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Web Log Teil 174 : 2.7.2010-7.7.2010

Samstag den 2.7.2010: 's ist zu spät.

Das sagt nicht nur Othello zu Desdemona im zweiten Aufzug, bevor er sie erstickt sondern das möchte ich auch John Glenn und Michael Griffin zurufen. (Nur mal um ein bisschen klassische Bildung in den Blog einzustreuen). Nun warum? John Glenn hat sich dafür ausgesprochen die Shuttles weiter zu betreiben.

Nun ja, das ist nichts außergewöhnliches Glenn ist ja Astronaut. Doch ungewöhnlich ist der Zeitpunkt: Die Äußerung kam am 21.6.2010. Nur mal als kleine Zeitlinie. Am 29.3.2006 beschloss die NASA die Ausmusterung der Space Shuttles. Das bedeutete zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Ernst wurde es erst im Laufe des Jahres 2008, als die NASA begann Terminierungskontrakte mit den Zulieferern auszuhandeln. Das ganz hat schon 2009 einmal ein Shuttle Manager in seinem Blog erläutert (leider habe ich den Link nicht an der Hand) und schon damals schrieb er war es unumkehrbar. In den letzten zwei Jahren hörte man dann von Stellenabbau bei den Produzenten. So haben schon letztes Jahre die meisten Arbeiter bei der Fabrik die die Tanks produziert, ihr Kündigungsschreiben erhalten. Das sind Tatsachen die man nicht ignorieren kann.

Das Shuttle Programm kostet ja nicht nur so viel, weil die Sicherheitsstandards hoch sind oder die Herstellung der Hardware so viel kostet. Das Programm kostet so viel, weil die NASA dafür zahlt Teile zu erhalten die sonst längst nicht mehr produziert werden würden. Das Shuttle wurde Anfang der siebziger Jahre konzipiert, der letzte Orbiter vor mehr als zwei Jahrzehnten gebaut. In dieser Zeit ändern sich Technologien, Herstellungsweise und Teile werden unüblich, selbst wenn es nicht Mikroelektronik ist (die z.B. nicht mehr nachgeordert werden kann - kein Hersteller kann es sich leisten, eine Produktionsstraße aufrecht zu erhalten, welche Chips mit der Technologie der siebziger Jahre herstellt - also nicht Chips mit der gleichen Logik in neuen Gehäusen und neuen Versorgungssspannungen, sondern in exakt den damals üblichen Plastikgehäusen und der gleichen Taktfrequenz - sie müssen ja in die vorhandenen Platinen passen). Wenn heute die Produktion erneut angeschmissen werden würde, gäbe es zwei Punkte. Das erste, es würde wenn alles noch vorhanden wäre, mindestens zwei Jahre dauern bis neue Tanks, Feststoffraketen etc. wieder zur Verfügung stehen. Das zweite: Das die Teile nochmals erhältlich sind ist sehr unwahrscheinlich, eben weil die NASA vor zwei Jahren schon die Verträge beendet hat. Danach war niemand mehr verpflichtet für die NASA zu produzieren. Natürlich kann man nach neuen Teilen suchen - doch wie in der Raumfahrt üblich, müssen diese dann neu qualifiziert werden - sprich getestet und die Verträglichkeit mit dem Gesamtsystem untersucht werden. Das dauert viel länger als zwei Jahre, sodass ein Shuttle mit neuen Teilen noch ein paar Jährchen länger nicht zur Verfügung steht. Vielleicht wäre die Situation anders hätte sich die NASA für den Vorschlag von Boeing erwärmt hätte nach dem Verlust der Columbia einen neuen Orbiter zu bauen. Doch man wollte ja lieber ausmustern. Das sollte eigentlich Glenn wissen, denn das ist kein Geheimnis. So fällt seine Äußerung eigentlich nur auf ihn selbst zurück.

