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Web Log Teil 149 : 28.1.2010-5.2.2010

Donnerstag den 28.1.2010: Afghanistan

Eigentlich halte ich mich bei politischen Themen, zumal weltpolitischen Themen etwas bedeckt. Aber die letzten Meldungen schreien ja geradezu nach einer Stellungnahme. Betrachten wir zuerst einmal die Situation.

Was wird nun getan: Erst mal noch mehr Truppen um dien Krieg gegen die Taliban zu gewinnen und dann Totalrückzug. Dazu gibt es seitens unseres neuen Außenministers eine echt neue Initiative, doch dazu später mehr.

Ich möchte da mal ein paar provokante Fragen stellen:

Das ganze hat seine Ursachen in dem großartigen Präsidenten George Double-Idiot Bush. Nach dem 11.9.2001 konnte man zwar die Taliban und Afghanistan als Schlupfwinkel der Al-Quaida ausmachen, aber für ihn war es wichtiger diese Anschläge als Grund für seinen persönlichen Rachefeldzug gegen den Irak zu benutzen. Also rein nach Afghanistan, und nachdem sich die Taliban in unzugängliche Winkel zurückgezogen hat wieder raus. Tja das passiert wenn man nicht das ganze Land befreit.

Weils so unbequem ist und mehr Aufwand erfordert hat man auch die Warlords in ihren Machtpositionen gelassen, mit der Folge dass die Soldaten weggucken müssen wenn dort Mohn angebaut wird, denn das wird gerade durch diese gefördert und dann bekäme man auch Ärger. Aber wir haben wenigstens einen Präsidenten denn man auch im Westen vorzeigen kann, nicht einen dieser langbärtigen Mullahs. Das ist doch was oder?

Ich wage eine Prophezeiung: Afghanistan wird nicht demokratisch werden, es ist es heute schon nicht. Aber das ist nicht so verwunderlich. Ich kenne kein Land im nahen bis mittleren Osten bei dem der Islam Hauptreligion ist, das nach unseren Maßstäben demokratisch ist oder auch nur die Menschenrechte beachtet. Vor 1000 Jahren war der Islam eine offene Religion mit Toleranz Anderen gegenüber und die dortigen Systeme den europäischen voraus, die heutigen islamischen Staaten hinken einige Jahrhunderte westlichen Demokratien hinterher.

Es wird nicht gelingen die Warlords zu entmachten und das will ja auch keiner. Das gleiche gilt für den Opiumanbau. Selbst wenn man Garantiepreise für Agrarprodukte einführen würde um den Anbau dieser zu fördern - glaubt jemand ernsthaft daran, dass man damit die Verdienstspannen von Rauschgift kompensieren kann?

Die beste Idee kommt aber von unserem 18 Prozent Guido. Prämien für Taliban zum Ausstieg. Das ist ja auch so logisch. Leute die fanatisch andere hassen weil sie eine andere Lebensweise haben oder nur Verbündete des Westens sind, die bereit sind sich selbst dafür zu sprengen, die sagen sich "Oh da gibt's 1000 Euro, da höre ich aber damit auf". Meiner Meinung nach sagen sie sich eher "1000 Euro? Da kaufe ich mir gleich eine neue Kalaschnikow und Sprengstoff!".

Der gute Mensch ist so was von inkompetent, das gibt's nicht. Erst kein Englisch können und dann meinen das FDP Grundsatzprogramm "Mit Geld löst man alle Probleme" auf die Taliban anwenden zu können. Was kommt als nächstes? Prämien für Vergewaltiger und Mörder, damit die keine weiteren Verbrechen mehr begehen? Mangelnde Fachkenntnis scheint eine Spezialität der FDP zu sein. Bei der Recherche zum ATV Buch (Auflage 2) stieß ich auf folgende Bundesdrucksache. Da muss die Bundesregierung also Fragen der FDP Fraktion beantworten. Soweit nichts ungewöhnliches. Nur: Ein Großteil der Fragen betrifft nicht die nationale Raumfahrtpolitik und vor allem wette ich dass jeder der sich für Raumfahrt interessiert einen Großteil der Fragen ganz einfach durch Recherche im Internet beantworten kann. Ich schließe daraus, dass sogar dafür die FDP Abgeordneten zu doof sind. Klar, als Vertreter des Großkapitals, lässt man im Internet suchen oder wenn man Abgeordneter ist stellt man die Fragen an die Bundesregierung....

