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Web Log Teil 163 : 10.5.2010-15.5.2010

Montag den 10.5.2010: Das Paretoprinzip

So heißt ein Fakt, das ich bis zum Nachschlagen für den Artikel nur als "80:20 Regel" kannte. Die Wikipedia nennt es Paretoprinzip oder Paretoregel. Was ist damit gemeint? Besser als die Einleitung sind sicher die Beispiele in der Wikipedia, da die Regel nämlich nicht nur für die Zeit die man für bestimmte Projektabschnitt benötigt. Ich stieß darauf Ende der achtziger Jahre, als die ersten RISC Prozessoren auf den Markt kamen.

Eine Untersuchung zeigte dass von den Befehlen die ein Prozessor zur Verfügung hat nur 20% in dem größten Teil des Codes, 80 % aller Instruktionen verwendet wurden. Die anderen 80 % machten die restlichen 20 % des Codes aus. Daraus zogen Entwickler an amerikanischen Universitäten (wo das RISC Konzept damals neu belebt wurde) den Schluss, dass ein Prozessor, der nur 20 % der Befehle eines damals üblichen Prozessors verwendet insgesamt schneller sein könnte als dieser, weil er diese wenigen Befehle schneller ausführen kann, auch wenn er dann die nicht vorhanden Befehle durch mehrere elementare ersetzen muss. Für die Entwickler bedeutete das, dass die Komplexität des Chips geringer waren und damit eine eigene Chipentwicklung wieder möglich war, die bei den damals üblichen CISC Designs die Mittel einer Uni schon überschritten.

Dies ist sehr oft gegeben, wie auch die Wikipedia Beispiele zeigen. Wer selber programmiert, weiß das man eine Kernfunktionalität, die 80 % der Anwendungsfälle abdeckt schnell entwickelt ist. Doch die Absicherung gegen Fehleingaben, andere Spezialfälle oder eine hübsche Oberfläche beansprucht viel mehr Zeit. Ich wette auch dass 80 % aller verkauften Autos (Computer, Digitalkameras....) von nur 20 % aller Hersteller stammen und selbst bei Trägerraketen ist das Prinzip anwendbar: Nach sehr vielen Starts, wie sie z.B. bei der Delta oder Sojus vorliegen entfallen mit Sicherheit 80 % der Fehlstarts auf die ersten 20 % der Flüge.

Das gilt natürlich auch für das Produktdesign. Ich denke dass auch 80 % der Anwender nur 20 % der Funktionen benutzen. Das gilt sowohl für Softwarepakete (Wer nutzt den ganzen Funktionsumfang von Word, inklusive VBA-Script?) wie auch für Elektronik (Funktionen von Videorekordern, Handys ....). Nur selten wird das aber berücksichtigt. Bei Handys gibt es jetzt immerhin "Seniorenhandys". Das Sind Geräte mit großen Tasten mit denen man nur Telefonieren kann - die eigentliche Kernfunktionalität. Ich finde den Begriff herabwürdigend. Denn es impliziert, das Senioren zu dämlich für andere Handys sind. Dabei denke ich gibt es genügend andere die ein Handys nicht brauchen um Fotos zu machen oder Musik zu hören.

Das Grundproblem ist folgendes: Manche Leute fahren auf Features ab. Leider gibt es die Einstellung "Mehr ist besser", was sich ja auch in unnötig großen Pixelzahlen bei Kameras zeigt, die dafür verrauschte Bilder erzeugen. Zudem braucht man manche der Funktionen doch von Zeit zu Zeit. So mögen die meisten mit der Standardeinstellung ihres Fernsehers auskommen, aber manche müssen den Weissabgleich auf die Lichtverhältnisse abstellen.

Bei meinem Samsung Fernseher sind die meisten Funktionen auf der Fernbedienung sofort zugänglich und einige erst erreichbar wenn man unten eine Klappe öffnet - eine gute Idee die Überfrachtung der Fernbedienung zu vermeiden, aber es sind noch deutlich zu wenige ausgegliedert worden. Noch schlimmer ist nur der neue Toshiba Fernseher meiner Mutter: Er hat nur noch die wichtigsten Tasten auf der Fernbedienung und der Rest ist dann über ein Menü zugänglich - an und für sich ist die Idee gut, nur in der Form muss ich zu oft ins Menü.

