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Web Log Teil 154 : 28.2.2010- 5.3.2010

Sonntag den 28.2.2010: Kunst, Pufftester und käufliche Auftritte

Ich habe mir mal die vier Folgen "Nie wieder keine Ahnung: Malerei", die im SWR über den Jahreswechsel ausgestrahlt wurden angesehen. Während mir das einiges über Kunstgeschichte und auch einige Erkenntnisse über klassische Malerei nahebrachte, blieb mir die Moderne nach wie vor verschlossen. Ich finde auch die Begründungen recht sinnfrei. Es kann nicht Kunst sein nur einen Alltagsgegenstand aus dem Kontext zu entfernen. Wenn dem so wäre, würde man Müllkippen nicht als Müllkippen sondern als Museen bezeichnen. Nicht jede neue Idee ist Kunst (Das Aufhängen von Bildern auf dem Kopf, eine vollkommen blaue Leinwand), sondern einfach oft nur eine Schnapsidee oder Faulheit.

Es läuft immer auf deas eine heraus: Moderne Kunst produziert keine Bilder die man verstehen kann, sondern drückt nur die Emotionen des Künstlers aus. Die Frage die ich mir stelle: Will ich kennen? Was juckt mich der Ärger von Basewitz, die Blähungen von Kandinsky? Wenn ich Geld für ein Bild ausgebe, dann weil es schön ist, vielleicht weil es etwas wiedergibt was ich gerne sehe. Es kann sein, dass moderne Kunst das auch ist, aber vieles geht in Richtung Design - bunte Muster, die man auch als Tapete oder Fließenmuster im Bad haben könnte.

Kunst kommt von Können. Das ist vielleicht ein Argument. Wobei ich nicht in Abrede stellen möchte, dass auch moderne Künstler ihr Handwerk verstehen. Kunst muss nicht nur die Natur darstellen, auch wenn derartige Bilder den Vorteil haben, dass man keine Erklärung braucht um sie zu verstehen (vielleicht eine um sie besser zu verstehen wenn es sich um Persönlichkeiten, Historiengemälde o.ä. handelt). Es muss auch nicht nur naturalistisch sein, sich also mehr und mehr einer Fotografie annähern, obwohl dies in den letzten Jahrhunderten immer mehr das Ziel der Kunst wurde. Seit es die Photographie gibt muss Kunst nicht mehr die Wirklichkeit abbilden. Die Epoche die mir am besten gefällt ist gerade der Impressionismus: Man kann noch erkennen, was abgebildet wird, aber es ist nicht mehr Naturalismus. Es lässt Freiraum für die Phantasie und Interpretationen. Aber ich brauche eben noch immer keine Erklärung für die Bilder. Bilder von Monet, Manet, Renoir und besonders Gauguin schaue ich mir gerne an. Aber was ist das besondere an einer blauen Leinwand - und kann man damit eine Farbe schützen lassen?

Dann nahmen sich Fernsehkritik.tv und Fern-Gesehen fast zeitgleich "Exklusiv die Reporttage" an. Die hat eine neue Serie: Bordelle in Not, in denen nach dem gleichen Muster wie bei den Sendungen die bankrotte Restaurants aufpeppen. Nur diesmal mit Puffs. Das Team besteht aus einem Marketing Chef "Alles nur Marketing, egal ob man Autos oder Frauen verkauft" und einer Leiterin von zwei "Sauna Clubs" und, das ist wohl der Traumjob aller 15-jährigen: Einem Puffchecker. Der als "Kunde" das Etablissement undercover prüft. Ich glaube ich muss mir das in Erinnerung rufen, wenn ich mal über das schlechte öffentlich-rechtliche Fernsehen schimpfen. Mir ist gar nicht bewusst wie mies bestimmte Sender sind, die ich nie ansehe. Ansonsten läuft das alles wie bei den Restaurants - neue Einrichtung, neue Beschilderung und eventuell auch neue Damen. (Wenn diese die Kunden noch nach Hause bitten, so wie die Friseusen die zu den Kunden kommen. Die Dame bezeichnet diese dann auch nicht mehr als Prostituierte, sondern als "Hobby-Nutten". Super Hobby...)

