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Web Log Teil 206: 24.12.2010 - 29.12.2010

24.12.2010: Weihnachtsessen

Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber bei uns ist es Tradition gewesen, dass es am 24.sten Mittags recht wenig zum Essen gab. Typerischweise nur eine Suppe und dann abends ... nein nicht das große Schlemmeressen, sondern auch etwas einfaches. Meistens Würstchen mit Kartoffelsalat oder Maultaschen mit Kartoffelsalat (meine Mutter liebt Kartoffelsalat). Das soll wohl daran erinnern, das Jesus in einem Stall geboren wurden und Maria und Josef wohl auch nicht viel zum Essen gehabt haben. Das es dann an den beiden folgenden Tagen üppigeres Essen gab müssen wir wohl den Heilligen drei Königen verdanken.

Dabei war es auch bei uns recht konventionell. Es gibt dann meistens ein gutes Essen, dass man aber auch Sonntags essen könnte. Also an einem Tag meistens einen Braten (Rinder- Schweine, Sauerbraten) mit Spätzle und am anderen koche ich was dann auf Kurzgebratenes rausläuft wie Rostbraten oder Schweinelendchen in Sahnesoße. Es gibt bei uns weder Hase, noch Gans noch Reh. Bei Geflügel sind meine Mutter und ich uns einig. Wir lehnen es beide ab. Bei mir ist es der Grundsatz, dass ich keine Tiere esse die kleiner sind als ich. Ich sehe es nicht ein, dass für eine oder wenige Mahlzeit von mir ein Tier sterben muss. also keine Hasen, Geflügel, Rehe, Lämmer. Bei meiner Mutter ist es ein Trauma, weil sie als Kind immer die Hühner halten musste, wenn ihnen der Kopf abgehackt wurde. Hase und Reh würde sie wohl gerne essen, aber für eine Person machen lohnt nicht.

Ich weiß das es bei vielen Familien anders ist und es da einen Festtagsbraten gibt, überhaupt Weihnachten recht viel gegessen wird. Bei mir ist nun eine Sättigung eingetreten. Gestern habe ich mir Chips gekauft. Genug vom Spritzgebackenen und Lebkuchen. Es ist einfach zu lange. Es gibt ja das Zeugs schon Ende September im Supermarkt. Bei uns hat sich als freiwillige Übereinkunft eingebürgert, dass die ganzen Lichter im Handel erst nach dem ersten Advent aufgezogen werden. Warum nicht auch eine solche Übereinkunft bei dem Weihnachtsartikeln? Das sind dann 4 Wochen und man freut sich auch viel mehr auf die Plätzchen zu Weihnachten.

Vielleicht wäre es auch eine gute Idee die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr für eine kleine Diät oder einfach etwas weniger zu nutzen.

Dieses Weihnachten bin ich ja alleine. Heute gab es Pizza, morgen und übermorgen dann Rostbraten mit Gemüse und Brot/Rösti. Es sieht ja so aus als wäre dieses Weihnachten mal wieder weis. Zumindest habe ich heute schon dreimal Schnee geschippt. Ich bin da der einzige in der Straße, aber das ist bei den Feiertagen ja auch verzeihlich.

Und was gibt es bei euch so alles zum Essen?

25.12.2010: Ansichten als Autor

Ich habe mir kürzlich Mission; Mars von Dirk Lorenzen gekauft. Das Buch ist schon ein paar Jahre alt und es war runter gesetzt. Es ist seit einigen Jahren das erste deutschsprachige Buch über ein allgemeines Raumfahrtthema, fast alles was ich sonst in den letzten Jahren gekauft habe war englischsprachig. Mir fiel beim Durchlesen auf, wie sich die Einstellung zu Büchern geändert hat, seit ich selbst welche publiziere. Als erstes das Aussehen: Das Buch ist als Hardcover erschienen, fast jede Seite enthält Farbfotos und es ist im Großformat - da merkt man dass es von einem größeren Verlag kommt, denn selbst für den Originalpreis wäre das bei BOD nicht möglich gewesen. Bei 100 Farbseiten hätte ich da 52 Euro verlangen müssen nur um kostendeckend zu sein. Das Buch hat mal 14.95 gekostet, in dem Preisbereich kann ich maximal Paperback, Kleinformat S/W publizieren.

