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Web Log Teil 179 : 2.8. - 6.8.2010

Montag 2.8.2010: Wer hat's erfunden? - Der Bernd

Mir ist eine tolle Idee am Samstag gekommen. Wäre ich in Amerika würde ich nun sofort zum Patentamt laufen und reich werden...

Kennen sie das auch - sie haben ein größeres Grundstück und ein größeres Haus und werden gerufen. Also bei uns ist das so. Ich wohne im ersten Stock, meine Mutter im Erdgeschoss. Sie ist 85 und da wird öfters nach mir gerufen, oder sie will mir was sagen und ich bin im Garten. Schreien will man nicht, schon wegen den Nachbarn, also muss man erst mal  näher kommen.

Meistens wird es bei uns mit Dreimal klingen über die Sprechanlage an der Tür erledigt, aber oft genug kam ich dann runter um zu hören ich soll doch meine Wäsche mit runter bringen damit sich das Waschen lohnt und ich konnte wieder zurück gehen und die Wäsche holen. Außerdem ist das Bimmeln der Sprechanlage echt nervend und wenn ich gerade programmiere ist da der letzte Gedanke sofort weg.

Früher hatten wir (bevor wir Telefon über Kabel-TV hatten) noch Telefone, mit denen man dasselbe machen konnte nur eben noch sprechen (die Sprechanlage nutzt dazu keiner weil man erst hinlaufen muss und die Verbindung schlecht ist), aber das war auch zu unbequem. Man bräuchte so was wie ein Mischung aus Handy, Babyphon und Freisprecheinrichtung und da kam mir die Erleuchtung:

Man verbindet das Handy mit dem heimisch WLAN. Das funktioniert so. Jedes Handy hat außer der öffentlich erreichbaren Nummer noch eine private mit nur einer oder zwei Ziffern Länge. Wird diese gewählt, so passiert folgendes: Das Handy wählt sich im heimische WLAN ein (Verschlüsselt natürlich. Die Zugangsdaten werden eingestellt bei der Einrichtung des Handys). Dieses broadcastet nun ein "Handy-Ring" Packet mit der Zielhandynummer. Ein anderes Handy mit dieser Zielnummer und einer Freisprechvorrichtung empfängt es, bimmelt und aktiviert sich auf einen Befehl des Benutzers (natürlich sprachgesteuert - sollte über Spracherkennung kein Problem sein). Und schon kann man innerhalb der Reichweite des WLAN's telefonieren. (Das Starthandy könnte natürlich auch über Sprachsteuerung aktiviert werden - ist man außer Hörreichweite muss man eben das Bimmeln hören und hingehen).

Handys hat jeder. WLAN fast auch jeder. Spracherkennung gibt es seit über zehn Jahren (und wir reden üben einfache Befehle wie "Aktivieren", "Auflegen" etc.). Freisprecheinrichtungen auch - man müsste nur die Technologien kombinieren! Dann kann man in der Familie innerhalb des WLAN's untereinander telefonieren - in guter Sprachqualität, bequem und vor allem kostenlos! (Jaum ich bin Schwabe)

Warum ist darauf noch keiner gekommen. Und warum komme ich als Handy-Hasser darauf? Vielleicht gerade deswegen....

Kennt ihr eigentlich schon den neuesten Traumberuf? Früher gab es so einen Witz: "Was wirst Du mal wenn Du groß wirst" - "Ich werde Büstenhalter". Ha. Ha. echt komisch. Aber man glaubt es kaum, so was ähnliches gibt es tatsächlich. Mariah Carrey hat (so habe ich im Fernsehen erfahren) jemanden angestellt, der nur dafür verantwortlich ist, dass ihr Busen gut aussieht und richtig im Kleid platziert ist. Das ist doch ein moderner Traumberuf. Warum nächster Superstar werden, wenn man bei Mariah Carrey die Brüste zurecht rücken kann?

Die Kommentare zu Placeboprodukten haben mich auf eine andere Idee gebracht: Mit Placebo-Software kann man noch mehr Geld verdienen. Also warum nicht ein Programm schreiben, das die Festplatte pflegt indem es die Daten gelichmäßig verteilt ablegt, damit keine Unwucht entsteht (Festplatten rotieren mit 7.200 U/min, da kann eine Unwucht schlimme Folgen haben) - Ein Programm das wahllos auf die Festplatte zugreift und so kräftige Zugriffsgeräusche produziert müsste reichen. Oder noch besser: Die Windows Indizierungsfunktion auf alle Dateien loslassen, dann schwören sogar die Anwender auf einen Effekt der Software - schließlich findet man nun alles viel schneller....

