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Web Log Teil 188: 16.9.2010 - 20.9.2010

Skylab Printer Message

Donnerstag den 16.9.2010: Raumfahrträtsel 23

Ja die Rätsel werden nun schon schwierig und nicht mehr durch einfache Suchanfragen zu beantworten. Sonst wird's ja langweilig wenn nur einer antwortet und die ist dann richtig. Zudem soll das Rätsel ja auch etwas Wissen vermitteln (und ich hoffe das tut auch das heutige). Was ist nun die Gemeinsamkeit zwischen Skylab und ihrem Einkauf im Supermarkt? Es ist der Kassenzettel, den sie in den Händen halten. Skylab war die erste Mission die einen Fernschreiber an Bord hatte. Und zwar einen auf dem Prinzip des Thermodruckers, genauso grob wie heute ein Kassenzettel: Messen sie mal nach: Skylab verwandte einen Thermodrucker mit 8 cm Rolle, 30 Zeichen in 5 x 7 Punktmatrix pro Zeile. Sieht der ALDI/ LIDL/ PENNY Zettel nicht genauso aus?

Es war eine der Neuerungen von Skylab. Jeden Morgen fand die Besatzung einen durchschnittlich 3 m langen Streifen mit Anweisungen was zu machen sei vor. Vor dem Stilllegen war der Zettel so lange dass er sich durch die komplette Station zog. Ein Fernschreiber war schon für Apollo vorgesehen. Das ist so ein  typisches Beispiel wo man sieht wie bemannte Raumfahrt anders läuft als unbemannte oder gar Arbeit auf der Erde. Auf der Erde wird man versuchen Menschen optimal einzusetzen und von Routinetätigkeiten zu entlasten. Bei bemannter Raumfahrt ist das genaue Gegenteil der Fall, und noch besser die Astronauten selbst sind dafür.

Computer kann man durch Übertragung von Daten programmieren. Als Computer in Apollo eingesetzt werden sollten, kam sofort die Diskussion auf, dass damit die Astronauten die Kontrolle verlieren würden und sie votierten gegen diese Möglichkeit. Es wurde aber immer klarer, dass die Daten die bei einer Mondmission umfangreich sein würden. So kam der Vorschlag auf, wenn die Astronauten schon alles selbst machen wollten, dann sollte man wenigstens einen Fernschreiber installieren um ihnen die Anweisungen zufaxen zu können. Doch auch dagegen waren die Astronauten. Diesmal aus anderen Gründen: Sie befürchteten das nun die Bodenkontrolle zu viel Macht über den Missionsablauf erhielt und sie nur noch ausführende waren anstatt die Herren des Schiffs.

Es kam nun so wie es kommen musste: Für alles gab es einen Schalter, um es einzuschalten (über 300 in der Kommandokapsel). Das Training für die Kapsel dauerte Jahre anstatt Monate wie bei Gemini und Eingaben in den Computer liefen bei Apollo so: Der Capcom lass die Eingaben vor, die Mannschaft schrieb sie auf, lass das aufgeschriebene nochmals vor und gab sie erst dann ein. Nur wenn es ganz umfangreich war, legte sie einen Schalter um, der es der Bodenkontrolle erlaubte, direkt in den Speicher des Computers zu schreiben.

Drucker

Ineffektiv, aber der Mensch ist für alles verantwortlich. Bei Skylab war dies wegen der umfangreichen Aktivitäten nicht möglich und da Arbeitspläne nur Vorschläge waren und sich nach den aktuellen Ereignissen richten mussten, auch nicht zweckmäßig. Daher bekam Skylab den oben erwähnten Fernschreiber. Nun gab es andere Probleme. Die langen Anweisungen führten dazu, dass Sachen vergessen oder überlesen wurden. Leicht konnte die Bodenkontrolle nun der Besatzung zu viel Arbeit aufdonnern.

Ich habe leider kein Bild des Druckers gefunden, aber immerhin einen Beispielsausdruck (Tagesplan) und Alan Bean wie er gerade durchliest was da so auf ihn zukommt (man achte mal auf die Rolle rechts....) Wer es genauer haben will, liest das NASA TM X-64810 ab Seite 63. Wie ihr auf dem Streifen erkennen könnt gab es sogar eine "Shopping List" bei Skylab (Sachen die erledigt werden sollten wenn es Zeit dafür gab, aber nicht oberste Priorität hatten). Also es gibt doch mehr Gemeinsamkeiten einer Weltraumstation mit einem Supermarkt als man denkt....

