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Web Log Teil 186: 6.9.2010 - 11.9.2010

Montag den 6.9.2010: Raumfahrträtsel 16

CopernicusTja was war denn nun das besondere an OAO-3? Vielleicht ist das was ich gesucht habe zu prosaisch, aber es ist der erste Satellit, von dem ich weis, das er einen Namen bekam. Vorher gab es in den USA, aber auch anderen Ländern Programme mit Kleinserien von Satelliten - Explorer, Mariner, Pioneer, OAO, OGO, OSO, ESRO, Lunk, Mars, Venera, Sputnik oder Kosmos mal als Beispiele.

OAO 3 wurde auf den Namen "Copernicus" zu Ehren des 500.sten Geburtstags von Nikolaus Kopernikus. (Nicht der einzige, auch ein Interkosmos Satellit erhielt diesen Namen). Und er markiert eine Wende: Weg von Programmen mit laufenden Nummern für Satelliten und Raumsonden, hin zu sprechenden Bezeichnungen, wahlweise als Beschreibung der Mission ("Mars Observer", "Solar Maximum Mission") oder mit einem poetischen Namen (Galileo, Dawn, Curiosity). Das korrespondiert auch mit weniger Missionen, die allerdings länger dauern und ambitionierter als die frühen Satelliten und Raumsonden waren, bei denen man mit einem Betrieb über einige Monate oder einem kurzen Vorbeiflug rechnete.

Auch OAO-3 machte hier keine Ausnahme: Er arbeitete nachdem er 1972 gestartet wurde bis 1981. Es dauerte noch ein Weilchen, bis sich das System allgemein durchsetzte. So hatte die nächste Astronomiesatellitenserie auch nur die Bezeichnung HEAO (High Energy Astronomy Observatories). Auch hier erhielt HEAO-2 einen Namen: Einstein in Anlehnung an den 100-sten Geburtstag von Einstein.

So, ich habe mir was ausgedacht. Da ich festgestellt habe, dass Daten leicht über Suchmaschinen festgestellt werden können. Ziehe ich mal die Daumenschrauben an und animiere zugleich zur Nachforschung. Es gab beim Start von Skylab neben dem Ablösen des Mikrometeoritenschutzschilds und Ablösen des Solarpanels 1 noch ein zweites Ereignis, das nicht vorgesehen war. Welches könnte ich meinen?

Dienstag 7.9.2010: Raumfahrträtsel 17

Skylab StartSo langsam wird es mir unheimlich. Ja Tobi hatte recht. Beim Start von Skylab gab es noch ein zweites Vorkommnis: Der rund 5 t schwere Zwischenstufenadapter zwischen erster und zweiter Stufe löste sich nicht wie geplant 30 s nach Zündung der S-II ab, sondern gelangte auch in den Orbit. Trotzdem hatte die S-II noch rund 8 t Resttreibstoff - bei einer Apollomission waren 3 t üblich. Obwohl also die Nutzlast 5 t höher war als geplant hatte die Stufe noch mehr Reserven als bei einem Mondflug - sie hätte rund 100t anstatt der 95 t, welche die NASA als Nutzlast annahm befördern können. Zusammen mit der ausgebrannten Stufe und dem Adapter zu Skylab gelangten 144.750 kg in den Orbit.

Ich bin darauf erst gestoßen, als ich für mein Buch nach den genauen Nutzlastmassen recherchierte (eigentlich für die bemannten Missionen, denn die in der Wikipedia und anderen Webseiten angegeben Nutzlastmassen sind viel höher als die maximale Nutzlastlast einer Saturn V, was aber (außer mir) anscheinend keinem auffällt ...) Ich habe dazu die Flight Performance Reports der NASA studiert und bin dabei auf dieses Detail gestoßen, das komischerweise auch in keinem der Bücher erwähnt ist.