Freitag 29.1.2010: Buch Nummer 1 - zum zweiten

Gemini Programm 2Zwei Jahre nach der Erstausgabe des "Gemini Programmes" gibt es nun auch Auflage 2. (Nun auch mit dem zweiten "m" im Katalogtext - seitdem fülle ich bei BOD keine Texte mehr direkt online aus sondern gebe sie zuerst in OpenOffice ein). Seit heute ist es bei BOD gelistet und ich denke in 1-2 Wochen auch bei Amazon & Co.

Ich denke es ist ein gutes Buch geworden. Es ist zumindest von allen bisherigen am besten zu lesen. Bemannte Raumfahrt hat mehr so was "storyhaftes" an sich, man kann mehr Anekdoten schreiben und auch die Sprache ist automatisch lebhafter als wenn man Technik beschriebt. Zumindest bei mir. Ich weiß es gibt Autoren, die Technik so beschreiben können, dass sie ganz ungewöhnlich ist, das ist aber nicht meine Sache, weil ich mich dann immer an die Typen im Fernsehen erinnere, die einem einen Handmixer als das neueste Gadget verkaufen, das gerade erst durch den Bau der ISS möglich wurde....

Für mich gab es einen wesentlichen Grund das Buch zu schreiben: Weil es mein erstes war, wollte ich damals nicht so viel Arbeit reinstecken und habe bewusst den Inhalt kurz gehalten. Wenn's gefloppt wäre, dann wären 3 Wichen Arbeit futsch gewesen, aber nicht mehr. Damals dachte ich an 100 verkaufte Exemplare in zwei Jahren als Minimum und hoffte auf 100 im ersten Jahr. Verkauft wurden bisher über 700 Exemplare in rund zwei Jahren, also mehr als das dreifache.

So lag es nahe eine Neuauflage zu machen, in der erheblich mehr über das Programm drinsteckt. Einige kleinere Fehler habe ich auch korrigiert. die meisten betreffen einige Bildunterschriften. Da ich nicht zu den Leuten gehöre die sich so sehr für Personen interessieren habe ich einige Unterschriften verwechselt. Ich hoffe es wurden dafür keine neuen eingebracht.

Dank Korrekturleser - mein herzlicher Dank geht an Lukas Graber nach Florida - ist es auch noch etwas besser geworden. Insgesamt 128 Seiten sind es geworden - immer noch kur gemessen an dem was man schreiben könnte. Der Preis ist im einstelligen Eurobereich geblieben: Das Buch kostet 9,90 Euro.

Die Neuauflage hat mir echt Spaß gemacht und ich kann schon jetzt ankündigen, dass wenn erst mal die beiden noch anstehenden und schon in Arbeit befindlichen Buchprojekte (die Neuauflage des ATV Buchs und Band 2 über europäische Trägerraketen) fertig sind, ich mich zwei weiteren Themen der bemannten Raumfahrt zuwenden werde: Gedacht ist an Mercury und Skylab. Auch über diese Programme gibt es eigentlich kein gutes Buch im deutschsprachigen Raum. Bemannte Raumfahrt ist für einen Buchautor ein sehr dankbares Feld. Es gibt massig Informationen dazu und der potentielle Leser ist weitaus weniger kritisch, als bei der unbemannten Raumfahrt. Man kann vereinfacht mehr labern, auch wenn ich sicher kein Laberbuch veröffentlichen werde.

Was danach kommt ist noch offen, aber das ist ja dann auch mehr zum Jahresende. Mir fallen gar nicht mehr so viele Themen ein, die ich für ein größeres Publikum interessant halte. Vielleicht ein Buch über die Saturn Trägerraketen. Aber das war es dann auch schon. Ich ringe ab und an damit, noch ein Buch über Ernährungsirrtümer zu schreiben, aber das geht eigentlich schon weiter als das was ich als Lebensmittelchemiker weiß. Ehrlich gesagt glaube ich, dass niemand weiß wie man sich übers ganze Leben gesund ernährt sondern nur vielleicht was für eine bestimmte Erkrankung oder Situation angemessen ist. Den Fehler den viele machen, ist diese gesicherten Kenntnisse für bestimmte Fälle auf die Allgemein zu übertragen und jedem nahe zu legen Omega-3 Fettsäuren, Pflanzenphenole, pflanzliche Sterine zu sich zu nehmen oder Cholesterin und Salz zu meiden. Ich will aber kein weiteres "me too" Buch in der wenige gesicherte Erkenntnisse und die auf ein paar Seiten passen (plus viele Vorstellungen des Autors) auf 200 Seiten breit gemacht werden.