Ein Fernschreiber ist auch an Bord des Space Shuttles und wie ich einem Video von der D2-Mission entnehme, sind die zugefaxten Anweisungen auch dort nicht beliebt. Aber auch das Space Shuttle zeigt wie man Systeme konstruiert, damit sie nur bemannt fliegen können. Und das ist das nächste Rätsel: Was tat die NASA um sicher zu stellen, dass das Space Shuttle nur bemannt geflogen werden kann und nicht wie Buran auch unbemannt?

Donnerstag 17.9.2010: Säuren und Basen

So, mal wieder Zeit für eine Folge des Chemie Grundkurses. Heute beschäftige ich mich mal mit dem Konzept von Säuren und Basen. Die meisten können ja ein paar Säuren aufzählen. Populär sind z.B. Salzsäure und Schwefelsäure. Manche kennen auch Basen (Laugen im Volksmund) wie Kalilauge oder Natronlauge. Aber mal zum chemischen Konzept.

Es wurde entdeckt, dass im Wasser selbst im reinsten Fall nicht nur aus Wassermolekülen besteht. Das Wassermolekül zerfällt zu einem kleinen Teil in ein H+ und ein OH- Ion. Das geschieht recht selten, nur bei jedem 10 Millionensten Wasserstoffmolekül geschieht dies. So gibt es 10-7 H+ und 10-7 OH- Ionen im Wasser. Das Produkt ergibt dann eine wichtige Konstante: 10-14. Säuren sind nun Stoffe die leichter als das Wasser H+ Ionen abgeben und dadurch die Menge an H+ im Wasser erhöhen und Basen geben leichter OH- ab und erhöhen so die Konzentration an OH-.

Dabei ist das Produkt der Konzentration von OH- und H+ immer konstant. Hat also eine Säure die Konzentration von H+ auf 10-4 erhöht, so sinkt die von OH- auf 10-10, sodass das Produkt immer noch 10-14 beträgt. Daher hat man diese Eigenschaft des Wassers genommen, um die Menge einer Säure oder die Stärke einer Säure (analog Basen) zu quantifizieren. Logarithmiert man die Konzentration an H+, so erhält man im Wasser einen Wert von 0 (100) bis 14 (10-14). Neutrales Wasser hat einen Wert von 7. Das ist der ominöse pH Wert, von dem man ab und an hört. Säuren haben einen von kleiner als 7, basische Lösungen einen von mehr als 7.

Klassische Säuren nennt der Chemiker auch Brönstedt Säuren. (Brönstedt Säuren/Basen). Es sind Verbindungen die Protonen abgeben, die dann im Wasser zu dem H3O+ Ion reagieren. Salzsäure, Schwefelsäure oder Salpetersäure reagieren so. Sie enthalten entweder ein stark elektronegatives Zentralatom wie die Salzsäure, oder Sauerstoffatome entziehen dem Zentralatom Elektronen, sodass es gerne von einem Wasserstoff sich die Elektronen "ausleiht". Im Allgemeinen findet man diesen Effekt bei zahlreichen Säuren. Das Gegenteil ist bei Basen der Fall. Kalilauge oder Natronlauge bestehen aus Zentralatomen die nur eine geringe Elektronegativität aufweisen. (siehe dieser Blog von mir). Brönstedt Basen sind daher Protonen Akzeptoren. Die einen Substanzen geben also Protonen an das Wasser ab und die anderen entziehen aus diesem die Protonen, wodurch die Anzahl der OH- Ionen ansteigt.

Bei organischen Verbindungen findet man z.B. die Säuregruppe -COOH, d.h. an einem Kohlenstoffatom ist ein Sauerstoff doppelt gebunden und einer über einer Einfachbindung. Das schwächt die dortige -OH Bindung so sehr, dass dort das Proton komplett abgegeben wird. Übrigens schlägt auch hier die Edelgaskonfiguration zu: Das Proton hat gar keine Elektronen mehr und der Sauerstoff nun acht.

Im Prinzip kann man damit alle Säuren und Laugen erklären, die man als Laie so kennt. Ich will der Vollständigkeit halber noch erwähnen, dass es noch eine weitere Definition gibt, die der Lews-Säure/Base. Sie löst sich los von den Protonen und geht über auf eine allgemeine  chemische Eigenschaft, die freier Elektronenpaare. Doch für einfache Säuren reicht die alte Brönstedt Definition aus. Jede Brönstedt Säure ist auch eine Lewissäure. Andere Verbindungen die nur schwach sauer reagieren kann man aber nur nach Lewis erklären.

