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Web Log Teil 201: 25.11.2010 - 2.12.2010

Donnerstag den 25.11.2010: Ed Roberts

Ich habe nun parallel zu meinem Ernährungsbuch, weil ich mich doch damit in letzter Zeit verstärkt damit beschäftigt habe, nun angefangen am übernächsten Buch "Computergeschichte(n)" zu arbeiten. Ich fing also an bei den Anfängen - Ed Roberts und dem Altair 8800. Dabei habe ich festgestellt, das Ed Roberts am 1.4.2010 gestorben ist.

Diese Meldung ging zwar in Deutschland über den Heise Ticker, aber sie erschien nicht in der ct und ich vermute auch nicht in anderen Fachzeitschriften. Das ist nicht das erste Mal. Auch der Tod von Gary Kildall 1994 wurde nirgends gewürdigt. Ich finde das ziemlich traurig. Fachzeitschriften ist eine neue Chipsatzrevisioon von Intel mehrere Seiten Tests wert - von Boards die in ein paar Monaten nicht mehr erhältlich sind, aber die Personen, die diese Industrie erst begründet haben sind keine Zeile wert.

Das unterscheidet sich ziemlich von dem Bewusstsein, das echte Wissenschaften haben. In der Chemie wird das Andenken an Forscher gepflegt. Anekdoten bereichern die Vorlesungen. Vorlesungssäle wurden bei uns nach deutschen Chemikern benannt und Reaktionsformeln oder Typen werden nach Chemikern benannt. (wer sich mit Ethern beschäftigt sollte z.B. auf die Staudinger-Explosionen achten....).

Die Computerwissenschaft (sofern man sie überhaupt so nennen kann) hat ein Bewusstsein für Leistungen und Geschichte. Es ist eben keine echte Wissenschaft sondern nur Technik und in Technik gibt es keine herausragenden Persönlichkeiten. Im Gegenteil: Wer es weit gebracht hat wird meist kritisiert wie Bill Gates oder Steve Jobs.

Was ist das Verdienst von Ed Roberts? Um es kurz zu fassen - er erkannte, dass man um den 8080 Prozessor ein Computersystem bauen kann. Er entwickelte ein rudimentäres System, das er preiswert verkaufen konnte. Der niedrige Preis und das er der Erste war, das waren die Gründe für den Erfolg. Wäre er später auf den Markt getreten oder der zweite gewesen, wohl sicher heute vergessen gewesen.

Ich habe meinen Artikel über Ed Roberts und den Altair aktualisiert. Daher an dieser Stelle nur einige Punkte. Ed Roberts war der einzige mit einem Abschluss in Elektronik in seiner Firma. Das ergab zahlreiche Mängel im Design des Altairs. So mussten die Basisplatinen durch jeweils 100 Drähte verbunden werden. Die CPU Platine hatte bei den Steckern ein von den Steckern auf der Basisplatine abweichendes Raster (0,15 und 0,156 Zoll), Spannungen mussten jeweils auf den Karten von der Netzteilspannung generiert werden und und und...

Sie verzögerten die Auslieferung der ersten Altairs auf März 1975 und die ersten waren dann oft fehlerhaft und mussten repariert werden. Später hatte MITS Probleme bei den 4 KByte Speicherkarten die notwendig waren um die einzige kommerziell verfügbare Software einzusetzen - das Altair BASIC.

Sehr bald kamen daher Fremdhersteller auf den Plan. Sie boten funktionierende Speicherkarten an (Processor Technologies), Erweiterungskarten die MITS nicht anbot (Cromenco: "Dazzler" Karte für Grafik) oder bauten einen Clone, der mechanisch und elektrisch besser als der Altair 8800 war (IMSAI 8080). Letztere wurden durch die MITS Politik ja sogar dazu gedrängt - sie brauchten die Altairs als Terminal, aber Vorauskasse und 90 Tage Lieferzeit sind bei Geschäftskontakten nicht gerade üblich und sprechen für eine Firma die zuverlässig ist. Ed Roberts bezeichnete diese als Parasiten und Schmarotzer die von seiner Idee profitierten. Wie später andere Computerpioniere erkannte er nicht, dass im Endeffekt diese Vielfalt den Markt vergrößerte - schlussendlich war der Altair in der Grundausstattung ein Gerät nur für Elektroniknerds, die nicht davon zurückscheuten jedes Programm beim Start über 8 Binärschalter einzugeben. Ach ja ein Betriebssystem gab es nicht, nur die Ausgabe eines Bytes in binärer Form durch LED an der Frontblende. Erst durch die Erweiterungen war der Rechner für viel benutzbar.

