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Web Log Teil 182: 19.8-23.8.2010

Donnerstag den 19.8.2010: Raumfahrträtsel 2

Ariane 1So nun die Auflösung des letzten Rätsels und das neue.

Zuerst einmal: Warum bedeutet mir der 24.12.1979, der Jungfernflug der Ariane 1 so viel? Zum einen weil damit ein erfolgreicher Neuanfang begann. Der erste Versuch, die Europa Rakete scheiterte sieben Jahre vorher. In die Europa hatten die europäischen Staaten in den sechziger Jahren umfangreiche Mittel investiert, doch alle orbitalen Starts scheiterten. Die Ursache waren nicht nur technische Fehler sondern vor allem eine mangelnde Zusammenarbeit zwischen den Firmen. Jeder machte seinen Kram und es unterblieben die Abstimmungen die für die Gesamtintegration unvermeidlich waren.

Ariane 1 wurde schon entwickelt um auch kommerziell erfolgreich zu sein. Die "Europa" sollte nur europäische Satelliten transportieren. Bei Ariane rechnete man schon mit Aufträgen von Drittstaaten. Gerne vergessen: Als Deutschland und Frankreich ihrer ersten gemeinsamen Nachrichtensatelliten "Symphonie" entwickelten wurde dieser von der NASA nur gestartet unter der Auflage das es nur einen Experimentalbetrieb gab. Das gleiche galt für den ESA Satelliten OTS. Wollte Europa (und andere Nationen) eigene Satelliten betreiben so benötigte es einen eigenen Träger, ansonsten könnte man nur Kanäle von Intelsat mieten, die an der Organisation waren damals die USA zu über 50% beteiligt.

Heute nennt man dies "eigenständigen Zugang zum Weltraum". Gerade die letzten Jahre zeigen wie wichtig dieser ist. So erhöhte Russland die Preise für einen Flug zur ISS um mehr als 100% für die Zeit nach dem Ausscheiden des Space Shuttles und auch Arianespace muss doppelt so viel für einen Sojus Träger starten, nachdem dieser nun von Kourou aus starten kann und es anders als früher nun auch einige schon gebuchte Aufträge (darunter die ersten 12 Galileosatelliten) gibt.

Die damalige US-Konkurrenz ist heute keine mehr. Selbst Newcomer wie SpaceX haben sich inzwischen voll auf das US-Regierungsgeschäft konzentriert und bieten nun weniger Träger an. Sie buhlen vielmehr um viel lukrativere Entwicklungsaufträge für eine Schwelastrakete.

Abgesehen von diesen Aspekten finde ich Ariane 1 auch eine optisch sehr schöne Rakete.

So, nun das neue Rätsel- Damit es fair bleibt, bitte ohne Wikipedia lösen: Was geschah am 20.8.1977?

Freitag 20.8.2010: Raumfahrträtsel 3

Wie korrekt erraten, startete am 20.8.1977 Voyager 2 zu einer Mission, die heute - 33 Jahre später - noch immer andauert. Nun natürlich ist das Voyager Programm nicht eines, sondern DAS erfolgreichste Weltraumprogramm überhaupt. Dank einer günstigen Himmelskonstellation konnten die Raumsonden alle fünf äußeren Planeten besuchen. Pluto wurde ausgelassen und nur eine wurde weiter als zu Saturn geschickt doch selbst diese hat unsere Erkenntnisse über das äußere Sonnensystem revolutioniert. Vielleicht schreibe ich mal ein Buch über die Sonden, aber es gibt schon zwei recht gute englische.

Aber ich habe Voyager 2 aus persönlichen Gründen gewählt. Der eine oder andere mag sich ja gefragt haben, wie ich überhaupt zur Raumfahrt kam. Anders als viele haben mich weder herumspazierende Astronauten beeindruckt noch (zumindest damals) Raketenstarts. Ich habe mich als Jugendlicher für einiges interessiert: Paläontologie, antike Kulturen, Astronomie und da speziell für die Planeten. Als ich dann die Hauptschule 1980 abschloss, bekam ich einen Preis - einen Gutschein in einem Buchladen. Also schaute ich mich um und wollte ein Buch kaufen. Und da fiel mir von Bruno Stanek das Planetenlexikon auf - genauer gesagt der Einband den dieses links wiedergegebene Bild zierte. Ich habe es aufgeschlagen und stolperte über Aufnahmen von Mariner 10, Viking und den Voyagers, die zu diesem Zeitpunkt (Juli 1980) gerade Jupiter passiert hatten.

