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Web Log Teil 189: 20.9.2010-

Montag den 20.9.2010: Was ist die richtige Einheit für den spezifischen Impuls?

Eine gute Frage, denn viele orientieren sich an dem, was die Politik gerne "die normative Kraft des Faktischen" nennt. Fangen wir aber mal viel einfacher an: Wofür braucht man den spezifischen Impuls und was sagt er aus?

Wenn wir es mal ganz einfach sehen, dann ist der spezifische Impuls eine Kenngröße für einen Raketenantrieb. Er hängt im wesentlichen von dem verwendeten Treibstoff ab, aber auch der genauen Auslegung des Triebwerks und nicht zuletzt den Umgebungsbedingungen (Betrieb am Boden oder im Vakuum) ab.

Es gäbe nun viele Dinge, die man für eine solche Kenngröße nehmen könnte - den Energiegehalt des Treibstoffs in KJ/kg oder die Leistung des Antriebs in MW. Alle diese Größen haben aber Nachteile. Der wohl entscheidendste: Es ist bei den meisten Größen nicht möglich, ohne weitere Parameter, direkt die Endgeschwindigkeit oder die beförderte Nutzlast für eine bestimmte Wunschgeschwindigkeit zu berechnen.

Die Raketengrundgleichung lautet:

v = vGase * ln (Mvoll / Mleer)

vGase : Die Geschwindigkeit des Gasstrahls beim verlassen der Düse.

Mvoll : Die Rakete voll betankt

Mleer: Die Rakete ohne Treibstoff

Während die letzten beiden Werte sehr einfach mit einer Waage ermitteln kann, wäre es doch ideal, wenn man die Geschwindigkeit der Gase ermitteln könnte. Doch wie geht das?

Nun es gibt einen Zusammenhang mit dem Schub. Der Schub ist definiert als:

F = vGase*MVerbrauch

Wenn man den Verbrauch an Treibstoff pro Zeiteinheit und den Schub kennt, dann kann man die Ausströmgeschwindigkeit berechnen.

Das geht recht einfach: Wir zünden eine Rakete und messen den erzeugten Schub mit einem Kraftmessgerät, stoppen die Zeit und teilen dann das Gewicht des verbrannten Treibstoffs durch die Brennzeit - schon haben wir den Massenstrom  MVerbrauch (in kg/s). Dann kann man einfach die Ausströmgeschwindigkeit der Gase berechnen indem man den Schub durch den Massenstrom teilt.

Und nicht anders ist der spezifische Impuls bei uns definiert: Es ist die Ausströmgeschwindigkeit der Gase aus der Düse und er hat die Einheit [m/s].

In den USA ist das wie immer anders. Diesmal hängt es aber nicht mit ihrem komischen Einheitensystem zusammen (das außer den USA nur noch in Liberia und Myanmar eingesetzt wird). Aus irgend einem Grund (fragen sie mich nicht warum, denn ich weis es auch nicht), haben die Amis beschlossen, die metrische Angabe des spezifischen Impulses durch die Konstante g (Erdbeschleunigung 9,80665 m/s²) zu teilen. Sie haben also nicht die metrische Einheit in ihr System umgesetzt und z.B. von yard/s gesprochen, sondern diese komische Operation gemacht. Was rauskommt ist eine sehr merkwürdige Größe, sie sagt aus, wie lange ein Kilogramm Treibstoff einen Schub entwickelt, der genau 1 kg gegen die Erdbeschleunigung in der Schwebe hält. Die Einheit ist also eine Zeiteinheit [s]. Praktischer Nutzen? Keiner, denn natürlich muss der Schub größer als die Startmasse sein um abheben zu können und danach wird die Rakete leichter, so dass die Beschleunigung größer wird, für eine konstante Beschleunigung um 1 g müsste also der Schub verringert werden. Also wenig sinnvoll.

Vor allem nützt sie in der Berechnung nichts.

