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Web Log Teil 151 : 6.2.2010-12.2.2010

Samstag den 6.2.2010: Die Schweiz und das Bankgeheimnis

Derzeit gibt es ja die Auseinandersetzung ob der Kauf der Daten-CD mit schweizerischen Bankdaten für 2,5 Millionen Euro rechtmäßig ist. Das ist es natürlich nicht. Aber es ist sicher ein gutes Geschäft für die Bundesfinanzverwaltung. Schon alleine die Möglichkeit auf der Liste sich wiederzufinden dürfte genügend Steuersünder zu einer freiwilligen Selbstanzeige führen, weil dies immer noch billiger als eine offizielle Verfolgung durch den Staat.

Erstaunt hat mich aber die Reaktion der Schweizer darüber, wie sie in zahlreichen Interviews geäußert wurde. Vor allem diese heuchlerische Empörung. Diese wäre nicht nötig, wenn die Schweiz sich an bilateralem Austausch von Daten über Steuersünder beteiligen würde. So was soll es ja auch zwischen Deutschland und der Schweiz geben um Zugriff auf die Daten von Steuersündern zu gewährleisten, analog wie es in Deutschland funktioniert. Auch hier kann ja das Finanzamt nicht einfach so auf die Daten zugreifen. Das msus dann schon entsprechend abgesegnet sein.

Die Frage ist doch: Wem nützt dieses uneingeschränkte Bankgeheimnis? Vor allem einmal der Schweiz selbst. So ist sie in den letzten Jahrzehnten zu einem Fluchtpunkt von Schwarzgeld und illegalem Kapital geworden. Die Schweiz ist reich geworden dadurch. Denn durch das Bankgeheimnis kommt ja niemand mehr an das Geld außer dem Eigentümer oder jemand der von ihm den Zugriff bekam. Wer weiß wie viel Geld auf Schweizer Konten schlummert von dem die Erben nichts wissen. Mal abgesehen von den Milliarden die Juden im zweiten Weltkrieg dort deponierten und die es später nicht mehr abholen konnten.

Auf Schweizer Konten sind 2 Billionen Euro deponiert. Wenn davon nur 1 % jährlich in Form der Differenz zwischen Zinssatz und Kreditzinsen in die Wirtschaft zurückfließt, dann sind das 20 Milliarden Euro oder pro Bürger in etwa so viel wie unser Bundeshaushalt beträgt. Da braucht man sich sich nicht über den Wohlstand dort wundern.

Nun gibt es überall solche Steuerschlupf- und Schwarzkapitalparadiese. Aber die Schweiz ist das einzige Flächenland und das einzige Land wo die Bürger sich noch aufregen. Das unterscheidet sie von Monaco, Andorra, Lichtenstein oder den Cayman Inseln. In Lichtenstein wissen die Leute das ihr kleines Fürstentum vom Geldwaschen lebt und weil das Ländchen so klein ist wird es wohl auch kaum eine andere große Volkswirtschaft geben. Aber die Schweiz? Ein Land das sich gerne als der Geburtsort der Volksdemokratie ansieht? Bevölkert mit Leuten die mit uns Schwaben verwandt sind und eigentlich rechtschaffende, fleißige Leute sind? Aber vielleicht war das einmal. Vielleicht ist heute die Schweiz nur noch eine reiche Insel in Europa, die vom internationalen Hehlertum lebt. Bekanntlicherweise sind ja Ausländer und Moscheen dort auch nicht erwünscht. Die Schweiz scheint sich durch die Billionen illegalem Geldes verändert zu haben. Sie heute eine Gesellschaft die vom Blutgeld afrikanischer Diamanten, den Einkünften von kolumbianischen Kokainanbau, den Ölmilliarden des Bin Laden Klans zur heimlichen Unterstützung von Al Quaida und natürlich von den Mafiamilliarden verdient von osteuropäischen Prostituierten lebt. Denn noch mehr als mit hinterzogenem Geld, kann man mit kriminell verdientem Geld verdienen und das dürfte inzwischen auch den Großteil der Schweizer Anlagen ausmachen.

