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Web Log Teil 187: 11.9.2010-

Samstag den 11.9.2010: Richtig verarschen will gelernt sein!

Ich habe mir aus meinem "Space" Ordner mal wieder was angesehen und meine Wahl fiel auf "Kubrik, Nixon und der Mann im Mond". Ich finde es ist ein toller Film. Das Muster ist einfach sehr simpel. Es wird eine Story erzählt. Sie raten es schon: Es ist die Story dass die ganze Mondlandung im Studio gedreht werden sollte. Nur noch ein bisschen weitergesponnen wie bei dem Film "Unternehmen Capricorn". Also für alle die den Film nicht kennen: Die Besatzung der ersten Marslandung wird vor dem Abheben aus der Kapsel geholt. Man könnte noch nicht starten weil wichtige Systeme noch fehlerhaft seien. Sie stellen dann die ganze Marslandung im Studio nach und sollten dann nach der Landung als Helden gefeiert werden. Alle die das anzweifeln werden beseitigt. Schließlich verglüht die Landekapsel aber auch und die Astronauten laufen um ihr Leben...

Ja so geht das auch bei dem Film Kubrick, Nixon und der Mann im Mond. Nur ist das kein Spielfilm, sondern ein "Pseudo-Dokufilm". Das Muster ist relativ einfach. Es wird eine story erzählt wie bei einem Dokumentarfilm und auch echte Filmaufnahmen genommen, nur aus dem Zusammenhang gerissen. Dann kommen Zeitzeugen zu Wort, die man in zwei Klassen einteilen kann: Hochrangige Personen (Buzz Aldrin, Dave Scott, Kissinger, Rumsfeld, Haig, Christine Kubrick etc...) und angebliche Sekretärinnen, CIA Agenten etc.

Die Interviewausschnitte der Promis sind so gewählt, dass sie mit dem Kommentar einen Sinn machen, aber nie alleine für sich. So sagt nicht etwa Rumsfeld, das Nixon den Auftrag gegeben hätte die Mondlandung zu filmen, aber er "hätte den Auftrag gegeben" und der Rest sagt der Kommentar. Sie erkennen den Trick? Nixon kann auch den Auftrag gegeben haben Watergate auszuspionieren, oder Vietnam zu bombardieren oder das man ihm ein Sandwich bringt....

Die anderen "Zeitzeugen" - in Wirklichkeit allesamt französische Schauspieler - erzählen dann wirklich die Geschichte, damit man nicht meint das alles käme nur vom Kommentar. Und die Geschichte ist vom feinsten: Also die NASA wird nicht mit der Mondlandung rechtzeitig fertig und Nixon will sie im Studio nachstellen. Doch woher nehmen und nicht stehlen? Da fragt man bei Kubrick nach ob man nicht mal kurz übers Wochenende im Studio von "2001 Odyssey im Weltraum" drehen könnte.... Kubrick sieht die laienhafte Umsetzung und dreht die Mondlandung selber. (Ehrlich gesagt von Kubrick hätte ich mir mehr Drama bei den Aufnahmen erhofft). Danach bekommt Nixon die Paranoia und lässt alle Zeitzeugen eliminieren. Kubrick zieht sich völlig aus der Öffentlichkeit zurück und schweigt...

Völlig gesponnen, aber wenigstens gut gemacht. Anders als die "Beweise" der Moonhoaxer. Ich glaube die haben die Idee ja nur vom Film Unternehmen Capricorn. Außerdem muss man wohl blank jeder naturwissenschaftlichen Erkenntnis sein um auf die angeblichen Beweise zu kommen. Ich habe mich ja schon bei den BWL'ern unbeliebt gemacht. Aber nur mal ohne Kommentar, was einige mir bekannte Moonhoaxer von Beruf sind:

Gibt es eigentlich eine Person mit einer technisch / naturwissenschaftlichen Vorbildung die der Moonhoax Theorie anhängt? Ich kenne keine und ich denke das ist kein Zufall. Man möge sich denken, warum....

