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Web Log Teil 181: 17.8.2010

Dienstag den 17.8.2010: Mit viel Geld nirgendwo hin...

Das war Michael Griffin's Kritik an den neuen Plänen der NASA. Der ehemalige NASA-Administrator macht ja etwas was eher selten bei Ex-Managern ist: Er greift die NASA an. Die früheren Administratoren haben auch Konflikte mit der neuen Regierung gehabt, aber sie sind still und leise abgetreten und man hörte nichts mehr von ihnen. Griffin ist anders und jeder der seine Meinung hören will bekommt sie auch zu hören. Alleine seit Juli habe ich ihn dreimal in irgendwelche Nachrichten gefunden. Zuletzt im Space Review.

Dort steht diese Passage, dass die NASA heute (inflationskorrigiert) mehr Geld als in den ersten 15 Jahren erhält und damit nichts mehr zustande kriegt. Nun das gilt es zu hinterfragen. Bei solchen Rechnungen ist es natürlich sehr schwierig den Wert eines Dollars in den Sechzigern auf heute zu projizieren. In einem Artikel von 2007 erläutert Griffin das genauer und warum er den GDP Chained Index nimmt. Nach dieser Umrechnung erhält die NASA tatsächlich heute mehr Geld als in den Sechzigern. Apollo war zwischen 1964-1968 sehr teuer, aber davor und danach waren die Aufwendungen kleiner als im langjährigen Mittel.

Doch zuerst zu der Hochrechnung selbst. Es gäbe natürlich auch andere Messgrößen. Griffin erwähnt den Consumer Price Index (CPI) also das, was bei uns auch für die Inflationsrate genommen wird, wie sich die Preise eines Warenkorbs an Waren und Leistungen verändern. Er sagt auch das dies für Regierungsausgaben nicht passt. Das mag so sein. Aber mir fällt ein anderes Kriterium ein. Wenn ich davon ausgehe, dass die Steuereinnahmen bei einer Nation im Mittel über lange Sicht konstant sind, wenn der Wohlstand ihrer Bürger konstant ist - und das kann man sicherlich bei den USA seit den Sechzigern über längere Frist (welche Wirtschaftskrisen und Booms dann nivelliert) dann gibt es ein anderes Kriterium das man ansetzen kann: Wie viel bekommt die NASA vom Gesamthaushalt?

Jahr NASA Budget Gesamthaushalt NASA Anteil
1958 89.193 71.936.171 0.12% Eisenhower
1959 145.491 80.697.239 0.18%
1960 401.033 76.539.413 0.52%
1961 744.308 81.515.167 0.91%
1962 125.708 87.786.767 1.40% Kennedy
1963 2.552.035 92.589.764 2.76%
1964 4.170.997 97.684.375 4.27% Johnson
1965 5.092.904 96.506.904 5.28%
1966 5.932.631 106.917.397 5.55%
1967 5.425.815 172.442.136 3.15%
1968 4.723.783 194.032.346 2.43%
1969 4.252.749 206.618.289 2.15%
1970 3.754.839 214.751.199 1.74% Nixon
1971 3.380.613 210.318.388 1.61%
1972 3.434.842 265.713.255 1.29% Bau Space Shuttle beschlossen
1973 3.324.391 289.082.372 1.15%
1974 3.252.305 268.391.983 1.21%
1975 3.329.924 324.641.586 1.03%
1976 3.669.502 365.610.129 1.00% Ford
1977 3.943.817 401.896.376 0.88%
1978 3.980.022 450.758.000 0.85% Carter
1979 4.187.232 493.221.018 0.84%
1980 4.849.924 579.602.970 0.83%
1981 5.421.388 660.544.033 0.82%
1982 6.026.000 728.424.000 0.83% Reagan
1983 6.664.000 795.916.000 0.84%
1984 7.048.000 841.800.000 0.84% Bau Freedom beschlossen
1985 7.251.000 945.987.000 0.77%
1986 7.403.000 990.231.000 0.75%
1987 7.591.000 1.003.804.000 0.76%
1988 9.092.000 1.063.318.000 0.86%
1989 11.036.000 1.144.020.000 0,96%
1990 12.429.000 1.251.776.000 0,99% Bush sen.
1991 13.878.000 1.323.757.000 1.05%
1992 13.961.000 1.380.794.000 1.02%
1993 14.305.000 1.408.532.000 1.01%
1994 13.695.000 1.460.553.000 0.94% Clinton
1995 13.377.000 1.515.412.000 0.88%
1996 13.882.000 1.560.094.000 0.99%
1997 14.358.000 1.600.911.000 0.90%
1998 14.206.000 1.651.383.000 0.86%
1999 13.664.000 1.704.545.000 0.80%
2000 13.600.819 1.789.100.000 0,76%
2001 14.253.000 1.863.000.000 0.77%
2002 14.901.700 2.011.000.000 0.74% Bush junior
2003 15.000.000 2.159.900.000 0.69%
2004 15.378.000 2.292.200.000 0.67%
2005 16.244.000 2.479.400.000 0.64%

