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Web Log Teil 207: 30.12.2010 - 4.1.2011

30.12.2010: Märchen

Am Montag bin ich beim Zappen über die "Besten Hitparade" beim SWR gestolpert. Seit die Privaten ihre Chart-Show haben bzw. die Hit-Giganten gibt es ja bei den öffentlich rechtlichen solche Shows, da allerdings meistens mit Zuschauerabstimmung. So gab es mal im ZDF die "Besten" (Deutschen) beim NDR habe ich da schon einige gesehen so mal die besten Abba Hits und jetzt eben beim SWR die besten Märchen. Gewonnen hat übrigens Aschenputtel.

Ich bin da hängen geblieben. Die Ausschnitte zahlreicher Märchensendungen, die das öffentlich rechtliche in den letzten Jahren produziert hat, waren nicht schlecht und gerade lade ich mir einige über OTR runter. Ich muss sagen nicht schlecht - mit guter Besetzung, mit humoristischen Einlagen, also nicht nur die Märchen nacherzählt, aber doch an der Story geblieben (im Gegensatz zur Pro 7 Märchenstunde).

Auffällig ist eines. In vielen Märchen wirkt der Wald bedrohlich. Hänsel und Gretel werden in den Wald geschickt, bei Brüderchen und Schwesterchen ist es genauso. Außerdem ist ein wiedekehrendes Element, das Stiefmütter böse sind und ihre Stiefkinder los werden wollen. Stiefmütter muss es wohl früher öfters gegeben haben, denn viele Mütter sind bei der Geburt gestorben. Das der Wald so bedrohlich wirkt, zeigt das die Märchen recht alt sind. Denn schon im dreißigjährigen Krieg war Deutschland fast waldlos und man begann mit der Waldbewirtschaftung um Holz zum Bauen und als Brennholz zu haben. Spätestens dann dürften die angsteinflößenden wilden Urwälder der Vergangenheit angehören. Wölfe und Bären waren als Grimm die Märchen aufschrieb schon weitgehend ausgerottet.

Nach Wikipedia gab es die Diskussion, ob Märchen schädlich für Kinder waren schon früher. So haben selbst die Gebrüder Grimm in folgenden Auflagen die Märchen entschärft, wie sexuelle Anspielungen entfernt, verniedlicht und mit christlicher Moral unterfüttert. Trotzdem war es vor einigen Jahrzehnten den Pädagogen ja noch zu grausam für Kinder. Ich sehe das anders: Sie regen die Fantasie an die ja bei Kindern sehr wichtig ist. Im Prinzip ist jede Märchenwelt eine Fantasiewelt, genauso wie es sie auch in zahlreichen anderen Kinderbüchern eine gibt. Außerdem sind sie lehrreich. In zahlreichen Märchen siegt man mit List und Klugheit anstatt mit Kraft. so beim tapferen Schneiderlein, bei Hänsel und Gretel oder beim gestiefelten Kater. Grimm schrieben ja im Vorwort es wäre ein Erziehungsbuch. Über die Märchen wird dann gleich gleich die richtige Moral weitergegeben, so wie im Struwwelpeter und Suppenkasper, nur nicht ganz so direkt.

Eines meiner Lieblingsmärchen in dieser Beziehung ist Frau Holle: wer fleißig arbeitet bekommt Gold, wer faul ist Pech. Ziemlich deutlich ist das auch beim Märchen vom Sterntaler, wo Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit belohnt wird.

Ich denke Märchen sind eigentlich die Vorlage für viele Fantasiefilme. Manche direkt wie Prinzessin Fantahgiro, andere mehr indirekt.

Was haltet ihr von Märchen und was ist euer Lieblingsmärchen?

31.12.2010: Wenn Freaks Programmiersprachen machen

Der von Michael K. als Rätsel gestellte Aufsatz von Kerningham über Pascal zeigt recht deutlich, warum man eine Programmiersprache oder ein Betriebssystem nicht nutzen sollte, dass von einem Freak erstellt wurde. Man kann sicher einiges an Pascal kritisieren, wie praktisch an jeder Programmiersprache - man wird immer schlauer. Das Hauptproblem von Pascal ist, dass es als Lehrsprache konzipiert wurde. Vielleicht das natürlichste, das ein Uniprofessor tut, aber es ist im praktischen Einsatz Blödsinn. Es macht keinen Sinn Programmieren auf einer Sprache zu lernen und im Einsatz dann eine andere nutzen. So fehlen Pascal wichtige Funktionen in der Ein/Ausgabebibliothek und die Stringverwaltung ist auch ziemlich schlecht implementiert.