Ed Roberts war kein Geschäftsmann. So bestand er darauf dass ein Händler nur Altairs verkaufen dürfte, keine Peripherie von Fremdherstellern oder Konkurrenzgeräte. So beschneidet man den Markt künstlich. Er konnte sich auch nicht von den Kits lösen, die MITS bisher produzierte und den eigentlich folgerichtigen Schritt zu einem vollwertigen Computer, also einem mit Tastatur, Monitoranschluss und Massenspeicher erfolgte nicht. Dieses Privileg kommt daher dem "Sol" von Processor Technologies. Stattdessen entwickelte er auch ein Kit auf Basis des MC 6800.

Das zeigte sich auch bei dem Vertreib von BASIC. Wie bekannt, programmierten Bill Gates und Paul Allen das BASIC für den Altair. Der Vertrag sah vor dass MITS das exklusive Recht für den Vertreib von BASIC hatte (wohlgemerkt BASIC und nicht nur für den Altair). Micro-Soft erhielt eine Beteiligung für jede verkaufte Kopie mit einer Kappung bei 180.000 $. Doch Micro-Soft wurde damit nicht glücklich. Bill Gates machte Softwarepiraterie durch den Homebrew Computerclub verantwortlich. Doch der Hauptverantwortliche war Ed Roberts und MITS. MITS konnte die 4 KByte Speicherkarten nicht zum Arbeiten bringen. Mit diesen wurde aber das BASIC vertrieben. Es kostete ohne die Karten mehr als mit Karte. Logisch dass dies erst recht die Piraterie förderte. Noch schlimmer: Es gab Anfragen anderer Firmen nach Lizenzen. Firmen die nicht in Konkurrenz zu MITS standen sondern z.B. das BASIC für größere Computer brauchten oder nur auf dem japanischen Markt ansässig waren. Roberts sah jedoch in jeder Firma die einen Computer herstellte als einen Konkurrenten und lizenzierte kein einziges BASIC.

Er erkannte bald, das BASIC das wichtigste Pfund war mit dem MITS wuchern konnte - es war die einzige vorhandene Anwendungssoftware und zugleich Betriebssystem (später gab es auch ein Disc BASIC). Er sprang rechtzeitig ab. im Mai 1977 verkaufte er MITS an Pertec, einen Hersteller von Speichergeräten. Pertec befand dass der Name "Altair" zu sehr nach Hobbyisten klänge und stellte die Produktion ein. Das bewog auch Gates und Allen, die trotz einiger Konflikte zögerten den Vertrag mit MITS zu lösen auch dagegen zu prozessieren. Sie gewannen - da MITS erwiesenermaßen eine Bestimmung "ihr möglichstes zu tun um BASIC zu verbreiten" verletzt hatten,

Der Rest ist Geschichte. Am 1.4.2010 starb Ed Roberts im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.

Freitag 26.11.2010: Der erste Clone

Im Dezember 1974 erschien der Altair 8800. Neben den vielen privaten Kunden interessierte sich auch eine Firma für den Rechner: IMS Inc. hatte den Auftrag für den Rechner "Hypercube" (ein Cluster aus 256 Intel 8080A) ein Terminal zu entwickeln und dabei schon ein Design auf Basis der Intel Entwicklungssysteme in Betracht gezogen. Da erschien der Altair 8800 und er war erheblich billiger (700 anstatt 10.000 Dollar). Also wandte sich IMS an MITS. Die Antwort war eine Lieferzeit von 90 Tagen und Vorauskasse. Das führte dazu, dass man selbst einen Computer entwickelte, aber den Bus des Altair übernahm, so konnte man wenn nötig die Karten des Altair einsetzen (da selbst die CPU auf einer Karte saß mussten die Karten ziemlich viel Eigenintelligenz haben.

