Home Site Map Sonstige Aufsätze Weblog und Gequassel counter

Web Log Teil 164 : 17.5.2010-23.5.2010

Montag den 17.5.2010: James Webb und NASA Administratoren

Sehr gerne vergessen werden die NASA Administratoren: Immer ist die Rede von Kennedys Aufruf zur Rückkehr zum Mond,. Reagans Aufruf Freedom zu entwickeln, Bushs Exploration Initiative und nun Obamas Plan. Wer sich die Reden anhört, stellt fest dass sie immer sehr wenig konkret sind. Das ist nichts besonderes bei Politikern. So stellte auch Merkel fest, das Deutschland seit Jahrzehnten über die Verhältnisse lebt (übrigens in den letzten 3 Jahrzehnten zu ¾ unter einem Kanzler/in der CDU....) ohne zu sagen was sich nun ändern soll.

Allerdings ist das Interesse der Politiker an einzelnen Projekten recht gering und die wirkliche Umsetzung bleibt dann den NASA Administratoren vorbehalten. Kennedy war in dieser Hinsicht eine Ausnahme, er besuchte mehrfach die Raumfahrtzentren, war interessiert an dem Programm und sprach auch noch später über das Apolloprogramm, z.B. die berühmte Rede an der Rice University. Aber die meisten Politiker hatten kein Interesse an dem Programm selbst. Ob Obama hier anders gestrickt wird sich noch zeigen. Er ließ sich zwar einiges im KSC zeigen, aber die Rede selbst war keine für die Presse sondern Beschäftigte des KSC. Das ist vorerst nur mal ein Antrittsbesuch.

Die eigentliche Hauptaufgabe der Administration obliegt den NASA Administratoren, die auch den Kurs der NASA für Jahre vorgeben. Es gibt hier Verwalter und manche stechen positiv oder negativ heraus. Wer erinnert sich noch an das "Faster, Better, Cheaper" Programm von Goldin? Es zeigte sich bald, dass es in der Form nicht geht. Fehlschläge häuften, sich vor allem wegen dem "cheaper". Doch es brachte die NASA wieder auf einen neuen Kurs - weg von wenigen großen Missionen hin zu mehreren kleinen. Das das Ersetzen durch lauter ganz kleine nicht klappte, ist eine der Erkenntnisse. Aber ich glaube nicht, dass die NASA heute so viele mittelgroße Missionen, sowohl in der Planetenerkundung wie auch im Erdorbit (Erdbeobachtung, Sonnenforschung, Astronomie) durchführen würde, hätte es das FBC Programm nicht gegeben. Denn davor startete die NASA wenige Missionen, die teuer und groß waren (Galileo, Cassini, MO, Chandrayaan, Spitzer, Compton, Hubble).

Der absolut schlechteste NASA Administrator den sie in der ganzen Geschichte hatte ist meiner Ansicht nach der unter Bush eingesetzte Griffin. Er hat das Constellation Programm in der heutigen Form umgesetzt, steht für die Ausmusterung der Shuttles und die Planung eines Betriebs der ISS nur bis 2015. Vor allem aber für einen Kahlschlag im NASA Budget. Was erwartet man von einem NASA Administrator? Das er das Beste für die NASA tut, und nicht den Mangel verwaltet. Ein guter Administrator hätte vielleicht gesagt: "Okay, Mr President. Sie wollen ein neues Mondprogramm. Das kostet 100 Milliarden Dollar, das wären dann für 15 Jahre jeweils 7 Milliarden Dollar mehr für die NASA". Stattdessen sagt er "Oh das können wir finanzieren indem wir den Shuttle und die ISS aufgeben und dann noch eine Milliarde pro Jahr zusätzlich". Entsprechend kam es auch. Bei der Einstellung des Constellationprogramms hatte sich der Zeitplan schon um vier Jahre verschoben, die Kosten waren explodiert und man hatte 9 Milliarden schon mal ausgegeben ohne irgendein Teil des Programmes auch nur ansatzweise fertiggestellt zu haben. Vor allem führte seine Politik zu einer Versorgungslücke bei der ISS und diese wäre wenn es so weitergegangen wäre nach nur 5 Jahren Betrieb mit voller Besatzung aufgegeben worden. Bei dem unbemannten Programm ist nun erst der Kahlschlag zu sehen. Da Raumfahrtprojekte Laufzeiten von typischerweise 4-6 Jahren für die Entwicklung und Bau haben, zeigt sich nun erst das die NASA ab 2006 kaum noch neue Missionen anging. Das zeigt sich bei den Planetenmissionen aber auch Forschungssatelliten. 2010 wird die ESA mehr Satelliten als die NASA starten - ein Unikum.