Vielleicht sollte Tobi mal einen Gastblog verfassen, damit ich auch noch was dazulerne. Das brachte mich auf das heutige Thema. Es ist erstaunlich das die NASA zwar die Leistung der Saturn steigerte, aber an den Dingen man leicht hätte optimieren können, nichts tat. Was ich meine? Nun es fiel mir bei der Massebilanz der bemannten Missionen auf. Neben einer großzügigen Treibstoffreserve von 2.200 Pfund (oder eben 2.200 Pfund weniger Nutzlast....) transportierten die Saturn V auch die SLA mit den den Orbit. Die wogen, weil sie von der Saturn V übernommen waren fast 4 t, was fast ein Drittel der Nutzlast ausmachte. Etwas kürzere die an die Länge der Düse angepasst waren hätten die Nutzlast bedeutend gesteigert. Dasselbe gab es auch bei Mondmissionen. Die SLA wurden erst abgetrennt als die Mondtransferbahn erreicht war. Hätte man sie schon im Erdorbit abgetrennt und schon da an das LM angekoppelt, das dann vielleicht noch zusätzlich befestigt gewesen wäre, dann wären auch 3-4 t mehr zum Mond möglich gewesen. Es reichte wohl auch so. Die Saturn IB hätten selbst mit der Reserve maximal 15.580 kg an Nutzlast zu Skylab transportieren können. Genutzt wurden maximal 14.916 kg.

Bei Skylab schöpfte die NASA sogar richtig aus dem vollen: Neben dem 77 t schweren Labor wurde auch die 12 t schwere Nutzlastverkleidung mit in den Orbit befördert. Erst dort wurde sie abgetrennt. Ein bisschen früher wäre auch möglich gewesen, aber da das Labor mit Nutzlastverkleidung schon 9 t leichter als die Maximalnutzlast war, war das wohl egal. Damals konnte man einfach aus dem vollen schöpfen. Heute kaum noch vorstellbar.

So, das neue Rätsel wird wohl für Tobi ganz einfach sein.  Für alle anderen wohl eher nicht. JPL steht für Jet Propulsion Laboratory. Es gab aber eine Zeit, da verstand man unter der Abkürzung was anderes. Was denn und warum? (Hinweis es handelt sich aber nach wie vor um das gleiche NASA Zentrum und nicht um eine zufällig gleiche Abkürzung).

Mittwoch 8.9.2010: Laien und Raumfahrt

Ich möchte heute mal ein Thema anschneiden, auf das ich gekommen bin als ich mir das mal über die Moonhoaxer angeschaut habe. Eine sehr gute Auseinandersetzung übrigens. Dort wird auch gesagt "Mathematik" wäre eine Geheimsprache und Physiker würden sich in dieser "Geheimsprache" unterhalten. Ich will mal das in anderer Weise aufgreifen, weil ich mir ja auch schon mal anhören musste. ich hätte das nicht studiert und würde mich daher nicht auskennen.

Braucht man, um sich mit Raumfahrt näher zu beschäftigen, ein abgeschlossenes Luft & Raumfahrtstudium? Ich sage nein und ich denke das kann ich auch ganz gut begründen. Zum einen sind die Vorlesungsmanuskripte aus deutschen Hochschulen herunterladbar und die Lehrbücher kann man kaufen und lesen. Wer dies tut wird feststellen, das es ein normales ingenieurwissenschaftliches Studium ist. Es handelt sich wie bei anderen Ingenieursstudiengängen um die Vermittlung von technischem Wissen, in diesem Falle ein Aufbaustudiengang eines Maschinenbaustudiums.

Nun habe ich ja auch ein Ingenieurstudium hinter mir in Software-Engineering. Und ich denke, dieses könnte jemand auch daheim absolvieren und viele beherrschen auch einen guten Teil der Praxis - die Kenntnis von Programmiersprachen, Betriebssystemen etc. auch ohne studiert zu haben und die theoretischen Konzepte wie z.B. Objektorientierung, UML, Software-Pattern, SA/RT etc. kann man sich durch Bücherstudium aneignen. Das gilt, denke ich, für jedes Technikstudium bei dem es ja darum geht, sich mit Technologien vertraut zu machen, diese anzuwenden und weiterzuentwickeln. Die Studiengänge haben ja auch meistens die Aufgabe Grundlagen zu vermitteln, die dann der Berufsabsolvent nutzt, um sich in konkrete Umsetzungen dessen einzuarbeiten. Nicht anders ist es bei der Raumfahrt. Dort wird ja nun nicht vermittelt wie das F-1 Triebwerk arbeitet. Welche Subsysteme das Space Shuttle hat, sondern welchen physikalischen Gesetzen die Raumfahrt gehorcht. Zum Nachschauen der konkreten Daten wird dann an Websites verweisen, oder gleich davon ganze Kapitel übernommen (nicht wahr Herr Prof. T. Esch von der FH Aachen?).