Es zeigte sich auch, dass das Altair Design eine gravierende Schwächen hatte. Das Netzteil war z.B. zu schwach. Die Karten dürften niemals mehr als 500 mA ziehen, da sonst das Netzteil überfordert war. (Ein Grund warum MITS, als sie über Monate hinweg keine Karte mit dynamischen RAM zum Laufen brachten nicht einfach auf statisches RAM wechseln konnten war der zu hohe Stromverbrauch). Die Hauptplatine bestand beim Altair aus einzelnen Segmenten mit je vier Steckplätzen - klingt heute nach viel, aber praktisch jede Funktion belegte einen Steckplatz (das Grundsystem schon drei, mit Videoanschluss, Diskettenanschluss, Druckeranschluss und Tasturanschluss waren es 10 Steckplätze die belegt waren). Jeder der maximal 4 Platinen musste mit 100 Drähten mit der nächsten verbunden werden - von Hand!

Der Altair war miserabel elektrisch abgeschirmt (das führte dazu dass ein kleines Maschinenspracheprogramm den Radioempfang so stören konnte das er "Fool on the Hill" spielte - hier der Beweis:

So beschlossen IMS einen eigenen Computer zu entwickeln. Dabei verbesserten sie das Design. Der IMSAI 8080 hatte eine leistungsfähigere Stromversorgung, ein besser elektromagnetisch abgeschirmtes Gehäuse. Die Basisplatine hatte (je nach Ausführung) 6 bis 22 Stecker und bestand aus einem Teil und das Frontpanel war mit einem Stecker anstatt rund 70 Drähten angebracht. An der Frontplatte konnte man beide Geräte leicht unterscheiden. Sah der Altair aus wie ein Ausschnitt aus einem Raumschiff mit Kippschaltern, so sah der IMSAI aus wie ein Kassettenrecorder mit zu vielen Tasten. Die Schalter waren leichter zu bedienen, aber sahen "billig" aus.

Die ersten Geräte wurden im Dezember 1975 ausgeliefert, etwa acht8 Monate nach den ersten Altair 8800. Er kostete 439 Dollar als Kit und 621 Dollar fertiggestellt, war in etwa gleich teurer wie der Altair (439 / 695 Dollar)

Sehr bald begann Ed Roberts über IMSAI herzuziehen. Während anfangs noch von "Wettbewerbern" die Rede war, hieß es nun es seien Parasiten und Schmarotzer die von seinen Ideen profitieren und sie hätten seine Ideen gestohlen. Die Diskussion kam sogar noch 2004 in einem E-Mail Kontakt zwischen Ed Roberts und Joe Killian auf. Joe Killian, einer der Konstrukteure des IMSAI 8080, verwies darauf, dass der IMSAI 8080 zwar das Design des Frontpanels und den Bus des Altair 8800 übernommen hatte, aber es technisch beim Aufbau der Karten keine Ähnlichkeiten gäbe.

In der Tat fand IMSAI Lösungen die MITS nicht gelangen. So brachte MITS lange Zeit keine Karte mit dynamischen RAM zum Laufen (wie sich später zeigte war es mit dem 8089 Prozessor ohne Zusatzelektronik nicht möglich den nötigen Refreshzyklus sauber zu erzeugen). IMSAI bestückte ihre Karte einfach mit statischem RAM. Das ging weil das Netzteil mehr Strom lieferte. Sie war zudem billiger als die des Altair (139 zu 195 Dollar)

Durch den gleichen Bus konnten auch alle Zusatzkarten für den Altair verwendet werden. Da nur der Bus genormt war, besaß jede Karte ihre eigene Elektronik und teilte sich nur den Speicher mit dem Gerät. Da die Ausgabe auch auf einen Binärdump einer Speicherzelle beschränkt war, spielte die innerer Architektur auch keine Rolle, da jede Software praktisch Betriebssystem beinhalten musste,

IMSAI kündigte BASIC an, doch Roberts vergab keine Lizenz. In der Praxis kauften sich die Nutzer dann eine Karte oder Lizenz von MITS und kopierten das BASIC in kleinen Gruppen. Historisch von Bedeutung ist, dass der IMSAI 8080 der erste Rechner war, der mit CP/M lief. Das IMSDOS für den Betrieb von Disketten (es gab auch eine Version mit 5 MB Winchesterdrive) war eine frühe und stark angepasste Version von CP/M.

