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Web Log Teil 15 : 4.2.2007-11.2.2007

Sonntag, 4.2.2007: Der Space Shuttle eine Fehlentscheidung?

Space ShuttleSo.... Nach einer Woche der Raumfahrtkatastrophen, davon zwei mit dem Space Shuttle heute einmal meine persönliche Meinung zu dem Programm. Wie bekannt sollen alle Space Shuttles nach Fertigstellung der Raumstation ISS ausgemustert werden. Einen Nachfolger wird es frühestens 2014/15 geben und er wird wieder eine konventionelle Kapsel sein. War das Space Shuttle Programm ein völliger Irrweg?

Meiner Meinung nach Ja und Nein. Man muss schlicht und einfach berücksichtigen, dass man das Space Shuttle konzipiert hat als Apollo gerade zu Ende ging. Die Entwürfe stammen von 1071. Für die damalige Zeit war das Konzept innovativ und vieles völliges Neuland. Das Space Shuttle sollte man als einen Prototyp für einen wieder verwendbaren Raumtransporter sehen und wie bei anderen Prototypen macht man Fehler oder hat mit offenen Fragen zu tun, die erst die Praxis klärt.

Da ist zum einen der Aspekt der Wirtschaftlichkeit. Ursprünglich sollte der Space Shuttle preiswerter als eine Verlustrakete sein, das Programm sollte sich zum Teil sogar durch kommerzielle Starts finanzieren. Schon vor Challenger musste die NASA Starts unter den Eigenkosten anbieten. Damals war der Space Shuttle aber noch preiswerter als Ariane & Co, hätte man nur seine Nutzlastkapazität voll ausgenutzt (gestartet wurden z.B. pro Flug zwei Satelliten der Delta Klasse. Platz wäre für 6 gewesen). Nach Challenger machten Sicherheitsaspekte und die geringere Startfrequenz den Flug erheblich teurer. In den neunziger Jahren sanken die Flugkosten in inflations-bereinigten Dollars wieder, als die NASA die Wartung an externe Firmen vergab. Der Space Shuttle blieb jedoch teurer als eine Trägerrakete.

In dieser Zeit gab es dann vor allem Flüge des Spacelabs und Spacehab und PR wirksame Flüge zur MIR. Der Verlust der Columbia hat mehrere Folgen gehabt. Die wohl wichtigste ist, dass man nach 20 Jahren des Einsatzes noch mit Risiken konfrontiert wurde, die man sich nicht überlegt hat. Niemand rechnete mit den Folgen des Einschlags eines Schaumteiles auf den Flügel. Das erschütterte das Vertrauen, denn man fragt sich unwillkürlich: Was haben wir noch übersehen? Die Empfehlung des Untersuchungsausschusses CAIB nur noch zu fliegen wenn man die Mannschaft im Orbit retten kann beschränkte den Einsatz auf die Versorgung der ISS - Umgekehrt wird die ISS mit dem Space Shuttle aufgebaut. Wäre das Unglück 5 Jahre früher passiert, so wäre diese Empfehlung der Einstellung der ISS gleich gekommen.

Das man die ISS mit dem Shuttle aufbaut hat eben auch den Zweck gehabt den Shuttle zu unterstützen. Es wäre nicht ohne ihn gegangen, aber viele Module die man nur ankoppeln muss, also keine Strukturteile hätte man mit Trägerraketen starten können.

Das zweite was man sieht ist wie verletzlich das Shuttle im Vergleich zu einer Trägerrakete ist. Es gibt beim Start keine Rettungschance solange die Feststoffbooster arbeiten. Diese müssen zu 100 % verlässlich sein und das gibt es in der Weltraumfahrt eben nicht. Bei einer Kapsel die auf der Rakete sich befindet gibt es die Chance sie mit dem Rettungsturm in Sicherheit zu bringen. Auf jeden Fall ist sie massiver gebaut und hätte bessere Chancen eine Explosion zu überstehen. Selbst bei Challenger überlebten die Astronauten die Explosion, sie starben durch den Druckverlust oder den Aufschlag auf dem Wasser. Beides kann man verhindern indem man Raumanzüge mit Luftversorgung beim Start trägt und ein Fallschirmsystem in der Kapsel hat. Auch der Aufschlag von Schaumstoff kann bei einer Kapsel an der Spitze der Trägerrakete nicht passieren.