Daher denke ich, kann jemand der sich für Technik interessiert oder vielleicht in diesem Bereich zu tun hat, sich sehr gut in das Thema einarbeiten. Ich habe meine Zweifel ob es jeder kann. Immer wenn ich bei Foren mal über Betriebswirtschaftler stolpere stelle ich fest, dass die eine völlig andere Einstellung zu Zahlen haben. Also kein Verständnis, das Zahlen ja nur ein Kennwert eines physikalischen oder technischen Systems sind. Das erinnert dann so an diese "Witz-Matheaufgaben": Wenn 2 Maler ein Zimmer in 20 Stunden streichen, wie lange brauchen 100 Maler dazu? In Realität ich habe schon solche Rechnungen gesehen, a la: Wenn man den spez. Impuls einfach von 4000 auf 8000 m/s erhöht , dann gibt es gleich so viel mehr Nutzlast. Diese Leute sind es gewohnt mit Zahlen zu rechnen die für Geld stehen, aber nicht für technische Werte.  Das diese begrenzt sind, anders als finanzielle Werte (ja, man kann in der Finanzwelt einfach mal Milliarden in Lauft auflösen, aber sicher nicht mal die Orbitalgeschwindigkeit eines Raumschiffs)

Wahrscheinlich gilt das auch für andere Berufsgruppen die mit musischen Dingen zu tun haben, aber die beschäftigen sich meistens nicht mit Technik oder sind dann gleich bei den Moonhoaxern, wenn sie weder ein Interesse noch das Verständnis für Technik haben.

Etwas schwieriger wird es bei Naturwissenschaften. Physik, Chemie und Konsorten. Forschung heißt neue Wege zu beschreiten, neues entdecken, auch wenn es manchmal nur inkrementell ist und so ein bisschen an Anwendung von Technik aussieht. Auch hier sind Grundlagen wichtig, auf ihnen baut alles auf. Es ist jedoch nicht Stand der Technik der sich ändern kann, sondern Naturgesetze - mit ein paar Jahrhunderten Tradition. Wer heute Softwaretechnik studiert muss sich sicher nicht mehr mit Assembler quälen, aber in Physik und Chemie wird man noch die Gasgesetze die im 18.ten Jahrhundert entdeckt wurden vermittelt bekommen. Alleine das Grundstudium in Chemie dauert so lange wie ein komplettes Bachelorstudium. Das kann man nicht so einfach nebenher lernen. Aber gottseidank braucht man das zumeist bei der Raumfahrt nicht, auch wenn einige Chemie- und Physikgrundkenntnisse bei den Antrieben oder den Funktionsprinzipien zahlreicher Messinstrumente nicht schaden können.

Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: es ist trotzdem noch viel Materie und viel zu lernen und wie die meisten anderen Disziplinen ist es zu viel um überall Bescheid zu wissen. Doch man hat es heute einfacher wenn man an einem Selbststudium interessiert ist.

Donnerstag 9.9.2010: Taschenrechner im Allgemeinen und der Casio FX-991ES im speziellen

Seit mindestens 10 Jahre arbeite ich mit einem Casio FX-115s. Inzwischen ist das Display verkratzt, eine Hälfte der Schutzhülle abgebrochen und die Beschriftung auf dem Tastenfeld schwer zu lesen. Also schaute ich mal nach einem neuen Rechner und meine Wahl fiel nicht auf das Nachfolgemodell, sondern den Casio 991ES. Der kann eigentlich mehr als ich brauche. Ich denke er ist das optimale Modell für alle, die numerisch Gleichungen lösen wollen. Er kann differenzieren, Integrieren, Summen über Formeln bilden, Wertetabellen erstellen und bestimmte Gleichungen numerisch lösen. Also alles außer algebraisch die Gleichungen zu lösen.