Viele Punkte in dem Memo zeigen aber etwas anderes, nämlich die Grundeinstellung die Kerningham hat und die sich in C und Unix wiederfindet. Nämlich das man als Programmierer grenzenlose Freiheit braucht. Nur dazu ein Beispiel: Er bemängelt dass man in Pascal keine Fliesskommazahl an eine Funktion übergeben kann die Integer Zahlen erwartet, wie dies in FORTRAN der Fall war.

FORTRAN hatte nur formale Parameter als Platzhalter, genauso wie der K&R Standard von C. Es gab keine Wertparameter. Bei einem Variablenparameter wird aber die Adresse des Parameters übergeben. Welchen Sinn soll es nun machen, eine Fließkommazahl an eine Funktion zu übergeben, welche die Information als Integer interpretiert - die interne Repräsentation ist schließlich eine andere. Von dem Problem des Überlaufs ganz zu schweigen.

Die Konzeption von C ist dann auch ein Rückschritt zu Pascal: grenzenlose Freiheit. An und für sich was tolles. Man muss sich nicht um Datentypen kümmern, kann direkt auf den Speicher zugreifen und mit der fehlenden Prüfung des Stacks bei Funktionen oder ob der Speicher bei Feldern / Strings ausreicht um den Inhalt aufnehmen kann man auch den Code des Programmes überschreiben - absichtlich oder eben als Sicherheitslücke, die allseits bekannten Buffer-Overflows.

Ein einfaches Beispiel ist die Möglichkeit eine Zuweisung in der if Anweisung durchzuführen. Das erlaubt es die Zuweisung eines Rückgabeparameters einer Funktion und den Test auf 0 (es gibt ja keine Booleschen Variablen in C) in einer Anweisung zu machen. Für dieses Ersparen von etwas Tipparbeit handelt man sich schwer auffindbare Fehler ein, wenn man eigentlich einen vergleich mit "==" anstatt "=" durchführen wollte.

Überhaupt scheinen die Designer von C und Unix der irrigen Ansicht zu folgen, dass die Hauptarbeit beim Programmieren das Eintippen ist. Mit der kurzen Schreibweise von C mit vielen Operatoren, den Klammern kann man sicher am Tag eine Minute Tipparbeit sparen - um dann Stunden nach einem Fehler aufgrund dieser kurzen Schreibweise zu suchen. Oder man spart eine Sekunde beim Tippen von "ls" und darf dann eine Minute mal das Manual studieren, welche der zahllosen kryptischen Parameter gerade benötigt wird.

Sicherheit bedingt eine Einschränkung der Freiheit. Ein System das Parameter prüft lässt eben nicht grenzenlose Typkonvertierungen zu. Doch aus irgendeinem Grund gibt es eine ganze Reihe von Programmierern die sich von Systemen mit maximaler Freiheit aber auch maximaler Gefahr von Fehlern verbunden ist angezogen führen.

Ich muss sagen C hat mich nachhaltig beeindruckt. Bevor ich Softwaretechnik studiert habe habe ich ja schließlich auch schon programmiert in BASIC, Assembler und vor allem in Pascal. Als ich dann zum ersten Mal mit C zu tun habe fühlte ich mich in die Computersteinzeit zurückversetzt: Das soll also die tolle Programmiersprache sein in der jeder programmiert? fehlerträchtig, umständlich (so muss man bei Strings dauernd selbst kopieren oder speicher allokieren anstatt das es eine Bibliothek dafür gibt) und kryptisch.

Seitdem habe ich auch C++, Perl, Java und C# als Abkömmlinge dieser Sprache kennen gelernt. C++ und Perl sind noch schlimmer. Sprich unnötig kompliziert und umfangreich (C++) oder noch kryptischer (Perl). Java und C# haben weitgehend mit C gebrochen was die Fehlermöglichkeiten angeht. Viele Anleihen von Pascal und anderen Sprachen sind übernommen worden. Aber ich muss sagen C hat mich so weitgehend negativ beeindruckt, dass ich mich für die Sprachen auch nicht sehr erwärmen kann - die Syntax ist eben noch "C-Style".

Wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn Wirth anstatt nach Pascal noch weitere Lehrsprachen (Modula, Oberon) zu erfinden, Pascal verbessert hätte. eine vernünftige Stringverwaltung (nicht mit fixer Länge und 255 Byte Beschränkung) und definierte Prozeduren für Lowlevelzugriffe geschaffen hätte die dann herstellerspezifisch implementiert werden. Das verschaffte Turbo Pascal ja auch den Erfolg. es gäbe zumindest für den Anwender keine Probleme mit Viren, nicht dauernde Sicherheitsupdates etc.

1.1.2011: Neujahrsvorsätze

Ein beliebter Brauch ist es ja, für Neujahr sich etwas vorzunehmen, was man verändern will. Ich muss sagen, ich habe das lange Zeit ignoriert, aber dann ab 2008 doch begonnen mir was vorzunehmen und das durchzuhalten.

Der kleine Anfang war 2008, dass ich alle Aufzüge gemieden habe und nur noch die Treppe genommen haben. Das waren bei meinem damaligen Arbeitgeber immerhin vier normale Stockwerke (eigentlich nur zwei, aber sie sind doppelt hoch und haben Zwischenstockwerke) und das auch durchgehalten. Okay, das ist nun nicht so viel was besonderes.

Beim nächsten Jahr legte ich was drauf und beschloss das letzte Stück des Weges, wo ich immer umsteigen musste, zu Fuß zurückzulegen. das sind nach 2,4 km und erstaunlicherweise brauchte ich auch nicht länger als mit dem Bus, der zuerst zum Bahnhof rausfuhr und dann wieder zurück, 5 Minuten Wartezeit tun ein übriges. Das habe ich auch durchgehalten trotz 600 Staffeln auf dem Weg.

Der Vorsatz für 2010 ist zu privat für den Blog, aber auch durchgehalten worden und für dieses Jahr habe ich mir was wirklich schweres vorgenommen. Ich gehöre zu den Schnellessern. Das heißt ich bin in der Gastwirtschaft regelmäßig vor den anderen fertig und auch sonst bin ich recht schnell beim Essen, kaue nicht lange auf dem Essen herum. Das war schon immer so. Ich weiß nicht warum. Bei warmen Essen ist sicher ein Effekt, dass es mir nicht mehr so schmeckt wenn es kalt wird. Es ist vielleicht auch einfach nur eine Angewohnheit., die ich nun ändern will. Also alles langsam essen, kleine Bissen und viel kauen.

Ich denke das wird recht hart denn je älter eine Angewohnheit ist, je öfter sie praktifiziert wurde, desto mehr hat sie sich verfestigt und desto unwillkürlicher wird sie durchgeführt. Also Kauen ist etwas, über das man nicht nachdenkt. Das ist viel schwieriger als sich im Bus zu sagen, halt nun steige ich hier schon aus und laufe hoch - sobald man dann läuft, geht ja auch wieder alles automatisch seinen Gang.

Dinge die man unwillkürlich macht die zu ändern ist schwierig, weil irgend ein Teil unseres Gehirns es automatisch macht. Ab und an merkt man das wenn man Sachen hochhebt und sich im Gewicht verschätzt. Man hebt etwas an und die Arme bringen soviel Kraft auf wie man denkt das Zeugs wiegt - ohne das man darüber nachdenkt. Wenn man dann einen Gasbetonstein hochhebt der innen hohl ist, dann merkt man sofort dass man viel zu viel Kraft einsetzt. Umgekehrt kann man Überraschungen erleben mit Holzplatten die auf der Rückseite unsichtbare Eisenbeschläge haben. Das ist ein Beispiel wie bei fast allem was wir machen im Alltag vom Gehen über praktisch jede Tätigkeit wir nicht nachdenken müssen diesen oder jenen Muskel zu bewegen. Daher denke wird es hart sein und ich werde beim Essen daran denken müssen nun aktiv viel zu kauen, wenig herunter zuschneiden, Pausen zu machen - zumindest solange bis die neue Gewohnheit die alte ersetzt hat. Das dauerte dieses Jahr fast 3 Monate.