Doch ist damit das Konzept des Shuttles an und für sich falsch? Ich meine nein. Es ist nur billiger mit einer normalen Trägerrakete Nutzlasten ins All zu befördern. Auch hier könnte man an Wiederverwendung denken und derartige Konzepte werden auch seit Jahren durchgedacht. Wenn ich allerdings Personen ins All befördere und jedes mal mich das eine Kapsel kostet, dann muss man diese sehr preiswert fertigen können. Das ist offenbar bei den Sojus Kapseln der Fall, wobei man das russische Programm nicht mit dem westlichen vergleichen kann. Wenn ich hier auf preiswerte Lösungen kommen will, muss ich auch diese mehrfach verwenden können. Das geht, ist jedoch aufwendig. Man muss die Kapsel nach der Landung genauestens inspizieren. Hitzeschutzschild und andere Systeme auswechseln und erneuern.

Landung eines Space ShuttlesEin Shuttle auf der Spitze einer Rakete böte fast dieselbe Sicherheit, wäre aber viel einfacher zu warten. Entfällt der riesige Nutzlastraum des Space Shuttle, so wird dieser drastisch kleiner und man kann andere Technologien für Hitzeschutzschild und viele Subsysteme anwenden. Ein solcher Shuttle wöge dann eben keine 100 sondern vielleicht nur 20 t und würde nur die Crew und etwas Fracht transportieren. Russland arbeitet an einem Konzept namens Kliper, das in diese Richtung geht und das CRV der NASA hat auch solche Eigenschaften, auch wenn es nur als Rettungsboot gedacht ist. Als einziges bisher ausgearbeitetes Konzept gibt es Hermes. Hermes wurde 1993 eingestellt, weil sich zum einen die politischen Weichenstellungen geändert hatten und zum anderen das Projekt nach Challenger zahlreiche Sicherheitsverbesserungen durchmachte. Am Schluss wog Hermes 21 t bei 3 t Fracht. Kliper soll 14.7 t wiegen bei maximal 0.7 t Fracht. Heute wäre der Transport von 21 t ohne Problem mit einer Ariane 5 ESV, Proton oder Delta IV Heavy möglich und ein Raumgleiter dieser Art könnte 6 Personen zur ISS bringen und zudem Ausrüstung ersetzen und rückführen. Das dumme ist nur: Auch die ISS ist inzwischen ein ungeliebtes Kind. Wenige Monate vor dem Columbia Verlust wollte die NASA sie streichen weil sie zu teuer wurde. Das Verrückte daran: Mit dem Verlust der Columbia hätte man nun auch einen Grund dafür gehabt. Doch wie es bei den Amerikanern ist: Wenn so etwas kommt, dann heißt es "Jetzt erst recht".

Ich denke es wird irgendwann einen Shuttle der zweiten Generation geben - nur für den Mannschaftstransport und erheblich kleiner als der heutige Space Shuttle. Allerdings gibt es derzeit ein Problem: Beginnt man erst jetzt mit der Entwicklung, so ist er fertig wenn die ISS am Ende ihrer Lebenszeit angekommen ist. Dann ist er also unnütz, denn er kann nur als Transportmittel dienen nicht wie das Spaceshuttle als Träger eines Raumlabors. Erst wenn man eine neue Raumstation konzipiert wird man wieder einen neuen Space Shuttle brauchen.

Montag 5.2.2006: Langfristige Planungen

Ich hab mir überlegt ob ich mal was über meinen Geburtstag schreiben sollte, denn ich am Samstag feiern dürfte. Doch bis auf das es mein 42 ist und ich gespannt bin ob ich nun im neuen Lebensjahr die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest erfahre und ich hoffe, dass mein neues Lebensjahr weniger turbulent ist als das letzte, mir aber einige Emailbekanntschaften in Deutschland und der ganzen Welt die aus diesen Aufregungen resultieren erhalten bleiben, will ich eigentlich nichts dazu sagen. Aber mal über das Thema Langfristige Planung in der Raumfahrt.