Das es anders geht zeigte James Webb. Viele würdigen dessen Leistung nicht genug. So verstand selbst ESA Missionsspezialist und Raumfahrtberichterstatter Michael Khan nicht warum die NASA ihr nächstes Teleskop "James Webb" nennt. Für viele steht er nur für das Apollo Programm. James Webb war NASA Administrator von 1961-1968. Er gab den Job auf, als die Wahl des nächsten Präsidenten anstand. James Web hat nicht nur das Apolloprogramm termingerecht durchgeführt, trotz des Feuers bei Apollo 1. Er hat sich nicht nur für das Programm stark gemacht und dafür gekämpft, dass es die Mittel bekam diese benötigte (nach seinem Weggang nahmen die Kürzungen die er aufhalten konnte dann rapide zu). James Web formte auch die NASA: Vorher war eine Konglomerat von rivalisierenden Forschungseinrichtungen wie das JPL, MSC, MFSC, Dryden Forschungszentrum. Er schuf daraus eine koordinierte Organisation, welche die gegenseitigen Konkurrenzbestrebungen mit Doppelentwicklungen, unnötigen Anschaffungen in mehreren Zentren weitgehen unterband. Dabei blieb die NASA agil und für ihre damalige Größe vergleichsweise unbürokratisch (obwohl die NASA heute bedeutend kleiner ist, ist sie erheblich träger und bürokratischer geworden).

Vor allem, und wahrscheinlich deswegen hat man das Teleskop nach James Webb benannt, steht er auch für eine Blütephase der unbemannten Raumforschung. In seiner Amtszeit wurden die Projekte OAO (die damals komplextesten Satelliten), OSO und OGO beschlossen und durchgeführt. Dazu kamen über 50 kleine Explorer Satelliten, die planetaren Raumfahrtprogramme Lunar Orbiter, Ranger, Surveyor, Mariner und Pioneer. Niemals später startete die NASA so viele Satelliten und Raumsonden. Natürlich war der Finanzbedarf des Apolloprogramms dominierend. Aber es beschnitt nicht das unbemannte Programm - ganz im Gegensatz zu den vergleichsweise kleineren Programmen Space Shuttle und Constellation.

Meine Meinung: Man hat mit James Webb sicher das Teleskop nach dem fähigsten NASA Administrator benannt. Ob man ein Teleskop nach einem NASA Administrator benennen sollte ist eine andere Frage, aber wenn, dann hat man sicher die richtige Wahl getroffen.

Ansonsten will ich heute mal mit was neuem Beginnen: Einem kommentierten Musiktipp. Ich habe ja schon immer wieder mal einen Musiktipp eingestreut, wenn's zum Thema gepasst hat, oder er mir irgendwie in den Sinn kam. Das Echo war na sagen wir mal zurückhaltend. Vielleicht ändert sich das wenn das eine feste Rubrik wird. Zudem gibts auch immer eine kleine Geschichte dazu. So nähgere ich mich langsam mal den konventionellen Blogs an, in den die Autoren viel über sich erzählen, nun ja viel wird es nicht werden, aber ihr lernt wenigstens was über meinen Musikgeschmack.

