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Web Log Teil 170 : 12.6.2010-15.6.2010

Samstag den 12.6.2010: Vorbilder

Als ich nach Büchern stöberte fiel mir auf, dass Jesco von Puttkamer ein neues geschrieben hat. (Neu eigentlich nicht, ich habe es vorher nur für eine Neuauflage seines Buches von 1969 zur Mondlandung gehalten, er hatte dieses ja schon 2001 neu veröffentlicht). Das erinnert mich daran, dass von ihm einige Bücher in meinem Regal stehen. eigentlich die meisten Bücher eines Autors auf diesem Gebiet (wenn ich von meinen eigenen Büchern absehe). Das hat auch einen Grund und leitet mich zu meinem heutigen Thema: Vorbildern oder Idole.

Ich gehöre zu den wenigen, bei denen als Jugendlicher keine Poster von Promis im Kinderzimmer hingen. Wenn ich zurückdenke fallen mir eher die Bücherregale ein. Später ergänzt durch ein Schaubild des Sonnensystems. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich damals ein Idol hatte oder später irgendwen den ich so toll fand, dass ich ihm nacheifern wöllte.

Das hat sich zumindest beim Bücherschreiben geändert. Ich gebe zu, hier habe ich Vorbilder und zwar mehrere. Das eine ist Werner Büdeler. Sein Buch "Faszinierendes Weltall" zur gleichnamigen Fernsehserie im ZDF 1980 war eines der ersten beiden die ich mir gekauft habe. Er hat eine Begabung die ich definitiv nicht habe: Etwas einfach zu erklären und stark (auf das wesentlichste) zu reduzieren. Also auf wenigen Seiten die Mondforschung mit Raumsonden zusammenzufassen oder selbst wenn es um Details geht, den Detaillierungsgrad soweit zu beschränken wie man braucht um die Grundlagen des Phänomens zu erklären.

Mir geht es so, dass ich etwas möglichst detailliert erklären will. Ich habe es echt schwer wenn ich Details weglassen muss, das war beim Raketenlexikon die Hauptaufgabe. So wird es Leute die mich kennen, nicht verwundern, dass ich gerade Auflage 2 des ersten Bandes ergänze - um Triebwerksdaten... Auf der anderen Seite schreibe ich natürlich Bücher vornehmlich für mich selbst - danach hoffe ich mehr über ein Thema zu wissen oder zumindest ein Buch zu haben indem ich nachschlagen kann. (Es ist erstaunlich wie schnell man viel vergessen kann, obwohl man sich wochenlang mit dem Thema beschäftigt hat und den Text mehrmals durchgelesen....) Und für mich müssen Bücher detailliert sein.

Das führt mich zu Jesco von Puttkamer. Auch er schreibt Bücher die detailverliebt sind, nicht ganz so wie meine, aber dafür noch für die Leute gedacht, die keinerlei Vorbildung haben. Begriffe werden erklärt oder die Sprache verwendet kaum Fachbegriffe. Ich gebe ehrlich zu: Meine Bücher wenden sich an Leute die schon ein bisschen Ahnung von der Raumfahrt haben. Aber es gibt eines dass ich an ihm gar nicht schätze: er will mir bei jedem seiner Bücher sein Weltbild aufs Auge drücken. Zumindest gilt das für die neueren Bücher. Beim ersten Buch über das Space Shuttle Programm "Der erste Tag der neuen Welt" findet man ganze Kapitel über die kommerzielle Nutzung des Space Shuttles und die dabei entstehenden Gewinne. Als das nicht klappte, ist es beim nächsten dann beim nächsten Band der Nutzen für eine ganze Nation durch geringere Schäden durch Unwetter etc. Und als das auch nicht klappte, war es beim Buch über die ISS der soziokulturelle Nutzen mit starker Kritik an Deutschland und der seiner Ansicht nach viel zu geringen Beteiligung an der ISS.

