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Web Log Teil 157 : 19.3.2010-23.3.2010

Freitag den 19.3.2010: Modell-Domina

Als "Modell-Domina" hat vor zwei Jahren der Pfarrer der morgens vor 7 die Predigt hält Heidi Klum bezeichnet und ich muss ihm recht geben. Derzeit läuft ja wieder eine Staffel. Die Quoten sollen nicht so toll sein, trotz immer mehr Gemeinheiten und das ist es was auch daran stört. Letztes Mal der "Catwalk" im ICE im Bikini, dieses mal auf dem Laufband auf dem Münchner Flughafen. Das ganze nennt sich "Challenge". Nur was hat dies mit Modeln zu tun? Nichts! Wie mir eine Reportage vermittelte, bekommen in Agenturen Models die Grundlagen des Ganges und Possens in einem Wochenende in einem Crash Kurs vermittelt und Erfahrung müssen sie wie in anderen Berufen dann eben in der Praxis sammeln.

Irgendwelche Situationen die passieren können, wie abgebrochene Absätze, bewusst zu provozieren oder die Modells auf sich bewegende oder rüttelnde Untergrund zu setzen hat damit gar nichts zu tun und wird auch nichts trainieren. Das ganze geht nur um Effekthascherei und Spannung oder um das Scheitern zu provozieren und Tränen in der Großaufnahme zu sehen. Dabei weiß man als Zuschauer schon wie es ausgeht: Ich hatte in der alten Staffel nie Probleme vorherzusehen wer rausfliegt. Bei der neuen bin ich noch schlauer: Die wo häufig zu sehen sind, kommen weiter! Da alles schon vor 2 Monaten gedreht wurde (Pauline kommt nun frisch dazu, dabei wurde sie schon in der vorletzten "Wetten  dass" Show gecastet) wissen die wo das Material zusammen schneiden ja schon, wer weiterkommt und die Verlierer wurden schon in den ersten zwei Folgen kaum gezeigt.

Wie wird es weitergehen? Wird es bei der nächsten Staffel einen Catwalk über lebende Krokodile geben, wie der von Roger Moore im James Bond "Live and let die"? (Damals Übrigens über echte Alligatoren!) Nur damit es "Spannend" bleibt? Vor allem ist die Dramaturgik künstlich aufgebauscht - Schweigeminute mit Anstarren vor der Verkündung eingeschlossen. Die letzte Staffel fand ich ganz amüsant, aber jetzt fängt es an mich mehr und mehr zu nerven. Vielleicht ein Effekt, das ich die letzte Staffel nebenher beim Arbeiten angeschaut habe und diese aktiv - und dann frage ich mich, ob ich nicht meine Zeit besser nutze. Nachdem das Mädchen das mir am besten gefiel, heute rausflog denke ich schaue ich mal so lange wie Miriam noch dabei bleibt. Sie fällt mit der bodenständigen Art aus dem ganzen Zirkus raus.

Interessant ist natürlich, warum die Jury ausgewechselt wurde. "Peyman" scheint sich ja mit seiner "Modell-WG" unbeliebt gemacht zu haben, obwohl das Format wesentlich zahmer war als Klum die ihre Mädchen als "langweilig" oder "Weniger lebhaft als die Wachfigur" bezeichnet. Ob die neue Jury besser ist? Der Fotograf scheint ja recht bekannt zu sein, aber dieser "Q" scheint wohl mehr ein Witz als Marketing Agent zu sein, mit 26 kaum älter als die älteste Kandidatin. Lebenserfahrung? Null! Durchblick? Wohl kaum. Er schaut immer nach oben und sieht wohl nur seine eigenen Augenbrauen. Das gilt auch für die anderen Zutaten. Es scheint mehr um das Promoten zu gehen. Denn von den "weltbekannten" Designern kannte nicht nur ich fast keinen. es ging wohl mehr darum denen neue Kunden zuzuschanzen oder andere Marken kostenlos zu bewerben.

