Purinen, die geschmacksverstärkend für Fleischaromen wirken.

Gewürze: Muss nicht kommentiert werden

karamellisierter Zucker: Bislang waren alle Bestandteile mehr oder weniger farblos oder nicht intensiv gefärbt. Der Verbraucher wünscht jedoch eine goldgelbe Brühe obwohl er nur einen Teelöffel Pulver zugibt, das erreicht man durch karamellisierten Zucker als natürlichem Farbstoff.

Kräuter: Zur Geschmacksabrundung, offensichtlich noch weniger als Gewürze in der Brühe enthalten.

Maltodextin: Wahrscheinlich der Trägerstoff für die Gewürze und Kräuter oder zur Geschmacksabrundung / Färbung

pflanzliches Öl: Da es hier nochmals kommt wahrscheinlich Trägerstoff für Aromen oder zur Einstellung der Konsistenz zugegeben

[Spuren: Eier, Senf]: Offensichtlich scheut der Hersteller sich vor einer korrekten Belehrung von Allergikern, wonach das ganze beginnen sollte "Allergikerhinweis kann Spuren von Eiern und Senf enthalten". So wäre das schon ein Grund dies zu beanstanden

*335 mg/l, 50 % der Vorgabe gemäß EU-Beurteilungskriterien: Dazu später mehr

Nährwertkennzeichnung

Nährwerte pro 100 ml
Brennwert: 23 kJ = 6 kcal
Eiweiß 0,3 g
Kohlenhydrate 0,2 g
Fett 0,4 g

Beurteilung

Nun man wird sicher nicht erwarten, dass eine Fleischbrühe, pardon "Rinds-Bouillon" aus 100 % Fleisch und Gemüse besteht, wenn sie industriell hergestellt wird. Das kann der Verbraucher nicht im Ernst erwarten. Aber es ist hier schon arg weit gekommen. Fleisch taucht her erst an sechster Stelle auf. Gemüse überhaupt nicht. Stattdessen entdecke ich zweimal Geschmacksverstärker einmal natürlich und einmal synthetisch und Aromen. Mit Rindsbouillon hat nur noch der Fleischextrakt zu tun, dessen Menge man nur abschätzen kann, weil die Menge im Glas nirgends angegeben ist. Das ist leider erlaubt. Es ist erlaubt die Menge im verzehrsfähigem Produkt anzugeben, das heißt nun eben pro Liter. Da der Hauptbestandteil Salz ist, kann man auch schlecht unter- oder überdosieren außer man will eine fade oder übersalzene Suppe.

Wenn ich die Angabe von "einem leicht gehäuften Teelöffel in 250 ml Wasser" mal mit 5 g pro 250 ml gleichsetze, so enthalten 100 ml rund 2 g Pulver. Bei den Nährwertangeben hat der Hersteller bewusst nur das genommen was ihm gefällt und sich nicht mal den GDA Angaben (die der Autor als verwirrend ablehnt) angeschlossen, da diese Natrium ausweisen. So kann man aber durch Differenzberechnung zu den 0,9 g an energieliefernden Bestandteilen leicht ausrechnen, dass 1,1 g pro 100 ml nur auf das Salz entfallen. Anders ausgedrückt: Rund die Hälfte der "Rinds Bouillon" ist Salz. Wäre das leider nicht in allen Produkten so und erlaubt, man würde sicher von Betrug sprechen. Gesetzlich erlaubt ist Salz bis zu einem Anteil von 65 %.

Ein Besuch auf der Website des Herstellers für die Großpackung für die Gastronomie belehrt mich, dass dieser mit 1,6 g Pulver pro 100 ml rechnet und in der Tat 53,6 % Salz in dem Produkt sind - also gut geschätzt!