Raumfahrt umfasst ein weites Spektrum - kommerzielle Aktivitäten. Einzelne Programme, große und kleine Missionen. Doch Kernstück einer jeder Raumfahrtpolitik ist eine langfristige Planung. Wer denkt hier nicht an das Apollo Programm als ein erfolgreiches Beispiel. Wer große Schritte unternehmen will braucht eine langfristige Planung die sich über ein Jahrzehnt erstreckt. Das Space Shuttle, die ISS, eine Marslandung das alles sind Programme die über Jahrzehnte laufen.

Doch darin liegt auch die Gefahr. Politische Randbedingungen können sich ändern. Paradebeispiel ist auch hier das Apolloprogramm. Es kostete insgesamt 24.6 Milliarden Dollar, davon entfielen 22.3 Milliarden bis Apollo 11 und die restlichen 2.3 auf die folgenden 6 Flüge. Dieses krasse Missverhältnis liegt daran, dass die Entwicklungskosten der Hauptbrocken sind und die Fertigungskosten vergleichsweise gering. Ein Apollo Raumflug kostete zwischen 350 und 450 Millionen Dollar - das war selbst damals teuer (3 mal so teuer wie die Mariner 6+7 sondern die damals zeitgleich unterwegs waren), aber preiswert im Vergleich zu den Entwicklungskosten. Aber nach der erfolgreichen Mondlandung kam schon die Frage nach weiteren Flügen auf, wo man doch so viele Probleme auf der Erde hatte, vor allem den ausufernden Vietnamkrieg. Man strich 3 Apollo Missionen, konnte aber die Hardware zumindest noch verwenden: Die 3 Apollo Raumschiffe wurden als Skylab 2-4 gestartet, eine der Saturn 5 Raketen trug das Labor selbst in den Orbit. 2 andere Saturn 5 Raketen stehen heute als Ausstellungsstücke herum. Jede kostete einmal 113.1 Millionen Dollar für die Herstellung.

Die ISS ist ein gutes Beispiel wie ein fehlender politischer Wille verheerend sein kann. Geplant war die ISS noch unter dem Namen Freedom und wurde erstmals 1984 projektiert. Als Baukosten nahm man 8 Milliarden USD an. Fertigstellung sollte 1992 sein. Der Verlust der Challenger führte zu gravierenden Änderungen im Konzept und Streckung des Zeitplanes auf 1998. In der Folge konnte man sich nicht für das Projekt erwärmen, plante es immer kleiner während gleichzeitig die Kosten ansteigen, weil alleine die Planung Millairden verschlang. Als die UdSSR sich zur GUS wandelte sah man einen weiteren Partner und aus dem (schon vorher internationalen Projekt Alpha) wurde die ISS. Die folgen des wirtschaftlichen Zusammenbruches war aber auch dass Russland kein großer Partner mehr war und der Anteil an der Station laufend abnahm und sich die Rolle vor allem auf den Mannschaftstransport und die Versorgung beschränkte. Die ISS geriet immer teurer und im erbst 2002, als die Station noch nicht einmal zur Hälfte fertig gestellt war und alle wichtigen wohn und Forschungsmodule noch fehlten kündigte die NASA an man überlege die Station nicht mehr fertig zu stellen und dauerhaft nur mit 2-3 Mann zu besetzen. Das führte natürlich bei der ESA und den anderen Mitgliedern zu Ärger. Wäre die Columbia nicht verglüht, wahrscheinlich hätte man dies auch gemacht. So aber wäre das einem Rückzug aus der bemannten Raumfahrt gleichgekommen.

Budget 2005Nun haben die USA wieder eine neue Vision: Die Rückkehr zum Mond. Ich möchte kein Urteil über den Sinn dieses Unternehmens abgeben, aber über die Art wie man es zu finanzieren gedenkt. Nämlich über Einsparungen und das klappt so nicht. Zum einen reicht das eingesparte Geld nicht aus. Zum anderen führt das zu einem Kahlschlag bei den unbemannten Raumfahrtprogrammen, das zeigte schon das Budget für 2007: 2 Milliarden USD sollen hier über die nächsten 5 Jahre eingespart werden, Der Terrestrial planet Finder und Sofia sollten gestrichen werden (letztes wurde angesichts des fast fertigen Teleskops und der Beteiligung der BRD wieder rückgängig gemacht). Ebenso ein Europa Orbiter. Die Space Interferometer Mission wurde um 3 Jahre auf 2015 verschoben, der Europa Orbiter gestrichen, dem Marsprogramm ein Viertel der Mittel gestrichen und so fort. Das ist der Unterschied zu früher. Apollo  ging nicht auf Kosten der unbemannten Raumfahrt.