Ach ja: wer den Film nicht kennt: Hier im DIVX50-AVI Format zum Runterladen

Sonntag den 12.9.2010: Kim Wilde und die Kosmetik

Kim Wilde 2010Kim Wilde hat ein neues Album veröffentlicht. "Play with me". Sie meint es wäre ihr bestes Album seit zwanzig Jahren. Nun ja man sollte dann vielleicht wissen das in diesem Zeitpunkt nur drei erschienen - "Love is" von 1992, "Now and Forever" von 1995 und "Never say Never" von 2006. Ich gebe ihr recht dass das aktuelle Album besser als die ersten beiden aus den Neunzigern ist, doch das 2006 von dem  Uwe Fahrenkrog-Petersen produziert wurde. Neben den neu eingespielten alten Liedern gab es auch einige neue die mir besser gefielen als das jetzige Album, das für meinen Geschmack etwas zu rockig ist. Aber auch das Stück "This paranoia" gefällt mir auf der CD, das klingt so wie vor 30 Jahren die guten alten Kim Wilde Klassiker.... (Mann ich sollte mal wieder ein Musikrätsel starten...). in jedem Falle, das Album ist hörenswert. Weitaus besser als das was andere Künstler bei ihren Comebackversuchen in den letzten Jahren so produziert haben. Daher hoffe ich auf gute Chartplatzierungen dass da bald mehr nachkommt.

Aber worauf ich eigentlich komme, ist wie Kim Wilde in den Videos und dem Plattenlabel aussieht und wie ich sie auch mal bei anderen Gelegenheiten z.B. einen Gespräch im NDR sah. Also hier mal zwei Gegensätze. Auf beiden Fotos ist Kim Wilde drauf. Das eine 2008 gemacht bei einer Landwirtschaftsausstellung und das zweite vom Label der aktuellen Single.

Kim Wilde 2008Okay bevor ihr sagt - das ist Photoshop. Es ist auch interessant wie jung sie im Video aussieht. Und vor allem wie schlank (übrigens bei allen Videos, dazwischen scheint sie mal in die andere Richtung des Jojos zu schwenken). Kann man das auch mit Tricks manipulieren oder ist das wirklich nur die Kombination Schminke und Korsett (so soll ja Kelly Osbrone arbeiten?)

Wir werden es wohl nie erfahren. Es ist aber für mich auch egal. Ich höre nur Musik. Ich war noch nie auf einem Konzert, sehe es mir auch selten im Fernsehen an (und wahr ziemlich überrascht als vor ein paar Jahren Earth, Wind & Fire bei Wetten Dass auftraten, dass die schwarz sind) und ich kenne bei den meisten Gruppen nicht die Namen der Mitglieder, bei vielen nur den Sänger (fragt mich nicht wer sonst außer Freddie Mercury bei Queen noch dabei ist....). Aber ich bin da wohl eine Ausnahme. Seit es Videos und MTV gibt spielt das Aussehen eine wichtige Rolle. Ob Mick Jagger und Janis Joplin heute noch eine Chance hätten ein Star zu werden?

Ich hoffe mal Kim Wilde bleibt erfolgreich und macht weiter neue Lieder, auch wenn sie dieses Jahr 50 wird und sich zurücklehnen könnte. Schließlich sollte die Musik zählen und nichts mehr.

Montag 13.9.2010: Der ideale Taschenrechner

Ich habe mich auch durch die Kommentare zu meinem letzten Blog über meinen Taschenrechner mal hingesetzt und mir mal überlegt, was für mich der ideale Taschenrechner ist. Natürlich kann dies nur eine subjektive Meinung sein. Aber ich denke es wird vielen so gehen.

Ich habe mir überlegt was ich von einem Taschenrechner erwarte, wie ich ihn bediene und was ich vermisse.

Das wichtigste ist wohl, dass er einfach zu bedienen ist: Wenn er programmierbar ist und neue Funktionen aufweist, dürfen die sonst häufig benutzten nicht darunter leiden. Das bedeutet, dass es für die neuen Befehle nicht mehr Tasten geben sollte, sondern sie über eine Zusatztaste als zusätzliche Belegung abrufbar sind. Im einfachsten Fall ignoriert man die zusätzliche Belegungsebene wenn man sie nicht braucht.

Das zweite sind die Einschränkungen. Selbst bei den Grafikrechnern sind heute die Anzeigen maximal 128 x 64 Pixel groß. Das reicht also vielleicht für 8 Zeilen mit 16 Zeichen. Damit kann man weder große Eingaben noch Ausgaben tätigen. Ich benutze z.B. nie die Funktionen für Regressionen. Viele Werte einzutippen und abzurufen über ein kleines Display ist umständlich.