Ich habe das Buch sofort gekauft und war gebannt. Zuerst nur von den Bildern. Dann begann ich zu lesen und erfuhr viel detaillierte Fakten über die Planeten (als ich sie von Jugendbüchern kannte). In meiner Fantasie bin ich auf dem Mars spaziergegangen, habe Jupiter von Europa aus gesehen und mir die Hölle auf der Venus ausgemalt.  Bald interessierte mich auch wie diese Sonden funktionieren, wie dies technisch ging. Es kam dann von einem zum anderen und ich bin da hängen geblieben - Raumsonden sind immer noch mein Hauptinteressengebiet bei der Raumfahrt. Schade ist nur das es heute keine neuen Bücher über Planetenerkundung gibt die weiter als eine einfache Einführung gehen - es traut sich angesichts der vielen aktiven Raumsonden wohl keiner eines zu schreiben weil es bald veraltet wäre.

Ich war so gebannt von Voyager, dass ich versuchte habe als die Bilder der Sonden bei den Saturnvorbeiflügen in den Nachrichten kamen diese mit meiner Pocketkamera vom Fernseher abzulichten - in verdunkeltem Raum. Die meisten Bilder wurden natürlich nichts. Ich verbinde mit Voyager daher mehr als ein Raumsondenprogramm - den Sonden verdanken die Blogleser 1000 Blogeinträge, über 900 Webseiten und 10 Bücher.

So und nun das nächste Rätsel. Für das euch Wikipedia diesmal nichts nützt: Was passierte am 3.3.1959?

Samstag 21.8.2010: Raumfahrträtsel 4

Pioneer 4 Start

Wie schon korrekt erraten, startete am 3.3.1959 die amerikanische Raumsonde Pioneer 4 zum Mond. Sie passierte ihn einen Tag später und erreichte als erste US-Raumsonde das interplanetare Medium. Die erste erfolgreiche Mondsonde stammt von den Sowjets - Luna 1 passierte schon am 2.1.1959 den Mond und Luna 2 schlug am 14.9.1959 auf dem Mond auf, was auch das Ziel von Luna 1 war, aber durch einen Fehler in der Ausrichtung der Flugbahn passierte sie den Mond in 5955 km Entfernung. Die Sowjets dichteten schnell um und nannten die Sonde "Meschta" - "Traum", da sie einen Menschheitstraum, das Erde-Mondsystem zu verlassen erfüllte.

Wieder einmal waren die Amerikaner die zweiten gewesen. Und zum zweiten Mal: Sie hätten erster sein können. Die Jupiter-C, welche von Braun für Explorer 1 einsetzte, war ursprünglich für Hochgeschwindigkeitsversuche gedacht: Ausgemusterte Redstones sollten verschiedene Materialproben für Wiedereintrittsköpfe auf Orbitalgeschwindigkeit beschleunigen. Erprobungsflüge gab es schon 1956 und bei einem musste sogar Ballast mitgeführt werden, damit die letzte Stufe nur ja keinen Orbit erreichte. Das sollte der Vanguard vorbehalten sein, einer Rakete die aus zivilen Stufen hervorging, vor allem aber nicht von Deutschen entwickelt wurde. Der Rest ist weitgehend bekannt: Die Vanguard explodierte am 6.12.1957 auf der Startrampe, erst danach dürfte von Braun den Satelliten starten - der Versuch gelang auf Anhieb.