Wichtig wäre noch zu wissen, das Säuren unterschiedliche Stärken haben können. Bei der Salzsäure wird praktisch jedes Molekül ein H+ Ion abgeben. Doch dem muss nicht so sein. Andere Säuren sind nur "mittelstark" wie z.B. die Phosphorsäure. Zahlreiche organische Säuren wie die Essigsäure, Zitronensäure etc. sind schwach. Bei diesen Molekülen gibt nicht jedes Molekül ein H+ Ion ab, sondern nur ein kleiner Bruchteil. (Bei der Essigsäure nur etwa jedes 100.000 ste Molekül). Das merkt man auch beim p.H Wert: Gibt man ein Mol (eine bestimmte Anzahl an Atomen) einer Starken Säure ins Wasser so sinkt der pH Wert auf 0, Bei einer schwachen Säure nur gering, bei vielen organischen Säuren z.B. maximal auf einen Wert von 3. Dasselbe Phänomen kennen wir auch bei Basen. Auch hier gibt es starke Basen wie Kalilauge, Natronlauge und schwache wie Pottasche, Soda oder Ammoniak. Starke Basen bewirken eine Verschiebung des p.H Werts in Richtung 14, während bei schwachen Basen er nur leicht über 7 steigt z.B. in Richtung 10+11. Die Stärke einer Säure ist über einen logarithmischen Wert quantifizierbar, den pKs Wert. Er ist der logarithmische wert der Dissoziationskonstante. Dissozieren 10% der Moleküle (10-1) so beträgt der pKs Wert z.B. 1. Die Berechnung ist analog dem pH Wert. Starke Säuren haben einen von 0 bis 1. Schwache Säuren einen von mehr als 4. Mittelstrake dazwischen. Essigsäure als eine strake organische Säure hat z.B. einen von 4,75.

Samstag 18.9.2010: Anstatt der Schwerlastrakete: Teil 3: Neue Konzepte

Zur Erinnerung: In den ersten beiden Teilen habe ich deutlich gemacht, dass bei einem neuen Mars/Mondprogramm (vor allem beim Letzteren) ein Großteil der Kosten für die Entwicklung einer Schwerlastrakete entfällt und diese durch mehrere Flüge einer 50-70 t Rakete ersetzt werden könnte. Mit zwei Flügen einer 60 t Rakete wäre Apollo zu ersetzen, mit drei oder vier ein längerer Mondaufenthalt (drei Starts) oder größere Raumfahrzüge (vier Starts) möglich. Dabei kann diese Rakete aus einer Delta IV Heavy entwickelt werden.

Eine Mondmission hat nun folgende Elemente:

Ziel eines Mondprogrammes sollte es sein diese Treibstoffmenge zu reduzieren. Ein Weg könnten kryogene Treibstoffe sein. Das Problem ist hier die Kühlung. Während dies noch im Weltraum recht gut möglich wird, wird es auf der Mondoberfläche schon deutlich schwieriger. Doch meine Ansicht ist es gleich neue Wege zu geben, die viel mehr versprechen. Man muss zwei Dinge beachten.

Nun wer mich kennt, weiß schon worauf es raus läuft: Ionentriebwerke welche den Treibstoff viel effizienter Nutzen. Es ist meiner Ansicht nach auch folgendes Szenario denkbar:

Der Vorteil ist, dass die Nutzlast viel höher ist. Ich habe mal folgende Daten genommen:

Daraus errechnet sich folgendes:

Ionentriebwerk:
Spezifischer Impuls: 44150 m/s
Stromverbrauch 5000 W
Schub 0,15 N
Wirkungsgrad 66 Prozent
Gewicht eines Triebwerks 7 kg
Treibstoffverbrauch 3,4 mg
Gewichtsbilanz:
Strukturgewicht: 1200 kg
Treibstoff: 7972 kg
Tankgewicht: 1331 kg
Triebwerkszahl 193
Triebwerksgewicht: 1351 kg
Nutzlast: 32000 kg
Startgewicht: 55855 kg
Solargenerator:
Leistung: 80 W/kg
Gewicht: 12000 kg
Mittlere Distanz zur Sonne: 150,0 Mill km
Leistung bei der Distanz 79 W/kg
Bahndaten:
Geschwindigkeit um die Erde zu verlassen: 5500 m/s
Geschwindigkeit um die Mondumlaufbahn zu verlassen: 1300 m/s
Gesamte Geschwindigkeit: 6800 m/s
Gesamte Reisedauer: 261 Tage
Davon in der Erdumlaufbahn (12 h/d) 232 Tage
Davon in der Sonnenumlaufbahn (24 h/d) 29 Tage