Ich fange an mit Hello goodbye von den Beatles. Die Beatles sind meine absolute Lieblingsgruppe, obwohl sie als ich sie für mich entdeckte (ich glaub da war ich so 11-12) schon längst nicht gab. Mein Bruder überspielte mir das blaue und rote Album auf Kassette und das habe ich rauf und runter gehört. Später kaufte ich mir alle Cassetten (Plattenspieler oder Stereoanlage hatte ich als Jugendlicher nicht), die mir dann mit 15 geklaut wurden. Auch heute habe ich noch einige Beatles CD. Beatles Musik gehört zu der Musik die mich aufmuntert, fröhlich macht oder tröstet. Ein paar Lieder kann ich auch mitsingen und tu das auch gerne (allerdings fast nur die Songs die für Ringo geschrieben wurden, denn auch mein Stimmumfang ist nicht sehr groß). Ich fange heute an mit Hello Goodbye, weil das Video sehr bekannt ist wegen den poppigen Kostümen und das Lied ein echt fröhliches Lied ist, das man bei einem so trüben Wetter brauchen kann. Das Video stammt aus dem Film "Magical Mystery Tour", der für das Weihnachtsprogramm der BBC 1967 produziert wurde und bei den Kritiken ziemlich durchfiel. Paul meinte, er wäre wohl nicht so schlecht gewesen, aber sicher nichts für den 24.sten Dezember.... Im Fernsehen habe ich ihn anders als dei drei Beatles Filme nie gesehen. Schade, ich hätte mir gerne ein eigenes Urteil gebildet.

Dienstag 18.5.2010: Vitamine sind tödlich!

Das ist das Ergebnis einer Metastudie (dies ist eine Studie die wiederum viele andere Studien auswertet und nach Gemeinsamkeiten sucht, die nicht so deutlich in jeder Einzelstudie hervortreten), die 2007 an der Universität von Kopenhagen durchgeführt wurde. Demnach erhöhen die Vitamine Beta Carotin, A und E die Sterblichkeit um 9 %. Bei Beta Carotin beträgt sie 4 %, bei den Tocopherolen  7 % und bei Vitamin A 16 %. Das kam in der Sendung "45 Min", letzten Dienstag. Die Sendung befasste sich dann die ganze Zeit über Sinn oder Unsinn der Vitaminpräparate. Ein guter Ansatz, nur fehlte nur etwas die Information. Es ging mehr darum anzuprangern, dass es wirtschaftliche Interessen gibt, Vitaminpräparate herzustellen und zu vertreiben und es auch Wissenschaftler gibt, welche diese Interessen fördern. Nun ja das ist nichts neues. Es gibt im Gesundheitswesen so viele Experten mit unterschiedlichen Ansichten das es möglich ist für jede Meinung einen leidenschaftlichen Vertreter zu finden.

Nur: So neu ist die Erkenntnis nicht. Nur weil Vitamine die Vorsilbe "Vita" für Leben tragen heißt es ja nicht, dass jede Menge unbedenklich ist. Seit langem ist bekannt, dass es Hypervitaminosen gibt. Allerdings sind ausgeprägte Symptome nur bei fettlöslichen Vitaminen bekannt. Das liegt darin, dass überschüssige Mengen an wasserlöslichen Vitaminen leicht ausgeschieden werden können, während dies bei fettlöslichen Vitaminen nicht so einfach möglich ist. Daher verwundert es auch nicht, dass die Mortalität bei fettlöslichen Vitaminen anstieg und auch in der Reihenfolge anstieg in der die Hypervitaminosen bekannt sind. Die deutlichsten Symptome gibt es bei Vitamin A. Die Wirksamkeit von hohen Dosen an Vitamin C konnte die Studie mit 230.000 Teilnehmern übrigens nicht belegen. Aber es schadet auch nicht.

Vitamine sind vergleichbar anderen Nahrungsbestandteilen: Es gibt eine Optimalmenge und wie jeder Stoff gilt auch Paracelsius Satz: "Es gibt nichts was kein Gift ist, alleine die Dosis macht das etwas kein Gift ist". Wenn jemand große Mengen an Vitaminen schluckt, dann macht er das auf eigenes Risiko, genauso wie wenn er sich jeden Tag Schmerztabletten einwirft. Das die großen Dosen keinen positiven Effekt haben, ist schon lange bekannt und das Risiken resultieren, wenn man etwas übertreibt sollte einem der gesunde Menschenverstand sagen.

