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Web Log Teil 184: 28.8.2010 - 1.9.2010

Samstag den 28.8.2010: Chefsache Bildung

Geht es nach der CDU so ist doch alles in Ordnung: Nur das Ressort Forschung und Bildung erhält mehr Geld, sonst wird gespart. Also doch alles Paletti bei der Chefsache Bildung? Nicht ganz. An dieser Stelle mal ein paar Bemerkungen auch zu den Kommentaren anderer Parteien.

Erstens: Die Sache mit den Eliten. Ich habe nichts gegen Elite-Unis. Soll es sie geben. Doch damit ist es nicht getan. Schon heute gibt es besonders gute Absolventen unserer Unis. Aber sie bleiben nicht im Land. Die meisten bleiben nicht im Lande. Man muss nur mal gucken wo die letzten Nobelpreisträger geforscht haben, die mal in Deutschland studiert haben - die meisten in den USA. Es muss auch danach ein attraktives Arbeitsumfeld in Deutschland geben. Mehr noch als Elite-Unis halte ich aber von einzelnen Instituten Warum soll es nicht möglich sein an einer Uni in einem bestimmten Gebiet Spitzenforschung zu treiben und in anderen eben nicht? Diese Institute könnten aus dem Nachwuchs, der an dieser Uni existiert, die fähigsten herauspicken und fördern. Und es gäbe keine Zweiklassengesellschaft und jede Uni wäre attraktiv nicht nur die Eliteunis. Besonders finde ich befremdlich, wie manche Parteien auf die 300 Euro/Monat für die besten 10% reagieren. Hier eine Reaktion von SPD-Vitzechefin Dagmar Ziegler:: "Die Krankenschwester finanziert mit ihren Steuern das Stipendium für den Ärztesohn.". Ah ja. Also nach SPD Ansicht sind alle Arbeiter zu dämlich für ein erfolgreiches Studium. Gabs nicht mal in Russland so eine Art "Arbeitergenetik"? Es ist ein Anreiz mehr zu leisten. Mehr auch nicht, denn von 300 Euro kann man ein Studium nicht finanzieren, zumal ja inzwischen pro Monat auch bei den meisten Unis 100 Euro/Monat an Studiengebühren anfallen. Im täglichen Leben gilt auch: Wer mehr leistet, verdient mehr. Warum soll das nicht beim Studium auch so sein? Man kann es auch anders sehen: Die besten studieren meistens kürzer und sparen so Kosten ein. Natürlich befähigen die 300 Euro auch eventuell auf einen Nebenjob zu verzichten und so auch schneller fertig zu werden.

Ein anderer Punkt ist das Bafög System. Welche Rolle Bildung bei uns hat zeigt sich recht gut am Bafög System. Ein paar Dinge die sie über Bafög wissen sollten. So ist Bafög heute vorwiegend ein Darlehen: Den Großteil des Geldes muss man zurückzahlen. Noch interessanter ist aber, dass der Maximalbetrag von Bafög niedriger als der Regelsatz von Harz-IV ist. Es ist also Studenten zumutbar in einer WG zu wohnen und zu arbeiten um  ihr Studium zu finanzieren, anstatt zu studieren, aber Harz-IV Empfängern ist das nicht zumutbar.

Mehr noch: Nun könnte man ja auf die Idee kommen sich einfach arbeitslos zu melden und HARZ-IV zu beantragen anstatt BAföG - es gibt mehr Geld und man muss nichts zurückzahlen. Aber das geht nicht. Nein die Kohle gibt es nur, wenn man nichts tut um sich zu qualifizieren oder später dem Staat Einnahmen zu bescheren! Wer schon immer vermutet hat, dass man in der BRD trotz aller Unkenrufe von Politikern total bescheuert ist wenn man arbeitet, Rücklagen für Notsituationen oder das Alter trifft - ja dem ist so!