Die Tabelle enthält nicht die neuesten Zahlen. Aber der Trend ist sichtbar. Selbst nach dem Apolloprogramm, als selbst nach Griffins eigenen Diagrammen der inflationskorrigierte Wert unter den von heute fällt (z.B. 1973) erhielt die NASA noch 1,15 %. 2010 erhielt die NASA 18,279 von 3.600 Millionen $,also noch 0,51 % - weniger als die Hälfte. Das ist ein Grund warum die NASA nicht mehr weiter kommt. Man kann es aber auch anders sehen: Heute ist der Anteil des NASA Budgets genauso hoch wie 1961. Und was konnte die NASA damals mit diesem anstellen?

Ein zweiter Grund ist, dass die NASA damals weiter kam, ist dass sie keine laufenden Programme hatte, die Geld verschlangen. Heute benötigen Space Shuttle und ISS die Hälfte des gesamten Budgets. Sie sind feste Fixkosten die jedes Jahr anfallen. Zur Apollozeit waren zum einen Gemini und Mercury preiswerter und zum anderen sie liefen nach einigen Jahren aus.

Trotzdem fällt einiges auf. Nach Griffins Aussagen kostet das Gemini Programm 5,1 Milliarden Dollar in aktuellen Dollars. Das sind die Gesamtkosten, inklusiver 12 Flüge.  Von den Kosten entfielen etwa 60% auf die Entwicklung und 40% auf die Missionen. Das heißt eine Mission kostete weniger als 300 Millionen Dollar in heutiger Währung. Glaubt jemand heute würde die NASA ein Zweimann Raumschiff für diesen Preis starten können? Ich denke her nicht.

Das Problem ist natürlich, dass die NASA heute einen Verwaltungsapparat aufgebaut hat, der einfach nicht weggeht. Obwohl in den USA es immer noch üblich ist Leute anzuheuern und zu feuern, gilt das eben nicht für Beamte (wie bei uns). Schon in Memoiren von Apolloastronauten fand ich diesen Passus. Sie bemerkten wie viel schneller die Entscheidungsfindung bei Gemini noch ging und wie nun plötzlich drei bis vier weitere Managementebenen einzogen.

Der Kernpunkt - und das ist das Hauptproblem sowohl von Constellation wie auch Obamas Langzeitabsichten - ist, das heute alle sehr langfristig planen weil es offensichtlich heute unmöglich ist ein Programm durchgesetzt zu bekommen, das über einige Jahre den Haushalt praktisch verdoppelt. Aufgrund der Fixkosten und vor allem weil gleich am Anfang Leute für die Planung angestellt werden steigen dann die Kosten aber an ohne das effektiv etwas geschieht. Hier einige Zahlen:

Mein Kernpunkt: Wenn die NASA heute ein bemanntes Projekt zu vertretbaren Kosten durchgesetzt haben will, dann muss dies in einem Zeitrahmen erfolgen, der angemessen ist. Das sind für die Entwicklung eines Systems zur Versorgung der ISS vielleicht 4-6 Jahre und für ein Mars/Mondprogramm 8-10 Jahre (jeweils bis zum ersten Flug). Planungen wie bei Constellation über 15 Jahre bis zur ersten Landung sind nicht nur teuer, sie führen auch dazu, dass das das Projekt in einer frühen Phase ist wenn der Präsident wechselt und es leichter fällt es einzustellen - wie gerade passiert. Diese Fristen sind übrigens eher länger als früher, obwohl es anders als bei Gemini und Apollo es keine Erfahrung gibt auf die man aufbauen kann. Also müsste es eigentlich eher schneller gehen. Aber die inzwischen eingezogene Bürokratie die erst mal einige Jahre plant macht heute Fristen wie in den Sechzigern unmöglich.