Das letzte was noch durch die Nachrichten ging waren die verkauften Gespräche mit Ministerpräsidenten und die Empörung darüber. Ich sehe das etwas pragmatischer. Schlussendlich ist ein Ministerpräsident jemand mit dem man werben kann und der sich gut bei der Außendarstellung einer Firma macht. Hier sind nicht nur kommerzielle Interessen bei der CDU, sondern auch den Firmen gegeben. Also warum dies nicht verkaufen? Das Problem ist natürlich nur wenn sich dies auf die Politil auswirken sollte. Doch flogen früher nicht ganze Wirtschaftsdelegationen mit dem Außenminister nach China? Ist das nicht auch Förderung? Schließlich gibt es genügend andere Firmen die nicht in der Delegation vertreten waren. Und natürlich darf der Kontakt zu dem MP nicht generell Geld kosten. Ansonsten unterscheidet sich das doch nicht von andren Promis die ihre Zeit auch verkaufen. Dumm nur, dass der Promi auch noch vom Steuerzahler finanziert wird, weshalb sich eben viele drüber aufregen.

Ich würde so was gerne mitnehmen. Ein Phänomen ist ja dass alle meinen heute müsste die Zeit anderer umsonst sein. Anfragen kostet ja nichts die Zeit stehlen auch nicht. Es hat einen guten Grund warum man meine Telefonnummer nicht im Telefonbuch finden wird. Sonst wird man andauernd von Laien oder Journalisten angerufen die stundenlang irgendetwas erklärt haben wollen und bei denen man bald merkt, dass sie nicht einmal die Mühe gemacht haben sich im Internet zu informieren und über die Basics Bescheid wissen. Schlussendlich bin ich Privatperson und habe zwar als Hobby Trägerraketen und Raumsonden, aber mehr auch nicht. Wenn jemand einen echten Raumfahrtexperten konsultieren will, so sollte er sich an die Lehrstühle der deutschen Unis, an die Konzerne die damit Geld verdienen und die Weltraumagenturen wenden. Die haben dafür Mitarbeiter die sich viel besser auskennen und die auch für diese Arbeit bezahlt werden. Gerne würde ich auch für Gespräche Geld nehmen, aber da wohl niemand einen Laien für einen Anruf oder Treffen bezahlt (ich bin eben kein Prominenter oder Ministerpräsident) bleibt nur die Kontaktaufnahme auf die Dinge zu beschränken die man einfach abblocken kann wie EMail.

Montag 1.3.2010: Der DSN Satellit

Die Frage zum vorletzten Blogeintrag bringt mich auf eine neue Idee: Warum nicht die Empfangsstation für eine Raumsonde ins Weltall auslagern? Wie schon erläutert gibt es eine Problematik: Je höher die Wellenlänge von Radiowellen ist, desto stärker die Abschwächung durch die Atmosphäre. Satelliten benutzen für Satellitenfernsehen schon seit langem nur den unteren Bereich des Frequenzbandes von 11-14 GHz für den Downlink und den oberen nur für leistungsfähige Empfangsstationen oder den Uplink. Auch die NASA scheint sehr langsam die Umrüstung des DSN auf das Ka Band bei rund 30 GHz anzugehen, obwohl seit 2001 Sender dafür an Bord von Raumsonden vorhanden sind. Viel langsamer als die schnelle Umstellung Mitte der siebziger Jahre vom S-Band (2,1/2.3 GHZ) auf das X-Band (7,3/8,4 GHz).

Im Weltall spielt die Atmosphäre keine Rolle und man kann noch höhere Frequenzen nutzen. Im folgenden einige Spekulationen, spekulativer als sonst bei mir, weil ich mich weder gut bei Kommunikationssatelliten noch überhaupt in der Hochfrequenztechnik auskenne. Erst mal: Welches Band kann man benutzen? Der Übergang von Radiowellen zu thermischen Infrarot beginnt etwa bei 1 mm Wellenlänge, also rund 300 GHz. Genutzt werden heute bis zu 98 GHz bei Wetteradar (kurze Reichweite) und experimentell wurde der Funk mit 60 GHz zwischen zwei Satelliten erprobt. Da eine Verdopplung der Frequenz eine Halbierung des Öffnungswinkels bewirkt bedeutet dies bei gleichem Durchmesser von Sende- und Empfangsantenne eine viermal höhere Datenrate oder eine der beiden Antennen kann nur den halben Durchmesser aufweisen.

Eine 10 m Antenne die bei 60 GHz empfängt ist somit leistungsfähiger als eine der 70 m Antennen des DSN (bei gleichen Empfängern). Dazu kommt noch im Weltall wesentlich weniger Störungen durch Wetter, naheliegende irdische Störungen oder Satelliten im erdnahen Orbit die das gleiche Frequenzband nutzen.