Erinnert sich noch jemand an SoftRAM 95?

Dienstag 3.8.2010: Die Sache mit dem Bundesverdienstkreuz

OrdensträgerYogi Löw soll es bekommen wegen der Verdienste für Deutschland oder die Nationalmannschaft oder nur weil wir Dritter bei der WM geworden sind. Bekommt dann Maren Meinert auch eines - schließlich haben die Frauen ja noch besser abgeschnitten.

Mir fällt auf jeden Fall auf, das Promis gerne Bundesverdienstkreuze bekommen. Und ich frage mich warum. Sie machen ja auch nur ihren Job, nur sind sie eben bekannter. Das Bundesversdienstkreutz sollte für herausragende Leistungen für die Allgemeinheit reserviert sein. Es gibt da meist zwei Kategorien. Zum einen Personen die in einer Situation besonders mutig, besonnen oder sonst wie außergewöhnlich gehandelt haben, wie z.B. der Mann der in München Teenager vor Jugendlichen beschützen wollte und dabei selbst getötet wurde (da nützt natürlich ein Bundesverdienstkreuz nichts, aber es ging ja um das Beispiel) oder andere die viel Freizeit investieren um anderen zu helfen oder ehrenamtliche Arbeit leisten.

Bei Prominenten habe ich das Gefühl, sie bekommen es von alleine. Einfach nur weil sie prominent sind. Natürlich haben sie die Möglichkeit mehr Leute zu erreichen. Wenn ein Sänger populär ist und viele Platten verkauft, dann macht er vielen Leute Freude. Aber er verdient auch entsprechend. Es ist sein JOB! Und nur weil er erfolgreich im Job ist (es gibt ja auch zig Sänger die es nicht sind) macht ihn nicht zu etwas besonderen. Zumal es für die Ehrung von Künstlern ja schon Zig Preise gibt. Sowohl für Literatur, wie auch Musik, wie auch Film und Fernsehen. Um nur mal das letzte zu nehmen. Da fallen mir spontan die Lola, Goldene Kamera, Bambi, der deutsche Fernsehpreis ein. Und jedes Jahr bekommen Zig Promis da schon Preise für ihr Lebenswerk wenn sie aktuell nichts hinbekommen haben.

Natürlich kann ein Promis auch ein Bundesverdienstkreuz bekommen - wenn er sich wie andere Träger einsetzt. Karl Heinz Böhm ist so ein Beispiel mit seinem nur schon seit fast 30 Jahren andauernden Engagement für Äthiopien. Aber es muss sich eben auch an den Möglichkeiten orientieren. Sicherlich können (nur als Beispiel) die Scorpions bei einem Konzert mehr Geld für einen guten Zweck sammeln als ein "Otto Normalverbraucher" in seinem Ganzen Leben. Aber es kostet sie eben nur ein paar Stunden oder einen Tag und daran sollte man es messen.

Ganz besonders schlimm, und das zeigt auch wer die Vorschläge erarbeitet ist dass Politiker, sofern sie in eine bestimmte Position kommen automatisch ein Bundesverdienstkreuz bekommen und zwar meist die oberen Klassen. Besonders erschreckend ist diese Liste der höchsten Stufe die es gibt, die Sonderstufe des deutschen Großkreuzes. Bei den deutschen Trägern gibt es fast nur Politiker. Darunter auch so nette Naturen wie Filbinger (Ex SS Richter der Zig Todesurteile beschloss) und wenn man erst Bundeskanzlerin ist bekommt man es automatisch. Selbst so inkompetente Naturen wie Kohl (Danke für die Wiedervereinigung die uns über 1 Billion Euro gekostet hat) oder Merkel (Probleme lösen sich von alleine, man muss nur ein paar Jahre warten - wenn sie vier Jahre Südseeurlaub machen würde, wäre der Unterschied auch nicht spürbar).

Am besten man benennt den Orden um: Anstatt "Bundesverdienstkreuz" wäre "Selbstbeweihräucherungskreuz" oder "Sonderorden als Ergänzung zu den Diäten" möglich. Am besten mit Tragepflicht. Wahlweise als so farbige Plättchen wie heute bei militärischen Orden üblich oder wie früher mit viel Lametta (Bild links). Das hat schon mal geklappt: In der DDR gab es Orden für alles und jedes und vor allem für die Politiker.