Und in Europa: Wir können zufrieden sein. Die ESA hat 10 Jahre gebraucht um einen eigenen Kurs zu finden. 1975 offizielle gegründet hat sie zuerst die ESRO/ELDO Projekte übernommen und kleinere neue Satelliten konzipiert, auch größere Projekte wie Ariane und das Spacelab. doch Mitte der achtziger Jahre ging man an eine Definition eines Programms über das Jahr 2000 hinaus, mit Schwerpunkten: Einer neuen Trägerrakete (Ariane 5), einem bemannten Programm (ursprünglich ein eigenes Labor, das an Alpha andocken konnte und ein eigener Raumgleiter, dann immer kleinere Entwürfe bis man schließlich bei Columbus ankam) und ein wissenschaftliches Programm mit Zukunftsaussichten. Es bestand aus 4 "Cornerstone" Missionen: Der Kometensonde Rosetta, dem Röntgenssatelliten XMM, die Cluster II Satelliten und SOHO als dritte und Herschel als vierte Mission. Ergänzt wurde dies durch Medium sized Missions wie Huygens, Integral und Planck. Weitere Missionen folgten. Europa hat inzwischen in der Erforschung des Weltraums einen soliden zweiten Platz, im Bereich der Astronomie kann man mit der NASA mithalten. Und dies bei einem viel kleineren Budget. Man kann viel über die Schwerfälligkeit der ESA sagen, die bei Entscheidungen auf einen Konsens von vielen Ministerpräsidenten und Kanzlern angewiesen ist, doch ein einmal eingeschlagener Kurs wird konsequent verfolgt und nicht wie in den USA nach jeder Wahl erneut hinterfragt oder ein NASA Budget nach Lust und Laune vom Kongress mal weitgehend gebilligt und mal zusammengestrichen. Wie schön wäre es wenn man beides kombinieren könnte: Der verlässliche Kurs der ESA mit der Finanzkraft der NASA....

Dienstag 6.2.2006: Boom!

Am 30.1.2006 explodierte ein Zenit Trägerakete beim Start auf ihrer Plattform, einer umgebauten ehemaligen Ölförderungsplattform. Der kommerzielle Anbieter Sea Launch reagierte wie man dies eigentlich nur noch von den Chinesen kannte - unmittelbar nach der Explosion wurde die Videoübertragung unterbrochen und es war nur noch das Firmenlogo zu sehen. Zwei Tage später gab es eine kurze Pressenotiz, wonach die Plattform keine größeren Schäden erlitten hätte und niemand zu schaden kommt (der Start wird von einem Schiff aus gesteuert, das 4 km von der Startplattform entfernt ist).

Damit hat Sea Launch einen weiteren Rückschlag erlitten. Sea Launch, 1995 gegründet absolvierte 1999 den ersten kommerziellen Start. In den letzten Jahren hat sich die Firm zur Nummer 2 auf dem kommerziellen Markt für Geostationäre Nutzlasten nach Arianespace entwickelt. Die Zenit Trägerakete mit der Oberstufe Block-DM (übernommen von der Proton) wird von einer mobilen Plattform aus gestartet. Vom Äquator aus kann die Zenit so bis 6000 kg in den GTO Orbit befördern - mehr als die Proton M mit 5520 kg, obgleich die Nutzlast für niedrige Orbits kleiner ist. Aber die Rakete startet eben von einem geographisch günstigen Ort aus und nicht wie die Proton von Baikonur mit minimalen Bahnneigungen von 51.7 Grad, die von der Oberstufe dann kompensiert werden müssen.