Sollte nun das Bafög abgeschafft werden? Nein, aber vielleicht sollte sich mal was an diesem System von ALG II ändern. Anstatt die Leute in mehr oder weniger sinnlose 1-Euro Jobs zu schicken, (ich habe im Fernsehen einen Bericht gesehen wo Harz-IV Empfänger in einem künstlichen Supermarkt "Einkaufen" spielen - dafür kassiert noch der TÜV 800 Euro/Person/Monat...). Stattdessen: Weiterqualifikation: Schulabschlüsse nachholen, Kurse besuchen, oder schickt sie auf eine Hochschule. Was wenn einer nicht mitmacht? Wie wäre es mit einem Niveau unter Harz-IV. So Richtung Männerwohnheim, Suppenküche, Kleidung aus der Kleiderspende?

Nein das ist kein Sozialneid, aber ein soziales System hat die Aufgabe die zu unterstützen die unverschuldet in Not geraten sind, aus gesundheitlichen Gründen nicht abreiten können oder weil es andere triftige Gründe gibt nicht zu arbeiten. Es hat aber dann auch die Aufgabe dafür zu sorgen dass sie diesem System entkommen können und nicht die Aufgabe Sozialschmarozer zu versorgen, die nichts abreiten wollen aber von der Allgemeinheit ihren Lebensunterhalt bestreiten lassen wollen.

Und eventuell sollte man am BAföG System etwas ändern, soweit dass man keinen Nebenjob mehr braucht - auch das ist förderlich für die Unis - es bedeutet weniger Langzeitstudenten und damit sparen auch die Unis, denn sie können mehr Studenten aufnehmen. Nur mal zwei Zahlen. 2011 gibt der Staat 50 Milliarden für Harz-IV aus, aber (nach drastischer Aufstockung!) 3,5 Milliarden für BAföG aus. Da weiß man doch wie viel wirklich Bildung dieser Bundesregierung wert ist.....

Es gäbe dazu noch mehr zu schreiben. Aber ich verweise mal auf andere Blogs von mir: Über das Schulsystem und das System von Bachelors und Masters.

Samstag 28.8.2010: Raumfahrträtsel 9

Atlas AbleEs gibt bekanntere Raumsonden und unbekanntere. Zu den bekannteren zählen sicherlich die beiden Mars Rover, Cassini oder Voyager. Unbekanntere sind vielleicht der Mars Observer, die Pioneer Sonnensonden. Das absolut unbekannteste ist aber ein Programm, bei dem man nicht mal den Namen so genau weiß, denn keine Sonde startete erfolgreich und so wurde es niemals offiziell.

Während der Entwicklung wurde das Programm nach der Trägerrakete bezeichnet (das war auch bei den Vanguard Satelliten so und den ersten Pioneer Mondsonden auch zuerst "Thor Able". Und so hieß dieses Programm daher auch erst mal "Atlas Able".

Das Programm muss im damaligen politischen Umfeld gesehen werden. Es tobte noch ein Wettlauf der Systeme - nicht technisch sondern politisch. Es ging darum erster zu sein. Das ging schon damals unter (die amerikanischen Satelliten, obwohl viel kleiner aus die russischen machten die Entdeckungen, Russland ging es nur um Propaganda. So entdeckte Explorer 3 den Van Allen Strahlungsgürtel und Pioneer 3+4 verfeinerten die Messungen. So waren auch die nächsten Schritte ambitioniert:

Das Pioneer P Programm sollte einen Mondorbit einschwenken - sieben Jahre vor Luna 10. Von dort aus waren zahlreiche Messungen geplant. Die wichtigsten waren Strahlungs- und Partikelmessungen um das interplanetare  Magnetfeld und die Plasmaumgebung der Erde zu bestimmen. Die von Arne angesprochene "Kamera! war eine Photodiode. Sie liefert den Helligkeitsweg eines Bildpunktes. Durch Bewegung der Photodiode und die Rotation der Raumsonde baut sich so ein Bild auf. (Analog funktionierten auch die "Kameras" von Pioneer Venus Orbiter und Pioneer 10+11). Ziel war vor allem die von der Erde aus nicht beobachtbare Rückseite des Mondes zu beobachten.