Das zweite ist Michael Griffin. Ich habe jetzt von ihm schon mehrere Aussagen gelesen in allen jammert und schimpft er über die Einstellung von Constellation und Obamas Plan wäre "just money". Nun in letzterem, stimme ich überein. Ob das was nun kommt, erst der Anfang eines größeren Programmes ist oder nur eine Kompensation um den Aufruhr bei zahlreichen NASA Zentren und Firmen, die schon goldene Jahre witterten, zu dämpfen wird erst die Zukunft zeigen. Derzeit würde ich es auch für das zweite ansehen. Doch Griffin ist der letzte der das bemängeln darf. Das Constellation eingestellt wurde, daran ist am meisten Griffin schuld: Er war für das Programm verantwortlich. Hier ein paar Fakten Mr. Griffin:

Also ehrlich: Wenn ich soviel Mist verbockt hätte, dann würde ich ich nicht beschweren, wenn ich durch jemand anders ersetzt werden würde. Für Beschwerden ist es dann zu spät.

Samstags 3.7.2010: A day in the life

Da wahrscheinlich wegen der WM und sonnigem Wochenende sowieso wenige den Blog lesen mache ich mal außergewöhnliches: Nämlich das was die anderen Blogs so machen. Ich schreibe was über mich. Gemäß dem Beatles Titel darüber was ich gestern und heute machte. Also gestern hatte ich vormittags meine Informatikvorlesung an der DHBW. Diesmal war der letzte Übungstermin dran und bei einigen Studenten ist nun auch Durchblick zu erkennen.

Das Problem das ich sehe ist, dass das Fach nicht so besonders gewürdigt wird. Auf der einen Seite ist es Aufgabe die Grundlagen der Informatik zu vermitteln. Bei mir eben die Einführung in eine Programmiersprache. Auf der anderen Seite sind es 2 Stunden pro Woche, was definitiv zu wenig ist und vor allem wird das Fach in meinen Augen heruntergestuft, indem im ersten Semester nur ein Programmentwurf verlangt wird, der nur mit "bestanden/nicht bestanden" benotet wird und im zweiten gibt es dann zwar eine Note, aber sie wird mit Elektrotechnik zusammen verrechnet und zählt dazu 20%. Da die meisten Studenten das Fach sowieso als unwichtig ansehen, ist diese Geringschätzung in der Benotung nicht gerade förderlich für die Motivation.

Nachmittags habe ich dann nochmals den Klausurtext und die Texte für die Aufgaben für die gleiche Vorlesung durchgesehen. Die DHBW spielte gestern eine größere Rolle, weil ich auch die Bewertungen bei einem anderen Studiengang zugeschickt bekam. Letztes Jahr sprang ein Dozent kurzfristig ab und ich übernahm die Datenbankvorlesung an einer anderen Fakultät. Das lief nicht optimal ab. Zuerst mal war wenig Zeit zur Vorbereitung. Ich konnte auf einem Skript aufbauen, stellte aber dann fest, dass ich andere Schwerpunkte hatte und einiges was da vorkam selbst für Informatiker zu theoretisch war, während der Aufbau und die Benutzung von Datenbanken kaum vorkamen. Die praktischen Übungen sollten dann mit Access laufen. Okay, das ist nicht gerade das was Informatiker unter einer "echten" Datenbank verstehen, sondern eher ein System für den Endanwender der nicht mit einer Datenbank selbst in Berührung kommen will.

Als ich dann in die DHBW kam, stellte ich fest, dass dort eine uralte Version, ich glaube von 97 oder 98 installiert war. Wer Microsoft Produkte kennt, weiß wie da sich die Benutzeroberfläche und Bedienung in dem letzten Jahrzehnt geändert hatte. Ich hatte zwar extra dafür Access 2007 bei mir installiert und mich damit vertraut gemacht, doch dort musste ich überall suchen, bis ich was fand. Da ich noch dazu die Gruppe erwischt hatte die im letzten Semester als "Programmiersprache" VBA bekam, anstatt Java entfielen auch die Programmierübungen und ich nutzte die Zeit den Leuten SQL beizubringen. Das schmeckte einigen nicht so sehr.

Die Beurteilungen waren daher durchwachsen, im Mittel befriedigend, aber auch ganz schlecht und ganz gut. Wer natürlich nur einen Access Kurs erwartet, der war sicher nicht zufrieden. Aber die Benutzung von Standardsoftware sehe ich eben nicht Lehrinhalt einer universitären Ausbildung, die ja immerhin mit einem Bachelor abgeschlossen werden soll. Mal sehen ob da was dieses Semester draus wird oder es eine einmalige Vertretung war.