Soviel von mir: Was habt ihr euch vorgenommen und was ist aus euren Vorsätzen in den letzten Jahren geworden?

2.1.2011: Buzz Aldrin, was hat dich geritten?

Wie ich dieser Meldung entnehme prozessiert Buzz Aldrin derzeit gegen eine Firma die eine Kartenserie mit der Bezeichnung "American Heroes" hergestellt. Eine der Karten verwendet ein Foto der Apollo 11 Mission das Buzz Aldrin darstellt. Das würde einen Zusatzwert zu einem kommerziellen Produkt hinzufügen. Die Rechtsanwälte haben auf diese Weise schon 760.000 Dollar bei anderen Firmen eingetrieben.

Ich muss sagen ich bin schockiert. Als Buchautor muss ich mich ja auch mit dem Copyright beschäftigen. Das ist bei der NASA am freundlichsten für Autoren: Die Bilder sind gemeinfrei und müssen nicht mal mit einem Credit versehen werden, worauf z.B. die ESA besteht. Die NASA Richtlinien sehen allerdings auch vor, dass bei einer identifizierbaren Person die Erlaubnis eingeholt werden sollte.

Leider lässt das offen was dann passieren sollte, da die Passage etwas weich formuliert ist "permission should be obtained from the person." Mit "must" wäre man wohl auf der sicheren Seite gewesen. Und das nächste ist dann die Definition von identifizierbar. Auf keinem der Bilder der Astronauten auf dem Mond kann man erkennen wer es ist. Das Gesicht ist nicht unter dem spiegelnden Visier zu sehen. Auf der anderen Seite sind die Bilder so bekannt und es ist auch allgemein bekannt das jeder Astronaut auf einer apollo 11 Aufnahme auf dem Mond, Aldrin sein muss, weil er vergaß seinen Kollegen zu fotografieren.

Also wahrscheinlich kommt er damit durch. Nur frage ich mich warum. Es wirft ein schlechtes Licht auf ihn. Wenn es sich um eine Publikation handelt die ihn schlecht darstellt und dann Fotos verwendet oder ein Produkt das überhaupt nichts mit Raumfahrt zu tun hat wie das im Artikel erwähnte Album von Dido mit einem Astronauten drauf, dann könnte ich es verstehen, aber eine Kartenserie "American Heros"? Ich wäre an Aldrins Stelle froh wenn ich da drinnen wäre und nicht Neil Armstrong....

Ich hoffe nur Aldrin entdeckt nicht, dass ich in meinem Buch auch drei Aufnahmen verwendet habe auf denen er zu sehen ist. Aber meiner persönlichen Meinung nach schadet er mit diesem Prozess seinem persönlichen Ansehen.

Was gibt es sonst noch? Der Dezember war trotz Einbruch nach Weihnachten der Monat mit den meisten Besuchen. Erstmals ist die 15.000 Besucher Grenze überschitten worden. Das Wachstum war nicht so groß wie 2009, als die Besucherzahlen sich verdreifacht haben, aber immerhin 40% mehr. Mal sehen was 2011 bringt. Was ich schon jetzt ankündigen will ist das der Freitag oder Samstag blogfrei sein werden. Ich habe ab nächstem Freitag wieder Kurse an der DHBW Stuttgart und diesmal alle drei am Stück von Freitag Mittag an. Der Unterricht macht ja viel Spaß, ist aber auch sehr anstrengend und ich denke da werde ich keine Zeit mehr finden einen Blog zu schreiben. Aber vielleicht füllen ja einige Gastautoren die Lücke.

3.1.2011: Wiederverwendung - bei SpaceX realistisch?

Pläne für die Bergung und Wiederverwendung von Stufen gab es viele. Es wurde für die Ariane 1 überlegt, die Saturn V. aber außer bei den Feststoffboostern des Space Shuttles wurde es nie praktiziert. Die spielen aber in einer anderen Liga. Die starken Hüllen aus Edelstahl überstehen den Wiedereintritt und auch den Aufprall auf dem Meer. Es gibt kaum mechanische Teile und keine empfindlichen Triebwerke mit Turbopumpen.

Es gibt zwei Probleme dabei: Überlebt eine Stufe den Wiedereintritt und was kostet das an Nutzlast?