Es war der 24 Flug einer Zenit und sollte der Auftakt für ein Jahr mit 6 Flügen werden - mehr als jemals zuvor. Vor allem aber ist es der dritte Vorfall mit dieser Trägerakete bei Sealaunch. Zwei Fehlstarts gab es und einmal wurde ein zu niedriger Orbit erreicht. Das ist bei 24 Starts keine gute Bilanz, zumal die Zenit nicht ein neuer Träger wie die Ariane 5 oder Delta 4 ist, sondern ihren Erstflug 1985 hatte. Sollte es zu längeren Verzögerungen kommen, so könnten Kunden zu Arianespace oder zur H-2A wechseln. Diese drei Firmen haben eine Allianz geschlossen bei der Kunden bei Nichtverfügbarkeit wechseln können. Das war bislang einmal der Fall, als nach dem Fehlstart der Ariane 5 ECA Arianespace erst einmal neue Ariane 5 mit der alten Erststufe bauen lies und es nicht genügend Träger für alle Kunden gab.

Nachdem eine Proton M im letzten Jahr ebenso einen Satelliten in einer unbrauchbaren Bahn absetzte sieht es nicht schlecht um Arianes Marktposition aus. Erstaunlicherweise konnte die H-2A keine kommerziellen Kunden gewinnen. Anders als die H-2 startet diese neue Version häufiger und ist zuverlässiger. Aber die H-2 ist deutlich teurer, wie auch die Atlas und Delta. Offensichtlich spielt dies für kommerzielle Kunden eine größere Rolle als die Kosten bei dem Verlust eines Satelliten. Deis dürfte sich erst ändern wenn die Versicherungsprämien für die Proton und Zenit steigen. Das ist nach den beiden Fehlstarts zu erwarten. Ariane 5 kann dagegen seit dem Fehlstart der EC-A vor 4 Jahren eine makellose Bilanz vorlegen und damit sinken auch die Prämien. Es sieht gut aus für unsere "dicke" Ariane 5.

Freitag 9.2.2006: Zu alt für manches?

Vor ein paar Tagen hatte ich im Chat eine Diskussion mit Bekannten, noch 18 Jahre jung. Sie regte sich auf, das im Clipfish Lipsync Contest damals Sternlein1310 vorne lagen und sich Lynne und Tessa mit Ihnen als Gewinner treffen sollten. Das wäre peinlich, weil diese ihre Eltern sein könnten. Die Diskussion verlief dann hin und her und am Schluss stellte sich heraus, das es weniger um Sternlein1310 ging, als vielmehr darum, dass Sie überhaupt ein Problem mit einem Zwangstreffen hat. Und dieses Problem bei jemanden der völlig anders ist (in diesem Falle eben erheblich älter) deutlicher zutage tritt als bei jemanden im gleichen Alter.

SteevejanpanTrotzdem denke ich gibt es genügend Leute die wohl so ähnlich denken: Sich vor der Kamera zu posieren und mit 50 zu Tönen von Heintje Lipsync zu machen ist oberpeinlich. Vielleicht, auf jeden Fall ist es lustig wie ich bei Sternlein1310 bestätigen kann. Es ist sicher auch nichts für jeden. Ich würde sicher kein Video von mir so ins Netz (zumindest für die Allgemeinheit) stellen. Doch wenn man sich  so präsentieren will und riskiert, dass andere nicht nur über einen lachen, sondern einen vielleicht auslachen, dann ist das eine persönliche Entscheidung. Und ich kann auch verstehen, dass Sternlein1310 bei dem Wettbewerb mitgemacht. Wahrscheinlich nicht um L&T zu treffen, sondern nur um zu wissen wie gut sie sind. Wahrscheinlich bekommen sie auch viele Stimmen von den Leuten in ihrem Alter (zumindest von mir). Daher sind sie auch gut platziert.

Gibt es Hobbys nur für Junge? Sicher manche Sportarten kann man mit 80 nicht mehr in dem Maße betreiben wie mit 20. Interessen verschieben sich. Aber geht es bei Lipsync nicht darum das man Spaß hat sich so zu präsentieren, dass andere über einen Lachen können oder fasziniert sind. Hat dies etwas mit dem Alter zu tun? Nein hat es nicht. Vielleicht wagt man es als Jugendlicher nur eher. Wer älter ist denkt mehr an seine Umwelt - Was passiert wenn das meine Kollegen oder Verwandten sehen ? Ich würde es gerade anders rum sehen: Wer das mit 40,50 noch macht beweist eine geistige Frische, eine Aufgeschlossenheit gegenüber neuem.