Die nächste Sicht die es gibt ist die Arbeit die drin steckt. Das Buch besteht vor allem aus Bildern. Bilder sind toll, vor allem Marsbilder machen natürlich viel Eindruck. Es gibt viele Fotos und künstlerische Darstellungen, aber kaum Diagramme und Zeichnungen. Die letzteren aufzustöbern macht meiner Erfahrung nach am meisten Arbeit. Fotos einzubinden dagegen recht wenig, zumal es sie auch viel eher in hochauflösender Form gibt. Ich bin hier ein atypischer Käufer. Ich weiss das gerade im Bereich Raumfahrt Bücher mit vielen Bildern sehr gute Kritiken erhalten, gut verkauft werden (wie z.B. "Full Moon") und man auch den meist hohen Preis für Hochglanzseiten gerne zahlt. Also der Bedarf und die Nachfrage ist da. Ich achte dagegen mehr auf Informationen und denke Bilder sollten den Text ergänzen und halte es auch bei meinen Büchern so.

Für einen Autor sind Bilder deswegen vorteilhaft weil sie viel Platz wegnehmen und wenig Arbeit bedeuten. Den Textanteil in "Mission Mars" würde ich auf etwa ein Drittel schätzen. Bei meinem letzten Buch lag er dagegen bei 80%. Das bedeutet für den Autor mehr Seiten pro Arbeitswoche. Dazu kommt noch eine relativ große Schrift bei der Einführung in Kapitel.

Doch am wichtigsten ist der Inhalt. Hier unterscheiden sich Lorenzen und ich doch sehr. Das sprachliche Talent das er hat fehlt mir, also das Buch ist in einer lebhafteren, phantasievollen Sprache geschrieben. Es wendet sich auch an eine andere Zielgruppe, nämlich diejenigen die wenig von Raumfahrt verstehen und ist so ein typisches "Erstkontakt"-Buch. Neben dem viel größeren Interessentenkreis hat das noch einen zweiten Vorteil: Man kann weniger Fehler machen. Wenn man Technik im Detail beschriebt, macht man zwangsläufig viele konkrete Angaben. Leicht können sich Fehler einschleichen indem man veraltete Quellen hat, Fachartikel nicht richtig verstanden oder einfach das eigene Basiswissen an Grenzen stößt und Erklärungen die man macht nicht richtig sind. Das ist bei einem Buch das sich an Einsteiger wendet nicht so, im Prinzip kann man hier auch wiedergeben, was zig andere Autoren über Marsmissionen schon geschrieben haben. Trotzdem habe ich natürlich gleich auf den ersten Seiten einen Fehler entdeckt - Mars Express beschleunigt beim Einschwenken in einen Marsorbit nicht, sondern er wird langsamer - das gilt auch wenn man das Manöver von der Sonne aus sieht wie der Autor.

Das ideale Buch ist schwer zu machen. Als ich an mein Buch über europäische Trägerraketen ging wurde mir auch abgeraten mit mehreren Argumenten. Neben dem kleinen Markt wäre es auch die Schwierigkeit an Informationen heranzukommen die nur Insider haben. Das ist das grundsätzliche Problem bei weiterführenden Büchern. Selbst weer sich für die Materie interessiert wie ich oder andere Raumfahrtautoren: man ist doch nie direkt an der Mission beteiligt und die öffentlichen Informationen sind auch an die Allgemeinheit gerichtet. Die fruchtbarste Zusammenarbeit ergibt sich wenn ein Projektwissenschaftler mit einem guten Autor zusammenarbeitet. Dann kombinieren sich Wissen und sprachliches Können. Ich habe eine Reihe solcher Bücher, aber sie sind leider sehr selten. Warum? Schwer zu sagen. Wahrscheinlich fehlt die Zeit. Wir beobachten ja schon bei den Webseiten über Missionen, das in Europa und Deutschland da nicht viel getan wird. Wie viel mehr Arbeit macht dann ein ganzes buch, das noch weniger Leute erreicht. Daneben gibt es auch nicht gerade so viele Wissenschaftsjournalisten in Deutschland. (Mir fallen gerade mal vier ein).

