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Web Log Teil 162 : 4.5.2010-9.5.2010

Dienstag den 4.5.2010: Entschleunigung und Abhängigkeiten

Zwei Dinge fielen mir in meinem Urlaub auf: Die Berichterstattung über die Aschwolke und ein Bericht bei "Neues" (3sat). Fangen wir mit dem ersten an: Durch die Aschewolke war der Luftverkehr für einige Tage ausgesetzt. Sicher nicht angenehm vor allem für Leute die dann feststecken und auch die Luftfahrtgesellschaften machen Verluste. Auf der anderen Seite frage ich mich ob dem Ereignis diese Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Schon Morgens im Frühstücksfernsehen ging es los, dann gab es regelmäßig einige Specials über den Tag. War es das Wert? Sind wir schon so abhängig vom Luftverkehr? Meiner Ansicht nach ist z.B. der Ölteppich der nun im Golf von Mexiko auf die US Küste zu schwimmt eine viel größere Katastrophe mit viel länger andauernden Folgen als diese Vulkanstaubwolke. Aber er ist ja 5000 km weit weg und das ist ein prinzipielles Nachrichtenproblem: Wenn es einen nicht tangiert, dann muss ein Ereignis viel gravierender sein um in den Nachrichten zu kommen.

Das zweite war ein Experiment bei "Neues" - eine Woche ohne Digitaltechnik. Das Ergebnis war skurril. Okay einige Dinge waren schon aufwendig und heute antiquiert, wie das Schreiben von Moderationskarten mit der Schreibmaschine. Aber einen Großteil der Erfahrungen halte ich für übertrieben. so schilderte ein Redakteur eine wahre Odyssee, weil er einen Strafzettel bezahlen musste : Vom Online Konto geht das nicht wegen der computerfreien Woche. Da er nur ein Online Konto hat wären 10 Euro Gebühren fällig wenn er es beim Schalter erledigen will und die Polizei akzeptiert kein Bargeld: Da frage ich mich aber was das mit der Abhängigkeit vom Computer zu tun hat oder mehr Sparen an der falschen Stelle: Ich habe doch nicht nur ein Konto und das ist dann ein online Konto. Schon alleine nicht wegen der geringen Zinsen für Girokonten.

Die Redakteurin fand es schlimm keine SMS schreiben zu können wenn sie eine Verabredung nicht pünktlich einhalten konnte. Zitat "Man hat so dran gewöhnt zu simsen "Ich komme zehn Minuten später" und nun sind die Leute weg oder verärgert". Auch das: Das hat doch nichts mit Computern selbst zu tun, sondern mangelndem Zeitmanagement. Ich bin immer pünktlich zu festen Terminen, selbst wenn es nur Vorlesungen waren, wo es Wurst ist, ob man da ist oder nicht. Meine Devise ist immer einen Bus oder S-Bahn früher da zu sein, falls es mal Probleme beim Umsteigen oder Verspätungen gibt. Wenn jemand seine Planung so macht dass er mit Glück gerade "just in Time" da ist und in der Regel dann ankündigen muss das er später kommt, so ändert das doch nichts daran dass in jedem Falle andere auf ihn warten müssen. Denen nützt es dann auch nichts wenn sie das vorher wissen.

Die Redakteurin fand es auf jeden Fall ganz schlimm ohne Handy und ohne Social Network zu leben - wenn es auch nur für eine Woche war. Ich denke aber es liegt einem selbst, wie man den Computer nutzt und wie so Abhängigkeiten entstehen. Ich bin z.b. kein Fan von Sozialen Netzwerken oder Twitter. Ich sehe einfach keinen Nutzen für mich. Leute mit denen ich kommunizieren will, existieren für mich als Personen die ich kenne und die ich so auch direkt erreichen kann. Ich sehe keinen Sinn darin Kontakte zu sammeln, vor allem wenn ich die Leute nur online kenne. Das ich mich für das Handy nicht begeistern kann habe ich ja schon mal geschrieben - mir leuchtet dieses "immer erreichbar" Konzept nicht so recht ein und ich verstehe nicht warum jedermann meine Telefongespräche mitbekommen soll, weil man eben auch im Bus und in der Fußgängerzone angerufen werden kann.