Weitgehend unbekannt ist, das sich ein Jahr später das ganze wiederholte - nun wollte die Air Force die ersten Mondsonden mit Thor-Able Trägern starten. Keine gute Idee, denn die Able Oberstufe (aus der sich später die Delta Oberstufe entwickeln sollte) war bei der Vanguard nicht sehr zuverlässig. Sie war es auch nicht auf der Thor und später auch nicht auf der Atlas. Bei der ersten Sonde, versuchte die USAF noch den Misserfolg zu kaschieren, indem sie die Nummer "0" erhielt. Doch auch Pioneer 1 und 2 waren nicht erfolgreich. Erst danach dürfte von Braun Trams ran. Pioneer 3 erreichte zwar nur einen erdfernsten Punkt von 102.000 km, aber Pioneer 4 brachte dann das Erfolgserlebnis für die Amerikaner. Die Juno II war eine von Braun entwickelte Jupiter-Mittelstreckenrakete, ergänzt um die Oberstufen der Jupiter-C - keine elegante Lösung aber eine die im Gegensatz zur Thor-Able auch funktionierte.

Zwei Jahre später sollte eine von Braun entwickelte Redstone den ersten Amerikaner an den Rand des Alls bringen und weitere neun Jahre später Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf den Mond. Man sollte denken, dass die NASA jemand, der so wichtig für ihr Weltraumprogramm war dankt. Doch Wernher von Braun wurde auf einen nominell wichtigen, Posten hochgelobt, nur eben ohne jegliche Entscheidungsbefugnis. Kurze Zeit später übernahm Rocco Petrone das MSFC und "amerikanisierte" dieses Zentrum. Die meisten Deutschen in Führungspositionen flogen raus oder gingen freiwillig.

Ich habe mal einen Raumfahrtmanager nach einem Vortrag gesprochen und er meinte der Verlust von von Braun und etwa 100 weiteren deutschen Führungspersönlichkeiten hätte in der Folge die NASA schwer getroffen. Das wäre äquivalent mit dem Verlust von 10.000 normalen Arbeitsplätzen gewesen und die Folge waren das das Shuttle weder im Budget noch im Zeitplan lag. Man kann das als Erfindung abtun. Doch dann sollte man sich auf S.352 (381 in der Adobe Reader Nummerierung) mal das Dokument II-37 von hier durchlesen. Darin beklagt der scheidende NASA Administrator James C. Fletcher dass die NASA keine führenden Raketeningenieure mehr hat, äußert Besorgnis über die Zuverlässigkeit des Space Shuttles und empfiehlt am Schluss einige Namen für ein Board - und da finden sich vornehmlich die alten Deutschen.

So rächt es sich wenn man seine besten Leute rausschmeißt. Und ehrlich gesagt, da wo die NASA 1969 war ist so noch lange nicht angekommen. So nun das nächste Rätsel: Was passierte am 26.1.1978. Ihr seht, es wird langsam schwerer....

Sonntag 22.8.2010: Die Antwort an die Blogleser

Für mich war interessant mal zu erfahren wer so alles den Blog liest und was er erwartet bzw. was er für Interessen hat. Dafür vielen Dank. Vielleicht meldet sich auch noch der eine oder andere. Also erstaunlich war für mich, dass die meisten die sich mit dem Alter geoutet haben, in meinem Alter sind, also so um die Vierzig. (abgerundet). Aufgrund der Tatsache, dass um so mehr Leute Computer regelmäßig benutzen je jünger sie sind (zumindest bis zu einem bestimmten Alter) ist das verwunderlich. Aber vielleicht ist mein Blog ja auch zu anspruchsvoll oder die junge Generation interessiert sich kaum noch für Raumfahrt.

Zu den Interessen: Ich würde nicht mal sagen, dass ich so vielseitig interessiert bin. So viel mache ich nicht: Häufigste Freizeit-Aktivität ist drei bis viermal in der Woche Schwimmen gehen. Aber ich bin ein mehr geistig orientierter Mensch. Neben Raumfahrt programmiere ich auch und unterrichte das seit knapp zwei Jahren auch an der DHBW in Stuttgart. Das war es aber auch mit tiefgehenden Interessen. Ich schaue zwar regelmäßig (populär)wissenschaftliches Fernsehen, auch hier gerne andere Naturwissenschaften  Aber das würde ich nicht als tiefergehende Interessen bezeichnen.