Anders als Arne mutmaßt war aber nicht der Grund für die Programmeinstellung die ersten Bilder der Mondrückseite durch Luna 3 am 4.10.1959. Es war das keine einzige Sonde erfolgreich startete. Der Grund war die Kombination der bisher noch nicht als Weltraumträger erprobten Atlas und der Oberstufen der Vanguard Able und Altair. Zum ersten: Die Atlas durchlief zu diesem Zeit noch ihr Entwicklungsprogramm. Die NASA war so eifrig, dass sie die neunte produzierte Atlas, noch von der "C" Version einsetzte. Die Versionen A-C waren reine Entwicklungsmuster und die D-F die Einsatzversionen. Die Rakete waren noch nicht erprobt und hatte auch noch ein paar Jahre später zahlreiche Fehlstarts (selbst im Mercury Programm).

Noch besser war die Übernahme der Oberstufen der Vanguard. Die Vanguard  hatte kurze Zeit zuvor ihren letzten Flug. Von diesen waren nur drei erfolgreich ... von 11! Auch alle drei Starts der Oberstufe auf der Thor scheiterten. Keine gute Ausgangsbasis und so war es auch: Bei einem Countdowntest mit einem Probezündung des Triebwerks (Hochlaufen auf Startschub, gefolgt von einem Abschalten) am 24.9.1959 explodierte die erste Atlas Able noch auf der Startrampe. Diese wurde dabei völlig zerstört. Schließlich hatte die Atlas rund 115 t Treibstoff an Bord. Danach gab es drei Startversuche - alle drei scheiteten. Eine weitere Sonde (Atlas Able V) wurde dann nicht mehr gestartet. Das Programm wurde still und einfach eingestellt. Mehr dazu (aber auch nicht viel mehr, weil es bis heute kaum Infos gibt) auf meiner Seite.

So die Rätsel werden nun schwieriger. Was verbindet die Daten 17.5.1966 und 11.11.1966?

Sonntag 29.9.2010: Wahnsinn am Sonntag

Heute nur ein kurzer Blog, da ich ja nun weiss das die meisten von euch den Blog in der Frühstücks/Mittagspause lesen. Sonst reicht euch die am Montag nicht...

Es geht um den ganz realen Irrsinn. Also was muss z.B. Thilo Sarrazin noch machen, damit man ihn aus der SPD ausschließt? Mein Tipp: sich für die Linkspartei stark machen - da versteht die SPD keinen Spaß, aber rassistische Aussagen tätigen? Nö deswegen doch nicht. Spricht viel dafür dass die SPD nun politisch irgendwo zwischen CSU und NPD steht. Viel weiter rechts geht es nicht mehr.

Dann noch unsere liebe Kernkraftlobby. Seit Jahren predigen sie: Ohne verlängerte Laufzeiten bricht alles zusammen! Dann bleiben die Lichter aus und die PC's auch. Der Zusammenruch des High-Tech Standorts aufgrund von Strommangel. Nun kommt eine Brennelementesteuer und plötzlich heißt es "die Kraftwerke sind nun so unwirtschaftlich wir müssen sie vorzeitig abschalten". Aha, also erst geht das abschalten auf keinen Fall und nun plötzlich vorzeitig? Dabei können die Konzerne nicht rechnen. Denn die Regierung will 2,3 Milliarden Euro von Ihnen. Jedes der 17 deutschen Kernkraftwerke ist aber für Einnahmen von 300 Millionen Euro pro Jahr gut. 0,300 x 17 sind aber mehr als 2,3 Milliarden.... Aber ich wage schon jetzt eine Prophezeiung: Der Strompreis wird genau mit dieser Begründung der neuen Steuer erhöht, werden. Wie schon immer. Denn das in den letzten zwei Jahren die Preise an der Leipziger Strombörse um 35% gesunken sind, haben sie ja auch nicht bei ihrer Rechnung gemerkt: Im Gegenteil!