Ich denke in ein bis zwei Jahren wird auch die Finanzierung der "Precursor" Projekte von Obama auslaufen, wenn sich die Aufregung um Constellation gelegt hat (sie dienen meiner Ansicht nach nur dazu die Firmen und NASA zu beruhigen, nachdem sie ja schon mit einem Geldregen rechneten). Was bleibt ist ein neues System für den Erdorbit. Ob kommerziell oder nicht, das ist eher nebensächlich.

Mittwoch 18.8.2010: Buch Nummer sieben oder zehn?

Nun ist es erschienen, das siebte oder zehnte Buch, je nachdem wie man es sieht. Nominell sind es zehn Bücher. Zumindest listet Amazon so viele als lieferbar. In Wirklichkeit sind die drei Bücher über die Black Arrow und Diamant, Europa Rakete und Ariane 1-4 nur das Buch über europäische Trägerraketen 1 aufgeteilt in drei separate Bände.

dioe Zeit in der andere meinen Blog gestaltet haben, nutzte ich mein ISS Buch fertigzustellen. Genaueres findet man wie immer auf der eigenen Website für die Bücher. Diese habe ich auch aktualisiert und eine Sitemap eingepflegt. Trotzdem gibt es wie immer bei einem neuen Buch auch hier Werbung. Also warum sollte man mein Buch kaufen? Fangen wir erst mal damit an, wann man es nicht kaufen sollte:

Was dann das Buch ist? Eine gute Einführung in die ISS. Es werden die Module beschrieben, etwas genauer als in der Wikipedia und den offiziellen Flugkits (was an sich schon eine Schande für die NASA ist). Aber nicht so genau wie in den Handbooks zur ISS, die aber schon relativ alt sind und leider nicht dem Ausbau der Station angepasst wurden. Ich denke auch das Kapitel über die Geschichte der ISS und die Berechnung ihrer Kosten dürfte einzigartig sein.

Dafür ist es kompakt geschrieben, ohne viel Herumgelaber, mit vielen Tabellen und in seinem Preis unschlagbar. Alle anderen Bücher über die ISS kosten mindestens das doppelte. Ich habe mir auch vorgenommen wieder mehr zu tun, damit auch andere Bücher folgen. In den letzten vier Monaten habe ich da ja wenig gemacht. Nun habe ich mir vorgenommen jeden Tag drei Seiten am Skylab-Manuskript zu schreiben. Das Buch über Ariane 5+Vega ist ja auch noch in der Pipeline, so dass es mit dem Skylab Buch dieses Jahr drei neue Bücher und zwei Neuauflagen werden. (Komischerweise verkauft sich das Gemini Buch trotz erheblich verbesserter und erweiterter Neuauflage ziemlich schlecht - die Leute gehen eben nach den Sternen und Anzahl der Meinungen und die sprechen für das nicht mehr lieferbare alte Buch).

Am besten verkauft sich derzeit mein "Was ist drin" Buch. Und ich habe auch Lust mal wieder ein Buch über Ernährung zu schreiben, schon alleine wegen der Abwechslung. Ein Thema und den Titel: "Das ist drin!" ein Buch über die Inhaltsstoffe der Nahrungsmittel mit besonderem Augenmerk auf Zusatzstoffen, Risiken, Rückständen.