Ich glaube daher nicht dass es sinnvoll ist auf einem Taschenrechner große Programme, mit viel Text oder umfangreichen Ausgaben abzulegen. Auch für Grafik, wofür die Grafikrechner ja ihr Display haben halte ich die Ausgabe für viel zu grob. Wofür die größeren Modelle von Casio 1,5 MB Flash-ROM und 64 KB RAM haben ist mir daher ein Rätsel. Zumal scheint eine Programmentwicklung auf dem PC nicht vorgesehen zu sein, damit dieser Speicher auch Sinn macht.

Was wäre toll?

Die meisten Ingenieure haben wohl immer wieder es mit den dieselben Berechnungen zu tun. Es gibt Formeln mit mehreren Parametern, oftmals braucht man für eine Formel einen Ausgabewert einer anderen. Es ist also nicht nötig auf einem Taschenrechner riesige Programme zu entwickeln. Wichtiger ist es die Formeln die man braucht schnell abrufen zu können. Matheschüler denken da vielleicht anders weil sie jeden Tag andere Aufgaben zu lösen haben. Aber auch sie werden nicht kilobyte lange Programme entwickeln müssen. Und in der Klausur unter Zeitdruck haben sie nicht die Zeit dazu.

Das sollte er können:

Was braucht er nicht?

Optional (für höherpreisige Geräte)

Leider gibt es so was (noch) nicht.  Spezielle Rechner für den Matheunterricht die integrieren, differenzierten etc. können braucht man als Ingenieur nicht. Die Formeln gibt es ja schon. Vielleicht und das glaube ich ist das Problem - konzentrieren sich die Firmen zu sehr auf den Schulunterricht. Aus ihrer Sicht nachvollziehbar. Jeder Schüler bekommt einen Rechner oder muss sich einen kaufen. Jedes Jahr gibt es neue Schüler. Hat man dann als Ingenieur einen Rechner so behält man ihn dagegen für lange. Der erstere Markt sorgt also für viel mehr Umsatz. Aber wenn Casio mindestens ein Dutzend Rechner anbietet, warum dann nicht zwei programmierbare Modelle nur für Ingenieure ohne die ganzen Sachen die nur Schüler brauchen?

Mittwoch 14.9.2010: Anstatt der Schwerlastrakete - Teil 1: Kostenanalyse

Chris Kraft sagte in einem Interview, dass er und andere nicht an eine Rückkehr zum Mond glauben, solange man dort nicht "einfach" hinkommen kann. Ich würde das "einfach" (easy) wohl mit preiswert übersetzen, denn schwierig im technischen Sinne ist es nicht. Man war schon dort, das Ziel ist nahe und die Missionen kurz. Es muss eigentlich nichts völlig neu entwickelt werden, wie bei einer Marsexpedition.

Ginge es heute billiger? Das ist meiner Meinung nach unbestritten. Apollo kostete bis zur ersten Mondlandung 21,3 Milliarden Dollar. Diese summe teilte sich wie folgt auf:

Mit den weiteren Kosten für die Programmdurchführung die Fertigung von Flugexemplaren etc. kostete das Apolloprogramm am Ende rund 24,4 Mrd $.

Zwei Dinge sind für das Apollo Programm charakteristisch:

Die Entwicklungskosten sind weitaus höher als die späteren Flugkosten. Die Mission von Apollo 11 kostete 350 Millionen Dollar. Später stiegen sie bedingt durch Inflation und weitere Experimente / Rover auf 420 Millionen $. Rund 4,2 Milliarden Dollar für die Mondlandungen ab Apollo 11 (sieben Missionen, inklusive weiter laufender Fixkosten) stehen 21,3 Milliarden an Entwicklungskosten gegenüber.

Bei den Entwicklungskosten dominieren die für die Trägerraketen. Sie machten rund 40% des Gesamtbudgets aus.

Das ganze war eine Folge der Zeit und des Terminplans. Ich komme mal zum ersten Teil: Dem Terminplan. Es gab eine feste Frist - Landung auf dem Mond bis zum Ende des Jahrzehnts. Bei der Art wie die NASA damals Projekte anging - über viele Flüge langsam Erfahrungen gewinnen und schrittweise sich dem Ziel nähern, war zudem klar, dass nicht die erste Mission auf dem Mond landen würde. Apollo hatte fünf unbemannte und vier bemannte Flüge bis eine Landung anstand. Diese Flüge kosten Zeit. Zeit die knapp ist wenn zwischen Ankündigung des Projektes und Abschluss nur achteinhalb Jahre bleiben.