Ich brauche das nicht. Mich interessierte ein größeres Display und eine bessere Darstellung. Dafür zahlte ich gerne 7 Euro mehr, verglichen mit dem FX115 Nachfolger. Mein Eindruck ist gespalten. Zum einen braucht man deutlich mehr Tastendrücke für einige häufig benutzte Funktionen, z.B. Min und MR. Letztere beiden gingen vorher direkt oder mit Shift. Nun ist ein zusätzlicher Tastendruck über STO/RCL nötig.  Es ist zwar systematischer, weil dieser Speicher nun nur noch einer von mehreren ist (wie schon beim FX115), aber ungewohnt und eben mehr Tastendrücke.

Mit der Zeit gewöhnt man sich um. Dann fallen einem die Vorteile bei der Darstellung (mehrere Zeilen, echte Brüche, Verwendung von Wurzel und Pi als Symbolen) auf. Trotzdem finde ich zwei Dinge verbesserungswürdig: Man kann die letzten Ergebnisse mit Rechengang anzeigen über den Cursorknopf und bearbeiten, aber nicht in die aktuelle Rechnung einfügen - das ist dumm wenn man gewohnt ist etwas in mehreren Schritten zu berechnen. Vor allem schaltet er sich schnell ab - Wenn ich mal kurz wechsele ist er meistens aus wenn ich ihn wieder brauche. Casio gibt auch nur eine Batterielebensdauer von 3 Jahren bei 1 h Nutzung/Tag an - mein Alter hat mindestens 10 Jahre auf dem Buckel.

Das Tastenfeld ist hell, man kann gut lesen. Die Schale führt die verwendeten Konstanten und Konvertierungsroutinen auf, und liegt nur lose am Rechner - weil die Beschriftung auf der Innenseite ist. Da fand ich die Deckelschale das alten besser. Also er ist wohl der ideale Rechner für Schüler die ihn noch in Klassenarbeiten einsetzen können, weil er nicht programmierbar ist, aber wer als Ingenieur oder Student einen technischen Rechner braucht wird wahrscheinlich mit etwas weniger (ohne Gleichungslösung) besser bedient sein.

Nun warum scheibe ich das? Es ist denke ich erstaunlich wie man sich an Tastendrücke blind gewöhnt. Ich merke das, wenn ich mal eine andere Fernbedienung für einen Fernseher benutze oder ein neues Gerät habe. Meistens beschränkt man sich dann auch auf ein paar Funktionen und benutzt das meiste gar nicht. Beim Taschenrechner ist das anders. Ich brauche viele Funktionen, wenn auch nicht alle, aber deutlich mehr als bei einer Fernbedienung für einen DVD Player. Und man gewöhnt sich daran. Also die Tasten eines Taschenrechners bediene ich blind, weil ich weiß wo sie sind und da machen Layoutveränderungen einiges aus. Das ist auch der Grund warum ich bei Casio geblieben bin. Bei der Berufsfachschule bekam ich mit 15 den ersten - einen FX81, dem folgte im Gymnasium ein FX82, später privat gekauft der FX100 und FX115. Nun der ES991 - das sind fünf Modelle in 30 Jahren. Ich habe zweimal mir einen anderen Noname Rechner gekauft. Einmal weil er programmierbar war und mir langweilig im Urlaub war und ich so ein paar Berechnungen anstellen wollte und einen zweiten, weil ich einen zweiten haben wollte um nicht immer nach dem ersten zu suchen wenn ich einen Gedanken hatte und ihn in der Werbepause mal durchrechnen wollte. Aber die wurden beide verschenkt, weil die Belegung von denen Casios abwich. Wahrscheinlich gewöhnen sich Sharp, HP oder TI Benutzer genauso an ihre Rechner.

