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Web Log Teil 161 : 28.4.2010 - 3.5.2010

Mittwoch den 28.4.2010: Afghanistan

Der Tod von sieben Soldaten hat das Thema Afghanistan wieder (mal) in die Schlagzeilen gebracht. Das Thema ist ziemlich vielschichtig, weshalb fast jeder in einer politischen Diskussion gute Argumente für seine Position bringen kann. Die Diskussion trieb seltsame Blüten. Da gab Gutti zuerst an, dass er einen Leopard Panzer nicht für sinnvoll in Afghanistan hält, weil bei dessen Gewicht die erste Brücke nach Kundus zusammenbrechen würde, aber orderte später zwei Panzerhaubitzen auf dem Leopard Fahrgestell dorthin.

Für mich war neu, dass die Bundeswehr offenbar schlecht ausgerüstet ist für den Einsatz. Neben den Panzerhaubitzen sollen auch Kampfhubschrauber fehlen. Da frage ich mich wie das möglich ist. Fehlen der Bundeswehr offenbar notwendige Ausrüstung generell, während sie viel Geld für neue Kampfflugzeuge ausgibt, die ihr in den Typen von Einsätzen die sie nun absolvieren muss nichts nützen? Oder hat sie die Ausrüstung, und bringt sie nicht zu den Soldaten die sie benötigen? Warum erwartet man von der Bundeswehr Kampfeinsätze und gibt ihr nicht die bestmöglichste Ausrüstung? Wofür haben wir eigentlich die Waffen? Damit sie in Depots rumstehen?

Das Hauptproblem ist aber kein deutsches. Es ist der Einsatz an sich. Seit 2001 kämpft man gegen die Taliban. Seit nun über acht Jahren. Der Grundfehler war es, dass die Amerikaner nachdem sie recht schnell die Kontrolle über den Großteil des Landes gewonnen haben einfach die Truppen abgezogen haben um sie für den Irakkrieg frei zu bekommen. Es ging damals Bush nicht um Afghanistan noch gab es einen Plan für den Einsatz nach dem von der Öffentlichkeit geforderten Rachefeldzug für "911". Seitdem gibt es Kämpfe. Wie soll man ein Land aufbauen, neue Regierungs- und Verwaltungsstrukturen aufbauen, wenn noch gekämpft wird.

Das zweite ist das nun die Offensive mit afghanischen Regierungstruppen durchgeführt wird, die danach die alleinige Verantwortung erhalten sollen. Auch hier die Frage: Warum erst jetzt? Es dauert doch keine acht Jahre Truppen auszubilden, erst recht nicht in einem Land, in dem seit 1979 mit kurzen Unterbrechungen Krieg herrscht. Da sollte man doch eigentlich schon ausgebildete Truppen vorfinden.

Das Hauptproblem ist aber etwas komplett anderes: Zu glauben, das Afghanistan eine Demokratie im westlichen Muster etabliert werden kann. Weder die Russen schafften dies im Afghanistan Krieg, noch die Briten vor Hundert Jahren. Afghanistan ist kein Land in unserem Sinn sondern eine Mischung von Stämmen, die sich seit ewigen Zeiten gegenseitig bekriegen oder zumindest das Leben schwer machen. Wenn es so was wie einen Staat im eigentlichen Sinn gibt, dann wohl eher wie in Jugoslawien oder der UdSSR: Ein Gebilde von kleinen Ländern mit jeweils eigenen Völkern, die sobald eine zentrale Gewalt wegfällt in seine Einzelteile zerfällt.

Sollte man deswegen abziehen? Natürlich sind das Gründe für das Abziehen. Aber dann hätte man auch 2002 abziehen können. Ich halte das Ziel das nun verfolgt wird für konsequent: Den Afghanen die Verantwortung zu übertragen und dabei sukzessive die Truppen abzuziehen. Nur: Auch dabei bleiben. Wenn man nun sagt bis Ende 2011 ist die Bundeswehr abgezogen, dann sollte dieser Termin auch feststehen. Zehn Jahre sind genug und wenn bis dahin die Afghanen es nicht hinbekommen, dann bestimmt auch nicht in zwanzig Jahren.