Wie groß kann eine Antenne sein? Nun wenn sie zusammengebaut wird beliebig groß, doch wenn sie in einem Stück gestartet wird dann kommen nur entfaltbare Antennen wie bei Galileo, ATS-6 und TDRS 1-3 in Frage. Diese werden wie ein Regenschirm aufgespannt und sie sind besonders leicht. Die von TDRS hatten 4,90 m Durchmesser und wogen nur 24 kg. Sie sind etwas außer Mode gekommen, allerdings weniger weil die von Galileo sich nicht entfaltete (das lag am Transport per Truck über 16.000 km und den Erschütterungen die das Schmiermittel bei einer Strebe zum Auslaufen brachten) sondern weil man heute eher stärkere Sender nimmt als den Antennenstrahl zu verkleinern.

Eine solche Antenne kann maximal die Höhe der Nutzlasthülle als Radius aufweisen. Bei einer Ariane 5 beträgt diese 17,00 m bei der großen Nutzlastverkleidung. Sie kann noch um 2,00 m durch Bänder verlängert werden. Rechnet man 1 m für den nicht nutzbaren Platz in der Spitze und 3 m für den Satellitenkörper ab so bleiben 15 m, das ist auseichend für eine Antenne von 30 m Durchmesser. Eine 30 m Antenne wäre so leistungsfähig wie eine 214 m Antenne im X-Band!

Das Gewicht? Ich vermute mal weil steigendem Durchmesser nicht das Gewichts des Netzes ansteigen wird, es verhält sich wie bei Teleskopen wo gilt: Doppelter Durchmesser = Sechsfaches Gewicht (2,58). Demnach würde eine 30 m Antenne rund 2.600 kg wiegen - durchaus ein gewicht das für einen Kommunikationssatelliten noch tragbar ist. Eine Ariane 5 könnte rund 6000 kg in den GEO Orbit befördern (mit Apogäumsantrieb). Da wöge die Antenne dann rund die Hälfte des Satelliten.

Der Orbit: Prinzipiell ist jeder Orbit geeignet. Je höher er ist desto länger kann der Funkkontakt dauern. Ein Satellit könnte sich daher auch in einer erdnahen Bahn befinden, wegen der großen Antenne aber dann doch schon in rund 2000 km Höhe. Besonders geeignet wären zwei Bahnen: Der geostationäre Orbit vereinfacht die Kommunikation mit der Bodenstation und die Erde hat nur noch eine Größe von rund 21 Grad. Ein einzelner Satellit hätte also selbst im ungünstigsten Fall rund 22,5 h Funkkontakt pro Tag. Das zweite wäre ein Librationspunkt rund 60 Grad vor und nach dem Mond. Er ist stabil und ein Satellit hat praktisch dauernden Funkkontakt zu einer Sonde.

Die Kommunikation mit der Erde kann dann über eine zweite Antenne geschehen. Sie ist wegen der geringen Distanz weitgehend unproblematisch. Selbst ein Satellit der auf der Sojus fliegt würde noch eine 10 m Antenne einsetzen können - was immerhin dann einer 70 m DSN Antenne entspricht, wenn man die höhere Frequenz betrachtet. Auch das Gewicht wäre kompatibel zur Sojus: Das wäre vielleicht für die ESA ein guter Weg.

Dabei ist dies nur der Anfang: Sukzessive könnte man auf höhere Frequenzen gehen, indem man die Empfänger schon mal anbringt und auf einer Sonde den zugehörigen Sender als Backupsystem. Vielleicht als nächstes dann den Bereich von 98 GHz und dann sukzessive höher. Will man keine höhere Datenrate, dann wäre auch zu überlegen ob man an Bord eines normalen Kommunikationssatelliten einfach eine Extraantenne installiert und diesen zusätzlich nutzt - eine 24 kg schwere 5 m Antenne ersetzt bei 60 GHZ ohne Probleme einer der ESA Bodenstationen mit 35 m Größe.

Der Nachteil: Ein Satellit wird immer teurer sein als eine Bodenstation. Lohnen wird es sich wahrscheinlich daher nur bei den großen Brocken. Wenn man 2 Milliarden für die nächste Mars Raumsonde ausgibt kann es vielleicht sich lohnen nochmals 400 Millionen für einen Kommunikationssatelliten auszugeben, der die Datenmenge verzehnfacht. Immerhin: Mit Ionentriebwerken sollte ein Satellit heute 15 Jahre lang betrieben werden können. Ein Zeitraum nachdem auch auf der Erde Upgrades fällig werden.