Sicher Computer sind für mich wichtig und das Internet: Es erlaubt einem Recherche. Das ist für mein Hobby Raumfahrt extrem wichtig und auch beruflich als Softwareentwickler kann man so leicht bei Problemen suchen ob nicht schon jemand nicht das gleiche Problem hat und eine Lösung gefunden hat. Aber bin ich zwingend darauf angewiesen, so dass mich ein Fehlen nicht gerade mein Leben in dem Maße wie bei der Redakteurin einschränken würde - sicher es würde die Aufgabe vieler Hobbys bedeuten und es macht vieles mühsamer. Aber ich würde nicht in Probleme kommen mein Leben zu meistern, soziale Kontakte aufrecht zu erhalten etc.

Aber bei vielen ist die Abhängigkeit da. Für einen amerikanischen Freund ist es unvorstellbar, dass ich in den Urlaub ohne Computer fahre. Ich weiß auch für viele andere ist es wichtig. So gibt es nun seit diesem Mai auch einen Internetanschluss im Ferienhaus für die Gäste. Ich stand dem lange kritisch gegenüber. Nicht weil ich auf dem Standpunkt stehe, man braucht es nicht - es gibt genügend Leute die können nicht mal im Urlaub "offline" sein. Meine Befürchtung war vielmehr die rechtliche Haftung. Schlussendlich kann ein Gast mit einem Internetanschluss einiges anstellen - unabsichtlich in Abofallen rein tappen oder absichtlich während des Aufenthaltes eine Tauscbörse besuchen und dort erwischt zu werden. Da kann einiges auf die Verwaltung zukommen, die dann auch noch bei vielen vermieteten Häusern ermitteln muss, wer der Gast war. Insgesamt schien mir bei einer Besprechung die Problematik und auch das Wissen, wie man Funknetze verschlüsselt nicht klar zu sein.

Nun zumindest etwas positives konnten die Redakteure ihrer internetfreien Woche abgewinnen - eine Entschleuinigung. Es gab nun weniger Termindruck, mehr Zeit weniger Unterbrechungen. Gerade das was auch ein Urlaub bringen soll. Unverständlich, dass auch dort der Computer und das Handy mitgenommen werden....

Mittwoch 5.5.2010: Werden wir in absehbarer Zeit zum Mars reisen - eine persönliche Meinung

Obama hat nun ja wieder ein Raumfahrtprogramm angekündigt. Immerhin etwas konkreter, als Bush damalsm mit festen Terminen. Doch wird es kommen? Werden 2025 Asteroiden besucht und 2035 der Mars? Hierzu meine Meinung. Raumfahrt ist nicht nur Forschung. Sie hat auch politische Aspekte. Dieser Anteil ist bei der bemannten Raumfahrt der Hauptantrieb. Das ist der Grund warum China so bestrebt ist Taikonauten ins All zu bringen und eine Miniraumstation zu bauen: Sie wollen zeigen, dass sie es auch können. Bei Russland ist die bemannte Raumfahrt praktisch das einzige, was noch von der nichtmilitärischen Raumfahrt übrig blieb. Es ist die Möglichkeit sich zu profilieren: Sieh hin, wir können das! Schlussendlich ist der Kreis der Nationen, die eigene bemannte Raumfahrzeuge bauen können, sehr klein.

Diesen Aspekt muss man im Hinterkopf behalten, wenn man sich die Geschichte der Entwicklung ansieht. Mercury entstand um als Erstes einen Menschen ins All zu bringen. Um nichts anderes ging es bei diesem Programm. Als dies nicht gelang wurde wenige Wochen nach Gagarins Flug Apollo von Kennedy ausgerufen. Er wähnte sich so im Hintertreffen, dass er ein so entferntes Ziel wählte, das auch ein Vorsprung den Sowjets nichts nützte. Gemini wurde erst später hinzugenommen um die wesentlichen Technologien zu erproben, bevor Apollo einsatzbereit war und so hier Flüge zu sparen zu beschleunigen. Bei Apollo ging es wirklich erst nur um "Landing a man on the Moon and returning him safe to the earth". Alle wissenschaftlichen Aspekte kamen erst hinzu, als das erreicht war.