Zumal das was erreicht wurde nicht gerade etwas ist, auf das man stolz sein kann: Eine korrupte Regierung, die alles tut um an der Macht zu bleiben. Wie man in einem Video sehen konnte, macht Kahsai sogar zusagen an die Taliban nahestehenden Stammesführern Zusagen nur um an der Macht zu bleiben. Die Wirtschaft von Afghanistan besteht heute im Mohnanbau und dagegen wagt keiner vorzugehen, eben weil weder Regierung noch Truppen die Kontrolle über die Landesgebiete haben sondern Warlords.

Nur denke ich wird es anders kommen: Wahrscheinlich wird in einem Jahr die Situation immer noch nicht besser sein und wieder wird nicht abgezogen. Aber eines wird Afghanistan nicht werden: ein friedliches, demokratisches Land. Irgendwann werden auch die Menschen in Afghanistan "reif" für demokratische Werte in unserem Sinn sein. Vergessen wir nicht: Das ist heute noch die Ausnahme. Wir haben echte Demokratien in Europa, Nordamerika und einer Handvoll anderer Länder. Dann gibt es "instabile" oder Semidemokratien in vielen Ländern. Bei vielen Ländern in denen der Islam die Hauptreligion ist fehlt da noch einiges wie man selbst am Beispiel der Türkei sieht die ja in die EU will. Demokratien entstehen meiner Vorstellung her von Innen heraus: Das Volk revoltiert entweder gegen Diktaturen (Umbruch in Osteuropa 1989) oder gegen ausländische Okkupatoren (USA, Indien, große Teile Südamerikas). Eine Demokratie von Außen zu verordnen geht nicht.

Donnerstag 29.4.2010: Lektionen die man lernen muss, wenn man bei der bemannten Raumfahrt mitspielen will

Während meines Urlaubs lass ich Moon Lander: How We Developed the Apollo Lunar Module (Smithsonian History of Aviation and Spaceflight). Es ist ein Buch des LM Chefdesigners Thomas Kelly über die Entwicklung des Mondlanders. Es ist recht lesenswert, wenn man sich für die Entwicklungsgeschichte interessiert und wie ich denke auch ehrlich. Es beginnt ganz optimistisch: Wie Kelly als Chef einer kleinen Grumman Truppe beschreibt, wie sie sich zuerst für die Kommandokapsel bewerben wollen, das Management aber dies als finanziell zu riskant ansieht und dann er das Konzept des LEM entwirft. Dem Konzept auf das er stolz ist, folgen aber Frustrationen bei der Entwicklung - Gewichtsprobleme, technische Probleme und bei der Fertigung (Undichtigkeiten, Drähte die nicht halten, Verbrennungsinstabilitäten).

Vor allem war für mich lehrreich, wie es immer wieder Probleme zwischen Grumman und der NASA gab. Nach dem NASA Ranking wurde Grumman schlecht eingestuft. nicht nur weil die Firma den Kostenrahmen nicht einhalten konnte und im Zeitplan zurück lag, sondern vor allem weil sie nicht das Apollo Konzept bei dem Design und der Fertigung übernommen hat. Neu war für Grumman, das alles extensiv dokumentiert werden musste. Für jede kleinste Arbeitstätigkeit musste eine Vorschrift erstellt werden. Jeder Arbeiter musste die Checklisten durchgehen, jeden Schritt quittieren und über alles Protokoll führen. Auch die Tests überforderten Grumman - die NASA forderte überall extensive Tests und praktische Prüfungen und Grumman meinte oft mit statischen Tests Aussagen über die Fehleranfälligkeit treffen zu können. Bei einigen Punkten stimmte auch Kelly der NASA zu, z.B. der Testvorgehensweise, hatte aber nicht die Befugnis das überall durchzusehen.

Das ganze liest sich auch durch persönliche Erlebnisse gut: So wird der Besuch beim Hersteller der Batterien geschildert: Leute sitzen in Alltagskleidung über den Batterien, rauchen dabei und Kelly sieht wie die Asche in die Batterie fällt... Oder die Schilderung wir das nach extensiven Prüfungen (zum Schluss im Dreischichtbetrieb) fertiggestellte LM-1 stolz ans Cape geliefert zu werden um dort als "Garbage, Junk" und "leaking as a seeve" eingestuft zu werden - Die Lecks waren real. Am Cape wurde empfindlicher kontrolliert und intensiver. Erneut: Zeitaufwendige Nachbesserungen.