Nebenbei habe ich Fernsehen geschaut. Genauer gesagt "Hollow Man 1+2". Das geht nebenbei, weil ich seit drei Jahren zumeist die TV Mitschnitte vom OnlineTVRekorder herunterlade und nur noch kurze Sachen (meisten Wissenschaftssendungen) in Realzeit anschaue. Das hat zwar den Nachteil, dass ich bei neuen Sachen die meist zweimal ansehen muss, weil die Aufmerksamkeit natürlich auf den ersten Monitor gerichtet ist, an dem ich arbeite. Aber das meiste ist auch die Zeit zum Anschauen nicht wert.

Dann habe ich noch an der Auflage 2 des Raketenlexikons (US Trägerraketen) gearbeitet. Die Auflage zwei wird neben weiteren Trägern (seltene Träger habe ich in Auflage 1 zusammengefasst) vor allem weitere Angaben über Triebwerke enthalten und komplette Startlisten. Na ja eben das komplette Nachschlagewerk, dass ich mir für mich selbst gewünscht habe. Am Skylab Buch geht es dagegen langsam voran. Es ist einfach zu viel Material vorhanden. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.

Passend dazu hat heute auch das Buch über europäische Trägerraketen 1 die 100 Stück Grenze übersprungen. Es hat dafür immerhin ein Jahr gebraucht. Derzeit sind die Verkäufe eher lau, selbst bei der Neuauflage des Gemini-Programms, die als Titel der bemannten Raumfahrt sonst am besten läuft. Das ist auch ein Grund, warum ich derzeit nicht so arg an weiteren Büchern arbeite. Wobei man gerechterweise sagen muss, dass zwei ja fast fertig sind. Das ISS Buch wartet nur auf die Außerdienststellung der Shuttles. Das ist so was wie eine Zäsur, die ich noch mittnehmen will. Und das Buch über europäische Trägerraketen ist immer noch beim ersten Korrekturleser. Mit etwas Glück ist ja vielleicht noch der erste Vega Start in absehbarer Zeit und ich kann den auch mitnehmen. Derzeit scheint es da aber keinen definierten Termin zu geben.

Heute morgen stand ich um 6:30 auf um recht früh den Rasen zu mähen. Wir haben über 500 m³ und die sind gut mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt, was das ganze eher zu einem Hindernisrennen macht. Daher stand heute nur die erste Hälfte an, bevor es richtig heiß wurde. Die Hitze bringt mich auf wirklich komische Ideen. So wäre es doch viel angenehmer, wenn man die Kontinentalplatten neu anordnen könnte, so alle am Äquator mit gleichmäßigen Temperaturen ohne Hitze oder Kälte. Oder wenigstens jemand mal einen großen Staubsauger erfindet, der kühle Luft vom Atlantik ansaugt und zu uns bringt. Ich bin sicher die Amis erfinden auch noch so was in nächster Zukunft...

Heute Nachmittag habe ich mir ein bisschen Skylab Buch und noch etwas mehr Raketenlexikon vorgenommen. Nebenher werde ich wohl das Fussballspiel verfolgen. Diesmal zumindest den Life-Ton vom Fernseher. Wenn es ein Tor geht kann ich ja dann mal kurz die Wiederholung sehen. (Ich bevorzuge aktive Sportarten und nicht das Zuschauen).

Thats my day in the life.

Sonntag 4.7.2010: Zwangsgebühren

Ein Effekt der Konversation mit Leuten in fremden Ländern ist, dass man vieles erklären muss was es dort nicht gibt und da fällt mir doch das eine oder andere was vielleicht verbesserungswürdig ist. Das ist ein ziemlich umfangreiches Thema, doch heute will ich mich nur auf einen Aspekt beschränken: Zwangsgebühren. Nun was ist damit gemeint? Zum einen mal die GEZ Gebühren. Bis vor ein paar Jahren gab es die für Radioempfang und Radio/Fernsehen. Dann für internetfähige PC's. Das fand ich schon unverschämt, weil anders als ein Fernseher ein PC nicht gekauft und benutzt wird um Fernsehen zu gucken. Die meisten machen andere Dinge damit. Chatten, Surfen oder Spielen. Eher könnte man dann Beamer mit der Abgabe belegen.