Ehrlich gesagt finde ich es erstaunlich. Heißt es doch immer. Die ältere Generation hätte Vorurteile und verstände die Jugend nicht mehr. Doch zeigt mir das, dass man es auch genau umgekehrt verstehen kann. Da ist der Schritt nicht weit anderen Leuten noch mehr zu unterstellen. Nur weil sie im Herzen jung geblieben sind und bin 40 oder 50 noch Spaß an Dingen wie mit 20 haben - eine sehr positive Sache.

Hier mal ein Linke zu Steevejanpan. Er ist auch schon ein älteres Semester und seine Videos sind super lustig! (Bild rechts).

Samstag 10.2.2006: Pressemitteilungen

Sie erinnern sich noch an die Pressemitteilung von Sealaunch ? Da hieß es:

Long Beach, Calif., January 30, 2007 –A Sea Launch Zenit-3SL vehicle, carrying the NSS-8 satellite, experienced an anomaly today during launch operations.

Sea Launch will establish a Failure Review Oversight Board to determine the root cause of this anomaly. Please call the Sea Launch Hot Line for further information, as it becomes available. We will also post updates on the Sea Launch website at www.sea-launch.com.

Wer sich mit Raumfahrt beschäftigt kennt solche Presseerklärungen. Nach dem fehlgeschlagenen Jungfernflug der Ariane 5 am 14.6. verlautbarte die ESA:

N° 19-1996: The first Ariane-5 flight did not result in validation of Europe's new launcher

4 June 1996
It was the first flight test of an entirely new vehicle each of whose elements had been tested on the ground in the course of the past years and months.

Of an entirely new design, the launcher uses engines ten times as powerful as those of the Ariane-4 series. Its electronic brain is a hundred times more powerful than that used on previous Ariane launchers. The very many qualification reviews and ground tests imposed extremely tough checks on the correctness of all the choices made. There are, however, no absolute guarantees. A launcher's capability can be demonstrated only in flight under actual launch conditions.

A second test already scheduled under the development plan will take place in a few months' time. Before that, everything will have to be done to establish the reasons for this setback and make the corrections necessary for a successful second test. An inquiry board will be set up in the next few days. It will be required to submit, by mid-July, an entirely independent report identifying the causes of the incident and proposing modifications designed to prevent any further incidents.

Ariane-5 is a major challenge for space activities in Europe. The skills of all the teams involved in the programme, coupled with the determination and solidarity of all the political, technical and industrial authorities, make us confident of a successful outcome.

In solchen Bulletins wird man nicht das Wort "failure" oder "explosion" oder ähnliches finden. Das ist bei den ersten Pressemitteilungen auch nicht zu erwarten. Dies sind vorgefertigte Schreiben die bei jedem Anlass veröffentlicht werden. egal ob die Rakete beim Start explodiert und die Startplattform zerlegt oder es nur eine kleine Anomalie beim Flug gab. Später schiebt man eine ausführlichere Pressemitteilung nach. so tat dies auch die ESA zwei Tage später in der man die Ursache eingrenzte und von der Explosion sprach. Weiterhin gab es nach dem Fehlstart Bilder der Rakete. Man sah die Trümmer langsam herabregnen.

Sealaunch verhielt sich hier weitaus unprofessioneller. Sofort nach der Explosion wurde die Videoübertragung abgebrochen und ein Firmenlogo gezeigt. Das erinnerte sehr stark an das Verhalten Chinas als bei einem Start eines Intelsat Satelliten ein Booster ausfiel und die Rakete sich nach dem start drehte und in einen Hügel flog und dort explodierte. Auch hier wurde danach die Videoübertragung abgebrochen.

Auch die später veröffentlichte zweite Erklärung war hier nicht so hilfreich:

Long Beach, Calif., February 1, 2007 – Following the unsuccessful launch of the NSS-8 spacecraft on January 30, and subsequent safing of all systems, Sea Launch is now in the process of securing the Odyssey Launch Platform and taking initial measures to determine the root cause and implement necessary corrective actions. Applications for all necessary permits and licenses required to proceed with these activities are also in process.