Selbst noch bei der Fertigung der Einsatzexemplare für bemannte Missionen gab es unangenehme Erlebnisse. So tauchte Jim McDivitt bei der Vorbereitung vor der Apollo 9 Mission in Kellys Büro auf "Hey Kelly, do you know that People working in Combat Boots in the LM Cabin?" -. Kampfstiefel waren wegen der Gefahr der Beschädigung der Kabinenwand natürlich verboten - doch kontrolliert hatte dies niemand....

Das sind die typischen Lektionen, die eine Firma lernen muss, wenn sie bei der bemannten Raumfahrt mitspielen will - Sie unterschied sich zumindest damals von der unbemannten durch massiv aufwendigeren Prozeduren, Qualitätskontrollen und Tests. Grumman war kein absoluter Raumfahrtneuling: Sie hatte vorher den Auftrag für die OAO Satelliten bekommen. Das waren die damals aufwendigsten Satelliten mit sehr hohen Anforderungen an Ausrichtungsgenauigkeit.

Ich glaube in den Jahren danach gab es eine Wende zu weniger aufwendigen Kontrollen. Nach dem Verlust der Columbia denke ich wird die Richtung wieder mehr in mehr Tests, mehr Kontrollen gehen. So denke werden wir wieder an die sechziger erinnert werden. Apollo wurde teurer und verspätet, obwohl die NASA damals massig Geld in das Programm pumpte. Ob so die neue NASA Politik aufgeht? Die neuen Mitspieler wie OSC und SpaceX sind genauso Neulinge wie 1962 Grumman. Bei SpaceX isst das recht deutlich an Elon Musks Statements zu sehen. Er meint wirklich dadurch eine billige Rakete und ein unbemanntes Frachtraumschiff durch Aufsetzen eines Fluchtturms in ein bemanntes Raumschiff umwandeln zu können.

Die NASA will ja externalisieren - also nur noch Leistungen einkaufen. Es wird sich zeigen ob dies aufgeht. Wenn die NASA auf ihren Sicherheitsanforderungen und der Einmischung bis in die Produktion besteht wird es nicht billiger werden. Wenn sie nur Leistungen einkauft und konstruktive Details festlegt, dann könnte es sein, das mal wieder was schiefgeht. Bei etwas mehr Pech es auch Tote gibt. Wie sich das wohl auf das Programm auswirken wird?

Freitag 30.4.2010: Sechzig Jahre ARD

Dieses Jubiläum gab es in der vorletzten Woche. Ich habe mir mal eine der Shows angesehen und war doch etwas enttäuscht. Vor allem als bei der Reihenfolge der beliebtesten Moderatoren Pilawa so weit vorne landete - er mag zwar sicher am meisten Fernsehauftritte haben, aber er moderiert im eigentlichen Sinne keine Show, sondern macht Quiz Shows. Jemand den ich zu den Größen zählen würde, an den erinnert man sich noch nach Jahrzehnten - Kulenkampff, Rudi Carrel oder Fuchsberger z.B. aber kann man sich an eine Pilawa Show noch nach ein bis zwei Wochen erinnern?

Dabei wird bei den Shows, die Zusammenstellung aus sechzig Jahre ARD zeigten selbst das Dilemma der ARD deutlich: Gezeigt wurde viel aus den Siebzigern und Achtzigern, aber kaum etwas aktuelles. Inzwischen machen ja schon Satiresendungen sich selbst über die ARD lustig, die ja nur noch die Zielgruppe der über sechzig Jährigen erreicht. Besonders pikant dieser Spot von "Extra 3", der NDR gehört ja auch zur ARD:

Dann kommt in einer der Sendung die Rede auf das Großstadtrevier und Jan Fedder wird gefragt, warum die Serie so erfolgreich ist. Seine Antwort: "Qualität setzt sich durch". Anscheinend bemerkt dies aber in der ARD niemand. Seit etwa zwanzig Jahren begeht die ARD einen Programmfehler nach dem anderen. Es begann damit das Vorabendprogramm herunterzuwirtschaften. Für die Leute die die "Vor-Marienhof" Zeiten nicht mehr kennen: Früher liefen da Vorabendserien. Eine Folge pro Woche, qualitativ hochwertiges Fernsehen, dass die ganze Familie ansprach, nicht nur pubertierende Teenager. Inzwischen stellt die ARD die letzten Serien noch ein: Selbst mit Grimmel Preisen gewürdigte wie Türkisch für Anfänger-

Stattdessen wird einem heute Billig-Soaps und tägliche Quiz Shows präsentiert. Dasselbe Muster findet man in anderen Teilen des Programms. Dieses "Klatschfernsehen" das Berichte über Promis enthält wurde vom Privatfernsehen übernommen bei einigen Landessendern sogar diese gefakten Reality Shows, neudeutsch "Dokutainment" genannt.