Ich denke Taschenrechner haben heute einen Grad erreicht, denn man kaum noch verbessern kann. Also den Abruf der letzten Ergebnisse und ein größeres Display stehen bei mir auf der Wunschliste. Aber vieles mehr was schon möglich ist halte ich für überflüssig. Ich hatte mal einen grafischen Rechner von Casio. Nettes Spielzeug, aber er nuckelte die CR2032 Batterien richtig schnell leer und trotzdem war das Display nur grob. Die geringe Displaygröße und das Problem mit der Tastatur Buchstaben einzugeben spricht meiner Meinung nach auch gegen programmierbare Rechner. Taschenrechner sollten da sein um was schnell zu berechnen. Wenn ich dafür lange brauche kann ich einen PC nutzen, bei dem es komfortabler geht - egal ob es Grafik ist (Gnuplot) oder Berechnungen (mein Formelrechner) oder algebraische Lösungen (Euler, Mathematica, Maple etc...). Dabei sind die Geräte inzwischen echt billig geworden. Programmierbare Rechner gibt es ab 35 Euro und Grafikrechner ab 50 Euro. Ich glaube meiner kostete so Ende der achtziger Jahre noch um die 180 Mark.

Es geht dafür aber auch schneller als wenn ich in Windows den Taschenrechner nutze, einfach weil ich schneller an die Tasten rankomme als in Windows, von den Funktionen mal ganz zu schweigen. Also eine Existenzberechtigung für Rechner gibt es immer.


Was gibt es sonst noch neues? Ich habe schon 240 Seiten im Manuskript des Skylab Buchs geschrieben. Ich denke ich werde diese Woche noch das Kapitel über die drei bemannten Missionen abschließen. Danach steht als letztes Kapitel noch die Station selbst an, wobei ich meinen Skylab Aufsatz stark ausbauen werde. Es macht viel Spaß dran zu arbeiten und daher komme ich recht schnell vorwärts. Mit Sicherheit wird es mein größtes Buch über bemannte Raumfahrt sein, vielleicht sogar umfangreicher als die Bücher über Ariane 5/Vega oder europäische Trägerraketen.

Donnerstag 10.9.2010: Raumfahrträtsel 18

Nun wurde es doch noch erraten: Ja JPL stand eine Zeit lang für "Just Plenty of Luck". Machen wir einen Zeitsprung, 50 Jahre zurück, in die Anfänge der Raumfahrt. Das JPL bekam die ersten Aufträge für Raumsonden. Es hatte schon damals einen sehr guten Ruf, aber eben in dem Gebiet nach dem es bis heute benannt ist: Jet Propulsion Laboratory - es beschäftigte sich mit der Weiterentwicklung von Düsentriebwerken.

Die ersten beiden Projekte waren Ranger und Mariner. Und hier fingen die Probleme an - die ersten sechs Ranger Raumsonden scheiterten aus unterschiedlichen Gründen. Teilweise war die Trägerrakete dran schul, aber die meisten gingen auf Ausfälle der Sonden zurück. Es gab nach Ranger 5 eine Untersuchung, in der zahlreiche Mängel an dem Projekt festgestellt wurden, sowohl von technischer Art (die Sonden waren viel zu komplex und ambitioniert), wie auch bei der Projektdurchführung. Ein NASA Buch über Ranger schreibt sogar, dass JPL nicht im Raumfahrtzeitalter angekommen sei - es wurde getestet wie bei Düsenantrieben: Scheitert einer der Versuche, dann wird der Antrieb demontiert, verändert und ein neuer Test angesetzt. Bei Ranger kostete jeder Versuch 28 Millionen Dollar und das Testgerät schlug auf dem Mond auf oder gelangte in eine Sonnenumlaufbahn....

Keine guten Voraussetzungen für die ersten beiden Mariner Raumsonden. Es waren ursprünglich deutlich größere Raumsonden geplant, doch die dafür projektierte Trägerrakete würde nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen. Um in dem Wettrennen im Weltraum nicht zu verlieren - Russland hatte schon ein Startfenster vorher Venera 1 gestartet, allerdings fiel die Sonde auf dem Weg zur Venus aus. Es wurde vermutet, dass 1962 eine weitere folgen würde. Also wurde in Rekordzeit eine Raumsonde entwickelt, ursprünglich genannt "Mariner-R" - R stand für "Ranger". Ja ausgerechnet die unzuverlässigen Ranger Raumsonden wurden als Vorlage gewählt.

