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Web Log Teil 155 : 6.3.2010-12.3.2010

Samstag den 6.3.2010: Die Bildzeitung

Gibt es eine Zeitung mit einem schlechteren Leumund als die Bildzeitung? Schon als ich jung war galt sie als ein Revolverblatt. Es kursierten Geschichten von Personen die sie in den Selbstmord getrieben hatte oder ihr Leben ruiniert, nur weil sie eine erfundene Geschichte um sie gestrickt haben. Damals hieß es: "Bild darf man nicht schräg halten, sonst tropft das Blut heraus". Von dem allgemeinen Niveau mal abgesehen wo eine Schlagzeile reißerisch etwas verkündigt und sich im Text auf S. 4 dann herausstellt, dass es nichts besonders aufregendes gibt.

Die Zeitung ist mir in letzter Zeit aufgefallen. Zum einen durch ihre in Schwarz-Weiß gehaltenen Plakate und Spots in denen Prominente nicht nur positives über die Zeitung äußern, sondern auch weil sie mir in anderer Beziehung unterkam. So habe ich nach dem Auszug von Tessa Bergmaier aus der Modell-WG mal nachgeschaut was die Dame so treibt. Neben einer Anstellung in einem Coffee Shop (offensichtlich kann man von Modeln und den Sendungen nicht besonders gut leben) gab es die Schlagzeile der BILD, dass es eine Anzeige wegen Körperverletzung seitens einer anderen WG-Bewohnerin gab (Zweckentfremdung einer Bratpfanne). Das erinnerte mich daran dass auch die nächtliche Alkoholfahrt von Käsmann durch die BILD publik gemacht hat. Die Frage ist: Wie bekommt die Zeitung diese Informationen? Geben die Polizeidienststellen automatisch eine Meldung an Bild wenn ein Prominenter irgendwie in eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit verwickelt ist? Ich meine fast ja, denn anders kann ich mir das nicht erklären. (Pro 7 hat den Streit ja bewusst unterschlagen). BILD berichtet darüber schon am 23.10.2009.

Derzeit gibt es eine unheilvolle Allianz zwischen BILD und DSDS. Mir scheint es dass BILD in Zeiten der Online Welt die einzige Zeitung ist die an Macht / Einfluss / Leserschaft gewonnen hat - vielleicht nicht verwunderlich: Sind längere Artikel online schwer zu lesen, die kurzen Ergüsse von Bild aber schon. Zudem passen die vielen Bilder natürlich gut in die Onlinewelt.

Es scheint auch keinen Schutz vor dieser Zeitung zu geben: Wie viele Prominente haben schon mit ihr zusammengearbeitet also Gastkolumnen oder Kommentare geschrieben, in der trügerischen Hoffnung dass sie dadurch nicht weitere Storys aus ihrem Privatleben in dieser "Zeitung" finden. Hilft alles nicht!

Ich glaube für Promis gibt es nur eines: Sich vergegenwärtigen, dass es vielleicht ein paar Millionen Bildleser gibt aber noch viel mehr Bild-Ignorier.

Sonntag 7.3.2010: Mythos reibungsfreies Apolloprogramm

Wieder einmal haben die Moon Hoaxer bewiesen, dass sie nichts von dem verstehen, was sie kritisieren. In einer Website fand ich als Argument "wie sollte ein solch komplexes und schwieriges Unternehmen reibungssfrei verlaufen sein" Apollo reibungsfrei? Das muss ein Apollo Programm in einem Paralelluniversum gewesen sein.

Selbst wenn ich einmal die Entwicklungsschwierigkeiten am Boden an der Hardware ausblende und mich nur auf die bemannten Flüge konzentriere fallen mir da einiges ein, was nicht reibungsfrei verlief. Ich denke jeder der nur eine Grundahnung von Raumfahrt hat, wird sofort das Feuer bei Apollo 1 und die Explosion des LOX Tanks bei Apollo 13 nennen können. In einem Fall kamen drei Astronauten ums Leben, im zweiten Fall scheiterte die Mission und die Astronauten konnten mit viel Glück gerettet werden (wäre der LOX Tank früher explodiert, wären die Ressourcen nicht ausreichend gewesen, wäre es einige Stunden später passiert so wären die Astronauten in einer Mondumlaufbahn gestrandet aus der sie ohne funktionierendes Servicemodul nicht herausgekommen wären). Das nenne ich nicht reibungslos: Im Gegenteil verglichen mit allen anderen bemannten US Programmen scheiterten bei Apollo am meisten Missionen (2 von 12, Gemini 1 von 10, Shuttle 5 von 132).

