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Web Log Teil 168: 1.6.2010-5.6.2010

Dienstag den 1.6.2010: Lenamannie und Köhlers Rücktritt

Inzwischen bin auch ich angesteckt von der Lenamannie. Wurde sie ja schon im Vorfeld als Favoritin bei den Buchmachern genannt, kam mit ihrer Art sehr gut an und wurde von Talkshow zu Talkshow weitergereicht, so hielt ich erst mal den Ball flach: Wie oft hatten wir schon in den letzten Jahren gute Lieder und sie fielen durch. egal ob von Max Mutzke, Texas Lighning oder Roger Cicero. Das ganze Brimborium um die "Nationalaufgabe Eurovision" oder "Unser Star für Oslo" kam mir da etwas suspekt vor. Sicher das Lied ist gut, es gefällt mir und Lena macht einen sehr sympathischen Eindruck, aber was passiert wenn es wieder durchfällt? Den Wettbewerb nicht ernst nehmen wenn wir verlieren und sich freuen wenn wir gewinnen. Dasi ist mein Motto. (So halte ich es auch im Sport).

Aber Lenas Auftritt als Siegerin ("Ich quatsch einfach mal weiter" - "Must i sing now?") hat mich dann doch überzeugt. Und es war schön mal wieder die Worte "Germany douze points" zu hören. Das habe ich auch zusammengeschnitten (siehe Video). Nun werden schon Rufe laut, sie soll den Titel verteidigen. Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Zum einen ist es noch ein Jahr hin und da kann viel passieren. Zum andern weiss ich nicht ob es so intelligent ist. Sie kann ja nun nur noch verlieren - sie ist schon ESC Gewinnerin und ich glaube nicht dass wir zweimal hintereinander gewinnen. Aber auf der anderen Seite macht sie einen so entspannten Eindruck und so unbeeindruckt von dem Trubel, dass sie wahrscheinlich das nicht juckt wenn sie nächstes Jahr nicht so gut abschneidet. Wenn sie in einem Jahr noch so ist wie heute, sympathisch, nett ein bisschen verrückt - warum nicht?

Dann ist noch Horst Köhler zurückgetreten. Ich war ganz baff. Ich habe nicht mal im Vorfeld etwas gehört von irgendwelchen Äußerungen und einer Kritik daran. Ich kann auch nicht glauben dass dies der Grund ist. Vielleicht will er auch nur den Bettel hinschmeißen und nicht verknüpft werden mit einer Regierung die mit vollen Händen das Geld zum fenster rausschmeißt. Es ist doch immer das gleiche: Die Leute die noch Ehrgefühl und Gewissen haben treten wegen irgendwelchen Kleinigkeiten zurück. Die Unfähigen und Polemischen bleiben im Amt. Ob es Oettinger mit seiner Titulation von Filbinger als Nazigegner ist, oder die unqualifizierten Äußerungen von Westerwelle sind (der könnte meiner Meinung nach wegen dem Stuss den er redet alle paar Wochen zurücktreten) oder die Hetze von Koch war (der ja nun Ausschau hält nach einem Job wo man sich mit lächerlichen 14.000 Euro pro Monat zufrieden geben muss) - keiner dieser Politiker ist zurückgetreten.

Man sollte das regeln. Wie ein Zwangsrücktritt aufgrund mangelnder Nachdenkfähigkeit. Aber wahrscheinlich läuft es dann ja eh auf eine Abstimmung raus bei der alle die an der Regierung sind alles tun, damit ein Repräsentant nicht zurücktritt.

Das Video heute: Von mir zusammengeschnitten alle 8+ Punktwertungen beim ESC.

Mittwoch 2.6.2010: Die ideale Rakete für jeden Fall

Eine Konsequenz der Raketengrundgleichung ist, dass abhängig von der nötigen Endgeschwindigkeit unterschiedliche Stufenverhältnisse herauskommen, wenn die Startmasse minimal sein soll. Bei Trägern mit ungefähr gleichen spezifischen Impulsen, ist die beste Lösung die wenn die einzelnen Stufen jeweils den gleichen Bruchteil der benötigten Geschwindigkeit aufbringen. Bei unterschiedlichen spezifischen Impulsen sollte die mit dem höheren auch einen höheren Anteil erbringen.