Keine gute Wahl

Zuerst einmal musste Ranger abgespeckt werden - Ranger wog noch 306,7 kg. Mariner 1+2 durfte jeweils nur noch 202,8 kg wiegen. Das lies wenig Raum für Experimente. Mariner 1 ging beim Start verloren. Mariner 2 gelangte in eine Sonnenumlaufbahn. Am 26.8.1962 startete die Sonde, am 4.9.stand die Kurskorrektur an, welche die Sonde von 100.000 km Passagedistanz auf 33.600 km an die Venus vorbeiführte um Ungenauigkeiten des Starts auszugleichen. Danach verloren die Druckgastanks Gas und eine weitere Kurskorrektur war unmöglich - Glück gehabt das man die Kurskorrektur nicht einige Tage später angesetzt hatte.

Vier Tage später verlor die Sonde die Kontrolle der Ausrichtung, wurde aber vom Lageregelungssystem stabilisiert. Am 26.10.1962 verlor eines der Paneele Strom und die Messinstrumente wurden abgeschaltet - der Strom kam zurück bis zum 15.11, als das Paneel ganz ausfiel. Zum Glück (Glücksmoment Nr.2) war die Sonde nun näher an die Sonne herangekommen und ein Panel deckte den ganzen Strombedarf.

In der Folge überhitzte die Sonde mehrmals und Teile fielen aus, weil die Tenperaturbilanz falsch berechnet wurde. Am 9.12. fielen vier Datenkanäle des Senders aus, Zwei Tage vor dem Vorbeiflug der Sequenzerteil der Kommandos ausführte und 12 Stunden vor der Begegnung die Programmautomatik. Nun konnte Mariner 2 überhaupt kein gespeichertes Meßprogramm mehr ausführen und alle Kommandos mussten blind in Echtzeit zur Sonde geschickt werden - Rückmeldung gab es erst wenn die ganze Sequenz längst gelaufen war aufgrund der Distanz zur Venus. Am 14.12.1962 wurden die Messinstrumente aktiviert und zeigten 42 Minuten lang Daten auf, die danach zeitverzögert zur Erde gesandt wurden. Wenige Tage nach der Passage der Venus fiel die Sonde am 3.1.1963 endgültig aus.

Bei Aufzählung der Pannen verwundert nicht, dass man damals in dr NASA witzelte das JPL wohl eher für "Just Plenty of Luck" stehe..... Aber das JPL lernte aus beiden Projekten und die seitdem dort entwickelten Raumsonden können sich sehen lassen. Mehr zu Mariner 2 auf meiner Seite dazu.

So nun das neue Rätsel: Ich mach's mal wieder etwas einfacher mit einem Datum: Was geschah am 12.2.1999? Ich hoffe es lädt wieder mal einige "Nur Leser" zum Posten ein. (Leute wenn es keine Kommentare gibt kann ich auch den Blog einstellen - nur Leser sollte man in einem Blog nicht sein....)

Freitag 11.9.2010: Die Sache mit dem Lebenswerk

Die Bemerkung von Alexander, sein Lebenswerk wäre auf der Festplatte hat mich auf den heutigen Blog gebracht. Ich habe mal über sas Thema nachgedacht. Es ist ja bei den meisten schwer möglich ein Lebenswerk vorzuweisen. Die meisten sind nur ein Rädchen im Getriebe, haben vielleicht in ihrem Leben zehntausende von Motoren in Autos versenkt, aber kein einziges komplett gebaut. Das ist ein riesiger Unterschied im Vergleich vor 200 Jahren, als es noch keine Arbeiter im heutigen Sinn gab sondern das Handwerk und jeder einen Beruf ausübte bei dem er meist ein Produkt alleine fertigstellte oder zumindest für einen Bereich alleine verantwortlich war.

Beilleicht haben es Leute im Dienstleistungsgewerbe oder mit Kunden im allgemeinen Sinn besser: Sie können vielleicht zurückblicken das alle Kunden mit dem Service / Unterricht / Dienstleistung immer zufrieden waren, auch wenn es vielleicht Tausende waren und das nicht materiell als Lebenswerk fassbar ist.