Aber auch so ging einiges schief. Um es vorweg zu nehmen ich bin im Apollo Programm nicht so ganz zu Hause, vielleicht fehlt da noch einiges:

Apollo 6: Zweiter und letzter Testflug der Saturn V: POGO Schwingungen der S-IC führten zur strukturellen Beschädigung des Stufenadapters zur Nutzlast und zu Problemen bei den oberen Stufen. Bei der S-II fiel ein Triebwerk nach 412 Sekunden aus, der Bordcomputer schaltete das gegenüberliegende zur Schubvektorerhaltung ebenfalls ab. Die Stufe brannte 58 s länger als geplant. Auch die S-IVB musste 29 s länger als geplant arbeiten und als sie wiedergezündet werden sollte scheiterte dies. Der geplante Test des Hitzeschutzschildes wurde durch Zünden des CSM Triebwerks durchgeführt. Bei einem bemannten Einsatz wäre die Mission gescheitert gewesen und die Besatzung wäre durch die starken Vibrationen verletzt worden.

Apollo 10: Als die Landefähre vom CSM abkoppelte, führte sie zuerst mit der Abstiegsstufe eine Anpassung des Orbits durch. Dieser war der letzte den die folgenden Missionen hatten bevor sie landeten. Nach dem Anfertigen von Fotografien des späteren Apollo 11 Landeplatzes stand das Abwerfen des Abstiegsstufe und Zünden der Antriebsstufe an, als die Fähre unkontrollierbare Rollbewegungen durchführte. Die Crew konnte rechtzeitig diese unter Kontrolle bringen. Wie gravierend diese war ist nicht ganz klar. Nach Gene Cernans Memoiren war die Fähre nahe am "Gimbal Lock", dem Blockieren der Inertialplattform, wodurch sie jegliche Informationen über ihre räumliche Lage verloren hätte und das RCS hatte die Fähre vor der Zündung der Aufstiegsstufe Richtung Mondoberfläche gedreht - eine Zündung hätte sie direkt zum Absturz gebracht.

Ursache war ein versehentlich aktiviertes AGS (Abort Guidance System), das im Modus "Höhe halten" sein sollte durch eine doppelte Betätigung des Schalters aber im Auto Modus war - nun wurde es aktiv nach dem Abwurf der Abstiegsstufe und versuchte die Fähre so zu drehen, dass sie mit dem CSM koppeln konnte, doch dieses war nicht in der Reichweite und richtigen Position dafür.

Apollo 11: Selbst beim "Muster" aller Mondlandungen ging einiges schief. Zuerst heulten beim Abstieg 1202 und 1201 Alarme auf - Buzz Aldrin hatte (in Übereinstimmung mit den Prozeduren) das Rendezvousradar aktiv gelassen, falls die Landung abgebrochen werden musste. Der Bordcomputer kam mit der Last die Daten beider Radarsysteme (Rendezvous- und Landeradar) zu verarbeiten aber nicht nach. Der Fehler war jedoch in einer Simulation vorher schon aufgetreten und daher bekannt. So konnte die Landung fortgesetzt werden. Dann hatten kleine Veränderungen der Geschwindigkeit beim Abtrennen, die Inspektion der Fähre danach und Unkenntnis der Mascons den Orbit so verändert, dass Apollo 11 einige Kilometer zu kurz landete und der Bordcomputer die Fähre mitten auf ein Kraterfeld zusteuerte. Armstrong übernahm die Handsteuerung der Vorwärtsbewegung und landete mit dem kleinsten Resttreibstoffvorrat jeder Apollomission. Als Folge wurden die Computerprogramme geändert und alle folgenden Missionen bekamen im Endanflug eine Korrekturmöglichkeit des Flugpfads eingebaut. Zuletzt brach Armstrong beim Anziehen des Raumanzuges den Zündschalter für das Aufstiegstriebwerk ab - er wurde mechanisch durch einen Kuli überbrückt.