Wenn Rot/Grün gewusst hätte das es so einfach mit dem vorzeitigen Abschalten geht hätten wir die Brennelementesteuer wahrscheinlich schon längst, und wenn sie schlau gewesen wären sogar in einem Umfang von >5,1 Milliarden....

Dann frage ich mich was ich falsch gemacht habe. Michael P. (siehe hier) will 2.000 Franken Leibrente vom Schweizer Staat, weil er wegen Graffiti verurteilt wurde (zu 700 Franken Bußgeld) und weil der Staat es zuließ dass er zum Gegenunterricht von seiner Mutter gezwungen wurde und überhaupt wegen des ganzen Leides das er erdulden musste,

Detlef G. (selber Link, zu den Kommentaren scrollen) will 2 Millionen Euro, von Merkel und Schröder persönlich! Weil er 3 Jahre lang inhaftiert wurde. Leider hat er den Prozess vor dem EUGH verloren...Immerhin, liest man seine Kommentare und denkt man darüber nach was man tun muss um 3 Jahre zu bekommen sollte man vielleicht vorsichtiger mit Kommentaren über den K-Chef sein....

Hmm, irgendwas mache ich falsch. Ich muss mal überlegen, was mir der Staat schon so angetan hat. Da gibt es schon einiges:

Also ich wurde massiv geschädigt. Jetzt brauche ich noch eine völlig überzogene und vor allem idiotische Forderung.... Ah ich habs! Jede Bibliothek in Deutschland muss mindestens zehn Exemplare jedes meiner Bücher vorrätig haben und auf Anfrage das einem interessierten Leser schenken (und natürlich neue Exemplare nachordern....)

Aber solange dem nicht so ist könnten meine Leser (von Büchern) mir einen Gefallen tun und eine Amazon Kritik verfassen, muss ja keine lange sein, damit sie noch in die Mittagspause reinpasst ;-) Das ist (neben Gastblogs) die beste Möglichkeit sich bei mir beliebt zu machen.

Sonntag 29.8.2010: Raumfahrträtsel 10

Eugene CernanSo nun die Auflösung des letzten Rätsel. Ich bin ja lernfähig und suche nun Dinge aus, die man nicht einfach per Datumssuche rauskriegen kann sondern wissen muss. Es handelt sich um eine Hintergrundgeschichte. Gemini 9A sollte die Ankopplung an eine Agena mit Koppeladapter erproben. Die Atlas-Agena ging am 17.5.1966 verloren, wodurch die Mission neu angesetzt wurde. Die NASA startete mit einer Atlas E einen Zielkörper der den Kopplungsadapter enthielt, aber keinen Antrieb. Aber auch bei diesem gab es Probleme: Die Nutzlasthülle löste sich nicht, ein Fixierband war nicht durchtrennt worden. (Der Hersteller macht später damit Werbung für sein "unverwüstliches Band"). Nun wurde beratschlagt was zu tun sei. Buzz Aldrin, Copilot der Ersatzmannschaft umging einige Hierarchien und trommelte die Missionsleitung zusammen und schlug allen Ernstes vor doch aus dem Raumschiff zu klettern und die Nutzlastverkleidung von Hand zu öffnen - das wurde wegen der scharfen Kanten von allen anderen abgelehnt. Noch heute spricht Eugene Cernan in Interviews nicht besonders begeistert über die Idee - denn er hätte das ausführen müssen.