Nur liebe Schweizer dann spielt nicht die entrüsteten! Ihr seid nichts anderes als ein Volk von Hehlern und Handlangern und euer Bankgeheimnis ist auch nichts anderes als der Ehrencodex der Mafia. Wer mit Kriminellen auf der ganzen Welt Geschäfte macht ist auch nicht besser als diese. Nicht wahr liebe Meineidgenossen? Also lasst die öffentliche Entrüstung, die könnte ihr beim Treffen mit den Drogenbaronen von Medellín oder den Finanziers der Taliban vorspielen.

Montag 8.2.2010: "Pimp up" the ISS

Es wird Zeit: Zeit für einen Aufsatz in der allseits beliebten Reihe: "Gut das wir es besser wissen!". Also wie kann man aus der jetzigen ISS noch mehr rausholen? Es gibt hier drei Punkte:

Mehr Forschung!

Ich will einmal Sinn und Kosten der ISS Forschung ganz außen vor lassen. Aber wenn die ISS schon mal da ist, so sollte man deren Forschungsmöglichkeiten maximieren.  Alleine im Columbus Labor können drei Astronauten arbeiten und es ist das kleinste der drei Labors. Dazu kommt ein viertes, das Zentrifugenlabor, das gebaut wurde, aber nicht ins all befördert wurde.

Von den sechs Astronauten die heute auf der ISS arbeiten können nur drei ganztägig und einer einen halben Arbeitstag forschen, die restliche Arbeitszeit wird für die Bordsysteme benötigt.

Daher der erste Ansatz: Genügend Wohnraum für mehr Astronauten/Kosmonauten. Nun gibt es zwar über 900 m³ Innenvolumen für sechs Astronauten, also rund 50 % mehr als bei Skylab, das als sehr komfortabel galt. Das Problem: die reinen Wohnmodule wurden gestrichen. Die Besatzung lebt in Swesda oder Harmony, zwischen Avionikschränken mit lauten Lüftern. Daher mein erster Ansatz: Mehr Raum für 9 Astronauten. Und zwar reinen Wohnraum. Dazu könnte man die MPLM einsetzen. Eines wird ja schon für 40 Millionen Dollar als Frachtmodul umgebaut. Die beiden anderen könnten als Wohnmodule umgebaut werden. Jedes für drei Astronauten. Ein MPLM bietet rund 70 m³ Raum. Da sie leer nur etwa 4,5 t wiegen könnten sie auch ausgerüstet gestartet werden, zum Beispiel indem das Antriebsmodul des HTV mit einem MPLM verbunden wird. Wie beim HTV würden sie in den Nahbereich der Station manövriert werden und dann dort eingefangen und angekoppelt werden. Ein weiterer HTV könnte die Inneneinrichtung für das beim letzten Space Shuttle Flug zu startende Modul bringen. Träger könnten Ariane, H-2B oder Delta IV Heavy sein.

Die drei Wohnmodule hätten einige Vorteile. Es wären zum einen richtige Wohnmodule, mit Möglichkeiten sich privat einzurichten, mit Schränken für persönliche Dinge, Trennwänden für eine Privatsphäre und genügend Platz um sich selbst zu entfalten (rein rechnerisch hätte jeder Astronaut 24 m³ so für sich - in etwa den Rauminhalt den ein 10 m² großes, 2,40 m hohes Zimmer aufweist). Es wäre dort auch leise, weil es eben nicht ein umgebauter Knoten oder eine Steuerungszentrale ist bei denen man ein oder zwei Racks für Schlafkabinen weggelassen hat. Beides denke ich würde der Arbeitsmoral, Fitness und dem gesunden Schlaf der Besatzung zugute kommen und so auch die Forschung verbessern. In dieser Hinsicht muss sich die ISS heute hinter Skylab verstecken, dafür ist sie aber 30 mal teurer....

Als letztes wäre da noch das Zentrifugenmodul. Es galt als das wichtigste Forschungsmodul auf der ISS, weil es als einziges einen Bereich für höhere Lebewesen (Fische, Mäuse, Frösche) zur Verfügung stellt und durch die Zentrifuge Vergleiche zwischen 0 und 1 g erlaubt (es sind auch Werte unter 1 g aber größer als 0 g möglich, was bisher einmalig ist). Bestückt mit einem Antrieb des HTV könnte eine Ariane 5 oder Delta IV Heavy es starten und es könnte an die ISS angekoppelt werden. Dann stehen vier Forschungslabors zur Verfügung. Denn Antrieb des HTV habe ich ausgewählt weil er verfügbar ist und das HTV deutlich preiswerter als ein ATV ist.

