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Web Log Teil 159 : 2.4.2010-11.4.2010

Karfreitag den 2.4.2010: Aufklärung zum Aprilscherz

Wie die meisten bemerkt haben war der gestrige Eintrag zum Thema SpaceX ein Aprilscherz. Ein guter Aprilscherz ist ja einer der zumindest möglich sein könnte, so habe ich mir Mühe gegeben und ich hoffe es ist ein guter geworden. Daher heute mal eine kleine Aufklärung:

Samstag 3.4.2010: SpaceX und Zweckoptimismus

Nachdem ich schon SpaceX und ihre Infomationspolitik kritisiert und auch am 1.4. mal als Aufhänger für den Aprilscherz genutzt haben. Heute mal eine Sicht auf ihr Geschäftsmodell und ob es klappt. Nun steht ja der Jungfernflug an. Man sieht, dass die Firma was hinzugelernt hat. Denn nun wird anders als bei der Falcon 1 nur eine Demonstrationsnutzlast gestartet. Auch Elon Musk scheint hinzugelernt zu haben. Während er in früheren Aussagen immer die Sicherheit seiner Rakete und ihre Fähigkeit einen Triebwerksausfall aufzufangen betonte, gab er in einem Interview am 26.11. folgendes Statement ab:

"I'd give it perhaps 70 to 80 percent likelihood of success, of complete success where it goes to orbit," Musk said. "Obviously, that's not 100 percent and that's just my personal guess."

Das zeigt sicher eine gewisse Reifung, da bei der Falcon 1 bei den ersten drei Starts ja jeweils Satelliten verloren gingen. Ich denke auch, dass bei einem Fehlschlag sicher nicht der zweite Start der erste Demonstrationsflug im Rahmen des COTS Programmes sein wird.

Zumindest eines ist realistisch: Die Erfolgswahrscheinlichkeit. Ich kann mich noch an einen Artikel erinnern, der in den DLR Nachrichten nach den ersten 20 Ariane Starts erschien und der zeigte, das bei völlig neu entwickelten typischerweise die Zuverlässigkeit 50 % bei den ersten 4-5 Starts und 80 % bei den ersten 20 Flügen ist. Dies ist eine typische Ziffer auch bei anderen Trägerraketen die von "Newcomern" entwickelt werden. Selbst die Ariane 5 passt noch gut in dieses Raster.

Nicht umsonst gibt es bei allen neuen Trägern üblicherweise Erprobungsflüge - bei Ariane 1 waren es die ersten vier Flüge, bei Ariane 5 immerhin noch die ersten zwei (dann nach dem Fehlschlag die ersten drei) und auch beim Space Shuttle die ersten vier (ursprünglich sogar sechs). Es ist also damit zu rechnen, dass wahrscheinlich der eine oder andere Start der Falcon 9 fehlschlagen wird - wenn sie Konzeption genauso wie bei der Falcon 1 ist, dass zuerst Systeme eingespart werden und wenn sie dann doch notwendig sind nachgerüstet werden sind es eher mehr als weniger fehlgeschlagene Flüge.

Das Problem von SpaceX ist, dass sie dafür nicht die Zeit hat. Das austreiben der Fehler einer Trägerrakete kann dauern. Bei Ariane 1 fanden in zwei Jahren nur vier Starts statt. Bei Ariane 5 verging rund ein Jahr zwischen jedem Start und ebenso bei der Delta 3. Das gleiche gilt auch für das Vorgängermodell Falcon 1. SpaceX hat aber schon jetzt ein sehr optimistisches Launchmanifest, dass jeweils drei Flüge dieses und nächstes Jahr vorsieht, dann vier Starts 2013/4 und für 2015 sogar fünf Flüge.

Nun ist aber die Falcon 8 schon ein Jahr hinter dem Zeitplan der NASA zurück. SpaceX mag das nicht viel kümmern, weil 234 der 278 Millionen Dollar für drei Demonstrationsflüge schon überwiesen wurden. Nur gibt es diese dumme Passage im nächsten Vertrag, dass es möglich ist wenn eine Firma ihre vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllt, die andere Firma den Gesamtkontrakt zugeschlagen bekommen kann. Was für SpaceX spricht ist, dass sie ein Jahr vor der Taurus ihren Jungfernflug absolvieren kann. Sie hat also ein Jahr mehr Zeit die Fehler zu finden und zu beseitigen. Gegen sie spricht, dass sicher die Taurus II technologisch ausgereifter ist - die NK-33 (Pardon Aerojet 26) Triebwerke sind erprobt und ein verkürzter Castor 120 Booster ist sicher nicht besonders riskant in der Entwicklung. Die Tanks lehnen sich an die Zenit an. Ich würde daher vermuten, dass die Taurus II weniger Flüge braucht um die schlimmsten Fehler im Design zu finden.