Bei einer Startmasse von etwas unter 56 t (das ist die Nutzlast einer Delta IV Heavy mit sechs Boostern in eine 600 km hohe Kreisbahn) werden so 32 t in einen Mondorbit und zurück befördert. Gedacht ist an folgende Vorgehensweise:

Die erste Delta IV XXL startet mit der Ionenantriebstufe den Mondlander in den Mondorbit und verbleibt dort

Die zweite Delta IV XXL startet normal chemisch nur mit 1.000 m/s Kurskorrekturkapazität das reicht aus um in einen Mondorbit zu gelangen. Dort koppelt sie an den Mondlander ab während die Ionenantriebsstufe abkoppelt und in Wartestellung geht. Nach dem Umstieg der Besatzung und Landung auf dem Mond folgt die Forschungsmission und nach einigen Tagen kommt die Rückreise. Nach dem Umstieg in das CSSM wird die Aufstiegsstufe abgekoppelt und die Ionenantriebsstufe angekoppelt.

Sie befördert die Besatzung zurück zur Erde. Das hat zwei Vorteile: Es wird Treibstoff gespart und bei 1300 m/s Kurskorrekturfähigkeit ist die Aufenthaltszeit im Mondorbit gering.

Chemisch sind maximal 14,4 t mit derselben Rakete in einen Mondorbit bei der selben Trägerrakete möglich. Das ermöglicht es nicht nur einen mehr als doppelt so schweren Lander mitzuführen, sondern auch das CSM kann leichter sein, da der Treibstoff für die Rückreise nicht benötigt wird. Es benötigt nur 1000 m/s zum Einbremsen in den Orbit. Das macht eine Trockenmasse von 14,6 t möglich. Apollo hatte nur eine Trockenmasse von 12,2 t. Mit Treibstoff zur Rückreise hätte die Trockenmasse maximal 10,7 t betragen dürfen, was nur für eine deutlich kleinere Kapsel als bei Apollo reichen würde.

Die zwei Flüge sind in etwa äquivalent einer chemischen Rakete mit 80 t Nutzlast in die LTO Bahn. Die rund 2,4 t größere Trockenmasse des CSM würde eine größere Kapsel für 4 Astronauten zulassen. Analog der nun 32 t schwere Mondlander Er ist doppelt so schwer und würde die Landung aller vier Astronauten ermöglichen. Ein weiterer Start mit dem Ionenantriebsmodul könnte auch ein Labormodul von etwa 14-15 t Masse auf dem Mond absetzen - genügend Gewicht für schwere Ausrüstung oder eine kleine Wohnung für einige Tage (wie schon in Teil 1 geschrieben dauert eine Mondnacht 14 Erdtage, dabei sinken die Temperaturen bis unter -100°C ab. Daher wird zumindest bei der ersten Phase der Aufenthalt auf den Mondtag von maximal 14 Tagen Dauer beschränkt sein).

Es wäre interessant festzustellen, ob es eine Untersuchung gibt, wie weit die Passage im Van Allen Strahlungsgürtel gefährlich ist. Ersetzt man z.B. die Solarzellen durch welche mit 175 W/kg Leistungsdichte, also dem was heute zumindest experimentell möglich ist, so wäre die gesamte Reise sogar mit einer 60 t Rakete denkbar. Ein Lander von 16,4 t Masse und ein CSM von 11 t Masse (ohne Treibstoffe und Antrieb). Ein Ionennantriebsmodul würde es die gesamte Kombination in 91 Tagen zum Mond und in 10 Tagen zurück befördern. Wahrscheinlich ist das aber mit einer kleinen Apollokapsel nicht zu machen und eine größere Raumstation in der Mondumlaufbahn braucht man eigentlich nicht.