Das Space Shuttle entstand unter dem Aspekt zu sparen - Raumfahrt billiger zu machen. Es erfüllte die Erwartungen nicht, doch eine Außerdienststellung bedeuteten, dass die USA kein bemanntes Raumgefährt mehr hatten, was lange wegen der politischen Bedeutung nicht akzeptabel war. Beim Space Shuttle erwies sich die bemannte Konzeption als Bumerang - es wurde von Anfang an bemannt konzipiert, obwohl ein unbemannter Shuttle technisch möglich gewesen wäre (siehe Buran) - das machte es teurer und senkte die Nutzlast und stellte nach jedem Fehlstart das Programm in Frage. Für ein unbemanntes Shuttle wären die entwicklungskosten aber nicht zu bekommen gewesen.

Die ISS wurde 10 Jahre lang nur geplant und war immer zu teuer. Dann gab es die Annäherung an Russland und dies passte wieder gut in die politische Landschaft, sodass plötzlich die Station das Okay bekam, das vorher nicht möglich war.

Als ich dann von Bushs Programm gehört habe, hatte ich schon meine Bedenken. Vor allem wegen der langen Zeitachse, die schon anfangs 14 Jahre bis zur ersten Mondlandung betrug. Die zweiten Bedenken waren, dass es nur zum Mond geht - da waren wir aber schon mal. Wenn man ein neues Programm verkaufen will, dann muss man der Öffentlichkeit klar machen, wofür soviel Geld ausgegeben wird. Eine Wiederholung ist da keine gute Idee.

Das Hauptproblem bei langen Entwicklungszeiten sind zwei Dinge: Die Kosten sind automatisch höher, weil ein Grundstock an Personen über diese Zeit fix an das Programm gebunden ist. Das Space Shuttle Programm hat z.B. einen Finanzbedarf von 200 Millionen Dollar pro Monat an Fixkosten. Die Flüge selbst sind dann relativ preiswert. Das zweite ist, dass bei einer langen Programmlaufzeit es einfacher ist, nach wenigen Jahren abzubrechen, weil nur wenig investiert wurde. Beim Constellation Programm wurden rund 9 Milliarden Dollar ausgegeben - viel für unbemannte Raumfahrt, aber wenig im Vergleich zu den zu letzt auf 100-120 Milliarden Dollar geschätzten Gesamtkosten.

Ein sinnvolles Programm sollte eine Laufzeit haben, die dazu führt, dass es schon relativ weit nach einer Legislaturperiode ist. Das war bei Constellation nicht gegeben. Das ist auch beim neuen Programm nicht gegeben. Man darf nicht vergessen, dass auch das Apollo Programm in der Kritik war. Schon 1967 fingen die Budgetkürzungen an, die schließlich zum Streichen von drei Missionen und zum weitgehenden Einstellen des Apollo Applikation Programmes führten. Aber damals war das Programm schon zu weit fortgeschritten und es galt die Proklamation Kennedys zu erfüllen - wäre Kennedy nicht erschossen worden, vielleicht wäre nach dem gelungenen Gemini Programm Apollo noch viel mehr zusammengestrichen worden.

Ein Marsprogramm hat nicht die Triebfeder des Wettlaufs zwischen UdSSR und USA. Dieser Wettlauf hat ja auch in der UdSSR zum Sojus Raumschiff und den Saljut / Mir Raumstationen geführt - seit die Systeme sich nicht mehr übertrumpfen müssen, hat Russland nichts neues mehr entwickelt. Die internationale Zusammenarbeit wird sicher ein wichtiger Aspekt sein. Doch machen wir uns auch hier nichts vor: Vergleicht man das Budget für bemannte Raumfahrt von NASA, ESA, JAXA und Roskosmos, so ist klar das die USA mehr ausgeben, als alle Partner der ISS zusammen. Daher wird auch bei einem internationalen Marsprogramm alles von den USA abhängen und sie die höchsten Kosten schultern müssen.