Zwischen 17.000 und 20.000 IMSAI 8080 wurden bis Mitte 1978 produziert. Wie viele Altair es gab, ist unbekannt. 1984 schrieb Ed Roberts noch von 10.000 Stück. 2004 waren es dann schon 40.000 Stück, obwohl die Produktion schon 1977 eingestellt wurde. Trotzdem ist der IMSAI wahrscheinlich vielen vertrauter: Auf einem IMSAI 8080 mit Akustikkoppler kontaktiert Matthew Broderick im Spielfilm "War Games" den Computer WOPR im NORAD. Damals (1983) war der Rechner schon total veraltet und auch nicht mehr verfügbar. Die Produzenten wollten damit einen Akzent setzen, weil sich ein Teenager sicher nicht die neueste Hardware leisten konnte (heute würden sie wohl noch Geld bekommen, wenn sie ein Apple Notebook zeigen würden, aber damals waren die Zeiten eben noch anders).

Samstag 27.11.2010: Promis und die Werbung

Vor einigen Wochen erschient bei VOX am Samstag eine 4 Stunden Dokumentation über Werbung. Das war ganz interessant. Zumindest kurzweilig. Ich möchte einen Punkt aufgreifen. Promis und die Werbung. Sie unterscheiden sich von normaler Werbung, weil der Prominente bekannt ist, man also die Werbung mit ihm identifiziert und er praktisch für die gemachte Aussage gerade steht. Das führt bei vielen zu heftigeren Reaktionen, so bei Manfred Krugs Telecom Werbung als die Aktie sehr bald im Kurs fiel. Auch ich reagiere empfindlicher, wenn Promis Werbung machen wie z.B. die Falschaussagen von Jörg Pilawa in der früheren Wurstwerbung einer Firma, die gerne mit Prozessen  droht wenn man sich über ihre Werbung äußert.

Aus einer anderen Sicht, die ja auch einige Promis äußerten, die Werbung machten, ist es ein Job: Man ist prominent und macht Werbung und wird dafür bezahlt. Genauso wie man für eine Moderation bezahlt wird. Models verdienen ja nur ihr Geld damit Werbung zu machen. Das ist sicher richtig. Anders könnten viele C-Promis wie Verona Pooth die ja eigentlich gar nichts können, nicht überleben. Ich denke es gibt aber zwei wichtige Dinge zu beachten. Das eine ist, das die Werbung zum Promi passen muss. Verona Pooth verdient ja ihr Geld mit Werbung. Während die Werbung für den Spinat und die Telefonhotline recht gut zu ihr passte als Dumpfbacke die nicht mal was gescheites kochen kann, und mangels Intelligenz zur Benutzung des Internets eine Auskunft anrufen muss, passt die derzeitige Werbung für Kick nicht zu ihr, denn sie läuft nun mal nicht in Billigklamotten rum. Auf der anderen Seite fand ich die Boris Becker Werbung "Bin ich schon drin?" nicht schlecht, denn von dem habe ich bisher auch nicht gehört, dass er technisch sehr geschickt ist. Vorausgesetzt - und das leitet zu Punkt zwei über, die Installation ist wirklich idiotensicher. (was idiotensicher wirklich bedeutet sollten Computer-erfahrene mal nachprüfen indem sie das ganze von absoluten Laien überprüfen lassen. Man möge da mal in Annett Louisans Lied "Mama will ins Netz" (eldier wegen der Copyrightrechte von Sony nicht als Video verfügbar) reinhören, das beschreibt die Erfahrungen recht gut.

Das zweite ist natürlich das die Glaubwürdigkeit der Werbung und des Promis. Ich möchte hier zwei Beispiele anbringen. Das eine ist Heide Klum und ihre Werbung für kalorienreiche Lebensmittel, namentlich McDonalds und Katjes. Wer seinen magersüchtigen Modells einbläut, sie müssten abnehmen und auf ihre Figur achten, der kann nicht gleichzeitig Werbung für kalorienreiches Essen machen. Oder eben Jörg Pilawas Werbung mit falschen Aussagen. Okay der Mensch gehört auch zu den Promis die nichts können. Schlussendlich sieht man ihn seit 20 Jahren nur als Moderator für Talkshows und Quiz Shows durch die Sender tingeln. Aber selbst er sollte wissen, das Wurst normalerweise weder Farbstoffe noch Gluten enthält. aber das kam wohl ins seinen Rätselfragen bisher nicht vor.

Es wäre interessant mal zu wissen ob es auch Werbung gab die von Promis abgelehnt wurde. Schließlich sieht man ja nur die umgesetzten Dinge.