Ich habe mal bei einer Gelegenheit einen Professor der in der Lehre Raumfahrttechnik unterrichtet gefragt, warum auch bei uns die US-Einheiten so gebräuchlich sind. Wer sich mal ESA oder DLR Dokumente ansieht findet einen Mix, manche verwenden die SI Angabe, andere die US-Angabe. Bei den USA ist es so, dass die Industrie nur die US-Einheit verwendet. Die NASA ist bestrebt, auf ihren Webseiten nur SI Einheiten zu nehmen (oft mit US-Einheiten in Klammern), greift aber bei eingefügtem Infomaterial aus der Industrie auch auf dessen Einheiten zurück und es gibt nicht "die" NASA Webseiten sondern zig Institute machen ihre Webseiten, die dann von der NASA in ihr CMS übernommen werden und dort findet man auch viele US-Angaben (das ist deswegen blamabel, weil die USA zwar in der Allgemeinheit ihr imperiales System haben, aber für Forschung und Lehre ab College Niveau eigentlich auch das SI System einsetzen sollten).

Die Antwort war, dass es nur eine Kenngröße sei und wenn man wisse wovon man rede sei es egal welche Einheit man nehme.

Nein, ich sehe das anders. Hier meine Argumente dagegen:

Was passiert, wenn man mit zwei unterschiedlichen Einheitensystemen rechnet? Ich sage nur eines "Mars Climate Orbiter" (ich lach mich heute noch krank wenn ich an die Blamage denke...)

Montag 20.9.2010: Raumfahrträtsel 25

Kinder wie die Zeit vergeht... Nach nur knapp etwas über einem Monat bin ich schon beim "Silberjubiläum" angekommen. Rätsel Nr.1 erschien am 18.8.2010.Immerhin stelle ich fest lockt das Rätsel auch mal ein paar stille Blogleser zum Kommentieren (ich bin ja der Meinung man sollte bei einem Blog nicht nur "Leser" sein. Das ganze lebt von der Interaktion). Wie sicher der eine oder andere schon gemerkt hat, lebt das Rätsel vom Nachdenken und suchen. So ist nicht unbedingt der schwerste Satellit das größte Objekt, sondern es kann auch ein kleiner Satellit sein, wenn er lange Antennen hat. Die beiden Rekordhalter sind RAE-A und RAE-B (Explorer 38 und 49). RAE-A hatte zwei 227 m lange Antennen und bei RAE-B waren sie jeweils 229 m lang. Dazu kam noch eine 37 m lange Antenne und ein 126 m langer Ausgleichsstab, sodass dieses Objekt im All etwa 468 x 37 x 126 m groß war.

Das als Lösung angegebene Tether Experiment erfüllt die Kriterien nicht, weil es nur zusammen mit dem Shuttle funktionierte und bemannte Raumfahrzeuge ja ausgeschlossen waren (sonst wäre gleich jemand auf die ISS gekommen). Außerdem fehlte die maximale Länge des Seils von 19,7 km.

Die Begrenzung auf zivile Objekte habe ich gemacht weil es gerüchteweise noch größere militärische Satelliten zum Abhören der Funksignale geben soll. Diese gro0en Antennen braucht man vor allem bei niedrigen Sendefrequenzen. RAE-B maß z.B. zwischen 25 kHz und 13,1 MHz. Das besondere an dem Satelliten ist, dass er in einen Mondorbit geschossen wurde, damit die Messungen von galaktischen Quellen empfindlicher sind. Der Mond wirkt so als gigantische Lärmschutzwand. Der Vorgänger RAE-A wurde trotz rund 6000 km hoher Erdumlaufbahn noch ziemlich durch irdische Funkwellen gestört.

Früher, als man noch etwas optimistischer bei der Raumfahrt war plante man größere Teleskope auf dem Mond aufzubauen, bevorzugt auf der mondabgewandten Seite um die Störung durch die Erde zu verringern. Bei optischen Teleskopen ist das nicht so sinnvoll, da reicht es auch sie in eine Sonnenumlaufbahn zu befördern. Aber bei Radioteleskopen schon eher. Gedacht war da auch an den Umbau von Kratern so wie beim Arecibo Teleskop. Natürlich hätte das alles nur bemannt gemacht werden können, weshalb man wohl auch nicht mehr viel davon in letzter Zeit gehört hat.