Der eine oder andere fragt sich nun: Was ist mit Ernährung und Chemie? Das habe ich studiert und da bin ich auch noch fit. Aber das schöne an dem Gebiet ist, das es eine Naturwissenschaft ist: Anders als bei der Technik ändern sich die Grundlagen nicht, sondern werden nur verfeinert. Für das allgemeine Publikum, das sich nicht an den neuesten instrumentellen Methoden oder der letzten Änderung der Leitsätze für Wurst- und Fleischwaren interessiert, reicht es noch gut aus, um zu referieren, zumal der Buchmarkt voll ist von Büchern von Ärzten, Journalisten und Köchen die nicht mal das Gebiet studiert haben. Dabei sollte ich klarstellen, dass ich über Lebensmittelchemie und nicht Ernährung schreibe, obwohl ich nach 5 Jahren Unterricht in Ernährungslehre das auch könnte. Der Grund ist, dass die Leute Antworten auf grundsätzliche Fragen haben wollen - welche Ernährung ist am gesündesten, wie nehme ich am besten ab? Was wirklich wissenschaftlich abgesichert ist, sind aber Antworten auf Details. Also wie viel Vitamin C benötigt der Mensch pro Tag und welche biochemische Wirkung hat es. Der einfache Grund ist, das man für die Beantwortung der "großen" Fragen ein größeres Kollektiv über das komplette Leben systematisch in einer Diät ernähren müsste und dann die Sterberate und Krankheiten die auftreten, mit einem anderen Kollektiv mit normaler Ernährung vergleichen müsste. Und das hat noch keiner gemacht. Also publiziert jeder nur seine mehr oder weniger abgestützte Meinung die auf Indizien basiert. Aber zu ernährungsformen gilt "nix genaueres weiß man nicht".

Natürlich verlagern sich auch mir mir Interessen. Ich meine damit nicht die Lipsync Videos. (Als kürzlich nach einem suchte stellte ich fest, dass ich nicht nur die Videos online gelöscht habe, sondern aus versehen auch von der Festplatte. Allerdings hat mich da am Schluss auch mehr interessiert was ich so an Effekten aus VirtualDub raus kitzeln konnte). Ich meine eher die Verlagerung von Website -> Blog -> Bücher. Es ist wahr, auf der Website hat sich in den letzten vier Jahren nicht so viel getan. Aber das ist aus meiner Sicht auch natürlich. Ich habe zwei Hauptinteressengebiete: Raumsonden und Trägerraketen. Nachdem ich zuerst in mehreren Jahren Artikel über alle Trägerraketen und jedes Raumsondenprogramme die es bis dahin gab geschrieben habe, danach noch Artikel über Grundlagen, Oberstufen etc. bleibt nur noch das Ergänzen des neuen. Und das ist eben nicht viel. Ich habe im letzten Jahr nur Artikel über Akatsuki, Phobos-Grunt, über die KSLV, Angara, LM-5, Unha und Safir schreiben müssen.

Der Wunsch nach Aktualisierung von Raumsonden ist nachvollziehbar, aber es ist ein enormer Arbeitsaufwand bei den vielen die derzeit aktiv sind. Ich habe das einige Zeit mal bei Cassini durchgezogen, aber als es immer langweilliger wurde was ich schrieb und im Prinzip auf die Zusammenfassung der offziellen Presskits habe ich es eingestellt. Es gibt dafür einige Webseiten (space.com, sprecref.com, spacedaily.com, spaceflightnow,com, spacetoday.com die das leisten und wer es auf deutsch haben möchte, geht zur Raumfahrer.net die nichts anderes machen, als die Meldungen von dort ins Deutsche zu übersetzen.

Ich versuche ja eine Symbiose hinzubekommen. Den Blog mache ich, weil ich hier keinen Fachaufsatz abliefern muss und auch Rückmeldung bekomme. Die bleibt bei der Website aus. Wenn dann doch mal ein interessantes Stück dabei raus kommt (oder jemand ein solches in alten Blogs entdeckt) kann er sich ja melden und ich transferiere es in die Website. Dabei mal ein Tipp: Da google leider auch alle Metaseiten indiziert ist es sinnvoller, die Website-Suche zu nehmen (Suchfeld in der Titelleiste der Website) und dort neben dem Suchbegriff das Wort "weblog" einzufügen. Da ich alle größeren Beiträge erst mal in FrontPage in einer HTML Seite namens "weblogxxx.shtml" (x ist mittlerweile bei 182 angekommen) schreibe, findet man so etwas eher.