Die Chancen stehen gut, dass es die letzte Staffel sein wird. Unverständlich ist, warum sich so viele junge Frauen auf die Castings bewerben und die enorme Enttäuschung wenn man nicht weiter kommt - schließlich wurde noch keine Gewinnerin wirklich ein "Top Modell" sondern bekam nur einen Modelvertrag. Ob dieser bei Heidi Klum ist oder bei einer anderen Agentur denke ich ist Wurst im Prinzip zählt die Person und die wird ja nicht besser durch den Gewinn der Show. Es ist aber erschreckend, dass 2000 Mädchen meinen nur durch dieses Format erfolgreich sein zu müssen. Gut man muss noch weniger können als bei der Suche nach einem "Superstar" oder "Supertalent". Doch die Auswahl läuft ja auch einfacher .- kein Vorsprechen vor der Jury eine Sekunden Laufen müssen ausreichen. Was sagt das über unsere Gesellschaft aus? Müssen wir bei zunehmender Krise bald befürchten das RTL2 das Format "Germanys next Superhure" oder "Deutschland sucht die Superprostituierte" aufleben lässt?

Samstag 20.3.2010: Der Vorteil von Ionentriebwerken - eine Beispielsrechnung

Der eine oder andere hat es vielleicht schon gemerkt: Ich bin ein Fan von Ionentriebwerken. Sie erlauben es den Treibstoffverbrauch radikal zu reduzieren wenn man erst einmal eine Erdumlaufbahn erreicht hat. Ich habe mir heute mal eine Beispielsrechnung ausgedacht wo ich beide Konzepte - chemischer und Ionenantrieb vergleichen will. Es soll nicht um eine konkrete Mission gehen, sondern ein grundlegendes Rechenbeispiel.

Damit man beides Vergleichen kann, muss man die Bedingungen festklopfen. Die Mission soll eine hypothetische Raumsonde sein. Sie fliegt von der Erde zum Mars. Gelangt dort in eine Umlaufbahn, passt diese zuerst so an, dass sie Phobos erreicht, dann setzt sie dort einen Lander aus, der Bodenproben entnimmt und fliegt dann zu Deimos, wiederholt dort das Spiel und fliegt mit den Bodenproben zurück zur Erde. Eine Abbremsung in einen Orbit um die Erde ist nicht vorgesehen.

Die Sonde mit dem chemischen Antrieb gibt die Bedingungen vor. Sie soll mit einer Sojus 2 gestartet werden (Startgewicht: 1.600 kg zum Mars). Die wichtigste Rahmenbedingung, die die Sonde mit chemischen Antrieb vorgeben kann, ist die Reisedauer: Bei chemischen Antrieben liegt sie aufgrund der Himmelsmechanik fest: Der Rückstart muss 1 Marsjahr nach dem Start erfolgen. Zusammen mit der Reisedauer in einer Hohmannbahn kommt man so auf eine Gesamtreisedauer von 32-34 Monaten. Bei Ionentriebwerken kann man in Maßen Gewicht durch längere Reisedauern erkaufen. Daher soll am Mars jeweils bei Deimos und Phobos eine minimale Aufenthaltsdauer von 3 Monaten möglich sein.

Zur Vereinfachung der Rechnung sollen die Manöver bei Phobos und Deimos nicht einbezogen werden, auch soll die zusätzlich mitgeführte Nutzlast (Bodenproben) und der Verbrauch an Treibstoff zur Landung genau entsprechen.  Aerobraking, sofern möglich wird genutzt (in meiner Rechnung habe ich das aber nur bei dem chemischen Antrieb gemacht, da Ionentriebwerke nicht so lange brauchen wie das Aerobraking dauern würde.