Passend dazu bekam ich von BOD die Nachricht, dass sie eines meines Bücher kostenlos als ebook im Apple Bookstore veröffentlichen. Übrigens auch Kevins Buch über einen Stratosphärenballon. Die Wahl kann ich aber nicht nachvollziehen: Es ist das Buch über die Black Arrow und Diamant. Wenn ich selbst hätte wählen dürfen, dann hätte ich sicher das am meisten verkaufteste also "Was ist drin" gewählt. Warum verstehe ich nicht, vielleicht weil es das mit den wenigsten Seiten (88) ist. Mal sehen wie sich das entwickelt. Die Marge ist geringer als bei der Druck (1,36 zu 1,77 Euro), aber auch der Verkaufspreis (6,49 zu 7,90 Euro). Wobei ich hier mehr Preisabschlag bei gleicher Marge für möglich gehalten hätte. Schließlich fällt der ganze Druck weg und der Versand auch. Bei der geringeren Marge hätte ich die Hälfte des Preises der Printausgabe für gerechtfertigt gehalten.

Wenn jemand ein ipad hat und sich das Buch zulegt möge er mich mal informieren, wie es sich denn so macht.

25.12.2010: Geschenke

Bestimmt hat es beim einen oder anderen gestern große Bescherung gegeben oder zumindest ein Geschenk von dem/der Liebsten. Bei mir ist das recht einfach. Ich bin Single und alle Patenkinder sind längst volljährig. Also ich werde nichts geschenkt bekommen. Mit meiner Mutter gibt es die "Wir schenken uns nichts" Vereinbarung, die ich aber wie jedes Jahr ignoriert habe. Da sie über Weihnachten im Urlaub ist werde ich erst am Dienstag erfahren wie ihr die Perlenkette gefällt.

Irgendwie gehören Geschenke für mich zu Weihnachten. Genauer gesagt, das beschenkt werden oder die Spannung was man geschenkt bekommt. Daher ist es nicht das gleiche wenn man sich zu Weihnachten was gönnt oder sich selbst beschenkt (ich habe mir eine Espresso Maschine angeschafft).

Ich dachte mir das wäre doch eine Geschäftsidee, denn es gibt doch in der heutigen Gesellschaft eine Menge Singles. Eine Firma bekommt eine Liste von gewünschten Geschenken, die Kontoverbindung und einen Höchstbetrag (wenn es zum Beispiel mehrere kleine Wünsche sind). Nun werden mehrere Wünsche rausgesucht, am besten einfach durch Zufall und der Höchstbetrag abgebucht. Die Firma ordert die Geschenke und sendet die Geschenke gesammelt zum 24.sten zu. Danach wird die Differenz zum Höchstbetrag (nach Weihnachten zurückgebucht) - minus einer Bearbeitungsgebühr. Eventuell ist das ganze auch umsonst zu machen wenn es einen größeren Umsatz erreicht, weil dann die Firma Rabatte bei den Firmen eingeräumt bekommt.

Versandfirmen wie Neckarmann oder Amazon, die fast alles anbieten, können das noch einfacher machen. Bei Kunden, die schon bekannt sind können sie den Betrag erst nach Weihnachten abbuchen und so entfällt das Procedere mit dem Höchstbetrag und Vorauskasse. Sie müssten nur dafür sorgen, dass alle Sendungen zusammen auf die Reise gehen und vielleicht als Geschenk verpackt werden. Eigentlich wundere ich mich, warum noch niemand auf so was gekommen ist, da ich denke dass es dafür einen Bedarf geben könnte. Wichtig wäre nur, das es wirklich überraschend ist, also nicht einfach der teuerste Artikel genommen wird oder die ersten drei auf der Liste.

Was gibt es sonst noch? Es gibt ja einige Blogleser im Ausland. Also ich weiß von den USA, Australien, Spanien und Japan. Mich würde mal interessieren wie dort Weihnachten gefeiert wird, wie festlich wichtig es ist. Geht man zur Kirche, wie ist das öffentliche Leben? Haben die Läden geschlossen oder hat das Geld die Religion ersetzt? Ich glaube damit dass es schon am 24.sten losgeht stehen wir in Deutschland so ziemlich alleine. Auch den Weihnachtsbaum haben wir exportiert - bis nach dem ersten Weltkrieg war der woanders unbekannt. Doch wie wird woanders gefeiert?