Donnerstag 19.10.2010: Das Nullenergiegefährt

Spannen wir meine Verkehrsvision weiter. Also für die die erst jetzt dazu stoßen - es geht darum ob Fahrräder, speziell Fahrräder mit Elektromotoren nicht als Alternative zum Auto für kurze Strecken dienen sollen. Ein solches Fahrrad hat einen Zusatzmotor. Ich habe mal im Internet einige technsiche Daten studieret und mal folgende exemplarisch zusammengetragen:

Ich nehme diese Daten mal als Vorgabe für ein Szenario. Nehmen wir mal an. (Ich nehme immer gerne an...) Sie haben eine Strecke von 20 km zum Geschäft (Arbeit für Nichtschwaben), fahren mit dem Elektrofahrrad in 1 h dahin (geht zumindest jenseits der Ballungsgebiete auch mit dem ÖPNV nicht schneller). Tun das 220 Tage im Jahr und die restlichen 145 Tage fahren sie 10 km pro Tag als Freizeitvergnügen / zum Einkaufen. Die mittlere Geschwindigkeit soll 20 km/h betragen und pro Tag wird bei der Fahrt zum Geschäft eine Akkuladung fällig (impliziert dass sie auch mit strampeln, weil bei 250 W Leistung der Motor maximal 1,44 h hält, die Strecke hin und zurück aber 2 h erfordert).

So komme ich auf folgendes:

Das ist nicht viel für die komplette räumliche Mobilität. Soviel verbraucht z.B. auch ein PC mit 50 W Durchschnittsleistung wenn er 5 h am Tag in Betrieb ist. Oder es ist der Energiegehalt von 9 l Benzin. Doch nun kam ich mal dazu weiter zudenken - könnte man diese geringe Energiemenge nicht mit Solarzellen erzeugen?

Eine kleine Recherche ergab, das im Mittel in Deutschland die Sonneneinstrahlung pro m² im Jahr 1000 KWh beträgt. Da Solarzellen nur einen geringen Wirkungsgrad haben kann man diese Leistung aber nur zum Teil in Strom umwandeln. polykristallines Silizium hat Wirkungsgrade von 13-15 % bei käuflichen Solarzellen (es gibt leistungsfähigere und weniger leistungsfähige mit amorphen Silizium also habe ich mich für den technischen Mittelweg entschieden9. Nehmen wir 14 % welche Fläche bräuchte man um 100 KWh zu erzeugen? (etwas über den 92 kWh, da beim Aufladen des Akkus natürlich Wärme freigesetzt wird). Nun es sind: 1000 kWh/m² * 14 % / 100 kWh = 1/1,4 m² oder etwa 0,7 m².

Das ist keine große Fläche, etwas so groß wie der Schreibrisch, den ich gerade benutze. Eines dieser futuristischen Fahrräder, in denen man sitzt oder liegt und die meist dann auch überdacht sind, hätte genug Fläche, z.B. 0,5 x 1,4 m würden reichen. Dann könnte das Fahrrad im Mittel sich selbst mit Energie versorgen - nur im Mittel wegen der wechselnden Sonneneinstrahlung. Es würde im Plus im Sommer liegen und im Winter müsste es Strom aus dem Netz beziehen. Aber es wäre ein Nullenergiegefährt, so etwas wie das Pendent zum Nullenergiehaus - nur ohne Mogelpackung (das Nullenergiehaus funktioniert nur weil ein durchschnittlicher Haushalt Strom konsumiert der irgendwann einmal in Wärme umgewandelt wird und 10 KWh entsprechen in etwa der Heizleistung von 1 l Heizöl).

Es wäre ein Traum, vielleicht wegen der kleinen Fläche sogar finanzierbar. Aber es würde nur klappen wenn meine vorherige Vision umgesetzt ist und es keine parkenden Autos mehr gibt und es genügend Fahrradwege gibt. Denn eines würde ich heute nicht riskieren: In einem der niedrigen Fahrräder in denen man sitzt zu fahren, wenn ich nicht über parkende Autos hinwegsehen kann was mich erwartet oder was auf mich zukommt, so ergonomisch und windschlüpfrig sie auch seien.