Sicherung der Versorgung

Eines der Dinge die ich nicht verstehe ist die Haltung der NASA zur Versorgungsfrage. Seit 2005 ist klar dass die Space Shuttles ab Ende 2010 nicht mehr zur Verfügung stehen. Es gab also fünf Jahre Zeit sich darauf vorzubereiten. Die NASA hat sich für eigene Transportvehikel entschieden, aber erst recht spät. so ist für mich unverständlich warum die Lücke in der ISS Versorgung (nach Arianespace Angaben von 2011-2014 zwischen 3 und 12 t pro Jahr) nicht durch den Ankauf von HTV und ATV Flügen geschlossen wurde (Progress scheiden aus, weil nun mehr Sojuskapseln produziert werden und beide auf einer gemeinsamen Produktlinie entstehen). Wozu gibt es die anderen Systeme? Zu Sicherung der Versorgung. Es wäre nun die Stunde in der sich die Versorgung der ISS über mehrere Säulen bewährt hätte. Unverständlich dass man nicht darauf zurückgreift.

Für meinen Plan mit einer Besatzung von 9 Personen wären die beiden Schwertransporter sogar besonders wichtig, da dadurch nochmals zwei Sojuskapseln mehr pro Jahr benötigt werden und natürlich auch mehr Versorgungsgüter erforderlich sind.

Reduktion der Versorgungsflüge

Daher muss die Anzahl der Flüge reduziert werden. Eine wichtige Maßnahme ist es den Orbit anzuheben. Je näher eine Raumstation der Erde ist, desto stärker wird sie von der Restatmosphäre abgebremst. Der Effekt nimmt bei den ersten paar 100 km rasch zu. Da er von der Sonnenaktivität und Form des Körpers abhängt ist eine genaue Vorhersage schwierig, aber es gibt Erfahrungsdaten. Die folgende Tabelle enthält die Orbits der GATV Zielkörper im Gemini Programm und ihre Lebensdauer im Orbit:

Ziel Orbit Lebensdauer
GATV 8 380 x 386 km 548 Tage
ATDA 298 x 310 km 40 Tage
GATV 10 352 x 381 km 163 Tage
GATV 11 287 x 305 km 108 Tage
GATV 12 260 x 295 km 41 Tage

Recht deutlich ist der Unterschied: 100 km mehr Höhe bedeuten eine zehnmal höhere Lebensdauer. Skylab hatte in 440 km Höhe schon eine Lebensdauer von über 5 Jahren und nochmals 100 km höher (in 550 km Höhe) dürfte auch die ISS mit ihren weitauslagenden Solarzellen eine Lebensdauer von mehr als einem Jahrzehnt haben - dann wäre gar kein Treibstoff mehr notwendig um die Station anzuheben.

Um die Station von 407 auf 550 km anzuheben braucht man nur 80 m/s, was bei einer rund 500 t schweren Station rund 13 t Treibstoff entspricht. Also so viel wie 2-3 ATV oder 5 Progress zur Station bringen. Das sind viele Flüge hintereinander, aber sie lohnen sich: Denn sie fallen nur einmal an. Denn die gleiche Treibstoffmenge benötigt man innerhalb von 2 Jahren um einen 407 km hohen Orbit aufrecht zu erhalten: Also lieber einmal klotzen und dann Treibstoff einsparen als dauernd kleckern. In der Summe spart man so über die Lebensdauer der ISS rund 50 t Versorgungsgüter, also fast 20 Progressflüge oder 7 ATV Flüge ein.

Das nächste ist ein geschlossenes Lebenserhaltungssystem. Die ISS hat derzeit zwei Systeme. Das russische Elektronsystem entzieht der Luft die Luftfeuchtigkeit und kondensiert diese aus. Urin und Brauchwasser werden nicht aufbereitet. Das amerikanische System destilliert auch Urin und Brauchwasser zu 93 % und reduziert so den Wasserbedarf um 65 % oder 2.850 l pro Jahr. Aber: Noch immer wird aber das Kohlendioxid nicht recycelt. Der Sauerstoff wird aus Wasser gewonnen und der Wasserstoff ins All entlassen.