Mittwoch den 4.8.2010: Er könnte noch immer fliegen - wenn er nicht nur bemannt gewesen wäre.

Ja auf diesen Gedanken bin ich gekommen beim Space Shuttle. Nun die Diskussion ob er bemannt sein muss kann man sich schenken, unbemannt hätte es nicht das Geld für ihn gegeben. Doch die NASA hat auch mal weiter gedacht. Von den siebziger bis achtziger Jahre entwickelte Sie verschiedene Konzepte für ein unbemanntes System mit höherer Nutzlast. Das ging hin bis zu einem vergrößerten Tank, auf dem die Nutzlast saß mit den Triebwerken unter dem Tank und vier Feststoffboostern - Nutzlast 150 t.

Diese ersten Planungen in den siebziger Jahren wurden dann einige Jahre ad acta gelegt. Die NASA hatte nicht das Geld und erst mal galt es das Space Shuttle System zu der Startrate zu bringen die angestrebt war - 1986 waren 13-14 Starts geplant, später sogar bis zu 20 pro Jahr. Ob 20 realistisch gewesen wären ist offen. aber 1985 fanden neun Starts statt, wobei der letzte Orbiter (die Atlantis) erst am 3.10.1985 ihren Erstflug hatte. Weniger als zwei Monate später startete sie erneut - 13 Starts wären bei dem Tempo also durchaus nicht unrealistisch gewesen.

Nach Challenger war das illusorisch. Neben der eigentlichen Unglücksursache fand die Roger Kommission auch zahlreiche andere Mängel im Shuttle Management. So war es gang und gäbe die Orbiter zu "kannibalisieren" - mangels Ersatzteilen wurde aus einem Orbiter etwas ausgebaut um einen anderen schnellstmöglich flugfähig zu bekommen. Alles nur um die Startrate schnell hoch zu treiben.

Doch 1983 kündete Präsident Reagan an, die USA sollten ein Abwehrsystem für Interkontinentalraketen (später SDI genannt) entwickeln. ICBM's sollten durch verschiedene Systeme in verschiedenen Stufen der Bahn abgefangen werden - nach dem Start mit Lasern, nach Brennschluss mit Partikelkanonen, Projektilwaffen etc. Die letzten Sprengköpfe vor dem Wiedereintritt dann mit erdgestützten Waffen.

Auch wenn noch keine eine Vorstellung hatte, was man dafür ins All transportieren müsste, so war doch klar, dass die USA dafür enorme Güter ins All transportieren müssen. Das ergab sich alleine daraus, dass die UdSSR etwa 10.000 ICBM's hatten die bei einem Erstschlag alle innerhalb kürzester zeit gestartet werden würden.  Bei erdnahen Waffen ist jede nur einen Teil eines Umlaufs in der geeigneten Position. Bei geostationären Satelliten gibt es dieses Problem nicht, aber sie sind weit vom Ziel entfernt und die Nutzlast beträgt dann nur noch ein Viertel derer für erdnahe Bahnen.

So begannen NASA und DoD mit Planungen für eine Schwerlastrakete "Heavy Launch Vehicle". Während das DoD mehr an eine Trägerrakete dachte, zog die NASA ihr Shuttle-Carrier Konzept erneut aus der Schublade. Diesmal unter unveränderter Beibehaltung der SRB und des ET. Aber der Orbiter sollte gravierend abgespeckt werden. Vom Orbiter wurden nur Nutzlastraum und Heck übernommen. Die Spitze mit der Mannschaftskabine entfiel und wurde durch einen einfachen und kurzen Konus ersetzt. Ebenfalls entfielen die Flügel und das Heckleitwerk. Es gab verschiedene Konzepte die zwischen 68 und 77 t LEO Nutzlast aufwiesen. Später griff die Direct Initiative dies auf. Wobei hier aber weitergehende Veränderungen geplant waren, dafür aber auch ein größerer Nutzlastraum für eine Oberstufe mit kryogenen Treibstoffen.

Doch gehen wir einen Schritt zurück - zurück ins Jahr 1993, als die ISS geplant wurde. Schon damals rechnete die NASA mit 4 Jahren für den Aufbau. 1998 waren es schon 5,5 Jahre und 33 Shuttle Flüge - die NASA startete in den neunziger Jahren sechs bis acht mal pro Jahr. Neben dem unsicheren russischen Partner war der Shuttle der Hauptgrund warum es so lange dauerte. (Später durch die Columbia Katastrophe und noch weniger Flügen sogar noch sieben Jahre länger). Da die ISS auch ohne dass sie vollständig montiert ist in den letzten Jahren 1-1,3 Milliarden Dollar pro Jahr kostete, weitere Sojus und Progressflüge nötig macht.