Auf der anderen Seite wird gutes Fernsehen in exotische Plätze verbannt. Maischberger und Beckmann kommen nach 23 Uhr. Die einzige Wissenssendung sonntags um 17 Uhr. Ich frage mich warum: Die ARD ist doch größtenteils gebührenfinanziert. Sollte mit diesen Gebühren dann nicht qualitativ hochwertiges Programm entstehen, das eben auch die Aspekte Bildung, Information und Kultur abdeckt? Es mag weniger Leute erreichen, doch das ist immer so. Es gibt immer mehr Leute die "Bild" lesen als die FAZ. Aus dem gleichen Grund finanziert der Staat ja auch Büchereien, Theater und Opern, die sich auch nicht alleine tragen und nur eine Minderheit erreichen. Aber das ist eben der Auftrag des Staates und der ARD. Es bliebe noch genug Platz für gute Fernsehspiele, Serien und Spielfilme, ohne sich auf SAT1 oder RTL Niveau zu begehen - und wer weiß, vielleicht stimmt dann die Quote auch, denn auch ich glaube:; Qualität setzt sich durch.

Samstag 1.5.2010: Wozu braucht man das X-37B

X-37B DiagrammLetzte Woche startete die US Luftwaffe das X-37. Es kam sogar in den Nachrichten und man fragt sich wozu das Ding den gut sein soll. Einen großen Bock schoss die Tagessschau ab, die eine Expertin brachte die vermutete das Ding würde Waffen im die Umlaufbahn bringen und diese später an jedem Platz der Welt abzusetzen.

Nun für letzteres braucht man keine Fähre die wieder landen kann, dazu würde auch ein Satellit ausreichen. Der wäre billiger und leichter und würde länger als 270 Tage im All bleiben können. Vor allem macht es militärisch keinen Sinn: Die USA können jedes Land der Welt mit ICBM angreifen und wahrscheinlich die meisten Länder auch mit konventionellen Waffen. Derartige Systeme wären nur teuer würden aber keinen Gewinn an militärischer Stärke bringen.

Nun zuerst mal isst es nur ein Shuttle also ein Transportvehikel. Die eigentliche Nutzlast ist beschränkt. Der Nutzlastraum hat Abmessungen von 7 Fuß Länge und 4 Fuß Breite und kann nach Air Force Angaben "several Hundert Kilos" aufnehmen. Also: Maximal 2,10 m Höhe, 1,20 m Durchmesser und <1 t Nutzlast.

Was kann man damit machen? Meiner Ansicht nach nicht viel. Es gibt Spekulationen ob das Vehikel andere Satelliten inspizieren, bergen (entführen) oder beschädigen soll. Doch braucht man dazu ein X-37B. Einen Satelliten zu zerstören geht heute sehr einfach mit Boden-Luft Raketen sie kosten einen Bruchteil einer Trägerrakete und wiegen nur einige Tonnen. Vor allem sind sie viel schneller einsatzbereit. Auch das Inspizieren kann ich mit einem kleinen Satelliten und Kameras erledigen. Dazu brauche ich keine Raumfähre. Das Bergen scheidet wegen der geringen Größe aus - die Nutzlast ist begrenzt auf Satelliten die eine Pegasus, Minotaur oder Falcon 1e transportieren kann - da wäre angesichts des Startpreises der Atlas V wahrscheinlich ein neuer Satellit billiger und fremde Satelliten der Russen die noch größer sind gehen erst recht nicht.

Als Transportvehikel für Satelliten scheidet das X-37B auch aus, denn um einen neuen Satelliten zu starten brauche ich keine Raumfähre, bei der kleinen Nutzlast wäre das sogar ziemlich dumm. Die Raumfähre verursacht sehr hohe Startkosten. Das limitierende ist die Flügelspannweite von 4,5 m - daher kommt nur die Atlas 501 oder Delta 4M (5,2) als Träger in Frage - Träger die eine Nutzlasthülle von 5,0 m Durchmesser aufweisen. Sie sind für die rund 5 t schwere Fähre aber enorm überdimensioniert, denn sie transportieren 10,5 und 10,3 t in den Orbit. Mehr als das doppelte Gewicht. Dadurch entstehen hohe Startkosten. Wegen der Größe scheiden preiswertere Träger wie die Delta 2 oder auch Falcon 9 aus.