Zumeist habe ich aber den Eindruck, dass man sich nicht die Mühe macht Produkte zu entwickeln die nur die Funktionalität haben die man braucht und nicht mehr und nicht weniger. Das ist bis heute so: Intel und AMD führen neue Befehle in ihre Prozessoren ein, die von Anwendungssoftware kaum und wenn nur in bestimmten Funktionseinheiten eingesetzt werden. Ich habe jetzt 1 Jahr lang einen tollen MP3 Player, der das Prinzip umgesetzt hat: Es ist ein drahtloser MP3 Player bei dem dieser im Kopfhörer enthalten ist. Dieser hat nur 5 Tasten, drei an der Oberseite, zwei an der Unterseite: Oben: Leiser, Lauter Ein/Aus, Unten Bass Booster und Vor/Rückwärts. Man bleibt nicht mit dem Kabel hängen. Nach einem Jahr waren beim Billigplayer nun der Ein/Ausbutton ausgeleiert und ich musste einen neuen kaufen. Leider hat man ihn verschlimmbessert: Das Nachfolgemodell arbeitet zwar immer noch mit AAA-Akkus, aber keinen NiMH sondern Li-Ionen. Das Austauschen des mitgelieferten Akkus durch einen NiMH geht nicht wegen der unterschiedlichen Spannungen. Aufladen des Lithiumionenakkus mit einem Akkuladegerät auch nicht. Der Akku kann also nur über USB aufgeladen werden. Ob er da lange lebt? Ich glaube kaum dass der 19,90 Euro Player einen Überladungsschutz hat.

Dienstag 11.5.2010: Die Frogs haben zugeschlagen!

Bitfehler 1986Voyager 2 befindet sich nach 33 Jahren Flug inzwischen 13,8 Milliarden km von der Erde entfernt. Längst haben die beiden Raumsonden, die im August und September 1977 gestartet sind, alle Rekorde gebrochen - nicht nur hinsichtlich der zurückgelegten Strecke, sondern vor allem hinsichtlich des Erkenntnisgewinns und ihrer Langlebigkeit (wie viele Geräte, deren Leistung vor allem auf Elektronik beruht, arbeiten nach 33 Jahren Dauerbetrieb noch?).

Nun hat es Voyager 2 erwischt. Die NASA kontaktiert die Sonde regelmäßig, aber nur mit geringer Priorität, schließlich benötigen die beiden Sonden aufgrund der Entfernung die großen 70 m Antennen des DSN. Etwa einmal pro Woche gibt es den Abruf der auf Band gespeicherten Messdaten. Am 22.4.2010 stellten Techniker erste Veränderungen in den Datenpacketen fest, wegen eines am 23.4.2010 geplanten Drehmanövers (für die Aufnahme eines 360 Grad Überblicks über die Plasmaumgebung) konnte man die Sonde aber erst wieder am 30.4.2010 kontaktieren. Nun gab es weitere Veränderungen in den Datenpacketen und die Daten waren unlesbar. Eine schnell durchgeführte Diagnose ergab am 1.5.2010, dass die Raumsonde prinzipiell gesund ist und sie wurde nun am 6.5.2010 angewiesen nur noch Telemetrie, also Daten über ihre Subsysteme, aber keine wissenschaftlichen Daten zu senden.

Das ist nichts besonderes. Doch welch skurrile Theorie entspannst sich nun über die unlesbaren Datenpackete? Aliens sollen die Sonde umprogrammiert oder entführt haben! Das erinnert mit an die erste Folge von "Raumpatrollie", als die Frogs MZ4 besetzt und die Station Nonsens sendete! Wusste Commander Allister McLaine schon damals was und heute blüht? Und was ist mit den zahllosen unleserlichen Festplatten, Disketten und CD's? Sind nicht die Alien unter uns und wollen die Macht übernehmen? Leute bewacht die Fernsehstationen, bald tauchen die Zylonen auf und wollen einen Funkspruch absenden!

Nun die Erklärung ist sicher viel einfacher. Voyager hat zwei Sendesysteme im S-Band und X-Band. Weiterhin gibt es zwei Arten von Daten: Die sogenannte Telemetrie, das sind Statusinformationen über die Raumsonde selbst, wie Messwerte von Temperatursensoren, Auslastung der Bordcomputer, gelieferte Energie etc. Diese wird auf einem anderen Weg und anders kodiert (oder gar nicht, in dem Fall bin ich auch kein Experte) übertragen als die Daten der Experimente.