Die Trägerrakete mit der niedrigsten Startmasse ist daher zumindest bei gleichen großem spezifischem Impuls leicht zu berechnen: Man teile die Endgeschwindigkeit durch die Anzahl der Stufe und erhält die pro Stufe nötige Endgeschwindigkeit. Aus dieser kann man das Voll/Leermassenverhältnis errechnen. Daraus kann man iterativ ausgehend von der letzten Stufe die Startmasse berechnet werden, indem man eine Schätzung der Voll/Leermasse macht, das Voll/Leermasseverhältnis der letzten Stufe bestimmt, darauf basierend eine bessere Schätzung bis man das ideale Voll/Leermasseverhältnis der letzten Stufe errechnet hat. Dann wiederholt man dies bei der nächsten Stufe usw.

Die folgende Tabelle enthält die Daten für so berechnete "ideale" Raketen mit einem Voll/Leermasseverhältnis für jede Stufe von 12:1 und einem spezifischen Impuls von 3100 (typisch für die Verwendung von LOX/RP-1). Einmal eine optimierte Rakete für einen niedrigen Erdorbit (7800 m/s + 1.600 m/s Verluste) und einmal für Fluchtgeschwindigkeit (11.000 m/s + 1.600 m/s Verluste). Die Nutzlast soll einmal 8.000 und einmal 2.000 kg betragen, das führt zu in etwa gleichen Startmassen.

Das sind die Träger in Spalte 2 und 4. (Erkennbar an fast gleichen voll/Leermasseverhältnis in allen drei Stufen) Nun kommt das Experiment: Man berechnet jeweils die Nutzlast für die andere Geschwindigkeit. Das Ergebnis findet man in Spalte 3 und 5. Da die Startmassen um etwa 13 % differieren ist wichtiger der Nutzlastanteil: Er liegt bei dem niedrigen Erdorbit bei 2,57 und 2,44 % - das ist noch kein großer Unterschied, aber bei Fluchtgeschwindigkeit sind es schon 0,57 zu 0,46 %, also 24% weniger als bei optimaler Stufenauslegung.

Der Unterschied wird immer größer je höher die Differenz der Endgeschwindigkeiten wird. Wir auch ersichtlich ist vor allem der Unterschied bei der letzten Stufe ausgeprägt, was auch nicht so verwundert.

Heute wird ja eine Rakete meistens schon für eine bestimmte Geschwindigkeit optimiert, z.B. den GTO Orbit. Bedingt durch meist eingesetzte kryogenen Oberstufen mit hohem spezifischen Impuls ist dann der Leistungsverlust bei anderen Anforderungen nicht besonders groß. Früher war dies anders und dann wurden auch Oberstufen für eine bestimmte Mission optimiert. Ein Beispiel ist der Einsatz der Atlas mit der Agena Oberstufe für Erdorbitmissionen und der Centaur für Fluchtmissionen - bei Erdorbitmissionen bringt die Centaur nur wenig mehr Nutzlast, ist aber erheblich teurer. Bei Fluchtgeschwindigkeit ist sie dagegen dreimal höher.

Heute sind die Fälle wo eine Rakete durch eine neue Oberstufe einen beträchtlichen Leistungsgewinn verbuchen kann eher gering. Beispiele sind die Ariane 5 (viel zu kleine EPS Oberstufe mit nur mittelhohem spezifischen Impuls) oder die Zenit 3 - die wegen zwei Stufen mit nur mittelenergetischem Treibstoff normalerweise keine nennenswerte GTO Nutzlast aufweisen würde und daher sehr von einer dritten Stufe profitiert.


Variante 1 optimiert für Erdorbit
Variante 1 optimiert für Fluchtgeschwindigkeit
Zielgeschwindigkeit 9400,00 12600 12600,00 9400,00
pro Stufe: 3133,33 4200,00 4200,00 3133,33
Nutzlast: 8000,00 1430,00 2000,00 8600,00
Voll/Leermasseverhältnis: 2,84 4,06 4,06 2,84
Stufe 3 Leergewicht: 1608,33 1608,33 775,00 775,00
Stufe 3: Startgewicht: 19300,00 19300,00 9300,00 9300,00
Stufe 3: spez Impuls: 3000,00 3000,00 3000,00 3000,00
Stufe 2 Leergewicht: 5500,00 5500,00 4375,00 4375,00
Stufe 2: Startgewicht: 66000,00 66000,00 52500,00 52500,00
Stufe 2: spez Impuls: 3000,00 3000,00 3000,00 3000,00
Stufe 1 Leergewicht: 18833,33 18833,33 24166,67 24166,67
Stufe 1: Startgewicht: 226000,00 226000,00 290000,00 290000,00
Stufe 1: spez Impuls: 3000,00 3000,00 3000,00 3000,00
Voll/Leer 3 2,84 6,82 4,07 1,91
Voll/Leer 3 2,84 3,31 4,07 3,16
Voll/Leer 3 2,85 2,96 4,02 3,81
V3 3132,77 5760,82 4212,46 1940,26
V2 3136,17 3587,69 4211,06 3452,18
v1 3139,33 3258,09 4175,32 4013,73
Endgeschwindigkeit: 9408,27 12606,59 12598,84 9406,18
Startgewicht: 311300 311300 351800 351800
Nutzlastanteil: 2,57 0,46 0,57 2,44