Stattdessen könnte man im Sabatierprozess den Wasserstoff mit Kohlendioxid umsetzen und dabei Methan und Wasser erzeugt. Das Wasser kann man dann erneut verwenden. Der Wasserstoff selbst fällt als Abfallprodukt der Sauerstoffproduktion an. Übrig bleibt das Methan das man entlassen kann. Es reduziert den Restbedarf an Wasser auf ein Achtel. Theoretisch könnte das Methan auch als Treibstoff für ein Ionentriebwerk genutzt werden. Es würden pro Tag etwa 6 kg Methan anfallen. Bei einem spezifischen Impuls von 9.000 m/s (durchaus erreichbar mit einem Plasmatriebwerk) würde das alleine ausreichen die Station im Orbit zu halten. Dazu bräuchte man aber 24 kW Leistung - eine Menge die nicht zur Verfügung steht speziell wenn noch ein Labor zur Station hinzukommt. Dann müsste man noch ein Solarzellenmodul starten. Daher habe ich diese Lösung ausgechlossen.

Sinnvolle internationale Kooperation

Ich frage mich, warum man zwar die Station gemeinsam betreiben kann, aber beim Mannschaftstransport jeder sein eigenes Süppchen kocht. Europa hat das ATV entwickelt mit einer Reihe von Techniken die auch ein bemanntes Raumfahrzeug aufweisen muss wie hohe Sicherheit, automatische Kopplung (auch für Orion vorgesehen). Es denkt seit langer Zeit an eine bemannte Version. doch für Europa alleine lohnt sich die Entwicklung nicht und ist zu teuer. Umgekehrt fängt man in den USA nun nochmals von vorne an was den bemannten Transport angeht, diesmal eben "kommerziell". Warum nicht beides kombinieren? Warum nicht das Servicemodul des ATV und die Kopplungssysteme für ein bemanntes System verwenden und es durch ein von den USA entwickelte Mannschaftskabine ergänzen? Gestartet könnte es von einem US-Träger werden. Wenn bei jedem Flug ein ESA Astronaut dabei ist wäre die ESA zufrieden und die USA könnten einen Teil der Entwicklungskosten und Risiken sparen, da sie schon erprobte Systeme einsetzen würden.

Dazu kämen noch die Sojuskapseln als Backupsystem.

Zusammenfassung

Diese Vorschläge umgesetzt würden viel bringen:

Reduktion des Versorgungsbedarfs um 7.800 kg pro Jahr (bei einer 6 Mann Crew) - entspricht bei 3 Personen mehr einer Nettotransportmenge von 36,3 t pro Jahr (bei der derzeitigen ISS eine von 32 t pro Jahr) - es wäre also nur ein halber ATV/HTV Flug pro Jahr mehr notwendig um 3 Personen mehr zu versorgen!

Verglichen mit den Investitionen in die ISS wären die zusätzlichen Aufwendungen "Peannuts", ja es besteht sogar die Möglichkeit Kosten zu sparen , z.B. bei der Entwicklung eines neuen bemannten Systems. Aber es klappt nur wenn man zusammenarbeitet. Da liegt der Hund begraben.

Dienstag 9.2.2010: Ilias, Nibelungen & co

Vor einer Woche kam in TerraX eine Sendung über Troja und den Literaturwissenschaftler Raoul Schrott. Er vertritt die Ansicht die Ilias spielt nicht beim Hügel Hissalik sondern weiter südlich bei der Festungsstadt Karatepe. Da ich TerraX schon seit längerem kenne werde ich immer hellhörig wenn die These eines Mannes so episch ausgebreitet wird und es kaum Meinungen anderer Wissenschaftler gibt. Hier äußerten sie sich nicht zu dieser These (ich tippe drauf: sie wurden dazu gar nicht gefragt), sondern nur dazu, dass Hissalik das man heute für Troja hält irgendwie nicht zur Ilias passt - die Stadt ist zu klein und es gibt keine Spuren von Krieg oder Bränden. In der ganzen Festung wurden nur 3 Pfeilspitzen gefunden.... Das ist leider typisch für diese Reihe. Ich wünsche mir bei einer kontroversen These auch eine echte Auseinandersetzung mit dieser. Das scheint nicht in das Konzept der Sendereihe zu passen, die wohl mehr Geschichten erzählen will. Aber das man gar nicht erwähnt, dass Raoul Schrott derzeit mit seiner Meinung alleine da steht ist schon etwas dick aufgetragen.