Ich habe das mal auf mich bezogen.- Okay ich bin kein Promi, aber die Überlegung wird ja wohl ähnlich sein. Eine Menge von Dingen stehe ich indifferent gegenüber. Habe also keine explizite Meinung von dem Produkt oder stehe dafür oder dagegen. Da käme es auf die Werbung an und wie diese gemacht wird. Das zweite sind Produkte für die ich garantiert nie Werbung machen würde - die GEZ, Calgon, Fast Food in jeder Form, fällt mir spontan ein. Nur wenige Firmen haben mich bisher positiv überrascht - die lokale Computerkette Arlt und ALDI. Früher vielleicht auch Samsung, doch da mein letzter Samsung Monitor just nach Ende der einjährigen Garantie das zeitliche segnete, würde ich heute keine Werbung mehr für Samsung machen.

Montag 29.11.2010: Optimierung des Zeitplans der Marsmission

Ich habe mich ja schon in einigen Teilen mit einem theoretischen Marsprogramm beschäftigt. Das war nur ein möglicher Ansatz, doch egal welchen man nimmt - bei allen müssen große Gütermengen zum Mars transportiert werden. Es sind je nach Größe der Rakete und der Missionsauslegung mindestens 3 in den meisten Szenarien 4-5 einzelne Starts nötig.

Wer sich an die Apollo Flüge erinnert weiß, das zwischen diesen einige Monate lagen und damals wurde wirklich mit Hochdruck gearbeitet. Es waren Tausende alleine mit den Startvorbereitungen beschäftigt. Die NASA hatte für Apollo zwei Startrampen im Betrieb, die ein minimales Intervall von zwei Monaten zwischen zwei Saturn V Starts zuließen. Wäre Apollo 11 nicht gelandet, so sahen die Pläne Flüge im Zweimonatsabstand vor, bis die Landung gluckte (Apollo 12 war soweit in der Vorbereitung, dass es auch zwei Monate nach Apollo 11 startete).

Bei einem Flug zum Mars auf einer Hohmannbahn gibt es rund 4-6 Wochen in denen die Startenergie klein genug für die Nutzlast ist. Die Abbildung unten zeigt die Startengerie für das Startfenster 1969, relativ zur Sonne. Zur Erde kommt noch die Fluchtgeschwindigkeit hinzu.

Startfenster Mariner 6+7

Die Angaben für zwei Flugzeiten beziehen sich auf den Typ der Ellipse. Die optimale Bahn wäre eine Hohmann-Ellipse. Sie berührt die Marsbahn und die Erdbahn. Sie weist die niedrigste Energie auf. Nur ist sie selten möglich. So haben Erde und Mars unterschiedliche Bahnneigungen. So kann sich der Mars oberhalb oder unterhalb der Bahnebene der Erdbahn liegen. Dann muss das Raumfahrzeug während des Fluges die Bahnneigung angleichen, was Treibstoff verbraucht oder es wird eine größere Ellipse genommen, die die Marsbahn in zwei Punkten schneidet. Der eine liegt vor dem Punkt wo eine Hohmann Ellipse die Marsbahn berührt. Dies ist vor dem Erreichen des sonnenfernsten Punktes der Ellipse (dem Aphel) Der zweite Punkt liegt dahinter, Er wird erreicht, wenn das Aphel durchlaufen wird. Diese beiden Übergänge werden "Typ I" (davor) und "Typ II" genannt. Dafür wurden die beiden Kurven gezeichnet. Da der Punkt vor oder nach dem Punkt ist, wo eine Hohmann Bahn die Marsbahn berührt, kann durch Variation der Ellipse er dorthin gerückt werden wo die Marsbahn den geringsten Abstand zur Erdbahn (in der Ekliptik) hat.

Die folgende Tabelle enthält einige Daten für Ellipsen. Für einen konkreten Fall ist natürlich die genaue Bahn relevant. Da Erde und Mars sich auf elliptischen Umlaufbahnen befinden (insbesondere die Marsbahn sehr elliptisch ist, mit einer Entfernung von 206 bis 249 Millionen km von der Sonne) gibt es nicht "die" Transferbahn. Die folgende Berechnung geht von einer mittleren Entfernung der Erde von 149,6 Mill km bei der Erde, 228 Mill. Km beim Mars und einer Parkbahn von 200 km Höhe bei der Erde aus.