Chemischer Antrieb

Beim Mars muss um 800 m/s abgebremst werden um eine elliptische Übergangsbahn zu erreichen. Diese wird dann durch Aerobraking abgebremst bis ein 200 x 6000 km Orbit erreicht ist (Umlaufbahn von Phobos). dann wird chemisch der marsfernste Punkt angehoben. Es folgt eine Beobachtung von Phobos und danach eine Wechsel auf einen 20.000 km hohen Orbit von Deimos (im Zweiimpulstransfer). Von dort aus kehrt die Sonde dann zurück zur Erde. Das führt zu folgender Geschwindigkeitsbilanz in Hohmann Bahnen (mittlere Marsentfernung von 227 Millionen km angenommen)
Bahn Geschwindigkeitsänderung
interplanetar -> Mars 800 m/s
Aerobraking 200 x 79.000 km → 200 x 6.000 km -
200 x 6.000 km → 6.300 km kreisförmig 556 m/s
6.300 km kreisförmig → 6.300 km x 20.000 km 395 m/s
6.300 km x 20.000 km → 20.000 km kreisförmig 318 m/s
20.000 km kreisförmig → Fluchtkurs zur Erde 1915 m/s
Summe: 3.984 m/s

Wenn beim chemischen Antrieb von einem Voll/Leermasseverhältnis von 7 und einem spezifischen Impuls von 3.180 m/s (typische Werte für Satellitenantriebe) ausgegangen wird, dann kommen noch 457 kg bei der Erde an, von denen 190 kg auf den Antrieb entfallen. Also nur noch 267 kg für die Nutzlast entfallen. Selbst bei einer zweistufigen Lösung (die zweite Stufe führt die Rückkehr vom Mars aus durch) wären es nur 334 kg.

Ionenantrieb

Auch hier einige Nebenbedingungen. Ich habe als Energieversorgung Solarkonzentratorarrays mit einer Leistungsdichte von 180 W/kg gewählt. Von diesen existieren Prototypen. Das gewählte Triebwerk ist das RIT-XT. Zu den Triebwerken sollen noch 200 kg für Strukturen, Spannungswandler etc. kommen. Das Voll/Leermasseverhältnis der Hochdrucktanks für das Xenon soll 7 zu 1 betragen. Die aufzubringende Geschwindigkeit ist deutlich höher als beim chemischen Antrieb. Beim herauf spiralen aus der Erdumlaufbahn (Ausgangshöhe: 500 km) habe ich als Ansatzpunkt "Hohmann + 20 %" genommen. Bei den Umlaufbahnen zum Mars, beim Mars und zurück jeweils die Geschwindigkeitsdifferenzen der Bahnen.

Bahn Geschwindigkeitsänderung
Erde 500 km → Sonnenumlaufbahn 3.784 m/s
Sonnenumlaufbahn → Marstransferbahn 2.918 m/s
Marstransferbahn → Mars 200 x 79.000 km 2.730 m/s
200 x 79.000 km → 6.300 km kreisförmig 1.398 m/s
6.300 km kreisförmig → 20.000 km kreisförmig 759 m/s
20.000 km kreisförmig → Fluchtkurs zur Erde 2.627 m/s
Summe: 14.266 m/s

Das sieht auf den ersten Blick wesentlich schlechter aus. Selbst wenn als Trost uns eine Sojus 2 nun 8.000 kg in eine 500 km hohe äquatoriale Kreisbahn absetzt. Abzüglich der beiden Hohmannbahnen (mit jeweils 8 Monaten Flugzeit) und 6 Monaten an den Monden bleiben so insgesamt 12 Monaten für Flugmanöver mit dem Ionentriebwerk. Ich habe ein bisschen mit den Zahlen gespielt und hier die Ausgabe meines Programms für die Berechnung:

Ionentriebwerk:
Spezifischer Impuls: 44130 m/s
Stromverbrauch 5000 W
Schub 0,15 N
Wirkungsgrad 66 Prozent
Gewicht eines Triebwerks 7 kg
Treibstoffverbrauch 3,4 mg
Gewichtsbilanz:
Strukturgewicht: 200 kg
Treibstoff: 2163 kg
Tankgewicht: 361 kg
Triebwerkszahl 33
Triebwerksgewicht: 231 kg
Nutzlast: 4000 kg
Startgewicht: 7855 kg
Solargenerator:
Leistung: 180 W/kg
Gewicht: 900 kg
Mittlere Distanz zur Sonne: 227,0 Mill km
Leistung bei der Distanz 78 W/kg
Bahndaten:
Geschwindigkeit um die Erde zu verlassen: 6702 m/s
Geschwindigkeit um zum Planeten zu gelangen: 7516 m/s
Gesamte Geschwindigkeit: 14218 m/s
Gesamte Reisedauer: 355 Tage
Davon in der Erdumlaufbahn (12 h/d) 228 Tage
Davon in der Sonnenumlaufbahn (24 h/d) 127 Tage