Meine Bücher sehe ich als Fortentwicklung. Bevor es Web gab, habe ich mir Notizen über Raketen und Infos die ich in Büchern fand, angefertigt. Mit dem web folgten dann Aufsätze die teilweise recht lange wurden, aber weil ich lieber schreibe als korrigiere und meine Kenntnisse von Orthographie und Grammatik, sagen wir mal verbesserbar sind bekomme ich da auch immer wieder Kritik zu hören. Ab und an auch Hilfsangebote, die dann komischerweise sich nicht mehr melden, wenn ich sagen dass es sich um 984 Seiten mit 28.960 KByte handelt. Also wenn ich nun noch einen Schritt weitergehe, noch mehr schreibe, als in den Aufsätzen und mich nun auch noch mit der Sprache beschäftige (wobei ich allerdings auch kompetente Korrekturleser gefunden habe), dann nicht wegen ein paar Website Aufsätzen sondern für Werke, die ein Thema abgeschlossen behandeln und für eine Zeitlang Stand des Wissens bleiben werden. Und das sind Bücher. Zugegebenermaßen geht das auch nur weil ich seit knapp einem Jahr arbeitslos bin, sonst hätte ich nicht die Zeit dazu. Je nach Umfang stecken in einem Buch mindestens 2 Monate Vollzeitarbeit. Beim nächsten sind es weitaus mehr. An dem arbeite ich Seit Ende 2008 mit Unterbrechungen.

Auch hier habe ich vor, nach und nach einen Zusatznutzen für die Website zu ziehen. Einige Raketenaufsätze entstanden schon aus den Kapiteln für das Raketenlexikon und weitere sind aus dem ISS Buch geplant. Es geht aber eigentlich nur bedingt. Die Teile müssen für sich aus dem Kontext rausgezogen werden können und dann immer noch lesenswert sein. Also die Bücher über europäische Trägerraketen sind z.B. nicht in Teile aufteilbar.

Bleiben noch ein paar andere Antworten: Sonstige Themen, speziell Gesellschaftskritik oder "Mich für Blöd verkaufen". Also ich kann (wie jeder) bestimmte Eigenschaften nicht ab. Das war schon früher bei Dummheit so und zwar Dummheit in dem Sinne Naivität oder Faulheit sich schlau zu machen. (Niemand kann was dafür etwas nicht zu wissen, aber dann mit dem Mangel zu leben, anstatt was dagegen zu machen ist einfach nur faul). In Zeiten von Internet ist das noch unentschuldbarer. Aber darüber lass ich mich glaub ich nur wenig aus. Ich mag in der Tat noch weniger, wenn ich angelogen werde oder sehe wie andere mit Lügen einen Reibach machen. Die Beispiel sind ja schon gefallen, da sind die Verschwörungstheoretiker die sich damit eine goldene Nase als Buchautoren verdienen. Seien es Butlar, Däniken oder besonders peinlich, Andreas Bülow - ehemaliger SPD-Minister. Oder mein Lieblings-CEO, Elon Musk, bei dem die Raketen in ein paar Jahren sicherlich mehr Nutzlast befördern werden, als sie wiegen und der bei einem Launchmanifest voller NASA-Transportaufträgen und Buhlen um weitere NASA-Milliarden für weitere Entwicklungsaufträge nie müde wird von der ersten "rein privat finanzierten" Space-Company zu reden. Ansonsten bringe ich glaub nicht nicht mal so viel Gesellschaftskritik, das gleitet leicht ins Motzen ab und das ist einfach nur peinlich. Allerdings habe ich schon zwei Themen in Petto: "Hurra der Irakkrieg ist vorbei" und "Chefthema Bildung".