Sonnenfenster Punkt Δv Solar v Erde->Mars Reisezeit 1 Reisezeit 2
228 Mill km 2947 m/s 11.404 m/s 259 d 259 d
240 Mill. km 3276 m/s 11.494 m/s 194 d 350 d
250 Mill. km 3533 m/s 11.570 m/s 175 d 387 d
260 Mill. km 3776 m/s 11.646 m/s 164 d 421 d
270 Mill. km 4005 m/s 11.723 m/s 155 d 452 d

Es gibt, wenn man die obige Grafik ansieht, nun schon Möglichkeiten ein Startfenster (wenn die erreichbare Geschwindigkeit der Rakete beschränkt ist) auszuweiten. Das optimale Startdatum für eine kurze Bahn ist nicht das gleiche wie für eine lange Bahn. Das eine liegt um den 25.2. und das zweite beim 5.4. wobei sich aber die Geschwindigkeit kaum ändert. Wer die Starttermine von Raumsonden in den letzten Startfenstern ansieht sieht auch diese Schwankungen: 2003 startete z.B. Mars Express am 2.6. und Opportunity am 8.7.2003 und 1996 war die erste Raumsonde des Trios MGS am 7.11.1996 und die letzte Mars-96 am 4.12.1996. Trotzdem dürfte es problematisch sein, mehrere Starts einer Großrakete innerhalb von 4 Wochen durchzuführen, auch wenn es mehrere Startrampen gibt. Das Space Shuttle schafft heute keine zwei Starts im Monatsabstand und es muss anders als Großraketen nicht integriert werden.

Die Situation wird dadurch entschärft, dass schon aus Sicherheitsgründen Teile vorher gestartet werden - ein Startfenster vor der bemannten Mission. so hat man 770 Tage Zeit die Ausrüstung zu prüfen und in Betrieb zu nehmen. Trotzdem wird man dankbar sein für Alternativen. Und dies gibt es.

Die Bahn zum Mars ist konstant, sie wird auch durchlaufen, wenn der Mars gar nicht am richtigen Ort ist. Das eröffnet neue Möglichkeiten. So kann man die Ausrüstung so starten dass sie einen Extra-umlauf um die Sonne absolviert und erst dann beim Mars ankommt. Bei Hohmann Ellipsen ist das je nach Entfernung 476 bis 562 Tage vor dem normalen Starttermin. Das eröffnet nochmals ein Startfenster, dass zwischen dem der letzten Opposition und der nächsten Opposition liegt. Selbst wenn pro Startfenster also nur ein Start erfolgt, sind so schon drei möglich. Ein weiterer Umlauf um die Sonne ergibt ein weiteres Startfenster 952 bis 1124 Tage vorher.

Das klingt lang, doch wird bei einer Marsexpedition, deren Vorbereitung sich über mehr ein Jahrzehnt hinzieht, ein Jahr mehr oder weniger ausmachen. Weiterhin ist heute die Hardware für Betriebszeiten von mehr als einem Jahrzehnt ausgelegt, sodass ein Jahr mehr oder weniger nichts ausmacht, wenn demgegenüber große Einsparungen im Bodensegment stehen.

Weitere Möglichkeiten ergeben sich durch Parkbahnen um die Sonne. Ein Fly-By an der Erde liefert rund 3-4 km/s an Geschwindigkeit. Genausoviel wie man für eine Marstransferbahn benötigt. Eine weitere Möglichkeit ist daher die Sonde auf eine Sonnenumlaufbahn zu schicken, die eine Umlaufszeit von einem Jahr hat. Nach einem Jahr kommt sie an der Erde vorbei, holt Schwung und fliegt zum Mars. Das ergibt ein Startfenster genau 1 Jahr vor dem normalen. Eine solche Vorgehensweise gab es z.B. bei der Raumsonde Messenger die am 3.8.2004 startete und am 3.8.2005 also nach genau einem Jahr die Erde passierte um Schwung zur Venus aufzunehmen.

Mit zwei zusätzlichen Startfenstern (ein Jahr und zwei Jahre vor dem optimalen) würde man in einem Zweijahreszeitraum so mindestens fünf Startmöglichkeiten haben mit Abständen von mindestens 60 Tagen zwischen den Starts. Das dürfte logistisch möglich sein und ermöglicht so den Flug zum Mars.