Das zweite sind die wissenschaftlichen Daten. Zur Fehlerkorrektur und Erhöhung der Datenrate werden diese kodiert übertragen, wobei die Sonde zwei Methoden als Hardware vorliegen hat: Den Reed-Solomon Code und den Golay Code. Der Golay Code wurde bis zum Uranus eingesetzt, er benötigte für ein Datenbit aber zwei Bits. Um die Datenrate zu erhöhen wurde ab Uranus der Reed-Solomon Code benutzt (der auch Basis für die Fehlerkorrektur von CD's ist) der auf 6 Bits nur ein Zusatzbit benötigt.

Weitere Codierungen sind möglich indem die Computer umprogrammiert werden. So wurde vor Uranus das FDS (Flugdatensystem - der Bordcomputer der die Daten kodiert und zur Erde sendet) angewiesen, von den Bildern nur das erste Pixel jeder Zeile voll zu übertragen und bei den anderen 799 nur die Differenzhelligkeit zum vorherigen, reduziert auf 3 Bits anstatt nominell 8. Auch hier zeigte sich schon dass die Sonde anfällig war - wenige Tage vor der Begegnung zierten weiße und schwarze Linien die Bilder. Ein Abrufen des Speicherinhalts des Bordcomputers zeigte, das ein Bit umgekippt war. Es blieb auch dauerhaft defekt, so dass die Speicherstelle einfach umgangen wurde.

Das Bild links zeigt die Auswirkungen dieses Bitfehlers bei einer Original Aufnahme von Voyager 2. Vieles spricht dafür, dass diesmal eine ähnliche Ursache vorliegt, das ist auch die Meinung der NASA. Aber Alien sind ja viel interessanter.

Vielen Dank an dieser Stelle an Michael K, der mich auf die Schlagzeile von Bild hinwies - als ich die Überschrift sah habe ich zuerst auf das Datum gesehen, ob die nicht vom 1.4. ist.... Wenn mal die Aliens nach Intelligenz auf der Erde suchen und zufälligerweise dabei über Bild online stolpern - dann ist sicher unser Planet gerettet und sie fliegen weiter - intelligentes Leben scheint es ja nicht auf der Erde zu geben....

Mittwoch 12.5.2010: Karl Marx hatte recht!

Ja, anders kann ich es nicht ausdrücken. Er meinte ja, das der Kapitalismus die Wurzel des Übels der Welt ist. Er hat sich vielleicht in seinen Ideen der klassenlosen Gesellschaft geirrt, aber sicher nicht darin, wie der Kapitalismus zur Verelendung der Menschen führt. Das zeigt sich heute in den USA, in denen er ja noch immer unreguliert ist und noch nicht irgendwie sozial abgefedert. Dort wird das ganze als "Amerikaner Traum" bezeichnet: Einige können auf kosten vieler anderer reich werden und jeder ist nur für sich selbst verantwortlich. Dazu gehört auch dass jeder selbst für Versicherungen gegen Krankheit oder Arbeitslosigkeit sorgen muss, man schnell eingestellt und entlassen werden wird, und wer keinen Job hat muss kriminell werden oder von der Wohlfahrt leben. (In den USA sitzen 1 % der Bevölkerung im Gefängnis, bei uns sind es 0,1 %).

Dieser Kapitalismus den Karl Marx beschrieb, bei dem Industrielle sich bereichern und die Arbeiterschaft ausbeuten (selbst in der beschriebenen Form gibt es den heute noch in Entwicklungsländern, wo viele der Produkte die wir konsumieren produziert werden) ist abgelöst worden von dem Spekulationskapitalismus der Weisshemdenträger. Es begann vor einigen Jahrzehnten mit den Optionsscheinen: Auch wenn das vornehm klingt ist es im Prinzip nur eine kaschierte Wette: Man erwirbt eine Option Aktien in der Zukunft zu kaufen zu einem bestimmten Preis. Man muss sie aber nicht kaufen. Ist der Preis tatsächlich so, so bekommt man die Aktien weitaus billiger als wie wenn man sie normal gekauft hätte und wenn nicht, dann ist das Geld futsch. Dann kamen Hedgefonds die Unternehmen in Finanznöten aufkauften und in Einzelteilen wieder versilberten - Interesse an langfristigem Gewinn gab es nicht. Und nun wetten die Spekulanten auf den Bankrott ganzer Staaten.