Alles was prognostiziert wurde, stimmte nicht und wir können heute froh sein, dass wir nicht stärker an der ISS beteiligt sind, die ja nun erheblich teurer wurde als geplant und deren Nutzung nach Ausscheiden der Shuttles erst mal eingeschränkt ist. Ich habe nichts gegen eine eigene Meinung: Auch bei meinem ATV Buch und den beiden Bänden über europäische Trägerraketen werden sie Kapitel mit eigener Meinung oder "Was wäre wenn" finden: Aber das ist gekennzeichnet und die Beschreibung des Fachlichen ist davon getrennt, die ist ohne Wertung.

Früher fand ich es erstaunlich zu lesen was Puttkamer alles weis. Seit ich übers Internet Zugriff auf die NASA Ressourcen habe weiß ich: Er hat einfach die Presskits und anderen offiziellen Veröffentlichungen der NASA zusammengefasst. Das klingt banal, doch das ist keine Herabwürdigung. Darin steckt eine ganze Menge Arbeit wie ich gerade bei Skylab feststelle: Alleine acht Bücher gibt es von der NASA über Skylab. Dazu kommen noch zahlreiche Presskits, Mission Reports und Spezialveröffentlichungen. Alleine das Durchlesen artet in Arbeit aus.

Kommen wir zu meinem absoluten Vorbild: Horst W. Köhler. Nein, nicht der ehemalige Bundespräsident, sondern ein Journalist, der zum einen mein meistzerfleddertes Buch "100 Raumfahrt" sowie zwei andere über den Mars und die Planeten schrieb: Präzise, trotzdem verständlich. Einfach die besten Raumfahrtbücher die ich habe. Vielleicht schaffe ich es mal auch nur annähernd so gute Bücher zu schreiben.

Nun das obige ist sicher fleißigen Bloglesern nichts neues. Das Thema habe ich schon mal aufgegriffen. Doch ich will auch neue Aspekte einbringen. Warum gerade bei Büchern? Ich kann mich nicht erinnern einen berühmten Naturwissenschaftler als Vorbild gehabt zu haben. Vielleicht weil viele Entdeckungen und erfinden viel mit Glück oder Zufall zu tun haben. Vielleicht auch weil ich schon damals wusste, das die Zeit derer die alleine im Labor arbeiten vorbei sind und ein Nobelpreis oder eine Entdeckung oft das Resultat der Arbeit eines ganzen Kollektivs ist.

Auch beim Programmieren habe ich keine Vorbilder. Wobei ich natürlich sagen muss: Es gibt wenig berühmte Softwerker. Die meisten haben eine Programmiersprache entwickelt. Aber als ich anfing hat man schon in Hochsprachen programmiert und noch eine Programmiersprache? Ich habe später mal eine Skriptsprache für die Automatisierung von Tests geschrieben, aber das ist nicht zu vergleichen. Auch hier: Die Zeit der großen Einzelgenies ist weitgehend vorbei. Wenn ein einzelner noch was bewegen kann, dann vielleicht als Initialzündung mit einer neuen Idee, einem Konzept oder eine Spezifikation.

Vielleicht sind Autoren meine Vorbilder, weil man von ihnen lernen kann und zwar direkt und ihnen auch nacheifern - Autor kann heute jeder werden und es ist ein Handwerk, dass man erlernen kann. Forscher zu werden ist schwieriger, mal von den vielen Jahren Studium vorher abgesehn. Neben einem Labor muss man auch die richtige Aufgabe finden. Wer tagein, tagaus Milchprodukte auf mikrobiologische Eigenschaften, Fettgehalt und Geschmack prüft wird wohl kaum jemals eine riesige Entdeckung machen und wer im Auftrag von Kunden programmiert bei dem stehen die Chancen schlecht völlig revolutionäre Algorithmen zu entwerfen.

Die Sache mit den Vorbildern und Idolen kann ja auch sehr persönlich sein. Ich habe immer wieder Mails bekommen in denen die Autoren mir schrieben dass dieser oder jener Lehrer oder eine andere Person sie für Raumfahrt interessiert hat. Aber soweit ich mich erinnere habe ich niemanden kennen gelernt der mich in dieser Weise beeinflusst hätte. Ich hatte einige gute und engagierte Lehrer bei denen man merkte, dass sie von ihrem Fach überzeugt waren, aber auch die haben mich jetzt nicht gerade zu eigenen Studien, Experimenten oder über den Unterricht hinausgehendes ermutigt.