Apollo 12: Beim Start schlug der Blitz in die Saturn V ein. CSM Systeme fielen aus, die Kreiselplattform verlor die Orientierung. Dank des mehrfach redundanten Computersystems der Saturn gelangte die Kapsel trotzdem in einen Orbit. Doch dann musste die Besatzung unter Zeitdruck nicht nur den Start in die Mondtransferbahn einleiten, sondern auch die Kreiselplattform neu ausrichten, was durch Messungen von Positionen von Sternen erfolgte. Dick Gordon schaffte dies im letzten Moment bevor die Zündung des TLI anstand.

Apollo 14: Nach dem Start klappt das automatische Kopplungsmanöver des CSM mit der Mondfähre nicht. Erst nachdem nach mehreren Versuchen die Schalter für das Einrasten des Kopplungsmechanismus per Hand ausgelöst werden, klappen die Haken zu, welche die Probe zurückziehen und zu einer stabilen Verbindung führen. Wäre dies nicht gelungen so wäre die Mondlandung gescheitert. Ein noch größeres Problem gab es kurz vor dem Abstieg. Die Bodenkontrolle bemerkte, das der "Abort" Schalter an war. Mehrmaliges Betätigen des Schalters nützte nichts, es lag ein Kurzschluss vor. Wäre nun das Triebwerk aktiviert worden, so hätte das Computerprogramm sofort den aktivierten Abortschalter bemerkt und die Landung abgebrochen und die Abstiegsstufe abgetrennt. Am Boden arbeitete man fieberhaft an einer Lösung, denn schließlich hatte die Fähre nur Strom für drei Orbits. Hätte es länger gedauert, so wäre auch die Landung abgebrochen worden, weil der Strom sonst nicht für die vorgesehene Landemission ausgereicht hätte. Nach 2 Stunden gab es eine Lösung, das Computerprogramm wurde so modifiziert, dass es den Abbruchschalter ignorierte. Doch das war noch nicht alles. Nach Sechs Minuten wechselte plötzlich das Landeradar seinen Modus und wechselte auf einen falschen Modus der eigentlich für die Endanflugphase vorgesehen war - diesmal reichte es den Schalter mehrfach ein/auszuschalten um es in den richtigen Modus zu bringen.

Reibungslose Missionen sehen bei mir anders aus.... Es würde ja schon helfen, wenn Redakteure oder Anhänger sich mal informieren, was die Moon Hoaxer sonst noch so treiben. Ralph Rene, Moon Hoaxer Nummer 2 nach Bill Kaysing (gestorben im Dezember 2008 , oder etwa von der CIA ermordet) schreibt z.b. schon auf der Eröffnungsseite dass er entdeckt hat, das Newtons Gravitationsgesetz auch nicht stimmt....

Montag 8.3.2010: Bio- und konventionelle Landwirtschaft

Letzten Dienstag kam in der NDR Reihe "Doku 45" ein Beitrag über konventionelle und biologische Landwirtschaft, speziell Tierzucht. besucht wurden ein Vorzeige Bio-Hühnerzüchter, ein Betrieb der konventionell Eier produziert, ein ehemaliger Bio-Schweinezüchter und ein heutiger Schweinezüchter und ein Forschungsmastbetrieb für Hähnchen. Die Frage drehte sich darum, was wohl die richtige Zuchtform ist, und wie sich jeder denken kann - es gibt keine richtige. Trotzdem war es interessant. Der konventionelle Zuchtbetrieb hält Hühner in Kleingruppen, Boden und Freilandhaltung und die Inhaberin meint Kleingruppenhaltung wäre besser für die Tiere. Und die Hühner sahen gesund haus, munter und hatten keine Ähnlichkeit mit den Bildern von Legebatterien die man so kennt. Der Biobauer vertritt natürlich die Meinung, dass seine Hühner sich frei bewegen können müssen und scharren können. Deswegen versetzt er seinen mobilen Stall alle paar Wochen, was selbst bei Biobauern ungewöhnlich sein soll. Nur so ist gewährleistet dass sich durch sie Exkremente keine Krankheiten ausbreiten. Trotzdem gibt es Probleme wenn Tausende von Hühnern zusammen sind - sie können kaum eine soziale Hierarchie ausbilden. Anders als in den Kleingruppen.