Ich sehe nur einen begrenzen sinnvollen Einsatzzweck des X-37B: Den Test von neuen Materialen und Technologien im Weltraum und Missionen die durch Ressourcen begrenzt sind. Zum ersten: Es ist so möglich Materialen im Orbit zu testen - neue Beschichtungen, Legierungen, Gläser. Solarzellen etc. Anders als bei Satelliten ist eine Rückführung möglich. So kann z.B. das Erblinden von optischen Gläsern durch atomaren Sauerstoff untersucht werden. Die NASA hatte mal solche Forschungen an Bord des LDEF betrieben. Doch ansonsten geht es seit vierzig Jahren auch so, ohne das man Satelliten zurückführt. Wenn ein Material versagt zeigt sich dies aber auch anders, z.B. durch schlechtere Abbildungsleistungen von Teleskopen oder Abnahme des verfügbaren Stroms oder durch Erhitzung oder Auskühlung von Satelliten.

Den einzigen Zweck den ich heute erkennen kann wäre es das X-37B mit einem IR Teleskop auszurüsten um hochempfindliche Wärmeaufnahmen zu machen. Es kann dann solange betrieben werden, solange es Kühlmittel (flüssiges Helium) gibt und dann zurückkehren. Doch auch hier: Der Nutzen ist begrenzt. Bei astronomischen Satelliten ist die Betriebsdauer von IR Teleskopen laufend länger geworden. IRAS arbeitete 10 Monate, Spitzer schon 69 Monate. Natürlich ging dies auch weil Spitzer nun nicht mehr die Erde umkreist und damit eine Wärmequelle wegfällt. Doch auch hier: Eine einfache Güterabwägung muss erfolgen: Da die Nutzlast nur einige Hundert Kilo beträgt wäre ein Satellit mit größerem Heliumvorrat für mehrere Jahre vielleicht einige Tonnen schwer. Dem müssen dann die Startkosten von vielleicht mehreren X-37B Starts gegenübergestellt werden.

Die einzige Besonderheit des X-37B dürfte (wenn die obige Abbildung stimmt) ein großer Treibstoffvorrat sein. Der Wasserstoffperoxidtank ist in etwa so groß wie die Breite des Nutzlastraumes. da dieser 1,20 m Durchmesser hat nimmt ein zylindrischer Wasserstoffperoxidtank von 1,20 m Länge rund 1,9 t auf. Das Volumen wird wegen der Druckförderung nicht voll genutzt werden, aber es kommt ja noch der Kerosintank dazu. Also sind sicher rund 1,5 t Treibstoff zuladbar. Das ermöglicht eine Geschwindigkeitsänderung um 700-800 m/s. Das ermöglicht es der Fähre von einem mittelhohen Orbit (maximal 3000-4000 km hohe Kreisbahnen) wieder zur Erde zurückzukehren. Um in diesen Orbit zu gelangen benötigt das X-37B keinen Treibstoff, denn sie wiegt bedeutend weniger als die maximale Nutzlast der Atlas V und könnte so von ihr in diesem Orbit abgesetzt werden.

Was ist nun das X-37B? Vielleicht ist die Antwort viel einfacher: Es ist einfach ein experimentelles Vehikel, wie viele andere X-Flugzeuge auch. Nur wird es eben in den Weltraum gestartet. Es wird neue Technologien für Wiedereintritte, neue Hitzeschutzschilde und eine andere Auftriebskörperform als beim Space Shuttle erproben und zeigen ob diese besser oder praktikabler sind als beim STS. Erstmals wird auch ein Raumfahrzeug der USA automatisch landen (beim Shuttle wurde mechanisch dies verhindert, schließlich könnte ja sonst jemand auf die Idee kommen, dass man keine Besatzung für das Ding braucht). Mehr aber auch nicht. Vielleicht wird es Daten liefern die man brauchen kann wenn man später an einen neuen Shuttle geht. Ich glaube aber kaum, dass es nun viele X-37B Flüge mit irgendwelche Nutzlasten geben wird. Es ist ja nicht das einzige: Letzte Woche wurde das HTV-2 (Falcon Hypersonic Technology Vehicle 2) gestartet, ging aber nach 9 Minuten verloren. Auch dieses ist ein Testvehikel: Nicht mehr und nicht weniger ist das X-37B.