Sonntag 13.6.2010: Wird es jemals eine bemannte Marslandung geben?

Ich habe mich mit dem Thema ja schon mal beschäftigt unter verschiedenen Gesichtspunkten. Ich habe dargelegt, dass aus einigen Gründen die Zeit gegen dieses Vorhaben arbeitet. Unbemannte Roboter werden immer leistungsfähiger, wie man leicht an den Ergebnissen von Instrumenten ablesen kann, aber auch an harten Fakten, wie Auflösung, Datenrate, Spektralkanäle etc.

Auch das politische Umfeld wird immer ungünstiger. Mal abgesehen von der derzeitigen Krise: Alle westlichen Staaten machen seit Jahrzehnten Schulden. Leute wie soll das weitergehen? Irgendwann muss gespart werden, und zwar nicht nur wie jetzt, indem man die neuen Schulden reduziert, sondern sogar mal sie abträgt und dann reden wir sowohl in Europa wie auch in Amerika über riesige Summen. Nicht nur kleine Sparpakete wie jetzt. Wenn es aber rapide Einschnitte in allen Bereichen geben soll, wie sind dann die Kosten einer bemannten Marslandung zu vermitteln? "Constellation", das ja nur zum Mond gehen sollte, das auf den Erfahrungen von Apollo aufbauen konnte, wurde zuletzt auf 120 Milliarden geschätzt. Für eine Marsmission, die etwa 3 Jahre dauern wird, bei der eine permanente Basis errichtet werden muss und bei dem schon der logistische Aufwand (die Fracht die befördert werden muss) mindestens viermal größer ist, werden die Kosten weitaus höher liegen. Ich glaube nicht, dass daher ein Programm durchsetzbar ist - zumindest nicht bis wir eine Zeit erreicht haben, in der die führenden Weltraumnationen wieder ausgeglichene Haushalte haben - ich schreibe "führende Weltraumnationen", weil sich das ändern kann.

Meiner persönlichen Ansicht nach ist eines der Grundübel des heutigen Systems, dass es auf Wachstum aufgebaut ist. Bleibt das aus, steigt die Arbeitslosigkeit und der Staat verschuldet sich. Im Westen hat man sich blenden lassen, dass nach dem Krieg alles zerstört war und es über Jahrzehnte Wachstum gab. Das setzte sich abgeschwächt fort, bis eigentlich jeder mit allem versorgt ist und viele sogar Zeug haben dass sie nicht wirklich brauchen wie Zweitwagen, Beamer, Handy etc... So werden sicher China und Indien auch noch eine Zeitlang wachsen und könnten dann Amerika und Europa überholen, sowohl was die Wirtschaftsmacht angeht, wie auch die Möglichkeiten Geld in eine Marslandung zu investieren. Ob sie das tun ist offen - es ist prinzipiell ein politisches Ziel, dass vielleicht für China unter der kommunistischen Führung attraktiv erscheint. Ist es doch ein friedlicher Weg zu zeigen, dass doch der Kommunismus die bessere Regierungsform ist. Auf der anderen Seite wird auch dort bald nach Erreichen eines Wohlstands der Abschwung kommen. Wenn das Programm zu lange läuft, dann ist es auch dort in Gefahr zusammengestrichen zu werden.

Doch das ist nicht der einzige Punkt. Ich hatte ja schon die Konkurrenz durch unbemannte Roboter angesprochen. Neben dem, dass der Mensch in seinen Fähigkeiten immer gleich bleibt, während die Möglichkeiten von Instrumenten, Robotern und Mechatronik sich rapide in den letzten Jahrzehnten verbessert haben, sind es auch die Kosten. Inflationsbereinigt werden die Missionen immer preiswerter. Mariner 6+7 und 8+9 kosteten inflationsbereinigt heute jeweils etwa knapp eine Milliarde Dollar. Dafür bekam man zwei Vorbeiflugssonden und einen Orbiter der knapp ein Jahr im Betrieb war, mit sechs Instrumenten. Etwa die Hälfte dieser Summe kostete der letzte Marsorbiter mit einer längeren Betriebszeit und mehr Instrumenten (ein Nachbau wäre noch preiswerter, nimmt man die Tatsache hinzu, dass man heute nur noch eine Sonde startet, weil ein Ausfall weniger wahrscheinlich erscheint, so wird die Bilanz noch besser zugunsten heutiger Technik).