Nun kommt als letzte Änderung die Haushaltsabgabe. Das bedeutet dass jeder nun Gebühren zahlen muss, egal ob er einen Fernseher hat oder das Programm überhaupt anschaut. Das ganze hat sich also von einer individuellen Bezahlung zu einer von jedem zu bezahlenden Abgabe gewandelt. Dabei finde ich wird das Programm bei den öffentlich-rechtlichen immer schlimmer geworden.

Das einzige positive an dieser Entwicklung ist dass die Kriminalisierung von nicht GEZ-Zahlern und die Machenschaften der GEZ aufhört. Ich finde es schon unverschämt zu unterstellen dass jeder das Programm anschaut, weil es immer mehr Gründe gibt auf die öffentlich-rechtlichen zu verzichten. Filme kann man sich auf DVD ausleihen (Soviel zum Thema Fernseher=Fernsehempfang), Nachrichten gibt es inzwischen direkt im Internet. Videos auch.

Das zweite ist die Art wie die GEZ nach Gebühren-"Sündern" fandet. Gemäß ihrer Einstellung das JEDER Fernsehen schaut wird auch jeder angeschrieben, dessen Adresse sie habhaft werden können. Da bekommen Leute Post unter einem Chatnamen, Hunde die eine eigene Homepage haben, werden zur Zahlung aufgefordert etc. Ich habe das vor einigen Jahren erlebt. Mein Vater ist gestorben und wir haben umgemeldet auf meine Mutter, auch weil das Konto aufgelöst wurde. Danach gab es Post von der GEZ. Ich habe mehrmals zurückgeschrieben, dass mein Vater verstorben ist und auch darauf hingewiesen, wer nun die Gebühren zahlt. Reaktion = Null. Danach wanderten die Briefe dahin wo sie hingehören: In den Mülleimer. Das zeigt in meinen Augen sehr gut wie die GEZ arbeitet: Sie sucht nur nach Einnahmen, Einwände werden nicht mal beachtet. In meinem Fall wäre es ein leichtes gewesen, mal den Totenschein anzusehen und die übermittelten Daten zu überprüfen. Es gibt auch Leute, die reagieren auf solche Briefe durchaus anders. So gesehen ist das noch schlimmer als bei anderen Behörden wie Arbeitsamt oder Finanzamt. Dort werden Einsprüche nämlich wenigstens durchgelesen und geprüft.

Also wenn es nun schon eine allgemeine Gebühr ist, warum eine pro Haushalt? Warum wird das ganze nicht von den allgemeinen Steuereinnahmen finanziert? Nun könnte jemand sagen, das ist wegen der Unabhängigkeit. Aber zum einen ist es um die ja durch die Anwesenheit von Politikern in den Rundfunkräten welche auch auf das Programm Einfluss nehmen nicht weit her und zum zweiten kann man ja einfach einen bestimmten Prozentsatz festlegen, so wie es auch bei der Kirchensteuer ist und die werden ja auch nicht von der Politik beeinflusst. Ja die Kirchensteuer ist sogar demokratischer, denn es gibt dort die Möglichkeit aus der Kirche auszutreten und man muss sie dann nicht bezahlen.

Die zweite Zwangsgebühr betrifft eine ganze Berufsgruppe: Die Schornsteinfeger. Ich glaube Deutschland ist das einzige Land, wo Privatpersonen verpflichtet sind, jährlich oder zweijährlich (bei Heizungen mit Holz sogar noch öfter) bestimmte Wartungsarbeiten und Messungen durchführen zu lassen. inzwischen kann man zwar den Schornsteinfeger wählen, aber damit hat es sich auch. Weder kann ich den Termin frei wählen, noch ob es überhaupt sinnvoll ist. Ich sehe ja was der Schornsteinfeger jedes Jahr aus dem Kamin herausholt und etwa 100-200 g Ruß gefährden in meinen Augen nicht meine Sicherheit. Das gleiche betrifft die Emissionsmessungen. Es sind ja nur Messungen. Die Einstellung der Heizung ist ja davon nicht betroffen. Das muss ein anderer Service machen, der dann als Kontrolle sowieso die Emissionsmessung durchführt.