Donnerstag 3.6.2010: Brauchen wir einen Bundespräsidenten?

Ich habe mur den Blog von Herrn Ohlsen durchgelesen und muss ihm recht geben. Eigentlich brauchen wir keinen Bundespräsidenten. Er hat keine echte Macht und repräsentiert nur. Nach der Argumentation von ihm könnte man das Amt getrost abschaffen. Nun ja, nun gibt es auch andere Dinge. Der Staat hat viele Dinge, die er nicht wirklich braucht nur um Eindruck zu machen, genauso wie Privatpersonen. In dem Sinne ist ein Bundespräsident genauso Luxus wie der Amtssitz des Kanzlers, der wohl nach Kohls Eingebung an ein Schloss erinnern sollte oder manch anderes öffentliche Bauvorhaben oder die Beteiligung an Weltausstellungen und Expo bei denen Pavillons nach einigen Monaten abgerissen werden.

Schlussendlich leisten sich auch zahlreiche europäische Länder noch Monarchien - die dort auch nichts zu sagen haben und nur repräsentieren sollen. Die sind sicher noch ein bisschen teurer als unser Bundespräsident. Allerdings gibt es auch Unterschiede: Sie sind glamouröser. Sie haben Konstanz (es gibt nicht dauernd neue Wahlen). Es gibt Skandälchen und sie ernähren einen ganzen Blätterwald. Das alles bietet unser Bundespräsident nicht. Er ist ehrlich gesagt langweilig. Vor allem der letzte.

Das ist ein Gesichtspunkt der fürs Abschaffen spricht. Für mich wichtig ist ein zweiter. Es ist eigentlich ein Amt, dass wegen seiner Bedeutungslosigkeit gerade zu nach einer direkten Wahl vom Volk schreit. Sie wissen ja: In Deutschland wird das Volk von Politikern gefürchtet. Es bringt so viel durcheinander, wenn es alle vier bis fünf Jahre wählen darf. Das sieht man jetzt gerade wieder in Nordrhein-Westfalen.... Daher dürfen selbst die Politiker die direkt (und nicht über die Landesliste) gewählt wurden, nicht nach ihrem Gewissen abstimmen, sondern nur so wie der Parteivorsitzende entscheidet. Noch erstaunlicher ist, das bei der Bundesversammlung wo Parteien dann einige Promis für sie abstimmen lassen. Nicht mal da stimmen die Promis nach ihrem Gewissen ab. Zumindest für ein Amt, dass politisch völlig bedeutungslos ist und für das man genauso viel leisten muss wie für einen Doktortitel den man auf ebay kauft, nämlich gar nichts könnte man mal das Volk abstimmen lassen.

Wenn ich dann höre, dass es eine Brüskierung dieser Regierung ist, das Köhler zurücktrat, weil ihn Merkel und Westerwelle bestimmt haben, dann ist es ja nicht mal ein unabhängiges Amt sondern nur eine Marionette der Regierung (was die fehlenden Äußerungen zu der Krise und den Aktionen von Merkel & Fönwelle erklärt). Nun soll die nächste Marionette dran kommen, wie man munkelt Zensursala von der Leidensmiene. Jemand. der mehr Ahnung vom Kinderkriegen als der Bedeutung des Internets hat. Echt super! Da können wir uns schon auf richtig intelligente Ansprachen freuen und Kritik an der Regierung wird's erst recht nicht geben.

Herr Ohlsen hat recht: Das Amt ist überflüssig. Zeit es abzuschaffen. Nur einen weiteren Jasager brauchen wir wirklich nicht. Bundespräsidenten wie Weizesäcker die auch kritisch zu der Partei sich geäußert haben die sie wählen ließ gab es ja in den letzten Jahren nicht mehr. Nur austauschbare, stromlinienförmige Statisten.