Doch die Pannen gingen weiter. Nächster Punkt war die Erprobung eines mobilen Manövriergeräts der US-Luftwaffe. Das AMU (Astronaut Maneuvering Unit) getaufte Gerät war ein Vorläufer der MMU, hatte also einen eigenen Antrieb. Es war hinten am Raumschiff befestigt. Doch ohne Haltemöglichkeit am Raumschiff war es extrem anstrengend überhaupt mal dorthin zu gelangen. Danach sah er sich einem Grad ausgesetzt der die Sicherheitslinie beschädigen konnte und schließlich machte das Anlegen der AMU Probleme - es war extrem schwer das sperrige Ding im Raumanzug anzulegen. Cernan schwitzte und sein Visier beschlug. Na ja zumindest 45 Minuten lang. Danach kam er in den Erdschatten und aus dem Nebel im Helm wurde eine Eisschicht auf der Innenseite des Helms! Er konnte nichts mehr sehen und die Sicherheitsleine begann sich um ihn zu wickeln. Auf der Erde warnten inzwischen die Mediziner auch - sein Herzschlag war auf Rekordwerte geklettert. Stafford forderte ihn auf wieder in die Kapsel zu kommen - doch auch die Funkverbindung war schlecht so dass es eine Weile dauerte bis er das auch verstand. Später berichtete Cernan nur von einem "Weltraumspaziergang in der Hölle" und so sieht er auch auf dem Foto aus.

Nun was ist der Zusammenhang zu Gemini 12, der Mission bei der eigentlich alles klappte? (auch weil man Lehren beim Training und bei der Anbringung von Hilfen am Raumschiff zog). Hier war es umgedreht: Aldrin war Copilot und Cernan Copilot der Ersatzmannschaft. Mitten in den Vorbereitungen machte Deke Slayton ihm das Angebot in die Primärmannschaft zu wechseln und Aldrin zu ersetzen. Eine unverhoffte Wendung des Schicksals - hatte Aldrin doch diese Idee mit der EVA um den "angry Alliagtor" zu befreien. Grund: Die Luftwaffe hatte ihre AMU verbessert und wollte sie getestet hatte (sie träumte damals von einem eigenen, militärischen Raumfahrtprogramm inklusive dem Inspizieren und Reparieren von Satelliten). Cernan war der einzige verfügbare der genügend Trainingsstunden hatte und so machte ein erneuter Einsatz die Verschiebung notwendig. Nach den Erfahrungen bei Gemini 9A erbat sich Cernan Bedenkzeit, doch bevor er zusagen konnte, lies die Luftwaffe das Experiment fallen.

Wer wohl der zweite Mann auf dem Mond gewesen wäre, hätte Cernan sofort zugesagt? Zumindest über den ersten Teil (Gemini 9) könnt ihr mehr im Probekapitel des Gemini Buchs nachlesen. Das Buch an sich ist auch ganz lesenswert. Nur so anbei bemerkt.

So die Frage für heute, mal ohne Datum: Welche Sonde führte zuerst ein Swing-By Manöver durch?

Morgen gibt es einen neuen Blog von Alexander bei dem - so denke ich bestimmt alle was beitragen können - (okay bis auf die Mac und Linux User, aber eine Minderheit gibt's immer). Ich melde mich nur wenn das Rätsel aufgelöst wird mit einem neuen. Sonst nicht. Und denkt an das Musikrätsel....

Montag 30.8.2010: Raumfahrträtsel 10

Mariner 10 Aufnahme der VenusDie erste Raumsonde die ein Swing-By Manöver durchführte war Mariner 10. Zwar startete Pioneer 11 vorher, doch als sie bei Jupiter ankam und dort das zweite Fly-By durchführte, war Mariner 10 schon an der Venus vorbeigeflogen.

Ich will nicht die Grundlagen des Fly-By oder Swing-By erläutern. Das habe ich an anderer Stelle getan. Das Grundprinzip ist, dass ein Vorbeiflug an einem Planeten die Bahn eines Himmelskörpers krümmt. Relativ zum Planeten behält die Raumsonde ihre Geschwindigkeit. Durch die Bahnkrümmung und die Eigengeschwindigkeit des Planeten wird aber die solare Bahn verändert.