Heute wird's noch etwas kniffliger, sprich ist mehr Nachdenken als Suchen gefragt. Wer ist der Weltrekordhalter im Gewichtheben und Fahrradfahren? (Es ist ein und dieselbe Person). Na Ideen?

Dienstag 21.9.2010: Naturgesetze sind anders als menschliche Gesetze

Ein kürzlicher Kommentar von Hans hat mich zu meinem heutigen Blogeintrag gebracht: Es gibt ja tatsächlich Leute die meinen, vieles was heute physikalisch unmöglich ist würde einfach durch den nächsten physikalischen Umbruch oder durch eine Entdeckung möglich werden - egal ob es Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit, Beamen oder Antigravitation ist.

Denken die Leute die Natur funktioniert so wie menschliche Gesetze? Früher war Abtreibung strafbar, heute nicht. Naturgesetze ändern sich, je nach wissenschaftlichem Fortschritt?

Hallo? Die Menükarte mit dem Essen verwechselt? Die Modelle die sich in irgendwelchen "Gesetzen", Formeln oder Theorien niederschlagen, sind nicht die Natur. Die ist unveränderlich. Es ist nur eine Sicht der Dinge, die immer weiter entwickelt wird. Das ist so wie das Modell der Erde. Früher dachte man es wäre eine Kugel - das reicht für vieles vollkommen aus, zumindest für einen Globus, um ihn ins Wohnzimmer zu stellen. Dann stellt sich raus, dass der Äquator etwa 43 Kilometer mehr Umfang hat als eine Linie um die Pole - also trifft es eher ein Ellipsoid. Dann stellt man fest, dass die Landmassen noch kleinere Veränderungen im Bereich von 1 km verursachen und das Modell ist eine Birne. Inzwischen gibt es noch genauere Modelle und wenn man die sich anschaut ist die Erdform eine Kartoffel. GOCE als ESA Mission wird die Erdform nun auf einige Zentimeter genau bestimmen.

Aber es zeigt das grundsätzliche: Die erste Annahme, die Erde ist eine Kugel stimmt - fast denn alle folgenden Modelle wiesen immer kleinere Abweichungen von der Kugelform auf. Beim Ellipsoid waren es maximal 43 km bei 12742 km mittlerem Äquatordurchmesser also 0,33%.Okay, dann wird's genauer - aber braucht man das um nach New York zu fliegen?

Genauso funktioniert auch Naturwissenschaft: Wir haben Modelle von der Wirklichkeit, die immer detaillierter werden. ABER: es sind immer die Modelle (Menükarte) und nicht die Wirklichkeit! (Essen). Die Natur ist unveränderlich. Die Gesetze orientieren sich nach unseren Beobachtungen die mit fortschreitender Technik immer weiter gehen.

Vor allem aber: Die Modelle ergänzen sich. Also mal zur Gravitation. Newton erkannte: Gravitation ist eine Eigenschaft von Materie und nimmt mit dem Quadrat des Abstandes ab und bildet eine Kraft. Daran hat Einstein nichts geändert. Und für Raumfahrt muss man bis heute nicht mehr von der Gravitation wissen. Das gesamte zu seiner Zeit beobachtbare und erklärbare Universum gehorchte diesen Gesetzen.

Einstein erkannte, das Gravitation auch den Raum verändert und Zeit/Geschwindigkeit und Gravitation zusammenhängen und es merkwürdige Effekte gibt wenn die Geschwindigkeit nahe der Lichtgeschwindigkeit ist wie es auch beim Fall in sehr starken Gravitationsfeldern vorkommen kann. Die Newtonschen Berechnungen hat er aber nicht ungültig gemacht. Was an Einstein so genial war, ist das er die Theorie vor den Beobachtungen machte. Erst nachdem er sie aufstellte suchte man nach Beweisen um sie auch experimentell nachzuprüfen (der erste war der Effekt der Lichtkrümmung der bei der Sonnenfinsternis von 1919 nachgewiesen wurde).