Freitag 4.6.2010: Die Formel für die WM

Gestern sah ich bei der Sendung "Bauerfeind" einen Beitrag über Metin Tolan. Der Physikprofessor interessiert sich auch für Fussball, Startrek und James Bond. Er hat ein Formel entwickelt um die Platzierung der deutschen Mannschaft bei der WM zu errechnen. Sie lautet:

P(n) = (A+1/2)+(A-1/2)*cos((2*π/B)*n)

Mit

n = 16
B = 4.5
A = 3.7

Ich habe die Formel mal geplottet und den tatsächlichen verlauf ab 1934 (bei der WM 1930 und 1950 waren wir nicht dabei) angegeben. N wird offensichtlich nur hochgezählt wenn wir bei einer WM dabei sind, denn sonst läuft die Kurve noch mehr den Tatsachen entgegen (übrigens startet sie mit N=0 im Jahr 1934....)

Der Professor sagt dass die Deutsche Mannschaft so um den dritten Platz schwankt und dann periodisch den ersten erreicht. Nun wenn ich mir die Ergebnisse ansehe, gibt es da Unterschiede (auch wenn man über die Einstufung bei verlorenem Viertelfinale sich streiten kann: ich habe mich da nach den erhaltenen Toren orientiert). Es scheint nur so zu sein, dass die Formel bisher nur die bisherigen Weltmeistertitel recht gut vorhersagt, aber sonst gibt es doch Abweichungen im Verlauf 1966,1982,1986 und 2002 waren wir erheblich besser als nach der Formel, 1938 und 1994 erheblich schlechter. Allerdings sieht man in der Tat eine Periodizität, nur eben eine mit Zwischentälern. Nach jeweils schlechten WM's (1962, 1978) gab es jeweils in der Folge zwei WM's in der wir den zweiten oder dritten Platz machten und dann folgte der Weltmeistertitel. Nun hatten wir nach 1994/98 wieder eine schlechte WM. Kommt es nun nach 2002 und 2006 mit zweitem/dritten Platz wieder zum Weltmeistertitel?

Muss nicht sein. Es kann auch so sein, dass die begonnene Abschwungphase sich fortsetzt und wir im Viertelfinale rausfliegen. Oder da anders als 1962/1978 zwei schlechte WM vorlagen, diese Phase mit Platz 2/3 länger andauert.... In ein paar Wochen wissen wir es. 2014 werden wir nach der Formel übrigens fünfter.

WM Formel

Freitag den 4.6.2010: Die Regierung der Nullen

So nun ist es raus: Wulff ist der CDU/CSU/FDP Kandidat für den Bundespräsidenten und wahrscheinlich, wenn nichts schief läuft, auch der nächste. Für mich steht Wulff für einen ziemlich nichtssagenden Politikertyp. Ich kann mich nicht erinnern, von ihm irgend etwas gehört zu haben was die Tagespolitik überschreitet. Also eine Diskussion über Gesellschaft, Schuldenproblematik und -abbau, Zusammenbruch des Sozialsystems. Er ist der typische Schwiegermutterliebling: Nett, adrett und ohne Profil. Er tut niemanden weh, denn wer nichts sagt, der kann auch nicht negativ auffallen.

Erstaunlicherweise ist von der Leyen, die ich für konservativ und ohne wirkliche Ahnung von Dingen jenseits der Familie halte, (man denke nur an diesen Zensurvorstoß gegen Kinderpornographie und vor allem mit welchen Argumenten sie die Diskussion führte - im Prinzip hat sie ja diejenigen die sich gegen das Sperrmodell wandten, als Befürworter der Kinderpornographie hingestellt) zu liberal für die CDU Konservativen.

Einem Kommentar zufolge soll Wulff auch in das Amt hochgelobt worden sein, damit er als einziger verbliebener innerparteilicher Konkurrent ausscheidet - Koch hat ja den Bettel hingeschmissen und Rüttgers ist durch die verlorene Wahl demontiert. Könnte was dran sein.

Für mich steht nun eines fest: Die Regierung der Nullen weitet sich aus. Wie ich das meine? Nun Merkel hat sich schon nach der Wahl von der FDP über den Tisch ziehen lassen, die ihr Wahlprogramm fast vollständig durchziehen konnte. Hauptsache an die Macht, koste es was es wolle. Seitdem wird regiert indem man den Geldbeutel aufmacht. Ich frage mich wann es die Sondersendung "Raus aus den Schulden" mit der Bundesregierung gibt. Auf "Switch Reloaded" wurde das ja schon mal parodiert.