Vielleicht mache ich mal eine Art "Was ist drin 2" mit der Beschreibung was man in verschiedenen Nahrungsgruppen an natürlichen und künstlichen Stoffen finden kann. Das würde wohl eher zu mir passen, aber wohl nicht der kommende Beststeller werden.

Alles was mir sonst so im Kopf vorschwebt ist entweder nur für einen kleinen Kreis interessant (so ein Raumsondenlexikon, als Gegenstück zum Raketenlexikon - das könnte interessant aber auch ziemlich arbeitsintensiv werden) oder nicht ohne Unterstützung zu machen. So würde ich gerne mal ein Buch über deutsche Satelliten schreiben. Doch ohne Infos aus den Vor-Internetzeiten aus den DLR Archiven ist das nicht zu machen. Da ich schon bei anderen Recherchen für Material, das heute nicht aktuell ist nur Absagen bekomme habe, wird das wohl ein Traum bleiben - außer dieser Blog wird von jemanden gelesen der vielleicht Zugang zu einem Archiv hat.

Nun die gute Nachricht: Der Buchtext des alten Gemini Buchs (in der alten Auflage, also auch mit allen Fehlern :-() ist nun als frei kopierbares PDF auf meiner Website herunterladbar. Wer mag kann ja Spenden, wenn ihm das Manuskript etwas wert ist.

Mittwoch 3.2.2010: Die Mär von den explosiven Feststoffboostern

In einem Interview hat sich Musk mal wieder über Ares/Orion und Falcon 9/Dragon geäußert. Seiner Meinung nach sind die letzten viel zuverlässiger, weil sie früher zur Verfügung stehen und die Ares I und Orion noch nicht mal im design fertig seien. Ob das stimmt sei mal dahin gestellt. Zu dem Interview gäbe es eine Menge zu diskutieren, so ob eine Rakete und eine Kapsel die noch nicht erprobt wurden, auf unerprobter Technik basieren und von einer Firma entwickelt werden, die keinerlei Erfahrungen in der Raumfahrt hat aber 4 Jahre vor Orion/Ares zur Verfügung stehen unbedingt besser ist als dieser Entwurf der auf erprobten, aber in dieser Konstellation noch nicht eingesetzter Hardware basiert. Angesichts der Probleme bei der Falcon 1 und Verzögerungen auch bei anderen völlig neu entwickelten Raketen, wenn es Probleme gab, würde ich den Zeitfaktor nicht sehr hoch bewerten.

Aber in einem zeigt Musk, dass man als CEO nix verstehen muss: Er hält die Shuttle-SRB für "dangerous" weil "7 astronauts lost their life". Aha. Und wie ist das passiert?

Mal eine kleine Aufklärung. Erstens: Können Feststoffbooster explodieren?

Einfache Antwort: Nein sie können nicht. Der Treibstoff ist fest, er brennt von der Oberfläche ab. Und dies tut er auch nur bei hohem Druck, nimmt dieser ab, so verlöscht die Flamme. (So wurde vorgeschlagen Feststoffbooster gezielt abzuschalten indem man im oberen Bereich Löcher sprengt, wenn die gewünschte Endgeschwindigkeit erreicht ist.)

Wenn eine Dichtung versagt, dann tritt an der Stelle lediglich eine Stichflamme aus. Sie verringert durch Druckabfall den Schub und bewirkt einen seitlichen Schub mehr aber auch nicht. Also wenn man nichts macht, so weicht die Rakete dann vom Kurs ab. Problematisch kann es werden, wenn (wie bei allen eingesetzten Raketen) daneben eine Stufe mit flüssigem Treibstoff ist und die Flamme dann den Tank durchschweißt. Dann kann es in der Tat eine Explosion geben, wie es bei der Challenger auch der Fall war. Doch selbst danach flogen die SRB weiter - ihre Gehäuse überstanden die Explosion des Tanks schadlos. Kein Wunder. Bei der Ariane 5 ist es z.B. 8,1 mm dicker Stahl.