Der Forscher, der auch Masthähnchen zu Forschungszwecken züchtet, vertritt die Meinung das Leben in einer Halle mit wenig Platz nicht gegen die Natur wäre - sie wären nichts andere gewöhnt und zieht den Vergleich zwischen Stadt- und Landkindern. Der Exbiobauer hat aufgehört Schweine zu ziehen, weil ohne Zusatzfutter die Ferkel zu wenig Nahrung von den Sauen bekamen und so schwarze Ohren bekamen und er es nicht als gesund für die Tiere ansah. Er meint, auch Bio-Landwirtschaft wäre nicht so, wie es sich die Tiere wünschen, denn dann müssten die Tiere so viel Platz haben wie Wildschweine - nämlich maximal 60-80 Tiere pro km². Selbst der Biobauer sagt, er kann seinen Tiere nicht viel Auslauf bietet sondern nur einen Freilaufteil und einen Stall. Mehr sei auch bei Bio nicht möglich.

Nun ja, ich verstehe nicht viel von Hühnern und Schweinen, aber ich verstehe einiges von Katzen und da fiel mir eine ähnliche Diskussion ein. Es gibt da zwei Positionen. Die einen meinen Katzen sollten nur eingezäunt leben - wegen der Gefahren in der Großstadt (Autos). Wer einen Garten hat, muss ihn so einzäunen das Katzen nicht raus können - da meine Katzen aus dem Stand 2 m hoch springen und ihnen 7 cm Bodenfreiheit zum durchkrabbeln reichen keine leichte Aufgabe. Die andere Position sagt, dass Katzen leiden wenn sie in einer Wohnung oder kleinen Garten eingesperrt sind und man daher lieber das Risiko eingehen sollte, dass ihnen etwas passieren sollte anstatt sie lebenslang zu quälen.

Nun meine Beobachtung ist, dass es wirklich wohl eine Gewohnheitssache ist. Meine derzeitigen Katzen kamen aus dem Tierheim und wahren vorher 6 bzw. 12 Monate nur in einer Wohnung. Trotzdem wollten beide sofort nach der Ankunft raus.  Auch wenn ich nie vergesse, wie sie erst um den Rasen einen großen Bogen machten - das war wohl ziemlich unbekannt. Einige Tage später sind sie dauernd raus gegangen. Umgekehrt kam meine Nichte letztes Jahr für 2 Monate von Berlin nach Ruit. Das bedeutete für den Kater die Möglichkeit anders als in Berlin in der vierten Etage rein und raus zu können. Er machte davon kaum Gebrauch und ging maximal bis in den Garten. Er war nichts anderes gewohnt und ich denke das kann man durchaus auf Hühner übertragen. Selbst die Biobauer gab zu, dass die Hühner nicht aus dem Stall heraus wollen, wenn der Auslauf in Windrichtung ist, weil es Fluchttiere sind.

Mit Sicherheit ist aber das Argument falsch, dass Tiere so viel Platz wie ihre wilden Verwandten brauchen - die brauchen so viel Platz um ihre Nahrung zu sammeln, nicht weil sie gerne so viel rumlaufen. Auch hier ein Vergleich zur Katze. Eine Wildkatze hat ein Revier von einigen Quadratkilometern. Unkastrierte Hauskater entfernen sich meiner Erfahrung nach 100 m von der Wohnung und Katzen und kastrierte Tiere noch viel weniger, meine maximal 2 Häuser weiter. Kurz gesagt: Gegenüber den Wildformen haben heutige Hauskatzen ein hundertmal kleineres Territorium.

Es bleibt noch die Frage, was jemand von Biofleisch erwartet. Bei Pflanzen ist die Sache klar - keine Pestizidrückstände. Das führt zu wirklich komischen Sachen. So bekommen Äpfel im Normalfall Schorf. Das ist bei unseren Äpfeln vom Garten jedes Jahr der Fall. Natürlich gibt es ein Mittel dagegen: Kupfersalze. Die sind auch bei Bio erlaubt, sind aber weitaus belastender für die Umwelt als Fungizide und werden im Bioanbau auch eingesetzt, weil der Verbraucher ja makellose Äpfel will.