Die wichtigste Angabe ist die Nutzlast: 4.000 kg. So viel kommt noch bei der Erde an! Selbst wenn man das Solar Array von Dawn nimmt (80 W/m²) sind es noch 3.200 kg. Das bedeutet dass man eine Leistungssteigerung um den Faktor 10-15 gegenüber dem chemischen Antrieb hat, oder man auf eine kleinere Trägerrakete bei gleicher Nutzlast ausweichen könnte: Für SpaceX Fans: Eine Falcon 1e müsste vollkommen ausreichen.

Ich gebe zu, das ist eine Idealkonfiguration, da sie praktisch nur mittels Ionenantrieb zurückgelegt werden kann. Bei einer Mars Sampling and Return Mission geht das schon nicht mehr. Vom Mars kommt man nur mit chemischen Antrieb weg und wegen der abnehmenden Effizienz im äußeren Sonnensystem wird man auch bei den äußeren Planeten zum Einschwenken in den Orbit nicht auf den chemischen Antrieb verzichten können. Es zeigt aber das Potential - wenn dies nicht schon Dawn derzeit macht. Leider wurde die Sonde noch konventionell auf eine Fluchtbahn gebracht: Genauso gut hätte sie sich auch von einem 500-700 km hohen Orbit hinauf spiralen können. Doch da die Amis keine preiswerte Alternative im Nutzlastbereich unter der Delta hatten, stand dies wohl nie zur Disposition. Meine Meinung nach sollte es von einer Erdumlaufbahn ausgehen. Schon beim Erreichen der Fluchtbahn geht die Nutzlast bei fast allen Trägern auf Werte von einem Drittel bis einem Viertel derer für eine erdnahe Umlaufbahn zurück. Das es machbar ist bewies Smart-1 - Nachahmung wird empfohlen!

Montag 22.3.2010: Bücher, Bücher, Bücher!

Gestern habe ich das Manuskript der zweiten Auflage des ATV Buchs bei BOD hochgeladen, zugleich sind drei Bücher neu von mir erschienen und am Wochenende konnte die Website den viermillionsten Besucher feiern - der natürlich auch ein Buch zugeschickt bekommt. Also genügend Stoff um das Thema Bücher wieder einmal hervorzukramen.

Dangen wir mit dem letzten an - wie beim dreimillionsten Besucher gab es auch für den viermillionsten Besucher einen Preis. Er ging diesmal an Reinhard K. Geschafft habe ich die Million (echte Besucher, nicht Seitenabrufe) in 22 Monaten. Am Samstag war es soweit. Die dritte Million wurde am 30.5.2008 erreicht. Den viermillionsten am Samstag, also dem 20.3.2010. Der Preis ist wie beim letzten Mal ein Exemplar des Gemini Programms - diesmal aber von der zweiten Auflage (die wegen zwei abgeschnittenen Grafiken nicht mehr im Handel erhältlich ist, also eine echte Rarität. Was mich erstaunt ist, dass es wieder ein Dauerblogleser war. Der Blog macht schließlich nur ein Viertel der Zugriffe aus.