Wie könnte ein sinnvolles bemanntes Marsprogramm aussehen?

Zeitspanne: 8-12 Jahre. bemannte Großprojekte brauchen Zeit. Führt man sie in zu kurzer Zeit aus, so werden sie teuer, weil viel Geld nötig ist um sie zu beschleunigen. Dauert es zu lange, dann versickert viel Geld in Fixkosten. Apollo 11 landete acht Jahre nach der Proklamation und dass Programm wurde massiv beschleunigt. Das Space Shuttle startete neun Jahre nach dem Beschluss und war unterfinanziert. Bei einer Marsexpedition ehe ich ähnlich große Herausforderungen wie bei Apollo. Wir haben zwar heute die Technologie für Schwerlastraketen, Erfahrungen über Langzeitaufenthalte im Weltall. Aber wir wissen nicht, wie wir eine Wohnung auf dem Mars sicher landen können. Wie sie aufgebaut sein muss. Die gesamten Experimente, Infrastruktur und Versorgung über Jahre muss entwickelt werden. Viele Vorstudien können auf der Erde oder bei der ISS durchgeführt werden, z.b. ein Betrieb über drei Jahre ohne Versorgung. Insgesamt sehe ich daher in etwa die gleichen Herausforderungen wie bei Apollo und etwas mehr Zeit als bei diesem so 10-12 Jahre wären angemessen

Ein Politiker der hinter ihm steht. Ein Riesenunterschied zwischen Kennedy und Johnson und Bush und Obama ist das Interesse an der Raumfahrt. Kennedy fuhr zu den Raumfahrtzentren lies sich alles erklären, war begeistert von dem Programm. Das gleiche galt für Johnson, der schon als Senator dafür sorgte, dass die Missionskontrolle in seinen Heimatstaat Texas kam. Bei Bush und Obama ist ein solches Interesse nicht zu erkennen. Die politische Unterstützung braucht aber ein solches Programm um die dann benötigten Summen zu erhalten, da es immer Widerstände im Kongress und Senat geben wird.

Es muss in die Gesamtlandschaft passen. Was sehr gerne vergessen wird: Das Apollo Programm wurde durchgeführt in einer Zeit als in den USA die Wirtschaft boomte, nahezu Vollbeschäftigung herrschte, es gab kein Defizit wie heute. Das Programm gelangte in die Krise als zuerst der Vietnamkrieg mehr Mittel erforderte, dann zu Beginn der Siebziger die Inflationsrate rapide anstieg und die Arbeitslosigkeit auch. Ich halte es heute für fast unmöglich die sicher 100+ Milliarden für ein Marsprogramm zu bekommen, weil de USA genug andere Probleme haben. Dabei hilft auch nicht der Hinweis auf unsinnige Ausgaben im Verteidigungshaushalt wie die Milliarden für den Raketenschutzschild. Für das Militär ist es recht einfach Geld zu erhalten, egal wie viel es ist (siehe Irakkrieg). In einem gewissen Sinne ist Raumfahrt (auch die unbemannte) Luxus - Forschung geht auch ohne und bemannte Raumfahrt ist wegen der Kosten sogar Deluxe-Luxus. So muss man sich nicht wundern, wenn dort zuerst gespart wird.