Bevor wieder die Fragen in den Kommentaren kommen: Das Parken im Erdorbit ist auch möglich, aber aufwendiger. Entweder müssen Stufen mit flüssigen Treibstoffen (die wahrscheinlich kryogen sein werden) über Monate kühl gehalten werden, was bisher noch nicht Stand der Technik ist, oder man parkt in elliptischen Erdumlaufbahnen nahe der Fluchtgeschwindigkeit, braucht dann aber kurz vor dem Start immer noch eine Kickstufe, die dann automatisch ankoppeln muss. Auch das ist möglich, aber eben deutlich aufwendiger als die einfache Ausnutzung der Himmelsmechanik.

Montag 29.11.2010: Auflösung Computerrätsel 12

Tja nun ist es doch auf Anhieb richtig geraten worden. auf der einen Seite erratet ihr nicht den IMSAI 8080, aber eine S-100 Karte für einen IMSAI 80achtzigerkennt ihr auf Anhieb. komisches Völkchen meine Blogleser - lauter Profis die leider viel zu wenige Gastbeiträge schreiben und damit auch andere von ihrem Profiwissen teilnehmen lassen. Immerhin rafft sich ja Alexander auf. Morgen gibt es einen neuen Gastbeitrag von ihm.

Es war eine Karte mit phänomenalen 8 KByte RAM, gespeichert auf 64 Chips des Typs 2102, also statischen RAM's mit jeweils 2048 Bit. Ich bin drauf gekommen als ich für mein Buch recherchierte. MITS hatte enorme Probleme die ersten Speicherkarten fertigzustellen. Sie wollten Karten mit 4 KByte dynamischen RAM veröffentlichen, doch viele funktionierten, nicht obwohl sie mehrmals den Hersteller der Chips wechselten. Was so genau schief lief habe ich nicht rausbekommen. Doch der 8080 Prozessor hatte, das ist bekannt Probleme den Refresh von dynamischen RAM's zu erzeugen. Später brachte Intel die beiden Bausteine 8224 und 8228 heraus, die das Problem lösten. Sie fanden sich auf der "B" Version des Altair 8800, die mit dynamischen RAM's funktionierte.

Doch andere Hersteller waren schneller und Prozessor Technologies brachte vor MIS eine Speicherkarte mit 4 KByte statischem RAM heraus - etwas teurer, aber sie funktionierte. So gab es als Verkaufsargument für die Karte von MITS nur das BASIC das es mit Karte für 60 Dollar gab, ohne dagegen kostete es 200.  (Mit Sicherheit bei 3,2 KByte Größe, also rund 1.600 Zeilen, die teuerste Software im Consumerbereich die es je gab). Ed Roberts hielt nichts von Konkurrenten und sprach von "Parasiten", "Schmarotzern" und 2004 noch von "Dieben". Doch der mit dem Altair eingeführte Bus mit genau 100 Pins, denn dann zahlreiche 8080 und Z80 Systeme übernahmen ermöglichte etwas was auch noch einige Jahre später bei Heimcomputern noch nicht selbstverständlich war: Man konnte eine Karte mit einem S-100 Bus Anschluss kaufen und einfach in seinem System einsetzen!

Ich meinte jemand hätte auch ohne Kenntnis der Karte in die Nähe der Speichergröße kommen können. Das Design der Karte, der Bus mit viel weniger Pins als heute üblich, vor allem aber die Anzahl der Pins pro Chip gaben Hinweise, die man zur Recherche nutzen könnte.

Donnerstag 2.12.2010: Ein Jahr Windows 7

Alexander hat ja enorm viele Zuschriften bekommen. Er führt das auf seinen "hochgradig (grenzwertig) polarisierenden Schreibstil" zurück. Das kann sein. Es kann auch sein, das es schlicht und einfach am Thema liegt. Es ist etwas, wo jeder was hinzu sagen kann. Egal ob er nun mit den Tastaturen wie sie heute sind einverstanden ist, oder nicht und wenn dann gibt es sicher hunderte von Meinungen zu dem Thema.