Nun stellt sich einer die Frage, warum ich nichts über optische Datenübertragung schreibe? Weil ich darüber nichts sagen kann. Als ich mal las dass man experimentell mit den Laserkommunikationsterminals von TerraSAR mehrere GBit/s über rund 10.000 km Distanz gesendet habe fragte ich bei TESAT mal nach wie es denn bei Deep Sky Missionen aussieht und bekam die Antwort, dass wegen der Bedeutung der Technologie als schwer abhörbare Punkt zu Punkt Verbindung man mir nichts sagen dürfte. Bei DS Missionen zählen nicht die GBit/s (die würde auch eine Raumsonde erreichen wenn sie nur 10.000 km von der Erde entfernt wäre), sondern die Datenrate über Milliarden Km. Auch Laserstrahlen weiten sich auf und wenn es so ist wie bei Radiosignalen (10 fache Entfernung = 1/100 der Datenrate) dann ist die optische Datenübertragung heute noch nicht geeignet für große Distanzen, zumal man dann auf der Erde genauso teure Großteleskope zum Empfang bauen müsste wie Radioempfangsstationen und immer noch das Problem mit dem Wetter hätte. Es scheint sich wohl sehr gut für die hohen Datenraten innerhalb von Erdorbits eignen um z.B. von einem militärischen Beobachtungssatelliten einen militärischen Kommunikationssatelliten zu kontaktieren.

Ich denke spätestens wenn man HDTV Fernsehen von der ersten Marslandung haben will, werden die Satelliten kommen....

Dienstag 2.3.2010: Vergleiche die ich nicht mehr hören kann

Es gibt Dinge über die kann ich mich immer wieder aufregen. Eines sind Vergleiche die nicht passen oder Vereinfachungen die extrem suggestiv wirken. Gerade in der Raumfahrt sind die ja oft gängig. Hier mal zwei Beispiele:

"Die Astronauten verließen die Raumstation um bei einer Geschwindigkeit von 28.000 km/h Außenarbeiten durchzuführen" oder "Die Entwicklung eines Raumgefährts das mit einer 28.000 km/h schnellen Raumstation ankoppeln kann ist eben so teuer".

Okay ich denke jeder der sich auskennt weiß was hier die suggestive Unterstellung ist. Was wir seit Einstein theoretisch untermauert haben, aber intuitiv wahrscheinlich auch so wissen ist, dass in einem sich mit unveränderlicher Geschwindigkeit bewegenden System es keinen Unterschied zu den Zustand ohne Bewegung gibt, die ein Beobachter feststellen kann - logisch sonst wäre das Bewegen im Zug oder im Flugzeug etwas problematisch. Die Stewardessen hätten einen harten Job wenn der Kaffee sich mit 900 km/h von der Kanne wegbewegen würde. So auch im Weltall, ja dort gibt es sogar noch idealere Bedingungen als wie auf der Erde - keine Turbulenzen, keine Verbindungen zwischen den Schwellen...

Es ist für einen Astronauten völlig unwesentlich ob sich die Station mit 28.000 km/h bewegt. Das Problem das er hat ist wohl eher das Arbeiten in einem Druckanzug mit klobigen Handschuhen und das Problem sein Drehmoment oder seinen Impuls loszuwerden.

Vor allem bewegen auch wir uns immerzu gegenüber einem anderen Bezugssystem. Auf der geografischen Breite wo ich wohne, bewegt sich die Erde mit 300 m/s um ihre eigene Achse. Die Erde selbst umrundet die Sonne mit 29,8 km/s und die Sonne bewegt sich mit 220 km/s relativ zum Zentrum der Galaxis und gegenüber anderen Galaxien wird die Geschwindigkeit leicht noch größer, allerdings hier nicht wegen der Relativbewegung sondern der Ausdehnung des Universums. Gegenüber 29,8 km/s Umlaufgeschwindigkeit relativ zur Sonne finde ich ehrlich gesagt 7,7 km/s im Orbit der ISS ziemlich lahm....

Eine Variation des Themas auf das ab und an auch Raumfahrtfans hereinfallen ist die zweite Variante die suggeriert, das es wahnsinnig kompliziert und teuer ist im Orbit Kopplungen durchzuführen. Nun eines ist es nicht: Es ist nicht intuitiv. Das war das erste was die NASA im Gemini Programm herausfand. Es ist nicht möglich eine Ankopplung wie bei Flugzeugen durchzuführen (die auch koppeln, z.B. zum Auftanken). Aber die Gesetzmäßigkeiten sind bekannt Schon im Gemini Programm bekamen die Astronauten Computerunterstützung und bei Apollo wurde der gesamte Anflug vom Computer gesteuert wurde bis zur letzten Phase wo dann die Astronauten auf Sicht ankoppelten.