Donnerstag 6.5.2010: Grand Prix und Lena Meyer Landruth

Diesmal lief es ja anders bei der Selektion des Liedes für den Grand Prix. Anstatt das die ARD eine Endausscheidung durchführt und man die Wahl zwischen meist schlechten Titeln und vielleicht einem Favoriten hat, machte  Pro Sieben eine Vorentscheidung und das Publikum (beim Finale auch über die ARD ausgestrahlt) stimmte dann in mehreren Runden über den Finalisten ab. Ich finde das Lied und die Interpretation gut. Es ist schön anzuhören. Was ihm fehlt ist die gängige Melodie, die man bei vielen Grand Prix Siegertiteln sofort im Ohr hatte - egal ob Waterloo, Keep your mind up, Whats another Year oder Ein bisschen Frieden. Aber es gab eben noch viele andere Siegertitel, an die man sich auch nicht erinnert. Das ist also nicht unbedingt ein Manko. Ob der eigenwillige Tanzstil aber ankommt? Vielleicht fehlt auch etwas Glamour.

Werden wir eine Chance damit haben? Nach Ansicht von Buchmachern ja. Ich bin da skeptisch. Die Erfahrung des letzten Jahrzehnts zeigte, dass es Abstimmungsklubs gibt: Länder die sich gegenseitig Punkte verteilen. Das sind die skandinavischen Länder (Island, Dänemark, Norwegen, Finnland, Schweden) untereinander, das sind die ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken und das sind die russischen Republiken. So verwundert es nicht, wenn die meisten Siegertitel in der letzten Zeit aus diesen drei Gruppen kamen - nur zwei waren es seit 1999 nicht. West- und Mitteleuropa das früher dominierte spielt keine Rolle mehr.

Meiner Meinung nach sollte das System verändert werden. Es ist zutiefst undemokratisch. Jeder Staat hat gleich viele Stimmen. Egal ob einige Hunderttausend darin leben wie in Island oder über 80 Millionen wie in Deutschland. Die Punkte sollten mit der Einwohnerzahl in Millionen multipliziert werden, das würde viele Votings von kleinen Sowjetrepubliken und jugoslawischen Staaten ins rechte Licht rücken. Man hat zwar die Teilnehmerzahlen reduziert, aber das reicht nicht. Außer man lässt eben nur eine jugoslawische Republik und eine Sowjetrepublik zu....

Ich denke aber auch in Deutschland sollte man die Auswahl anders machen: Es geht ja um das Lied und nicht die Gesangskunst. Also es geht nicht darum einen Superstar zu finden, sondern ein gutes Lied und dann kann man dieses optimal interpretieren und präsentieren lassen. Vielleicht sollte man sich daher im Vorfeld auf einige, gute, bekannte Interpreten einigen und diese stellen mehrere Leider vor und das Publikum wählt das beste aus den Kombinationen aus. Ich sehe auch die Chance wieder mehr schon bekannte Gesichter für den Kontext zu gewinnen. Früher war die Angst groß, ein schlechtes Abschneiden hätte negative Auswirkungen auf das Image und die Verkäufe. Heute ist das anders. Nach dem Grand Prix ist der Titel eh meist vergessen. Meist sogar der Siegertitel. Dagegen hat der deutsche Titel vor dem Grand Prix einen ziemlichen Rummel und wird oft gespielt. Da die Zeiten schon lange vorbei sind wo man mit einem Lied viel Kohle machen kann und mit einer Nummer 1 finanziell ausgesorgt hat dürfte dies auch für etablierte Künstler finanziell interessant sein.

Trotzdem: Viel Glück Lena!

Das Video dazu: Es ist leider so wahr....

Freitag 7.5.2010: Das Töpfchensystem

Mit nichts sind Raumfahrtbehörden so knauserig wie mit dem Veröffentlichung einer Zahl: Was kostet eine Raumfahrtmission? Hier hört die Freizügigkeit bei Daten auf, wie sicher jeder Raumfahrtinteressierte schon bemerkt hat. Eine Ausnahme ist nur gegeben, wenn man es geschafft hat, etwas besonders preiswert durchzuführen, wie dies bei Mars und Venus Express gelang. Bei der ESA ist es besonders schlimm. Hier ist man sehr zurückhaltend mit Angaben. Bei der NASA ist es besser. Üblicherweise enthalten die bei größeren Missionen veröffentlichten Presseinformationen Informationen über die Kosten.