Vernünftige Vorräte an Lageregelungsgas und ausreichende Dimensionierung der Stromversorgung vorausgesetzt, können Raumsonden heute ein Jahrzehnt in Betrieb sein, wie auch Mars Global Surveyor zeigt. Odyssee nähert sich auch langsam dieser Frist und ist noch voll betriebsbereit (ihr Betrieb ist heute nur durch das verfügbare Budget eingeschränkt). Bei einer Marslandung gibt es dagegen immer noch die Maxime die Gesamtmissionsdauer zu verkürzen, um das Risiko zu vermindern. Das Risiko: Solange Menschen nicht gefährdet sind, können wir mehr riskieren. Werden Menschen in eine der Schluchten im Valles Marineris landen - wohl kaum, zu gefährlich. Das gleiche gilt für viele Landegebiete, die zu zerklüftet oder unzugänglich sind. Was macht es aus einen Roboter zu verlieren? Steht dann das gesamte Raumfahrtprogramm für zweieinhalb Jahre wie nach dem Verlust der Columbia? Wohl kaum.

Doch man muss nicht mal den Weltraum bemühen. Auf der Erde wird schon lange viel von Robotern durchgeführt - von der Montage in der Fabrik bis zu Arbeiten in der Tiefsee. In den USA haben inzwischen Drohnen die Aufklärungsflugzeuge abgelöst und die erste Einheit ihre Ausbildung aufgenommen, die Kampfflugzeuge bequem von Amerika aus fernsteuert - das Videospiel wird Wirklichkeit! Das US Militär arbeitet an Fahrzeugen, die selbstständig fahren und später auch in Kampfeinsätze geschickt werden sollen. Auf der Erde versucht man aus naheliegenden Gründen daher immer weiter das Risiko zu verringern und soweit wie möglich unbemannt zu machen (das nebenbei gesagt auch billiger ist, das zeigt die industrielle Revolution). Im Weltraum soll es daher gerade anders sein, und dies will man den Leuten verkaufen? Ich glaube das wird schwer sein.

Der letzte Grund, denn ich immer wieder anführe ist, dass ein Flug zum Mars, eigentlich jede Raumfahrt, nicht mit den Entdeckungsreisen von früher vergleichen werden kann. Diesen Fehler finde ich immer wieder bei Vergleichen zu Christof Kolumbus Reisen oder anderen. Alle diese Reisen konnten relativ einfach finanziert werden. Von einem Monarchen, von einem Forschungsinstitut. Heute betreibt die BRD ein Forschungsschiff für Polarexpeditionen und eine Forschungsstation in der Antarktis. Niemand wird sich über diese Kosten aufregen oder sie in Frage stellen. Etwas anders sähe es aus, wenn Deutschland nur zu 5 % an einem 200 Milliarden Euro Programm beteiligt wäre. Es müsste dann ein gesellschaftlicher Konsens vorhanden sein, diese Summe auszugeben. Das macht solche Vorhaben schwierig. Wenn ein Monarch in früheren Zeiten eine Expedition finanzieren will, dann hat er niemanden zu fragen. Heute leisten sich Reiche einen Trip zur ISS oder gründen eine Raumfahrtfirma. Aber selbst sie können sich das nicht leisten. Sobald Kollektive aber beteiligt sind, werden Entscheidungsprozesse schwer. Wie schon gesagt: Brummt die Konjunktur, wie in den USA Anfang der sechziger Jahre, gibt es reichlich Steuereinnahmen, so ist das kein Problem, doch wenn nicht? Ich kann mir schon die Schlagzeilen vorstellen: Elterngeld bei Harz IV fällt weg, aber wir fliegen zum Mars - Wie werden wohl Millionen von Harz IV Empfänger entscheiden?