Der einzige Zweck dieser gesetzlichen Regelung ist es eine Berufsgruppe mit gesicherten Aufträgen zu versorgen. Ich weiß, dass sie Schornsteinfeger das nicht gerne hören, aber so ist es nun mal. Eine sinnvolle Neuregelung des Gesetzes wäre es, wenn die Trennung zwischen Wartung und Kontrolle aufgehoben würde. Schornsteinfeger sollten auch die Wartung durchführen dürfen und ein anderer Servicedienst an der Heizung mit anschließender Messung sollte die Messung des Schornsteinfegers überflüssig machen. Zugleich sollte die Kehrpflicht abhängig gemacht werden, vom tatsächlich anfallenden Dreck und nicht pauschal pro Jahr einmal.

Ich habe nicht gehört, dass in anderen Ländern es schlimme Brände oder andere Katastrophen gibt, nur weil diese keine Pflicht zur Reinigung oder Messung haben. Warum muss bei uns alles verordnet, festgetackert und verpflichtet werden?

Montag 5.7.2010: Money for Nothing...

Immer wieder stoße ich auf Fälle, wie Leute Geld verdienen, mit etwas, was eigentlich nichts wert ist. Wobei ich nicht von Betrug spreche, wie Webseiten die ein Abo verkaufen oder Geld für (woanders) kostenlose Downloads oder ähnlichem sondern einfach Ideen, Leuten etwas ideelles zu verkaufen. Das ging los mit den Mondgrundstücken die verkauft wurden. Dann kamen die Sterne, die nach einem benannt wurden (warum betreibt eigentlich nicht die Internationale Astronomische Union das professionell und bessert so ihr Budget auf? Die offizielle Sternbenennung die dann auch in den Sternkatalogen und Karten eingezeichnet wird sollte doch bei den unzähligen namenlosen Sternen ein tolles Geschäft sein). Man kann auch Meteoriten verkaufen - sie sind ja nicht als Stein wertvoll, sondern nur weil sie selten sind.

Dann gibt es die Doktortitel von irgendwelchen Kirchen, die eigentlich keine echten Doktortitel sind (zumindest nicht in Deutschland) die man in ebay für 50 Euro kaufen kann. Im Prinzip ist das auch nur ein Stück Papier.

Die Erste die auf ebay ihre Stirn als Werbefläche verkauft hat, machte damit genauso viel Geld, wie die erste die Geld dafür einnahm, dass man ihr Leben über eine Webcam beobachten konnte. Anders als bei den anderen Ideen scheint das aber nur bei den ersten zu klappen, denn die folgenden die das machten wurden nicht reich. Im Gegenteil: Manche haben einen Reklamespruch für ihr Leben lang auf der Stirn eintätowiert und das für wenig Geld....

Dann gibt es noch die zahlreichen Semipromis, die eigentlich nichts können und damit Geld verdienen. Ich denke so an Leute wie Gülcan, die ihre Hochzeit vermarktet oder einen besuch auf dem Bauernhof oder Verona Pooth.

Manchmal wünsche ich mir, ich hätte auch so eine Idee, wobei so wieh mich kenne, das wohl nicht klappen würde. Geld zu verlangen für etwas was eigentlich nichts oder nur wenig wert ist, damit habe ich Probleme. Komischerweise läuft es bei mir immer anders herum: Immer wieder melden sich Leute die mit mir über "interessante Projekte" sprechen wollen. Es läuft dann immer aufs gleiche raus: Ich kann Privatunterricht in Sachen Raumfahrt oder anderen Themen am Telefon oder persönlichen Gespräch geben. Diese sparen sich Fachliteratur und vor allem viel Arbeitszeit, um sich in etwas einzuarbeiten von dem sie keine Ahnung haben und mich kosten sie nur Zeit. Danach hört man nichts mehr von den Leuten und ihren Projekten. Das irgendjemand dieser Leute mal auf die Idee kommt, zu fragen was man mir für den Zeitaufwand anbieten könnte, scheint wohl völlig abwegig zu sein.

Auf der anderen Seite: Wer mal bei Raumfahrtfirmen oder -agenturen nach detaillierteren Informationen fragt, bekommt entweder keine Antwort oder wird auf Webseiten verwiesen oder bekommt die Antwort, dass der Arbeitsaufwand für die Beantwortung oder Zusammenstellung von Informationen zu groß ist. Zeit ist Geld im Geschäftsleben. Das heist aber nicht, dass man von Privatpersonen die Zeit stehlen darf, vor allem nicht wenn dahinter eine Geschäftsidee steckt, mit der diese Personen ja später Geld verdienen wollen. Das unterscheidet sie von Privatpersonen, die zudem meistens auch nicht völlig ahnungslos sind und es akzeptieren wenn ich bei vielen oder sehr speziellen Fragen sage, "das können sie in dem und dem Buch nachlesen". Schlussendlich interessieren sie sich ja auch meist für das Thema und wenn man da mehr wissen will geht nichts über Literatur. Journalisten und Geschäftsleute wollen dagegen nur Expertenwissen zu einem bestimmten Thema abziehen, aber nicht den Experten bezahlen.