Mein Vater ist Maurer gewesen und bei uns kann man etliche Häuser sehen die er gebaut hat. Das ist vielleicht die klassische Form des Lebenswerkes, vor allem weil Häuser auch was recht dauerhaftes sind. Das ist ja ein zweiter Aspekt: Es sollte was dauerhaftes sein, etwas was man auch der Nachwelt, Kindern, Enkeln etc. vorzeigen kann.

Irgendwie wirkt der Ausdruck "Lebenswerk" beruhigend: Man kann auf etwas zurückblicken was man geschaffen hat. Etwas was vorzeigbar ist, Eindruck macht, oder vielleicht sogar von anderen bewundert oder gelobt wird. Ich habe nachgedacht was der Begriff für mich an Bedeutung hat. Ich würde zumindest nicht Programme von mir als Lebenswerk ansehen, obwohl manche über 20 Jahre auf dem Buckel haben von den ersten Versionen unter CP/M bis heute. Ein Programm von mir ist seit 9 Jahren im Einsatz in einer Firma - ziemlich lange, aber sicher kein Lebenswerk. Irgendwie muss dann auch ein größerer Teil des Lebens als Arbeit dahinter stecken.

Ansonsten habe ich bei der Arbeit viel Routinetätigkeiten gehabt, sowohl als Lebensmittelchemiker wie auch als Angestellter. Es fehlen da die Projekte die herausstechen, maximal 3 Monate war ich mit etwas am Stück betraut - ein kleiner Teil des Lebens. Wenn ich drüber nachdenke komme ich wohl am ehesten auf mein Hobby als "Lebenswerk". Meine Nichte wurde ja schon mal gefragt ob sie mit "dem Bernd Leitenberger" verwandt ist :-). Eigentlich komisch, denn es gibt ja in Deutschland zig Leute die professionell sich mit Raumfahrt beschäftigen - Viele Wissenschaftler, einige Tausend in Raumfahrtfirmen, Universitäten und ESA/DLR. Aber ich denke es ist wie bei jeder Tätigkeit: Man wird zum Fachidioten. Man beschäftigt sich dann eben mit Kommunikationssystemen, Steuertriebwerken oder Missionsüberwachung. Der Blick auf das Ganze geht verloren.

Vor allem fehlt die Zeit. Niemand wird ja in einer Firma für das Schreiben von Aufsätzen bezahlt. Ich merke das ja hautnah bei der Informationspolitik von Firmen und Raumfahrtbehörden wenn ich selbst nach Informationen suche oder Personen anschreibe - keine Antwort oder in der Form "das macht zu viel Arbeit das raus zu suchen". Aber auch hier gilt: Nur in der Gesamtheit ist es ein Lebenswerk: Jeder einzelne Aufsatz, Blog oder auch jedes Buch ist es nicht.

Habt ihr so was wie ein Lebenswerk oder arbeitet ihr dran?

Freitag 10.9.2010: Raumfahrträtsel 19

ROSATAuch diesmal war es kein Problem das Rätsel zu lösen: Ja an diesem Tag wurde der deutsche Röntgensatellit ROSAT nach fast neun Jahren Betriebszeit abgeschaltet, nachdem das Gas für den letzten Proportionalzähler abgeschaltet. Ich halte ROSAT für den erfolgreichsten deutschen Satelliten. ROSAT war um Klassen empfindlicher als sein Vorgänger der NASA Satellit HEAO-2 (Einsteinobservatorium). Während dieser rund 840 Röntgenquellen entdeckte waren es bei Rosat nach einem Jahr Durchmusterung schon 60.000 und nach 5 Jahren rund 120.000. Später wurden rund 5.000 Quellen im Punktausrichtungsmodus beobachtet. Seine Empfindlichkeit und Auflösung war um Klassen besser als dieser Satellit.