Montag 14.6.2010: Vierter Geburtstag

Heute wird der Blog vier. Grund genug wieder einmal Rückschau zu halten. Ich begann ja eigentlich weniger mit einem klassischen Blog, bei dem die Leute über sich und die Welt schreiben als vielmehr mit einer Rubrik aus HTML Seiten in der ich Themen aufnahm, die zu klein waren oder irgendwie nicht ins Raster passten. Nun die HTML Seiten gibt es bis heute (aus dem einfachen Grund, weil die Eingabe in einem HTML Editor komfortabler ist als in Wordpress).

Im ersten Jahr waren es noch wenige Blogs, oftmals einige Wochen zwischen zwei Themen, aber noch etwas vielseitiger als heute. Das hat sich mit dem echten Wordpress Blog geändert, der etwa 1 Jahr später startete. Durch die Möglichkeit der Kommentierung ändert sich einiges. Zum einen wird es lebhafter, man bekommt mehr Ideen für neue Einträge, aber es verschiebt sich auch die Themenauswahl: Logisch, wenn man bemerkt dass es keine Kommentare zu Themen wie Lebensmittelchemie oder Allgemeines gibt, dann schreibt man über Raumfahrt.

In den folgenden Jahren habe ich sicher fast jedes Raumfahrtthema angesprochen, dass mir wichtig war, viele sogar mehrmals. Ich habe begonnen mehr und mehr auch weniger über konkrete Vorhaben zu schrieben als vielmehr über eigene Ideen, Wünsche oder Weiterentwicklungen. Erstaunlicherweise interessiert selbst das jemand.

Hier habe ich  mal eine Übersicht der Aufrufe seit ich die Wordpress Starts installiert habe. Der Einbruch im Februar 2009 kam durch einen Designwechsel zustande, der offenbar das Plugin deaktivierte. Man sieht, dass der Blog so im ersten Jahr in etwa gleich hohe Abrufzahlen von 3.000 - 5.000. Bewegung kam durch das Jubiläum der Mondlandung im letzten Jahr, wodurch die Abrufzahlen auf das doppelte ansteigen. Davon müssen einige geblieben sein, denn danach stabilisierte es sich auf einem höheren Niveau. Das einzelne Aufsätze auch sehr viele Besucher anziehen können zeigte dann im Februar 2010: Dieser enorme Anstieg beruhte nur auf einem einzigen Aufsatz über die Taveller FX 5 Digitalkamera, die ALDI wieder anbot- Ich kaufte sie mir im Mai und fand sie dann nicht so berauschend. Was mich persönlich freut ist, das neben diesen kurzzeitigen Hochs durch aktuelle Ereignisse und jahreszeitliche Schwankungen der Trend nach oben geht,

Nun zieht ein Blog auch gerne Leute an, die offensichtlich nur sich dort tummeln um zu provozieren. Es gibt viele Möglichkeiten damit umzugehen. Man kann die Posts ignorieren oder gleich löschen. Ich habe festgestellt, dass bei einer Person jeder Kommentar mit einer erhöhten Aufrufrate aus einem bestimmten Forum einher ging. Nachdem ich jeden Aufruf aus diesem Forum einfach auf die Startseite umlenkte hörte das dann auch auf.

In den vier Jahren gab es immer wieder Zeiten in denen ich die Aktivität im Blog einstellen wollte, einfach weil ich das Gefühl hatte es fällt mir nichts neues ein oder alles ist schon gesagt. Trotzdem finde ich immer wieder neue Gesichtspunkte oder neue Themen. Der Aufruf, dass mal ein anderer hier etwas posten soll, war allerdings nur bedingt erfolgreich. Trotzdem finde ich jeden Tag 1-2 Stunden um einen neuen Eintrag zu schreiben, manchmal sogar mehr Zeit.