Vor allem aber hat SpaceX ein konzeptionelles Problem: Die Hauptnutzlast wird die Dragon Kapsel sein, die Versorgungsflüge zur ISS durchführt. Die Fracht beträgt nach den vertraglichen Verpflichtungen aber nur 1.700 kg pro Flug (12 Flüge für 20 t). Die Nutzlast pro Flug ist bei OSC um 50 % höher. Noch schlimmer: Von 8,7 t Startmasse sind nur 1,7 t Fracht. Bei der Cygnus sind es 2,3 von 7,6 t, also im einen Fall 20 und im anderen Fall 30 %. Wenn nun die Nutzlast der Trägerrakete nach unten korrigiert werden muss (z.B. weil die SpaceX Annahmen sich als zu optimistisch erweisen, oder die Leermasse durch Nachrüstungen ansteigt), dann nimmt vor allem die Nettonutzlast ab. Würde die Nutzlast nur um 5 % absinken, so entspricht dies 436 kg - nicht viel bei 8,7 t Startmasse, aber rund ein Viertel der Fracht - schon sind 16 anstatt 12 Flüge nötig.

SpaceX spricht von mehr Nutzlast - das alles soll ein "Block II" Design richten. Genaueres darüber gibt es nicht, aber so wie es SpaceX beschreibt - einfach neue Triebwerke rein, wird es nicht gehen. Dazu werden wohl alle Stufen verlängert werden müssen, was wiederum eine gravierende Modifikation ist und neue Risiken bedeutet. Noch dazu scheint das ganze Geschäftsmodell darauf zu basieren, dass erste Stufe und Dragon geborgen und wiederverwendet werden können. Das erste kostet mit Sicherheit Nutzlast (ich wette es wird erst bei späteren Flügen versucht, zuerst wird SpaceX wohl zufrieden sein, überhaupt einen Orbit zu erreichen). Zum zweiten - was passiert wenn es nicht klappt, oder Stufe oder Dragon zu beschädigt sind?

Das alles sind Risiken. Das Hauptrisiko ist aber OSC: Denn diese Firma ist für die NASA eine Alternative. Und sie hat einen Vorteil: Sie kann auf erprobte Komponenten und Zulieferer zugreifen, die schnell liefern können. Die Triebwerke der ersten Stufe sind auf Vorrat gelagert, die erste Stufe wird vom Hersteller der Zenit integriert (der dank Bankrott von Sealaunch derzeit nichts zu tun hat). Dasselbe kann man für andere Komponenten sagen. OSC meint 4 Starts pro Jahr durchführen zu können - also doppelt so viel wie von der NASA gefordert.

Andere Nutzlasten gibt es noch kaum - lediglich zwei Kommunikationssatelliten stehen auf dem Launchmanifest. Diese könnten bei Fehlschlägen ebenfalls abspringen. Vor allem gibt es auch hier das gleiche Problem: Die GTO Nutzlast ist kleiner als die LEO Nutzlast. Nimmt also die LEO Nutzlast um 10 % ab, so sind es 30 % bei der GTO Nutzlast und zack wird der Satellit zu schwer....

Falcon 9 spielt in einer anderen Liga als die Falcon 1. Sie ist größer und damit sind die Entwicklungs- und Startkosten höher. Die vier Flüge der Falcon 1 bezahlt sicher Elon Musk aus der Portokasse (wobei auch hier die Air Force zwei mit bezahlte). Bei der Falcon 9 ist ein Fehlschlag zehnmal teurer und sie hat praktisch nur einen Kunden - die NASA und den Transportauftrag. Und die NASA ist nicht auf SpaceX angewiesen. Diese beiden Punkte lassen viel weniger Fehler und keine Verzögerungen zu - es wird schwierig für SpaceX werden....