Beobachtet wurde das schon bei den ersten Raumsonden. Mitte der sechziger Jahre war es erstmals möglich die Bahnen zu berechnen die resultierten und damit zu planen eine Raumsonde von einem Planeten zum nächsten zu schicken. Doch bis dies in praktisch umsetzbar wurde vergingen noch einige Jahre. Das erste war dass die Lebensdauer der Raumsonden zu steigern - Mariner 2 fiel kurz nach dem Vorbeiflug aus. Doch Mariner 4 arbeitet noch zwei Jahre nach dem Start. Das zweite war es eine Bahn mit hoher Genauigkeit zu erreichen: Ein Fehler beim Vorbeiflug von 1 km bewirkt typischerweise eine Bahnabweichung von über 1.000 km beim nächsten Ziel. Bei den ersten Raumsonden war man froh wenn man einen Zielpunkt auf 10.000 oder 1.000 km genau erreichte. Beim Swing-By musste mit den damals vorhanden Treibstoffvorräten dies auf unter 100 km gesteigert werden. 1969 gelang dies bei Mariner 6+7.

Mariner 10 war die erste Sonde die Swing-By aktiv nutzte: Mehr noch ohne sie wäre die Mission nicht denkbar gewesen (im Unterschied zu Pioneer 11, bei der der Saturn Vorbeiflug ein "Goodie" war). Der Italiener Giuseppe Columbo "Bepi" hatte in einer Arbeit festgestellt, dass eine bestimmte Bahn zu Merkur in einer Rückkehrmöglichkeit zu Merkur führte. Die resultierende Bahn hätte dann eine Umlaufszeit von 176 Tagen. Da der Merkur die Sonne in 88 Tagen umrundet befindet er sich nach 176 Tagen (2 Umläufen wieder an derselben Position) - so konnte Mariner 10 dreimal Merkur begegnen, bis ihr Vorrat an Lagekontrollgas erschöpft war.

Später wurde das Swing-By genutzt um die äußeren Planeten zu erreichen - ohne einen Vorbeiflug an Jupiter liegen hier die Reisezeiten bei Jahrzehnten oder es ist eine so hohe Geschwindigkeit nötig, dass die Nutzlast minimal wird.

In den letzten Jahren wird auch die Erde als Swing-By Ziel genutzt. NEAR und Messenger machten einen Erdvorbeiflug der sie um 3-4 km/s beschleunigt. Dies lohnt sich allerdings nur, wenn sonst eine zu große Trägerrakete benötigt wird, da 3-4 km/s über Solar normalerweise nur 500-600 m/s über Fluchtgeschwindigkeit erfordern.

Ohne diese Technik wäen viele Missionen nicht denkbar, die Sonden entweder zu klein oder es würden riesige Trägerraketen gebraucht werden. Der Preis ist eine Missionsverlängerung: Jupiter hätte Galileo ohne Swing-By in 2 Jahren erreichen können. Mit Swing-By waren es 6 Jahre. Anbei eine der eher unbekannteren Mariner 10 Aufnahme der Venus. Das heutige Rätsel ist nun wieder einfacher. Was passierte am 31.5.1073?

Dienstag 31.8.2010: Raumfahrträtsel 12

Am 31.3.1975 nahm (zumindest nach ihrer Website Arne) die ESA ihre Arbeit auf. Ich halte die ESA für eine echte Erfolgsstory, nicht nur weil bemerkenswert ist, was sie in den letzten 35 Jahren geleistet hat, sondern auch wenn man die Vorgeschichte kennt. Vorher gab es eine ESRO die Satelliten baute und eine ELDO die Trägerraketen baute. Und beide hatten nichts miteinander zu tun - im Gegenteil die ESRO wollte lieber ihre Satelliten auf preiswerten amerikanischen Trägern starten anstatt auf der teuren Europa.

Die ESA steht heute für mich vor allem für eines: Für Kontinuität. Natürlich gibt es auch hier immer wieder den Fall das Projekte abgebrochen wird, weil sich in der Planung herausstellt sie werden teurer als erwartet  Aber der Blick über den großen Teich zeigt doch, dass es auch anders geht. Man muss nur mal sich die Geschichte der ISS ansehen oder wie die NASA jahrzehntelang am Space Shuttle festhielt obwohl das wofür es gebaut wurde es nicht leisten konnte - die Trägerraketen zu ersetzen. Von vielen kleineren Umwälzungen die es gab nicht zu sprechen, wie der Einbruch in der Forschung nachdem Reagan ins Amt kam oder die Kürzungen die nach Constellation einzogen, das nun ja selbst wieder eingestellt werden soll, aber auch das ist nicht so ganz sicher.