Anstatt nun Kredite zu geben oder diese riesigen Finanzierungsfonds aufzulegen sollte der Staat dieser Art von Geschäften einen Rigel vorschieben. Das sollte bei den Banken anfangen, die eine Selbstverpflichtung unterschreiben sollten bestimmte Arten von Geschäften nicht mehr durchzuführen, nämlich solche, bei denen man nicht mehr von Finanzierung, Investment oder ähnlichem sprechen kann, sondern einem mehr Worte wie, Wetten Zocken oder Zerschlagung von soliden Staaten oder Unternehmen einfallen. Wenn das eine Bank nicht will, dann sollte sie eben nicht die Möglichkeit bekommen in der EU ihren Geschäften nachgehen. Und die Zocker können dann ihren Geschäften da nachgehen wo sie hingehören: In den Wettbüros und bei den Buchmachern. Den Banken sollten die Börsen folgen.

Das dürfte auch für viele US Banken sicher ein Argument sein solchen Geschäften nicht mehr nachgehen, ist der EU Raum mit einem BIP von 16.500 Mrd. $ doch ein deutlich größerer Markt als die USA. Doch auch die USA dürften ein vitales Interesse haben, diesen Spekulationen einen Riegel vorzuschieben: Wer sagt denn, dass die Spekulanten nur auf EU Länder wetten? Die USA haben ein Haushaltsdefizit von 9,1 % des BIP, da fehlt nicht viel zu den PIGS in der EU Zone.

An dieser Stelle auch noch meinen herzlichen Dank an Helmut Kohl: Nachdem Deutschland wegen seiner Treuhandpolitik schon über 1 Billionen DM mehr ausgeben musste für den Wiederaufbau der DDR, als notwendig, nun die Stützungszahlen für Griechenland und den Euro. Es mussten ja alle in die Eurozone, egal ob sie reif dafür waren oder nicht. Addiert man diese "Leistungen" zu der unter seiner Regierung aufgetürmten Staatsverschuldung so darf er sich "rühmen" Deutschland so richtig abgewirtschaftet zu haben.

Donnerstag 13.5.2010: Was mich am Lebensmittelrecht nervt

Quarks & Co erinnerte mich am Dienstag wieder an was, das ich garantiert nicht vermisse: Das Lebensmittelrecht. Jeder der wohl Lebensmittelchemie studiert hasst es. Man studiert das Fach ja weil man sich für die Chemie, den Aufbau und die Analyse von Lebensmitteln interessiert. Es ist sicher notwendig, denn schließlich müssen die Staatsanwälte oder Rechtsanwälte eine Einschätzung der Situation bekommen, wenn es um komplizierte Sachverhalte geht. Sie verstehen umgekehrt ja nichts von Lebensmittelchemie. Leider verstehen sie auch wenig von Lebensmittelrecht, so dass in der Praxis Lebensmittelchemiker auch schon eine korrekte rechtliche Beurteilung bei reinen Rechtsfragen treffen müssen, für die man keine chemische Analyse braucht.

In dem Fall den Quarks & Co beschreiben, ist das aber nicht der Fall. Es handelte sich um ein Dessert von Campina, das gut sichtbar als "Rote Grütze" aufgemacht wurde. Die Verkehrsbezeichnung, nicht mal in ein Drittel der Größe ist dagegen "Feine Dessertcreme Himbeergeschmack mit geschlagener Sahne". Den Filmausschnitt wo dann das Dessert in der Untersuchungsanstalt verkostet und mikroskopisch untersucht wurde, hätte sich dann Quarks & Co sparen können und auch die Landesuntersuchungsanstalt (NRW wirft wohl gerne Steuergelder zum Fenster raus), denn das Urteil, das dann zugemailt wurde und das der Chemiker erklärte, kann auch alleine durch das Lesen des Zutatenverzeichnisses gefällt werden: Dort steht drin, dass das Dessert keine Früchte enthält sondern eine Wasser/Gelatine/Zuckermischung ist, die eingefärbt wurde.