Persönlich hat sich auch für mich viel getan. Kurz nachdem ich den Blog startete fing ich an abzunehmen - 33 kg in einem Jahr, von denen ich nur 3 Kg zugenommen habe. Ich war vorher nie ein sportlicher Mensch, zum Abnehmen habe ich begonnen mehr zu Schwimmen. Inzwischen gehe ich 3-4 mal pro Woche Schwimmen und dieses Jahr habe ich beim 24 Stunden Schwimmen der HIK Kemnat (wo sich schwimmen gehe) mit 18,55 km den zweiten Platz belegt. Ich habe Lipsync Videos gedreht und bin zum Buchautor geworden. Also es verschieben sich bei mir die Interessen ziemlich schnell. Auch ist absehbar, dass ich nicht ewig Bücher schreiben werde. Ich habe noch Ideen für etwa acht weitere Bücher, also in etwa so viele wie es schon gibt. Danach? Mal sehen.

Was ich mir für das nächste Jahr wünsche? Viele Ideen für neue Blogs. Eine lebhafte Beteiligung der Leser und weitere Gastbeiträge - eigentlich sollte ein Blog, der durchschnittlich 400 Seitenaufrufe pro Tag hat ja eine ideale Plattform sein für diejenigen die selbst mal Ideen oder ihre Meinung publizieren wollen.

Dienstag 15.6.2010: Obamas Plan

Wie bekannt hat Obama die NASA angewiesen, Constellation einzustellen und dafür Vorarbeiten für eine spätere bemannte Mission zu Mars und anderen Zielen anzugehen. Obwohl im NASA Budget wenig Konkretes steht und alle Mittel erst für die folgenden Jahre avisiert werden, also 2011 das nun ja genehmigt wird noch kaum etwas von den neuen Plänen enthält, gab es schon Kontroversen um den Plan.

Im US Kongress gibt es eine Front von pro-Konstellation Befürwortern, vor allem Abgeordneten der Staaten, die heute vom Constellation Programm profitieren, indem sie Komponenten fertigen. Doch das ist nichts neues. Eine ähnliche Fraktion ist auch für die Weiterführung der Shuttle Flüge. Auch hier geht es um Arbeitsplätze. Wenn man von dieser Tatsache absieht (die leider in allen Ländern die Weltraumprogramme bestimmt), so gibt es auch andere Gräben.

Einen vorläufigen Höhepunkt wurde vor einigen Wochen erreicht: Bei einer Anhörung sprachen sich Neil Armstrong und Eugene Cernan gegen den neuen Plan aus: Armstrong:

"The issue facing this meeting has produced substantial turmoil among space advocates. So many normally knowledgeable people were completely astounded by the President’s proposal. Had the announcement been preceded by the typical review, analysis and discussion among the Executive branch, the agency, the congress, and all the other interested and knowledgeable parties, no member of this committee would have been surprised by the announcement of a new plan.  In this case, a normally collegial sector of society was split in many fragments, some focused on contracts and money, some on work force and jobs, some on technical choices.    All because a few planners, with little or no space operations experience, attempted an end run on the normal process.    It has been painful to watch."

Und Eugene Cernan wurde noch deutlicher:

"And, when one examines details of the FY2011 budget proposal, nowhere is there to be found one penny allocated to support space exploration. Yes, there has been much rhetoric on transformative technology, heavy lift propulsion research, robotic precursor missions, significant investment in commercial crew and cargo capabilities, pursuit of cross-cutting space technology capabilities, climate change research, aeronautics R&D, and education initiatives, all worthwhile endeavors in their own right. Yet nowhere do we find any mention of the Human Exploration of Space and nowhere do we find a commitment in dollars to support this all important national endeavor. We (Armstrong, Lovell and I) have come to the unanimous conclusion that this budget proposal presents no challenges, has no focus, and in fact is a blueprint for a mission to ‘nowhere."

Das ist eigentlich nichts neues. Es gab schon vorher offene Briefe ehemaliger Astronauten der Prä-Shuttle Area (sicher auch welcher dieser Ära, aber die sind weil es einige Hundert gibt nicht so bekannt), so von Jim Lovell, Scott Carpenter und anderen. Ein offener Brief von Scott Carpenter und anderen an Obama liest sich wie das "Who is Who" des Apollo Programms.