Bei Tieren denke ich ist der Verbraucher bei Bio eher an einer "humanen" Aufzucht interessiert: Das es die Tiere gut haben, viel Auslauf, "glücklich" sind und vielleicht nicht im Eiltempo aufgezogen werden. Doch will er kranke Tiere, weil keine Medikamente eingesetzt werden dürfen? Unterversorgte Tiere, weil nicht die Nahrung mit fehlenden Elementen angereichert werden darf? Ist die Gesundheit und optimale Versorgung nicht wichtiger als die Abwesenheit von Medikamenten? Beim Menschen würde man ja auch nicht auf welche verzichten.

Vielleicht ist es an der Zeit anstatt "Bio" einen weiteren Begriff einzuführen wie "Pro Vet" - für eine "vernünftige" Zucht. Eine bei der das Tier und seine Gesundheit im Vordergrund steht und nicht irgendwelche radikalen Forderungen an Rückstandsfreiheit. Nur befürchte ich, wenn schon heute Bio nicht hießt, dass Tiere automatisch viel Auslauf haben, dass nur wenige bereit sein werden die resultierenden Preise zu zahlen - beim "Muster" Biohühnerzüchter kostete ein Hähnchen 27 Euro....

Dienstag 9.3.2010: Der Stillstand in der Raumfahrt

Ich kaufe mir gerne bei Amazon auf Marketplace alte Raumfahrtbücher. Sie sind meist billig und vieles über alte Programme findet man alten Büchern. Aber man bekommt auch einen Einblick in die Zeit. Was jedem auffällt: wer Bücher aus der Ende der sechziger liest ist der enorme Optimismus. Eine bemannte Marlandung bis 1986 sollte möglich sein. Verwirklicht mit nuklearen und Ionentriebwerken. Ich habe das schon einmal thematisiert. Ein Grund war eine lineare Prognose der Entwicklung von 1958 bis 1968. Vergleicht man den Sprung bei den Trägerkapazitäten dem Erreichten bei der bemannten und unbemannten Raumfahrt.

Aber es gibt auch einen anderen Grund: Damals wurde viel mehr neues entwickelt. Schauen wir uns die Antriebstechnologie an. Die USA haben von 1958-1972 in Angriff genommen:

Im nächsten Jahrzehnt kam dann noch das Staged Combustion Prinzip dazu. Seitdem ist es still geworden - neue Treibstoffkombinationen, Hybride Treibstoffe das alles wurde nicht angegangen. Auch die Entwicklungen bei Ionentriebwerken blieb beim Stand der sechziger Jahre stehen. Das nukleare Triebwerke nicht weiter verfolgt werden verwundert nicht wobei die Einstellung allerdings noch in den Zeiten erfolgte als man bedenkenlos an die Kernenergie glaubte.

Auch in anderen Aspekten war die Raumfahrt up-to-date. Brennstoffzellen, kaum erfunden wurden in Gemini eingesetzt. Kaum war die integrierte Schaltung erfunden fand sie ihren Einsatz im Apollo Computer - er war zwar technisch 1969 schon veraltet - kein Wunder bei der schon damals schnellen Weiterentwicklung der Computertechnik, aber immer noch unübertroffen in Abmessungen und Stromverbrauch.

Zeitsprung: Wie sieht es heute aus? Die ESA setzt als Computer eine weltraumtaugliche Version eines Sun Prozessors von 1987 ein. Ionentriebwerke sind immer noch ein Nischenprodukt. Raumsonden werden wie in den sechziger Jahren über Kommandos gesteuert. Während sich die Hardware von Satelliten und Raumsonden kaum geändert haben gab es aber an anderer Seite enorme Fortschritte: Bei den Instrumenten. Diese an Universitätsinstituten entwickelten Experimente haben sich enorm weiterentwickelt. Man vergleiche nur die Aufnahmen von Mariner 6+7 mit denen des MRO.