Die UdSSR demonstrierte schon 1968 mit der Kopplung von Kosmos 212 und 213, dass es auch unbemannt geht und seit 1985 koppeln auch alle bemannten Raumschiffe automatisch an - der einzige Versuch das durch eine Handsteuerung bei Progress M-34 abzulösen, endete in einer Katastrophe. Trotzdem klappt das immer noch um dem einen oder anderen Laien Respekt einzuflößen.

Das zweite das ich nicht mehr hören kann, sind solche Aussagen wie "Die gesamte empfangene Sendeleistung von Voyager 2 würde nicht mal ausreichen eine 10 W Glühbirne kurz aufblitzen zu lassen". Da ist einiges falsch. Zum einen ist der Vergleich von Radiowellen mit Licht nicht besonders sinnvoll. Wenn ich pro Bit eine bestimmte Anzahl an Photonen brauche, dann haben alleine diese eine 100.000 mal höhere Energie aufgrund der kürzeren Wellenlänge.

Das nächste ist dass man selbst bei Laser oder Glasfasern gemessen an der Bandbreite des Mediums die Information recht ineffizient überträgt. Man belegt nur einen winzigen Bruchteil der möglichen Bandbreite und überträgt daher pro Bit recht viele Photonen.

Dann ist auch die Übertragung von Information über eine Richtantenne nicht mit der Beleuchtung vergleichbar die noch dazu bei Glühbirnen recht ineffizient ist. Ein Vergleich mit einer Übertragung per Laser wäre wesentlich sinnvoller.

Vor allem: Es gibt im Radiofrequenzbereich viel weniger Störungen durch andere Quellen wie beim Licht. Auch das kennt jeder aus der eigenen Erfahrung. Ein Kofferradio kann Radiostationen in der Mittelwelle über 1000 km Entfernung empfangen - mit einer Leuchtschrift klappt das nicht.

Mittwoch 3.3.2010: Sportförderung mal anders

Die olympischen Winterspiele sind ja vorbei und die Medaillenausbeute stimmt glaub ich auch, wenn es auch einige Überraschungen (positiv und negativ) gab. Aber ich weiß schon wie man in zwei Jahren wieder meckert wenn es bei den Sommerspielen wieder mau aussieht. Warum ist dem so. Es ist schlicht und einfach zu erklären: Wer bei Olympia und Weltmeisterschaften erfolgreich sein will, muss über Jahre hinweg trainieren und dies über viele Stunden pro Woche. Während dieser Zeit kommen Ausbildung und Beruf zu kurz. Hochleistungssport und berufliche Karriere schließen sich weitgehend aus. Was ist der Lohn dafür? Nur wenige Olympioniken können selbst beim Gewinn von Medaillen später mit Einnahmen aus Werbung oder mit einer Karriere als Sportreporter rechnen. Das klappt bei Skispringern oder Leichtathleten. Doch wer interessiert sich für Kunstschützen, Turmspringer oder die vielen anderen olympischen Disziplinen?

Daher mal eine meiner Ideen nun zur Sportförderung: Man kombiniere Kapitalismus mit Kommunismus! Kapitalismus: Ich denke man kann mehr Leute dazu bewegen, eine Sportart die sie gerne als Hobby betrieben, "beruflich" zu betreiben (im Sinne von Vollzeit), wenn sie dadurch keine Nachteile erleiden. Also, solange sie dies tun ein Einkommen haben, dass zumindest dem eines Durchschnittsverdieners entspricht. Für die die bei internationalen Wettbewerben erfolgreich sind und Medaillen gewinnen, sollte es als Ansporn für Gold Medaillen eine (einmalige) zusätzliche Absicherung über 10 Jahre nach Aufgabe der Sportkarriere und für Silber und Bronze 5 bzw. 3 Jahre. Also praktisch ein Gehalt nach Ende der Sportkarriere. Genug zeit sich ein neues Standbein aufzubauen.

Ich denke wenn damit "Profisport" auch finanziell lukrativ ist, dann werden dies mehr Personen betreiben. Dazu müsste dann auch eine professionelle Förderung mit Trainern, Sportschulen und Profiequipment kommen. Und zwar für alle Sportarten nicht nur die populären. (Eine Goldmedaille im Wasserball ist auch nur eine Goldmedaille!).