Das sagt wiederum nichts über die Ursache aus. Wer das Video nicht gesehen hat kann aus dieser Erklärung nicht erkennen, was denn eigentlich passiert ist. Das ist für eine Firma kein schlechtes Zeugnis. Wenn eine Ariane 5 versagt, so erfährt man den Grund, das ganze wird untersucht und öffentlich gemacht. Diese Vorgehensweise dient natürlich auch dazu Kunden zu überzeugen, dass man alles tut, damit ein Fehler nicht erneut auftritt. Auch als am 26.2.2006 eine Proton mit einem Arabsat in einem unbrauchbaren Orbit strandete erfuhr man wenige Stunden danach was passiert war, wenn auch die genaue Ursache noch untersucht wurde war klar, dass die Breeze Oberstufe im 174 km hohen Parkorbit nicht gezündet hatte.

Sealaunch wird also noch etwas an seiner Öffentlichkeitsarbeit feilen müssen....

Seen auf TitanSonntag 11.2.2007: Titan

Seit 2004 umkreist Cassini den Saturn. Nach den ersten 2 Jahren in denen die Aufmerksamkeit vor allem den Eismonden und dem Ringsystem galt finden in diesem Jahr sehr viele Vorbeiflüge an Titan statt. Jeder liefert ein weiteres Puzzlestück zum Verständnis dieses Saturnmondes.

Titan war schon lange ein Mysteriöser Mond. Man entdeckte bei ihm erstmals eine Atmosphäre. Er war so wichtig, dass eine der beiden Voyager Sonden in 4000 km Entfernung passierte - Aufnahmen wurden gemacht, zeigten jedoch kaum Details. Der Mond ist von einer dicken Smogschicht umhüllt. doch das Interesse war geweckt und so sandte die ESA die Huygens Sonde mit Cassini zum Titan um dort zu landen und auch bei Cassini steht Titan im Mittelpunkt des Interesses.

Was wissen wir nun nach etwas mehr als 2 Jahren und 24 Vorbeiflügen - Relativ viel, jedoch gibt es noch viele Rätsel und noch ist vieles nicht verstanden oder wissenschaftlich abgesichert. Die Untersuchungen ergeben aber folgendes Bild:

Titan ist in vielem viel erdähnlicher als Venus oder Mars. Vor allem besitzt er einen Flüssigkeitskreislauf und ist heute noch geologisch aktiv. Auf der Erde gibt es den Wasserkreislauf: Wasser verdampft, wird zu Wasserdampf, kondensiert als Wasser in den Wolken, regnet wieder herab. Wird es zu kalt so bildet es Eis. Es gibt auf der Erde Flüsse, Seen und Meere. Auf dem Titan erfüllt das Methan diese Aufgabe. Bei den Temperaturen dort ist es je nach Jahreszeit und geologischer Breite flüssig oder gasförmig. Huygens hat beim Abstieg Kanalähnliche Formationen gefilmt. Größere Strukturen der gleichen Art findet man auf den Radaraufnahmen von Cassini. Auf dem Boden sieht man bei den Huygens Aufnahmen große dunkle Gebilde. Dies sind wahrscheinlich keine Seen, sondern Sedimentablagerungen. Anders als unser Wasser sind die Titantemperaturen nämlich nahe am Siedepunkt des Methans. Es verdampft also sehr rasch. Es lagert aber Sediment in Vertiefungen ab. Nur and en Polen können sich Seen längere Zeit halten. Cassini entdeckte zahlreiche Gebilde dort die man für Seen hält. (Wahrscheinlich, weil man eben nur Radaraufnahmen haben und die sagen nur aus, dass es ein Gebiet mit extrem glatter Oberfläche ist). Alle befinden sich nahe des Nordpols. Weiterhin entdeckte das Infrarot Spektrometer VIMS eine ausgedehnte Methanwolke rund um den Nordpol. Sie hält sich dort über Jahre, wahrscheinlich bis zu 25 Jahre. So lange weil ein Jahr auf Titan 29.5 Jahre dauert. Die meiste Zeit davon befindet sich der Pol im Schatten. Seen und Flüsse sind auf dem Titan nicht von Dauer. Sie sind eine temporäre Erscheinung. Das Bild links zeigte eine künstlerische Darstellung eines Seengebiets nahe des Nordpols von Titan (der zur Zeit im Schatten liegt und bei dem die Temperaturen tief genug für flüssiges Wasser sind). Basis dafür war ein RADAR Bild das entzerrt, und eingefärbt wurde, Blau und Schwarz sind potentielle Seen.