Dann sind nun drei neue Bücher von mir bei Amazon erhältlich - nun ja es sind keine neuen Bücher. Es ist das dritte Buch "Europäische Trägerraketen 1" aufgespaltet in drei Teilbände. Die Intension dahinter ist die, dass ich davon ausgehe, dass es bestimmt zahlreiche Leute gibt, die sich für Ariane 1-4 interessieren, aber wahrscheinlich deutlich weniger für die Black Arrow und Diamant oder die Europa Rakete. Da ich nun den Inhalt in drei Bänden aufgesplittert habe ist es möglich sich das Buch über Ariane 1-4 für 13,90 anstatt 29,99 Euro für alle drei Träger kaufen. (Analoges gilt für die anderen beiden Bände). Genaueres findet man wie immer auf Raumfahrtbuecher.de

Beim ATV Buch habe ich nachdem ich das Manuskript zurückbekommen habe eine Kehrtwende vollzogen. Ich hatte beim Manuskript ursprünglich noch ein etwa 100 Seiten starkes Kapitel über die ISS mit drin. Der Hintergedanke war, dass ich dem Leser einen deutlichen Mehrwert gegenüber der ersten Auflage bieten wollte. Das Umdenken begann, als sich in den letzten Wochen die Schlagzeilen über die ISS und das NASA Programm häuften und ich mir Gedanken über den Titel machte. Geplant war "Das ATV und die ISS" mit dem Untertitel: "Die Raumstation und ihre Versorgung". Doch was denkt sich der potentielle Käufer? Meint er nicht, dass es ein Buch über die ISS mit einem Kapitel über das ATV ist? Es wäre ja gerade umgekehrt (60 % waren über die Versorgung der Station und nur 40 % über die Station).

Da die Station Ende September fertiggestellt sein sollte und damit ein Buch nur über die ISS erst mal für Jahre den aktuellen Stand wiedergibt, habe ich mich entschlossen das Kapitel über die ISS wieder raus zunehmen und dieses nach Fertigstellung der ISS aktualisiert in einem separaten Buch zu veröffentlichen. Ich habe auch kurz nachgedacht ob ich das beim ATV auch machen soll, schließlich steht der nächste Start knapp 2 Monate später an - da er aber bis zu einem halben Jahr angedockt sein würde, könnte das bedeuten, dass die Mission nicht vor Ende Mai 2010 abgeschlossen ist. Wenn er länger angedockt bleibt, wie Jules Verne sogar noch später. Und dann steht im Januar 2012 schon der nächste Start an.

So ist das ATV Buch das was die alte Auflage auch war: Ein Buch über den europäischen Raumtransporter und die anderen Transporter. Die Kapitel über diese wurden erweitert und um Cygnus, Dragon und Orion ergänzt. Ich habe mich bemüht (und ich denke es ist mir mit meinen beiden Korrekturlesern auch gelungen) die Sprache deutlich zu verbessern und die Struktur des Buches zu optimieren. Die meisten Fakten die in Zahlen steckten, wurden in Tabellen extrahiert. Weitere Diagramme und Abbildungen der Integration zeigen die Subsysteme des Transporters.

So ist ein deutlich besseres Buch entstanden. Auch aktualisiert über die Daten von Johannes Kepler und die Namensgebung für das dritte ATV. Der Umfang ist auf 176 Seiten gestiegen - das sieht nach weniger aus, als es ist. Denn das Kapitel über Ariane 5 entfiel, so dass der Umfang über die Transporter von 116 auf 176 Seiten angestiegen ist. Für mich am wichtigsten war, dass es ein deutlich besseres Buch als die erste Auflage ist. Die sprachlichen und konzeptionellen Mängel sollten abgestellt sein und es bei Amazon wie die anderen Bücher im Durchschnitt wieder über 4 Sternen rangieren. Schlussendlich will ich ein Buch haben, auf das ich stolz sein kann. Wenn pro Exemplar nur etwa 100 Exemplare pro Jahr verkauft werden, dann sollte wenigstens gelten "exklusiv aber gut". Ich denke dass es in 1-2 Wochen für 14,90 Euro verfügbar ist.

Dienstag 23.3.2010: Schön wenn die Welt so klein ist...