Apollo wurde daher gemanagt indem optimiert wurde auf "Schedule" - nicht wie heute auf "Cost". Besonders schnell und daher besonders teuer musste es daher bei den Raketen sein: Denn sie mussten erprobt sein bevor die ersten Erprobungsflüge (noch unbemannt) der CVSM und LM anstanden. Die Produktion der Triebwerke lief schon 1968 aus. Die letzten Saturn IB wurden sogar schon 1967 gefertigt und dann eingelagert. Es gab so viele H-1 Triebwerke die übrig waren, dass man sie über ein Jahrzehnt lang in der Delta Rakete einsetzte. Optimierung auf Termin anstatt auf Kosten kommt immer teurer als nötig.

Das zweite war schlicht und einfach, dass man wenig hatte auf dem man ausbauen konnte. Die CSM hatten noch die besten Voraussetzungen. Sie konnten auf den Erfahrungen von Gemini und Mercury bei den Kapseln aufbauen. Brennstoffzellen und Computer wurden auch schon in Gemini eingesetzt. Kopplungen waren erprobt. Gemini sparte hier einige Jahre Zeit und Kosten. Trotzdem gab es genügen neues. Hitzeschutzschilde die viel mehr aushalten mussten. Ein viel komplexeres Raumschiff (es gab rund 300 Schalter im CM). Das LM hatte das Problem dass es absolut leichtgewichtig sein musste. da jedes Kilo dass zur Mondoberfläche und zurück in den Orbit gebracht werden musste fast 6 kg Treibstoff erforderte. Seine Fertigung hinkte daher auch dem Zeitplan enorm hinterher.

Bei den Trägerraketen die als erstes verfügbar sein mussten war der Sprung dagegen enorm. Als man anfing hatten die USA als größte Trägerrakete die Atlas im Einsatz. Sie wog rund 125 t. Die Saturn IB würde 600 t wiegen, die Saturn V sogar fast 3.000 t. Das war ein Sprung um den Faktor 25! Weder gab es die Triebwerke noch wusste man wie man eine Rakete von rund 100 m Höhe fertigen kann.

Heute haben die USA alle Grundbestandteile um eine Trägerrakete der Saturn V Klasse zu bauen: Sie Shuttle SRM als erste Stufe. RS-68 und SSME als Triebwerke für die Zentralstufe und SSME oder J-2S als Triebwerke für eine Oberstufe. Im Extremfall, kann man wie bei einigen Ideen gedacht, auch einfach beim Shuttle alles außer dem Schubrahmen weglassen und kommt dann auch fast in die 100 t Nutzlastregion. Termindruck gibt es auch nicht. Schon bei den optimistischen ersten Constellation Programmen ging die NASA von 14 Jahren bis zur Ersten Mondlandung aus. Die Ares V sollte auch billiger werden. Es gibt keine genaue Zahl, aber Griffin sprach mal von 32 Milliarden für beie Raketen und die Ares I ist mit 14,4 Milliarden auf anderen NASA Seiten angegeben, das wären 17.6 Milliarden Dollar für die Ares V. Das ist nicht viel. Bei 120 Milliarden für das Constellation Programm entspricht dies nur einem Anteil von 14,6%, während es bei der Saturn V noch 24,6% sind.

In meinem nächsten Blog zu diesem Thema werde ich zeigen wie es noch billiger geht.

Dienstag 14.9.2010: Raumfahrträtsel 21

So nun hat es nach zwei Tagen doch noch jemand rausbekommen und ich weiß nun wie ich die Rätsel so stelle, dass sie nicht nach ein paar Stunden gelöst sind... (Keine Sorge es gibt trotzdem noch einfache Rätsel zwischendurch, z.B. heute). Ja es geht um das "Space Adaptions Syndrome" SAS, oder einfach Weltraumkrankheit genannt. Wie vielleicht im Dunstkreis meiner Blogleser bekannt, entsteht das Phänomen dadurch, dass Augen und Gleichgewichtssinn unterschiedliche Signale ans Gehirn senden. Die Augen sagen, "alles bewegt sich, ich kann mich im Raum drehen und die ganze Welt dreht sich um mich herum" und der Gleichgewichtssinn sagt "nichts passiert, ich liege ruhig da". Verantwortlich sind da kleine Kristalle im Gehörgang die eben der Schwerkraft folgen, oder eben in Schwerelosigkeit nicht.