26.12.2010: NEO's die große Gefahr?

Ich lass kürzlich diesen Artikel bei Space.com über eine Mission um NEO's zu erfassen. NEO's sind Near Earth Objects, also Asteroiden (oder Planetoiden) welche sich nahe der Erdbahn befinden. Es ist unbestritten, dass ab und an einer dieser auf der Erde einschlägt (siehe auch mein Artikel über Amargeddon). Nach einer Theorie, die Aussterbewellen in einen zeitlichen Zusammenhang bringt von den Entdeckern des Chicxulub Kraters, schlägt ein besonders großer Brocken alle 26 Millionen Jahre bei uns ein. Da haben wir aber noch einige Millionen Jahre Zeit bis der nächste ansteht.

Was ist nun von der Mission zu halten? Ich meine nichts. Ich möchte mal die Suche nach NEO's als ein Ziel annehmen, das erstrebenswert ist. Darüber könnte man debattieren, da es bis heute keine Pläne zur Abwehr gibt. Immerhin wäre eine Warnung und Evakuierung möglich. Doch benötigt man dazu eine Raumsonde? Die postulierte Raumsonde soll 638 Millionen Dollar kosten und in einen Orbit innerhalb des Erdorbits in der Nähe zur Venus gelangen.

Als Vorteil wird angegeben, dass ein irdisches Teleskop nur einen Teil der NEO's finden kann. Natürlich kann jedes erdgebundene Teleskop nur den Nachthimmel untersuchen, das ist die helle,blaue Zone in der Abbildung. Objekte die nahe der Sonne sind sieht man nie, sie befinden sich auf dem Taghimmel. Das ist die orangene Zone.

Das Raumfahrtzeug könnte aus seinem Orbit der eine andere Umlaufszeit als die Erde hat diese Objekte erfassen, so wird postuliert. Nur: Die Objekte sind nicht statisch dort. Sie bewegen sich um die Sonne und auch die Erde. So haben nach 180 Tagen die blaue und orangene Zone ihre Positionen vertauscht. Es entgehen natürlich eine Reihe von Objekten und zwar diejenigen die eine Umlaufszeit von einem Jahr haben, da sie sich synchron mit der Erde bewegen. Doch aus demselben Grund würden sie auch nie der Erde nahe kommen.

Die NASA hat nun die Aufgabe bekommen bis 2020 alle NEO's bis 140 m Durchmesser zu finden. (Ein 140 m Asteroid aus Stein hinterlässt einen Einschlagskrater von etwa 1,5 bis 3 km Durchmesser, "bis" ist gemeint: alle größeren Objekte). Daher postuliert sie eine Raumsonde. Das ist aber der falsche Weg. Wenn die NASA den Auftrag bekäme die Meere zu erforschen, würde sie auch einen Satelliten bauen anstatt U-Boote. Sinnvoller ist es sicher, mehr Teleskope auf der Erde zu bauen. Das Grundproblem eines NEO ist dass er sich schnell am Himmel bewegt wenn er nahe der Erde ist und sehr leuchtschwach wenn er weit von der Erde entfernt ist. Suchteleskope müssen daher große Teile des Himmels absuchen. Das erfolgte, bevor man es systematisch tat, mit mittelgroßen Teleskopen der 1-2 m Klasse, die zu klein für die normale astronomische Forschung waren. Der nächste Schritt waren dann spezialisierte 2 m Teleskope, kombiniert zu einem Array. Und das letzte ist wohl das LSST. Es ist ein 8 m Teleskop mit einer sehr großen Kamera (64 cm Durchmesser, 3,2 GPixel) und einer kurzen Brennweite wofür es sich auch zur NEO Suche eignet, aber auch zur suche nach anderen kurzfristigen Phänomenen wie Nova, Sternen mit Helligkeitsschwankungen etc. Was der richtige Weg ist ist umstritten. Viele kleinere Teleskope entdecken viel eher Körper, da sie einen größeren Teil des Himmels absuchen können und vor allem ganz kleine Brocken, die man heute erst wenige Tage vor der nächsten Annäherung entdeckt nicht entgehen würden. Für die systematische suche nach größeren Brocken, die aber weiter von der Erde entfernt sind, eignen sich wohl eher wenige große Teleskope.