Nehmen wir mal das erste. Die Beanspruchungen beim Wiedereintritt können durchaus beachtlich sein. Sie nehmen mit steigender Abtrennungsgeschwindigkeit zu. Bei den Ariane 5 Boostern sind mir durch die Recherche für mein letztes Buch die Werte bekannt: Maximale Verzögerung: 22 g und maximale thermische Belastung 40 kW/m². Vor allem die Abbremsung ist von Bedeutung. Dieser Wert ist viermal höher als die maximale Belastung der Falcon 9  beim Aufstieg - und die erste Stufe der Falcon 9 wird bei erheblich höherer Geschwindigkeit als die Ariane 5 Booster abgetrennt. Zudem muss die Verteilung (also wo die maximale Belastung entsteht) nicht mit der beim Aufstieg übereinstimmen.

Das zweite sind die Triebwerke. Ich habe gewisse Zweifel daran, dass für Triebwerke mit heißen Brennkammern (die immerhin wenige Minuten noch auf rund 800-1000°C erhitzt wurden) es so gut ist mit 100 km/h auf Salzwasser von 15°C zu prallen. Meine laienhaften Kenntnisse als Chemiker lassen die Worte Korrosion und Abkühlungsschock aufkommen. Für die beweglichen Teile des Triebwerks, aber auch Verbindungen (Treibstoffleitungen etc.) ist auch der Aufprall nicht so gesund. Ich sehe durchaus die Gefahr von Bildung von Haarrissen, Ermüdung und Beschädigungen.

Die Folge könnte sein, dass die Reparatur der Stufe fast genauso viel kostet wie eine neue - denn um alle möglichen Fehler, Beschädigungen, Haarrisse, Ermüdete und korrodierte Stellen  zu finden wird man sie praktisch vollständig demontieren müssen. Ein Vergleich mit den Shuttle Boostern ist nicht besonders sinnvoll, weil diese aus 12,2 mm starkem Edelstahl bestehen während schon aus den bekannten Abmessungen des Tanks seine Windstärke unter 1 cm liegen muss und er besteht aus einer Aluminiumlegierung. Vergleichen sie mal einen Kochtopf mit dickem Edelstahlboden und einen mit einem dünnen Aluminiumboden und sie wissen was ich meine.

Das zweite ist was dies an Nutzlast kostet. Blickt man über den Tellerrand, also zu den bekannten Konzepten von Baikal und den LFBB und vergleicht diese mit den Stufen ohne Bergungsstufen (hier Angara Core und EPC) so fällt auf das sie deutlich schwerer sind:

  EPC LFBB Angara Core Baikal Booster
Vollmasse 189.500 222.500 131.000 130.400
Leermasse 14.100 46.200 10.000 21.700

Auch wenn diese beiden Projekte aufgrund der Tatsache, dass sie wieder zum Startplatz zurückfliegen sollen (sie haben daher beide Flügel und ein Düsentriebwerk) nicht direkt mit dem SpaceX Vorhaben vergleichbar sind ist doch eines deutlich: die geborgenen Stufen sind deutlich schwerer als die Ausgangsstufen. Selbst im günstigsten Fall ist es das doppelte Gewicht.

Bei einem nur zweistufigen Träger ist auch das Gewicht der ersten Stufe wichtig. SpaceX setzt die leichte Aluminiumlegierung 2195 ein. Nach ihren Angaben wiegt der 7710 kg schwere Triebwerksblock schon halb so viel wie die erste Stufe gesamt, woraus man ein Leergewicht von 16 t bei einem Startgewicht von etwa 260 bis 270 t ableiten kann, was schon eine sehr leichtgewichtige Konstruktion ist. Setzt man die Raketengleichung an, so lässt sich leicht berechnen, dass die Nutzlast um 1 kg sinkt, wenn die erste Stufe um 5,6 kg schwerer wird.

Bisher klappte bei keiner geplanten Bergung einer Falcon Trägerrakete diese. Beim letzten Versuch beim Jungfernflug der Falcon 9 kamen nur noch Trümmer an. Das spricht dafür, dass die stufe beim Wiedereintritt vollkommen zerstört wurde. Bei diesem extremen Leichtgewicht und der nicht gerade hochtemperaturfesten Legierung ist das kein Wunder.