Eine ketzerische Frage: Könnte daran das System verantwortlich sein? Wernher von Braun hatte im US-Weltraumprogramm eine Sonderstellung inne. Nicht nur aufgrund seines Charisma und Managements: Er schaffte es auch dass die Saturn Träger in Huntsville entwickelt wurden und die Produktion in der Industrie. Das war ein Winner-Winner Spiel: Die NASA hatte die Erkenntnisse und die Industrie. Schon damals lief es anders: Die NASA schrieb einen Auftrag aus und wählte aus den Angeboten einen Industriekontraktor aus. Das ist an und für sich kein schlechtes System: Wenn es um die Produktion geht. Also wenn das US Verteidigungsministerium einen neuen Jäger braucht vergibt sie einen Auftrag an Northrop, Lockheed & Co und dann werden 100, 200 oder noch mehr Flugzeuge produziert.

Das Problem: Bei Raumfahrt ist jedes Raumfahrzeug ein Unikat. Und hier läuft es anders. Die Raumfahrtagentur bezahlt nicht für eine Produktion, die eine Entwicklung notwendig macht, sondern für eine Entwicklung bei der am Ende ein flugfähiger Prototyp steht. Das hat Folgen. Als erstes wird der Industriebetrieb bestrebt sein, seinen Gewinn zu maximieren. Das geht bei Neuentwicklungen damit dass sie maximal komplex sind und wenn das nicht vom Kunden gewünscht ist möglichst alles verwendet wird, was schon existiert und nichts neues entwickelt. Das führt dann zu solchen Konstellationen wie beim ATV: Die ESA will einen Transporter der automatisch koppeln kann und zahlt für die Entwicklung des Kopplungssystem. Super! Also dann entwickeln wir mal gleich drei Systeme dafür! (GPS, Videometer, Telegoniometer) und weil es sicher sein soll sind die Systeme redundant, die Rechner dreifach redundant und durch einen zweiten Rechner mit eigener Software abgesichert und die Triebwerke dreifach redundant. Das die Progress es seit 30 Jahren mit nur einem System schafft ist da wurst. Die Hardware ist aber dann doch abgehangen um Kosten zu sparen - Prozessoren auf der SPARC V7 Architektur.

Wenn Raumfahrtfirmen dass Problem haben das Kommunikationssatelliten länger arbeiten sollen dann vergrößern sie einfach den Treibstoffvorrat anstatt Ionentriebwerke einzuführen - vielleichte rst mal als Backupsystem und dann mit mehr Erfahrung als Ersatzantrieb. So werden diese immer schwerer und brauchen größere Träger. Oder es wird die ESC-A Stufe konstruiert - massiv, billig egal ob es 1,5 t Nutzlast kostet. Dafür zahlt die ESA ja nochmals Geld für die ESC-B um genau diese 1,5 t Nutzlast mehr zu bekommen. Dafür wird die ESC-B um sie möglichst billig zu bekommen natürlich das dieselbe Design wie die ESC-A einsetzen. Super, das ist wie wenn man in einen Laster einen Hochleistungsmotor ein und befestigt dann Bleiplatten im Laderaum.

Es ist in den letzten Jahren schlimmer geworden, auch weil die Raumfahrtbehörden immer weniger Firmen haben die in Konkurrenz stehen. In Europa hat die ESA bei der Trägerentwicklung keine Alternative mehr - Es gibt nur noch EADS. Bei Satelliten gibt es wenigstens noch ein paar andere Firmen. Schlimmer noch: Die Raumfahrtbehörden verlieren an eigener Kompetenz. Die NASA hat schon die Wartung des Space Shuttles privatisiert. Bei der Recherche für das Buch über Ariane bekam ich von der DLR die Antwort, Daten die ich gerne hätte, könnte man mir nicht geben weil es zu aufwendig wäre alle herauszuschreiben und alle Dokumente geistiges Eigentum von Astrium sind. Der Steuerzahler zahlt also für Entwicklungen und die Ergebnisse gehören dann den Firmen. Super gemacht!

Ich denke der Staat sollte wieder selbst die Entwicklung in Angriff nehmen. Vorbild sollten die Hochschulen sein, die ja schon heute die Experimente entwickeln und die rapide Entwicklung die diese durchmacht wird. Dort wird noch geforscht und Technologie entwickelt. Es gibt keine pekuniären Interessen etwas künstlich zu verteuern. Verglichen mit Raumfahrtfirmen sind heute staatliche Stellen ja noch richtig schlank und haben noch nicht eine Belegschaft die vorwiegend aus unproduktiven Berufen wie Betriebswirtschaftlern und Juristen besteht. Es ist Zeit das Modell von Wernher von braun aufzugreifen. Staatliche Stellen sollten selbst ihre Hardware entwickeln. Wenn es um eine Serienproduktion geht, dann sollte die Sache an die Industrie gegeben werden. So kann man bei Satellitenkleinserien für Erdbeobachtungssatelliten und Raketen verfahren. Eventuell bringt das die Raumfahrtindustrie auch wieder in Schwung wenn sie dann mit dem Staat konkurriert und neue kreative Konzepte werden erarbeitet - oder sie kommen auf Wege etwas gleich gut aber günstiger zu produzieren.