Das ganze basiert eigentlich darauf, dass man die Ilias für Ernst nimmt, also annimmt es gab diesen Krieg, auch wenn er dichterisch ausgeschmückt wurde. Ich frage mich warum? Es gibt ja vom gleichen Dichter die Odyssee und da nimmt eigentlich keiner an, dass es die dort angegeben Gefahren im Mittelmeerraum wirklich gibt. Ich glaube das hängt mit der Bibel zusammen. Die Bibel ist ja nicht nur ein Glaubensbuch, es enthält auch Geschichten aus der Geschichte Israels. Sie basierten natürlich auf wirklichen Ereignissen. Es gab die Niederwerfung von Israel durch Nebukadnezar und die Deportation (damals ein gängiges Mittel um Frieden zu sichern - praktisch eine Mischung von Zwangsarbeitern und Geiseln). Auch viele andere Ereignisse gab es in dieser Form. Als man im 19.ten Jahrhundert dann mit archäologischen Grabungen begann fand man alle biblischen Orte, von Jericho über Assur bis zu Babylon.

Ich glaube das hat einfach dazu geführt, dass man jede Überlieferung für wahr genommen hat, auch wenn sie viele fiktive Elemente hat. So kämpfen in der Ilias ja auch die Götter mit, was sicher nicht in einem echten Krieg vorkam. Meine Meinung ist eine andere: Es sind Geschichten. Geschichten die um glaubhaft zu sein, reale Orte oder reale Gestalten in eine Handlung eingebunden haben die fiktiv ist. Nur das es die Orte gibt macht sie nicht wahrer als rein fiktive Geschichten wie die Odyssee, das Gilgamesch Epos oder die Geschichte von Atlantis.

Wir kennen das auch in Deutschland: Das Nibelungen Lied verknüpft die existierenden Burgunder und Atilla mit den Hunnen in einer rein fiktiven Geschichte um Verrat, Betrug, Rache, wobei ich das ganze wohl eher als Beispiel für einen Ehrenkodex im Mittelalter - die Nibelungentreue - sehe. Trotzdem muss sie nicht wahr sein. Ich kenne keine Drachen in Europa und auch keine Zwerge mit Kappen die einen unsichtbar machen die einen Schatz bewachen. Auch findet sich in Worms, wo die Sage spielt keine Spur von den Burgundern. Es entstand um 1200 also mindestens 700 Jahre nach den Ereignissen die zur Zeit der Völkerwanderung spielen sollen. Die Frage ist was man damals noch davon wusste - Germanen hatten keine Geschichtsschreibung und die der Römer endete mit deren Untergang, zumal sie sicher nicht beschrieben was die "Barbaren" so intern trieben.

Trotzdem suchen noch heute einige nach dem Nibelungenschatz im Rhein - dann mal viel Spaß, denn in rund 1500 Jahren hat der Fluss zigmal sein Flussbett gewechselt....

Ansonsten gibt es wenig neues. Ich lese nochmals das Konzept zum ATV/ISS Buch durch. So ganz zufrieden bin ich nicht, vor allem mit dem älteren ATV Teil. Ich habe ihn zwar schon auf 90 Seiten gerafft, aber er ist noch zu lang. Man könnte sicher auch mehr schreiben, doch dafür bräuchte ich Details. EADS/Astrium antwortet wie immer nicht auf Anfragen, das DLR auf längere, konkrete Fragen mit allgemeinen Sätzen von 1 Zeile Länge. Manchmal denke ich das DLR hat noch weniger Ahnung vom ATV als ich. Vielleicht kürze ich noch ein bisschen. Bei den Verkäufen habe ich überrascht festgestellt, dass sich mein Raketenlexikon auch in den USA verkauft - 16 Exemplare sind dorthin gewandert. Nicht viel, aber verglichen mit denen des ATV schon einige. Alle Bücher werden übrigens auch in Zukunft in den USA und England erhältlich sein, man muss eben nur Deutsch lernen. Aber ich habe glaube ich wie Adenauer einen kleinen Wortschaft und verwende viele technische Begriffe. Das macht einen Unterschied. Ich kann wesentlich leichter Sachbücher über Raumfahrt in englisch lesen als die Autobiographen von Astronauten in Umgangssprache.