Wie viel schwerer wird die Stufe wohl werden, bis sie stabil genug ist nicht zu desintegrieren? Das ist natürlich schwer zu sagen. Aber steigt ihre Leermasse um 30% so senkt das die Nutzlast schon um 900 kg. Bei 50% sind es rund 1.400 kg. Höhere Belastung kostet Gewicht. So hat z.b. die mit einem Feststofftriebwerk aus dem Silo herausgeschossene RS-36M ein deutlich höheres Leergewicht als andere Träger Russlands dieser Größe - ich vermute auch hier ist diese Belastung deutlich höher als später die im Flug auftretende. Der nächste Vergleich der mir einfällt ist die Kistler K-1 - sie arbeitet mit derselben Treibstoffkombination, sollte auch bergbar sein und verwendet sogar noch leistungsfähigere Triebwerke. Setzt man ihr Leergewicht als Maßstab an, so müsste die erste Stufe der Falcon 9 rund 22,1 t wiegen, was in etwa 1,1 t Nutzlast kostet. Bei rund 7 t Maximalnutzlast der derzeitigen Version also durchaus eine größere Einbuße

Da bei der zweiten Stufe das ganze noch problematischer wird - jedes Kilo mehr geht von der Nutzlast ab und die Belastungen sind wegen der doppelt so hohen Geschwindigkeit erheblich höher, zudem wird noch Treibstoff benötigt um die Stufe zu deorbiteren, der dann auch noch abgezogen wird. denke ich werden die Pläne die zweite Stufe zu bergen wohl schon beerdigt worden sein.

Insgesamt sehe ich bei dem Vorhaben sehr viele Fragezeichen. Viel mehr als eine Absichtserklärung, aber kaum Details, wie die Bergung ablaufen soll und was man getan hat um zu garantieren dass sie auch klappt gibt es auch seitens SpaceX nicht. Bei der ersten Stufe der Ariane hat man dies damals genau untersucht und kam bei Versuchen im Windkanal zu dem Schluss das es von der Form und der Massenverteilung sehr wahrscheinlich ist, dass die Stufe sich beim Abstieg überschlagen würde und so nicht mit Fallschirmen ohne eine aktive Stabilisierung geborgen werden kann, was (neben den geringen Kosteneinsparungen) dann dazu führte das Projekt einzustellen. Ich habe von SpaceX leider nichts vernommen wie sie getestet haben ob es bei Ihnen klappen kann.

Überhaupt ist offen, wie "reuse" funktionieren soll. Man findet auf der Website keinen Hinweis auf besondere konstruktive Maßnahmen, außer bei der Falcon 9 auf den Hinweis das Fallschirme und ein GPS Receiver an Bord ist - aber nichts bei der Falcon 9. Musk sagte in Interviews, man müsste den Thermalschutz verstärken - das wars. Wenn das alles ist wundert es mich nicht das es nicht klappt. Bevor jemand sagt "dann bergen sie eben nur die Triebwerke" - das scheint weder geplant zu sein, noch so einfach zu gehen. Wenn die Tanks beschädigt sind und volllaufen dürften auch die Triebwerke versinken und dass diese abgesprengt werden und separat landen, eventuell mit Airbags stabilisiert dafür gibt es keine Pläne und Angaben.

Die meisten Experten sind der Meinung das "RLV" also Reuseable Launch Vehikles" also solche schon konstruiert und für die Bergung ausgelegt sein müssen. Und das ist bei der Falcon 9 nicht der Fall.

So gesehen kann ich Musks Kommentierung auf die Frage nach der Bergung nach dem Jungfernflug nicht ganz verstehen: "We will never give up! Never! Reusability is one of the most important goals. If we become the biggest launch company in the world, making money hand over fist, but we’re still not reusable, I will consider us to have failed.” Da setzt man sich doch selbst unter Druck. Aber er ist ja kein Spezialist für kluge worte - ich denke da nur den Kommentar in dem er Neil Armstrong als "manipuliert" bezeichnet hat.

5.1.2010: Jahresrückblick und Jahresausblick

In meinen Augen geht ein recht ereignisloses Raumfahrtjahr zu Ende. Die Einschnitte durch das Constellation Programm sind nun bei der NASA voll spürbar. Die NASA startete 2010 einen, ja genau einen Forschungssatelliten: Das Solar Dynamics Observatory. Genauso viele waren es bei der ESA (Cryosat 2), Deutschland (TanDEM-X).