Alternativ müsste das Fahrrad dann wohl eher eine Rikscha sein. Das wäre was für die Taxiunternehmen. Bei 1,5 x 1,5 m² Größe hätte man die dreifache Fläche und könnte dann einen dreifach leistungsfähigen Motor antreiben der dann auch ohne Treten den Fahrer und einen Passagier transportiert. Das wäre dann ein Nullenergietaxi.

Bei der Recherche stieß ich übrigens drauf, das heute schon Elektroroller die mit dem Mofaführerschein betrieben werden für 1.600 Euro zu haben sind. Bei Abstrichen an die eichweite geht es schon bei 1.100 Euro los. Erstaunlich. Eines dieser Liegeräder ist genauso teuer.

Freitag 20.8.2010: Was ist mit dem Blog los?

Ja ich frage das mal in die Runde, weil ich in den letzten Monaten einige Änderungen gesehen habe.

Fangen wir mal mit dem Publikum am. Ich sehe neue Namen, zumindest was die Häufigkeit der Einträge angeht. Andere alte Namen, darunter frühere Gastblogautoren wie Thomas, Kevin Glinka oder Michel Van scheinen verschwunden zu sein. Andere wie Overlord, der K. oder tp1024 sind noch da, aber äußerst zurückhaltend geworden (zumindest was das Kommentieren angeht, mehr bekomme ich von einem Besuch des Blogs nicht mit).

Also frage an die Neuen: Wie seid ihr auf den Blog gekommen, was interessiert euch, warum besucht ihr ihn regelmäßig? (Gerade das letztere ist für mich interessant, weil ich keinen Blog regelmäßig besuche. Ich stolpere meist nur über einzelne Einträge über Google).

Ich habe ja schon eine Verschiebung festgestellt - wenn ich früher über was anderes schrieb, als Raumfahrt, waren die  Resultate, na sagen wir mal eher zurückhaltend. Nun scheint das genaue Gegenteil zu sein. Alexander hat

Auf der einen Seite hat Alexander am 15.8 mit seinem Kettenschaltungsblog einen neuen Rekord aufgestellt - 971 Seitenabrufe an einem Tag. Den alten Rekord verdankte ich ALDI - ich hatte im letzten Mai mal eine Digitalkamera gekauft und die im Blog besprochen und sie kam im Februar nochmals in die Läden.

Offensichtlich hat sich einiges verschoben. Ich habe mal vor glaub ich zwei Jahren ein Raumfahrträtsel eingeführt - und damit es schwierig war, gleich mit einem nicht so bekannten Satelliten und das war in wenigen Stunden erraten. Nun bei den letzten Musikrätseln, egal ob Textzeilen oder Schnipsel von wirklich populären Liedern, scheint es eine Zweimannverstanstaltung zwischen mir und Arne zu werden. Also entweder ist die musikalische Vorbildung der Blogleser eher mangelhaft oder sie haben einen völlig anderen Geschmack als ich. Und ich habe keinen besonderen - ich höre Mainstream, also Sachen die jeder kennt. Ganz im Gegensatz zu einigen Bekannten, oder dem was ich von meinen Familienmitgliedern kenne (ich bekomme das mit wenn ich ein Album besorgen muss und mir erst mal den Bandnamen buchstabieren lassen muss).

Fragen über Fragen. Also legen wir mal los: Zeit dass ihr euch mal kurz vorstellt. Was euch interessiert, was ihr macht wie alt ihr seid und was ihr vom Blog erwartet oder was man anders gewichten / verbessern könnte. Da ich der einzige bin, der unter seinem vollständigen echten Namen postet (als ich ins Internet ging hieß es noch "Die eigene Domain mit dem eigenen Namen" - das irgendwann mal es Blogs geben könnte in denen Leute über ihr Privatleben schreiben oder Fotos von sich online stellen die kompromittierend sein könnten, war damals noch undenkbar, aber mit etwas Intelligenz was man schreiben kann und was nicht, ist es auch so möglich einen Blog zu führen) dürfte das keine Probleme mit euer Privatsphäre geben.

Vielleicht passe ich mich mal mit Themen und Rätseln dem Niveau an....

Samstag 21.8.2010: Die Wiedergeburt des Lamarckismus?