Mittwoch 11.2.2010: Tada-Tada-Tada

Karneval ist los! Vor allem im Fernsehen. Als etwas nüchterner Mensch der nichts davon hält einmal im Jahr die Sau raus zu lassen und sonst nicht, ist mir dieser sowieso suspekt. Auch wenn er neuerdings durch Halloween ergänzt wird. Ich weiß nicht mal wann Fasching ist und orientiere mich da immer an den Fernsehsendungen. Wenn die zunehmen, so war es früher dann ist nächste Woche Rosenmontag, Faschingsdienstag und Aschermittwoch. An diesen Tagen kommt dann nur noch Fasching im Fernsehen.

Früher ging das am Freitag vorher los mit "Mainz wie es singt und lacht". (Mainz muss eine sehr traurige Stadt sein, wenn sie das nur einmal im Jahr tut) und zog sich dann über alle Dritten hin bis Montags und dienstags dann auch ARD und ZDF einsteigen und auch die ganzen Umzüge aus dem Rheinland zeigten, manchmal sogar in Konferenzschaltung "Nun schalten wie nach Düsseldorf".

In dem Bestreben immer billigeres Fernsehen zu machen ist das in den letzten Jahren ausgeufert: Schon Wochen vorher werden irgendwelche Prunksitzungen übertragen - es ist ja auch billig: Einfach ein paar Kameras reinstellen und drehen. Das Programm machen andere. Wie wird das weitergehen? Fasching gleich ab dem 6.1? und dann noch vom 11.11 bis zum ersten Advent, wo dann nahtlos in die Reihe der Weihnachtsfilme übergeleitet wird?

Das betrifft erstaunlicherweise nur die öffentlichen Sender. Die privaten scheinen das zu ignorieren. Vielleicht weil man die Werbepausen so schlecht reinpacken kann? Dafür wird dort auch das Programm immer mieser. Seit langem gab es für mich mal auf den Privaten was zu sehen, jenseits von Spielfilmen am Abend. Pro7 wiederholte "Desperate Housewives" vom Anfang an. Die Betonung: Wiederholte, denn nachdem einige Folgen der dritten Staffel gesendet waren hat der Sender das diesen Montag eingestellt. Was läuft nun auf dem Sendeplatz? Billigstes Assozialenfernsehen "We are Family, so lebt Deutschland" in einer Doppelfolge. Also damit macht man Quote. Gut zu wissen.

Es ist doch interessant festzustellen das selbst die niedrigsten Erwartungen an die Qualität des Programms immer wieder unterboten werden. Nachdem RTL und SAT1 meiner Meinung schon außerhalb der Spielfilmzeit nicht mehr anzusehen sind (und inzwischen auch zu dieser meist irgendwelche CSI Serien aus den USA bringen) hat es nun auch endgültig Pro7 erwischt. Vielleicht sollte ich doch mal anfangen Arte und Phoenix auf der Fernbedienung auf einstellige Tasten umzulegen. Mittlerweile schaue ich die öfters als die privaten an.

Was wird als nächstes kommen: "Die 10 schönsten Testbilder aus aller Welt"? Oder Dauerwerbesendungen mit dem Slogan "Wenn sie für 5000 Euro bei uns angerufen haben gibt es auch wieder einen Spielfilm"! Ich wette die beiden Formate sehen wir auch noch....

Donnerstag 12.2.2010: Wozu Feststoffbooster?

Heute mal wieder ein bisschen Raumfahrtgrundlagenwissen. Wozu verwendet man Feststoffbooster? Die Allgemeine Antwort ist: Sie sind viel billigere erste Stufen als Antriebe mit flüssigen Treibstoffen und die Rakete wird deswegen billiger. Das ist richtig, aber wie immer nicht automatisch immer gültig. Als erstes: Feststoffantriebe sind nicht automatisch billiger. Die IUS Oberstufe kostete schon in den achtziger Jahren rund 30 Millionen Dollar pro Exemplar, genauso viel wie damals eine Centaur Oberstufe. Die USRM der Titan 4B ließen der Preis auf fast das doppelte ansteigen und auch die Shuttle SRM kosten so viel wie eine Ariane 5 komplett. Auch reine Feststoffraketen wie die Pegasus oder Taurus sind nicht gerade preiswert.