Dieser Gedanke kam mir als ich am Samstag in der neuen SuW drei Beiträge zum Thema Raumfahrt las, genauer gesagt beziehe ich mich auf den Mittleren. Die Strecke läuft unter der Bezeichnung "Raumfahrt am Scheideweg". Wie doch die Welt klein ist. Bei der Raumfahrt geht es nur um zwei Projekte aus der bemannten Raumfahrt die ISS und Constellation. Es fängt noch mit einem Artikel der SuW Redaktion "Bemannte Raumfahrt heute und morgen". Dieser ist eine Zusammenfassung der derzeitigen Projekte, wenn auch nicht besonders fachlich kompetent (Zitat: "Die kräftigen Triebwerke des ATV können zudem die Bahn der ISS anheben...." Hmmm und was macht dann die Progress mit ihren viermal stärkeren Triebwerken?)

Der Hammer ist aber der mittlere Artikel des Gastautors Eugen Reichl, "Scherbenhaufen". Er liest sich, wie als wäre die Welt untergegangen, weil Obama Constellation einstellen ließ. Er vergleicht das sogar mit den drei Unglücken der amerikanischen Raumfahrt die ja auch alle zwischen dem 27.1. und 1.2. stattfanden. Mal abgesehen davon dass man die Einstellung eines Programmes, bevor es eigentlich richtig begann, wohl kaum mit dem tragischen Tod von 17 Astronauten vergleichen kann, zeugt dies auch von mangelnder Pietät, das ich ja auch hier auf dem Blog sehen konnte wo man den Gedenkartikel an den Verlust der Columbia missbrauchte um Stimmung zu machen.

Unbemannte Raumfahrt wird verniedlicht "Das sind ganze nette Dinge" und dann lässt sich der Autor noch zu großen Vergleichen zum Sport herab."Er (Obama) muss nun den Staffelstab des Constellation-Programmes nun nicht mehr an seinen Nachfolger weitergeben, er ist einfach stehengeblieben und hat ihn weggeworfen". Oh wir traurig. Kein Wort im ganzen Artikel, dass Constellation chronisch unterfinanziert war, in den letzten Jahren weitgehend zusammengestrichen wurde auf eine 1:1 Wiederholung von Apollo und selbst in der NASA bis zuletzt erbittert andere Konzepte als Alternative angeführt wurden.

Kein Wort auch von den Budgetkürzungen die es seit Anfang 2006 gab, die zum Streichen oder Verschieben zahlreicher anderer Projekte führte nur wegen dieses einen Programms. Kein Wort davon, dass der weiter vorne erwähnte Satellit SDO (Solar Dynamics Observatory) wegen der Finanzarmut der NASA durch Constellation bis Ende 2011 der einzige unbemannte Start der NASA ist - ein Forschungssatellit in zwei Jahren! In einigen Foren hat diese Nachricht ja schon zu "Thank You Mr. Griffin" Threads geführt.

Nun ja die Welt der bemannten Raumfahrt ist klein. Sie ist einfach und als Fan muss man nichts wissen. Es reicht bunte Bilder anzusehen und Videos von schwerelos schwebenden Menschen. Wenn dann jemand fragt ob dieselben Milliarden nicht sinnvoll in unbemannte Projekte investiert wären oder was denn nun die Ergebnisse sind, dann werden entsprechende Personen gleich zu "Gegnern der bemannten Raumfahrt" gestempelt. Diese "Gegner" sind aber nicht nur besser informiert, sondern auch toleranter. Denn ich habe noch niemals etwas von "Gegnern der unbemannten Raumfahrt" gehört und meine Aufrufe an die beiden, die hier am häufigsten zu dem Thema kommentieren doch mal einen Gastblog zu verfassen (Ruhri über die wahnsinnig wichtige Forschung an Bord der ISS und KlausD warum man der Firma SpaceX zwar alles glauben muss, was optimistisch und futuristisch klingt, aber nicht versuchen darf die Nutzlast ihrer Raketen mit den publizierten Daten zu überprüfen) blieben bislang auch noch ohne Antwort.