Ein weiterer unterschied ist, dass der Mond laufend Methan verliert. Ohne Ozonschutzschicht wie bei uns zerstört die solare UV Strahlung die Methanmoleküle. Sie reagieren mit dem Stickstoff dem Hauptbestandteil der Atmosphäre und untereinander und bilden Ethan, organische Cyanide und höhere Kohlenwasserstoffe. Diese Verbindungen sind alle unter Titanbedingungen fest. Sie regnen aus und bilden ein Sediment, das von dem Titanregen ausgewaschen wird. Das bedeutet, dass der Mond laufend neues Methan bekommen muss.

TitanDie Quelle dafür liegt im inneren. Cassini Aufnahmen zeigen Gebilde die zu einem Kryovulkanismus gehören. Unter dieser Bezeichnung versteht man Vulkanismus mit Stoffen die nur bei Titanbedingungen flüssig sind. Die "Lava" auf Titan ist ammoniakhaltiges Wassereis. Mit dieser wird auch Methan freigesetzt. Huygens maß beim Abstieg auch die Konzentration der Argon Isotope. Argon ist ein Edelgas, bei dem eines der Isotope, Argon-40 aus dem Zerfall von Kalium 40 stammt. Kalium 40 wiederum ist Bestandteil des Silikatkerns von Titan. Je mehr man Argon-40 in der Atmosphäre findet, desto aktiver muss der Mond sein um es an die Oberfläche zu befördern. Die Analysen zeigen, dass es viel mehr Methan einmal in der Atmosphäre gegeben haben muss, Trotzdem war der Boden an dem Huygens Landeort davon getränkt. Es gaste durch die Abwärme der Sonde aus.

Es gibt noch mehr Anzeichen für eine geologische Aktivität und das ist das weitgehende Fehlen von Kratern. Trotz der dichten Atmosphäre sollte es sehr viele Krater mit einem Durchmesser von 1 km und mehr geben. Man findet jedoch nur sehr wenige. Warum ? Weil der Einschlag eine dünne Kruste durchschlägt und dann ausströmendes Eis den Krater füll? Oder ist die Oberfläche in Bewegung wie auf der Erde? Oder ist es die Atmosphäre. Immerhin sieht man auf den Radaraufnahmen Riffeln die an Dünen auf der Erde erinnern. Auch Wind gibt es offenbar auf Titan.

Hoffen wir auf weitere Ergebnisse von Cassini. Vor allem aber, dass man sich jetzt Gedanken über eine Nachfolgemission macht - Einen Titanorbiter mit Radar und weiterentwickelten Infrarotkameras, die durch die Smogschichten hindurch sehen können. Von 2016-2019 gibt es die nächste Fluggelegenheit über Jupiter bei der man schneller zu Saturn kommt (in 4 anstatt 6 Jahren) und gleichzeitig weniger Energie beim Start braucht. Solche Fenster gibt es nur alle 19-20 Jahre. Das letzte nutzte Cassini aus, das vorletzte Voyager. Es wäre an der Zeit jetzt an die Planung einer Sonde zu gehen.

Das Bild links zeigt eine Falschfarbenaufnahme im sichtbaren Bereich. Cassini kann in einem kleinen Fenster die Smogschichten durchdringen, doch selbst dann sind die Strukturen durch Streuung an den zahlreichen Aerosolen in der Titanathmosphäre stark verschmiert. Im Infraroten bekommt man etwas bessere Bilder, doch Cassinis VIMS hat nur eine schlechte Auflösung und kann nur zeilenweise maximal 64 Pixels auf einmal erfassen. Cassini ist eine eigene Sektion auf dieser Website gewidmet. Mit den laufenden Ergebnissen der Mission beschäftigt sich in jedem Halbjahr ein anderer Artikel. Im ersten Halbjahr 2007 ist es schon der sechste dieser Art.


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