Dienstag 6.4.2010: Das "optimale" bemannte Raumschiff

Es wird interessant sein welche Konzepte bei den kommerziellen Raumtransporten nun auftauchen werden. Unabhängig davon möchte ich mal spekulieren, was die optimale Lösung sein könnte. Ich möchte mal die verschiedenen Anforderungen aufzeigen:

Sicherheit: Das ist bei bemannten Missionen das absolut wichtigste Kriterium. Ich denke die Sicherheitsdiskussion ist heute schon nicht mehr rational durchführbar. Nach einem Unfall wie vor 7 Jahren geht die Welle in Richtung "Maximale Sicherheit um jeden Preis" - ein Designkriterium des Ares/Orion Systems und wenn das ganze ein paar Jahre lang her ist und vergessen, dann kommen mehr und mehr Kritiker die die Kosten des Systems sehen und eine billigere Lösung wünschen.

Ich weiß nicht ob es möglich ist für das Gesamtsystem, jedes Subsystem und den Ablauf Kriterien festzulegen, die dann eine Risikobewertung verschiedener Systeme erlaubt und damit einen Vergleich verschiedener Konzepte. Doch eines weiß ich: Die NASA wird nur ein System akzeptieren, bei dem in jeder Phase der Mission die Besatzung gerettet werden kann. Ein Konzept wie beim Space Shuttle, wo dies während des Betriebs der Feststofftriebwerke nicht möglich ist, wird die NASA nicht akzeptieren.

Kosten: Wenn jedes Jahr einige Flüge zu einer Raumstation notwendig ist, so spielen die Langezeitkosten eine große Rolle. Was nützt das sicherste System, wenn es nicht zu finanzieren ist?

Gewicht/Frachtkapazität: Auch ein gewichtiger Punkt bei einem bemannten System, besonders falls die ISS vielleicht doch noch ausgebaut wird - im Prinzip erlauben schon die heutigen Labors dass dort 6-9 Personen forschen können. Dazu kommen noch 3 Personen für "Housekeeping" Aufgaben - macht zusammen eine gewünschte Stammbesatzung von 9-12 Personen. So viele können heute aber weder transportiert werden, noch gibt es die Wohnquartiere für sie. Nützlich wäre auch der Transport von Fracht, da damit weniger Frachttransporter nötig sind (natürlich nur wenn dies nicht die bemannte Mission entscheidend verteuert).

Diese verschiedenen Anforderungen müssen nun zusammenbracht werden. Ich denke ein Raumgleiter wie Hermes, oder das X-37B scheiden wegen des Sicherheitsaspekts aus. Sie ermöglichen nicht eine Rettung in jeder Situation und sie sind anders als die Kapseln keine sich selbst stabilisierenden Raumflugkörper - sollte ein Gleiter fehlorientiert in die Atmosphäre eintreten verglüht er, eine Kapsel dreht sich durch die Reibungskräfte in die richtige Position.

Ein klassisches Raumschiff wie das Apollo Raumschiff hat aber andere Nachteile. Zum einen geht das Servicemodul bei jeder Mission verloren. Es wird vor dem Wiedereintritt abgetrennt. Vor allem aber ist die Form ungünstig. Bei den klassischen Kegeln können nur an der Basis Astronautensitze angebracht werden - zwar kann man auch weiter oben noch Decks einziehen, doch der Zusatznutzen ist begrenzt. Zum einen muss eine Öffnung in der Mitte zum Wechsel vorhanden sein, zum andern nimmt die Fläche wegen der Kegelform quadratisch ab und die Höhe unterschreitet bald die, die nötig ist um Astronauten unterzubringen. Ab einer bestimmten Höhe ist es möglich die Astronauten übereinander unterzubringen - zumindest in der Mitte. Doch insgesamt haben Kegel die Eigenschaft, dass bei größerem Durchmesser es für die Astronauten immer bequemer wird, aber die Masse pro Person ansteigt. Hierzu ein Beispiel: Die bemannte ATV Version wird 3-5 Astronauten befördern. Im besten Fall also 2/3 mehr als die Sojus, aber fast dreimal so viel wiegen.

Bei den glockenförmigen Sojus Kapseln ist die Geometrie besser, aber das Grundproblem bleibt. In dieser Hinsicht ist der zylindrische Rumpf eines Gleiters durchaus besser ausgelegt. Das CRV hätte z.B. bei 14 t Startmasse rund 7 Astronauten aufgenommen. Hier sinkt auch das Gewicht pro Person bei steigender Größe.

Der einzige Vorteil eines großen Raumschiffs wäre, dass viel Platz für Fracht vorhanden ist (auch das bemannte ATV hätte noch 1-2 t Fracht transportieren können). Aber: Dafür sind in der Regel unbemannte Transporter die bessere Lösung.