Noch etwas zu dem Super-Argument das bei jedem die Intelligenz abschaltet: Den Arbeitsplätzen. Ein Arbeitsplatz in einer staatlichen Stelle ist billiger als in der Industrie, wo ein Produktivarbeitsplatz eines Ingenieurs oder Arbeiters noch die Juristen, Betriebswirtschaftler, Marketing Leute mitfinanziert und dann noch die Prämien für Aktionäre und Management herauskommen müssen. An Universitäten gibt es einen kleinen Staab von festen Angestellten und viele die dort forschen, ihre Diplom und Doktorarbeit machen und an einem Projekt abreiten. Sie gehen dann weg, sind Spezialisten und gut ausgebildet. Viele gründen dann ihr eigenes Spin-Up. Auch in der DLR laufen sehr viele Forschungsaufgaben in der dann Universitätsabsolventen für einige Jahre an einem Projektarbeiten und sich weiter qualifizieren. In der Summe entstehen so mehr qualifizierte Arbeitsplätze als derzeit in den Raumfahrtfirmen. Die lassen sich gerne auch einen doppelwandigen Aluminiumzylinder mit 100 Millionen Euro bezahlen. Das ist keine technisch hochstehende Aufgabe, es ist nur teuer.

Vielleicht greife ich an dieser Stelle mal einige Beispiele für die Raumfahrt VEB die wir heute praktisch haben (hohe Kosten, Null Produktivität) auf.

Mittwoch 10.3.2010: SpaceX - mal wieder

Da ich in der letzten Zeit etwas müde und des Bloggens überdrüssig bin. Will ich an dieser Stelle nur auf folgende Meldung hinweisen:

http://www.spaceflightnow.com/falcon9/001/100309hotfire/

Wer mehr wissen will kann auf der Website nach einem Hermes Artikel Ausschau halten, der als Abfallprodukt zum Buch über europäische Trägerraketen 2 entstanden ist.

Appendix: Die Nutzlast der Falcon 9 Heavy hat sich erneut erhöht, nun ist sie schon besser als die einer reinen LOX/LH2 Rakete wie die Delta IV Heavy. In ein bis zwei Jahren wird sie sicher die Saturn V übertreffen....

http://www.spacex.com/falcon9_heavy.php

Donnerstag 11.3.2010: Nein zu Russland

Ich mache mir gerne Ideen unter der Überschrift "Was wäre wenn" -- also Ideen, was technisch möglich wäre, gestützt auf schon existierende Erfahrungen oder vorhandene Hardware. Das animiert den einen oder anderen, auch so zu verfahren und ich bekomme Ideen oder Pläne zugeschickt, wie man dieses oder jenes besser machen könnte. So ziemlich das häufigste dabei ist das Ersetzen der Ariane 5 Booster durch russische Erststufen oder Stufen mit russischen Triebwerken wie dem RD-0120. Ich bin da immer sehr skeptisch. Zwar gibt es keine offiziellen Zahlen, was wie viel bei der Fertigung einer Ariane 5 kostet, aber aus dem Anteil von MT Aerospace, welche für knapp 10 % Beteiligung am Programm nicht nur die Boosterhüllen, sondern auch Tankdome und andere Teile fertigen kann man ableiten, dass die Booster nur etwa 20-30 % des Trägerpreises ausmachen. Unter der Prämisse muss ein Ersatz schon sehr leistungsfähig oder billig sein.