Noch schlimmer ist Westerwelle. Außer "Steuer senken" hat er kein Programm. Dafür kann er polemisieren und auch als Außenminister zu jedem Schieß den ihn nichts angeht, seinen Senf dazugeben. Kürzlich äußerte er sich über die Mehrwertsteueranpassung und nannte als Beispiel, das Katzenfutter mit dem verringerten Satz besteuert wird und Windeln nicht. Welche Ungerechtigkeit! Wie werden da Familien in den finanziellen Ruin getrieben! Mal abgesehen davon, dass es auch andere Gesichtspunkte gibt (Katzenfutter wird aus Schlachtabfällen gemacht, also Abfall noch nützlich eingesetzt, während Einwegwindeln enorme Mengen an Rohöl verbrauchen) - was soll ich von einem Außenminister und Partievorsitzenden halten, der sich mit solchen Detailfragen beschäftigt? Es gibt sichert Hunderte von Produkten bei denen man dann diskutieren kann welcher Satz angemessen ist. Ich erwarte von den Führungspersönlichkeiten, dass sie die Weichen stellen für die Zukunft und Gegenwart und nicht sich in Detailfragen verzetteln.

Das ganze erinnert mich an ein recht unbekanntes Lied aus der Neuen Deutschen Welle. Es ist "Schweine im Weltraum" von Fee. Einfach mal den Text anhören, er passt auf diese Art von Politikern wie die Faust aufs Auge.

Samstag 5.6.2010: Geld Verdienen mit ISS Transporten?

Ich habe mir überlegt ob ich noch was zum gestrigen Falcon 9 Start schreiben soll. Aber da es eigentlich keine genauen Daten der Raketen und Nutzlast gibt und keine unabhängige Einstufung des Starts, lasse ich das. Da SpaceX nach der Finanzknappheit von Elon Musk nun vollständig auf die Gelder des COTS / Transport Programmes abhängig ist (rund 349 Millionen Dollar haben sie schon davon erhalten, das ist ein Großteil der von SpaceX auf 350 bis 400 Millionen Dollar bezifferten Entwicklungskosten der Falcon Trägerraketen).

Ich frage mich ob dieser Bereich wirklich auf Dauer profitabel ist. Nun zumindest generiert er genügend Flüge. Sowohl OSC wie auch SpaceX rechnen mit 3-4 Starts pro Jahr. Das ist, wenn man die Startrate von Delta IV und Atlas V in den letzten Jahren ansieht, durchaus eine Menge die man gerne als festen Posten nimmt.

Wenn ich einen solchen Service konzipieren würde - wie geht man vor? Nun zuerst mal maximale Nutzlast bei minimalen Kosten. Da ist die Auswahl leicht: Am meisten Nutzlast erhält man wenn man Wasser oder Treibstoff transportiert. Die Tanks die dafür notwendig sind, wiegen wenig, verglichen mit dem Inhalt. Bei Fracht in einem Druckmodul wiegt alleine dieses in etwa soviel wie die Fracht, von der dann auch noch die Racks und Taschen abgehen, in dem der Inhalt verstaut wird. Zumindest ist dies beim ATV und HTV so. So bleibt ein Nutzlastanteil von unter 50 % übrig. (Beim ATV sind es knapp unter 40 %).

Es gibt auch noch einen zweiten Grund: Keiner der US-amerikanischen Transporter kann derzeit Treibstoff transportieren oder die ISS anheben. Für eine Autonomie wäre das wichtig.

Für einen potentiellen Hersteller wäre natürlich wichtig, dass er hier auf eine Industrie zurückgreifen kann die Treibstofftanks, Triebwerke, Druckbeaufschlagungssysteme etc. von der Stange liefern kann  - jeder Kommunikationssatellit braucht diese Systeme. Ideal wäre meiner Meinung nach eine Raketenstufe, die umgerüstet wird. Die Stufe dient zum Anheben des Orbits oder dem Transfer von Treibstoff. Sie hat den Vorteil, dass keine Entwicklungskosten anfallen. Ergänzt muss sie werden durch ein System von kleinen Verniertriebwerken für die Annäherung und Korrektur der Lage im Raum, da dafür das Haupttriebwerk zu schubstark ist. Dieses System kann auf Satellitensystemen basieren und einen eigenen Treibstoffvorrat besitzen. Das erscheint einfacher, als es mit der Stufe zu verbinden.