Wie könnte nun die optimale Lösung aussehen?

Zuallererst: Wiederverwendbarkeit. Sie ist heute noch die Ausnahme, doch gerade bei einem bemannten System, das sehr robust aufgebaut ist, bietet sie sich geradezu an. Eine Gemini Kapsel wurde ein zweites Mal unbemannt getestet - das zeigt dass es geht. Man kann sich über Details streiten - Weiche Landung auf eine Flughafen mit Triebwerken und Landefahrwerk wie bei der DC-X oder Wasserung - in jedem Falle denke sollten die Kosten deutlich niedriger als derzeit sein. Details müsste man klären, z.B. ob ein preiswerter ablativer Hitzeschutzschild der jedes Mal gewechselt wird eine besser Lösung ist als ein permanenter wie beim Space Shuttle, der jedoch nach jeder Landung kontrolliert werden muss.

Wichtig halte ich es die Systeme die im Servicemodul heute stecken in die Kapsel zu integrieren - Lebenserhaltung, Triebwerke zur Bahnkorrektur etc. Da dort der Platz begrenzt ist schließt dies Langzeitmissionen aus - das ist aber auch nicht nötig. Schon heute lässt man sich viel Zeit um die ISS zu erreichen. Bei Gemini fand die Ankopplung nach 1-4 Umläufen statt, heute vergehen dafür einige Tage. Wenn ein bemanntes Raumschiff wirklich nur Taxi zur ISS ist, ist es nicht nötig es für längere Missionen auszurüsten - das spart Gewicht und Geld.

In der Summe halte ich eine Kapsel mit kleinem Durchmesser, für 3-4 Personen für ausreichend. Ein solches Raumschiff wäre dann auch nicht zu schwer, sondern könnte von einer mittelgroßen Trägerrakete wie der Sojus, Taurus II etc. gestartet werden. Wenn nun jemand "Dragon" schreit - dann muss ich den enttäuschen. Die Dragon wurde als unbemannter wiederverwendbarer Transporter konzipiert. Sie kann heute nicht einmal eine konstante Atmosphäre gewährleisten (10-46° Innentemperatur nach Datenblatt) und ein Fluchtturm war nie Bestandteil des Konzeptes. (Die Laienhaftigkeit von SpaceX Geschäftsführer Elon Musk zeigt sich auch, dass dies nicht weis und meint man könnte einfach einen existierenden "nachrüsten" - der Fluchtturm ist integraler Bestandteil des Systems. Die Kapsel muss auf die Lasten die bei der Abtrennung wirken ausgelegt sein. Es muss eine Verbindung geben die sowohl die Auslösung von der Kapsel aus, wie auch im umgekehrten Fall die Landeprozeduren automatisch auslöst etc... Als bei Gemini etwa 1 Jahr nach Entwicklungsbeginn klar wurde, dass das ursprüngliche Konzept eines Paragliders nicht machbar war (das war der Grund den Fluchtturm wegzulassen) verzichtete die NASA auf ihn, weil sonst sich das ganze Programm um 1 Jahr verzögert hätte. Weiterhin dürften alle Nachbesserungen die Dragon deutlich schwerer machen - wahrscheinlich zu schwer für die Falcon 9.

Mittwoch: 7.4.2010: Weltraumwaffen

Heute mal ein etwas anderes Raumfahrtthema: Weltraumwaffen. Es ist nicht gerade mal mein Spezialgebiet, daher nur eine kleine Einführung in das Thema. Den Anfang macht das FOBS: Fractional Orbit bombardement System. Es ist ein Serie die Mitte der sechziger Jahre von der UdSSR erprobt wurde. Die erste Version der Zyklon schickte Satelliten auf einen Kurs rund um die Erde und die Nutzlasten bremsten noch vor Ende des ersten Umlaufs ab und landeten. Den USA war bald klar, was darunter zu verstehen war: Russland hatte eine ICBM mit einer Reichweite von über 20.000 km angekündigt. Statt eines ballistischen Profils wurde die Nutzlast aber in einen Orbit gebracht und dann vor dem ziel wieder abgebremst.