Nun interessiert den Verbraucher natürlich eines: Wie viel Fleisch ist drin? Nun Fleisch in dem Sinne ist gar keines drin, zumindest nicht in der Form wie sie es erwarten, also Fleisch das in einer Brühe ausgekocht wird. Es wird Fleischextrakt zugesetzt. Dieser entsteht wenn man Rindfleisch sehr fein zerkleinert und dann mit 90° heißem Wasser auslaugt. Dann wird das Fett abgeschieden und die Masse getrocknet. Fleischextrakt enthält freie Aminosäuren, Purine und Mineralstoffe. Obgleich maximal 4 % des Fleisches in Lösung gehen ist das noch deutlich mehr als wenn sie Fleisch selbst auskochen. Dieser echte oder "Liebigsche" Fleischextrakt ist ein hochwertiges Produkt das in Argentinien noch hergestellt und auch zukaufen ist. Industriell wird das Kochwasser aufgearbeitet das bei der Herstellung Corned Beef entfällt oder andere Fleischabfälle ausgelaugt. Bei letzteren wicht dann die Zusammensetzung schon vom echten Fleischextrakt ab, da der Muskelfleischanteil dann deutlich geringer sein dürfte und dafür mehr Bindegewebseiweiß enthalten ist.

Die Angabe 335 mg/l bedeutet dass in einem Liter rund 335 mg Fleischextrakt vorhanden sind, in dem ganzen Gläschen (das 6 l Brühe entspricht) also rund 2 g Fleischextrakt. Zu dessen Herstellung wurden dann 80 g Frischfleisch verwendet, bzw. das Kochwasser von 80 g Corned-Beef oder der entsprechenden Menge Fleischabfällen. Das entspricht einem Anteil von rund 2,1 % im Produkt. Das ist recht wenig und es wird immer weniger, denn ich habe dasselbe Produkt vor einigen Jahren schon mal beurteilt, damals waren es noch doppelt so viel, rund 670 mg/l.

Es ist natürlich dass die Industrie sparen will. Echter Fleischextrakt aus magerem Rindfleisch hergestellt kostet pro 100 g im Einzelhandel rund 12,95 Euro. Die 2 g da drin entsprechen also maximal einem Wert von 26 ct. (Maximal, weil der Preis bei großen Mengen deutlich günstiger ist und der Fleischextrakt in der Bouillon garantiert nicht aus magerem Rindfleisch stammt sondern eher der Resteverwertung, was kein Nachteil sein muss es aber erheblich preiswerter macht).

Trotzdem muss man sich fragen, wann eigentlich die Irreführung anfängt. Es mag Industriebrauch sein, weil es seit Jahrzehnten so üblich ist eine Fleischbrühe aus Geschmacksverstärkern, Salz und Aromen zu bilden und mit etwas Gemüse, Kräuter und Fleischextrakt abzurunden. Doch was ist, wenn diese wertgebenden Substanzen immer weniger werden? Als ich 1999 eine Fleischsuppe (übrigens von einem Noname Hersteller) auseinandernahm fanden sich dort noch Gemüse, Petersilie und die doppelte Menge Fleischextrakt. Kann man die Rindbouillon noch so nennen, wenn nur noch die Halbe Menge drin ist?

Was ist mit den gesetzlichen Vorschriften über die Lebensmittelkennzeichnung die Mengen wertgebender Substanzen (hier Fleischextrakt) in Prozenten anzugeben? 335 mg/l ist keine Prozentangabe und sie ist auf das fertige Produkt bezogen anstatt auf das Pulver Weiterhin gibt es einen in der LMKV vorformulierten Text für die Kennzeichnung von allergischen Bestandteilen und dieser wurde hier nicht verwendet. Der Hersteller hat sich bewusst vor dem Wort "Allergie" gedrückt. Man sieht hier gibt es zum einen Handlungsbedarf und zum anderen eine gewisse Betriebsblindheit haben und auch vor großen Konzernen gerne kuschen.