Naturgemäß noch schwieriger ist es, die Kosten von Großprojekten zu ermitteln, vor allem wenn diese über lange Zeit laufen. Stunden der Recherche für die Ermittlung der Kosten der ISS und Ariane 5 über die Gesamtlaufzeit für meine Bücher zeigten mir aber System, das gerne durchgeführt wird: Das Töpfchensystem. Ich will es mal bei der ISS zeigen. Offiziell kostet die ISS rund 30 Milliarden Dollar. Das geht doch, wenn man bedenkt, das diese Summe seit 1985 also 25 Jahren aufgebracht wird. So sind das nur etwas mehr als 1 Milliarden pro Jahr. Nur einmal entschlüpfte der NASA bei einem Text in dem Budget für 2006 die Angabe von 100 Milliarden Dollar, die seitdem immer wieder zitiert wird. Doch selbst die Augustine Kommission gab 2009 noch die Kosten mit 31,5 Milliarden Dollar an. Wie kommt es zu solch großen Diskrepanzen? Nun ganz einfach: Man teilt die Ausgaben in Budgets ein und zählt bestimmte Budgets dazu oder nicht. Bei der ISS z.B. gibt es folgende Töpfchen:

In meinem neuen Artikel Kosten der ISS habe ich das mal genauer auseinander genommen. Er ist entnommen aus meinem Buch über die ISS, das zu Jahresende, nach Fertigstellung dieser erscheinen wird. Das System ist aber übertragbar. Bei der ESA werden für Ariane 5 z.B. nicht die kosten für Rettungsmaßnahmen nach dem Fehlstart der ersten Ariane 5 ECA aufgeführt und auch das ARTA Programm (Entwicklung, Tests und Optimierungen der Produktion) wird weggelassen. Dasselbe gilt für das EGAS Programm zur Subventionierung der Ariane 5.Im Jahr 2005 gab die ESA so die Gesamtkosten mit 6.840 Millionen Euro an. Ein ESA Referent in einem Papier im August 2008 etwas ehrlicher mit 8 Milliarden Euro. Ich bin durch Zusammenzählen nur der mir bei der Recherche bekannten Ziffern (es fehlt das ARTA Programm von 2007-2010) auf 12.564 Millionen Euro gekommen.

Noch schwieriger ist dies beim Space Shuttle, insbesondere weil hier die Aufteilung des NASA Budgets sich im Laufe der Jahre geändert hat. Anfangs liefen die Kosten unter "Research and Development", dann kamen "Flight Operation" und "Performance Upgrades" aus. Später die Aufteilung in Operationskosten und Fixkosten und verschiedene kleine Budgets für Leistungssteigerungen und Upgrades. Das macht es einem nicht leicht die Gesamtkosten des Space Shuttles zu berechnen, doch das werde ich auch noch tun, wenn es außer Dienst gestellt ist.

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht den Sinn solcher Maßnahmen: Zum einen gibt es das Bedürfnis und den Anspruch der Öffentlichkeit die realen Kosten eines Raumfahrtprojektes zu erfahren. Zum andern ist es in Zeiten des Internets so, dass wenn einer sich mal die Mühe macht die Zahlen durchzurechnen und zu veröffentlichen, diese sich verselbstständigen. Jemand schreibt es in die Wikipedia und fügt einen Link ein, andere lesen die Wikipedia und kopieren die Angaben und Schwupps ist jede Mogelei sinnlos geworden. Ein ehrlicher Umgang wäre sinnvoller, auch wenn einem das Ergebnis nicht unbedingt in den Kram passt.