Nun versucht die Quantentheorie noch die Gravitation mit den drei anderen Fundamentalkräften zusammenzuführen, was nur bei sehr hohen Temperaturen und Energiedichten geht wie sie kurz nach dem Urknall herrschten. Also nix was man heute im ganzen Universum beobachten kann. Ändert aber bei den Eigenschaften der Gravitation bei kleineren Energiedichten und Temperaturen nichts.

Nein Naturgesetze sind keine menschlichen Gesetze die man mal ändert. Sie sind Modelle. Es gibt ein Modell der Gravitation das man anwenden kann wenn man es mit Planeten, Sternen oder Satelliten zu tun hat, also Körpern kleiner Masse und großem Radius. Und dann gibt es Modelle, die eben nur nach dem Urknall gültig ist. Während es sicher Millionen von schwarzen Löchern gibt die man nach Einstein behandeln muss gibt es nur einen Urknall und Newton ist bei jedem Stück Materie - sogar bei einem Atom - anwendbar.

Mag sein, dass es ein noch genaueres Modell gibt, aber das nützt nix für die Raumfahrt, weil wir ja schon nicht die Bedingungen für Einsteins Modell (schwarzes Loch + Erde = größeres Schwarzes loch + Bumm) oder beim Urknall herstellen können (sonst kommen die schwarzen Löcher ganz von alleine....). Vor allem: Die bisherigen Modelle beschreiben ja nur das was man beobachten kann. Und eine Antigravitation wurde eben noch nirgends im All beobachtet. Weder im Größen, noch im Kleinen. Tut mir leid Hans... Eher klappt das mit dem Fahrstuhl ins All, oder dem Laserantrieb....

Mittwoch 22.9.2010: Skylab B

Der eine oder andere weiß vielleicht, das die NASA neben dem geflogenen Labor ein zweites Flugexemplar baute. Pläne für den Start dieses Labors wurden aber schon vor dem Start des ersten wieder begraben. Immerhin war einige Tage lang offen ob es doch noch gestartet werden würde, als die NASA noch nicht wusste ob sie das erste wieder in Schuss bekommen würden. Es wäre dann die Ersatzversicherung gewesen. (Heute unvorstellbar. nicht mal US-Kernmodule für die ISS werden redundant gebaut).

Es gab dann zwar noch einige Vorschläge, als das erste Labor so erfolgreich war es doch noch zu starten und wenigstens die noch verbliebenen beiden Saturn IB zu nutzen, eventuell sogar die Apollo-Sojus Mission dorthin zu verlegen (wahlweise nur die Apollo nach Abkopplung der Sojus oder sogar die Sojus auch zum Aufenthalt einladen, wobei der Kopplungsadapter von der Kapsel an Skylab angedockt hätte werden müssen) aber daraus wurde nichts mehr.

Immerhin wurde das durchgerechnet. Der Betrieb von Skylab B mit zwei Besatzungen hätte lediglich 665 Millionen Dollar gekostet. Neue Experimente hätten weitere 150 Millionen Dollar erfordert. Die schon bewilligte Apollo-Sojusmission wäre sogar weil sie sowieso durchgeführt werden würde umsonst gewesen.

Mich würde mal interessieren, wie lange ein Aufenthalt möglich gewesen wäre. Skylab wurde komplett mit Vorräten gestartet. Eine Versorgung war nicht vorgesehen. Die Besatzung konnte lediglich zwei der sechs Stickstoffdruckgastanks auffüllen und Nahrung zur Station bringen. Doch auch so war noch genügend an Verbrauchsmaterialen übrig als die Besatzung Skylab verließ:

Vorräte

Start

Missionsende

Verbrauch

Wasser

2.720 kg

776 kg

1.944 kg

Sauerstoff

2.771 kg

1.254 kg (918 kg nutzbar)

1.516 kg

Stickstoff

739 kg

212 kg

525 kg

TACS

356.000 Ns

55.550 Ns

300.450 Ns

Der hohe Verbrauch des TACS Treibstoffs resultiert vor allem aus den Rettungsmaßnahmen bei Missionsanfang. Hier wurden 44% des Treibstoffs verbraucht. Normal wären 10-12% gewesen. Berücksichtigt man dies so ergeben sich folgende Betriebszeiten für Skylab A:

Wasser 239 Tage
Sauerstoff: 227 Tage
Stickstoff: 240 Tage
TACS 252 Tage

Eine Missionsdauer von mindestens 227 Tagen wäre also möglich. Skylab A war insgesamt 171 Tage lang bemannt. Bei zwei Besatzungen wären so z.B. jeweils 114 Tage Aufenthalt möglich.