Das LSST kostet 400 Millionen Dollar, weitaus weniger als die Raumsonde. Es hat einen 8 m Spiegel während man bei einer Raumsonde wohl mit einem von unter 1 m rechnen muss und es ist nach ein paar Jahren nicht nutzlos sondern kann laufend mit neuen Instrumenten ausgestattet werden. Die Investition ist also viel sinnvoller. Noch extremer sieht die Rechnung aus, wenn man anstatt einem Satelliten viele 1 m Teleskope betreibt - ein 1 m Teleskop nennen inzwischen schon viele Sternwarten ihr Eigen und die Investitionskosten liegen bei etwa 1 - 2 Millionen Dollar. Man würde also Hunderte dieser Instrumente anstatt einem Satelliten erhalten, was sicherlich für das Ziel alle NEO's zu finden. Der beste Weg wäre wohl eine NASA Beteiligung an mehreren der 8 m Teleskope, die vorrangig die NEO suchen, bis man statistisch sicher ist, dass man die meisten hat und das danach für andere Forschungen zur Verfügung steht. Davon haben dann alle was - NASA und die Astronomie.

27.12.2010: Wie viele Träger brauchen die USA?

Starts der USA pro JahrDas hier von mir erstellte Diagramm führt die Anzahl aller Starts von US-firmen produzierten Träger auf (auch für zahlende Kunden und internationale Nutzlasten). Deutlich wird, dass es starke Schwankungen gibt. Es gab das Reagan Tief und wir kommen gerade langsam aus dem Bush Tief raus. Aber deutlich ist auch, dass wir heute nur ein Drittel der Starts durchführen, die Mitte der sechziger Jahre erfolgten.

Erstaunlicherweise gab es damals nur fünf Träger:

Dabei wäre die letzte auch durch die Titan ersetzbar, was auch eine Zeitlang vom Hersteller vorgeschlagen und zumindest für militärische bemannte Missionen geplant war.

Die USA haben 80 Starts pro Jahr also mit 4-5 Trägern durchgeführt. Wie viele sind es heute?

Wenn man Unterversionen ausschließt, wie ich es auch oben gemacht habe. So gibt es heute folgende Träger auf dem Markt:

Es sind also heute 13 Trägersysteme im Einsatz, obwohl nur ein Drittel der Starts wie 1966 erfolgten, als 5 Träger genügten. Und in der Tat sieht man auch zahlreiche Träger die fast gleiche Nutzlasten haben wie Falcon 1e/Minotaur IV oder Taurus XL/Minotaur IV und Athena IIc oder Athena III/Taurus II oder AtlasV/Delta IV.

Die Folge sind nur wenige Start pro Träger. Einige dieser Träger auf der Liste sind z.B. seit Jahren nicht mehr geflogen. Bei anderen sind die Startkosten richtig explodiert. Der Start des Reserveexemplars von OCO wird die NASA 70 Millionen Dollar kosten - viel Geld für einen Träger mit nur 1,3 t Nutzlast.

Sehr oft wird diskutiert, dass die USA mehrere Träger bräuchten um Sicherheit zu haben, falls einer längere Zeit am Boden bleibt. Doch wie oft kommt das bei einem eingeführten Träger vor? Ich kann mich nicht erinnern dass dies in den letzten Jahrzehnten vorkam, wenn ein Träger erst mal die ersten 10 Flüge hinter sich hatte. Vor allem haben andere Nationen nicht das Bestreben. Europa hat nur Ariane 5, Chinas Träger basieren auf nur wenigen Triebwerken und Stufentypen die kombiniert werden. Bei Russland gibt es kein Backup zur Sojus und Proton. In der Praxis kostet mehrere Träger mit unterschiedlicher Technologie nur Geld. Denn die wenigen Starts verteilen sich auf mehrere Träger. Jeder einfach ist dann einfach aufgrund der kleineren Stückzahlen teuer. Dabei gibt es sogar eine Lücke - für etwa 4 t LEO Nutzlast gibt es keinen Träger.