Sonntag 2.5.2010: GNTM und Mumien

Als Nachlese aus meinem Urlaub heute noch ein weiteres nicht Raumfahrtthema, auf das ich während meines Urlaubs gekommen bin. Ohne stationären PC habe ich etwas mehr Fernsehen geschaut und da sind mir zwei Dinge aufgefallen. Es gab zwei Beiträge über Mumien. Da wurde berichtet wie man durch Kernspin versucht hat mehr über die Ägypter zu erfahren und man an einer Mumie den Lebenslauf rekonstruiert hat - was auch möglich war, da es Belege aus dem Grab gab und der Priester einer Familie angehörte von der man schon mehr weiß. Die Kuratorin des Museums in Kairo wünscht sich auch dass die Mumien der Familie wie von den Verstorbenen gewünscht zusammen kommen. Derzeit sind sie in der ganzen Welt verstreut.

Auf der anderen Seite wurde berichtet wie in der Vergangenheit mit Mumien verfahren wurde. Es fing schon bei den Ägyptern an, wo nicht jeder mumifiziert wurde. Zumindest bei den Katzenmumien (diese waren heilige Tiere im Alten Ägypten) fanden die Forscher oft nur Dreck anstatt Mumien. Später wurden sie zermahlen und als Medizin verwendet - aus dem dunklen Gemisch stammt auch der Name Mumie von den Arabern. In Europa gab es im 19 Jahrhundert das "Schauauspacken" wobei die Mumie dann entsorgt wurde. Mumien wurden zu Dünger verarbeitet und in Ägypten selbst zum Befeuern von Dampflokomotiven verwendet. Im amerikanischen Bürgerkrieg wurden Mumien exportiert um die Leinenverbände zur Versorgung von Wunden zu verwenden - die darin enthaltenen Keime führten zum Ausbruch einer Cholera Epidemie.

Was uns von diesem Umgang unterscheidet ist die Haltung gegenüber den Mumien. Zum einen natürlich das wissenschaftliche Interesse und nicht das Ansehen als Rohstoffquelle oder Überraschungsei. Vor allem hoffe ich dass wir heute mehr Respekt vor den Menschen haben. Es sind ja die Leichen von Menschen die diese Konservierung gemacht haben, weil es für ihren Glauben wichtig war. Daher kann ich das Argument, die Familie wieder zusammenzuführen verstehen. Allerdings halte ich es nicht für vollkommen ehrlich. Wenn ich die Menschen selbst respektiere, dann stelle ich sie auch nicht in einem Museum aus, sondern wenn schon lagere sie in ähnlichen Umständen wie im Grab. Aber das wird auch in Ägypten nicht getan. Es geht dort vielmehr darum alles was mal außer Landes gelangt ist zurückzubekommen. Meine persönliche Meinung allgemein zu Archäologie ist, das die Menschen wissen wollen wie die Personen damals lebten. Wie sie gekleidet haben, was bei geschichtlichen Ereignissen passierte. Das Ausstellen von Artefakten oder eben Mumien kann dieses Bedürfnis nur bedingt befriedigen.

Das zweite ist Germany next Topmodel. Die Show wird ja immer bizarrer. Es scheint so, dass jedes Mal etwas draufgesattelt werden muss. Diesmal ein "Catwalk-Trainer", der die Mädchen über Sand und Kies laufen lässt, angeblich weil das für das Laufen wichtig sei. Ich fand interessant dass die Mädchen sich von ihm gerne als "Chicas" bezeichnen lassen - wenn sie jemand auf Deutsch als "Hühner" titulieren würde, wären sie wohl nicht so begeistert. Neben den Effekthaschereien (Laufsteg mit Python, Posieren mit Vogelspinne) die vor allem die Mädchen zum Weinen bringen sollen geht es um das Promoten. Zum einen Designern die kein Schwein kennt und die einen winzig kleinen Laden haben (wie die Schmuckdesignerin in los Angeles) oder als preiswerte Werbung für Sponsoren wie C/A (die natürlich nach dem Ausstrahlen des Drehs des Spots mit den Spots selbst beginnen) oder der Beauty Marke - die Mädchen kommen sowohl im Spot danach vor wie auch der Stylist dort regelmäßig auftaucht.