Das ist der Teil Kapitalismus. Nun kommen wir zum Teil Kommunismus. Es gibt eine Sportart bei der es enorm viele Großverdiener gibt und bei der Millionen für die Sendrechte fließen. Ja, ich spreche von dem Spiel wo 22 Leute ohne Hauptschulabschluss einem Ball hinterherrennen. Also für die Bundesligasendrechte zahlt man 412 Millionen Euro pro Jahr. Zudem verdienen die Spieler ja auch nicht schlecht. Nehmen wir mal an es gibt 30 Spieler pro Verein und jeder verdient 1 Million Euro pro Jahr (konservativ geschätzt). Bei 45 % Grenzsteuersatz zahlen die zusammen 243 Millionen Euro Steuern. (Ohne zweite Liga...) Daher mein Vorschlag: Der Staat verzichtet auf seine Steuereinnahmen von den Fußballmillionären und die Bundesliga zahlt zusätzlich 50 % ihrer Einnahmen durch die Senderechte in einen Topf. Zusammen sind dass dann 449 Millionen Euro pro Jahr für alle anderen (Nicht-Fußball) Sportarten. Die deutsche Sporthilfe hat ein Jahresbudget von 10-12 Millionen Euro, man kann sich also mal vorstellen was man damit bewegen kann! Deutschland stellte bei der letzten Sommerolympiade nur 463 Athleten.- und diese finden nur alle vier Jahre statt. Selbst wenn also in der vorgeschlagenen Weise den Spitzensportlern die Sorgen um die Zukunft abnimmt bleibt noch genügend Geld übrig um den Breitensport und Nachwuchs zu fördern!

Nur so mal eine Idee von mir - man merkt ich hab es nicht so sehr mit Sport schauen, dafür mehr mit Sport ausüben.....

Für die die gerne Statistiken haben - ich habe eine neue Version vom Launchlogconverter online gestellt - ich habe die Liste von John McDowell noch um zwei eigene Spalten ergänzt in denen ich die Träger in Familien eingeteilt habe und diese wiederum in Subtypen. Damit ist vor allem die Recherche von US-Trägern viel einfacher geworden. Ich denke ich werde mit ihm noch ein paar Diagramme mehr für die nächste Auflage des Raketenlexikons machen (allerdings erst wenn es die Jungfernflüge von Taurus II, Falcon 9 und Minotaur V gab mit entsprechend mehr und genaueren Daten).

Morgen dürft ihr euch über die Beschreibung der Mission "Sonne in 3D" freuen.

Donnerstag 4.3.2010: Die Sonne in 3D

Die Sonne ist nicht nur Lebensquell, sondern auch der einzige Sterne den wir aus der Nähe ansehen können. Allerdings gibt es einen Haken: Wir sehen sie immer nur von einer Position, nämlich der Erde aus. Auf der Sonne gibt es auch so etwas wie ein Wetter: Es bilden sich Flares, Sonnenstürme und Prototuberanzen. Wir beobachten dies von der Erde aus und mit Satelliten. Aber bislang nur von der Ekliptik aus. Die polaren Regionen bleiben uns verborgen und die Entstehungsgeschichte mancher Erscheinung auch bis sie durch die Rotation der Sonne (etwa 27 Tage am Äquator) für uns sichtbar ist.

Genauso wie man auf der Erde für die Wettervorsage und das Verständnis nicht nur einen geostationären Satelliten, sondern mehrere benötigt, ergänz von den Pol umlaufenden Satelliten sollte dies auch für die Sonne gelten. Die folgende von mir vorgeschlagene Mission soll dies umsetzen und damit so etwas wie die Fortsetzung von Stereo sein. Geplant sind von mir sechs bauidentische Sonden, die auf zweierlei Weise gestartet werden.

Jede Sonde ist auf die Sojus 2a ausgelegt mit einer Startmasse von 1.600 kg. Davon entfallen rund 400 kg auf die instrumentelle Ausrüstung. Hauptausrüstung sind 10 je 30 kg schwere 25 cm Refraktoren mit einem Öffnungsverhältnis von 5. Einige sind mit verschiedenen Filtern ausgestattet um die Sonne im Licht von H-Alpha, der Calcium oder Eisenlinie oder anderen Absorptionsbanden aufzunehmen. Andere Teleskope sind an einen Koronographen gekoppelt, ein Spektrometer oder ein Michelson Interferometer. Gekoppelt ist jedes Teleskop an einen 4096 x 4096 Pixel CCD das eine Auflösung von 0,5 Bogensekunden bei einem Gesichtsfeld von 33 Grad erlaubt.