Was war der Sinn des Manövers. Nun ein Blick auf einen Globus bringt die Aufklärung. Der kürzeste Weg einer ICBM zwischen Russland und den USA führt über den Nordpol. Da am Nordpol aber alle Längengrade zusammenführen können wenige US Radarfrühwarnstationen in Nordnorwegen, Grönland und Alaska alle startenden russischen Raketen bald nach dem Start entdecken - da sie über 1000 km hoch bei ballistischen Bahnen aufsteigen entgehen sie auch nicht dem Radar. Anders sieht es aus wenn eine Rakete von Russland aus nach Süden schwenkt und einen Orbit erreicht - der Start entgeht so den US-Radarstationen und in nur 200 km Höhe reduziert sich dann auch die Vorwarnzeit beim Wiedereintritt von 20-25 auf 3-5 Minuten: Die Nutzlasten kommen zudem vom Süden auf die USA zugeflogen.

Auf der anderen Seite ist das System auch fehlerträchtig, denn die Genauigkeit mit der ein Ziel so getroffen werden konnte, entspricht dem wie Raumkapseln landeten - schlechter als bei ballistischen Bahnen. Weiterhin musste viel mehr Gewicht in einen Orbit gebracht werden und es ist aufwendiger und fehlerträchtiger.

Die USa planten lange Zeit nicht atomare Weltraumwaffen: Ein Satellit sollte Pfeile aus einem sehr schweren Metall wie Wolfram abschießen. Durch eine aerodynamische Form, die kleine Oberfläche wären sie weitgehend ungebremst auf der erde aufgeschlagen. Rechnet man mit einem Einschlag mit 7 km/s so hat ein Pfeil von 10 kg Gewicht die gleiche Sprengkraft wie 106 kg TNT. Kombiniert mit der Konzentration auf eine kleine Aufschlagsflache sollten sich solche Projektile eigenen um Bunker zu brechen - verlassen sie die Betonwand wieder, so führt der plötzlich abnehmende Druck zu einer Explosion des Geschosses.

Auch hier ist die Idee gut, aber doch aufwendig. Auf einer Leo Bahn ist es schwer ein Ziel zu treffen, da sich ein Satellit mit 7 km/s relativ zur Erdoberfläche bewegt und ein Ziel je nach Konfiguration maximal einmal pro Tag ein Ziel überfliegt. Sinnvoller wäre eine GTO Bahn und die Abtrennung im Apogäum die zudem eine höhere Aufschlagsenergie bietet. Aber diese ist energetisch noch aufwendiger. Dazu kommen die enormen Kosten für Trägerrakete, Startplattform etc. Verglichen mit dem Nutzen ist dieser nicht zu rechtfertigen. Insbesondere wenn die USAF bei den derzeitigen "Schurkenstaaten" mit kaum einer Luftabwehr rechnen muss, weil diese technologisch weit hinter ihnen liegen.

Was wohl nicht funktionieren wird sind die in Science Fiction Filmen immer wieder postulierten Weltraumlaser so wie in James Bond "Diamantenfieber". Es gibt Laser die stark genug sind -aber auf der Erde, wo es auch die leistungsfähige Energieversorgung dafür gibt. Selbst wenn dies auf einen Weltraumlaser transferiert wird - schon eine Wolkendecke würde ihn unbrauchbar machen. Darüber hinaus gibt es die gleiche Anfälligkeit wie bei Atombomben im All.

Das leitet mich zum letzten Punkt weiter: Atombomben im All. Auch sehr beliebt bei Filmen. Natürlich sind sie technisch möglich, aber sinnvoll? Nachdem der Träger gestartet ist, ist seine Umlaufbahn bekannt Eine einfache vom Boden abgefeuerte Antisatellitenrakete kann ihn ausschalten - und die Investitionen für eine solche ASAT Waffe liegen bei einem Bruchteil einer Weltraumwaffe. Die SM-3 die vor einigen Jahren einen Spionagesatelliten abschoss wiegt z.B. nur 1.500 kg. So sind im Prinzip alle Satelliten und Weltraumwaffen sehr anfällig. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund warum die UdSSR damals das FOBS entwickelten und nicht gleich die Atombomben auf den Satelliten im All beließen und diese erste vor dem Angriff deorbitierten.

Ansonsten bin ich ganz zufrieden. Ich habe gestern das Manuskript des Buchs über Ariane 5 und Vega zum ersten Mal korrekturgelesen und bin ganz zufrieden. Es ist ein gutes Buch geworden, das umfangreichste und detaillierteste bisher. Es war eine Heidenarbeit die ganzen Infos zusammenzubekommen, weil die Raumfahrtindustrie größtenteils nicht kooperativ war, aber schlussendlich habe ich doch einen Detailgrad erreichen können der mir wichtig war.  Ich hoffe bis Ende der Woche die 283 Seiten nochmals durchzulesen und dann kann es raus an die Korrekturleser während ich in den wohlverdienten Urlaub aufbreche.