Doch es geht noch weiter. Skylab wog beim Start 90 t. Die NASA gab an, die Saturn V könnte 96 t in den Orbit befördern. In Wirklichkeit war die Nutzlast noch höher, denn neben dem nicht abgetrennten 5 t schweren Zwischenstufenadapter gelangten auch 8 t Treibstoff in den Orbit. Bei einer Apollomission brannte die S-II aus und es gab weniger als 3 t Resttreibstoff. Die Nutzlast hätte also durchaus 100 t betragen können. Rechnet man mit 99 t um eine kleine Sicherheitsreserve zu haben, so hätte Skylab um 9 t schwerer sein können.

Die NASA konnte so aus dem Vollen schöpfen, dass sie sich nicht viel Mühe gab Gewicht zu sparen. Die Vorrate an Bord von Skylab wogen zusammen mit den Behältern über 22 t. Besonders massiv waren die sechs Sauerstofftanks die bei 1.270 kg Leermasse jeweils 424 kg Sauerstoff fassten. Rechnet man eine nun mit 31 t anstatt 22 t für Vorräte, so wäre eine Missionsdauer von mindestens 336 Tagen möglich. Also drei Missionen mit je 112 Tagen oder zwei mit jeweils 168 Tagen Länge. Doppelt so lang wie die längste Skylabmission. Wahrscheinlich gäbe es vorher aber andere Probleme, denn einiges musste ja bei Skylab schon repariert werden und auch die CSM waren nur für 140 Tage Aufenthalt im All ausgelegt. Aber wie bei der letzten Skylabmission hätte man einfach mal flexibel sein können. Zurück auf der Erde konnte man ja in einigen Stunden sein.

Die zweite Alternative war es die Station in einen höheren Orbit (geplant 455 x 574 km Höhe, 55° Inklination) zu starten. Diese Bahn wäre für 10 Jahre stabil gewesen. Skylab B sollte 1976 starten um die Lücke zwischen den damals noch etwas früher geplanten Space Shuttle Flügen nicht zu klein werden zu lassen. Es wäre also bis 1986 im Orbit geblieben. Genügend Zeit um es danach mit einem Shuttle zu besuchen und anzuheben. Entsprechende Rettungspläne gab es ja für die erste Station, nur kamen sie zu spät.

Entsprechende Pläne für eine Wiederverwendung von Skylab unter der Bezeichnung "Skylab Reuse Study" wurden ja für die NASA von Martin Marietta ausgearbeitet. Aber die NASA verzichtete darauf und so steht heute Skylab B im Smithsonian Museum. ich denke es ist bis zur Ausmusterung der Space Shuttles das wohl teuerste Exponat dort.

Dienstag 21.9.2010: Raumfahrträtsel 26

Ich dachte nicht das es so schwer ist. Aber wahrscheinlich haben wir nur Fans der unbemannten Raumfahrt hier. Der gesuchte ist Alan Bean. An Bord von Skylab war ein Fahrrad Ergometer und er hat einmal einen ganzen Orbit lang darauf trainiert. Bei der nominalen Höhe von 434 km sind das 42.757 km. Nun da Ergometer auch bei folgenden Missionen an Bordwar und Training Bestandteil des ISS Programms ist habe ich das noch mit einer zweiten Tatsache gekoppelt. Bean hatte mal die Idee zwei 500 Pfund Gewicht mit einer Stange zu verbinden und als Hantel anzuheben. Das ist in diesem Video über Freizeitaktivitäten der Skylab 3 Mission ab 0:35 zu sehen.