100 kg entfällt auf andere Experimente die Teilchen und Strahlung messen.

Der Satellitenbus kann identisch sein und z.B. von Venus Express oder Mars Express übernommen werden. Der Treibstoffvorrat kann bedeutend verkleinert werden, für die Datenübertragung wird aber eine etwas größere Parabolantenne benötigt, da für ein Bild jedes Instruments jede halbe Stunde eine Datenrate von 6 MBit/s nötig ist. Die vier Sonden in der Ekliptik werden konventionell in eine Sonnenumlaufbahn gestartet und driften langsam zu ihrer Position. Dort werden sie durch ihre Triebwerke in die endgültige Position gebracht die dann gehalten wird. Denkbar sind, von der Erde aus gesehen (Position 0 Grad) die Positionen bei +45, +135, +225 (-135), +315 (-45) Grad, oder wenn die Erde mit einbezogen wird: +72, +144, +216, +288 Grad.

Komplizierter ist der Start der Sonden in den polaren Sonnenorbit. Dieser ist direkt nicht erreichbar. Daher wird die Sonne mit einem Ionenantriebsmodul zuerst in einen erdnahen Orbit gebracht. Von dort aus spiralt sich die Sonde mit dem Antriebsmodul in eine Sonnenumlaufbahn und dann zu einem Transferkurs zu Jupiter. Dieser lenkt die Sonde in einen polaren Orbit um, verändert aber nicht das Apogäum oder Perigäum. Beim ersten Durchlauf wird das Antriebsmodul erneut aktiv und die elliptische Umlaufbahn wieder in eine kreisförmige umgewandelt die in der Entfernung der Erde die Sonne umläuft. Etwa ein Drittel der Umlaufszeit ist die Sonde über einer geographischen Breite von 60 Grad und erlaubt dann während dieser Zeit auch die Überwachung der Pole.

Ich denke die Mission könnte durch sechs standardisierte Sonden und den Start mit der Sojus recht preiswert durchgeführt werden. Sie könnte auch Bestandteil eines Netzwerkes sein, das vor Sonnenstürmen warnt, die z.B. einer Marsmission gefährlich werden können. Dafür benötigt man wegen der unterschiedlichen Umlaufszeit des Mars eine Kette von Warnsatelliten auf einer sonnennahen Umlaufbahn.

Freitag: 5.3.2010: Wer braucht die Ariane 6?

Beim Recherchieren für das Buch über die Ariane + Vega bin ich über Pläne für eine Ariane 6 gestolpert. Nicht zum ersten Mal, das fiel mir schon vor einem Jahr auf. Nur habe ich es damals als eine der vielen Wunschprojekte der Raumfahrtindustrie abgetan, die immer wieder Vorschläge macht, die nicht unbedingt dann auch umgesetzt werden müssen. Wie ich aber dann den Nachrichten entnommen habe soll Sarkozy Merkel tatsächlich zu einem Ja zur Ariane 5 bekommen haben und damit zu einer Vorlage beim nächsten ESA Ministerratstreffen. 500 Millionen Euro bekommt die CNES dafür.

Bevor sie jubeln: Die Ariane 6 ist eine Rakete die nicht mehr kann als die Ariane 5. Es gibt mehrere Vorschläge, alle mit einer kryogenen Oberstufe und mehreren kleinen Feststoffboostern, aber unterschiedlichen Zentralstufen (fest, LOX/LH2, LOX/LNG). Nutzlast: 3000-8000 kg.

Da frage ich mich natürlich zweierlei Dinge: Erstens warum soll 2011 der Ausbau der Ariane 5 auf 11,2 t Doppelstartkapazität beschlossen werden und gleichzeitig die Neuentwicklung einer Rakete mit der halben Einzelstartkapazität? Und: Warum ist die ESA die einzige Nation deren Raketen kleiner werden?

Zum zweiten: Ich keine keinen Fall bei dem eine neue Rakete weniger konnte als das Vorgängermodell. Sowohl was den Ausbau eines Trägers angeht wie auch das Ersetzen eines alten durch einen neuen. Egal ob man nun die lange Geschichte der Erweiterung von Delta, Atlas oder Titan nimmt oder neue Typen die alte ersetzen - immer will man mehr Nutzlast befördern weil diese schwerer werden. Auch jetzt werden noch mit der Angara und Langer Marsch 5 Raketen entwickelt die in die Leistungsklasse der Ariane 5 vorstoßen.