Ansonsten, ich kann das nicht of genug betonen: Ich freue mich über jeden Gastblog. Nicht nur weil ich dann zwei Tage Ruhe habe (ich mache extra einen Tag Pause, damit der Blog nicht so schnell verschütt geht). Sondern e bringt auch Leben in den Blog - neue Themen, eine neue Perspektive - und ich komme dann selbst auch auf neue Ideen wie die mit den e-bikes. Also immer her damit. Mehr als keine Kommentare wird es nicht geben (ich kann mich an keinen Blog erinnern, wo ich oder jemand anders mal ausgebuht wurde). Wenn nicht gerade keiner auf Lage ist - So Mitte November wollte ich mal nach dem Rechten in unserem Ferienhaus sehen, da bräuchte ich für die entstehende Lücke einige Gastblogs. Alexander und Andreas hatten zudem neben zahllosen Kommentaren auch ziemlich gute "Quoten" sprich an den Tagen wurde der Blog gut besucht. Also her mit den Gastblogs! (Und Kevin: Die beiden Entwürfe mal fertigstellen....)

Tschau bis heute Abend zum Weltraumrätsel.

Sonntag 22.8.2010: Raumfahrträtsel 5

Am 26.1.1978 startete der Satellit IUE (International Ultraviolett Explorer). IUE ist eines der Projekte die irgendwie vergessen werden und er hat es nicht verdient. IUE entstand als Gemeinschaftsprojekt zwischen der ESA und NASA im Jahre 1974. Schon weniger als vier Jahre später wurde er gestartet. Er war nach dem ESRO Satelliten TD-1 der erste Satellit der speziell für die Beobachtung von UV-Quellen ausgelegt war. Ursprünglich für eine Betriebszeit von 3 Jahren, verlängerbar auf 5 ausgelegt arbeitete IUE bis zum 30.9.1996 bis er kurz vor dem verbrauch des Treibstoffs abgeschaltet wurde. Das letzte Jahr wurde er exklusiv von der ESA betrieben während sich die NASDA auf den Ausbau eines Datenarchiv konzentrierte. Dabei waren schon 1985 vier der sechs Gyros ausgefallen und die beiden Backupkameras für die visuelle Kontrolle der Spektren waren schon beim Start nicht funktionsfähig wie sich aber erst nach Erreichen des Orbits herausstellte. Die letzten 10 Jahre wurde der Satellit vom Feinausrichtungssensor und einer Softwarelösung auf die Ziele ausgerichtet: Davon hat IUE insgesamt über 9.600 untersucht und dabei 104.468 Spektren produziert.

IUE ist weitgehend unbekannt, auch weil der Satellit Spektren produzierte. Es fehlen eben die "hübschen Bilder". Allerdings gaben sich weder ESA noch NASA die Mühe den Nutzen der Spektren und zum Beispiel die Ergebnisse die der Satellit lieferte zu erklären. Selbst als Hubble gestartet wurde war der Satellit wichtig - nicht nur hatte er die Möglichkeit tiefer ins UV vorzudringen (bis 115 nm Wellenlänge), er hatte auch ein größeres Gesichtsfeld und konnte Vorerkundungen für Hubble anstellen. Zwischen 2000 und 2003 also nach dem Abschalten listeten noch 15% der Hubbleveröffentlichungen IUE Beobachtungen als Quelle.

IUE ist nicht nur einer der am längsten betriebenen wissenschaftlichen Satelliten (auch wenn seine Betriebszeit von 18,7 inzwischen von Hubble übertroffen wurde), sondern er ist auch ein Beispiel, das ESA-NASA Projekte über Jahrzehnte erfolgreich laufen können. Leider gibt es ja mehr Beispiele für das Gegenteil.

Mehr zu IUE auf einer meiner Webseiten. So nun das nächste Rätsel in etwa genauso schwierig wie das letzte: Was geschah am 11.4.1984?

Montag 23.8.2010: Die Sache mit dem Chimborazo

Ich beantworte heute mal kurz die Frage von "Verkehrsvision". Bzw. eigentlich nur die erste Teilfrage, weil ich zur Logistik nichts sagen kann. Also bringt es etwas von einem erhöhten Punkt aus zu starten?