Natürlich ist die ESA nicht die NASA, aber obwohl ihr Haushalt viermal kleiner ist kann sie in vielen Dingen konkurrieren und bei ihr stand die ISS Beteiligung nie infrage, obwohl die bemannte Raumfahrt (gottseidank) traditionell nicht die gleiche Rolle wie bei den USA spielt. In letzter Zeit mehren sich allerdings die Zeichen das auch bei der ESA es knirscht. Deutschland will das ATV ausbauen - die anderen Länder nicht. Die Ariane Fortentwicklung steht seit Jahren still und einige wissenschaftliche Projekte wurden eingestellt. So kann ich die neue Orientierung von Exomars (gemeinsamer NASA/ESA Orbiter, keine Landung mehr, nur eines von fünf Instrumenten aus Europa) nicht so toll finden. Einen billigen Orbiter hätte man wahrscheinlich noch selbst hinbekommen. Der Lander war ja das teure an Exomars.

Was die ESA noch verbessern muss ist ihre Öffentlichkeitsarbeit. Mit der habe ich als Autor zwangsweise viel zu tun. Es fängt mit den Webseiten an. Es gibt nicht eine, sondern viele auch wenn alle unter esa.int gehostet sind. Durch die dynamische Erstellung klappt die bei NASA Webseiten so erfolgreiche Methode an Hintergrundinfos zu kommen auch nicht (die Seiten über so was wie wget lokal kopieren und nach pdf's oder verräterischen Seitentitel durchsuchen). Vor allem wünsche ich mir mehr Hintergrundinformationen. Bei der NASA konsultiere ich dazu den Server NTRS. Bei der ESA gibt es viel weniger Informationen , vor allem was über allgemeine Broschüren hinausgeht und es ist nirgendwo so etwas wie ein zentraler Zugriff vorhanden. Schlimmer noch: Es ist nicht möglich sich an jemand direkt zu wenden, der Bescheid weis. Es gibt nur eine Kontaktmöglichkeit über die ESA Website, die läuft über die Presseabteilung, nicht die Möglichkeit nun direkt jemanden in ein konkretes Projekt involvierten anzuschreiben und die Presseabteilung ist recht schlecht informiert und gab mir z.B. die Auskunft mehr las auf den Webseiten über Ariane 5 steht, gäbe es nicht. Das ist schon deswegen falsch, weil in den ESA Bulletins viel mehr drinsteht als auf den Webseiten. Wenn ich dem geglaubt hätte und nur das genommen hätte, dann hätte ich nicht mal ein Zehntel des Buches schreiben können.

Das ist auch ein Grund warum ich zwar gerne mehr über europäische Projekte schreiben würde, aber es dann doch lieber lasse,

So, das neueste Rätsel ist echt tricky und ich rechne nicht damit das es irgendeiner rausbekommt, weil auch ich ziemlich gucken musste bis ich das Datum fand. Was geschah am 17.2.1970?

Mittwoch 1.9.2010: Saturn V - 2.0

Heute mal wieder ein Beitrag in der Reihe "Was wäre wenn?". Also die heutige Fragestellung ist - was wäre wenn die NASA die Saturn V weiter entwickelt hätte. Natürlich kann man viel denken. Es gab ja auch Pläne dafür. Ich will mal folgendes skizzieren - die NASA hätte nie das Shuttle entwickelt. Alle nach 1969 entwickelten Triebwerke sind auch tabu, aber folgendes kann man einsetzen:

Schritt 1: Die Saturn V mit moderneren Triebwerken

Die J-2S wurden fertig entwickelt und sollten in einer späteren Version der Saturn V eingesetzt werden. Ihr Designziel war eigentlich die Herstellungskosten zu minimieren (S steht für Simplified). Sie haben etwa 100 kN mehr Schub und einen höheren spezifischen Impuls. Bei sonst gleichen Daten erhöhen diese die Nutzlast in den LTO Orbit von 49,5 auf 53,8 t. Nicht viel, aber bei gleichbleibenden oder geringeren Kosten etwas das man gerne mitnimmt.