Donnerstag 8.4.2010: Die tollen achtziger

Ich habe am Samstag die "Swinging Sixties" gesehen und war doch erstaunt: Alle Gäste waren sich einig: Die sechziger Jahre waren viel besser - freie Liebe, Rebellentum, tolle Musik. Heute ist es nur langweilig. Nun dem letzten will ich nicht wiedersprechen. Aber die echt tollen Jahre waren doch die achtziger: Was haben wir nicht da demonstriert - gegen die Nachrüstung, gegen die Atomkraftwerke, gegen das Waldstreben. Damals konnte die Grünen den Bundestag noch schockieren indem sie mit Pullover und Turnschuhen zu den Sitzungen erschienen!

Computer waren klein und verständlich und man konnte selbst noch verstehen was geschieht und selbst die Firmware erweitern - was nicht besonders schwierig waren. Und die heutigen Mausklick-Warmduscher haben um einen Computer einen Riesen Bogen gemacht. Wir waren sportlich (Aerobic) haben noch die Leute sauber in Kategorien aufgeteilt (Punks und Popper) und immer gut gekleidet. Es gab noch echte Feindbilder (Kohls Vergleich von Gorbatschow mit Göbbels) und US Präsidenten planten nicht die atomwaffenfreie Welt sondern rüsteten auf, bis die UdSSR durch ihre Nachrüstung pleite war. Und während man heute sich so schwer mit der Bundeswehr in Afghanistan tut sandte England 1982 wegen der Besatzung ein paar kleiner Inseln nahe des Südpols mal die Royal Navy zu den Falkland Inseln.

Und meine Bücher würden sich auch viel besser verkaufen, denn das Internet gab's damals auch noch nicht. Man hatte noch Zeit sich persönlich zu unterhalten anstatt zu chatten oder zu twittern oder eines dieser unsäglichen Handys zu benutzen. Kurzum: Die achtziger Jahre waren toll. Mal abgesehen dass es damals so tolle Musik gab: Modern Talking, Neue Deutsche Welle, Stock-Aitken. Waterman....

So genug lustig gemacht über Nostalgiewellen. Ich weiß nicht ob es das Alter ist dass man die Zeit seiner Jugend so toll findet oder ob das ein allgemeines Phänomen ist alles was früher war in rosigen Farben zu sehen. Ich freue mich heute über "Information on my Fingertips", also mich in Realzeit über Raumfahrt zu informieren und auf Quellen zurückgreifen zu können die vor 30 Jahren unmöglich schienen. Was gab es da an Informationen über Raumfahrt: Pressemitteilungen in Zeitungen und einige wenige Bücher. Das war es aber auch.

Es gibt ja immer die Frage ob man in einer anderen Zeit leben möchte. Aufgrund dessen, dass durch technischen Fortschritt das Leben in den letzten Jahrhunderten deutlich lebenswerter geworden ist - nicht zu vergessen die medizinische Versorgung. Also wenn ich die Wahl hätte irgendwann mal nochmal zu leben, dann würde ich mein Geburtsdatum um 10, maximal 20 Jahre nach hinten schieben um die ersten Jahre der Raumfahrt oder zumindest die Mondlandung bewusst mitzuerleben (das erste Großereignis im Fernsehen an das ich mich noch schattenhaft erinnere ist die Eröffnung der olympischen Spiele in München 1972). Umgekehrt würde es mir erlauben auch noch mitzuerleben wie der letzte Planet (oder erste Zwergplanet) Pluto noch besucht wird.

Ich würde aber nicht annehmen, dass die sechziger so viel freier und toller gewesen wären und das ein Grund wäre sich in diese Zeit zurückzusehnen. Vor allem klingt dieses Gerede mit der Freien Liebe ja immer so als hätten die es damals getrieben wie die Karnickel - was vielleicht ein paar Tausend getan haben, aber für Millionen andere setzen die Maßstäbe nicht die Pille oder die Verfügbarkeit von weichen Drogen, sondern übernommene oder damals übliche Moralvorstellungen. So gesehen sind heute Leute sicher viel freier als in den Sechziger.