Bean war auch so ein Spaßvogel und nahm mit seiner Frau ein Band auf, das suggerierte sie wäre an Bord von Skylab und spielte es bei einer Passage der Bodenstation ab. Heute verdient er recht gut mit dem Malen von Apollobildern. Ein kleines Bild von 30 x 40 cm Größe kostet rund 40.000 $.

Bemannte Raumfahrt lebt von Bildern. Von den Hüpfern auf dem Mond. Dem Astronauten im freien All mit der MMU. Für mich sind die bedeutendsten die in dem obigen Video, dass ich erstmals sah als ich so 15 war. Durch das riesige Volumen von Skylab gab es eine Bewegungsfreiheit und damit die Möglichkeit für Kunststücke die es seitdem nicht mehr gibt. Das Innenvolumen der ISS ist zwar nominell größer, aber zum einen sind die Module viel kleiner und sie sind vollgestopft mit Ausrüstung. Von den 4,40 m Durchmessern von Kibo bleiben z.B. noch ein Gang von 2,2 m Breite übrig. Damit ist die Bewegungsfreiheit deutlich geringer.

 Was ist der Unterschied zwischen damals und heute? Ich finde die Bilder immer noch beeindruckend. Aber für einige Milliarden Dollar sollte mehr herausspringen als nur beeindruckende Bilder.

So das neue Raumfahrträtsel ist ergebnisoffen. Es gibt also nicht eine richtige Antwort. Ich möchte mal ein paar Antworten mehr. Es scheint ja hier so zu sein wie bei meinen Unterrichtseinheiten: Es melden sich immer die gleichen die es (meistens) wissen. Wie der Name "Raumfahrträtsel" andeutet geht es ums Raten. Dazu gehören eben auch Rateversuche. Da wir hier ja alle anonym sind (außer mir und Kevin), sollte das kein Problem sein.

Das heutige Rätsel: Was ist für euch die größte Raumfahrt-Panne oder Schlamperei und warum? Wie schon gesagt hier hängt es von den persönlichen Ansichten ab. Es dreht sich nicht um Schadenshöhe, sondern um den Faktor Vermeidbarkeit. Inspiration könnte ihr euch auf dieser Seite von mir holen. Aber vielleicht fallen euch ja noch weitere Beispiele ein. Mir selbst fallen auf Anhieb 2-3 Kandidaten ein aus denen ich wohl noch einen raussuchen muss. Daher auch die Bitte die Wahl kurz zu begründen.

Mittwoch 22.9.2010: Raumfahrträtsel 27

MCO

Ich hatte ja gehofft ein paar Antworten mehr beim letzten Rätsel zu bekommen, zumal es da eine, wie heißt es so schön auf neudeutsch, "ergebnisoffene" Frage gestellt habe. Entsprechend gibt es auch kein "Richtig" oder "Falsch". Es gibt natürlich viele Kriterien. Sei es die Leichtsinnigkeit, die Anzahl der vermeidbaren Toten oder die Voraussehbarkeit. Mein Beispiel ist der Mars Climate Orbiter. (MCO)

Die Raumsonde war die erste des Discovery Programmes, welches die Kosten deutlich senken und schneller Missionen möglich machen sollte. Projektdurchführung und Start verliefen problemlos. So auch der Flug zum Mars. Doch dort verstummte der MCO. Was war geschehen? Eine spätere Analyse zeigte, dass sich MCO bis auf 57 km an dem Mars näherte, weit unterhalb der Sicherheitsgrenze von 85 km, ab der die Reibungshitze den Orbiter beschädigen konnte. Geplant war eine Annäherung auf maximal 200 km.

Doch wie konnte in Zeiten, in denen man die Position von Raumsonden auf einige Hundert Meter genau bestimmen kann, der Orbiter so weit vom Kurs abkommen? Die Ursache war die Korrektur der Ausrichtung der Sonde. Regelmäßig müssen Kreisel entsättigt werden. Dazu werden dann die Düsen gezündet. Daneben bewirkte das eine große Solarpanel des MCO eine unsymmetrische Beschleunigung durch die Sonnenstrahlung. Diese Störeinflüsse wurden vom Hersteller der Sonde, Lockheed Martin vor dem Start berechnet und in Form von Tabellen für eine Software bereitgestellt. Diese Software lief dann beim JPL und ihre Ausgaben wurden benutzt um die Triebwerke zu zünden und auch deren Effekt auf die Bahn zu berechnen.