Die NASA wäre gut beraten gewesen einen Shuttle C zur Verfügung zu haben. Allerdings keiner der radikalen Umbauen. Eine der ersten Lösungen, noch in den siebziger Jahren vorgesehen war der Umbau eines Orbiters - weg mit allem was die Mannschaft benötigt und ausgelegt für Kurzzeitmissionen. Das bedeutet - die komplette Mannschaftskabine entfällt, das Lebenserhaltungssystem auch. Ein Großteil der Brennstoffzellen, Luft, Nahrung, Raumanzüge, Kopplungsadapter zur ISS. Weitere Nutzlaststeigerungen kamen zustande indem die Triebwerke im 109% Niveau betrieben werden anstatt wie beim Space Shuttle bei 104%. Die NASA ging so von 45 t Nutzlast aus - bei 29,8 t für die normale Version.

Nun erreichte keiner der Shuttles jemals diese Nutzlast, doch die Differenz bleibt. Und 15 t mehr zur ISS sind fast die doppelte Nutzlast (normalerweise so um die 17 t). Wobei von den 17 t ja meist noch der Kopplungsadapter abgeht, sodass praktisch zwei Shuttle Flüge ersetzt werden. Mit diesem Shuttle-C hätte man die Module und die MPLM transportieren können. Videokameras hätten den Blick der Besatzung ersetzt und es gäbe ja noch die Stammbesatzung an Bord der ISS mit einem anderen Blickwinkel. Nur für das Ankoppeln hätte ein solcher umgebauter Shuttle ausgereicht. Die meist auch nötigen Außenbordarbeiten (um elektrische Anschlüsse oder Gas/Wasserleitungen zu verbinden) wären dann durch die Stammbesatzung durchgeführt worden.

Der Vorteil: Die ISS wäre halb so schnell fertiggestellt geworden, vielleicht noch schneller, weil ein unbemanntes System sicher nicht so von der Columbia Katastrophe betroffen gewesen wäre. Die Stunde des bemannten Shuttles hätte dann geschlagen wenn die Besatzung ausgetauscht werden muss (und manche Module, wie die Solarzellenausleger sind auch so groß, dass keine zwei transportiert werden können) Ein Shuttle-C mit einigen Zusatztanks könnte dann auch die ISS nach der Fertigstellung anheben können, oder Deorbitieren.

Das Shuttle würde dann nach dem Ausbau die Regelbesatzung bringen, verbunden mit den Versorgungsgütern - gerne vergessen: Die NASA zahlt SpaceX und OSC zusammen 3,5 Milliarden Dollar für 40 t Versorgungsgüter die zur ISS gebracht werden - ohne Crewtransport. Vier Shuttles könnten auch maximal 36,4 t transportieren und würden rund 2,4-3,2 Milliarden kosten, je nach Flugrate (4/5 Flüge pro Jahr). Rechnet man den Crewtransport noch dazu, dann wird das Shuttle sogar konkurrenzfähig, denn ein Sitz kostet nun auch schon 55 Millionen Dollar bei den Russen.  Nur bei dem gleichzeitigen Transport von Besatzungen und Fracht spielt der Shuttle seine Vorteile voll aus.

Wer weiß, ob man wenn es schon einen Shuttle-C gibt nicht dann für die Ares V dann auch an die von Direct favorisierte Version mit mehr Bauteilen aus dem Shuttleprogramm eingesetzt hätte.

Donnerstag den 5.8.2010: Immer mal wieder: Die Festplatte ist zu groß

Kann die Festplatte zu groß sein? Der Laie mag staunen. Ja das kann sie. Die ersten >2TB Platten kommen nun auf den Markt, allerdings nur als USB Laufwerke. Denn das heutige BIOS und der MBR spielen da nicht mit. Es gibt Lösungen - BIOS mit 64 But LBA Adressierung oder noch besser das schon vor 10 Jahre entwickelte, aber nur beim Mac eingesetzte EFI BIOS das auch mit anderen PC Altlasten aufräumt.

Der Knackpunkt ist aber nicht das BIOS sondern der Master Boot Record (MBR) der gestartet wird wenn von einem Medium gebootet wird. Dort sind 32 Bit für die Anfangsadressen von Partitionen vorgesehen, das sind 4 Milliarden Sektoren und da ein Sektor 512 Bit groß ist ergibt sich daraus eine Limitierung der Größe von Festplatten auf 2 TB.