Die eigentliche Problematik wurde leider erst im letzten Drittel der Sendung angeschnitten: Die immer mehr zunehmende Vitaminisierung von Lebensmitteln. Es fing an mit Bonbons, um sie besser zu verkaufen ("Vitamine naschen"), dann zogen die US Produkte nach bei denen es ja schon eine Vitaminmannia gab und (Müslis, Cornflakes, Softdrinks). Das Problem dabei: es werden immer mehr Produkte, denn Vitamine sind billig und werbewirksam. Solange das nur wenige Produkte waren, war es unproblematisch. Denn aufgrund der besseren Werbewirksamkeit wird meistens so viel zugesetzt, dass eine Portion den Tagesbedarf deckt. Was passiert aber, wenn man mit dem Müsli den Tagesbedarf zu sich nimmt, dann nochmal den Tagesbedarf mit der Cola, ein weiteres Mal mit den Bonbons über den Tag usw...? Schon heute ist es bei entsprechender Produktauswahl möglich, über diese vitaminisierten Produkte den Tagesbedarf mehrmals zu decken. Ich denke es gibt keine Studien, die belegen, was passiert, wenn man dies sein Leben lang tut. Ich vermute solange es nicht extrem hohe Dosen sind, keine negativen Auswirkungen bei wasserlöslichen Vitaminen, eben weil überschüssige Vitamine wieder ausgeschieden werden. Doch meine ich, sollte man nichts riskieren, vor allem weil die Überdosierungen ja auch keinen Nutzen bringen.

Meine Meinung: Die Vitaminsierung sollte bezogen werden auf den Gesamtnährwert: Wenn eine Müsliportion 1500 kJ aufweist und man von einem Tagesbedarf von 9000 kJ ausgeht, dann dürfen maximal ein Sechstel des Tagesbedarfs zugesetzt werden. Dazu gibt es ja noch immer den natürlichen Vitamingehalt. Aber ich glaube es wird weder eine gesetzliche Regelung geben, noch eine freiwillige Selbstbeschränkung - weil es eben "Vitamine" sind. Dabei ist der Name ein Relikt aus einer Vergangenheit, als man nichts über die chemische Natur und die biologische Funktion wusste: Bekannt war nur, dass die Stoffe offensichtlich lebensnotwendig waren und die damals bekannten eine Aminogruppe enthielten - daher der Name von "Vita" (Leben) und "Amin" für die Aminogruppe....

So heute nun der zweite persönliche Musiktipp: Diesmal ist es "Psycho Killer" von den Talking Heads. Ich höre den Song ab und an wenn mir ein Problem nicht aus dem Kopf geht oder ich das Gefühl habe, jemand versucht sich bei mir als "Psycho-Killer". Zum Glück ist das letzte Mal schon einige Jahre her. Die Talking Heads sind eine besondere Band, auch weil sie unkonventionelle Musik machten. Warum ich das Lied aber gewählt habe, hat einen anderen Grund: Ich habe den Film "Stop making Sense" im Sommerprogramm 2009 bei ARTE gesehen. Mir gefiel die Performance: Nur der Leadsänger mit Gitarre und die Backgroundmusik vom Kassettenrecorder.... Vor allem es ist gut, fast besser als wie bei der Platte, während sonst Popgruppen ziemliche Probleme haben, live das hinzubekommen was im Studio produziert wird.  Dann noch der Anzug: Mit so was liefen die Sänger in den späten Fünfzigern bis frühen Sechzigern rum. Anfang der achtziger trug fast keiner mehr Anzug und wenn dann nicht so was popliges wie es David Byrne anhat, sondern eher edlen Zwirn wie damals Robert Palmer. Dazu die minimalistische Aufmachung, das stand schon damals im krassen Gegensatz zu damaligen Bühnenshows. Also: Der Clip ist echt sehenswert!