Apollo 2.0 mit einer Delta IV Heavy - das ist Innovation. Eine neue Schwerlastrakete zu bauen und alles zu wiederholen - das ist der Rückgriff auf das Gestrige. Ein Symptom für den Rückschritt und Stillstand den die bemannte Raumfahrt seit einigen Jahren schon prägt. Denn natürlich gibt es hier Herausforderungen - Dawns Solar Array das ich für die Berechnung nutzte, hat gerade mal 10,5 kW Leistung - hier wird ein fast 100 mal größeres benötigt. Kann man solche großen Strukturen noch bauen und im All entfalten?

Das gleiche gilt für die Triebwerke. Dawn setzte fünf ein. Hier sind es 193 - fast vierzigmal mehr. Es sollten also größere eingesetzt werden, die erst entwickelt werden müssen. Dann haben diese ein kleines Temperaturproblem - etwa 30%-40% setzen die Triebwerke heute als Wärme frei. Das sind etwa 288-384 kW Abwärme auf engstem Raum. Auch ein Problem das gelöst werden muss. Bis diese Technologie zur Verfügung steht muss genauso viel Entwicklungsarbeit geleistet werden wie damals bei der Saturn V - aber es ist wenigstens eine Neuentwicklung und sie ist nötig, denn für Marsexpeditionen müssen dann nicht 130-180 t in eine Erdumlaufbahn befördert werden, sondern je nach Plan (es gibt da etliche Vorschläge ) zwischen 600 und 1000 t - und da lohnt es sich dann wirklich!

Sonntag 19.9.2010: Setzen! Sechs!

Derzeit kämpfe ich mich gerade durch die NASA Technischen Memoranden X-648008 bis 64826, jedes einige Hundert Seiten stark. Das ist die Dokumentation zu Skylab und selbst beim flüchtigen Überfliegen, bis man wieder eine allgemein interessante Stelle trifft, (das ganze geht natürlich viel tiefer als für mein Buch notwendig) ist es eine ganze Menge Arbeit.

Aber: es gibt wenigstens die Dokumentation öffentlich verfügbar. Das ist ein Riesenunterschied zu Europa. Ich will daher mal meine Erfahrungen mit Raumfahrtfirmen und Raumfahrtagenturen in den letzten Jahren schildern. Mein Bestreben ist es ja, möglichst umfassend über eine Mission zu berichten. Das ist manchmal möglich indem man die Webauftritte, Infobroschüren etc. verwendet. Manchmal sind aber auch die nur sehr kurz, oder an eine allgemeine Öffentlichkeit gerichtet und enthalten wenige technische Details. Dann versucht man es eben, indem man die Gesprächspartner direkt anschreibt.

ESA: Ein großes Manko ist, dass es keine direkten Kontaktmöglichkeiten gibt. Wenn es Fragen zu einem Artikel gibt, findet man keine Mailadresse oder ein Kontaktformular an das man sich wenden könnte. Es geht nur über die allgemeine Kontaktseite wo man dann bei der Pressestelle der ESA landet, die einem meist nicht weiterhelfen kann, weil sie gar nicht weis wer dafür zuständig ist. Sie ist auch nicht informiert, ob es überhaupt weitergehende Informationen gibt. So wurde mir mitgeteilt, die wenigen Seiten über die Ariane 5 wäre alles, was es an Infos gäbe...

DLR: Durchwachsen. Teilweise wird nicht geantwortet. Bei den Gesprächspartnern die antworten, findet man alles. Von sehr hilfsbereit (Zusendung von eigenen Artikeln und Aufsätzen zu dem Thema, über "Ich würde ihnen gerne helfen, aber die Informationen sind geistiges Eigentum der Industrie" bis zu uninformiert, wobei mein Eindruck ist: je weiter ich in der Hierarchie komme, desto schlimmer wird es. Also ein Projektleiter konnte auf konkrete Fragen nicht antworten oder nur mit allgemeinen Informationen die jedoch nicht die Frage betrafen. Dafür bemängelte dieselbe Person (die auch keine Dokumente übermittelte), das das fertige Buch nur "Presseinformationen" enthielt. Irgendwie hat er den Informationsfluss wohl falsch verstanden: Nicht ich sollte dem Projektleiter helfen und mit Informationen versorgen, sondern er mir....Auch gibt es zahllose tote Kontaktlinks die nicht funktionieren. Immerhin steht bei jedem Artikel dran, wer ihn verfasst hat und über das System "vorname.nachname@dlr.de" kann man ihn dann doch direkt anschreiben.