Am ehesten vergleichbar ist das der Übelkeit auf See: Auf einem Schiff bemerkt man die Bewegung des Wellengangs, aber da sich das Schiff genauso wie man selbst bewegt, steht das was man sieht nicht im Einklang mit dem was der Gleichgewichtssinn sagt.

Zurück zu meinem Rätsel. Am Anfang der Raumfahrt war das Phänomen unbekannt. Es trat bei Mercury und Gemini nicht auf, weil die Kapseln zu klein waren (man zog die Kapseln an, wie es damals hieß). Die Astronauten konnten sich nicht bewegen. Es gab zwar die Meldung der Erkrankung von German Titow, aber der wurde bei der NASA nicht viel Bedeutung beigewesen. Später veröffentlichten die UdSSR nichts mehr obwohl das Phänomen weiterhin auftrat, wahrscheinlich weil sie vermeiden wollten dass ihre Kosmonauten wie Schwächlinge wirkten.

Borman und Pogue wurde beidemal am Anfang der Mission schlecht. Borman war noch nicht auf dem Damm, als die Besatzung nach drei Tagen in die Mondumlaufbahn einschwenkte und sagte einige Tasks ab. Das ganze wurde aber nicht der Bodenkontrolle mitgeteilt. Es war der erste Fall von SAS im amerikanischen Weltraumprogramm. Die Reaktion darauf war leider keine gute. Rusty Schweickart erwischte es bei Apollo 9. Diesmal konnte man es nicht verbergen und musste eine EVA Tätigkeit um einen Tag verschieben. Rusty war als LM-Pilot vorgesehen und wäre wie seine Kollegen Scott und McDivitt wohl noch einmal zum Mond geflogen (McDivitt verzichtete freiwillig darauf). SAS bedeutete das Aus und auch bei Skylab schaffte er es nur in die Backupbesatzung.

Pogue wurde ebenfalls krank und auch diesmal musste eine EVA um einen Tag verschoben werden. Die Skylab 4 Crew kam aber schlecht weg. Man wollte das Ereignis auch diesmal geheim halten und überlegte schon wie man den Beutel mit Erbrochenem durch die Luftschleuse entsorgen könnte. Dumm nur das ein Sprachrekorder alle Gespräche aufzeichnete und Pogue weil er krank war, vergaß den Schalter umzulegen, der verhinderte das die Gespräche automatisch zum Boden übertragen wurden. Pogue flog nie wieder, genauso wie der Rest der Besatzung über die sich die NASA sogar bei der Presse beschwerte:

"In some ways the performance of the third crew has not been as good as that of the others. There was some loss of confidence just after the crew began work, when an attempt was made to conceal evidence of motion sickness. Shortly afterwards they were given a day off work to get organised because they were so far behind schedule. Their responses to Nasa requests have generally been slower, they have shown little or no enthusiasm to work on their off days, and they have been prone to errors in their work;" - aus Flight International S.89 17.1.1974.

Frank Borman bekam dagegen die Congressional Space Medal of Honor. Die höchste Ehrung die die NASA zu vergeben hat - nur 28 Astronauten haben sie bekommen und von diesen nur 11 zu Lebzeiten (der sicherste Weg sie zu bekommen, ist es bei einem Unglück ums Leben zu kommen, was meiner Meinung nach schwer gegen die Medaille spricht). Ja das Leben ist ungerecht, vor allem wenn ich dran denke, dass Bormann eigentlich nur bei zwei Flügen dabei war - Gemini 7 und Apollo 8. im ersten Falle ging es nur darum 14 Tage lang auszuharren und im zweiten Falle um die erste Mondumrundung. Sicher ein denkwürdiges Ereignis, Aber er bekam die Medaille schon 1978. Jim Lovell, der auch bei beiden Missionen dabei war (und noch bei Gemini 12, der erfolgreichsten Gemini Mission und bei Apollo 13 die Besatzung heil zur Erde zurückbrachte) bekam sie erst 1995!