Die Begründung ist nun aber die, die leider immer wieder zu hören ist: Das es keine Grütze ist, sieht man an der Verkehrsbezeichnung und am Zutatenverzeichnis. Das kann ein "aufmerksamer Verbraucher" dann lesen und sich ein Urteil bilden. Das ist leider die von Gerichten vertretene und daher auch Beurteilungsbasis gewordene Meinung vom mündigen Verbraucher. Nur: das ist völlig irreal. Ich bilde mir ein öfters als die meisten Verbraucher mal das Zutatenverzeichnis durchzulesen oder andere Angaben, und ich stelle vieles danach auch wieder ins Regal zurück. Aber das ist auch bei mir die Ausnahme. Ich kenne niemanden, der die Zeit hat bei einem Einkauf bei jedem Artikel sich Zutatenverzeichnis und Beschreibung durchzulesen.

Bei dem Dessert hat dann das Untersuchungsamt (wahrscheinlich um keine zu schlechte P&R zu bekommen) dann den Hersteller aufgefordert freiwillig die Verpackung zu ändern, was allerdings sich dann erst in der nächsten Produktionsanpassung auswirkt. Aber ich wette das dies bei einem x-beliebigen anderen Produkt das ein Verbraucher ohne Fernsehbericht im Nacken, anmahnt nicht passiert.

Ich habe das schon gehasst als ich studiert habe, weil es weder einem Chemiker plausibel ist, noch dieser Tatbestand einem Verbraucher erklärt werden kann: Jeder wird wenn er den Wortlaut von §11 LFBG liest, dies als eine Täuschung ansehen: Ein Dessert gibt sich den Namen "Rote Grütze", also den eines etablierten Produktes, für das es Leitsätze mit vorgeschriebenen Qualitätsanforderungen gibt und enthält keine Frucht (vorgeschrieben >50 % für Grütze). Das bezeichnet jeder als Betrug oder Täuschung. Solche Beispiele sehr ich häufig. Selten so dreist, öfters mit völlig falschen Darstellungen oder irreführenden Fantasienamen.

Leider haben wir seit Jahrzehnten eine recht verbraucherfreundliche Bundesregierung. Der bisherige Tiefpunkt war Seehofer, aber bislang sieht man auch keine Besserung. Meine Meinung wäre es endlich an der Zeit den Verbraucherbegriff der Realität anzupassen: Nicht dem "aufgeklärten" oder "mündigen" Verbraucher, den es nicht gibt. Einfach deswegen weil die Materie für einen Verbraucher zu kompliziert ist. Sondern den "flüchtigen" Verbraucher zu nehmen: Welchen Eindruck vermittelt das Dessert wenn man es wie beim Einkauf ein paar Sekunden lang flüchtig anschaut, bevor man es in den Einkaufswagen packt? Und dann wäre auch Schluss mit vielen dieser Tricks und Unverschämtheiten.

Ansonsten war die Sendung recht gut. Es wurde zwar auch gefragt ob so viele Zusatzstoffe notwendig sind, aber zum einen auch der sinnvolle Einsatz gezeigt und an einem Stand konnten Besucher zwischen Produkten mit und ohne Zusatzstoffen wählen. Raten sie mal wie das ausfiel... Auch das zu recht gebrandmarkte Thema Lebensmittelimitate wurde aufgegriffen: Nicht nur das bei einigen Produkten die Fehlerquote bei 50 % lag (also reiner Zufall bei zwei Möglichkeiten zum Auswählen), sondern bei Käse und Feta bevorzugten auch rund 50 % der Verbraucher das Imitat aufgrund des Geschmacks. Das zeigt durchaus, dass es gute Gründe gibt warum diese Imitate eingesetzt werden - nicht nur preisliche.

Die Sendung wird am Samstag um 12:00 - 12:45 wiederholt. Hier ist die Website zum Thema.

Freitag 14.5.2010: Wiederverwendung in der Zwickmühle

Am Beispiel der Ariane 5 möchte ich heute mal zeigen wo das grundsätzliche Problem der Wiederverwendung liegt. Dabei will ich mich bewusst nur auf die erste Stufe konzentrieren. Zuerst einmal, warum nur die unterste Stufe? Es gibt mehrere Gründe dafür, technische und finanzielle. Fangen wir mit den Finanziellen an. Bei gleicher Technologie in den Stufen werden diese um so preiswerter, je kleiner sie werden. Der Zusammenhang ist zwar nicht linear, aber in der Regel ist die Oberstufe preiswerter als die Grundstufe (und bei drei Stufen gilt das gleiche). Die Ersparnis wird also immer kleiner.