Besser wäre also eine Konsolidierung. Eventuell noch eine Anpassung der wenigen Träger (Vorschlag Minotaur - Minotaur IV, Falcon 9 - Atlas) mit Boostern um einen etwas größeren Bereich abzudecken und die 4 t Lücke zu schließen.

26.12.2010: Häppchenwissen - die Antwort an Hans

Hans Kommentar hat mich zu einer etwas längeren Antwort inspiriert. Fangen wir mit den Diagrammen an. Diagramme können sich unterscheiden. Es gibt sofort verständliche und verwirrende Diagramme. Es ist leicht möglich Diagramme so zu tricksen, dass man auch als Eingeweihter genau hingucken. Mir fallen da spontan die Börsencharts an, die eine sehr komische Achseneinteilung haben. Wenn da ein Kurs zwischen 38 und 34 Euro schwankt dann liegt die Untergrenze meist bei 33,5 und die Obergrenze bei 38.5 Euro und es sieht aus als hätte das Papier eine rapide Berg und Talfahrt durchlaufen, dabei schwankt es vielleicht um 15% im Kurs.

Ob größere Teile Der Bevölkerung Diagramme lesen können hängt sicher (bei gegebenem Diagramm) auch von der Vorbildung ab - jedes Diagramm erfordert natürlich auch ein Wissen worum es sich bei dem abgebildeten handelt. Ich denke in meinem Buch geht es nicht ohne Diagramme, wobei der Ausdruck natürlich sehr weit gefasst ist. Die meisten kennen ja nur Balken oder Kreisdiagramme. Diagramme zeigen aber auch den Treibstofffluss in Raketen, den schematischen Aufbau eines Boosters etc.

Ich habe daher auch vor in der zweiten Auflage des Raketenlexikons 1 mehr Diagramme über Startstatistiken und dazu noch Querschnitte (sofern verfügbar) einzugliedern.

Zum DLR wäre viel zu sagen. Sicherlich ist das was veröffentlicht wird vor allem positive P&R. Bei manchen Projekten frage ich mich ob die nicht politisch indoktriniert sind, so habe ich vor ein paar Jahren mal gelesen dass sie ernsthaft die Kohleverflüssigung und Einlagerung im Erdreich erforschen. Mit der Kritik an meinen Büchern kann das jedoch nichts zu tun haben, denn in den drei Büchern kommt das DLR nicht oder nur am Rande vor, und es sind neutrale Beschreibungen der Technik. Ich frage mich allerdings warum jemand eine Kritik an einem Buch schreibt, wenn er den Inhalt nicht würdigen kann, entweder mangels fachlichem Verständnis oder Interesse an der Materie, anstatt dies jemanden zu übertragen, der etwas davon versteht. Davon soll es ja auch in dem DLR noch einige geben.

Zum Bildungswesen gäbe es viel zu sagen. Sicher gibt es zu wenige Mittel trotz gegenteilliger Beteuerungen. Das Hauptproblem sehe ich aber dahin, dass Bildung Ländersache ist. Es fehlt ja daher schon ein einheitlicher Schulabschluss. Ein Abitur in Bayern und eines in Berlin mögen zwar beide Abitur heißen, doch die Lehrinhalte sind nicht dieselben und vor allem die fachliche Qualifikation ist nicht die gleiche. Das ganze ziet sich bei den Hochschulen fort, wo es zig Wege gibt zum Bachelor/Master zu kommen, aber man kaum von vergleichbaren Lehrinhalten sprechen kann. Ich hatte da die Hoffnung das Bologna eine Reform bringen würde, die das Wechseln erleichtert und auch das Anschlussstudium nach einem Bachelor. Aber nichts davon ist eingetreten. Wenn es mal ein einheitliches System gäbe dann wäre das anders. Mein Vorschlag: 10 Jahre Schule für alle, 3 Jahre Oberschule fürs Studium (Abschluss Abi), dann 7 Semester Bachelor und 4 Semester Master jeweils mit einheitlichen Lehrinhalten und Abschlüssen innerhalb der Schularten und Studiengängen, dann kann man auch die einzelnen Schularten, Hochschulen, Fachhochschulen, Berufsakademien gegeneinander ausspielen. Die gewünschte fachliche Diversifizierung kann man erreichen, indem man ab der Oberschule 20% der Zeit für Kurse oder Fächer reserviert, die nicht zum Kernabschluss gehören und es erlauben eigene Interessen oder Spezialisierungen zu verfolgen.