Mittwoch, 19.5.2010: Zehn Tage im Mai

Am 14.5.1973 startete Skylab-1 mit der drittletzten Saturn V Trägerrakete. Die beiden weiteren verbliebenen Exemplare wanderten ins Museum.

Nach dem Start fehlte im Orbit die Rückmeldung über das Ausfahren der Solarzellen des Orbitalworkshops (OWS), dafür gab es eine über das Ausfahren des Mikrometeoritenschilds – 30 s zu früh! Vor allem stiegen die Temperaturen an Bord rapide an - innerhalb von wenigen Stunden auf 90 °C an der Wand und später bis zu 54 Grad im Inneren der Station. Eine spätere Analyse zeigte, dass in der 60-sten Sekunde nach dem Start, als die Rakete die Schallgrenze durchbrach, das Problem begann. Innerhalb von 3 s entrollte sich vorzeitig der Mikrometeoritenschutzschild. Dabei nahm er einige Halterungen des Sonnenflügels mit. Dadurch konnte auch dieser sich entfalten – zumindest Flügel 2, der nun lose war. Nach dem Ausbrennen der zweiten Stufe durchtrennten deren Absprungraketen der S-II dann die Befestigung eines der Solarpaneele, während das andere durch ein durch ein verbogenes Aluminiumblech geschützt wurde. Sie verhinderte aber auch das Entfalten des zweiten Flügels.

Die Folgen waren gravierend: Zum einen fehlte nun die Stromversorgung aus den beiden Solarpaneelen, die am OWS angebracht waren. Skylab hatte nun nur noch 35-40% der nominellen Stromversorgung und es war nicht sicher, ob sie vollständig wiederhergestellt werden könnte. Vor allem aber war es zu heiß in ihr. Der Mikrometeoritenschutzschild befand sich nicht direkt auf der Hülle, sondern 12 cm entfernt. Er absorbierte also Sonneneinstrahlung, ohne sie an die Außenhülle weiterzugeben. Das erzeugte eine Folge von weiteren Problemen. Die Kunststoffe gasten nun aus und mehrfach musste die Atmosphäre an Bord ausgetauscht werden.

Nach dem Positionieren in einer Lage, die möglichst wenig der Stationsoberfläche der Sonne aussetze, waren die Innentemperaturen immer noch bei noch bei 43 °C. Nun erarbeitete die NASA ein zweistufiges Konzept: Die erste Mannschaft sollte ein die Situation klären,die Stromversorgung wiederherstellen und ein einfaches Segel von 6 x 6 m Größe mit Teleskopstangen ähnlich einer Angelrute entfalten. Das Hauptproblem war es das Paket so zu falten, dass es in die 22 x 22 cm große Luftschleuse an der Seite des OWS passte. Später sollte dann ein größeres Segel im All montiert werden, bestehend aus 1,50 m langen Stangen, die mit Karabinerverschlüssen verbunden waren. Bestehend aus 11 Stangen war jedes der beiden Doppelstangensegel 16.5 m lang. Es bildete ein rechteckiges Segel, dass den ganzen OWS abdecke. Zusammen mit einer Mylarfolie von 20 kg Masse, bestrichen in einer UV-beständigen Farbe wog das gesamte Paket 50 kg.

Hektisch begannen nun die Vorbereitungen für die erste Mannschaft, die mit der Mission Skylab 2 zur Station aufbrechen sollte. Ursprünglich sollte dieses am Folgetag starten. Dies wurde nun um 10 Tage verschoben. In Houston wurde das Konzept des Parsols entwickelt. Dies war das provisorische Sonnensegel, bestehend aus dünnen, biegsamen Streben, verbunden mit Klappfedern und überzogen mit einer goldüberzogenen Mylarfolie. Vier Streben bildeten ein 6,40 x 6,40 m großes Segel. Es entfaltete sich durch die Federn nach Verlassen der Luftschleuse. Bedingt durch deren Abmessungen war aber nur eine dünne Folie möglich, die zudem nicht die ganze Oberfläche bedecken würde.