Technisch ist die Sache sogar noch eindeutiger. Die Nutzlast nimmt bei Wiederverwendung stark ab. Gerät die Stufe in einen Orbit, so benötigt sie Treibstoff um sich selbst zu deorbitieren. Vor allem steigt die thermische Beanspruchung stark ab. Die Stufe benötigt einen Hitzeschutzschild, der bei den großen Tanks für Wasserstoff recht schwer wird und die Nutzlast dann stark reduziert (jedes Kilo das die Stufe mehr wiegt, reduziert die Nutzlast im gleichen Maße).

Bei der ersten Stufe ist die Sache viel einfacher: Sie nimmt den größten Teil der Rakete ein, also bei gleicher Technologie auch den größten Teil der Produktionskosten und die Abtrennung erfolgt bei niedriger Geschwindigkeit, woraus eine niedrige thermische Belastung resultiert. So ist kein oder nur ein geringer Thermalschutz notwendig ist. Ein erhöhtes Trockengewicht schlägt nur gering auf die Nutzlast durch (Typischerweise sinkt diese um 1 kg bei 10-15 kg höherer Trockenmasse)

Ich will nun mal ein konkretes Beispiel nehmen: Die Ariane 5. Die erste Stufe sind zwei Feststoffbooster. Sie ist ein gutes Beispiel für eine schon bei der Entwicklung auf Kosten optimierte Rakete, anders als die früher üblichen aufgemotzten militärischen Typen. Die Feststoffbooster haben mehrere Funktionen. Zuerst einmal sind sie die erste Stufe. Um den GTO Orbit zu erreichen, benötigte Ariane 5 bei der ursprünglichen Konzeption mit der EPS Oberstufe drei Stufen (mit zwei kryogenen Stufen, wie sie heute eingesetzt werden, würden auch zwei Stufen reichen). Der Hauptzweck der Feststoffboostern ist aber das sie Kosten bei der Zentralstufe sparen. Nehmen wir an, es gäbe eine Ariane 5 ohne Booster. Sie würde dann rund 220 t wiegen. Damit sie Abheben könnte benötigt sie drei Vulcain 2 Triebwerke, die am Boden einen Schub von 288 t entwickeln. Da die Feststoffbooster den Schub entwickeln, der für den Start notwendig ist und die Rakete bis zur Abtrennung Treibstoff verbraucht, ist sie bei der Abtrennung leichter und es reicht so ein Triebwerk. Da schon das Vorgängermodell Vulcain 1 in der Fertigung 15 Millionen Euro kostet, bedeutet dies eine Kosteneinsparung von 30 Millionen Euro.

Dabei sind die Booster selbst sehr preiswert. Daher bilden sie auch die erste Stufe: Viel Startmasse - geringe Kosten, Kennzeichen eines auf Kosten optimierten Konzeptes. Die ESA untersuchte eine Bergung und verwarf die Idee, da die Kosten für Bergung, Inspektion und Wiederaufarbeitung die Produktionskosten überschreiten. Es gibt leider keine konkreten Zahlen. Doch MT Aerospace, welche die Boosterhülsen fertigt und dazu noch die Tankdeckel und einige andere Teile hat einen Anteil an 10,5 % des Produktionsvolumens. Dazu kommen dann noch die Kosten für die Düsen, die Integration und Befüllung. So machen die Booster vielleicht 20-25 % der Gesamtkosten der Ariane 5 aus. (Persönliche Schätzung des Autors).

Ein Vorschlag für ein Ariane 5 Upgrade, ist das von der DLR ausgearbeitete Konzept der Liquid Flyback Booster. Das sind vereinfacht Booster auf Basis der Zentralstufe, mit jeweils drei Vulcain Triebwerken, Flügeln und einem Turbofanantrieb um zum Startplatz zurückzukehren. Die Abtrennungsmasse ist dreimal höher als bei den EPC, bedingt durch das Konzept zum Startplatz zurückzukehren, anstatt einfach nur zu wassern (was nur Fallschirme und Schwimmkissen / Airbags benötigt). So werden Flügel, ein Antrieb und Treibstoff für diesen benötigt. Bei einer fast gleichen Startmasse wie die Ariane 5 in der heutigen Form ist so die Trockenmasse jedes Boosters höher als bei den EAP und der Nutzlastgewinn ist gering und liegt nur bei etwa 1,5-2 t.