Was Raumfahrtbücher angeht, so ist es so, dass es meiner Meinung nach eine Gruppe gar nicht gibt: die Bücher für interessierte Laien. Die Lehrbücher erklären die Grundlagen, aber sie enthalten keinerlei Praxisbezug. Man erfährt zwar wie die Verbrennungsvorgänge in einem Triebwerk ablaufen, aber keinerlei Details über die Konstruktion, oder Erklärungen zu existierenden Triebwerken. Das ist vergleichbar einem Physikbuch, das die Bernoulligleichung erläutert, aber nicht warum die Flügel des Eurofighters genau diese Pfeilung und Form haben.

Wenn ich mich für Technik interessiere, muss ich auch die physikalischen Grundlagen nicht vollständig verstehen. Es ist ein Grundverständnis nötig, aber nicht ein Physikstudium. Ich muss auch sagen, dass für eine Ingenieurswissenschaft wie sie Raumfahrttechnik ist die Lehrbücher ziemlich theoretisch sind und mehr an eine Naturwissenschaft erinnern.

Daher sollte man ja annehmen, müsste es einen "Run" auf die wenigen Bücher geben, die weiter gehen. Ich sehe den Grund woanders. Heute sind die Leute zufrieden mit "Häppchenwissen". Ich meine damit dass man eine Frage hat eine Antwort sucht und hat man sie ist das Thema gegessen. Es gibt nicht mehr den Wunsch sich tiefer mit einem Thema zu beschäftigen, mehr darüber zu wissen. Das merkt man auch bei manchen Wikipediaartikeln, die sich wie ein Stückwerk von Zitaten oder Fakten lesen, manche sogar mit wiedersprechenden Angaben im Textteil und Tabellen. Dann gibt man sicher auch nicht noch Geld aus für Bücher.

29.12.2010: Merkel rettet die Welt

Der folgende Brief ist fiktiv, nicht jedoch das Anliegen.

Liebe Frau Bundeskanzlerin,

Da Ihnen das Thema Bildung und Forschung so sehr am Herze hängt, möchte ich Sie auf einen Missstand aufmerksam machen: Den Verfall der astronomischen Forschung in Deutschland. Seit der sozialliberalen Koalition hat Deutschland kein Großteleskop mehr in Betrieb genommen. Währenddessen hat der Instrumentenbau große Fortschritte gemacht. Waren die in den siebziger Jahren in Betrieb genommenen 2,5 und 3 m Teleskop noch auf der Höhe ihrer Zeit so sind sie heute eher kleine Instrumente. Aktuelle Teleskope verwenden Spiegel von 8 bis 12 m Größe.

Deutschland hat eine lange astronomische Tradition. Kepler entdeckte die nach ihm benannten Gesetze, Herschel den Planeten Uranus, Galle war an der Entdeckung von Neptun beteiligt. Herzsprung bestimmte die Spektralklassen der Sterne, Frauenhofer entdeckte die Absorptionslinien von Elementen in der Sonne und erfand den farbreinen Achromaten. Weizenäcker klärte den nach ihm benannten Fusionszyklus in den Sternen auf.

Deutschland ist eine Astronomienation mit einer fast 500 Jahre alten Tradition. Doch seit 30 Jahren wurden keine Investitionen mehr in neue Instrumente getätigt. Inzwischen verfügen Nationen ohne diese Tradition und mit geringerer wirtschaftlicher Macht über leistungsfähigere Instrumente so Japan, Südafrika und Spanien.

Deutschland gerät in Gefahr astronomisches Entwicklungsland zu werden, wenn es dies nicht schon ist. Daher möchte ich Ihnen ein Programm vorschlagen, das sowohl öffentlichkeitswirksam ist wie auch der astronomischen Forschung in Deutschland nützt.