Technisch gesehen spricht vieles gegen die Feststoffantriebe: Das Voll/Leermasseverhältnis ist bei vielen Typen schlechter als bei flüssigen Treibstoffen, die spezifischen Impuls sind schlechter als bei den meisten flüssigen Treibstoffen. Zumindest das erstere ist heute nicht unbedingt gegeben - siehe Vega. Das große Feststoffbooster so populär ist hat einen anderen Grund: Sie erlauben es die Zentralstufe viel preiswerter zu fertigen. Dazu ein konkretes Beispiel: Ariane 5

Die Ariane 5 wiegt ohne Booster rund 220 t. Ihr Haupttriebwerk hat auf Meereshöhe einen Schub von 960 kN und kostete in der Vulcain 1 Version 15 Millionen Euro. Davon hat die Ariane 5 ein Triebwerk. Doch ohne Booster könnte sie damit nicht abheben. Der Schub entspricht 96 t, bei 220 t Gewicht benötigt man also drei Stück davon - zack wäre die Rakete um 30 Millionen Euro teurer.

Die Feststoffbooster haben zwei positive Effekte:

Die derzeitige Ariane 5 würde in dieser Konstruktion ohne Booster nur noch 1.700 kg in den GTO Orbit befördern - allerdings nur die derzeitige Ariane 5. Denn nun kommen wir zu den Nachteilen von Feststofftriebwerken.

Bei der Ares I erwog die NASA ein aktives Vibrationsdämpfungssystem in den Stufenadapter einzubauen um den Effekt zu minimieren. Bei einer Rakete ohne Booster wäre dies nicht nötig. Eine Ariane 5 mit einer H10 Oberstufe und einer leichteren VEB (auch diese muss verstärkt sein) mit den Verlusten der Ariane 4 würde so etwa 5.300 kg Nutzlast in den GTO Orbit transportieren.

Das sind aber trotzdem nur 55 % der Ariane 5 Nutzlast bei mindestens 30 Millionen Euro mehr für zwei Vulcain 2 Triebwerke. Solange die beiden Feststofftriebwerke also nicht extrem teuer sind bleibt ein echtes Netto-Plus

Trotzdem meine ich dass man sich bei der ESC-A nicht damit abfinden muss. Die Zentralstufe weist schließlich auch nicht dieses hohe Leergewicht auf und es gibt auch Beispiele auf anderen Trägern wie die Centaur auf der Titan, bei der dieser Effekt nicht so ausgeprägt ist.

Zum einen ist natürlich die Zentralstufe neben den Boostern angebracht, die Oberstufe darüber, die Position ist ungünstiger. Vor allem ist das Vibrieren um so stärker je geringer das Verhältnis von Höhe und Breite einer Stufe ist. (Balancieren sie mal mit einem gefüllten Teller und einem gefüllten Glas, dann verstehen sie den Effekt). Eine nicht so kompakte Stufe sieht also besser aus. So gesehen sollte man eigentlich für eine noch größere Oberstufe bei der Ariane 5 plädieren.

Bei der ESC-A wird dem Effekt begegnet indem die Stufe sehr steif gebaut wird und das kostet Gewicht. Nun gibt es aber auch noch die Möglichkeit der Druckstabilisierung, wie der Vergleich von ESC-A und der Centaur-G auf der Titan zeigt:

  ESC-A Centaur G
Startgewicht: 17.900 kg 23.923 kg
Treibstoff: 14.900 kg 21.148 kg
Schub: 65 kN 146 kN
Trockengewicht: 3.300 kg 2.775 kg
Länge 4,57 m 8,94 m
Durchmesser: 5,40 m 4,23 m

Nur ist eben die Centaur G1 trotz mehr Treibstoff länger und nicht so kompakt und sie verwendet innendruckstabilisierte Tanks. Die ESC-A könnte bei gleicher technischer Auslegung rund 1.300 kg leichter sein - entsprechend würde die Nutzlast um 1.300 kg ansteigen. Das ist immerhin 15 % der GTO Nutzlast. Bei Mondmissionen wären es dann schon 19 %.

Nun ja die ESC-A gibt es, da wird nichts zu machen sein. Doch die ESC-B wird noch entwickelt. Da nun die ESA erst mal über 150 Millionen Euro nur für Studien ausgeben will wäre es vielleicht an der Zeit bei der einiges besser zu machen und mal an druckstabilisierte Tanks, eine Form die geringeres Schwappen aufweist oder ein Vibrationsdämpfungssystem zu denken (es muss ja kein aktives sein).



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