Das ganze gilt natürlich nicht nur für diesen Hersteller. Ich habe mir das Konkurrenzprodukt von "K" angesehen, dass sich allerdings nur "Klare Delikatessbrühe" nennet. Dort ist gar kein Fleischextrakt enthalten aber dafür Gemüse, nur bleibt der Hersteller auch hier die Menge schuldig. Eine Noname Fleischbrühe enthält Fleischextrakt und Gemüse, weist aber nur bei den Zwiebeln und der Sellerie den Gehalt (jeweils unter 1 %) aus. Auch hier keine Angabe der Menge an Fleischextrakt.

Die Frage stellt sich: Ist das rechtens? Nun bei den "EU-Beurteilungsrichtlinien" handelt es sich nicht wie man meinen könnte um eine EU-Richtlinie, dann wäre sie praktisch geltendes Recht. Es handelt sich um eine Vereinbarung der Suppenindustrie. der komplette Titel lautet "Europäische Beurteilungsmerkmale für Brühen (Bouillons) und Consommés = European Code of practice for bouillons and consommés" Als Autoren werden genannt: "Suppenindustrie e.V., Reuterstrasse 151, 53113 Bonn".

Das erklärte einiges. Zum einen kannte ich vorher keine Leitsätze oder Vorschriften über den Mindestgehalt von Fleischextrakt. Ich fand auch weder etwas in meiner alten Rechtssammlung auf Papier noch im Internet. In der Tat ist das kein rechtsverbindliches Dokument. Es ist eine freiwillige Vereinbarung der Industrie. Damit diese aber wirksam ist, muss sie auch von anderen am Lebensmittelverkehr Beteiligten akzeptiert werden: Den Verbraucherverbänden als Vertreter der Verbraucher und der gesetzliche Überwachung. Schlussendlich kann es nicht angehen, dass die Industrie einfach einen niedriger(en) Standard setzt und das dann einfach so gilt: Er gilt sicher irgendwann, wenn niemand sich dagegen wehrt. 

Bei der Recherche stellte ich fest, dass zumindest in Bayern nach Herabsetzung der Mindestwerte auf die Hälfte im Jahre 2003 die Zahl der beanstandeten Proben von 25 auf 42 % zunahm. Inzwischen scheinen sich alle damit abgefunden zu haben und nur noch eine fehlende Deklaration des prozentualen Anteils an Fleischextrakt wird beanstandet. Das zeigt wie die Industrie praktisch die Standards niedriger setzen kann und damit durchkommt. Dabei ginge es auch anders: Der Konkurrent von "M" der mit "K" anfängt deklariert sein Produkt nur als "Delikatessbrühe" - ohne Fleisch und es ist auch keines drin. Ich bezweifele dass der Anteil von 2 % auch noch viel zum Geschmack beiträgt. Das Produkt ist zwar nicht besser aber ehrlicher.

Samstag 16.1.2009: Gesicherte Erkenntnisse in der Ernährung

Gestern bin ich in der NDR Talkshow hängen. Eigentlich wegen Josephine Preuss die ich gerne im Fernsehen sehe. Da kam dann noch der Alfons Schubeck, der ein Buch geschrieben hat und im Staccato Ton seine Erkenntnisse weitergibt. Ohne im Detail darauf einzugehen (auch weil ich das in der Menge gar nicht alles rekapitulieren kann). Aber es erinnert mich an etwas was weitgehend unbekannt ist:

Es gibt nur wenige gesicherte Ernährungskenntnisse. Das grundlegende Problem ist das, dass sehr viel extrapoliert wird.

Also was man weiß ist wie Vitamin wirken (zumindest bei den meisten). Wie Vitamine zerstört werden wurde durch Versuche festgestellt und dies auch in Nahrungsmitteln. Das alles ist gesichert. Auch die Mangelkrankheiten sind noch recht gut charakterisiert. Doch schon hier fangen die Probleme an. Es gibt Vitamine mit kaum oder gar keine Mangelsymptome auslösen und es ist schwer aus den biochemischen Wirkungen genau ein Mangelsymptom vorherzusagen.