Aber ich habe auch noch zwei andere Gründe. Das eine sind die Arbeitsplätze. Ich bin ja nicht gegen Raumfahrtkonzerne an sich, sondern denke, dass sie bei der industriellen Produktion ihre Stärke ausspielen können - die Erfahrung diese optimal zu gestalten und preislich zu optimieren. Daher sollte eine europäische Rakete auch in Europa produziert werden. Was allerdings nicht sein muss ist das bei Ariane 5 eingezogene Schema, das jede Leistungssteigerung gleich eine Neuentwicklung notwendig macht wie das Vulcain 2 oder Vinci. Es wäre durchaus auch Spielraum die vorhandenen Triebwerke und andere Ressourcen sinnvoll zu kombinieren wie dies bei der Ariane 4 geschah. Diese "jetzt entwickeln wir was neues" Mentalität ist auch ein Punkt der mich bei den Ariane 6 Plänen so stört. Sicher Ariane 5 ist nun 25 Jahre alt, wenn man die Designphase dazu nimmt - na und? Sie ist technisch noch immer auf der Höhe der Zeit und viele US Träger und die meisten russischen Träger sind noch viel länger in Dienst! Die als Alternativen dargestellten russischen Triebwerke sind auch nicht jünger als das Vulain.

Es gibt aber auch einen handfesten wirtschaftlichen Grund nicht russische Triebwerke oder andere Teile aus Russland zu beziehen. Die Teile sind ja nicht per se preiswert (über die Performance müssen wir kein Wort verlieren, die ist aufgrund jahrzehnterlanger Weiterentwicklung meistens Top). Sie werden nur so lange preiswert angeboten bis man von Ihnen abhängig ist. Ich möchte das an ein paar Beispiel verdeutlichen:

Die Atlas III und V sollten dank des RD-180 deutlich preiswerter werden. Das Triebwerk ist die wesentliche Neuerung, die Centaur wurde kaum verändert. Doch dem war nicht so: Die Kosten explodierten innerhalb weniger Jahre und haben sich heute auf einem hohen Stand eingependelt. Das kostete Lockheed-Martin massiv Marktanteile.

Die Proton, die zusammen mit der Atlas von ILS angeboten wurde blieb immer etwas billiger als die Atlas und bekam so mehr Aufträge. Vorstöße von Lockheed-Martin den Proton Startpreis um 10-.15 % anzuheben wurden von Chrunitschew abgelehnt und führten dazu, das LM seine Anteile an ILS verkaufte - kaum war nun die Atlas nicht Bestandteil des ILS Sortiments wurden die Startpreise der Proton massiv erhöht.

Solange die Sojus nur ein Transporter zur ISS war, waren sie und die Progress recht preiswert. Sobald dem nicht mehr so ist wurde sie echt teuer. Für 12 Sitze von 2009-2011 zahlt die NASA insgesamt 700 Millionen Dollar, also fast 60 Millionen pro Astronaut, Wenn die nächste Verhandlungsrunde ansteht werden sie wohl noch teurer, denn es gibt ja auf absehbare Zeit keine Alternative zur Sojus. Die ISS Transporte machen im aktuellen russischen Raumfahrtprogramm rund 40 % der Einnahmen aus.

Nun lese ich dass 14 Sojus Raketen Arianespace 1 Milliarde Dollar kosten sollen. Das sind 71 Millionen pro Träger. Zum Vergleich: Von Baikonur aus kostete der Start für den Kunden (nicht nur der Träger) rund 40 Millionen, vom CSG aus waren 50 Millionen vorgesehen. So wird der Start sicher nicht unter 80 Millionen zu haben sein, das bedeutet er ist sogar noch pro Kilogramm Nutzlast teuer als eine Ariane 5, die ja Ende des Jahres 10 t Nutzlast erreicht - das 3,3 fache der Sojus. Was mich dabei fuchsteufelswild macht: Für de Errichtung der Startplattform zahlte die ESA 2/3 der Kosten. Bei solchen Preissteigerungen, sobald man einen attraktiven Standort hat, da sollte man sofort die 223 Millionen Euro von der ESA von der Milliarde abziehen.

Diese Beispiele machen klar: Russland ist nur so lange preiswert, solange es Konkurrenz gibt. Warum auch nicht? In den letzten Jahrzehnten hat man auch dort erkannt was Marktwirtschaft und Monopole sind. Daher sehe ich auch keinen Preisvorteil russische Triebwerke oder Stufen einzustzen und genauso gut kann man dann europäische Entwicklungen einsetzen.


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