Jim Lovell hätte bei Apollo 13 sterben müssen, dann hätte er die Medaille früher gekriegt (s.o.)

Nun ja soviel dazu. Nun zum nächsten Rätsel: Welches Unternehmen war das erste das Raketen privat startete mit dem Ziel damit Satelliten in den Orbit zu befördern?

Mittwoch 15.9.2010: Raumfahrträtsel 22

OTRAG

Tja gerne vergessen, aber die Lösung von "Keiner" (Super-Nickname, fast so gut wie "Anonym") war richtig. Inzwischen haben wir eine Inflation an "Erste privat finanzierte Raumfahrtfirma". Copenhagen Suborbitals schmückt sich damit, Virgin Galatic und natürlich SpaceX. Letztere ist bei Eigenkapital von 150 Millionen Dollar und NASA Vorauszahlungen von 350 Millionen allerdings mehr regierungsfinanziert als andere etablierte Firmen.

Aber die erste Firma, die es nachweislich selbst probiert hat und nicht nur ohne Regierungsmittel auskam, sondern sogar gegen den Willen der Regierung gehandelt hat, war die OTRAG. Man könnte nun viel über das technische Konzept schreiben und das habe ich auch. Aber was der Firma letztendlich zum Verhängnis wurde waren zwei Dinge. Das fehlende Feingefühl von Kayser bei der Wahl des Startortes - zuerst in Zaire und dann in Libyen. Das führte zu politischen Konflikten, selbst Bundeskanzler Schmidt wurde mit dem Gebaren der Firma konfrontiert und schließlich führte dies auch dazu, dass die sehr wohlwollende Behandlung der Firma seitens des Finanzamtes sich nach einigen Jahren dem Ende näherte.

Das zweite war, dass man das Geld rausgehauen hat. Die Firma hat in sieben Jahren mit gerade mal 40 Mitarbeitern rund 150 Millionen DM verprasst. Angesichts des damaligen Werts der DM entspricht das einer Summe von mindestens 200 Millionen Euro. Demgegenüber stehen einige Tests einiger Module, von denen eine kleine Rakete mindestens 64 erforderte. Das ist in etwa das was auch Copenhagen Suboribtals erreichen will, nur eben mit weitaus weniger Geld.

So richtig ernst kann ich das Konzept daher bis heute nicht nehmen. Vor allem wenn man ja damit Geld verdienen will, wäre eine wirtschaftliche Vorgehensweise besser gewesen. Vielleicht war es eben doch nur ein cleveres Konzept der Verlustabschreibung.

So zum nächsten Rätsel. Diesmal schwieriger. Da ich an Skylab arbeite treibt mich dieses Thema um. Daraus entstand das heutige Rätsel. Was haben Skylab und der Einkauf im Supermarkt gemeinsam? Ich warte mal auf viele Antworten. Wenn die richtige darunter ist, sage ich das. Also nicht das Kommentieren einstellen wenn der erste einen Vorschlag hat...

Donnerstag 16.9.2010: Die Schwerlastrakete: Teil 2: Geht es auch ohne?

Michael Griffin, ehemaliger NASA-Administrator sagte einmal in einem Interview, was gegen die Alternativpläne zur Ares V spräche, wäre das man eine große Rakete bräuchte und alle Alternativen aus Teilen der Delta oder Atlas oder dem Shuttle Programm zu wenig Nutzlast hätten. Die Saturn V wäre an der Untergrenze was man brauchte - und in der Tat machte schon eine leichte Nutzlaststeigerung der Saturn V um einige Tonnen deutlich längere Missionen möglich. Will man noch anspruchsvollere Missionen so braucht man mehr Nutzlast. Daher waren Ares V und Ares I Kombination auch auf 60-70 t Nutzlast in eine Fluchtbahn projektiert.

In diesem Punkt gebe ich Griffin recht. Jedoch nicht in dem Punkt, dass man dafür eine Schwerlastrakete braucht. Das will ich im näheren Erläutern. Wobei ich als Vorlage Apollo nehme, da von Orion noch zu wenig bekannt ist Ich stelle hier mal eine Massenbilanz von Apollo auf:

Der Treibstoff im Servicemodul wird benötigt, um in einen Orbit um den Mond einzuschwenken und diesen zu verlassen. Dafür wurden bei Apollo rund 1000 m/s Geschwindigkeitskorrekturvermögen benötigt. Beim Einbremsen wird mehr Treibstoff benötigt, weil da der Mondlander noch dabei ist. Zwei Drittel des Treibstoffs werden daher zum Ein bremsen benötigt.