Da ich eigentlich recht hilfsbreit bin, aber in den letzten Jahren feststellte, dass dies nur ausgenutzt wird, habe ich inzwischen die Notbremse gezogen. Anfragen von Journalisten oder zu "interessanten Projekten" werden nicht mehr beantwortet und im Telefonbuch bin ich nicht mehr zu finden. Das ist radikal, aber anderes geht es nicht, denn nicht mal an meinem früheren Arbeitsplatz war ich vor Anfragen sicher. Was würden die Firmen eigentlich machen, wenn ihre Angestellten am Arbeitsplatz stundenlang Fragen beantworten würden, die nichts mit der Arbeit zu tun haben, für die sie bezahlt werden?

Passend dazu heute mal den Musiktipp in den Blog integriert: Es ist - wie könnte es anders sein - Money for Nothing (and the Chicks for free) von den Dire Straits.

Dienstag 6.7.2010:  Private Raumfahrtfirmen bringen es nicht!

Gestern stieß ich auf diesen Artikel beim Space Review, der wiederum eine Antwort auf diesen Artikel, eine Woche zuvor ist. Beide Artikel zeigen recht gut wie man Zahlenmaterial missbrauchen kann je nachdem wie es einem in den Kram passt. Der erste Autor nimmt z.B. von Daten die SpaceX veröffentlichte gerade mal die die ihm in den Kram passen und der zweite Autor rückt diese ins rechte Licht indem er ein paar Fragen dazu stellt. Ich empfehle die Lektüre, bevor sie hier weiterlesen.

Das ist übrigens recht symptomatisch für die Befürworter irgend einer These. Sei suchen sich das Zahlenmaterial aus, das ihre Meinung unterstützt oder sie vergleichen schon mal Äpfel mit Birnen. In diesem Falle die Computerindustrie mit der Raumfahrtindustrie oder eine Rakete für bemannte Einsätze mit einer für unbemannte.

Das inspiriert mich zu meinem heutigen Eintrag. Indem ich mit denselben Tricks beweisen werde, das SpaceX ineffektiv arbeitet, viel zu teure Starts anbietet und unzuverlässige Raketen baut. Irgendwelche Ähnlichkeiten zu Threads in bestimmten Foren sind durchaus beabsichtigt.

Private Raumfahrtfirmen bauen unzuverlässige Raketen

SpaceX führte bislang sechs Starts der Falcon 1 und 9 durch. Die ersten drei waren Fehlstarts. Der Flug vier der Jungfernflug der Falcon 9 erreichten einen zu niedrigen Orbit und im letzten Fall rotierte auch die Stufe - beides wären für kommerzielle Starts dann Fälle für die Rückversicherung. Nur einer war voll erfolgreich.

Die Ariane 1-5 Familie hat dagegen bei 194 Starts insgesamt neun Fehlstarts, zwei zu niedrige Orbits und 183 erfolgreiche Flüge absolviert. Daraus errechnet sich in einem Fall eine Erfolgsquote von 16,7 % und im anderen eine von 94,3 %.

Daraus ist zu folgern: Private Firmen bauen unzuverlässige Träger, von Raumfahrtbehörden entwickelte Träger sind dagegen sehr zuverlässig.

Private Raumfahrtfirmen sind kommerziell nicht erfolgreich und von Staatsaufträgen abhängig

Seit einigen Jahrzehnten liegt der Anteil von Arianespace an den privat ausgeschriebenen Satellitenstarts (die meisten sind es ja nicht) bei rund 50 %. SpaceX konnte dagegen nur drei Starts von Kommunikationssatelliten akquirieren. Das Auftragsbuch von Arianespace weist eine Regierungsmission alle ein bis zwei Jahre aus, also rund 10 % der Gesamtmissionen. Im Launchmanifest von SpaceX machen die Starts zur ISS dagegen 15 von 27 Missionen aus, also 55,5 %. Daraus ergibt sich als Folgerung, das privat entwickelte Raketen nicht kommerziell konkurrieren können und diese Firmen nur mit Staatsaufträgen überleben können.