Womit es nichts zu tun hat ist die Begabung der Mädchen. Zuerst flogen die aufmüpfigen raus. Während man dies bei Louisa verstehen konnte (kein Job) war das Ausscheiden von Miriam beim vorletzten Mal überraschend - sie war bis dahin bei denjenigen mit den meisten Jobs, während viele andere Mädchen noch keinen Job hatten. Nun fliegen die unauffälligen. Nach drei Staffeln haben ja zumindest einige etwas hinzugelernt und passen auf was sie sagen wenn die Kamera an ist. Es ist deutlich dass einige häufiger im Bild sind wie Hanna und Jaqueline und andere seltener. Klar, die Zickereien sind die Würze in der Sendung. Logischerweise flog diesmal Woitla heraus.

Da die Sendung etwa zwei Monate nach der Produktion ausgestrahlt wird ist eigentlich schon längst alles gelaufen - die Top 5 sind Hanna, Louisa, Laura, Alissar und Neele. Ein wenig wundert mich die Reihenfolge. Neele hätte ich drauf gehabt auch weil sie schon vorher gemodelt hat und dabei recht erfolgreich sein soll. Louisa sieht aus wie Brigit Bardot, aber scheint etwas zu klein zu sein. Mich wundert das Victoria nicht dabei ist. Bei Alisar und Hanna muss sich in den letzten Wochen einiges getan haben, denn erfolgreich bei den Kunden waren sie bisher eher weniger. Alisar ist auch bei den letzten drei - das verkündigt die österreichische Presse schon jetzt. Immerhin repräsentiert sie Österreich wesentlich besser als bei der letzten Staffel Larissa. Bislang gab es keine Schweizerin unter den Finalistinnen. Das spricht wohl für die Eidgenossen, das sie sich bei solchem Schwachsinn nicht beteilligen.

Montag 3.5.2010: Die alternative Apollo 17 Mission

Sowohl in den Gene Kranz Memoiren wie auch Chaikins Buch A Man on the Moon findet sich die Passage, dass Harrison Schmidt plante auf der Mondrückseite zu landen und dafür Trajektorien durchrechnen ließ. Dies wurde ihm schließlich untersagt, da die Landeplätze schon festgelegt waren. Aber tun wir mal so als wäre die Frage offen gewesen: Was hätte dafür und dagegen gesprochen?

Zuerst einmal: warum auf der Mondrückseite landen? Der Mond hat unterschiedliche Seiten. Die der Erde zugewandte Seite ist geprägt von großen Einschlagsbecken, den Maare. Man kann einige mit bloßem Auge als dunkle Flecken erkennen, besonders wenn es noch nicht richtig dunkel ist und der Mond nicht einzige Lichtquelle, so dass sich die Augen auf die Helligkeit adaptieren. Die Mondrückseite ist weitgehend frei von diesen Einschlagsbecken, Mare genannt. Ihre Entstehung verdanken sie dem Gezeiteneffekt. Wie auf der Erde der Mond die Meere bewegt so tut die 81 mal massereichere Erde den Mond durchwalken. (Und zwar mit einer 81 mal höheren Kraft) Als die Mare entstanden (das letzte vor rund 3,2 Milliarden Jahren) war der Mond auch noch viel näher an der Erde und der Effekt daher viel stärker. Die Erde zog nun die erdzugewandte Seite  stärker an als die abgewandte und so war hier die Reibung des flüssigen Inneren an der Mondkruste stärker als auf der Rückseite und es konnte sich keine so dicke Kruste ausbilden. Sie konnte leichter von großen Brocken durchschlagen werden, die dann einen Magmasee aus dem Inneren freisetzten. Das Material war dunkler als das andere Krustenmaterial und es deckte alte Einschläge zu, sodass die Mare glatter aussehen.

Auf der Mondrückseite war der Effekt auf die Kruste kleiner und das Gelände ähnelt mehr den Hochländern auf der Vorderseite. Ob es sich chemisch gravierend von diesen unterscheidet hätte eine Expedition klären können. Die Wahrscheinlichkeit noch älteres Gestein zu finden ist jedoch sicher höher als auf der Vorderseite. Soviel zum wissenschaftlichen Anspruch. Nun zu den offenen Fragen und Problemen.