Es gibt nun eine Reihe von Möglichkeiten eine große Trägerrakete durch mehrere kleine zu ersetzen. Schon bei den Planungen für Apollo wurde das EOR Verfahren erprobt (Earth Orbit Rendezvous): Zuerst startet eine Stufe in einen Erdorbit. Danach startet die Besatzung, koppelt an und diese bringt die Besatzung zum Mond. Im Prinzip ist das ausdehnbar auf drei, vier oder noch mehr Stufen. Es steigt aber der logistische Aufwand an. Weiterhin benötigt man immer mehr Startrampen, zumindest wenn kryogene Treibstoffe eingesetzt werden die im Orbit rasch verdampfen können.

Zwei Starts kurz hintereinander sind heute möglich. Das klappte so bei Gemini und Skylab. Raumsonden werden seit Jahrzehnten in Paaren kurz hintereinander von zwei Rampen gestartet. Das US-Militär erreichte noch schnellere Reaktionszeiten mit bis zu fünf Startrampen für ihre Spionagesatelliten. Ich halte zumindest zwei Starts in kurzer Zeit für möglich.

Zeit kann man aber auch anders erhalten. Das eine ist es schrittweise zum Mond zu gelangen. Das Prinzip: Anstatt Kommandokapsel und Mondlander zusammen zum Mond zu starten startet man sie getrennt. Erst im Mondorbit koppeln beide zusammen. Der Mondlander wiegt zwar nur 16,4 t, aber er muss ja in einen Mondorbit erreichen. Dazu braucht man Treibstoff. Macht man eine Detailrechnung auf, so ergibt sich dass Mondlander und Treibstoff zum Einbremsen fast genauso viel wiegt wie das CSM ohne diesen Treibstoff - man benötigt nur noch eine halb so große Rakete. Das kann man dann noch mit dem Ankoppeln von Stufen im Erdorbit kombinieren - und kommt auf noch kleinere Raketen. Das Minimum sind dann die Startmassen der einzelnen Bestandteile. wobei natürlich die vielen Starts größere logistische Probleme bereiten, wie oben schon erwähnt. Der Vorteil der Mondorbitrendezvouslösung ist, das man dei Starts entzerren kann - den Mondlander kann man Monate vor der Kommandokapsel starten. Auf demselben Wege könnte man dann auch unbemannt Labore oder Wohnquartiere oder schwere Ausrüstung landen, bevor die erste Besatzung startet.

Was man also braucht, ist keine Schwerlastrakete. Allerdings wäre eine größere Rakete als die heute leistungsfähigsten doch wünschenswert. Mit Trägern vom Schlage der Ariane 4 oder Delta 4 Heavy bräuchte man schon viele Flüge für eine Mondmission.

Aber diese Träger sind ausbaubar. EADS stellte einen Plan für eine Ariane 5 mit 50 t Nutzlast für Mondmissionen vor. Boeing und Lockheed Pläne für Heavy Lift Versionen ihrer Träger, die auch 50-70 t transportieren können. Griffin war das zu wenig. Ich meine: Es reicht. Hier mal eine konkretere Planung. Ich setze dafür eine veränderte Delta 4 Heavy ein. Die Änderung: 6 anstatt 2 Booster an der Zentralstufe. Sie werden mit der Zentralstufe gleichzeitig gezündet. Diese arbeitet aber nur mit 55% Schub. Nach dem Ausbrennen der Booster wird die Zentralstufe auf 100% hochgefahren und zuletzt zündet die DEC-Centaur. Basierend auf den Daten der Delta IV Heavy für GTO Missionen errechne ich eine Nutzlast von 57 t für eine 600 km hohe Kreisbahn (wird für Teil 3 benötigt) und 20 t auf Fluchtgeschwindigkeit.