Was gibt es sonst noch neues? Der Jungfernflug der Falcon 9 ist weiter nach hinten gerutscht auf den 23.Mai. Nun muss erst das Selbstzerstörungssystem getestet werden. Irgendwie haben die eine sehr komische Vorstellung von der Reihenfolge, denn das eine an und für sich startbereite Rakete warten muss bis ihr Selbstzerstörungssystem zertifiziert ist habe ich vorher nie gehört. Es scheint so als hätte man SpaceX-typisch sich erst über dieses Subsystem Gedanken gemacht als man feststellte, das die Air foce es forderte. anders kann ich mir diese Verzögerung nicht erklären, denn so was kann man eigentlich unabhängig von der Rakete entwickeln und ist dann verfügbar wenn auch die Rakete fertig ist.

Ich möchte an der Stelle auch mal auf eine neue Rubrik von mir hinweisen über die ISS. Ich werde diese nach und nach füllen mit Ausschnitten aus den Büchern über die ISS und das ATV. was haltet ihr davon? Eignen sich die Artikel aus dem Zusammenhang gerissen dafür?

Samstag 8.5.2010: Das Glück

Bei "Quarks & Co" ging es um das Glück. Es wurde Bhutan vorgestellt. Ein kleines Land im Himalaja bei dem der Monarch die Steigerung des "Brutto-Inlandsglücks" anstatt des Bruttosozialproduktes anstrebt. Das geschah durch Verbesserung der sozialen Maßnahmen, aber auch Naturschutz (60 % des Landes stehen unter Naturschutz), Erhaltung der Traditionen, z.B. muss man bei religiösen Feiertagen die traditionelle Kleidung tragen und der Baustil ist vorgeschrieben.

Untersucht wurde auch was glücklich macht. Es sind nach Untersuchungen Arbeit und Partnerschaft. Arbeit nicht wegen des Einkommens, sondern weil man etwas sinnvolles tut. Ich denke das letzte ist sogar das Ausschlaggebende. Etwas zu tun, and dem man Freude hat. Meistens ist es bei der Arbeit aber anders und Frust herrscht vor. In unserer Gesellschaft ist die Sicht ja anders - Arbeit dient dazu Geld zu verdienen und wird ja nur noch als "Job" bezeichnet - nicht als "Beruf", was ja von Berufung kommt.- Ich kann den Untersuchungen nur zustimmen. Bei meiner letzten Arbeitsstelle ging es vor allem um das Verwalten. Ich hatte dafür zu sorgen, dass ein Labor lief. Nach einem halben Jahr hatte ich es im griff und weitgehend die wichtigsten Sachen automatisiert. Sonst wurde nichts gefordert, man wurde auch nicht gefördert. So ging ich daran Eigene Programme zu schreiben, die Website aufzubauen. Jetzt schreibe ich Bücher. Betrachte ich beides unter kommerziellen Aspekten, dann wäre selbst ein Ein Euro Job lukrativer. Die Website in der einige Mannjahre stecken generiert rund 20 Euro pro Monat. Bücher sind zwar "lukrativer", aber mit 20-25 Euro pro Titel und Monat bei etwa 2-3 Monaten Arbeit pro Band werde ich auch nicht reich. Aber darum geht es ja auch nicht, sondern um Zufriedenheit, was ja die Vorstufe von Glück ist. Auch meine Gesundheit hat sich deutlich verbessert, seit ich in den freien Arbeitsmarkt entlassen wurde: Frpüher hatte ich jeden Winter eine Erkältung und litt in den letzten Jahren immer stärker unter Heuschnupfen. Diesen Winter kein grippaler Effekt (trotz viel Kälte) und die Heuschnupfensaison ist fast vorbei und ich bin  weitgehend beschwerdefrei.

Ich denke es gibt eine Reihe von Dingen die einen glücklich machen. Für mich sind das handwerkliche Dinge. Das Problem: Ich bin leider handwerklich recht unbegabt. Immerhin freue ich mich wenn der Hof wieder sauber mit dem Hochdruckreiniger gereinigt ist, ich traue mich im Außenbereich zu streichen und im Herbst ist es das schönste Tulpen und Narzissen zu pflanzen - das Ergebnis sieht man erst ein halbes Jahr später, aber dann ist es ein wunderschöner Anblick für nur wenig Arbeit. Dieses unmittelbare Erfolgserlebnis oder die Bestätigung meiner Arbeit fehlt mir sehr bei den geistigen Arbeiten die mir viel mehr liegen. egal ob es das Schreiben von Artikeln oder das Entwickeln von Programmen ist.