Das bringt mich zu einem Thema. Ich habe ja schon öfters hier verlauten lassen, dass ich gerne mehr Gastblogs hätte. In den Bemerkungen zu den Gastblogs aber auch Antworten höre ich immer wieder raus, dass man erst einen Blog schreiben müsste, der dem Publikum würdig ist. Es ist ja eine Tatsache, dass sich leider immer nur die gleichen in den Kommentaren melden, die einen sehr hohen Anspruch an den Blog stellen. Vielleicht ist das eine Anregung für neue Themen. Je allgemeiner desto besser. Oder sucht euch ein Thema aus, von dem keiner der Dauerkommentierer was versteht. So werden sicher noch einige Chemie Blogs folgen, denn da ist die Vorbildung gleich Null.

Ich trete in die gleichen Fußstapfen und will mal von dem ersten Jahr Windows 7 berichten. Es ist eigentlich nicht so viel, weil ich Gewohnheitsnutzer bin, das heißt ich schaue nicht nach neuen Funktionen und wahrscheinlich nutze ich nur einen Bruchteil aus. Die veränderte Taskleiste ist ganz praktisch. Häufig benötigte Programme kann man dort ablegen und starten. Die Suchfunktion ist auch ganz praktisch: Dokumente die man aufnehmen will (bzw. in den Index) fügt man einfach zu den Bibliotheken hinzu. Das ist auch ein guter Punkt um auf die Ordner schnell zugreifen zu können, nachdem eine Erweiterung die ich für Windows XP dafür verwandte nicht mehr funktioniert.

Das Arbeiten unter Benutzerrechten ist sehr praktisch und stört auch nicht bei der täglichen Arbeit. Es ist vor allem meistens transparent, das heißt man kann den Zusammenhang mit einer Aktion (Start eines Installationsprogrammes) herstellen und es ist auch nur eine Nachfrage.

Die Startzeiten sind auch schneller als unter XP, vor allem bei der Reaktivierung aus dem Ruhezustand. Was mir auch positiv auffiel ist eine Art Selbstheilung. Am Anfang gab es ab und an mal die Meldung der Grafiktreiber sei abgestürzt und werde neu gestartet und mein Programm "Schnellstarter" das beim Bootvorgang gestartet wird blieb auch ab und an hängen. Das verschwand obwohl ich nichts änderte nach einiger Zeit.

Das zum positiven. Die meisten wird wohl interessieren wie stabil Windows 7 ist. Verglichen mit XP kann ich keine Unterschiede im Betrieb feststellen, aber es gibt zwei Einschränkungen. Sehr häufig sind ChkDsk Läufe beim Booten, die dann aber doch keine Fehler finden. Das ist sehr lästig weil sie signifikant länger dauern als bei Windows XP (so etwa eine halbe bis eine Stunde bei 60 GB auf der C: Partition). Ich führte das zuerst auf VirtualBox zurück das ich nutzte um zwei Programme zu betreiben, die so nicht unter XP funktionierten. Aber auch wenn es danach häufiger auftrat kann das nicht die Ursache sein. Inzwischen brauche ich Virtualbox nicht mehr - wenn man Delphi 2006 ein zweites Mal installiert dann funktioniert es und für das zweite Programm (Picture Publisher) fand ich eine Version die im XP Modus arbeitet.

Vor allem aber hat sich die Sache mit dem Ruhemodus verschlimmbessert. Windows 7 arbeitet standardmäßig im "hybriden Ruhemodus". Erkennbar an der Schaltfläche "Energie sparen". Schickt man den Computer in diesen Zustand, dann speichert er die Daten auf die Festplatte und behält sie im Arbeitsspeicher während alles andere abgeschaltet wird. Das Aufwachen aus dem Zustand geht auch recht schnell. Aber wehe wenn man aus versehen dann den Rechner abschaltet. Dann dauert das Booten ewig lang. Schaltet man den Rechner auf den alten Ruhezustand zurück "Suspend to Disk", dann klappt das Aufwachen einmal, manchmal auch zweimal, aber sehr oft streiken alle Programme nach dem Aufwachen. Das ganze ist also nicht besonders gut durchdacht. Nach einigen Monaten habe ich daher den Rechner wieder auf den hybriden Modus zurückgeschaltet.

Das ist mein Erfahrungsbericht. Sicher gäbe es noch mehr zu schreiben, aber wie schon gesagt ich bin Gewohnheitsnutzer und vieles neue habe ich wohl noch gar nicht ausprobiert. Manches ist auch ne nette Spielerei, wie das Wechseln mit Windows-Taste+Tab, das es ja schon seit Vista gab. Einmal probiert und verworfen.


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