Was neu ist, ist der Ton wie nun diskutiert wird. Elon Musk hat dabei den Vogel abgeschossen.

"I’m sorry but I think Neil Armstrong is being manipulated. And it is a sorry sight indeed. Because he is of course a national hero. On the other hand, Buzz Aldrin…you know, I think, you want to go back and look to national heroes on advise for the future of space, there’s Neil Armstrong, who is a great man, and then there is Buzz Aldrin who is also a great man. Now, Buzz Aldrin is the guy with the PHD from MIT, and Neil is a pilot. He’s always been a pilot, that’s cool. But if you are going to look for somebody to render a judgement, a technical judgement on what program makes the most sense, I think you would probably pick the PHD from MIT, rather than the pilot. And Buzz Aldrin, the PHD from MIT, is the one who is a huge fan of the Obama policy."

Da wird also der Mann, der die Gemini 8 Mission rettete, mit den geringsten Treibstoffreserven aller Apollomissionen landete und nebenbei (wie Michel Van bemerkte) nicht nur einen Bachelor besitzt sondern auch die Doktorwürde und den Professortitel als "just a Pilot" und "manipulated" bezeichnet. Persönlich verbuche ich den letzten Falcon Flug daher auch unter der Rubrik "Kleine Sünden bestraft Gott sofort": Armstrong rettete Gemini 8, als die Kapsel in eine Rotation geriet und so jemand hätte wohl auch SpaceX bei der kosntruktion ihreer Trägerrakete brauchen können, die offensichtlich auch unkontrolliert rotierte. Von Musk hielt ich schon vorher nicht viel. Mittlerweile ist er bei mir aber völlig unten durch. Er schadet mit diesem unqualifizierten und unverschämten Äußerung auch dem Ruf seiner Firma die ja praktisch nur durch ihn öffentlich wahrgenommen wird.

Warum polarisiert nun Obamas Plan so? Auf der einen Seite ist es natürlich das Einstellen von Constellation. Die Reaktion verwundert mich aber. Wie Armstrong ja andeutet, ist das Constellation Programm auch schon bisher umstritten. Die Augustine Komission untersuchte die finanzielle Situation und stellte fest, dass es unterfinanziert ist und wenn sich nichts ändert eine Mondlandung sich um ein Jahrzehnt verzögern könnte. Dabei ging sie noch vom Einstellen der ISS nach lediglich 5 Jahren Betrieb aus.

Die ISS Einstellen will eigentlich keiner, aber noch mehr Mittel für Constellation ausgeben auch nicht. Darüber hinaus war Constellation ja schon in der NASA nicht unumstritten. Es gab Alternative Vorschläge für die Trägerraketen (Stichwort Direct), aber auch am Zeitplan und der Umsetzung - so erschien das Programm am Schluss nur noch als eine Wiederholung von Apollo und alles was darüber hinausging war auf unbestimmte Zeit verschoben. Das es mit Constellation so nicht weitergehen konnte war also klar. Es wurde auch spekuliert, dass nach dem Bericht der Augustine Kommission Teile des Constellation Programms eingestellt werden, wahrscheinlich die Ares V und der Altair Mondlander. Die Ares I und Orion wurden dagegen als wichtig für die ISS angesehen und einen bemannten Zugang zum Weltraum. Zumindest den Review des Programmes gab es also schon. Nur eben keine Diskussion was zu ändern wäre, sondern eine alleinige Entscheidung. Warum auch nicht? Eine Entscheidung für ein Programm darf wohl ein Präsident fällen, aber es nicht mehr alleine entscheiden? Sie wissen schon warum - es geht um Gelder und Arbeitsplätze, weshalb bei der Einstellung gerne alle mitreden wollen.