EADS: Bei jeder EADS Seite steht:

"If you require more detailed information on any of our products or services, then please contact us, indicating your particular areas of interest or intended application. Your enquiry will receive our best attention."

Mit einem Email Link und keinem Formular. Vorbildlich, möchte man meinen. Möchte man.

In der Praxis habe ich auf Detailseiten nie eine Antwort bekommen. Egal welcher Teil von EADS betroffen war. Besser sieht es aus wenn es um allgemeine Pressemitteilungen handelt und man darauf antwortet. Dann kommt eine Antwort, aber mit langer Verzögerung. Bei der ersten Auflage des ATV Buchs, wo ich Abbildungen von EADS Dokumenten verwenden wollte, war es nach sieben Wochen - bis dahin war das Layout dann schon fertig. Bei EADS LV in Bremen nützt nicht mal das Einschalten des Pressesprechers wenn sich auf mehrere anfragen niemand meldet.

SAAB: Übertroffen wird EADS nur von SAAB. Wer dort den Link anklickt, landet bei einem Formular wo man eine Menge eintragen muss - nicht nur Name und Mailadresse, sondern auch Privat und Geschäftsadresse, Telefonnummern (privat, mobil, geschäftlich...) und wenn man das alles ausgefüllt hat und das Formular abschickt, bekommt man eine Fehlermeldung des Webservers. Echt super!

Arianespace: Wer auf die Kontaktseite kommt wird nach seiner Presseausweisnummer gefragt und bekommt gleich den Hinweis, das ohne die keine Bearbeitung erfolgt. Normale Besucher, aber auch Autoren (egal ob online oder Bücherautoren), die nun mal nicht Pressekonferenzen besuchen und keinen Presseausweis haben sind außen vor.

SNCEMA: Keine Reaktion auch auf mehrfache Anfragen.

Nach den schlechten Beispielen die positiven:

MT Aerospace: Sofortige Antwort, Übersendung zahlreicher eingescannter älterer Dokumente, die ich gut gebrauchen konnte. Sehr freundlich und hilfsbereit.

Tesat: Wäre alles so wie bei Tesat, dann würde ich wahrscheinlich noch mehr Bücher schreiben: Ebenfalls sofortige Antwort, Weiterleiten der Anfrage an den zuständigen Mitarbeiter und das beste: Unverlangtes Zuschicken von Dokumenten von denen ich gar nichts wusste (Kommunikationssystem für das MSL) ohne Anforderung. Wenn alle Firmen mir Sachen zuschicken würden, von denen sie denken, ich könnte sie gebrauchen, dann wäre der Job echt einfach.

Nun an den Firmen kann man nichts drehen. Aber die Raumfahrtagenturen DLR und ESA sollten mal überlegen, ob ihre Art von Öffentlichkeitsarbeit noch dem Internetzeitalter angemessen ist. Also das Veröffentlichen einiger Pressemitteilungen oder einfacher Flyer für die Allgemeinheit kann es ja nicht sein. Die wichtigste NASA Website ist für mich der NASA Technical Reports Server(http://ntrs.nasa.gov/search.jsp). Dort kann man auf die publizierten Dokumente der NASA zugreifen, zahlreiche ältere auch Online. Und zwar nicht nur die Pressemitteilungen, sondern eben auch Artikel der Mitarbeiter, Ergebnisse von Studien, Untersuchungen, Technische Reports, publizierte Paper für Kongresse, Zeitschriften, eben alles was es gibt.

Für mich reicht das aus, auch wenn ich oft mit der Anzahl der Ergebnisse erschlagen werde. Ich erwarte nicht Zig Seiten, in denen alle Dokumente die es bei ESA, DLR & Co gibt, aufgelistet und erklärt sind, aber ich würde gerne auf sie zugreifen können. Ob brauchbare Information drin ist, sehe ich dann schon selbst. Das spart im Endeffekt auch Anfragen an die Mitarbeiter. Es gibt ja gute Archive wie Eigenpublikationen der ESA und DLR über ihre Geschichte zeigen. Warum macht ihr sie nicht öffentlich? Warum behindert ihr Leute die Meinungsvervielfältiger sind? Angst vor negativer Publicity kann es ja nicht sein, denn wer was schlechtes schreiben will, der sucht nicht im Detail nach sondern sucht sich aus auch zweifelhaften Quellen seine Informationen zusammen. Ich versteh's nicht.