Die JAXA und China starteten Raumsonden. Akatsuki verpasste seinen Venusorbit und eventuell wird in sechs Jahren ein neuer Versuch durchgeführt. Chang'e-2 umkreist den Mond, wie schon bei Chang'E-1 weitgehend ohne Neuigkeiten und diesmal auch weitgehend ohne technische Informationen über die Sonde.

Es gab einige Fehlstarts. Die Proton versagte, was allerdings nicht so neu ist - sie ist von den etablierten Trägern derjenige mit der schlechtesten Langzeitzuverlässigkeit. Es gab aber eine Rekordstartrate von 12 Proton Flügen, davon 8 kommerzielle Flüge. Bei sechs kommerziellen Starts konnte trotzdem Ariane 60% aller geostationären Nutzlasten transportieren. Der nächste Start - der 200.ste einer Ariane - wird den ATV transportieren. Wie ich meine eine würdige Nutzlast für das Jubiläum.

Die KSLV versagte auch bei ihrem zweiten Flug - diesmal war die erste Stufe dran schuld, die auf dem Angara URM basiert - kein gutes Ohmen. Überhaupt ist noch nicht vorhersagbar wann die Angara kommen wird. Indien musste bei zwei Starts ihrer GSLV zwei Fehlstarts hinnehmen.

Die Falcon 9 ist erfolgreicher als ihr Vorgängermodell mit einem Teilerfolg und einem erfolgreichen Start.

Das Ausmustern des Space Shuttles wurde nochmals um ein Jahr verschoben.

Eine kleine Neuerung war die Einführung einer modernisierten Sojuskapsel die nun von einem Kosmonauten gesteuert werden kann und die Einnahmen aus verkauften Sitzen für Russland verdoppelt.

Das wohl bemerkenswerteste Ereignis dieses Jahr war die Einstellung von Constellation, stattdessen sollen nun kommerzielle Crewtransporte es richten. Derzeit wird noch um das Programm und vor allem die Einstellung im Kongress debattiert, also das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Vieles spricht dafür das 2011 spannender wird.

Zwei Raumtransporter aus Europa und Japan werden die ISS erreichen und das Umsetzen, was die USA noch beweisen müssen: nämlich die ISS versorgen. Immerhin wird doch dort inzwischen ganze 30 Stunden pro Woche geforscht, also pro Astronaut glatte 42 Minuten pro Tag! Bei den tollen Arbeitszeiten verstehe ich warum jeder Astronaut werden will.

Mit etwas Glück kann SpaceX ihr Entwicklungsprogramm für die Dragon abschließen, bei der Taurus II und Cygnus ist das eher unwahrscheinlich. Dafür wird nun endlich das Shuttle ausgemustert werden - nach ziemlich genau 30 Jahren. Der für Juni geplante Jungfernflug der Taurus wird der zweite einer neuen Trägerrakete 2011 sein.

2011 wird den Jungfernflug der Vega (derzeit für Juli geplant) und als Premiere einen Start der Sojus von Kourou aus sehen. Es ist der Start des nach Viking teuersten Marsprojektes. Dazu kommt der Start von Juno. Also gleich zwei neue Planetensonden aus den USA. Die Zenit wird dreimal 2010 starten - zweimal - das ist auch eine Novität wieder mit russischen Nutzlasten, und erstmals mit der Fregat Oberstufe und auch die Wiederaufnahme von Sealaunch Starts ist geplant.

Zwei Delta II Starts sind für 2011 vorgesehen, wonach dann nur noch ein Träger der Dienstältesten Trägerrakete der USA zur Verfügung steht.

Europa wird 2011 die ersten operationellen Galileo Satelliten starten - Russland will etwas verspätet auch 2011 sein Glonass Netz fertigstellen und inzwischen arbeitet auch China an einem eigenen GPS-Netz... Jeder will wohl ein Netz aufbauen. Mal sehen ob da die Rechnung der ESA/des EU Parlamentes über die Finanzierung noch aufgeht.

4.1.2010: die bösen Raucher

Spanien hat gerade ein neues Gesetz erlassen, das Rauchen weiter einschränkt. Im allgemeinen haben es Raucher immer schwerer. Auch bei uns gab es ja vor kurzem die Verschärfung im Gaststättenbereich. Darüber hinaus ist es auch immer schwerer dafür Werbung zu machen. Nicht nur direkt, sondern auch indem es in den Medien vorkommt. In Spielfilmen und Fernsehserien gibt es fast keine Raucher mehr.