Heute kennt jeder Darwins Evolutionstheorie. Etwas älter und lange Zeit genauso populär, war La Jean-Baptiste de Lamarck's Theorie der Anpassung an veränderte Lebensumstände. Vereinfacht gesagt, besagte die Theorie aus, dass sich Lebewesen an die Umgebung anpassen und diese Anpassungen zu Veränderungen führen. Das klingt heute wir Unsinn, aber wie die Evolutionstheorie geht sie nicht von sprunghaften Änderungen aus. Ein beliebtes Beispiel war die Giraffe - wie kam sie zu ihrem langen Hals? Vielleicht war sie mal eine Antilope mit einem langen Hals. Diejenigen die ihren Hals etwas länger strecken konnten, kamen besser an das Futter in den unteren Ästen und bekamen mehr Nachkommen - mit schon etwas längeren Hälsen. Von diesen überlebten dann auch die mit noch etwas gestreckten Hälsen usw. Bei nur 1 mm pro Generation, die man bei Antilopen vielleicht auf 10 Jahre ansetzen kann, ergibt sich so in schon 2000 Jahren der lange Hals der Giraffe. (Lamarck schrieb viel mehr über Vererbung, aber die Diskussion konzentrierte sich meist auf einen kleinen Teil, den man später als Lamarckismus bezeichnete).

In der Tat kann man damit viele Anpassungen genauso wie bei Darwins Theorie erklären. Sie war sogar zeitweise beliebter, weil sie kein zufälliges Element hatte, sondern eine zielgerichtete Anpassung, die viel eher akzeptabel bei vielen Leuten war. Lange Zeit gab es nur die Biologie der heutigen Lebewesen und die Fossilienfunde. Aufgrund dieser kann man nicht entscheiden ob Darwin oder Lamarck recht hat. Im Gegenteil: Gegen die kontinuierliche Evolution spricht bei Darwin das Problem der "Missing Links". Viele Arten erscheinen "plötzlich" ohne große Zwischenglieder aus anderen Arten sich entwickelt zu haben. Lamarck könnte mit der gezielten Anpassung das eher erklären.

Die große Wende kam in der zweiten Hälfte des 19.ten Jahrhunderts als beginnend mit Mendel die biologischen Grundlagen der Vererbung aufgeklärt wurden und Lamarck an Boden verlor. Trotzdem tobte der Kampf noch Jahrzehnte weiter bis Anfang des letzten Jahrhunderts.

Man könnte das als eine Episode in der Wissenschaftsgeschichte sehen. In einem Buch von den Entdeckern, dass die Kreidezeit durch einen Asteroideneinschlag endete, schrieb dieser, dass viele Biologen gegen die Vorstellung das katastrophale Ereignisse die Evolution prägten waren. Grund war die Diskussionen um Lamarck die Theorie war gerade bei Biologen sehr populär. Seitdem hatten sie die Darwinsche Theorie, die ja von einer kontinuierlichen Evolution und nicht sprunghaften Ereignissen ausging so verinnerlicht, dass sie nicht wagten wieder sie in Frage zu stellen.

Doch es zeigt sich heute, dass Lamarck doch ein bisschen Recht hat. Bei einer Untersuchung von Kindern, die im zweiten Weltkrieg geboren wurden, stellte man fest, dass sie auch mit 50, 60 noch stärker unter Krankheiten litten oder eher Krebs bekamen. Nun könnte man das noch als eine Form der Vorschädigung in der Schwangerschaft durch die nicht ausreichende Ernährung ansehen. Doch es geht noch weiter: Das gilt auch für die Kinder dieser Personen! Diese wurden aber geboren als es keinen Mangel gab.

Weitere Untersuchungen in Archiven und Kirchenbüchern zeigten dass dies kein Einzelfall ist. Kinder, die in Mangeljahren mit schlechter Ernte, ungünstigen Klimatischen Bedingungen geboren wurden, waren auch als Erwachsene anfälliger für Krankheiten, starben früher. Und das galt auch noch für ihre Kinder und in abgeschwächter Form für die Enkel. Teilweise sanken auch messbare Parameter wie Körpergröße ab.