Was nun seit Jahrzehnten diskutiert wird ist, ob mehr Vitamine gesünder sind, vor allem wenn es wirklich viel mehr ist als die "Empfehlungen zum Tagesbedarf" (die sich auch alle paar Jahre ändern, das alleine sollte schon zu denken geben...). Ob Vitamine anders wirken, wenn man sie isoliert zu sich nicht (z.B. als Vitamintabletten) und andere sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe da noch eine Wirkung haben ist dagegen keinesfalls gesichert. In dem Sinne fand ich es sehr befremdlich wie sich Schubbeck über Essenszubereitung wegen der Vitaminschonung ausließ. Also klar es gibt Verluste bei der Zubereitung und die kann man minimieren, indem man ein paar einfache Regeln befolgt aber so wie er es darstellt stirbt man ja gleich, wenn man das Essen falsch zubereitet.

Noch schwieriger wird es bei dem Einfluss von Ernährungsformen oder sekundären Stoffen, also Stoffe die nicht essentiell sind. Selbst die nationalen und internationalen Gesundheitsbehörden sind da vorsichtig und sprechen von "Zusammenhang höchst wahrscheinlich". Es gibt solche "wahrscheinlich gesicherten" Zusammenhänge für Cholesterin und Herzkoronalerkrankungen. Was es nicht gibt, ist ein bewiesener Zusammenhang, das bei Personen die diese Krankheiten nicht haben, der Cholesterinspeigel irgendeinen Einfluss auf die Gesundheit oder gar Lebenserwartung hat.

Das ist ja das fatale, dass sehr viele Sendungen und "Experten" suggerieren, als wären diese Erkenntnisse, das bestimmte Stoffe bei bestimmten Krankheiten gemieden werden sollen, oder wie es heute heißt "Risikofaktoren" darstellen, automatisch auch "schlecht" für die Normalbevölkerung. Das ist bei allen Studien die es bisher gab, nicht hinreichend belegt. Dabei sollte sogar der Normalbürger die Logik bei einigen Beispielen erkennen können. Nehmen wir mal Zucker und Diabetes: Klar ist dass jemand der seinen Blutzuckerspiegel nicht regulieren kann auf die Glucosezufuhr achten muss. Aber bei allen anderen ist es nur eine Energieform - sicher nicht die beste, weil er kaum sättigt aber er wird vom Stoffwechsel verbrannt. Das gleiche gilt für das Cholesterin: Es wird ja nicht nur über die Nahrung aufgenommen sondern ist ein körpereigener Stoff. Aus ihm werden Hormone gebildet, Gallensäuren und es ist in riesigen Mengen Bestandteil der Zellwände (deswegen enthält die Nahrung ja Cholesterin - weil das natürlich auch für Tiere gilt). Ihr Gehirn besteht z.B. zu 3 % aus Cholesterin und wenn es dort fehlen würde, wären sie tot, weil es das Zellinnere von dem Zelläußeren trennt und Hauptbestandteil der Zellwand ist. Wenn also ein körpereigener Stoff Probleme macht, dann hat man eine Krankheit, aber er kann nicht generell schädlich sein, vor allem nicht wenn 80 % von dem Cholesterin das sie aufnehmen vorher im Magen und dem Zwölffingerdarm durch Gallenflüssigkeit erst zugegeben wurde.

Noch dünner wird es bei der Beweislage bei Ernährungsfragen. Also Konzepte wie ich mich ernähren sollte und wie sich dies auf meine Gesundheit und Lebenserwartung auswirkt. Es gibt hier praktisch keine wissenschaftlichen Studien weil man dann ganze Kollektive über ihr Leben verfolgen müsste. Sie dürften dann auch nicht ihr Ernährungsverhalten über ihr Leben nicht verändern. So was ist praktisch nicht möglich. Was gemacht werden kann, ist nur die Ernährungsformen in Ländern zu vergleichen. Dann gibt es ganz Schlaue, die dann irgendeinen Nahrungsbestandteil für irgendwas verantwortlich machen. Da soll Fisch (wegen der Omega-3 Fettsäuren) für eine geringere Neigung an Herzkrankheiten im Mittelmeerraum vorhanden sein. Dumm nur, dass in Skandinavien und Japan genauso viel Fisch gegessen wird und man dort nicht diesen Effekt beobachtet. Dann kamen ganz Schlaue auf die Idee, es könnte ja auch am Rotwein liegen. Nur findet man dann in Frankreich trotz noch höherem Rotweinkonsum keinerlei Auswirkungen. Das die Mittelmeerküche übrigens überhaupt nicht vitaminschonend Gemüse gart und nur das als ernährungsphysiologisch minderwertig angesehene Olivenöl verwendet, wird dabei sehr gerne ignoriert.