Wie schlägt dies nun auf die Startkosten durch? Die Booster kosten maximal 25 % der Rakete. Damit müssen nun zwei flüssige Stufen mit sechs Vulcain Triebwerken konkurrieren. Alleine diese haben einen Wert von 90 Millionen Euro, also doppelt so viel wie heute die Booster insgesamt kosten. Dazu kommen noch die Fertigungskosten für die Stufen selbst, die Flügel und der Antrieb. Diese Summe muss durch die Anzahl der Flüge geteilt werden. Dazu kommen weitere Aufwendungen für eine Inspektion, Ersatz nur einmal nutzbarer Systeme, Reperaturen etc. Die DLR rechnet mit sieben Einsätzen pro Boostern.

Es ist natürlich schwer abzuschätzen wie viel billiger dies werden wird. Meine Einschätzung: Nicht viel, vielleicht auch gar nicht, dann bleibt immerhin der Nutzen durch eine Nutzlast von 13 anstatt 11,5 t. Die Kostenfrage ist sicherlich das Problem eines wiederverwendbaren Systems. Beim Space Shuttle war offensichtlich, das die Kalkulation viel zu optimistisch war. Daraus hat man gelernt, aber es gibt trotzdem noch keine Erfahrungen wie teuer ein wiederverwendbares unbemanntes Gefährt wird, einfach weil außer dem Shuttle (bemannt!) keines entwickelt wurde, während es Dutzende von entwickelten Trägerraketen gibt.

In Europa wurden immerhin einige Studien in Angriff genommen wie Hopper. Ein wiederverwendbares Gefährt würde bei den meisten Studien die Transportkosten halbieren, dafür aber doppelt so hohe Entwicklungskosten erfordern. Übertragen wir dies auf Ariane 5: Das bedeutet Entwicklungskosten von 16 anstatt 8 Milliarden Euro und Flugkosten von 70 anstatt 130 Millionen Euro. Würde die ESA alle Raketen selbst nutzen, so wäre der Break-Even Point also nach 130 Trägern erreicht, bei 6 Starts pro Jahr also erst nach über 20 Jahren.

Das zeigt die grundsätzliche Problematik: Wenn Kosteneinsparungen entstehen dann amortisieren sie sich erst nach langer Zeit. Gerade Ariane 5 mit ihren höheren Entwicklungs- und Produktionskosten als geplant, zeigt dass schon eine konventionelle Rakete nicht die Erwartungen erfüllen kann. Bei einer Neuentwicklung ist es noch größer. Für die ESA kommt noch hinzu, dass sie die Entwicklungskosten zahlen muss, von den niedrigeren Startkosten aber vor allem kommerzielle Kunden profitieren. Die ESA führt nur etwa einen Start alle zwei Jahre selbst durch. Bei den USA würde sich ein solches System eher lohnen, da die NASA und Air Force zusammen etwa 10 Starts pro Jahr für  eigene Satelliten zusammen bekommen.

Trotzdem halte ich das LFBB Konzept für einen sehr guten Ansatz. Zum einen: Es ist kein neuer Träger, es ist ein Ersatz für ein System eines bestehenden Trägers bei dem viele schon entwickelte Komponenten erneut verwendet werden wie die EPC Tanks und Triebwerke (auch wenn die Studie von einem wiederstartbaren Vulcain 3 ausgeht). Die Entwicklungskosten sind dadurch überschaubar. Selbst wenn nun die Startkosten nicht geringer sind, so gibt es zumindest praktische Erfahrungen mit einem wiederverwendbaren System. Es gibt offensichtliche Synergien mit der Ariane 5 Produktion (mehr benötigte Triebwerke und EPC Stufen - höhere Produktionszahlen und dadurch geringere Stückkosten. Vor allem ist durch den geringeren Schub der Triebwerke auch eine Abwandelung denkbar - eine drei Booster Variante, die dann eine größere Nutzlaststeigerung bei nur geringfügig höheren Startkosten offeriert.

Man sollte es einmal probieren, anstatt an eine Ariane 6 zu denken.....