Doch das ist bei der Ares nicht von belang. Natürlich gibt es andere Möglichkeiten für Fehler bei einem Feststoffbooster. 1998 scheiterte ein Titan 4 Start weil die Düse des Boosters nicht mehr den Befehlen gehorchte - sie werden heute mechanisch oder hydraulisch bewegt. Doch derartige Probleme kann es auch bei Triebwerken geben, die flüssige Treibstoffe verbrennen. In einem solchen Fall kann aber der Fluchtturm ausgelöst werden.

Wenn es einen gegeben hätte, dann wäre er wohl auch bei Challenger ausgelöst worden, denn schon vor der Explosion nach 72,2 Sekunden gab es Indizien. Nach 60 Sekunden sank der Druck im SRB, nach 65 Sekunden fingen die SSME an die Schubasymmetrie auszugleichen. Eine entsprechende Logik die diese Zustände erkennt und warnt hätte also 12 bzw. 7 Sekunden vor der Explosion schon auslösen können. So sind meiner Meinung nach auch SRB in Kombination mit einer Hauptstufe mit LOX/LH2 oder LOX/Kerosin sicher.

Sie sind vor allem zuverlässiger. Ich bin kein Statistiker und lasse mich gerne eines besseren belehren, aber ich kann mich an nur fünf Verluste erinnern an denen Feststoffbooster beteiligt waren. Ein Fehlstart einer Delta 2, 1996 und vier Verluste von Titan 34/4. In allen Fällen wo die Rakete explodierte war dies durch das Sicherheitssystem ausgelöst worden, meistens bevor jemand am Boden das Problem überhaupt mitbekommt - das Sicherheitssystem hätte anstatt der Sprengung auch den Fluchtturm auslösen können. Das sind fünf Starts von 140 Titan und rund 250 Delta Starts, bei denen immer zwei Booster (Titan) oder sogar 3-9 Booster (Delta) zum Einsatz kamen. Dazu könnte man noch die Ariane 5 und Atlas 2AS und H-2 Starts rechnen. Zusammen sicher um die 450 Starts mit 5 Verlusten, also rund 99 % Zuverlässigkeit.

Ich keine keine existierende Rakete mit flüssigen Treibstoffen mit einer solchen Bilanz.

Man kann die Argumentation aber auch umdrehen. Es gibt ja neben dem LOC Risiko (Loss of Crew) auch das LOM Risiko (Loss of Mission) - also die Mission muss abgebrochen werden. Dieses Risiko dürfte bei der Falcon 9 erheblich größer sein. Nehmen wir an flüssige Triebwerke haben ein Ausfallrisiko von 2 %. Das ist ein guter Wert für eine neue Rakete. Bei den SRB beträgt (aus Erfahrung) das LOM Risiko 1:260. Dazu kommt noch eines von 1:50 für die Oberstufe macht zusammen eines von 2,4 %.

Bei der Falcon 9 sieht es so aus: 9 x 1/50 für die erste Stufe und 1/50 für die zweite. Macht zusammen eines von 19,64 %. Uh das ist wohl achtmal größer. Nun verspricht SpaceX ja "Engine-Out capability". Will meinen, wenn ein Triebwerk ausfällt reichen die anderen noch aus um den Orbit zu erreichen. Nur verbrauchen sie dann durch den Schubabfall und den asynchronen Schub mehr Treibstoff. Ich habe in den SpaceX Unterlagen nichts gefunden das auf eine solche vorgesehene Reserve hindeutet. Gerade bei den Cargomissionen kostet das auch viel Nutzlast, denn von den 8,7 der Dragon sind ja nur 2,5 t Fracht. Wenn jetzt 2 t Treibstoffreserve veranschlagt werden, dann geht die Fracht schnell mal auf 0 runter. Daher denke ich nicht, dass dies berücksichtigt wird. Bei keinem anderen Träger mit vielen Triebwerken gibt es solche Reserven. Es gab sie auch bei der Saturn V nicht. Apollo 13 hatte echt Glück: Es fiel das zentrale Triebwerk der S-II aus, als schon viel Treibstoff verbraucht war und so auch der Schubvektor nicht beeinflusst war - und Apollo 13 war 3 t leichter als die Maximalnutzlast für den LTO Orbit.