Sonntag 11.4.2010: Tipps für BOD

Heute nur einen kurzen Blog denn es geht heute ab in den Urlaub. Ich bin zwei Wochen weg. Damit euch nicht langweilig wird, gibt es aber im Zwei-Tage Abstand trotzdem neue Blogs und zwar an allen ungeraden Tagen. Am 13.ten erinnere ich an den 40.sten "Geburtstag" der Explosion des LOX Tanks bei Apollo 13 und es folgen dann die Beschreibungen von Sojus, Progress und MPLM in kleinen Häppchen, übernommen aus der Neuauflage des ATV Buchs. Nach dem Urlaub gibt es dann auch das ganze als neue Aufsätze in der Website, so denke ich gibt es auch einen positiven Effekt der Bücher auf die Website. Kevin hat auch angekündigt während des Urlaubs was zu veröffentlichen. Also dranbleiben lohnt sich!

Ich schaue natürlich immer wieder mal rein, wie sich die Bücher so über Amazon verkaufen und weil ich da eine neue Erfahrung mit Zweitauflagen gemacht habe, will ich die hier mal weitergeben. BOD selber gibt da leider keinen Ratgeber raus. Die Frage ist: Soll man sich bei einer neuen Auflage eine neue ISBN geben lassen? Ich habe mir beim Gemini Programm eine Neue geben lassen. Die Intension war, dass es einfacher ist mit einer neuen ISBN bei der VG Wort die Mindestmenge von 100 verkauften Exemplaren nachzuweisen, weil ich dachte bei BOD erscheint dann auch ein neuer Posten in der Übersicht und den Abrechnungen.

Nun eine Abrechnung habe ich noch nicht bekommen, aber zumindest in der Online Übersicht der Verkäufe geht es nur nach Projektnummer. Die summiert alle Verkäufe egal welche Auflage. Es ist also völlig wurst ob man eine neue ISBN hat oder nicht - für den Teil bei BOD. Leider ist dies nicht so bei Amazon: Dort gibt es nun zwei Bücher von mir über das Gemini Programm. Das nicht mehr lieferbare über die erste Auflage und das neue. Weil das neue aber erst eine positive Kritik hat und das alte deren vier, kaufen die Leute das alte, obwohl sie dann wahrscheinlich vom Händler (Amazon hat es selbst nicht mehr) entweder die Auskunft "vergriffen" oder die neue Auflage bekommen.... Da wäre es besser gewesen ich hätte die ISBN beibehalten.

Umgekehrt beim ATV Buch. Hier habe ich sie beibehalten, nachdem ich feststellte das es bei BOD keinen Unterschied macht. Es sollten nicht noch mehr "Phantomeinträge" bei Amazon auftauchen. Nur gibt es da ein anderes Problem: Bei Amazon gibt es keinen Unterschied ob es die erste oder zweite Auflage ist. Mal abgesehen davon, dass sie nun die Restexemplare der ersten Auflage zum Preis der zweite verkaufen ist natürlich besonders ärgerlich, das die Rezensionen einfach übernommen werden - der wichtigste Antrieb für mich das ATV Buch neu zu schreiben waren aber gerade, dass ich es als mein schwächstes Buch empfand und Verbesserungsmöglichkeiten sah. Die Kommentare treffen sicher auf die erste Auflage zu, aber ich denke die zweite ist erheblich besser geworden.

Daher mein Rat für Neuauflagen: War das alte Buch schon gut - ISBN beibehalten. War es schlecht: Neue ISBN!

An dieser Stelle auch eine Bitte an die Leser meiner Bücher: Wenn's gefallen hat bitte bei Amazon rezensieren. Wenn's nicht gefallen hat, bitte zusätzlich persönliche Mail an mich, damit ich weiß, was ich noch verbessern kann. Dasselbe gilt wenn jemand eine Zeitschrift kennt, die Raumfahrtbücher rezensiert: Bisher habe ich immer die DLR Nachrichten und die SuW angeschrieben, die einzigen Zeitschriften mit Rezensionen die ich kenne. Wer da weitere kennt möge sich bei mir melden oder die Redakteure gleich an die Stelle von BOD lotsen, wo man diese umsonst bekommt:

http://www.bod.de/index.php?id=3144

Mein Autorenporträt mit allen Titeln findet man unter:

http://www.bod.de/index.php?id=296&objk_id=126323

Ansonsten noch ein paar Profane Tipps zu BOD:


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