Ganz lustig ist es wenn man unsere "gesicherten Erkenntnisse" auf andere Völker überträgt. Die Massai und Eskimos dürfte es dann nicht geben. Beide ernähren sich vor allem von tierischen Nahrungsmitteln mit hohem Cholesteringehalt. Bei den Eskimos ist es das Fleisch auch von Meeressäugern und bei den Massai die Milch von Kühen. Auch bedeutet die Neigung zu bestimmten Krankheitsformen nicht unbedingt eine geringere Lebenserwartung. So verursacht (das ist mit hoher Evidenz "bewiesen") angebratener Fisch und Fleisch durch gebildete Röststoffe Magen- und Darmkrebs. Er ist in Japan durch den Verzehr von viel Fisch (der roh auch krebsentstehend wirken kann) sehr weit verbreitet, das Land hat die höchste Magenkrebshäufigkeit der Welt. Trotzdem ist die Lebenserwartung in Japan recht hoch, mit die höchste in der Welt.

Ich glaube das was wirklich gesichert ist. könnte man auf einige Seiten schreiben. Aber mit einigen Hundert kann man ein Buch machen und das gut verkaufen, selbst wenn man nur Koch ist und nicht gerade sein Normalgewicht aufweist....

Sonntag 17.1.2010: Nutzloses Wissen

Eines der Unwörter der letzten Jahre ist "Nutzloses Wissen". Dieses Wort hat dank dem Fernsehen eine ganz neue Bedeutung bekommen. Hätte man mich vor 10 Jahren gefragt hätte ich wohl geantwortet "das ist Wissen das veraltet ist wie die Bedienung von CP/M" oder "Das ist Wissen das man nicht richtig verstanden hat". Dank dem Fernsehen wissen wir, dass Nutzloses Wissen Fakten über Dinge sind, die einen weder interessieren noch einem nützen.

Es sind zwei Kategorien: Das eine sind Sendungen über Dinge die es zwar gibt aber für das persönliche Leben weder wichtig sind noch es interessant ist das zu wissen.  Das eine ist "Wissen" über Dinge die eigentlich uninteressant sind. Ehrlich gesagt: Was ist daran interessant wie Fertigessen oder die Armaturenbretter eines Autos hergestellt werden? Das ist vielleicht interessant wenn ich in dem Business arbeite, doch dann wüsste ich darüber wahrscheinlich mehr als im Fernsehen kommt. Das zweite kann man eher als "nutzlose Fakten" betrachten. Das ist das was man in Quiz Shows lernt.

Natürlich kann man sich geschmeichelt fühlen wenn man wie ich die Antwort auf die 150.000 Euro Frage beim Star-Quiz weiß. (Gefragt wurde nach Porzellanfritten wobei es noch Kombinationen von "Porzellan" mit anderen Beilagen zum Hauptgericht gefragt. Das ist ein recht gutes Beispiel für "nutzlose Fakten". Porzellanfritten sind poröse Filter die in der Chemie und Mikrobiologie benutzt werden um ausgefallene Niederschläge oder Bakterien von der Lösung zu trennen. Die Kenntnis gehört genauso zum Fachvokabular wie die "Liebigsche Flasche" oder der "Erlenmeyerkolben". Wer nicht gerade Chemie studiert wird diese Fachbegriffe nicht kennen.