Das ist nicht das erste Mal, dass der Autor mit so was konfrontiert ist. Es gab in der Vergangenheit schon ein paar solcher Schranken:

Zurück zur 2 TB Grenze. Was ist das Problem. Eigentlich keines, wenn man Windows Vista, 7 oder Server einsetzt. Die arbeiten mit der neueren GPT Partitionierung. Sie erkennt beim Einrichten eine >2 TB Platte und richtet nur einen Dummy MBR ein der eine volle Platte vorgaukelt. Unter Windows 7 (wie auch Linux oder Mac OS) sind aber mehr als 2 GB nutzbar. Doch Windows XP ist noch populär und das kommt nur mit dem MBR zurecht. Das ist ein Problem. Den MBR abschaffen kann man aber auch aus anderen Gründen nicht. Alle portablen Bootmedien arbeiten auch mit MBR. Egal ob bootbarer USB Stick oder Live CD. Ohne ihn geht es nicht. Er wird uns also noch eine Weile erhalten bleiben, zumindest für Wechselmedien. Immerhin bei einem neuen Windows geht es mit GPT (GUID Partition Table) und da gibt es keine Probleme bis in den Exabyte Bereich.

Es ist mal an der Zeit in allen drei Bereichen wo es Grenzen geben kann - BIOS Adressierung der Platte, Booten und Adressierung durch das Dateisystem ein System einzuführen das wirklich für die Zukunft gerüstet ist so wie beim Übergang von IPV4 auf IPV6 von 32 auf 128 Bit Adressen. Derzeit verkauft Seagate seine 3 TB Platte nur als USB Laufwerk und formatiert sie mit 4 K Sektoren (Maximalgröße wegen der größeren Sektorgröße dann 16 TB) - solange eine Software über das Betriebssystem auf die Platte zugreift kein Problem, zumal Windows und Linux nativ sowieso mit 4 K Blöcken arbeiten. Bei Software die direkt auf die Sektoren zugreift, z.B. um sie auf Low-Level Ebene zu verschlüsseln wirds dann aber problematisch wenn diese mit 512 Byte großen Sektoren arbeitet.

Freitag 6.8.2010: Rock, Rente und Gerechtigkeit

Nachdem ich am Mittwoch ausnahmsweise mal Fernsehen live gesehen habe, anstatt wie sonst üblich zeitversetzt, habe ich auch gleich ein neues Thema für meinen Blog gefunden. Es geht um zwei Sendungen. Die erste "Rock anstatt Rente". Nachdem vor einigen Jahren die "Zimmers" in England schon bekannt wurden mit "My Generation", macht nun SAT-1 das gleiche: Rentner zwischen 70 und 99 sollen eine Band bilden und innerhalb von 3 Monaten soweit fit sein, dass bei einem großen Konzert auftreten können.

Okay, das klingt nach einem interessanten Konzept und Grund genug es sich mal anzusehen. Aber mit dem Chorleiter hat es SAT-1 wohl ganz versemmelt. Wenn er was vom Geschäft versteht dann hat er zwei Probleme: Er muss aus Laien einen Chor formen. Aus Leuten die singen wollen, aber es vielleicht nicht so gut können. Und er muss alten Leuten eine Musik beibringen die sie vielleicht nicht so gut kennen, meistens auch englische Texte, wobei man bei dieser Altersgruppe ausgehen kann dass bis auf die wenigen die früher das Abi machten (und das waren nicht der Großteil, wie heute) kein Englisch können. So waren von 25 auch nur zwei dieser Sprache mächtig.

So wie würde ich es machen? Ich hole die Leute da ab, wo sie herkommen. Erst mal muss man einen Chor formen. Leute müssen auf den Nachbarn hören, synchron singen in der richtigen Lautstärke. Wenn das klappt, dann kann man zu Schritt zwei übergehen. Also würde ich erst mal bei etwas langsamen üben, das alle kennen, dass sie sich auf die Zusammenarbeit im Chor konzentrieren können. Vielleicht die Capri Fischer oder einen einfachen Schlager oder ein Volkslied. Das ist schon schwierig. Musik hören und exakt nachzusingen sind zwei paar Stiefel. Wer es nicht glaubt, kann ja mal das kostenlose Ultrastar installieren und sich auch an "Highway to Hell" versuchen.