Eine Rakete muss einen Orbit erreichen. Das heißt erst mal die Orbitalgeschwindigkeit, z.B. 7786 m/s in einem 200 km hohen Orbit. Doch das reicht nicht. Die erreichte Endgeschwindigkeit einer Rakete ist je nach Typ höher und liegt bei dieser Bahn zwischen 9.200 und 10.000 m/s, wobei am unteren Ende Raketen mit Feststoff als Treibstoff liegen und am oberen Ende Ariane 5 und das Space Shuttle. Die Differenz ist nötig weil wir leider erst mal die Rakete auf 200 km Höhe bringen müssen und es verschiedene Verluste gibt die dazu kommen. Hier mal die Aufschlüsselung:

Die genauen Daten von Trägern sind nur durch Simulationen zu bestimmen. Sie hängen auch von der genauen Aufstiegsbahn ab (die Rakete startet vertikal und schwenkt langsam in die horizontale um). Wobei hier Geschwindigkeiten vektoriell berechnet werden - 1000 m/s nach vertikal und 7800 m/s horizontal ergeben nicht 8.800 m/s sondern 7863 m/s und eine Neigung von 7,3 Grad  Das Problem: ich habe natürlich nicht die Modelle und auch nicht die genauen Rechenverfahren mit allen physikalischen Parametern. Aber ich habe die Daten von MAN für die Ariane 1+3:

  Ariane 1 Ariane 3
Gravitationsverluste (ohne Hubarbeit) 1.374,4 m/s 1.234,5 m/s
Luftwiderstand: 121,1 m/s 127,7 m/s
Druckverluste 101,2 m/s 76,2 m/s
Lenkverluste: 20 m/s 25 m/s
Erdoratation -440 m/s -440 m/s
Gesamt: 1.176 m/s 1023,4

Die Hubarbeit ist als einzige berechenbar:

E= M*g /R1 - M*g / R2

M = 5,976x1024

g = 6,6726x10-11

R1 und R2 Entfernung vom Erdmittelpunkt.

Für 6.384,557 km und 6571.000 km (mittlere Bahnhöhe einer 200 km Bahn) errechnet sich so eine Differenz von 1772.105 J/kg

Für 6.378.134 m (Äquatorradius, anzusetzen für Kourou) sind es 1835.000 J. Das ist eine Differenz von 62.895 J/kg.

Klingt nach viel. Doch bei einer Endgeschwindigkeit von rund 9362 m/s die eine Ariane 1 erreichen muss, ist es ein kleiner Anteil: 9362 m/s entsprechen 43.823.522 J. Oder der Start vom Chimborazo reduziert das ganze gerade mal um 7 m/s. (nach E=1/2 m*v²).

Vom speziellen ins Allgemeine: Der Start vom Flugzeug aus. Er hat drei Haupteffekte

Doch in der Summe ist der Gewinn gering. Man kann vergleichen: Die Pegasus benötigt 845 m/s mehr als der Orbit erfordert. Die Minotaur, mit den Oberstufen der Pegasus mit dieser am ehesten vergleichbar 1.310 m/s. Das sind also rund 465 m/s. Immerhin ein schönes Pöstchen. Aber nicht der große Renner, zumal Feststoffraketen schon besser da stehen als Raketen mit flüssigen Treibstoffen (auch bei Ariane 1/3 ist der Effekt der Booster in einer Geschwindigkeitsreduktion sichtbar).

Zuletzt noch die Sicherheitsfrage: Das mehr eine politische als eine technische. Es gibt nur ein Land das heute Starts nicht über das Meer durchführt und das ist Russland. Bei Starts von Baikonur aus ist dies der Fall, doch selbst da sind die unteren Stufen ausgebrannt bevor die Grenze zur Mongolei überschritten wird und die letzte Stufe gelangt in den Orbit. Andererseits sind aus diesem Grund bei Baikonur auch nur wenige Bahnen erlaubt und bei einem Interview meint Le Gall über den Performancegewinn der Sojus, dass 80% durch die niedrige Inklination entstehen und 20% darum, dass die Rakete nicht "Zickzack" fliegen muss um immer über unbewohntes Gebiet zu fliegen. Also anzuraten wäre es wohl nicht.


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