Fehlende Aufklärung

Sowohl die Lunar Orbiter wie auch die vorherigen Apollo Missionen konzentrierten sich bei der Erkundung der Landeplätze auf die Vorderseite. Die Mondrückseite wurde kartiert, aber global und nicht regional einige Landeplätze hochauflösend erfasst. Allerdings hätte dies durch eine vorherige Apollomission, z.B. Apollo 16 nachgeholt werden können. Damit wäre das Landegebiet genauso gut bekannt wie die Landezonen auf der Vorderseite.

Fehlende Funkverbindung

Das ist die größte Einschränkung. Es gab zwar bei allen Apollomissionen Manöver die auf der Mondrückseite erfolgten - Einbremsung in den Orbit, Zündung des Abstiegstriebwerks für das Erreichen des Abstiegsorbits und Verlassen des Orbits. aber diese waren himmelsmechanisch nötig. Trotzdem flogen die ersten Apollo Missionen auf freien Rückkehrbahnen falls die Zündung des Haupttriebwerks des Servicemoduls scheitert. Wenn die erste Zündung des Abstiegstriebwerks scheiterte hätte das LM immer noch ankoppeln können. Der kritische Teil der Landung erfolgte aber auf der Vorderseite. Nach Apollo 11 sogar mit Korrekturwerten aufgrund der Bahnvermessung vom Boden aus. Damit konnten die bei Apollo 11 aufgetretenen Abweichungen von einigen Kilometern vermieden werden. Auf dies müsste dann komplett verzichtet werden.

Noch gravierender ist natürlich dass nun der Boden überhaupt keinen direkten Funkkontakt mehr zum LM hat - weder bei den Mondexkursionen noch bei dem Rückstart. Allenfalls einige Minuten pro Umlauf wäre ein Kontakt über die Kommandokapsel möglich, aber niemals eine direkte Funkverbindung.

Die Besatzung wäre völlig auf sich allein gestellt, könnte nicht mit direkter Hilfe vom Boden aus rechnen und vor allem die Bodenkontrolle hätte ihren Einfluss auf das LM vollkommen verloren - das ist beides nicht für Mission Control tolerierbar. Doch es wäre möglich gewesen dieses Manko zu beseitigen: Mit einem Relaysatelliten in einem Orbit der gleichzeitig vom Mond wie von der Erde aus erreichbar ist. Es gäbe mehrere Möglichkeiten, da die Mondexkursionen immer nur kurz (maximal 3 Tage) dauerten wäre z.B. ein Satellit in einer exzentrischen Mondumlaufbahn mit einer Umlaufsdauer >3 Tage denkbar. Allerdings sind solche Bahnen wegen der Gravitation der Erde instabil. Sinnvoller ist sicher eine Stationierung in einem der Lagrangepunkte des Erde-Mondsystems. Entweder im 60 Grad vor/nachlaufenden Punkt oder dem Punkt hinter dem Mond (444.000 km von der Erde entfernt).

Die USA starteten am 30.5.1974 den experimentellen Kommunikationssatelliten ATS-6. Dieser Satellit mit einer 9 m großen Parabolantenne hätte aus 60.000 km Entfernung vom Mond die gleiche Empfangsleistung gehabt wie eine 58 m Empfangsantenne auf der Erde. Er war mit 950 kg Gewicht auch noch leicht genug um mit derselben Titan 3C, die ihn in einen GEO Orbit brachte, zum L2 Langrangepunkt zu transportieren. Über diesen hätte dann die Kommunikation erfolgen können und bei rechtzeitiger Planung wäre er sicher schon 1972 zur Verfügung gestanden.

Meine Meinung

Am Schluss des Apolloprogramms konnte die NASA froh sein, dass nicht noch mehr Missionen gestrichen wurden (Apollo 20 wurde gestrichen, weil die Saturn V für den Start von Skylab benötigt wurde, Apollo 18+19 schon um Kosten zu sparen). Planungen von anspruchsvolleren Landungen auf der Vorderseite wie im Tycho oder Kopernikuskrater gestrichen und nicht für die noch ausstehenden neu angesetzt. So glaube ich nicht, dass die NASA eine viel riskantere Landung auf der Mondrückseite (oder mit einem Relaysatelliten zumindest deutlich aufwendigere und teurere) durchführen würde. Schade, denn ich denke es wäre sicher die wichtigste Landung gewesen.


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