Private Firmen arbeiten ineffizient und sind teuer

Kommen wir nun zu dem was sonst immer so als Vorteil gepriesen wird. Angeblich sollen private Träger viel preiswerter als von einer Regierungsbehörde entwickelte Rakete sein. Zudem sollen sie schneller produziert und gestartet werden können. Vergleichen wir mal die Falcon 9 von SpaceX mit der A-4.

Die Falcon 9 kostet 49,9 Millionen Dollar pro Start. Die A-4 dagegen 38.0000 Reichsmark. Das entspricht ungefähr der Kaufkraft der zehnfachen Summe in Dollar heute. Eine privat entwickelte Rakete ist also mehr als zehnmal so teuer wie eine Regierungsrakete! Kann sie wenigstens schnell produziert werden? Auch das nicht. SpaceX führte zwischen 2006 und 2010 in fünf Jahren gerade einmal sechs Starts durch, also 1,2 pro Jahr. Von der A-4 wurden dagegen zwischen dem 8.9.1944 und dem 14.2.1945 insgesamt 3225 Stück gestartet, also in 5 Monaten rund 500 mal mehr als SpaceX in sechs Jahren! Wir können daraus eigentlich nur folgern das private Firmen, insbesondre SpaceX höchst ineffizient arbeiten und sehr teure Raketen produzieren.....

Mittwoch: 7.7.2010: Hätte man Skylab retten können?

Beim Suchen über Material über Skylab lese ich gerade auch in Matthias Gründers Buch "SOS im All". Dort schreibt er das die NASA eine technisch mögliche Rettung von Skylab durch eine Sojus aus politischen Gründen abgelehnt haben. Mich wunderte nur, dass ich niemals sonst was davon gehört habe. Das verwundert auch nicht, denn anders als Gründer schreibt war es nicht technisch möglich.

Ich habe mich ja mit der Sojus schon für das ATV Buch beschäftigt und ein Problem der ersten Generation, die damals noch eingesetzt wurde, war der begrenzte Treibstoffvorrat. Bei Apollo-Sojus machte die Apollo fast alle Kurskorrekturen und später gab es noch im Saljut Programm das Problem, dass wenn eine Ankopplung nicht beim ersten oder zweiten Versuch klappte die Besatzung wegen Treibstoffmangel zur Erde zurückkehren hätte müssen. Nun wäre die Sojus durch den für das Apollo Sojus Testprojekt entwickelten Kopplungsadapter noch schwerer gewesen - da wäre schon das Ankoppeln schwierig, geschweige denn das viel Treibstoff für das Anheben der Station übrig geblieben wäre.

Die Apollo Raumschiffe, welche Skylab anflogen hatten 2.300 kg Treibstoff an Bord. Eine Sojus die etwa 2/3 der Startmasse hatte nur 550 kg. Also damit hätte man Skylab nicht anheben können. Nun gäbe es ja noch die Möglichkeit eine Progress zu benutzen. Doch das gäbe dann andere Probleme. Das erste ist das die Progress recht spät kam - 1978 flog das erste Exemplar. Unwahrscheinlich, dass die damalige UdSSR die USA vorher über deren Entwicklung informiert hätte um die Rettung zu koordinieren. Das zweite war das Ankoppelsystem IGLA das damals zum Einsatz kam. Es war seimautomatisch. Ohne eine Besatzung in der Saljut ist keine Progress der ersten Generation angekoppelt. So wäre für eine Rettung von Skylab noch ein zweiter Start einer Sojus nötig gewesen, in der die Besatzung die Ankopplung überwacht. Trotzdem taugt die Progress nicht zur Rettung: Sie hätte zwar bis zu 975 kg Refülltreibstoff transportieren können, aber da Skylab mit Kaltgas arbeitet und die Anschlüsse nicht am Dockingadapter lagen ist das weitgehend nutzlos. Eine Progress hätte also auch nicht Skylab anheben können.