Auch bei STS-51F fiel ein SSME nach 345 (von 480 Sekunden) Brennzeit aus. Der verringerte Schub führte zu einer unplanmäßig niedrigen Bahn, die nur erreicht wurde, weil der Orbiter nur eine Nutzlast von 15 (anstatt 27 t Maximalnutzlast) aufwies. Das zeigt recht deutlich, dass "Engine out capability" alleine nichts nützt. Es gibt auch Beispiele wo ein Triebwerk ausfiel und das nicht kompensiert werden konnte, so bei Ariane 4 V-35, als kurz nach dem Start ein Triebwerk ausfiel und die Rakete den asymmetrischen Schub nicht abfangen konnte und schließlich nach 101 Sekunden durch die steigende aerodynamische Belastung auseinanderbrach.

Man könnte es aber auch sehr konkret sehen und so hat es das ASAP wohl gesehen, dessen Einschätzung Musk nicht passt: Die Shuttle SRB fliegen seit STS-51L ohne Probleme. Der Fehlschlag bei STS-51L ist eine Kombination von Designmängeln (Die O-Ringe der Feststoffboosterdichtungen können unter bestimmten Temperaturen nicht schnell genug beim Start in die Höhle zurückweichen um die Verbindung dicht zu machen) und Schlamperei (obwohl man von dem Mangel wusste dürfte die Challenger bei niedrigen Außentemperaturen starten). Die Fehlerursache ist aber behoben.

Das J-2S hat 273 Tests mit 30800 Sekunden Brennzeit hinter sich - vor der erbeuten Qualifikation als J-2X. SpaceX hat genau 4! Tests der Falcon 9 Erststufe durchgeführt. Ja das überzeugt. Ein Triebwerk mit vier Tests ist natürlich viel besser als eines mit 273....

Aber das Constellation eingestellt wird, dürfte der neue Konkurrent auch ein anderer sein: Ich denke nun wird Planetspace erneut in den Ring steigen, geht es nun doch um weitere Aufträge. Vielleicht bieten auch Boeing und Lockheed getrennt erneut, denn die Beförderung von Personen ist ja viel lukrativer als die von Fracht.

Mittwoch 3.2.2010: Empfehlenswerte Fernsehsendungen

So nach zwei Raumfahrttagen wirds Zeit für ein anderes Thema. Ich habe ja auf meiner Website die Rubrik "Wissenschaft im Fernsehen". An der habe ich seit Jahren nichts gemacht. Also dachte ich mal stelle ich mal zusammen, was ich für empfehlenswert halte und regelmäßig ansehe. Dabei möchte ich auch einige nicht Wissenschaft/Dokumentationssendungen aufführen.

Quarks & Co: Meine absolute Lieblingssendung. Die Sendung behandelt ein Thema in 45 Minuten recht komplett und auch für heutige Verhältnisse recht tief. Trotzdem ist sie noch gut verständlich und versucht durch Trickfilmen oder Spielfilmszenen einiges zu verdeutlichen, auch wenn ich davon nicht so viel halte. WDR, dienstags 21:00-21:45

Abenteuer Forschung & Abenteuer Wissen. Zwei Sendungen auf dem selben Sendeplatz im vierzehntägigen Wechsel. Auch hier wird ein Thema behandelt. Abenteuer Wissen ist ein Dokumentationsformat, Abenteuer Forschung so eine Mischung zwischen Wissenschaft und Dokumentation. Es fehlt gegenüber Quarks & Co etwas Tiefe und die Beiträge sind nicht so sehr aus einem Guss. ZDF, Mittwoch 22:15-22:45

Extra 3: Das Pflichtprogramm in Sache Satire mit zahlreichen Kultteilen wie die Sendung mit dem Klaus oder Johannes Schlüter. Ein Muss! NDR Sonntags 22:30.

Heute Show: Das ZDF Gegenstück in Sachen Satire. Ich war überrascht dass sich das ZDF so was noch erlaubt wo dort doch kritische Redakteure gefeuert werden. Freitags: 22:30.

Ach ja Nachrichten schaue ich nicht mehr an, zu viel Satire ist auch nicht gut....