Dann kommt Schritt zwei - die Leute müssen Rocklieder können. Aber auch da kann man es leicht angehen. Es gibt welche mit einfacher Melodie und schwierige. Vor allem teilt man bei diesem Publikum nicht Zettel mit dem englischen Text aus, sondern ergänzt diesen durch eine phonetische Schreibweise, also wie würde man den Text im Deutschen aussprechen. Leute so arbeiten selbst Profis - Phil Collins hat mal bei "Wetten Dass" ein Titellied von einem Musical das er komponiert hatte in Deutsch vorgesungen und Gottschalk hielt das Blättchen mit D-englisch in die Kamera.

Aber darum geht es nicht bei SAT-1 sondern um Action und ein bisschen auch darum, sich über die alten Leute lustig zu machen (z.B. indem sie nach einer Probe fragten wie dass Lied denn nun hieß, das sie geprobt haben und die falschen Antworten aneinander gehängt haben). Was also macht der Chorleiter: Er fängt mit AC/DC an "Highway to Gell" sollen die Senioren proben. Klar der Refrain geht gut, aber der gepresste Gesang im Rest? Lied Nummer zwei ist dann Deutsch aber noch schwieriger : "Hurra" von den Ärzten. Eine Dame wollte das nicht singen. Kann ich verstehen. Ich kann den Titel auch nicht leiden wie auch die ganze Band.

Warum es den Leuten geht das machen die Einblender über ihr Leben und Gespräche was sie sich vom Chor erhoffen deutlich: Gesellschaft, nicht mehr alleine zu sein. Leute, dazu braucht ihr kein Fernsehteam. Sucht euch einen Raum zum üben und probt das was euch Spaß macht oder trefft euch in der Kneipe und lasst den Fernsehzirkus sein...

Die nächste Sendung habe ich schon nicht mehr angeschaut, weil die Werbung vorher mich so geärgert hat Leonora Holling ist die "Anwältin für alle Fälle". Mir reichte schon ihr Gesicht in der Kamera bei der Werbung mit der Aussage "Ich kämpfe für Gerechtigkeit". Mädel, Du hast den falschen Beruf! Anwälte kämpfen nicht für Gerechtigkeit. Sie kämpfen für ihre Klienten. Für Gerechtigkeit sollte das ganze System sorgen, zu dem auch Staatsanwälte, Schöffen und Richter gehören. Was macht ein Anwalt wenn er weiß, das sein Klient schuldig ist, die Beweislage aber so schwach, das es schwierig wird eine Verurteilung zu erreichen? Kämpft er dann für Gerechtigkeit und sagt: "Mein Klient ist schuldig, verdonnern sie ihn zu 6 Jahren" oder fordert er einen Freispruch, bringt die noch bestehenden Indizien ins Wanken?

Unser Gerichtssystem hat schon genug Macken, so die, dass sich Geständnisse je nach Zeitpunkt mehr oder weniger strafmildernd auswirken - selbst wenn klar ist dass der Täter überführt ist. Offizielle Begründung: Die Prozessdauer wird verkürzt, das spart Kosten. Doch dafür gleich ein paar Jahre weniger? Oder die Handel die es ab und an zwischen Staatsanwaltschaft und angeklagten gibt. Stichwort: Kronzeugenregelung.

Anwälte haben es ja nicht leicht. Ihr Berufsstand ist ja durch die Massenabmahnungen und die Zusammenarbeit mit den Betreibern von Abofallen schon in Verruf geraten. Warum sich aber keiner gegen diese Gerichtsshows im fernsehen wendet ist mir ein Rätsel. Anwälte und Staatsanwälte werden dort sehr schlecht präsentiert: Anwälte sehen ihre wesentliche Funktion darin, Zeugen zu verunsichern, selbst Verbrechen zu beschuldigen oder Unterstellungen zu machen die hart an der Beleidigungsgrenze sind und Staatsanwälte sind starrköpfig und uneinsichtig von der Schuld des Angeklagten überzeugt, sehen keine alternative Sicht des Falls und müssen mindestens dreimal in 45 Minuten sagen "Geben Sie es doch endlich zu dass sie es waren". Das TV Format ist so mies, das selbst meine fernsehunkritische Mutter inzwischen lieber zu den Tiersendungen im ZDF umschaltet wo man im Prinzip den Zoobesuch sparen kann.

Beide Sendungen sind übrigens bei den Quoten durchgefallen. Ihr hättet eben bei "Herz und Handschellen" bleiben sollen. Oder noch besser, ihr zeigt knuddelige Miezen, die sich räkeln, wie diese hier.


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