starken Das sicherste wäre es gewesen ein übriggebliebenes Apollo Raumschiff zu starten. Das Apollo CM hatte große Tanks für Treibstoff und mit dem SPS Antrieb auch einen Antrieb. Bei den Skylab Missionen nutzte man die Nutzlastkapazität der Saturn IB kaum aus. Diese lag bei 18.600 kg für einen 200 km Orbit mit 28,5 Grad Neigung. Skylab war in einem 50 Grad Orbit, sodass noch 17.700 kg übrig blieben für diesen Orbit. Neben Adaptern etc. transportierte eine S-IB einen 13.500 Pfund schwere Kommando Kapsel und ein 17.500 Pfund schweres Servicemodul mit 2300 kg Treibstoff. Etwa 3.400 Pfund Resttreibstoff in der S-IVB blieb unbenutzt. Angenommen, die Apollo Kapsel benötigt rund 300 m/s für Erreichen von Skylab und Landung (diese Menge steht z.B. bei einem Shuttle Flug zur Verfügung und dieser muss davon sogar noch 100 m/s für das Erreichen des Orbits abziehen), dann stehen noch 1000 kg zum Anheben der Station zur Verfügung. Das klingt nach viel, ist aber bezogen auf das rund 85 t Skylab+CSM ist es wenig. Ein Apollo Flug hätte es um gerade 40 m/s beschleunigen können. Das würde nur ausreichen, wenn ein solches Manöver sehr früh käme, z.B. die Station nicht tiefer als 365 km abgesunken ist, dann würde ein Lupfer um 40 m/s sie wieder auf 435 km Höhe bringen. Für eine dauerhafte Rettung ist es aber zu wenig. Wenn die Saturn IB ihre Maximalnutzlast ausnutzt wären es weitere 1500 kg Treibstoff. Das würde dann ausreichen, auch wenn die Station schon tiefer abgesunken ist, da es dann schon 100 m/s Beschleunigung ist. Das Problem: die gesamte Apollo Hardware wanderte (wie übrigens ein zweites flugfähiges Skylab Exemplar) ins Museum.

Bleibt noch das von der NASA angedachte, aber nicht rechtzeitig fertiggestellte TRS System. Doch auch dieses war angewiesen darauf dass ein Space Shuttle es mit dem Arm aktiv andickt. Es war nicht "intelligent" wie heutige Versorgungstransporter zur ISS sondern eigentlich nur eine Raketenstufe mit einem Docking Adapter, aber keinerlei Annäherungssensoren. Ohne Space Shuttle der es aus em Nutzlastraum befördert und dann andockt wäre es nutzlos gewesen.

Die Frage ist natürlich: Was hätte es gebracht Skylab zu retten? Nun die Station hätte man sicher nicht weiter genutzt wie vorher. Die Experimente wären veraltet gewesen, die Solarzellen degradiert und schon vorher waren Lageregelungstreibstoff und Kreisel schon weitgehend erschöpft bzw. außer Betrieb. Es gab noch genügend Gas und Wasser für einen längeren Aufenthalt. Die NASA sah vielmehr den Nutzen von Skylab als Wohnraum. Es hätte durch einen 24 kW Solarzellenausleger ergänzt werden können und man hätte dann dort ein Spacelab mit Experimenten angedockt - Der Vorteil wäre dass so viel längere Forschung möglich gewesen wäre. Nach einigen Monaten wäre das Spacelab dann wieder von einem Shuttle abgeholt worden samt Besatzung. Später wäre dann ein neues Raumlabor gefolgt - mit neuen Experimenten. Meiner Ansicht nach eine gute Synthese von dauerhafter Raumstation und der Möglichkeit schnell Experimente auszuwechseln. Dieser Punkt war damals recht wichtig, die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass auch Spacelabmissionen mehrere Jahre Vorbereitungszeit hatten und so eine dauerhafte Nutzung wohl noch besser ist, wie sie heute bei der ISS vorgesehen ist.

Doch es kam wie bekannt nicht dazu und die NASA versuchte nur noch das Labor möglichst über unbewohntem Gebiet niedergehen zu lassen. Aber mal umgekehrt: Hätte Reagan 1984 die NASA beauftragt eine neue Raumstation zu entwickeln, wenn die USA noch ein funktionierendes Skylab gehabt hätten? Dann gäbe es heute keine ISS.... Es sei dem geneigten Leser überlasen ob das positiv oder negativ ist...


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