Das es nun vollständig eingestellt wurde, ist sicherlich überraschend. Es ist auch in meinen Augen nicht logisch. Zumindest was die Ares I und Orion betrifft. Denn das es ein eigenständiger Zugang zur ISS benötigt wird, ist ja unstrittig. Ob es nun schneller und billiger geht, einfach die Orion/Ares abzubrechen und neu anzufangen? Ich bin skeptisch, da ich die Maxime "Privat = billiger und schneller" nicht für automatisch richtig halte. Ich glaube dass zwar eine Firma alleine durch die fehlende Rücksprache mit einer Raumfahrtbehörde (zusätzliche Bürokratieschicht / Zeitverlust) und fehlende Restriktionen (z.B. dafür zu sorgen, dass bestimmte Staaten bestimmte Mittel erhalten) das Potential hat, einiges billiger zu machen und auch schneller. Doch dem muss man rund 6 Milliarden Dollar und 5 Jahre Vorarbeiten bei Ares I/Orion gegenrechnen.

Nun arbeitet die NASA ja auch noch an beidem weiter und das endgültige aus ist noch nicht beschlossen. Doch was ist Obamas Plan wirklich? Auch wenn es anders klingt, es ist schon die Einstellung aller Bemühungen über den Erdorbit hinaus. Die Aufträge für Technologieforschung, Triebwerken für Schwerlastraketen und unbemannte Forschung sind gewissermaßen Feigenblätter, damit der Aufschrei nicht zu stark ist, denn wie schon erwähnt, es hängen ja immer Arbeitsplätze an Programmen. Es ist aber auch Sicherheit: Sicherheit für die bisherigen Programme. Die ISS kann nun bis 2020 betrieben werden, über 2028 wird schon beraten. Das Shuttle kann koordiniert auslaufen ohne Zeitdruck.

Worauf der fast alleinige Fokus liegt ist der private Mannschaftstransport. Wer weiß, was die USA bisher für Constellation, ISS und Shuttle ausgegeben haben, der weiß, dass man da Unsummen verdienen kann. Ein Frachttransporter ist lukrativ, aber nichts im Vergleich zu einem Mannschaftstransporter. Davon braucht man sicher pro Jahr etwa 4-6 Stück, wenn jeweils drei Mann zur ISS fliegen. Auf diese privaten kommerziellen Aufträge spekulieren nun mindestens vier Firmen und da leuchten schon die Dollarzeichen bei den Statements auf. Vor allem weil es so laufen wird, wie schon bei COTS: Die NASA zahlt die Entwicklungskosten und später noch für die Flüge. Wenn dann die NASA zum Schluss kommt, dass eine Firma doch kein Raumschiff bauen kann, das brauchbar wäre, dann gab es schon bis zu diesem Zeitpunkt Milliarden von der NASA. So hat SpaceX vor dem ersten COTS Demo Flug schon 349 Millionen von der NASA erhalten. 80 % der COTS Gesamtsumme und 101 Millionen aus dem Transportvertrag. Und selbst wenn es nicht sicher genug für die NASA ist, so kann man es ja noch an Weltraumtouristen vermieten oder als Frachter nutzen.

Aber ich sehe eigentlich keine fundamentale Änderung in der NASA Politik. Immer noch zahlt die NASA und eine Firma entwickelt. Der Unterschied ist nur, dass bisher die NASA auch das Design festlegt und die Firma stärker überwachte. Eine fundamentale Änderung wäre es, wenn die NASA sagen würde: "Das sind die Spezifikationen unseres Raumschiffs in Bezug auf Kapazität, Sicherheit etc.", sagt was ihr haben wollt, wenn ihr über 10 Jahre vier Flüge pro Jahr garantiert bekommt". Bezahlt würde dann für erbrachte Leistungen wobei der Hersteller dann seine Entwicklungskosten auf die Flüge umlegen müsste. Das wäre wirklich "privat". Hat er sich verkalkuliert oder funktioniertt es nicht, so ist es sein Risiko. Doch bisher ist nach wie vor alles wie beim alten, nur leicht verändert.

Meine Persönliche Meinung: Das Streichen der Über-LEO Fähigkeiten von Constellation ist richtig. Ich hätte auch die Ares I eingestellt und eine Orion gebaut die kompatibel mit Delta IV und Atlas V ist und dabei sowohl das beste aus den bisher verfügbaren Trägern wie auch den Investitionen in die Orion gezogen.


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