Geklärt ist nun zumindest eines: Die Erbanlagen alleine legen nicht alleine fest, wie wir sind, es ist wie sie abgelesen werden. Das unser Erbgut viel größer ist als der Teil der genutzt wird und die Ablesung reguliert wird, durch "Schalter" die ein Ablesen ermöglichen, oder nicht, ist gesicherte Erkenntnis. Nur sah man diese Schalter als temporär an. Sie sollen verhindern dass die Zelle nicht permanent alles produziert, sondern nur das was gerade benötigt wird. Neu scheint zu sein, dass durch Methylierung Schalter permanent gestellt werden und so verhindert wird das bestimmte Genabschnitte jemals gelesen werden. Dieses Fachgebiet nennt sich Epignetik.

Bei versuchen von Mäusen, die kurz nach der Geburt Stress ausgesetzt wurden, zeigte sich eine permanente Verhaltensveränderung (das verwundert nicht), aber auch eine erhöhte Krankheitsneigung. Nun laufen ebenfalls an Mäusen Versuche um nachzuweisen wie Umweltfaktoren die Vererbung beeinflussen.

Hatte nun Lamarck recht? Nein, nach Ansicht der Fachleute, denn die Merkmale werden ja nicht verändert. Durch noch so tolle Umweltbedingungen kann man nicht den Hals verlängern. Auch nicht wenn man ihn sein Leben lang mit Ringen streckt, wie bei einigen afrikanischen Völkern (der lange Hals ist übrigens nur ein optischer Effekt - die Ringe führen zu einem Rückgang der Schultermuskulatur, damit scheint der Hals länger zu sein, ebenso wie bei Schwimmern mit einer ausgeprägten Schultermuskulatur der Hals kürzer zu sein scheint). Es geht nur darum das aus einer Möglichkeit die das Erbgut inne hat bestimmte Teile umgesetzt werden und andere nicht.

Für Schwangere bedeutet dass: Schaut dafür das euer Kind optimal versorgt wird und denkt nicht an die Pfunde die danach abzutrainieren sind. Ob nun Mozart CD's Gene umlegen konnte allerdings bisher noch nicht geklärt werden. Vielleicht sollte man wenn das Kind mal später der nächste DSDS werden soll dann Modern Talking spielen...

Sonntag 22.8.2010: Calgon 2010

Wieder mal läuft derzeit (August 2010) ein Werbespot von Calgon. Damit wir von demselben reden hier ein Video des Spots:

Es fängt an, damit dass eine Waschmaschine stark wackelt, dann kommen die obligaten Beschwerden über die abnehmende Waschleistung und erhöhte Lautstärke und dann eine Zwischeneinblende. In dieser achten Sie mal auf die Farben: Die ganze Szene ist farbarm, fast grau. Der Kontrast ist niedrig, die Helligkeit auch, es wirkt fast düster grau. Das einzig farbige ist das Produkt: So offen manipulativ macht heute keiner mehr außer dieser Firma. Danach ist dann wieder alles in Ordnung mit Calgon!

Ich habe mich schon mehrfach mit der Werbung dieser Firma beschäftigt die man im einfachsten Fall als plump oder simpel, je nach Sichtweise aber auch manipulativ, desinformierend und angstauslösend beschreiben kann - geht meine Waschmaschine kaputt wenn ich kein Calgon benutze wie die Spots suggerieren? Kommen Folgeschäden durch eine überflutete Küche hinzu?

Zeit mal Klarheit zu schaffen. Die Grundlagen habe ich schon in anderen Aufsätzen erläutert. Kalk muss bei Waschmaschinen gebunden werden, genauso wie bei Spülmaschinen. Weniger wegen der Verkalkung der Waschmaschinen - wenn die durch heißes Wasser verkalken würden. Wie sieht es dann in ihrem Wasserleistungsnetz aus, das viel mehr warmes Wasser transportiert? Es ist notwendig weil sonst der Kalk mit den waschaktiven Substanzen reagieren. Dadurch wird deren Wirksamkeit vermindert und die Reaktionsprodukte ziehen noch dazu auf die Wäsche auf und verursachen den Grauschleier und die Wäsche verliert ihre Weichheit, sie wird hart.