ROSAT war auch der letzte Satellit einer kleinen Blüte im deutschen Weltraumprogramm. In den siebziger Jahren gab es neben dem schon damals starken Engagement in der ESA auch noch ein deutlich größeres nationales Programm. Deutschland baute zwei nationale Raumsonden (die erste Nation nach USA und UdSSR mit eigenen Raumsonden!), plante eigene Missionen mit dem Spacelab (auch hier die einzige ESA Nation die das tat) und eigene nationale Kommunikationssatelliten. ROSAT war der letzte in dieser Serie.

Seitdem hat sich die Situation leider deutlich verschlechtert und das nationale Programm ist deutlich kleiner geworden. Für Großprojekte wie den Vorschlag einer deutschen Mondmission (egal wie man zu ihr stehen mag) gibt es kein Geld. Ich hatte ja mal vor ein Buch über deutsche Satelliten zu schreiben. Leider reagierte die DLR überhaupt nicht auf Anfragen ob es noch Informationsmaterial aus der "Vorinternet" Zeit gibt. Anders als bei der NASA wo man über Suchmaschinen eingescannte Dokumente früherer Zeiten abrufen kann, beginnt in Europa das elektronische Zeitalter ja erst mit dem Internet.

So habe ich das Projekt zurückgestellt und werde vielleicht in einem Jahr mal daran gehen. Falls jemand bei DLR, EADS & Co liest: Ich bin immer dankbar für Kopien von Prospekten, Broschüren oder technische Papiere über Missionen über die nichts oder nur wenig im Netz zu finden ist. (Man möge nur mal bei der DLR nach den Stichwörtern Azur, Aeros oder Helios, also den frühen Projekten suchen... Andere Raumfahrtagenturen sind stolz auf ihre Geschichte, die DLR hat sie vollkommen vergessen).

So mein heutiges Rätsel ist ganz einfach und zu lösen: Was ist pelzig, schnurrt und vermehrt sich bei zu viel Futter explosionartig?

Samstag 11.9.2010: Raumfahrträtsel 20

Ja zum zwanzigsten Rätsel habe ich mir mal ein Thema abseits des Kerngebietes Raumfahrt erlaubt. Und auch einen kleinen Scherz mit dem Publikum. Wir wollen ja nicht zu berechenbar werden oder? Ich bin ja kein großer Sci-Fi Fan, aber ich schaue gern die alten Raumschiff Enterprise Folgen an, also die Serie die von 1967 bis 1969 lief. Was sie auszeichnet sind die witzigen deutschen Dialoge (viel besser als das Original) und nach 40 Jahren ein gewisser Trash Faktor. Also man sieht ihr an dass sie recht billig produziert wurde mit billigen Kulissen, die Anwandlungen an die damals populären Westernserien (alle Planeten sind Wüsten, Schlägereien wann immer passend). Vor allem natürlich die damalige Computertechnik die Stand der Technik im Raumfahrt war - viele bunte Knöpfe und Schalter, keine Bildschirme....

Meine absolute Lieblingsforme ist "Kennen Sie Tribbles?" oder im englischen "Trouble with Tribbles". Ein knuddeliges, igelgroßes Pelzknäuel das schnurrt vermehrt sich explosionsartig wenn man es füttert und überschwemmt nicht nur das ganze Raumschiff, sondern auch eine Raumstation. Dort klären sie einen Sabotageakt eines "verdeckten" Klingonen auf, der den von der Enterprise gelieferten Weizen vergiftet hat. Ich schreibe "Verdeckt" weil die Klingonen eigentlich nicht anders als Menschen aussehen (überhaupt waren die Makrup-Effekte damals miserabel). Das ganze wurde nochmals von der DS-9 Serie aufgegriffen als die Besatzung dort durch einen Zeitsprung landet und man lernt das die Klingonen anschließend Krieg gegen die putzigen Pelztierchen geführt haben. (Wahrscheinlich regte sie das Geschreie das die Tribbles aufführen wenn sie einen Klingonen sehen auf).

War auf jeden Fall eine lustige Sendung. So für die Fans der bemannten Raumfahrt (gibt es die bei meinen Bloglesern?) ein leichtes Rätsel. Was verbindet die beiden Astronauten Frank Borman und William Pohue?


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