Schritt 2: Feststoffbooster als Startunterstützung

Dieser Schritt war schon vorgesehen. Die 7-Segment Booster der Titan 3 sind nicht nur preiswert (die 5-Sgemnet Booster für die Titan 3C kosteten nur 6,3 Millionen Dolalr pro Paar), sie erhöhen auch die Startbeschleunigung ohne die Spitzenbeschleunigung zu beeinflussen. Ein zweiter Effekt ist dass die die Gravitationsverluste erniedrigen. Wenn ich hier einen Wert von 200 m/s ansetze steigt die Nutzlast auf 73,9 t zum Mond (bei vier Boostern).

Schritt 3/4: Moderne Legierungen / Stufenverlängerung

Als die Saturn V entwickelt wurde, nahm die NASA damals übliche Aluminiumlegierung die ach bei Flugzeugen eingesetzt wurden, wie die 7075. Später zog die 2219 ein, in der der Shuttle und Ariane 5 gefertigt wurden. Sie könnte die Strukturmasse schon etwas absenken. Heute ist Stand der Technik die Al/Li Legierung 2195, die nochmals 26% leichter bei gleichen Materialgrenzen ist.

Hier ein Vergleich von Ares V EDT und Ariane 5 EPCH155 Stufe:

  S-IVB Ariane 5 H155
Startmasse 130840 kg 170300
Leermasse: 11377 kg 12200
Verhältnis 11,5 13,9

Der höhere Schub des J-2 um 110 kN erlaubt es die S-IVB und die S-II um 11 t und 55 t respektive zu vergrößern. Bei der S-IC wäre das auch möglich wegen der Booster, doch ich verzichte darauf, weil der Effekt auf die Nutzlast viel kleiner ist.

Ich habe bei der S-II 15 t für den Schubrahmen/Triebwerke und bei der S-IVB 3 t angesetzt. Dieser Anteil bleibt gleich. Und den Rest der Stufenmasse um 26% erniedrigt, das entspricht dem Gewinn beim Übergang von 2219 auf 2195. Das erhöht die Nutzlast auf 84,2 t.

Gegenüber der normalen Saturn V (49,5 t zum Mond) ist das eine Steigerung um 34,7 t, immerhin rund 69%. Morgen kommt dann dran, wofür man diese Nutzlaststeigerung einsetzen kann, Stichwort: Apollo 2.0

Rakete: Saturn 5

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Verkleidung
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
2957513 49500 0 10931 1957
Stufe Name Vollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez.Impuls (Vakuum)
[m/s]
1 2286778 135218 2980
2 498778 39090 4160
3 122457 13095 4160

Rakete: Saturn 5 (J-2S)

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Verkleidung
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
2961818 53805 0 10931 1957
Stufe Name Vollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez.Impuls (Vakuum)
[m/s]
1 2286778 135218 2980
2 498778 39090 4275
3 122457 13095 4275

Rakete: Saturn 5 (J-2S, UA1207)

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Verkleidung
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
4259260 73927 0 10931 1757
Stufe Name Vollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez.Impuls (Vakuum)
[m/s]
1 1277320 204920 2658
2 2286778 135218 2980
3 498778 39090 4275
4 122457 13095 4275

Rakete: Saturn 5 (J-2S, UA1207,AL2195)

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Verkleidung
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
4335574 84219 0 10931 1757
Stufe Name Vollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez.Impuls (Vakuum)
[m/s]
1 1277320 204920 2658
2 2286778 135218 2980
3 553800 34800 4275
4 133457 11000 4275

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