Die Konsequenz ist eben, das ich zumindest keine Bücher mehr über deutsche oder europäische Projekte schreiben werde - außer vielleicht über die OTRAG und A-4, aber da brauche ich keine DLR und ESA. Auch sonst scheint es ja nicht viele zu geben die sich mit europäischen oder deutscher Raumfahrt beschäftigen. Warum auch, wenn die Raumfahrtagenturen und Firmen nicht bereit sind Autoren zu unterstützen.

Sonntag 20.9.2010: Raumfahrträtsel 24

Es war einmal ... der Wunschtraum aller Astronauten, die damals fast alle Testpiloten waren. Ein Gefährt, in dem sie nicht passive Passagiere waren, sondern das sie aktiv steuern könnten. So waren sie alle für dieses Gefährt, das sich "Space Shuttle" nannte. Als es dann an die Planung ging, stellte sich heraus, dass es sehr komplex war und leistungsfähige Rechner zur Steuerung brauchte. Da kamen die Techniker auf die Idee, wenn das Ding schon weitgehend vom Computer gesteuert wird, es doch vollständig vom Computer steuern zu lassen. Dagegen waren die Astronauten. Sie bestanden darauf, einen manuellen Modus einzubauen. Die Astronauten träumten vom Shuttle, die perfekte fliegende Maschine, nicht aus einer im Meer treibenden Kapsel mit einem Korb herausgefischt werden, sondern nach der Landung heroisch eine Gangway herunter laufen (zusammengefasste Statements von Walt Cunningham und Michael Collins).

So kam es dann auch. Nun ja fast. Das Space Shuttle startet computergesteuert, es könnte computergesteuert seine Nutzlast aussetzen, es bremst computergesteuert ab, es findet der Wiedereintritt computergesteuert statt. Und dann, wenn das Shuttle in den Bereich, kommt in dem die aerodynamischen Kräfte wirksam werden, so in den letzten 5 Minuten, einer einwöchigen Mission. Dann darf der Testpilot an Bord seine Existenz beweisen und das Shuttle steuern. Darf, muss aber nicht, denn natürlich könnte das auch jetzt noch der Computer.

Nun könnten ja Kritiker der bemannten Raumfahrt auf die Idee kommen, man bräuchte keine Piloten an Bord und könnte zumindest einen Teil der Missionen auch unbemannt durchführen (z.B. einfache Missionen bei denen nur Satelliten ausgesetzt werden). Also musste man das verhindern und die Lösung war ... Tada ... das die Besatzung vor der Landung das Fahrwerk mit einem Hebel ausfahren muss. Es wurde also bewusst eine technische Hürde eingebaut. Buran, das russische Gegenstück war hier besser: sein einziger Flug fand vollautomatisch vom Computer gesteuert und unbemannt statt.

Selbst Chris Kraft, der das als damaliger Chef des JSC mit zu verantworten hat, lernt  dazu und sagt inzwischen, dass ein automatischer Modus besser gewesen wäre, vor allem um schneller nach Challenger und Columbia wieder den Flugbetrieb aufzunehmen. Ich denke aber, wahrscheinlich würde ein automatischer Modus auch dazu führen, dass dann gefordert werden würde, bemannt nur noch zu fliegen wenn es nötig ist, also z.B. ein Spacelab mitfliegt und andere Missionen vielleicht mit einem unbemannten kostengünstigeren Gefährt durchgeführt werden. Daher hat dieser Ansatz wohl keine Chance gehabt. Außerdem hätte sein JSC viel weniger Astronauten gebraucht und damit auch weniger Macht und Einfluss und Geld....

Ach ja ich habe es fast vergessen. Wie ist es heute? Wenn ein Shuttle wie bei Columbia eine Havarie im Orbit hat, bleibt die Besatzung auf der ISS, öffnet die Verkleidung der Elektronik und macht eine Handverdrahtung der Fahrwerksauslösung mit einem Kabel das zum Bordcomputer führt, damit dieser bei der Landung es ausfahren kann. Ja manchmal ist es so skurril, man glaubt es kaum....

Okay, das nächste Rätsel. Welches ist der größte zivile Satellit/Raumsonde (keine militärischen Projekte, da deren Abmessungen nur vermutet werden, keine bemannten Raumfahrzeuge, weil es sonst zu einfach wäre) und wie groß ist es. (Für den Fall, das ihr eines findet das noch größer ist als das an das ich denke)


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