Setzt man die Centaur auch zum Einbremsen in den Mondorbit ein (veranschlagt: zusätzliche 900 kg Isolation um die Treibstoff flüssig über dreieinhalb Tage zu halten) so kann diese Kombination 14,4 t in einen Mondorbit bringen. Bei einem lagerfähigen Treibstoff, der vom Mondlander eingesetzt wäre, entspräche dies etwa 14 t Nutzlast. Das ist etwas kleiner als der Lander von Apollo 11. Auf der anderen Seite hatten die Apollo Abstiegs und aufstiegstriebwerke spezifische Impuls von 2943 m/s. Das Aestsustriebwerk mit derselben Kombination und Technologie erreicht dagegen schon 3188 m/s. Das reicht aus bei einem Geschwindigkeitsbedarf von jeweils 2200 m/s für Abstieg und Aufstieg (plus Schwebezeit) bringt alleine dieser kleine Gewinn einen deutlichen Nutzlastzuwachs. Daher war auch geplant für den Altairlander eine noch leistungsfähigere Kombination einzusetzen, bevor die NASA wieder ihren Rückwärtsgang einlegte.

Bleibt noch das Kommandomodul. Für das sind 20 t auseichend, Denn auch hier entfallen nun der Treibstoff zum Abbremsen des Mondlanders. Auch hier könnte es vom etwas höheren spezifischen Impuls profitieren.

Es ist trotzdem knapp und würde gerade eine Wiederholung von Apollo ermöglichen. Doch wie schon gesagt - es ist ja nur das Minimum. So könnte ein dritter Start ein kleines Labor direkt auf der Mondoberfläche mit schwerem Gerät absetzen. Dann kann der Mondlander sehr leichtgewichtig bleiben, denn er ist nur Transportvehikel. Wird er größer oder auch das CSM größer so kann er zuerst nur in eine hochelliptische Umlaufbahn eingebremst werden (das CSM genauso) und eine separate Stufe mit lagerfähigem Treibstoff koppelt an beide an und senkt ihren Orbit ab, bzw. bringt das CSM aus dem Mondorbit zurück zur Erde. Das spart Treibstoff für das Einbremsen in den Mondorbit und beim Verlassen.

Diese zwei bis vier Flüge für eine Mondlandung, mit den notwendigen weitgehend automatischen Kopplungsmanövern logistisch viel aufwendiger ist. Aber es ist billiger. Ich sehe keine großen Entwicklungskosten wenn es eine Delta IV Heavy schon gibt - man muss eigentlich nur ein paar Booster mehr ranhängen. Vielleicht ist eine Mission teurer als die einer Ares V. Doch bei mindestens 16 Milliarden Entwicklungskosten muss man schon sehr oft fliegen, um insgesamt teurer zu sein.

Das Grundproblem der NASA ist das der Sicherheits-Risiko Abwägung. Wussten sie dass eine Saturn V für ein LOM Risiko von 1:20 entwickelt wurde? Vereinfacht gesagt: bei 20 Mondmissionen konnte eine scheitern, bevor eine Mondtransferbahn erreicht wurde. Viel geringer war das LOC Risiko, das den Verlust der Besatzung kennzeichnet. Es lag bei 1:1000 Mit solchen Zahlen gibt sich die NASA heute nicht mehr ab. Eine "human rated Delta IV" hätte ein LOM von 1:172 gehabt und ebenfalls ein LOC von 1:1100. Doch die Ares I sollte ja noch viel sicherer sein... Es wird auf maximale Sicherheit entwickelt und das schließt jegliches Risiko wie sie neue Technologien, Das zeigte sich ja schon beim Constellationprogramm bei dem viele anfängliche Neuerungen ja wegfielen, sodass es am Schluss eher wie eine Wiederholung von Apollo aus.

Das ist aber auch das Problem von kleineren Trägern, die eben mehr Flüge erforderlich machen. Mehr Risiko und weiterer Aufwand für Kopplungen. Nur: So wie die NASA es sich denkt: wir entwickeln mal mit Milliardenaufwand einen neuen Träger, ein neues Raumschiff und machen damit das was wir schon mal gemacht haben geht das nicht. Dafüer bekommt die NASA weder das Geld, noch will die Öffentlichkeit eine Wiederholung von etwas was es schon gab.

Im nächsten Teil werde ich zeigen, wie es sogar noch besser geht - mit nur zwei Flügen einer 60 t Rakete ein Mondprogramm durchführen, dass besser als das von Apollo ist...


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