Es gibt in jedem Gebiet Fachbegriffe. Ich denke auch mit den Raumfahrtbegriffen "hypergol" und "spezifischer Impuls" könnte man ein Quiz gestalten. Sie sind so speziell dass die normalen Physiker nicht den spezifischen Impuls kennen obwohl er eine physikalische Größe ist und Chemiker nicht den Begriff "hypergol" sondern man wohl eher von niedriger Aktivierungsenergie spricht.

Selbst wenn die Begriffe erklärt werden (was meistens unterbleibt) ist es relativ sinnlos. Das Thema ist zu speziell und es ist ein Faktum das man kennt, aber das alleine reicht nicht aus um sich in dem Gebiet auch nur grob auszukennen. Nun weiß ich dass diese Quizshows äußerst beliebt sind und es auch nicht um das Vermitteln von Wissen geht. Aber ist es nicht sinnvoller wirklich das zu fragen, was jeder wissen könnte oder wissen sollte, also Allgemeinwissen oder Schulwissen (wobei das erste schon schwieriger zu definieren ist). Dann brauchen die Summen die es zu gewinnen gibt auch nicht so groß sein, dafür vielleicht mit mehr kleineren Zwischenstufen. Das gibt es heute nicht. Ich habe letzte Woche das "History Quiz" mit Guido Knopp. Ich halte von 2Mr History" sehr wenig, aber viele andere sehen ihn als die Gallionsfigur der Dokumentation im ZDF an. Was gefragt wurde hatte mit Geschichte nichts zu tun. Sondern eher mit Boulevard Kenntnissen. Fragen über die Royals oder Königinnen kann man eher durch die Lektüre von "Bild der Frau" beantworten als durch ein Geschichtsstudium. Nur eine Frage war vielleicht von historischem Rang, nämlich die bei welchem historischen Ereignis Adenauer nicht anwesend war (die Demonstration gegen die Errichtung der Berliner Mauer, weil gerade Wahlkampf war und sein Gegner war der damalige Berliner OB Willy Brandt).

Klar, in jedem Falle wird man nicht mehr lernen als wieder ein paar verstreute Fakten, aber das Format wäre spannender weil man eher sein eigenes Wissen nachprüfen kann wenn sich das Quiz an dem orientiert was Allgemeinwissen ist. Das man dabei etwas lernt kann man vergessen, ich konnte mich nur an die Sendung erinnern weil ich mich über die Fragen aufgeregt haben. Die zahlreichen anderen Quizfragen die ich in den letzten Jahren gehört und gesehen habe und ihre Antworten habe ich alle vergessen.

Noch überflüssiger sind allerdings Formate wie "Galileo" mit dem Zelebrieren von Fertigungsprozessen oder noch schlimmer Effekten die zwar hübsch anzusehen sind aber eigentlich keinen Erkenntnisgewinn bringen, wie dem versuch nachzuprüfen ob Filmszenen aus James Bond oder Aktion Filme in Wirklichkeit tatsächlich funktionieren (was meistens nicht der Fall ist). In die gleiche Kategorie fallen so Effektshows wie "Clever" (die dann auch noch als Subtitel hat "die Show die wissen schafft", Aber vielleicht ist es auch nur ein Symptom für unsere Pisa Gesellschaft, bei der bei einer verdummenden Gesellschaft das Niveau immer niedriger gelegt werden muss. Das Gegenteil sollte der Fall werden. Es muss anspruchsvoller werden, weniger Quiz, mehr wirklich gute Wissenschafts- und Forschungssendungen. Diese gut aufbereitet und weniger durch optisch opulente Filme zugedeckt. Von Wissen, einer guten Ausbildung und hochqualifizierten Leuten lebt unsere Gesellschaft und unsere Industrie. Dazu gehören auch die Naturwissenschaften, dazu gehört Mathematik. Leute aufgewacht: Wissen ist schwierig! Wissen fällt nicht vom Himmel, Wissen muss erarbeitet werden! Aber das will ja heute keiner mehr wahrhaben.


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