Daher enthalten alle Waschmittel Substanzen die Kalk binden. Es sind dieselben wie in Calgon. Da man Waschmittel nur als ganzes dosieren kann finden Sie auf jeder Waschmittelpackung eine Tabelle in der Form

Härtegrad niedrig Härtegrad mittel Härtegrad hoch
leichte Verschmutzung xxx ml yyy ml zzz ml
mittlere Verschmutzung yyy ml zzz ml abc ml
hohe Verschmutzung zzz ml abc ml def ml

Es ist klar das eine der beiden Substanzen immer überdosiert wird. Sie benötigen, wenn sie in der Tabelle in der Spalte nach unten gehen, immer mehr Waschpulver weil die Wäsche stärker verschmutzt ist. Der Härtegrad an ihrem Ort bleibt jedoch konstant. Also dosieren sie den kalkbindenden Bestandteil über. Doch das macht nichts. Er reagiert eben nur mit dem vorhanden Kalk (entfernt aber keinen schon vorhanden Kalk)

Umgekehrt: Wenn sie in einem Gebiet mit hohen Härtegrad leben, müssen sie Waschmittel überdosieren, damit sie erst mal genug kalkbindende Bestandteile haben. Egal wie stark ihre Wäsche verschmutzt ist. Üblicherweise unterscheiden sich dann die Dosierungen bei höherem Härtegrad nur zwischen mittel und stark verschmutzter Wäsche.

Wären die drei Hauptbestandteile des Waschmittels separat dosierbar (waschaktive Substanzen, Bleichmittel, kalkbindende Substanzen) so wäre das Problem gelöst. Doch solche "Waschmittel-Bausteinsysteme" konnten sich nie durchsetzen. (Es gab diese Anfang der neunziger Jahre). Nun könnte man auf die Idee kommen Calgon wäre doch nützlich, kann man doch so Waschmittel sparen. Das ist es auch - zumindest ökologisch. Doch zum einen gibt es auch andere Produkte mit derselben Zusammensetzung die dasselbe leisten und zum anderen ist es so teuer, dass selbst bei Markenwaschmitteln sie kein Geld sparen sondern nur draufzahlen.

Vor allem hat sich die Kalkgefahr in den letzten Jahrzehnten erheblich vermindert: Dadurch, dass die Waschtemperaturen absinken wird zum einen weniger Kalk gebildet (er ist im Wasser gelöst und fällt aus wenn das Wasser erhitzt wird. Wird es wie heute üblich, nur noch selten hoch erhitzt, so fällt auch kaum Kalk aus). Zum zweiten lösen sich die Waschmittel viel schneller auf, weil sie heute auch schon geeignet sein müssen, für Wassertemperaturen von 15-20°C. Es gibt also nicht die Zeit für den Kalk zu reagieren.

Entsprechend ist sogar die Calgon Werbung auf dem Rückzug:

Immer aber wird den potentiellen Käufern eine reale Gefahr für Wäsche, Maschine suggeriert. Doch die gibt es zumindest für die Maschine nicht. Außer sie haben nur noch 95° Wäsche. Bei jedem andern Waschprogramm wird das Wasser an den Heizstöben nicht so heiß, dass dort sich der Kalk ausfällt. Er reagiert dann erst im Waschraum und sucht sich die größte vorhandene Oberfläche zum Ablagern aus - das ist die Wäsche und das merken Sie!

Fazit

Es ist erstaunlich wie eine Firma ein überteuertes und bei korrekter Dosierung des Waschmittels überflüssiges Produkt seit Jahren mit Werbespots anpreist die Ängste schüren sollen. Wahrscheinlich würde es sonst keiner kaufen. Es ist traurig, aber vielleicht ist die Firma nicht fähig ein Produkt anzubieten das auch preislich nützlich ist. Eventuell sind auch ihre Mitarbeiter nicht intelligent genug sachlich und argumentativ zu informieren. Dazu gehört auch die Wahl von unsympathischen Anti-Figuren als Werbeträger in der Vergangenheit dazu "Dann steht die ganze Hütte unter Wasser".


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