Das waren meine regelmäßig angesehenen Sendungen. Den Rest schaue ich ab und an mal an, wenn ich dazu komme, aber nicht regelmäßig.

Nano: Eigentlich ein gutes Dokumentationsformat, teilweise auch tagesaktuell. Man könnte es mit einem täglichen Forschungsteil der Zeitung vergleichen. Das Problem: Dadurch dass es täglich kommt, ist es schwer zu folgen. Zudem produziert Nano nichts selbst, sondern verwendet Beiträge der angeschlossenen Sender. Wenn man also andere Sendungen anschaut wird man früher oder später die Beiträge auch bei Nano finden. Komplette Themen werden so nicht behandelt. 3sat montags-freitags 18:30-19:00

Abenteuer Wissen: Ein Dokutainmentformat. Fällt im Niveau schon etwas ab, auch dank des Moderators, der wohl besser in den Kika passen würde. ARD, Sonntags 17:00-17:30

Neues: Das Computermagazin von 3sat. Früher nur für Einsteiger zu empfehlen, greifen sie heute auch aktuelle Trends auf oder setzen sich mit Datenschutz und den Bestrebungen der Regierung diesen zu unterhöhlen auseinander. 3sat, sonntags 16:30

Hitec: Eine eigentlich sehr empfehlenswerte Sendung. Behandelt ein Thema aus der Technik in Dokumentationsformat. Man bekommt recht neue Einblicke. Für mich sind viele Themen nur zu speziell, so am letzten Sonntag über Überseekabel die Gleichstrom produzieren und die Stromverluste von Offshore-Windparks reduzieren. 3Sat: Sonntags 16:00-16:30 (Wiederholung) und Montags 21:30 -22:00.

Odysso: Das SWR Wissenschaftsmagazin ist in den letzten Jahrzehnten immer schlechter geworden. Odysso dreht sich heute nur noch um das Thema Medizin/Ernährung. Andere Themen spielen keine rolle mehr. Vielleicht interessant für Hypochonder. SWR donnerstags 21:50-22:20.

Donnerstag 4.2.2010: Die neue Politik der NASA

Wie vielleicht schon allseits bekannt, hat Obama der NASA einen neuen Kurs verordnet. Das Constellationprogramm wird ohne Wenn und Aber eingestellt. Nun was ist davon zu halten? Wenn ich nur meine persönlichen Wunschvorstellungen betrachte könnte ich es mir ganz einfach machen: Dann würde ich wohl sagen: "Der Beschluss ist scheiße!". Nicht weil ich so viel vom Constellationprogramm halte, sondern weil ich gerade beim ersten Korrekturlesen des kombinierten ATV/ISS Buches bin. Da steht der momentane Stand drin: Die ISS wird bis 2016 betrieben, ab 2015 soll die Orion die Mannschaften transportieren, Orion soweit Daten bekannt sind, wird auf einigen Seiten besprochen. Das alles kann ich nun umschreiben, das bedeutet sicher eine Woche Mehrarbeit.

Aber ich gehöre ja nicht zu denen die eine Lösung nur deswegen gut oder schlecht finden, weil sie den persönlichen Wünschen oder Vorlieben entspricht. Um die Entscheidung von Obama zu verstehen sollte man sich klar sein, wie es vorher aussieht. Das Constellation Programm von Bush sollte zwar zum Mond führen, aber ohne wesentliche zusätzliche Finanzmittel. Es sollte durch Einsparungen finanziert werden: Aufgabe der Space Shuttles bis 2010, der ISS bis 2016. Wer sich vergegenwärtigt, das in den 60 ern zur Zeit von Apollo das NASA Budget rund 3 % des US-Haushaltes ausmacht und heute nur noch 0,6 % dann dürfte klar sein, dass dies so nicht geht.

Die Folge war schon jetzt sichtbar: Das Programm wurde zusammengestrichen. Von einer Mondbasis ist keine Rede mehr, Frachtversion von Orion gestrichen. Altair Lander noch nicht mal im Design festgelegt andere neue Technologien wie Methan/LOX Antrieb ebenfalls. Dazu kamen Probleme bei der Entwicklung.