Wie es kommen kann wenn nur noch bemannte Raumfahrt zählt (ergänzt durch den Kommerz) zeigt der dritte Artikel der die russische Raumfahrt beleuchtet. Es wird viel zitiert, der Journalist bleibt seine eigene Meinung schuldig. Er handelt von den nun kommenden wissenschaftlichen Projekten - es sind drei bis 2016. Es ist der Satellit Koronas-Foton, Phobos-Grunt und Venera-D. Zwar werden anderen "internationale" russische Projekte noch aufgeführt, doch bei genauem Hinsehen handelt es sich nur um europäische Raumsonden gestartet mit russischen Trägern oder Reserveexemplare von Mars-96 Experimenten an Bord von Odyssey und LRO. Am Schluss wird der Wissenschaftler deutlich: Putin interessiere sich nur für bemannte Raumfahrt und Geldverdienen mit Startservices. Wobei inzwischen auch die bemannte Raumfahrt dank erheblich teurerer "Sitze" recht lukrativ ist. Neuentwicklungen gibt es nicht oder nur auf kleiner Flamme. So wird die Sojus etwas modernisiert um das Kurs-Radar einzusparen, dass man nun nicht mehr demontieren und zurückbringen kann und um noch mehr Geld mit zwei vermieteten Sitzen zu verdienen und die Angara wird entwickelt um noch mehr Geld mit Starts zu verdienen. Das war es aber auch schon.

Die Welt in der bemannten Raumfahrt ist klein: Es gibt ab Oktober nur noch ein Transportsystem und eine Raumstation. Man muss sich nicht jedes Jahr neu über Fortschritte bei Missionen, neue Satelliten und Raumsonden informieren. Bemannte Raumfahrt ist wie Spielfilme anschauen: Entspannen und zurücklehnen. Unbemannte Raumfahrt fordert mehr: Es muss verstanden werden warum sie betrieben wird. mit welchen Instrumenten sie arbeitet. Sie liefert Ergebnisse die man würdigen sollte, es reicht nicht nur hübsche Bildchen anzuschauen. Sie ist unbequem anstrengend und herausfordernd. Dafür ist die Welt etwas größer....

Mittwoch: 24.3.2010: Die suggestive Wirkung von (falschen) Fakten

Nachdem ich mich gestern so über den Beitrag von Eugen Reichl ausgelassen habe, dachte ich mir: Schau mer mal ob der nicht auch blogt. Und siehe da: Sogar zu meinem Lieblingsthema SpaceX. Beim Durchlesen des Beitrags legte sich aber die Freude. Das ist so ein Beitrag wie in den US-Raumfahrtportalen, die als News die Presseerklärungen von SpaceX weitergeben, ohne die kritisch zu kommentieren. Fangen wir mal chronologisch an:

  1. Ob ein statisches Feuern von Triebwerken wirklich einen entscheidenden Schritt für die private Raumfahrt darstellt möchte ich bezweifeln. Das gab es auch vor jedem Start einer Europa Rakete und trotzdem sind davon einige gescheitert... Vor allem kein Wort davon, dass selbst dieses Probezünden (entsprechend dem Anlassen eines Motors beim Auto und Abstellen sobald er läuft) erst auf den zweiten Versuch klappte wurde nicht erwähnt.
  2. SpaceX ist nicht das erfolgreichste Start-Up der privaten US-Raumfahrt, es ist das einzige. Alle anderen Firmen haben noch keinen Orbit erreicht und betrieben daher keine Raumfahrt per Definition.
  3. Die Falcon 9 wurde nicht in einem Drittel der Zeit einer "Regierungsrakete" gefertigt. Die Rakete taucht 2004 auf den SpaceX Webseiten auf. Nach 6 Jahren ist nun Erstflug. Ariane 1 startete 6,5 Jahre nach dem Beschluss, Ariane 5 7 Jahre 3 Monate später. Da die Rakete aber auf einem schon erprobten Einzeltriebwerk basiert, wäre der beste Vergleich die Saturn 1, die eine verbesserte Version des Jupiter Triebwerks als Cluster einsetzt. Diese wurde im November 1958 genehmigt und der Erststart erfolgte am 27.10.1961 - also nach weniger als 3 Jahre - erheblich kürzer als bei der Falcon 9
  4. Das Merlin ist nicht das einzige seit 10 Jahren neu entwickelte Raketentriebwerk. 2002 hatte das RS-68 seinen ersten Einsatz, das ist noch keine 10 Jahre her.
  5. Doppelt falsch ist die Angabe, dass der Auftrag einen Kommunikationssatelliten zu starten der erste Auftrag für ein Unternehmen der privaten Raumfahrt ist. Den ersten bekam Arianespace, eine private Firma (damals revolutionär) 1979 von Intelsat. Vor allem ist es für SpaceX der zweite - den ersten haben sie bereits wieder verloren. Der Kunde startet nun lieber mit der Ariane 5. Ich denke SpaceX profitiert hier vom Bankrott von Sea Launch. Auch Arianespace kann sich derzeit vor Aufträgen kaum retten und selbst die H-2A hat einen abbekommen.
  6. Bei dem Bericht über Launch Safety wäre natürlich auch zu erwähnen, dass SpaceX Vandenberg verließ, weil ihm die Launch Safety Bestimmungen dort zu streng waren. (Die US-Air Force wollte keine Falcon 1 starten lassen solange nebenan noch eine Titan 4 vorbereitet wurde - angesichts des langen Flugs der ersten SpaceX (Aufschlag direkt neben der Insel) wahr da die USAF auch gut beraten: Auch hier: negative Meldungen einfach weglassen.
  7. Nun kommt das beste: Raketen sind ja so kompliziert, da kann schon mal was schiefgehen. Das dient dazu schon mal die Erwartungen runter zuschrauben. Ja Raketen sind kompliziert, und Testflüge sind riskanter als spätere Flüge. Aber drei Fehlstarts in Folge hatten als letztes die N-1 und die Europa.
  8. Es kommt eine Liste von Raketen die einen Fehlstart beim ersten Start hatten. Aber auch die stimmt nicht ganz: Die Kosmos B hatte einen Fehlstart, die Kosmos C nicht und die Scout auch nicht. Vor allem ist sie suggestiv. Es gibt zwei wesentliche Einwände. Der eine ist, dass es früher viel mehr Fehlstarts gab, weil die Technik noch nicht so beherrscht und verstanden wurde. Genauso wir die ersten Flüge in Verkehrsflugzeugen auch riskanter waren als heute eine Reise in einem Airbus. Heute kann ein Unternehmen in den USA auf Spezialisten zurückgreifen die "Rocket Science" studiert haben, auf Firmen die seit 40 Jahren Triebwerke oder andere Teile für Raketen entwickeln. Heute noch ist ein Jungfernflug riskant, wenn völlig neue Technik zum Einsatz kommt, wie man an der Ariane 5 G und ECA sieht. Aber wenn ein Unternehmen gleich mehrere Fehlstarts hintereinander heute hinlegt, ist es eigentlich weg vom Fenster - wie man an Boeing mit der Delta 3 sehen konnte - und auch SpaceX setzt die Falcon 1 nicht mehr ein.
  9. All das ist aber für die Falcon 9 irrelevant, denn sie ist keine Neuentwicklung sondern basiert auf schon entwickelten Triebwerken die nur gebündelt werden. Auch hier: Der passende Vergleich ist die Saturn I und die flog 20 mal erfolgreich ohne jeden Fehlstart. Daran muss sich die Falcon 9 messen, nicht an ihrem Vorgängermodell.

In der Summe ein guter P&R Artikel, die Fakten weggelassen die nicht ins positive Bild passen, unpassende Vergleiche gezogen um das Produkt gut aussehen zu lassen und den Leser schon mal auf Fehlschläge vorbereiten. Besonders gut finde ich den Satz: "Wie gesagt: Fehler zeigen sich auch dann, wenn man mit dem Testen schon aufgehört hat.". Denn beim Merlin hat SpaceX nach 3.300 s Testzeit aufgehört mit den Tests - Das Vulcain 1 absolvierte 86.000 s, das F-1 Triebwerk nach 239.000 s - und damit will man dann "wenigen Jahren auch bemannt eingesetzt werden."...

Ich glaube ich schreib mal an SpaceX wie viel sie für solche Jubelartikel bezahlen. Vielleicht lohnt es sich ja....


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