Nach der Sendung macht Geld nicht glücklich. Oder wie der Volksmund sagt, "Geld allein macht nicht glücklich, aber es beruhigt ungemein". Es wurde eine Kurve gezeigt, nach der bei steigendem Einkommen die Zufriedenheit zuerst steil ansteigt, dann aber abflacht. Zu erklären ist das leicht: Sind erst mal die Sorgen weg, weil das Geld ausreicht das Leben zu finanzieren ohne jeden Euro umzudrehen, dann ist man zufrieden. hat man mehr Geld so geht dann meist auch der Neid los, wenn man ein kleines Auto hat auf das des Nachbarn, das größer ist. Dazu kommt dann auch die Sorgen, das Geld könnte weg sein, fehlinvestiert, weniger Wert werden oder der Aufwand es zu verwalten und bei der Steuererklärung zu deklarieren. Viele die recht reich sind geben viel Geld für wohltätige Projekte aus - das macht dann wieder glücklich.

Das Geld alleine nicht glücklich macht zeigt auch die Liste der Länder in denen die Menschen am zufriedensten sind. Da führt Costa Ria vor Dänemark, Island und Schweiz/Kanada. Deutschland liegt nur auf Platz 22, obwohl die Leute hier sicher reicher sind als die in Costa Rica. Ich glaube es ist auch ein Mentalitätsproblem. Die Deutschen sind einfach ein bisschen miesepetrig und auch pessimistisch. Ich weiß nicht ob das in den Genen liegt oder an der nicht gerade positiv verlaufenden Geschichte in den letzten 100 Jahren. Ich nehme mich da nicht aus. Ab und an packt mich immer noch die Existenzangst. Das ist die angst irgendwann mal mittelos da zustehen. Sie ist allerdings besser geworden, vielleicht auch durch die Auf und Ab an der Börse, die ich einfach ausgesessen habe (nichts verkauft). Trotzdem kommt sie bei den Ereignissen in Griechenland wieder auf - schließlich macht unser Staat auch nur Schulden und dann dauert es nur länger bis er in die gleiche Situation wie Griechenland gerät. Dabei habe ich wenig Grund mich zu sorgen: Denn aufgrund der angst habe ich meinen bescheidenen Lebensstil beibehalten seit ich Student bin und einen größeren Teil meines Einkommens so angelegt.

Vorgestellt wurde auch eine Schule in der die Schüler/innen sich selbst konditionieren. Ob das klappt habe ich meine Zweifel. Was ich vermisst habe ist die Umgebung. Die Zufriedenheit hängt auch davon ab, in welchem Umfeld man lebt und wie dieses einen beeinflusst. Das geht bei los beidem öffentlichen Bewusstsein. Schaut man sich das Fernsehen an, so gibt es überall nur Katastrophen und vor allem Dinge die einem Sorgen machen und es wird viel Sozialneid geschürt: Sowohl bei dem Verdienst von Managern wie auch am unteren Ende bei den Harz-IV Empfängern die angeblich zu viel Geld bekommen oder zu faul zum Arbeiten sind. Noch wichtiger ist das unmittelbare Umfeld. Bei unserer Familie nimmt z.B. Geld eine zentrale Rolle ein. Geld verdienen dient nicht dem Lebensunterhalt sondern ist ein Selbstzweck. Entsprechend schwer habe ich es jetzt wo ich arbeitslos bin, aber trotzdem zufriedener als früher.

Was mich erstaunte ist das das Klima offenbar keinen Einfluss hat - sonst wären auf den Spitzenplätzen ja nicht Costa Rica und Island. Ich hätte subjektiv gemeint, dass Personen in subtropischen Gefilden tendenziell glücklicher sind die, wo in Kälte, halbdunkel oder unter grauem himmel leben.


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