Ja die Raucher sind böse Menschen. Es dauert nicht lange und sie müssen sich in dunklen Höhlen treffen um ihrem Laster nachzugeben, so wie in den USA Alkohol in der Öffentlichkeit nur in braunen Tüten getrunken werden darf, damit keiner sieht, das es Alkohol ist. Da Raucher auch noch doof sind, müssen auf jede Packung Warnhinweise rauf und aus dem Automaten gibt es Zigaretten nur noch mit EC-Karte als Altersnachweis.

Das ist um so unverständlicher, weil der Staat enorm abkassiert. Ich muss für meine Mutter ab und an auch Zigaretten mitbringe und jedes Mal denke ich mir - ist doch preislich nahe bei Drogen - 5 Euro für ein Päckchen mit fast keinem Inhalt. Dafür kann man jede Menge Schokolade, Kaffee oder sich eine Flasche Likör kaufen. Dabei sind die Dinger schnell weggeraucht. Wahrscheinlich ist Haschisch im Straßenverkauf pro Gramm sogar billiger, weil keine Steuer drauf ist. Ich frage mich warum die Raucher nicht auf Haschisch umsteigen, dass kann man wenigstens zuhaus im Garten anbauen oder sogar im Haus, wie ich bei "Weeds - kleine Deals unter Nachbarn" (meine neue Lieblingsserie) erfahre.

Nun wird ja wieder erwogen die Steuer zu erhöhen. Dabei ist sie schon hoch. Nach Wikipedia betragen die Einnahmen aus der Tabaksteuer 14,3 Mrd Euro. Das ist fast genauso hoch wie Kosten, welche die Raucher für das Gesundheitssystem verursachen. Das sind 17,7 Milliarden Euro.

Irgendwie ist das wie bei allen "legalen" Drogen schizophren: Auf der einen Seite abkassieren, auf der anderen Weise den Konsum einschränken und (semi)kriminalisieren. Es wäre Zeit (wie bei anderen Sachen auch) das ganze zu entrümpeln und zu einem ehrlichen Verhältnis zu kommen: Raucher verursachen Kosten und belästigen mit dem Rauch andere Leute wenn sie im gleichen Raum sind. Für das letzte denke ich braucht man keine Gesetze: Hier soll jeder entscheiden wie er es in seinem Lokal, seinem Fahrzeug, öffentlicher Versammlungsstätte etc. halten will. Wenn ein Gastwirt kein Rauchverbot hat und bei ihm Qualm in der Luft hängt verliert er vielleicht Gäste die das stört und ändert das von sich aus.

Die Leute wissen das es tödlich ist und krank macht auch ohne Packungshinweise und das nicht erst seit heute. Das Rauchen Krebs erzeugt habe ich schon in der Hauptschule gelernt und das ist gute 30 Jahre her. Verbieten kann man es eh nicht, das sieht man am Beispiel Prohibition in den USA - wer danach süchtig ist beschafft sich den Stoff dann übers Ausland.

Bei der Tabaksteuer sollte es so sein das man mit der Steuer die Kosten im Gesundheitswesen finanziert - und nicht nur wie heute ein Teil davon finanziert wird. Dazu müsste sie etwas teurer als heute sein. Und nach einem Jahr sieht man dann, ob das kostendeckend war und passt nächstes Jahr an. Das ganze wird dann automatisch teurer, wenn die Leute weniger rauchen - Lungenkrebs und andere Krankheiten haben lange Inkubationszeiten sodass die Kosten für die Raucher heute erst noch auf das Gesundheitssystem zukommen.

Das System kann man auch auf Alkohol ausdehnen. Bei anderen Dingen wie zu fettem, zuckerreichen Essen wird's dagegen schwierig. Zum einen das ganze zu quantisieren (schließlich sind die Risikofaktoren nur bekannt, aber man kann nicht sagen wie viel das Gesundheitssystem zu viel Zucker kostet).

Aber hört auf mit der Tabaksteuer die Einschränkung persönlicher Rechte (aka Anti-Terror Paket) und andere Sachen zu finanzieren...


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