Samstag 15.5.2010: Miese Werbung

Es gibt ja Sendungen nur mit Werbespots - Aufwendigen, witzigen, überraschenden. Bei uns ist Werbung eigentlich ziemlich langweilig. Die guten Beispiele die mir einfallen sind alle schon alt, wie die "Super-Ingo" Serie eines Erdölkonzerns (ich glaube BEA) in den Neunzigern. Da ich etwas knapp an Blogthemen bin möchte ich einfach mal das Thema aufgreifen und meine Blogleser sich zu beteiligen mit Beispielen anderer schlechter Werbung. Vielleicht mache ich auch dann mal eine Serie mit guter Werbung.

Die absolut nervigste Werbung die ich kenne werden die meisten wohl nicht kennen, es ist die Radiowerbung von Saitenbacher die im SWR läuft. doch dank Youtube sind wir in er Lage allen Hörern dieses Glanzstück der Werbung zukommen zu lassen:

Also ich habe nichts gegen schwäbischen Akzent, ich finde das für eine regionale Werbung sogar sympathisch. Aber die Art wie die Werbung gemacht wird ist extrem nervig. In 16 Sekunden taucht der Produktname vier mal auf. Einmal wurde der Satz nur konstruiert um ihn nochmal zu sagen "Saitenbacher Müsli, des ischt des Müsli von dem Saitenbacher" - platter geht's nicht mehr. Dazu diese bevormundende Art.

Der Sprecher ist übrigens der Firmeninhaber selbst. Ich weis nicht was ihn geritten hat die Werbung so zu machen. Er meint offensichtlich dass eine Werbung um so wirksamer ist je öfters der Name des Produkts auftaucht. Nun ist das sicher nicht ganz falsch, doch wenn man es übertreibt, dann verärgert man die Leute. Die meiste Radiowerbung die ich kenne achtet darauf das der Spot mit dem Markennamen endet und nicht zu oft vorkommt. Dann die minimale Werbungsaussage, auch die findet man in anderen Spots der Firma (einfach auf Youtube mal suchen, die haben auch TV Spots gemacht). Selbst als der Chef noch nicht die Spots machte war die Aussage nur "Saitenbacher Müsli, lecker, lecker, lecker". Wahnsinnig. Wenn ich will das die Leute überhaupt zuhören, muss ich eine Geschichte im kleinen erzählen, einen Gag haben oder eine spannende Wendung - weggehört und in Gedanken abgeschweift ist schnell.

Das schlimme: Dieses Konzept läuft so seit ewigen Zeiten, ich denke mindestens ein Jahrzehnt. Bei der Homepage ist nicht besser. Sie nimmt auf meinem Monitor nur ein Drittel des verfügbaren Platzes ein - okay ich habe einen 24" Monitor, aber wenn die Werbung 50 % größer wäre, wäre sie immer noch klein genug für 10 Jahre alte 1024 x 768 Monitore. Dann ist nicht immer erkennbar was ein Link ist und was nicht. Ein Farbschema für einzelne Seiten wurde zwar gemacht, aber die einzelnen Tabellenteile werden durch Weiß getrennt, ähnlich wie der Rand immer weiss ist, das wirkt uneinheitlich. Dieser Eindruck wird auch durch die Bildauswahl und Textgestaltung nicht verbessert. Es sieht aus wie eine Zettelsammlung am Schwarzen Brett.

Dabei ist das Unternehmen nicht klein: Der Umsatz liegt bei 10-25 Millionen Euro, 120 Mitarbeiter werden beschäftigt (nach Wikipedia). Ich kenne selbst Privatpersonen die eine besser gestaltete Webseite haben (meine kann man nicht dazu zählen, aber sie ist ja auch in der Form über 10 Jahre alt).

Das ist mein Kandidat für echt schlechte Werbung. Was sind eure?

Vor Montag gibt es keinen neuen Blog, aber noch immer läuft das Musikrätsel.... Außerdem gibt es wieder lustige Neuigkeiten von SpaceX: Nun kann die Falcon 9 nicht starten, weil ihr Selbstzerstörungssystem noch nicht fertig ist. Das ist schon ungewöhnlich. Es ist das erste Mal, das ich höre, das dass Selbstzerstörungssystem einen Start verzögert. Ich wette die Falcon 9 hatte keines und sie kamen erst drauf, als die Air Force die Unterlagen über das Sicherheitssystem anforderte und dann haben sie auf die schnelle nichts bekommen... Tja die Raumfahrt Laienspieltruppe tappt weiter in neue Fettnäpfchen.


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