Die Software beim JPL rechnete in metrischen Einheiten. Die Tabellen von Lockheed in US-Einheiten. Die Ausgaben waren daher um den Faktor 4,45 zu hoch. So resultierte eine Kursabweichung die höher war als berechnet. Sie wurde auch von den Technikern bemerkt welche die Raumsonde überwachten und sie plädierten für eine erneute Kurskorrektur in letzter Minute. Aber die zusammengestrichene Missionsleitung war zu unerfahren und überlastet und konnte sich dazu nicht rechtzeitig entschließen.

Ich halte diesen Fehler deswegen für so blamabel, weil es nur eine Frage der Zeit war bis so etwas auftaucht. Es liegt am Einheitensystem. In Europa haben wir schon vor 200 Jahren eingesehen, dass man für Handel und überhaupt wirtschaftliche Zusammenarbeit ein einheitliches Einheitensystem braucht. In Zeiten einer Welt in der die Wirtschaft global ist, aber auch Menschen um die Erde reisen müssen Einheitensysteme global sein. Das ist bei SI System auch gegeben. Es gibt nur drei Nationen die es nicht einsetzen: Die USA, Liberia und Myramar (früher Burma). Während ich das für die letzten beiden erstehe sollte eigentlich die Wirtschaftsmacht USA den offensichtlichen Vorteil eines internationalen Einheitensystems für ihre Ökonomie sehen. Aber wie in anderen Gebieten meinen sie ja etwas besseres oder zumindest anderes als der Rest der Welt zu sein.

Nun können die USA ja gerne in ihrem System bleiben. Das dumme nur: Sie haben 1866 auch das SI System fakultativ eingeführt. Es ist dort nicht völlig unbekannt. Wer forscht benutzt auch dort das SI-System. Ich keine keine Aufsätze von Forschern in Fachzeitschriften die imperiale Einheiten benutzen. Ab einem bestimmten akademischen Niveau ist es also auch dort das "normale" Einheitensystem. So auch im JPL, einem der Vorzeigezentren der NASA. Man sollte nun meinen, dass Aerospacefirmen, die ja auch viel mit Hochtechnologie, Forschung zu tun haben und daher einen hohen Anteil an hochqualifiziertem Personal haben, auch das SI-System einsetzen. Aber dort sind die imperialen Einheiten gängig.

In der NASA gibt es wenn man Pressedokumente und Webseiten ansieht, einen recht bunten Mix. Das war schon früher so. Wie ich gerade an der etwa 20 bändigen Reihe über Skylab feststelle: Die TM-X64808-64826 Serie ist zeitgleich publiziert worden und auch zusammenhängend. Doch in einem Dokument gibt es nur metrische Einheiten. Ein anderen beide mit der anderen jeweils in klammern und in den meisten nur imperiale Einheiten.

So war es für mich eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis irgendwann ein Projekt scheitern musste weil irgendwo die Einheiten verwechselt wurden. Besonders blamabel finde ich dass die NASA als Regierungsbehörde nicht selbst durchgängig ein Einheitensystem (und wenn es das imperiale ist) einsetzt und das gleiche auch von ihren Zuliefereren fordert. Ansonsten gibt es ja auch zahllose Anforderungen hinsichtlich Dokumentation, Sicherheit und Qualitätsmanagement. Das die Behörde unfähig dazu war, wirft ein sehr schlechtes Licht auf die NASA.

Ach ja im Jahr 2005 hat die Regierung beschlossen, dass nun auch die NASA SI-Einheiten einsetzen soll:

www.goes-r.gov/procurement/flight_documents/NPD_8010_002E.pdf

Mehr zum MCO auf meiner Seite. So nun das nächste Rätsel. Was war der erste Satellit/Raumsonde etc. welcher nach Absolvierung seiner Primärmission einer völlig neuen, beim Start nicht absehbaren erneuten Verwendung zugeführt wurde?


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