Die Astronauten trainierten nun im MSFC in Huntsville an einem Skylabmodell im Neutralauftriebsimulator von 23 m Durchmesser und 12 m Tiefe. Vor allem die Befreiung des Solarzellenflügels stand im Vordergrund. Verschiedene Schneidwerkzeuge, Verlängerungen und Techniken wurden probiert. Parallel wurde das „Marshall Spinnaker“ Segel erst von rund 80 Ingenieuren in 6300 Arbeitsstunden in zwei Arbeitsschichten innerhalb von sechs Tagen entwickelt. Es fanden Tests der Stangen statt und bei ILC Industries wurde die Mylarfolie genäht, mit der Spezialfarbe S-136 bestrichen und auf eine Nylonbasis genäht.

Am 23.5.1973 flogen Schneidwerkzeuge und beide Sonnensegel zum Kennedy Space Center, wo sie in der Apollokapsel verstaut wurden. Am 25.sten starteten dann Witz, Kerwin und Conrad zu Skylab. Eine weitere Verspätung hielt der Flugdirektor angesichts der alarmierenden Daten über den Zustand der Station für nicht vertretbar. Schon die ersten Bilder der Station, aufgenommen mit einer TV-Kamera schockierten am Boden: Die Solarzellenflügel waren nicht nur nicht entfaltet! Es fehlte sogar Flügel 1.

Vor dem Andocken versuchte Kerwin, nachdem sich die Kommandokapsel bis auf 1 m an die Station näherte, von der geöffneten Luke aus den Flügel zu entfalten, kam aber trotz verlängerten Schneidwerkzeugen nicht an die Lasche heran. Auch das Ankoppeln klappte zuerst nicht. Elektrische Verbindungen kamen nicht zustande und mussten von den Astronauten handverdrillt werden. Am nächsten Tag wurde die Luke geöffnet und durch die Luftschleuse der Parasol entfaltet. Dies klappte reibungslos und das Heck des OWS war nun vor Sonneneinstrahlung geschützt und innerhalb von Stunden sanken die Temperaturen von 43 auf 27 Grad Celsius und blieben dann stabil über die Skylab-2 Mission. Eine Entfaltung des Marschall Spinnackers, der auch mitgeführt wurde, sagte die Missionskontrolle ab, nachdem nun schon das Entfalten des Paneels nicht geklappt hatte und es Probleme beim Ankoppeln gab. Dies sollte die zweite Besatzung durchführen, die nun mehr Zeit hatte dieses aufwendige und kritische Manöver zu erproben.

Doch nach wie vor hatte Skylab zu wenig Strom. Sein Betrieb war dadurch eingeschränkt und dies war keine akzeptable Lösung. So machte Pete Conrad den Vorschlag, nochmals zu versuchen, den Flügel zu entfalten. Diesmal von der Außenseite des OWS aus. Das war riskant: Die scharfen Kanten der Halterung könnten den Raumanzug beschädigen und aufgrund der Position des Flügels war Conrad außerhalb des Sichtbereiches von Kerwin in der Luftschleuse. Er war nur gesichert durch die Verbindungsleine. Auch diesmal klappte es zuerst nicht. Die Abtrennung wurde mit der um 7,5 m verlängerten Blechschere durchtrennt. Das klappte sehr gut. Die Astronauten konnten die Schere über einen Seilzug fern betätigen. Jedoch: der Flügel entfaltete sich nicht. Das Dämpfergestänge mit einem hydraulischen Stoßdämpfer war in der Kälte des Raums eingefroren. Nun stemmte sich Conrad zwischen OWS und Flügel und richtete sich auf und mit der Muskelkraft brachte er die Kraft auf, den Flügel zu entfalten – wobei er durch den Impuls ins all hinausgetrieben wurde. Kerwin zog ihn dann mit der Verbindungsleine zurück in die Luftschleuse.