Nun kann ein Antrieb sein, dass Kommunikationssatelliten vielleicht jetzt eine Größe erreicht haben die konstant bleibt - seit ein paar Jahren bleiben die größten Exemplare im 6-7 t Bereich und das Groß eher beim 4-6 t Bereich. Es spricht viel dafür dass dies so bleiben wird: Schon heute bestehen manche Exemplare zu zwei Dritteln nur aus Treibstoff und Ionentriebwerke versprechen diesen Anteil wieder zu senken und zum zweiten sind die Nutzbaren Funkfrequenzen begrenzt: Viel mehr Transponder können heute nicht mehr untergebracht werden, weil die Frequenzen knapp werden. Neue Anwendungen für weniger Transponder aber höhere Sendeleistung (und damit höheres Gewicht) scheinen auch nicht am Horizont zu sein.

So kann die ESA vielleicht auf die Idee kommen, eine Trägerrakete die nur einen Satelliten transportiert wäre günstiger im Betrieb. Nur: Die Entwicklungskosten muss die ESA zahlen. Von den niedrigeren Betriebskosten profitiert sie nur marginal. Nun ist es sicher so, dass sich in den letzten 10-15 Jahren der Markt für Kommunikationssatelliten gravierend geändertt hat. Zum einen werden deutlich weniger gestartet - etwa 200-25 anstatt 30-40 Ende der neunziger Jahre. Auch hat sich die Konkurrenz geändert: Ariane 5 ist das einzige westliche Modell das noch auf dem Markt vertreten ist. Atlas und Delta haben sich zurückgezogen.

Ich glaube unter dieser Prämisse wird ein neues Modell keine Vorteile für die ESA bringen. Selbst wenn es billiger produziert werden kann: Es dürfte klar sein, dass Russland oder China ihre Startpreise immer so legen werden, dass sie niedriger als die von Arianespace sind. Dann würde eine Ariane 6 nur hohe Investitionen bedeuten ohne das etwas gewonnen ist. Weiterhin: Die niedrigeren Produktionskosten wurden uns ja schon versprochen: Erst für Ariane 5, dann für das Großlos PA - in Wirklichkeit sanken sie kaum, die Produktion musste bezuschusst werden. Wer sagt dass es beim neuen Modell besser wird? Vielleicht - meine Prognose - wird es genauso wie jetzt werden. Ich sehe nämlich einen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Bildung des Konzerns Astrium und zahlreichen Kostenüberschreitungen bei europäischen Projekten. Auch das ATV wurde doppelt so teuer wie geplant. Vielleicht kosten die Verwaltungsstrukturen, die entstehende Bürokratie und fehlende Konkurrenz enorm viel Geld. Dann wäre auch mit einem neuen Modell nichts gewonnen.

Es kann nun sein, dass Ariane 5 das Problem bekommt Doppelstart durchführen zu können - bei weniger Satelliten durchaus denkbar, dass die Firma nicht eine zweite Nutzlast findet. Dann denke ich aber ist es sinnvoller damit zu leben und eben auf Marktanteile zu verzichten anstatt ein neues Modell zu entwickeln, bei dem bei der Ausgangsituation dass die Konkurrenz in Niedriglohnländern produziert, kein Erfolg beschieden ist. Ariane 5 sollte den europäischen Zugang zum Weltraum gewährleisten. Das tut sie und dafür braucht man keinen Ersatz. Wenn es um kommerzielle Anteile geht, dann sollte auch die Industrie die Entwcklungskosten mitfinanzieren um ein Eigeninteresse am Erfolg zu haben.

Vor allem eines ist ärgerlich: Seit 2003 steht die ESC-B Entwicklung. Sie sollte knapp 700 Millionen Euro unter 2001 Konditionen kosten. Nun gibt es eine 157 Millionen Euro Spritze für die Phase B Entwicklung mit der Hoffnung 2011 dann sie endgültig anzugehen und gleichzeitig schüttelt man 500 Millionen für eine Ariane 6 aus dem Ärmel! Hallo? Gehts noch? Warum nicht die 500 Millionen gleich auf die ESC-B draufpacken und endgültig angehen und sie vielleicht 1-2 Jahre früher zur Verfügung haben? Wo bleibt denn da der (Sach)verstand?


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