Die Augustinekommision stellte fest dass anstatt 2018/19 wie noch 2005 geplant nicht vor 2028 Menschen auf dem Mond landen können. Eine, Erstleistung die von Apollo bei weitgehenden Neuentwicklungen in acht Jahren erbracht wurde, braucht nun die dreifache Zeit, nämlich 24 Jahre. Und dies für eine reine Wiederholung, denn die Teile, die über Apollo rausgingen wurden ja gestrichen.

Betrachten wir einmal das neue Programm. Es umfasst folgende Teile:

Eine Forderung war ja: Die Ares/Orion wäre zu teuer und die NASA sollte kommerzielle Services für den Mannschaftstransport nutzen. Dies wurde nun umgesetzt. Doch bringt es in der Praxis etwas? Bisher war es doch so: Die NASA vergab einen Auftrag an die Industrie, wählte aus den Angeboten eines aus und die Industrie baute dann das für die NASA. Der Unterschied ist nun nur noch, dass die NASA kein Design mehr auswählt sondern nur noch für den Transport bezahlen will. Wobei die Mittel die ja schon ab nächstem Jahr fließen. Es wird so auch wieder auf eine Vorfinanzierung hinauslaufen.

 Zwei Dinge erscheinen mir wichtig: Geld wird die NASA nur einsparen können, wenn es mehr als ein System gibt, also Konkurrenz. Weiterhin sollte dann auch die NASA sich vollständig aus der Konstruktion zurückziehen und nur noch spezifizieren was sie will: Was transportiert werden soll zu welchen Konditionen. Wenn ich eine Spedition engagiere dann kümmere ich mich ja auch nicht um den Aufbau des Lasters. Das ermöglicht erst die Konstruktion des Raumschiffes zu optimieren.

Das zweite: Sicherheit kommt durch Standards die eingehalten müssen und das ist der Knackpunkt: Challenger ging verloren, weil die NASA als Auftragnehmer Thiokol unter Druck setzte, damit der Shuttle bei Minustemperaturen startete obwohl dieses wussten, dass die Dichtungen dann nicht schnell genug in ihre Höhle krochen, wenn sich nach dem Start der Druck aufbaute.

Derzeit gibt es das Gegenteil: Die Sicherheitsanforderungen werden so hochgeschraubt, dass es unnötig teuer wird. Siehe Diskussion Ares/Atlas/Delta. Ob dann kommerzielle Transporte billiger werden? Vor allem sehe ich bei hohen Sicherheitsanforderungen keine Chance für Newcomer. Elon Musk von SpaceX meint ja, dass er einfach einen Fluchtturm auf seine Dragon/Falcon 9 setzt und das war es dann. So einfach wird es nicht gehen und das ASAP sieht das auch so.

Ich denke ich werde den Abschnitt über die Orion nicht aus dem Buch werfen: Lockheed Martin hat einige Milliarden für die Entwicklung bekommen und wäre ziemlich blöd, wenn es nicht eine abgewandelte Orionkapsel als kommerziellen Raumtransporter der NASA vorschlagen würde.... Meine Prognose: Kommerzielle Transporte werden nichts fundamentales ändern zumindest nicht finanziell. Vor allem wenn die NASA wieder für einen Anbieter die Entwicklung zahlt. Sinnvoll wäre sicher eine andere Vorgehensweise: Die NASA überlegt sich wie viele Kapseln sie bis 2020 so braucht. Addiert die geschätzten Kosten für Orion zu den Flugkosten und offeriert diese Summe jährlich für Flüge - wer das beste Angebot macht gewinnt den Zuschlag. Aber das wäre für die NASA wohl etwas zu viel "commercial"....

Für die NASA könnte es aber eine Folge haben: Sie wäre dann nicht mehr verantwortlich für Unfälle oder Fehlschläge, denn sie ist ja nur noch Kunde (zumindest wenn sie sich auch nur als Kunde verhält). Man denke mal an die Kritik der NASA nach Challenger und Columbia. Das wäre sicher für die NASA kein schlechter Aspekt. Dann könnte es so kommen wie bei Apollo 1, als North American im Kreuzfeuer der Kritik stand, obgleich natürlich die NASA die Kapseln vorher so abgenommen hat wie sie waren. Immerhin: Die komplette Umkonstruktion des Kapselinneren dauerte damals rund 17 Monate. Nach Columbia und Challenger erforderten weitaus kleinere Änderungen im NASA Beamtenapparat 31 bzw. 29 Monate.


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