Skylab hatte nun genügend Strom um die Experimente durchzuführen – und auch für eine Dusche für die Astronauten, die Erste nach 12 Tagen. Es blieb der zweiten Besatzung vorbehalten das endgültige Schutzsegel zusammenzubauen und anzubringen. Das funktioniere nach ausgiebigem Training reibungslos und wurde am 7.8.1973 am zehnten Tag der Skylab-3 Mission durchgeführt. Es senkte die Innentemperaturen auf wohnliche 22 Grad. Damit war aus einer fast verlorenen Raumstation eine behagliche Bleibe im All geworden.

So, nun zum Musiktipp für heute. Es ist "More than a Feeling" von Boston. Mich erinnert es an eine Zeit in der ich mal verliebt war und das Lied auch meine Gefühle ausdrückte. Damals hörte ich das und "Don't Stop me now" von Queen jeden Tag ein paar mal. Siebzehn Jahre später habe ich als mich für diesen Blog nach Erinnerungen kramte, nicht mal an den Nachnamen der Dame erinnern können. immerhin an den Geburtsmonat. Das ist irgendwie symptomatisch für mich: An Gesichter und Namen kann ich mich kaum erinnern, aber ich habe kein Problem mit Zahlen und vor allem verbinde ich oft Musik mit Ereignissen. (Deswegen auch diese Rubrik). Gestern hörte ich beim Schwimmen wieder das Lied und wurde sofort wieder an das Jahr 1993 erinnert.


Die fünfte Kolonne Washingtons

Mit dem Ausdruck "Fünfte Kolonne Moskaus" hat in den achtziger Jahren CDU Generalsekretär Geisler gerne die SPD belegt. Der Ausdruck "Fünfte Kolonne" ist zwar gängig, aber es ist so ein Ausdruck wie "dritte Welt". Keiner weiß was denn nun die "zweite Welt" ist oder wer die anderen vier Kolonnen Moskaus sind. Wie ich inzwischen erfuhr, gibt es diese erste vier Kolonnen nicht.

Aber machen wir mal einen Schwenk von Osten nach Westen. Viel aggressiver als Russland betreiben die USA die Verbreitung ihres Gesellschaftssystems. Mal sehen ob ich die fünf Kolonnen Washingtons zusammenbekomme:

Das ist nicht neu. die Kulturinvasion gab es schon in den achtziger Jahren. Damals entstand mein heutiger Musiktipp "Keine Heimat" von Ideal. Anette Humpe sagte damals sinngemäß in einem Gespräch, dass sie sich wunderte warum immer die Angst vor dem Osten geschürt wurde, während McDonalds Filialen wie Pilze aus dem Boden schossen.

Heute ist dies viel schlimmer. Kann man noch kultureller Invasion in Maßen entgehen indem man nicht diese "Restaurants" besucht, sich nicht wie ein Neger aus dem Getto kleidet, so wird es schwierig wenn der neoamerikanische Imperialismus die Wirtschaft erreicht und Arbeitsschutzgesetze wegfallen, Kündigungsfristen gelockert werden. Inzwischen hat ja schon der Staat davor kapituliert und redet von "Jobbörse" - auch die Vorstellung jeder könnte jede Arbeit machen ohne qualifiziert zu sein, stammt ja aus Amerika, wo es nur "Job" heißt.

Inzwischen ist jeder betroffen, wenn US-Spekulanten nun EU Staaten in den Ruin treiben und als Folge es zu Geldentwertung, Inflation und höheren Steuern kommt. Der amerikanische Langezeitplan Europa in ein riesengroßes Disneyland umzuwandeln scheint voll aufzugehen. Heute Amerika und morgen die ganze Welt oder wie es die Amerikaner sagen "Am amerikanischen Traum kann die ganze Welt genesen". Kommt einem bekannt vor oder?


Sitemap Kontakt Neues Impressum / Datenschutz Hier werben / Your advertisment here Buchshop Bücher vom Autor Top 99