Dann muss man noch die Sache ankoppeln. Auch hier greift man auf bewährtes zurück. Da wir die ISS anheben wollen, können wir nur am axialen Port von Swesda ankoppeln. Es liegt also nahe wie das ATV der russischen Kopplungsadapter zu kaufen und zu benutzen. Das Manövrieren in den Bereich ab dem das KURS System aktiv ist (3,5-7 km) kann mit herkömmlichen Mitteln (GPS) erfolgen. Dazu braucht man dann noch einen Computer und eine Stromversorgung. Auch das sind Standardbauteile.

Nun kann man ein Konzept erkennen. Als erstes mal brauchen wir eine Trägerrakete. Muss es eine US-Rakete sein? Dann wäre die Atlas 401 wohl am geeignetsten (11,1 t Nutzlast, 138 Millionen Dollar). Es würde aber eine kleinere ausreichen. Dann wäre eine Sojus 2 vielleicht nicht schlecht. Wenn wir diese von Baikonur starten sollte man noch einen Start für 70 Millionen Dollar bekommen, bei 8,4 t Nutzlast. Russische Träger scheinen nach dem Benutzen der RD-180 / NK-33 Triebwerke ja nicht mehr ganz so verpönt zu sein.

Als Oberstufe käme aus dem US-Arsenal die Delta Oberstufe in Frage (6.954 /  954 kg). Beim Start mit der Sojus kann sie eventuell nicht vollbetankt werden. Das russische Dockingsystem wiegt 253 kg. Sein Preis ist unbekannt. Für zwei Adapter lieferte die ESA das DMS-R Computersystem, dass 55 Millionen Euro Entwicklungskosten erforderte, doch das liegt mehr am DMS-R, als am Preis des Adapters. Immerhin ist das KURS Radar so wertvoll, dass es bisher aus jedem russischen Raumfahrzeug ausgebaut und zurückgebracht wurde. Nehmen wir mal 20 Millionen Dollar für den Adapter an.

Dann benötigt man noch Treibstoff für die Lageregelung, einen Bus, Stromversorgung, Computer, kleine Triebwerke. Sie sollen bei einem Start mit der Sojus 1,5 t wiegen und beim Start mit der Atlas 2 t). Das lässt 6,9 t / 9,1 t übrig. Daher halte ich die Sojus für geeigneter: Es kann die volle Nutzlast der Atlas nicht ausgenutzt werden (das gilt auch für Zenit oder Proton). Man könnte nun diese umbauen oder noch Wasser transportieren, doch das verteuert die Sache nur.

Was darf es kosten?

Nun bei einer 6,9 schweren Delta-K Stufe transportiert unser Gefährt 5,9 t Treibstoff zur ISS. Davon braucht man ein bisschen für das Deorbitieren und Manöver. Rechnen wir mit 5,0 t Nettonutzlast, so sind diese der NASA derzeit je nachdem ob OSC oder SpaceX sie transportieren runde 400 bzw. 475 Millionen Dollar wert.

Rechnen wir 70 Millionen Dollar für eine Sojus 2 weitere 20 Millionen Dollar für das Kopplungssystem, dann bleiben noch 310 / 385 Millionen Dollar für Delta-K Oberstufe und Gefährt. Eine Oberstufe müsste für 10 Millionen Dollar zu haben sein (die etwas größere EPS kostet 10 Millionen Euro). Japan will das HTV für 153 Millionen Dollar in Serie fertigen und das enthält auch noch einen Druckbehälter und eigene Annäherungssysteme - unser System sollte also deutlich günstiger sein und .... damit steht fest: Damit kann man wirklich Geld verdienen. Es würde sogar noch klappen wenn man die Atlas V benutzt und dann 6 t Treibstoff zur ISS bringt. Bei 150 Millionen Dollar für das Gefährt bleibt ein Plus von 150 Millionen Dollar (SpaceX Kontrakt / 225 Millionen Dollar (OSC Kontrakt).

Bei Einsatz der Atlas und 6 t Nutzlast (alle Kurskorrekturen mit den Verniertriebwerken) wären es noch 162 Millionen Dollar / 252 Millionen Dollar Gewinn pro Flug. Das ganze lohnt sich also. Kein wunder wenn alle hinter den Transportaufträgen her sind.


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