Die Erde wird immer wieder von Asteroiden getroffen, welche die Erdbahn kreuzen. Diese werden als NEO (Near Earth Objects) bezeichnet. Kleine Körper hinterlassen einen Krater von etwa 1 km Durchmesser, größere bis zu 200 km. Jedoch sind solche äußerst selten. Kleine Körper, die jedoch eine Stadt auslöschen können, sind durchaus eine Gefahr für unsere Zivilisation, da ein Einschlag auch in einem Zeitraum eines Menschenlebens wahrscheinlich ist. Der letzte Einschlag ging 1911 in Sibirien nieder - zum Glück in damals unbewohntem Land.

Die NASA hat die Aufgabe  bekommen, bis 2020 alle Körper mit einem Durchmesser von 140 m zu finden. Ein solcher Asteroid hinterlässt beim Einschlag immerhin einen 2 km großen Krater und zerstört alles Leben in einem Gebiet 20 bis 30 km Radius. Sollte sich nicht auch Deutschland der Aufgabe verschreiben diese Gefahr für die Menschheit aufzuspüren?

Hier mein Vorschlag für ein Programm, das Deutschland rund 100 Millionen Euro, verteilt über 6 Jahre, also nur 16 Millionen Euro pro Jahr kosten würde. Für eine solche Summe wäre der Bau von zwei 6 bis 7 m Teleskopem möglich. Das ist zwar noch nicht im Bereich der Weltliga, die bei etwa 8 m Größe anfängt, verglichen mit den existierenden Instrumenten stellt es aber einen Quantensprung dar.

Für diese Summe wäre der Bau zweier identischer Instrumente möglich. Je eines für die Nordhalbkugel und Südhalbkugel. Mindestens zwei Instrumente sind notwendig, da bestimmte Bereiche des Himmels nur auf jeweils einer Halbkugel zugänglich sind. Mehr Teleskope, um vor allem auch eine bessere zeitliche Abdeckung zu erhalten wären wünschenswert, doch da Deutschland nicht das einzige Land ist das sich an dieser Suche beteiligt nicht unbedingt nötig. Der Bau von zwei identischen Instrumenten spart Kosten, da die Entwicklungskosten nur einmal anfallen. Nach dem Bau des ersten könnte an das Zweite gegangen werden, wodurch auch die Finanzierung gleichmäßig erfolgen kann und es keine Spitze gibt. Eine Ausdehnung des Programmes wäre natürlich auch möglich. Optimal um den gesamten Nachthimmel lückenlos zu überwachen wären je drei Instrumente auf der Nord und Südhalbkugel, jeweils um 120 Längengrade voneinander entfernt.

Nach der abgeschlossenen Suche von NEO's könnten die Instrumente auch für die allgemeine astronomische Forschung genutzt werden. Teleskope können mit modernisierter Ausrüstung sehr lange eingesetzt werden, während Teleskop und Gebäude praktisch nicht verändert werden. Die derzeit ältesten im Einsatz wurden in den zwanziger Jahren erreichtet. Es handelt sich also um eine sehr dauerhafte Investition.

Weitere positive Effekte wäre die Festigung des Deutsch-Amerikanischen Verhältnisses durch die Zusammenarbeit mit der NASA. Weiterhin benötigen die zahlreichen zu entdeckenden Asteroiden Namen, die aus dem derzeitigen Kabinett oder der CDU/CSU/FDP Fraktion kommen können. Das würde die Entscheidung für die Abgeordneten sicher vereinfachen, wenn sie wüssten, das ein Himmelskörper nach Ihnen benannt wird. Wenn ein solcher Asteroid wirklich die Erde treffen könnte wäre das rechtzeitige Entdecken sehr wichtig. So könnte die betroffene Region evakuiert werden und viele Menschen gerettet werden. Es gibt hier die einmalige Chance eine Katastrophe zwar nicht zu verhindern, aber die Folgen zu minimieren. Über das positive Presseecho (Stichwort: "Merkel rettet die Welt") denke ich sind wir uns einig.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Bernd Leitenberger


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